From 145c81c6c13df4495620c419042f1e7f219241cd Mon Sep 17 00:00:00 2001 From: Peter Fischer Date: Fri, 9 Sep 2022 12:22:00 +0200 Subject: [PATCH] Bearbeitung Mk/Verteidigung --- views/nt/ev/mk/getauft/verteidigung.pug | 213 +++++++++++++++++++++++- 1 file changed, 212 insertions(+), 1 deletion(-) diff --git a/views/nt/ev/mk/getauft/verteidigung.pug b/views/nt/ev/mk/getauft/verteidigung.pug index a5e6aea..814639a 100644 --- a/views/nt/ev/mk/getauft/verteidigung.pug +++ b/views/nt/ev/mk/getauft/verteidigung.pug @@ -225,7 +225,7 @@ block content br | 26 Und wenn sich der Satan gegen sich selbst erhebt und gespalten ist, kann er keinen Bestand haben, sondern es ist um ihn geschehen. br - | 27 Es kann aber auch keiner in das Haus des Starken eindringen und ihm den Hausrat rauben, wenn er nicht zuerst den Starken fesselt; erst dann kann er sein Haus plündern. + | 27 Es kann aber auch keiner in das Haus des Starken eindringen und ihm den Hausratrauben, wenn er nicht zuerst den Starken fesselt; erst dann kann er sein Haus plündern. br | 28 Amen, ich sage euch: Alle Vergehen und Lästerungen werden den Menschen vergeben werden, so viel sie auch lästern mögen; br @@ -234,3 +234,214 @@ block content | 30 Sie hatten nämlich gesagt: q Er hat einen unreinen Geist. + + .card.slide.border-primary.mb-3 + .card-body + h5.card-title Jesus von Beelzebul besessen? – Nein: er ist der „Stärkere“! + hr + p.card-text + | Nicht verrückt, sondern mit dem Herrscher der Dämonen im Bunde – das denkt man + | in Jerusalem über Jesus. Jesus widerlegt das mit seiner Argumentation, aus der man seine + | Überzeugung heraushören kann: + br + | Satan („der Starke“) ist bereits besiegt; Jesus ist „der Stärkere“ (Mk 1,7); + | dass Jesus Wunder und Dämonenaustreibungen wirken kann, das ist für + | ihn ein eindeutiges Zeichen dafür. – Wenn man dem Satan nicht selbstzerstörerische Schizophrenie vorwerfen will. + p.card-text + | Fast nebenbei schiebt Markus Jesus eine Selbstinterpretation unter: + br + | Die „Kraft“, die hinter Jesus steht, ist Gottes Heiliger Geist, der in ihm und durch ihn wirkt. + p.card-text + | Diese Erzählung ist mit 1,2-13, also dem ersten Teil des Evangeliums, verknüpft durch die + | Trias „‚Starker‘/‚Stärkerer‘ + Satan [Versuchung/Dämonenaustreibung] + Heiliger Geist“. + br + | Der Ausgang der Versuchungserzählung blieb auf Ebene des Textes offen; + | hier wird sozusagen das das Resultat der Begegnung + | zwischen Satan und Jesus (im Tod am Kreuz!) nachgeschoben: Jesus hat Satan ‚gefesselt‘! + br + | Die Erzählung hier in 3,22-30 legt das nahe. + p.card-text + | Die Aussage vom Einbrechen ins Haus und Hausrat rauben wird in der Mitte der konzentrischen Gliederung + | schön bebildert: + br + | durch seinen Tod ist Jesus in das Totenreich – das Haus hier quasi als Grab – eingebrochen + | und ermöglicht dort den Toten (→ Gelähmter) eines neues Leben, das sie nach Hause (→ in den Himmel) gehen lässt. + + .card.slide.border-primary.mb-3 + .card-body + h5.card-title Wo der Vorwurf an Jesus herkommt – Und warum Jesus hier wieder durchsichtig auf Paulus wird + h6.card-subtitle.text-muted Erweiterte Bezüge durch die Mitte der konzentrischen Gliederung + hr + p.card-text + | Der Vorwurf an Jesus ist einerseits