diff --git a/views/nt/ev/mk/getauft/reinigen.pug b/views/nt/ev/mk/getauft/reinigen.pug index bdda20f..f5382dd 100644 --- a/views/nt/ev/mk/getauft/reinigen.pug +++ b/views/nt/ev/mk/getauft/reinigen.pug @@ -780,105 +780,246 @@ block content q | Er war Gott gleich, hielt es aber nicht als einen Raub fest, Gott gleich zu sein, br - | sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich ... + | sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. + br + | ... er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, + br + | bis zum Tod am Kreuz h6.card-subtitle.text-muted - | Mitte der konzentrischen Gliederung: die Söhne des Zebedäus lassen ihren Vater mit den Tagelöhnern zurück - hr - ul.card-text - li - | Nicht nur durch das – auf der soteriologischen Ebene anzusiedelnde – Stichwort „reinigen“ (→ Taufe; siehe oben) - | sind die Söhne des Zebedäus mit Jesus verbunden, sondern auch - | durch das Stichwort „Sohn“/„Söhne“: - br - | In der Betitelung „Söhne des Zebedäus“ spiegelt sich das „Jesus Christus, Sohn (eines) Gottes“ vom oberen Rand der konzentrischen Gliederung. - li - | Dabei wird mittels des in der Berufung der Söhne des Zebedäus „gegenwärtigen“ Philipperhymnus eine Parallele - | zwischen diesen und dem Gottessohn auf ethischer Ebene konstruiert, nämlich Verzicht und Dienst: - br - | Die „Söhne des Zebedäus“, die ihren Vater und ihre Stellung im väterlichen Betrieb verlassen, - | sind mit dem Gottessohn parallelisiert, der seine himmlische Herrlichkeit und seine damit verbundene Stellung dort verlassen hat. - ul.card-text - li - | Der Eintritt in die Nachfolge Jesu bedeutet für sie, aus einer Welt des Habens auszubrechen: - br - | sie verlassen mit ihrem Vater auch den irdischen Besitz der Familie, der – so legen es die Tagelöhner nahe – nicht zu klein gewesen sein kann. - br - | Hier ist eine Analogie zum Gottessohn zu sehen, der seine himmlische Herrlichkeit verlassen, - | sich entäußert hat. - li - | Und wie der Gottessohn durch seine Entäußerung zum Diener, zum Sklaven wurde, gehorsam bis zum Tod am Kreuz, - br - | so lassen sich die Jünger für die Sache Jesu in Dienst nehmen – angedeutet nicht zuletzt im Gehorsam gegenüber Jesus, - | von dem sie sich ohne Umschweife in die Nachfolge rufen lassen. - - .card.slide.border-secondary.mb-2 - .card-body - h5.card-title - q - | Er war Gott gleich, hielt es aber nicht als einen Raub fest, Gott gleich zu sein, - br - | sondern ... er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz - h6.card-subtitle.text-muted - | Oberes und unteres Ende der konzentrischen Gliederung: Jesus, Sohn (eines) Gottes, erniedrigt sich und „tauscht“ mit einem „Letzten“ + | Oberes und unteres Ende der konzentrischen Gliederung br | in Verbindung mit der Berufung der Söhne des Zebedäus in der Mitte der konzentrischen Gliederung hr - ul.card-text - li - | Der Philipperhymnus besingt, wie der Gottessohn die Position tauscht: - br - | aus der himmlischen Herrlichkeit heraus in die Erniedrigung bis zum schmachvollen Kreuzestod; - br - | von weiter oben als der Gottgleichheit kann man nicht kommen, tiefer als zum Kreuzestod kann man nicht sinken: - br - | Jener, der eigentlich – qua Gottgleichheit – „Erster“ ist, wird zum „Letzten“. - li - | In Analogie dazu erzählt die Heilung des Aussätzigen, dass Jesus, Sohn (eines) Gottes – Titel des „Ersten“ in der römischen Gesellschaft –, - | mit einem „Aussätzigen“ einen „Austausch“ vollzieht, von einem Gesunden zu einem „Kranken“ wird, - | um den Kranken gesund zu machen (→ „er hat unsere Krankheit getragen“); - br - | durch „Aussätzigsein“ aber gehört man zu den „Letzten“ der Gesellschaft. - li - | In diese Analogie ist die Parallele im Handeln Jesu und der Söhne des Zebedäus einzubinden: - br - | Auf der soteriologischen Ebene gilt: - br - i Der Gesunde – Jesus – wird „krank“, damit der Kranke gesund wird. - | – Dies führen die Söhne des Zebedäus weiter, indem sie künftig Menschen „reinigen“ und dabei diesen „Austausch“ Jesu vergegenwärtigen. - br - | Dazu kommt aber, dass diese Reihung auf das zu übertragen ist, - | was von den Söhnen des Zebedäus neben dem Netzreinigen (→ Ausgangspunkt für ihr späteres soteriologisches Handeln) noch erzählt wird; - | dabei ist vom „Austausch“ Jesu her auch dort ein „Austausch“ zu ergänzen auf der ethischen Ebene: - br - i Die Habenden verzichten, damit die, die nichts haben, etwas haben. - br - i Der Mächtigen werden zu Dienern, damit die, die Diener sind, bedient werden. - li - | So erhält das ethische Handeln der Zebedäus-Söhne bei ihrer Berufung ein Gegenüber, wie das soteriologische - | Handeln Jesu und der Jünger schon immer ein Gegenüber hatte: - br - | Ihr Verzicht und ihr Gehorsam Jesus gegenüber geschieht nicht in ein „Nichts“ hinein, auch nicht primär um eines - | himmlischen Lohnes willen, - br - i sondern geschieht zugunsten eines menschlichen Gegenübers, mit dem es in gewisser Weise auch zu einem „Austausch“ kommt. - br - | Damit zielt Nachfolge auf die umfassende Verwandlung der Lebensumstände im Hier und Heute: der eigenen zugunten der von anderen - | im Sinne einer Teilhabe an der „Neuheit des Lebens“ und des „Aufrichtens von Menschen“. - li - | In diesem Sinn bilden das „soteriologische Element“ (→ „Menschenfischer/-reiniger“) und das „ethische Element“ (→ Verzicht, Sich-in-Dienst-nehmen-Lassen) - | von Nachfolge nicht nur eine unlösliche Einheit, es kann sogar von einem doppelten „soteriologischen Handeln“ der Jünger die Rede sein: + .card.slide.border-secondary.mb-1 + .card-body + h5.card-title Philipperhymnus und Heilung des „Aussätzigen“ + h6.card-subtitle.text-muted Jesus, Sohn (eines) Gottes, erniedrigt sich und „tauscht“ mit einem „Letzten“ + hr ul.card-text li - | Dass Jesus durch den „Austausch“ (= Tod am Kreuz) den „Aussätzigen“ rein gemacht hat, - | ermächtigt und ruft sie, Menschen im Bad der Taufe rein zu machen. - li - | Aber auch ihr ethisches Handeln in der Nachfolge Jesu hat soteriologische Qualität, - | insofern Menschen aus ihren schwierigen Lebensumständen befreit oder diese zumindest gelindert werden; + | Der Philipperhymnus besingt, wie der Gottgleiche die Position tauscht: br - | dies aber in Analogie, nicht Identität, als indirekte Auswirkung durch analoges Handeln der Jünger, - | nicht als Mitwirkung an der einmaligen Erlösertat Christi. - li - | Durch diese mehrdimensionale Nachfolge werden die „Söhne des Zebedäus“ zu „Söhnen Gottes“. + | aus der himmlischen Herrlichkeit heraus in die Erniedrigung bis zum schmachvollen Tod am Kreuz; + br + | von weiter oben als der Gottgleichheit kann man nicht kommen, tiefer als zum Tod am Kreuz kann man nicht sinken: + br + | Jener, der eigentlich – qua Gottgleichheit – „Erster“ ist, wird zum „Letzten“. + li + | In Analogie dazu erzählt die Heilung des Aussätzigen, dass Jesus, Sohn (eines) Gottes – Titel des „Ersten“ in der