From 0047815006e220ce8e0ee8ef236e4bd733c2bd02 Mon Sep 17 00:00:00 2001 From: Peter Fischer Date: Fri, 9 Sep 2022 09:24:47 +0200 Subject: [PATCH] =?UTF-8?q?Bearbeitung=20Mk/Verr=C3=BCckt?= MIME-Version: 1.0 Content-Type: text/plain; charset=UTF-8 Content-Transfer-Encoding: 8bit --- views/nt/ev/mk/getauft/verrueckt.pug | 95 +++++++++++++++++++++++++++- 1 file changed, 93 insertions(+), 2 deletions(-) diff --git a/views/nt/ev/mk/getauft/verrueckt.pug b/views/nt/ev/mk/getauft/verrueckt.pug index 089bd8c..a2a24fd 100644 --- a/views/nt/ev/mk/getauft/verrueckt.pug +++ b/views/nt/ev/mk/getauft/verrueckt.pug @@ -162,7 +162,7 @@ block content p.card-text.konzentr-1.mb-0.bibeltextkonzentr | 2,1 Als er nach einigen Tagen wieder nach Kafarnaum hineinging, wurde bekannt, dass er im Hause war. br - | 2 Und es versammelten sich so viele Menschen, dass nich einmal mehr vor der Tür Platz war; + | 2 Und es versammelten sich so viele Menschen, dass nicht einmal mehr vor der Tür Platz war; br | und er verkündete ihnen das Wort. p.card-text.konzentr-3.bibeltextkonzentr @@ -170,4 +170,95 @@ block content br | 21 Als seine Angehörigen davon hörten, machten sie sich auf den Weg, um ihn mit Gewalt zurückzuholen; br - | denn sie sagten: Er ist von Sinnen. \ No newline at end of file + | denn sie sagten: Er ist von Sinnen. + + + .card.slide.border-primary.mb-3 + .card-body + h5.card-title Jesus und seine Familie – offenbar ein spannungsreiches Verhältnis + hr + p.card-text + | Hier hat sich wahrscheinlich die Erinnerung erhalten, dass es eine Spannung gab zwischen Jesus und seiner leiblichen Familie + | während Jesu irdischen Wirkens. + br + | Im ganzen Evangelium des Markus wird nie positiv von einem Familienangehörigen Jesu gesprochen, + | auch fehlt – besonders auffällig – die Familie etwa in der Apostelliste oder überhaupt „irgendwo“ in der Nachfolgeschar; + | kein Bruder Jesu ist dort genannt, auch keine Schwester erwähnt. + br + | Stattdessen ist immer wieder vom Verlassen der Familie und der Heimat die Rede – das ist einerseits im Hinblick + | auf den Philipper-Hymnus zu verstehen (siehe auch die Söhne des Zebedäus), kann andererseits aber kaum Thema sein, + | wenn nicht auch der historische Jesus seine Heimat und Familie verlassen hat, um als Wanderprediger durch die Lande zu ziehen. + p.card-text + | Bemerkenswert ist auch, dass Matthäus und Lukas trotz Kindheitserzählungen (die an sich unhistorisch sind) + | das Bild von der Familie Jesu, das sie von Markus weitgehend übernommen haben, nicht korrigieren, + | ja die Radikalität Jesu auch was die Scheidung von der eigenen Familie anbelangt durch die umfangreichere + | Wortüberlieferung noch gesteigert haben. + p.card-text + | Was genau den historischen Jesus dazu gebracht hat, seine Familie zu verlassen, wird nirgendwo thematisiert; + | es erscheint im Rahmen seiner Sendung quasi als göttliche Notwendigkeit ohne weiteres Hinterfragen akzeptiert zu sein. + p.card-text + | Das Urteil „von Sinnen“ der Familie über Jesus ist an sich mehrdeutig und schwierig zu interpretieren. + br + | Dies umso mehr, als in der folgenden Erzählung, die von der Thematik „leibliche/geistliche Familie“ gerahmt wird, + | eine Problematik hinsichtlich der paulinischen Rechtfertigungslehre thematisiert wird (Stichwort: „Diener der Sünde“). + + + .card.slide.border-primary.mb-3 + .card-body + h5.card-title Jesus und seine Familie – nach Ostern auf einmal präsent + h6.card-subtitle.text-muted Ein Blick in die früheste Kirchengeschichte + hr + p.card-text + | So selbstverständlich, wie die Familie Jesu während seines irdischen Wirkens keine (positive) Rolle spielt, + br + | so selbstverständlich ist in der Apostelgeschichte nach Ostern die Familie Jesu (zumindest für eine gewisse Zeit) präsent. + p.card-text + | Auch wenn hier vielleicht manches – in Anlehnung an die Kindheitserzählungen – geschönt ist: + br + | dass der Herrenbruder Jakobus eine führende Rolle in der Urgemeinde in Jerusalem eingenommen hat, + | das belegt auch Paulus in seinem Brief an die Gemeinden in Galatien. + p.card-text + | Es scheint sogar so zu sein, dass Jakobus effektiv Petrus, der ganz selbstverständlich alle Apostellisten anführt, + | vertrieben hat. + br + | Jakobus und Paulus scheinen sich theologisch recht scharf gegenübergestanden zu haben; Petrus dagegen hat wohl versucht, + | eher eine ausgleichende Position einzunehmen, auch dort, wo das eigentlich nicht geht; + br + | jedenfalls hatte Jakobus eine so dominante Rolle eingenommen, dass Petrus dann in Antiochien sein Verhalten + | gegenüber den Heidenchristen ändert, als Leute aus dem Jakobus-Kreis dorthin kommen, was Paulus scharf kritisiert + | (→ Antiochenischer Zwischenfall). + p.card-text + | Jakobus stand für ein eher jüdische Traditionen bewahrendes Christentum („judaisierende Christen“) mit klarer + | Bejahung des jüdischen Gesetzes als Identity-Marker (→ Beschneidung); + br + | er gehört damit zu jenen, für die das Kreuz ein „Ärgernis“ ist – die es also im Gegensatz zu Paulus relativieren + | und mit dem jüdischen Gesetz versöhnen –, wie sie uns als Gegenüber + | zum auf Paulus durchsichtigen markinischen Jesus bereits begegnet sind (und auch in der nachfolgenden Erzählung begegnen werden). + p.card-text + | Es wird wohl so sein, dass Jakobus tatsächlich etwas näher am irdischen Jesus steht als Paulus, + br + | andererseits hat Paulus nachvollziehbare klare Konsequenzen aus dem Tod Jesu am Kreuz gezogen, der alles + | nochmal verändert hat. + br + | Jakobus & Co haben – in den Augen des Paulus – da harmonisiert, wo eigentlich nicht zu harmonisieren ist. + p.card-text + | Klar ist jedenfalls, dass die Variante des Christentums um den Herrenbruder Jakobus eine innerjüdische Sekte geblieben ist und + | mit ihm das Christentum insgesamt geblieben wäre; es wäre wohl längst untergegangen, + | wie es heute (leider) effektiv keine Judenchristen mehr gibt. + br + | Dass das Christentum zu einer weltweiten Bewegung werden konnte, ist nicht zuletzt Paulus zu verdanken + | mit seiner gesetzesfreien Heidenmission und seiner damit zusammenhängenden + | biblisch (gerade alttestamentlich) begründeten Rechtfertigungslehre. + p.card-text + | Dabei muss man ergänzen, dass es schon vor Paulus eine Öffnung zu den Heiden gab, vornehmlich wohl in Antiochien, + | verbunden mit einer Relativierung des jüdischen Gesetzes gerade was Speise- und Reinheitsvorschriften sowie die Beschneidung anbelangt, + | wozu man sich offenbar durch Jesu eigenes Verhalten, seine Predigt, seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung, berechtigt sah. + br + | Dieses in dieser Hinsicht „Judentum light“ war für die sogenannten „Gottesfürchtigen“ attraktiv, also jenen Heiden, die mit dem + | Judentum, vor allem dem Glauben an den einen Gott, geliebäugelt haben, den formellen Übertritt aber gescheut haben, + | weil er mit der Übernahme von Speise- und Reinheitsvorschriften des Judentums eine Veränderung der sozialen Bezüge mit sich gebracht hätte, + | was für viele abschreckend war. + br + | Es war aber vor allem Paulus, der dann zu dem Protagonisten dieser „gesetzesfreien Heidenmission“ schlechthin geworden ist + | und der dies auch biblisch-theologisch begründet hat. +