allerhand, hat er sich doch eigentlich mit Dämonenaustreibungen und Heilungen + | frontal gegen Satan positioniert. + br + | Andererseits hat sich Jesus auch verdächtig gemacht durch seine Gemeinschaft mit den „Zöllnern und Sündern“ (Mk 2,13-17) + | und seinem Eintreten für „die Sünder“ (in Mk 2,18-22: Fastenfrage, sowie Mk 2,23-28: Sabbat); + | ferner vertritt er eine „eigenwillige“ Auslegung des Sabbat-Gebotes (Mk 2,23-28, auch Mk 3,1-6), + | steht mithin also nicht zu 100 % in der (sonst üblichen) Tradition des jüdischen Gesetzes. + p.card-text + | Schon in Mk 2,1-12 (Heilung des Gelähmten) war das Verhältnis zwischen Jesus und dem jüdischen Gesetz subtil + | Thema gewesen, allein schon durch die Präsenz der Schriftgelehrten + | und konkret in der Frage nach wirksamer Sündenvergebung; + br + | es ging dabei – neben anderem und wie schon in 1,21-28 (erste Dämonenaustreibung, Schriftgelehrte im Horizont genannt) – um die Insuffizienz des Gesetzes, lebendig zu machen. + br + | Ferner war auch in Mk 2,1-12 – wie hier – die Frage, wer durch Jesus eigentlich wirkt, präsent, nämlich + | in der Anrede Jesu an den Gelähmten: „Mein Sohn“, womit angedeutet ist, dass durch Jesus Gott selbst wirkt, + | was die Schriftgelehrten nicht realisieren und weswegen sie die Sündenvergebung durch Jesus ablehnen. + br + | Mk 2,1-12 bildet nun die Mitte der konzentrischen Gliederung. + p.card-text + | Mit Mk 2,1-12 steht aber in besonderer Weise auch Röm 6 im Mittelpunkt; und genau dort setzt sich Paulus mit ganz ähnlichen + | Vorwürfen wie hier Jesus auseinander, wozu er von Kritikern seiner Rechtfertigungslehre offenbar genötigt wird: + br + q.bibeltext Was sollen wir nun sagen? Sollen wir an der Sünde festhalten, damit die Gnade umso mächtiger werde? Keineswegs! + span.bibelstelle Röm 6,1 + br + q.bibeltext Was heißt das nun? Sollen wir sündigen, weil wir nicht mehr unter dem Gesetz stehen, sondern unter der Gnade? + span.bibelstelle Röm 6,15 + p.card-text + | Mit seiner Lehre von der Rechtfertigung allein aus Gnade, ohne der Notwendigkeit, sich auf das jüdische Gesetz zu verpflichten, + | setzte sich Paulus dem Vorwurf aus, er würde effektiv der Sünde dienen, weil sie – ohne Verpflichtung auf das jüdische Gesetz – + | doch frei und schadlos praktiziert werden könne; und wenn sich Gott doch in besonderer Weise den Sündern zuwendet, + | ist es dann nicht gut, Sünder zu sein? Steht also hinter allem nicht doch eher die Sünde und nicht Gott? + p.card-text + | Vom Blick auf Paulus und einer Verdrehung seiner Rechtfertigungslehre her macht der Vorwurf an Jesus Sinn! + + .card.slide.border-primary.mb-3 + .card-body + h5.card-title Abwehr des Vorwurfs bei Paulus und Markus (bzw. dem markinischen Jesus) + hr + p.card-text + | Paulus weist in Röm 6 auf die grundlegende Lebenswende in der Taufe hin, auf das Mitgekreuzigtsein, + | Mitgestorbensein, Mitbegrabensein mit Jesus – Letzteres bildet nun die Mitte der konzentrischen Gliederung! + br + | Ein Teil der Abwehr des Vorwurfes muss also auch bei Markus nicht in der eigentlichen Erzählung selbst, + | sondern in der Mitte der konzentrischen Gliederung gesucht werden. + p.card-text + | Die hier relevanten Aussagen seine nochmal kurz aufgeführt: + br + q.bibeltext Wie