römischen Gesellschaft –, + | mit einem „Aussätzigen“ einen „Austausch“ vollzieht, von einem Gesunden zu einem „Kranken“ wird, + | um den Kranken gesund zu machen (→ „er hat unsere Krankheit getragen“); + br + | durch „Aussätzigsein“ aber gehört man zu den „Letzten“ der Gesellschaft, + br + | und Ort des „Austausches“ ist der „Tod am Kreuz“ (s. o.). + li + | Während in der Heilung des „Aussätzigen“ der „Austausch“ konstitutiv ist, + | enthält der Philipperhymnus nicht explizit den Gedanken, dass die Erniedrigung des Gottgleichen geschieht, um jemand anderen zu erhöhen; + br + | der Hymnus geht vielmehr zur Erhöhung des sich selbst erniedrigt habenden durch Gott über. + li + | Allerdings zeigt der Kontext des Hymnus im Philipperbrief, dass Paulus den Hymnus der Erniedrigung des Gottgleichen und seine darauffolgende Erhöhung + | in seinen Brief aufnimmt, um damit ein Verhalten der Gemeinde zugunsten anderer zu motivieren, bei dem der Gedanke „Erniedrigung zur Erhöhung anderer“ eine Rolle spielt + | und er also den Hymnus im diesem Sinne versteht: + br + q.bibeltext + | In Demut schätze einer den anderen höher ein als sich selbst. + br + | Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auch auf das der anderen. + span.bibelstelle Phil 2,3a.4 + li + | Mit „gehorsam“ und „Tod am Kreuz“ enthält der Hymnus aber schon selber Begriffe, die eine soteriologische Bedeutung der Erniedrigung des Gottgleichen andeuten bzw. beinhalten: + ul.card-text + li + | In der Adam-Christus-Parallele in Röm 5,12-21 wird dem Gehorsam Christi eine soteriologische Funktion beigemessen: + br + q.bibeltext + | Wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die vielen zu Sündern gemacht worden sind, + br + | so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen zu Gerechten gemacht werden. + span.bibelstelle Röm 5,19 + li + | Der „Tod am Kreuz“ ist in der gesamten paulinischen Tradition „Ort des Heiles“. + br + | Im Philipperhymnus klappt diese Wendung nach und ist daher betont, sicher in einem soteriologischen Sinne. + br + ul.card-text.small + li + | Vielleicht hängt die auffällige Doppelung „bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz“ mit dem Vierten Lied vom Gottesknecht des Jesaja zusammen; + br + | dort findet sich die Aussage „... er sein Leben dem Tod preisgab und sich unter die Abtrünnigen rechnen ließ“ (Jes 53,12a): + br + | der Tod am Kreuz lässt sich als Tod der Abtrünnigen/Verbrecher sehr gut mit dem Satzteil „sich unter die Abtrünnigen rechnen ließ“ verbinden. + li + | Auffällig ist, dass im Vierten Gottesknechtslied der stellvertretende Tod – analog zum Tod am Kreuz im Philipperhymnus – Grund für die Erhöhung ist: + br + q.bibeltext + | Deshalb gehe ich ihm Anteil unter den Großen und mit den Mächtigen teilt er die Beute, + br + | weil er sein Leben dem Tod preisgab und sich unter die Abtrünnigen rechnen ließ. + span.bibelstelle Jes 53,12a-b + li + | Wahrscheinlich speist sich also der Philipperhymnus aus dem Vierten Gottesknechtslied. + li + | Das Vierte Lied vom Gottesknecht, das mit der Aussage „Er hat unsere Krankheit getragen“ (Jes 53,4a) auch Pate für die Erzählung von der + | Heilung des „Ausätzigen“ stand, ist generell vom „Austausch“ geprägt, so auch das Sich-unter-die-Abtrünnigen-rechnen-Lassen im Sinne des + | „Mein Knecht, der gerechte, macht die Vielen gerecht; er lädt ihre Schuld auf sich. ... Er hob die Sünden der Vielen auf und trat für