können wir, die wir für die Sünde tot sind, noch in ihr leben? + span.bibelstelle Röm 6,2 + br + q.bibeltext + | Wir wissen doch: Unser alter Mensch wurde mitgekreuzigt, damit der von der Sünde beherrschte Leib + | vernichtet werde, sodass wir nicht mehr Sklaven der Sünde sind. + br + | Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde. + span.bibelstelle Röm 6,6-7 + br + q.bibeltext + | ... begreift auch ihr euch als Menschen, die für die Sünde tot sind, aber für Gott leben in Christus Jesus. + br + | Daher soll die Sünde nicht mehr in eurem sterblichen Leib herrschen, sodass ihr seinen Begierden gehorcht. + span.bibelstelle Röm 6,11 + p.card-text + | Hier wird jeweils eine klare Trennlinie zwischen Gott und der Sünde (bzw. Satan) gezogen, zwischen neuer und alter Existenz, sowie + | Geradlinigkeit gefordert, weil es eine Unvereinbarkeit der beiden Existenzen gibt. + br + | Analog dazu argumentiert der markinische Jesus angesichts des Vorwurfes, mit dem Anführer der Dämonen im Bunde zu stehen, + | dass es kein Dienst an Satan ist, wenn er in Dämonenaustreibungen von Satan bzw. den Dämonen befreit, + | geht es dabei doch – siehe die Mitte der konzentrischen Gliederung – um eine Befreiung, die wirklich eine Lebenswende weg von der Sünde ist, + | wie dies anhand des Gelähmten bebildert ist, der sich – in Analogie zur Auferstehung Jesu – + | zu einem neuen Leben erhebt. – Einem neuen Leben, zu dem ihm die Schriftgelehrten bzw. das jüdische Gesetz + | aufgrund der eigenen Insuffizienz gerade nicht verhelfen konnten und können. + p.card-text + | Man muss den Spies vielmehr umdrehen: Nicht Jesus steht im Dienst der Sünde, sondern das jüdische Gesetz, + | wie in der Mitte der konzentrischen Gliederung subtil angedeutet: + br + q.bibeltext + | Jetzt also gibt es keine Verurteilung mehr, für die, welche in Christus Jesus sind. + br + | Denn das Gesetz des Geistes und des Lebens in Christus Jesus hat dich frei gemacht vom Gesetz der Sünde und des Todes. + br + | Denn weil das Gesetz, ohnmächtig durch das Fleisch, nichts vermochte, sandte Gott seinen Sohn in der Gestalt des Fleisches, + | das unter der Macht der Sünde steht, wegen der Sünde, um die Sünde im Fleische zu verurteilen; + br + | dies tat er, damit die Forderung des Gesetzes durch uns erfüllt werde, die wir nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist leben. + span.bibelstelle Röm 8,1-4 + br + | Hinzuzunehmen ist sind hier folgende Ausführungen: + br + q.bibeltext + | Warum gibt es dann das Gesetz? + br + | Wegen der Übertretungen wurde es hinzugefügt ... + br + | Wäre ein Gesetz gegeben worden, das die Kraft hat, lebendig zu machen, dann käme in der Tat die Gerechtigkeit aus dem Gesetz; + br + | aber die Schrift hat alles unter der Sünde eingeschlossen, damit die Verheißung aus dem Glauben an Christus Jesus + | denen gegeben wird, die glauben. + span.bibelstelle Gal 3,19.21-22 + br + | Paulus kann das jüdische Gesetz als „Gesetz der Sünde und des Todes“ bezeichnen, weil es – wie in Gal 3 (wie auch in Röm 5 und 7) dargelegt – + | eine unheilige Allianz mit der Sünde eingegangen ist, insofern es dem Sünder nur das Todesurteil zusprechen kann, weil ihm selber + | die Kraft fehlt, lebendig zu machen (→ Gal 