die Abtrünnigen ein“ (Jes 53,11d.12c). + br + | Daher ist es wahrscheinlich, dass Entleerung und Erniedrigung des Gottgleichen „bis zum Tod am Kreuz“ analog im Sinne eines „Austauches“ zu verstehen sind: + br + | um den Menschen, der in die Tiefe der Gottferne gefallen war, zu Gott zu erhöhen, ist der Gottgleiche in die Tiefe der Gottferne – den Tod am Kreuz – hinabgestigen. + li + | Der Hymnus weist im Vergleich zum Gottesknechtslied eine doppelte Radikalisierung auf: + br + | Der „Austausch“ geschieht als Entleerung und Erniedrigung von der höchsten Stelle – der Gottgleichheit – herab in die tiefste Tiefe der Todes am Kreuz, + br + | und die Erhöhung stellt nicht „unter die Großen und Mächtigen“, sondern verleiht „den Namen, der größer ist als alle Namen“. + + li + | Insgesamt wird man sagen können, dass bis zum soteriologisch verstandenen „Tod am Kreuz“ die Heilung des „Aussätzigen“ + | genau das erzählt, was der Philipperhymnus besingt, nur dass die Erzählung von Jes 53,4a her das Bild „gesund ↔ krank“ nutzt. + br + | Wie der Philipperhymnus vom Vierten Gottesknechtslied inspiriert ist, so auch die Heilung des „Aussätzigen“, + | die aber im Kontext der konzentrischen Gliederung auch mit dem Philipperhymnus in Beziehung steht. + + //- li + | In diese Analogie der Erniedrigung des Gottessohnes im Philipperhymnus und bei der Heilung des Aussätzigen + | ist die Parallele im Handeln des Gottessohnes Jesus und der Söhne des Zebedäus einzubinden: + br + | Auf der soteriologischen Ebene gilt: + br + i Der Gesunde – Jesus – wird „krank“, damit der Kranke gesund wird. + | – Dies führen die Söhne des Zebedäus weiter, indem sie künftig Menschen „reinigen“ und dabei diesen „Austausch“ Jesu vergegenwärtigen und zur Anwendung bringen. + br + | Dazu kommt aber, dass diese Reihung auf das zu übertragen ist, + | was von den Söhnen des Zebedäus neben dem Netzreinigen (→ Ausgangspunkt für ihr späteres soteriologisches Handeln) noch erzählt wird; + br + | dabei ist vom „Austausch“ Jesu her auch dort ein „Austausch“ zu ergänzen auf der ethischen Ebene: + br + i Die Habenden verzichten, damit die, die nichts haben, etwas haben. + br + i Der Mächtigen werden zu Dienern, damit die, die Diener sind, bedient werden. + + .card.slide.border-secondary.mb-1 + .card-body + h5.card-title Die Söhne des Zebedäus: Berufen zum Dienst am Menschen + h6.card-subtitle.text-muted „Austausch“ in einem ethischen Sinne als Nachfolge Jesu + hr + ul.card-text + li + | Über das Stichwort „Sohn“/„Söhne“ sind die Söhne des Zebedäus (→ Mitte der konzentrischen Gliederung) mit dem „Sohn (eines) Gottes“ (→ oberes Ende der konzentrischen Gliederung) verbunden, + br + | über die sprachliche Ähnlichkeit „rein machen“/„Netze reinigen“ mit der Heilung des „Aussätzigen“ durch Jesus (→ unteres Ende der konzentrischen Gliederung). + li + | Wie die Söhne des Zebedäus ihren Vater verlassen und damit die Stellung als Söhne im väterlichen Betrieb aufgeben, um Jesus nachzufolgen, + br + | so hat der Gottgleiche seine himmlische Herrlichkeit und die damit verbundene Stellung dort verlassen: + ul.card-text + li + | Der Eintritt in die Nachfolge Jesu bedeutet für die Söhne des Zebedäus, aus einer Welt des Habens auszubrechen: + br + | sie verlassen mit ihrem Vater auch den irdischen Besitz der Familie, der – so legen es die Tagelöhner nahe – nicht zu klein gewesen sein kann. + br + | Hier ist eine Analogie zum Gottessohn zu sehen, der seine himmlische Herrlichkeit verlassen, + | sich entäußert hat. + li + | Und wie der Gottessohn durch seine Erniedrigung zum Diener, zum Sklaven wurde, gehorsam bis zum Tod am Kreuz, + br + | so lassen sich die Jünger für die Sache Jesu in Dienst nehmen – angedeutet nicht zuletzt im Gehorsam gegenüber Jesus, + | von dem sie sich ohne Umschweife in die Nachfolge rufen lassen. + li + | Während bei Simon und Andreas ihr Netzeauswerfen unmittelbar bei der Berufung mit der Bestimmung, „Menschenfischer“ zu werden, aufgegriffen wird, + br + | fehlt ein analoger Erzählzug bei Jakobus und Johannes, die gerade ihre Netze reinigen; + br + | dies wird hier indirekt nachgeholt, indem das Handeln Jesu am „Aussätzigen“ (→ „rein machen“) mit dem Handeln der Zebedäussöhne bei ihrer Berufung + | (→ „Netze reinigen“) durch eine sprachliche Ähnlichkeit verbunden wird: + br + | sie, die einst „Netze gereinigt“ haben, werden künftig – in der Taufe – „Menschen reinigen“ und dabei den von + | Christus vollzogenen „Austausch“ mit dem „Aussätzigen“ (= Sündern) im Tod am Kreuz vergegenwärtigen und zur Anwendung und Auswirkung bringen; + br + | so setzt sich in ihrem Wirken die Erlösung in Christus fort (s. o.). + li + | Weil das Thema „Austausch“ für die Erzählung von der Heilung des „Aussätzigen“ konstitutiv ist und + | das Handeln Jesu mit dem der Zebedäussöhne verknüpft ist, + | ist nahegelegt, dass das Thema „Austausch“ auch bei den Söhne des Zebedäus eine Rolle spielen muss. + li + | Allerdings kommt es beim „Menschen reinigen“ – also der Taufe – nicht zu einem „Austausch“ der Jünger mit den Täuflingen (in dem Sinne, dass die Taufspender „unrein“ werden würden). + br + | Dadurch entsteht eine Spannung, die aufgelöst werden muss. + li + | Hier kann folgender Gedankengang helfen: + br + | Das „Rein machen“ des „Aussätzigen“ ist mit dem „Austausch“ Jesu mit dem „Aussätzigen“ (→ „er hat unsere Krankheit getragen“) identisch; + br + | damit wiederum ist – löst man die Bildsprache auf – identisch, was der Philipperhymnus bis zum „Tod am Kreuz“ besingt; + br + | Entleerung und Erniedrigung des Gottgleichen im Philipperhymnus ist aber + | analog von den Söhnen des Zebedäus erzählt, die ihren Vater und damit die Stellung im väterlichen Betrieb verlassen + | und in den Dienst Jesu treten. – Genau damit lässt sich der Gedanke des „Austausches“ verbinden im Sinne der Nachfolge. + br + span.small + | Verkürzt könnte man auch sagen: + br + | Weil das Thema „Austausch“ bei der Heilung des „Aussätzigen“ zentral ist, dieses sich aber nicht mit der + | Analogie „(Menschen) rein machen“ – „Netze reinigen“ verbinden lässt, + br + | ist in die Analogie zwischen Jesus und den Zebedäussöhnen das hineinzuholen, was von letzteren + | neben dem Netzereinigen noch erzählt wird, nämlich das, womit sie auf den Ruf in die Nachfolge antworten + | und womit sie dem Vorbild des Gottgleichen im Philipperhymnus folgen; + br + | vom „Austausch“ Jesu her ist dort ein „Austausch“ zu ergänzen. + br + | Oder, nochmal anders ausgedrückt: + br + | Der „Austausch“ Jesu mit dem „Aussätzigen“ bedeutet für die Jünger, dass sie nun – in der Taufe – „Menschen reinigen“ können von Schuld. + br + | Von dieser soteriologischen Ebene ist auf die ethische Ebene zu gehen, weil der „Austausch“ mit dem „Aussätzigen“ durch Jesus ein Bild ist + | für seine Entäußerung und Erniedrigung zum Sklaven bis zum Tod am Kreuz; bei dieser