3,21!). + + + + .card.slide.border-primary.mb-3 + .card-body + h5.card-title „Er ist von Beelzebul besessen“ und „Er hat einen unreinen Geist“ ↔ Heiliger Geist + hr + p.card-text + | Mit dem Heiligen Geist, der fast beiläufig erwähnt wird, wird das in und durch Jesus wirkende + | Gegenüber zu Beelzebul bzw. den unreinen Geistern genannt. + br + | Er ist es, der – siehe die Taufe Jesu als „Prototyp“ der christlichen Taufe – in der Taufe im Menschen Wohnung nimmt, + | anstatt der Sünde bzw. Beelzebul bzw. den unreinen Dämonen (→ „zur Vergebung der Sünden“ in einem wirklich befreienden Sinn). + p.card-text + | Die Anspielung auf das Wirken des Geistes Gottes in und durch Jesus im Gegenüber zu Beelzubul bzw. den unreinen Geistern + | bei Markus deckt sich mit dem, + | dass Paulus immer wieder das Gegenüber zwischen Sünde (bzw. dem von der Sünde beherrschten Fleisch) und dem Geist Gottes herausstellt, + | z. B. indem er – wie oben zitiert – das „Gesetz des Geistes (und des Lebens)“ dem „Gesetz der Sünde (und des Todes)“ + | gegenüberstellt. + p.card-text + | Wie Röm 6,15-23 darlegt, geht es bei der Christwerdung um einen Herrschaftswechsel; + br + | diesen kann man – verschiedene Stellen bei Paulus aufgreifend – auch so formulieren: + br + i Satan bzw. die Sünde zieht aus – Gottes Geist zieht ein. + p.card-text + | In + span.bibelstelle Röm 6,18 + | kann Paulus schreiben: + br + q.bibeltext + | Ihr wurdet aus der Macht der Sünde befreit und seit zu Sklaven der Gerechtigkeit geworden. + br + | Und in + span.bibelstelle Röm 6,22 + | kann er formulieren: + br + q.bibeltext + | Jetzt aber, da ihr aus der Macht der Sünde befreit und zu Sklaven Gottes geworden seid, + | habt ihr eine Frucht, die zu eurer Heiligung führt und das ewige Leben bringt. + br + | Freilich, hier fehlt jeweils der Geist Gottes als Begriff; das liegt aber daran, dass Paulus erst in Röm 8 den Geist Gottes + | in seine Argumentation einfügt, eben mit jenen oben aus + span.bibelstelle Röm 8,1-2 + | zitierten Aussagen: + br + q.bibeltext das Gesetz des Geistes ... hat dich befreit aus dem Gesetz der Sünde + br + | Dies ist in Röm 6 quasi nachzutragen. + p.card-text + | Festzuhalten ist – nicht zuletzt auch als Antwort auf das Gegenüber Jesu in der aktuellen Erzählung bei Markus –, dass es + | in der christlichen Theologie – in der Schule des Paulus – kein absolutes Freisein gibt und geben kann, + | das die Sünde erlauben und damit im Dienst der Sünde stehen würde, dann man ist + br + | entweder Diener der Sünde oder Diener Gottes, + br + | entweder der einen oder dem anderen sich selbst verpflichtet, + br + | entweder von der Sünde beherrscht („besessen“) oder vom Heiligen Geist. + br + | „Frei sein“, „Befreitsein“ ist daher ausschließlich als Befreitwordensein von Sünde und Tod + | zu verstehen; ihm korrespondiert notwendig ein „Sklave sein“ gegenüber Gott bzw. dem einwohnenden Heiligen Geist. + br + | Insofern sind die Dämonenaustreibungen Jesu wirklich gegen Beelzebul gerichtet und geschehen nicht + | in seinem Dienst oder Auftrag, obwohl – aufgrund der oben erinnerten Zusammenhänge – das Befreitwerden von Beelzebul + | bzw. von der Sünde mit dem Befreitwerden vom jüdischen Gesetz (als göttlich verordnetem Weg zum (Un-)Heil) in eins geht. +