Rückübertragung müssen die Söhne des Zebedäus + | mitgenommen werden, also ist statt der Verbindung „Netze reinigen → Menschen reinigen“ das in Blick zu nehmen, was im Zuge des Eintritts in die Nachfolge + | von ihnen auf der ethischen Ebene erzählt wird und womit sie dem Vorbild des Gottgleichen im Philipperhymnus folgen; + | dort ist der „Austausch“ einzutragen. + li + | Der Evangelist will also sagen: + ul.card-text + li + | Wie Jesus bei der Heilung des Aussätzigen einen „Austausch“ vollzogen hat: + br + i Der Gesunde – Jesus – wird „krank“, damit der Kranke gesund wird. + li + | So sollen – auf die ethische Ebene übertragen – auch die Jünger einen „Austausch“ vollziehen: + br + i Die Habenden verzichten, damit die, die nichts haben, beschenkt werden. + br + i Der Mächtigen werden zu Dienern, damit die, die „Letzte“ sind, bedient werden. + br + | Denn gerade dies ist das Handeln des Gottessohnes nach dem Philipperhymnus, das für die Menschen Erlösung gebracht hat. + li + | So erhält das ethische Handeln der Zebedäus-Söhne bei ihrer Berufung ein Gegenüber, wie das soteriologische + | Handeln Jesu und der Jünger schon immer ein Gegenüber hatte: + br + | Ihr Verzicht und ihr Gehorsam Jesus gegenüber geschieht nicht in ein „Nichts“ hinein, auch nicht primär um eines + | himmlischen Lohnes willen, + br + i sondern geschieht zugunsten eines menschlichen Gegenübers, mit dem es in gewisser Weise zu einem „Austausch“ kommt. + br + | Damit zielt Nachfolge auf die umfassende Verwandlung der Lebensumstände im Hier und Heute: der eigenen zugunten der von anderen + | im Sinne einer Teilhabe an der „Neuheit des Lebens“ und des „Aufrichtens von Menschen“. + li + | In diesem Sinn bilden das „soteriologische Element“ (→ „Menschenfischer/-reiniger“) und das „ethische Element“ (→ Verzicht, Sich-in-Dienst-nehmen-Lassen) + | von Nachfolge nicht nur eine unlösliche Einheit, es kann sogar von einem doppelten „soteriologischen Handeln“ der Jünger die Rede sein: + ul.card-text + li + | Dass Jesus durch den „Austausch“ (= Tod am Kreuz) den „Aussätzigen“ rein gemacht hat, + | ermächtigt und ruft sie, Menschen im Bad der Taufe rein zu machen. + li + | Aber auch ihr ethisches Handeln in der Nachfolge Jesu hat soteriologische Qualität, + | insofern Menschen aus ihren schwierigen Lebensumständen befreit oder diese zumindest gelindert werden; + br + | dies aber in Analogie, nicht Identität, als indirekte Auswirkung durch analoges Handeln der Jünger, + | nicht als Mitwirkung an der einmaligen Erlösertat Christi. + li + | Durch diese mehrdimensionale Nachfolge im Dienst an den Menschen werden die „Söhne des Zebedäus“ zu „Söhnen Gottes“. .card.slide.border-secondary.mb-2 .card-body @@ -893,40 +1034,43 @@ block content hr ul.card-text li - | Tod und Auferstehung Jesu wirken sich aus: + | Tod und Auferstehung Jesu, die in der Tauferzählung präsent sind, wirken sich aus: br | Die Menschen werden „gesund“, die Dämonen müssen weichen. br - | → Jesus ist der Eine, der für die Vielen starb; + | → Jesus ist der Eine, der für die Vielen starb: „Mein Knecht, der gerechte, macht die Vielen gerecht; er lädt ihre Schuld auf sich.“ (Jes 53,11 b); br | dies verbindet sich mit der Übernahme des „Aussatzes“ des „Aussätzigen“, der dadurch gesund wird (→ unteres Ende der konzentrischen Gliederung). li - | In der Auferstehung (→ „als er aus dem Wasser stieg“) wird Jesus „dem Geist der Heiligkeit nach eingesetzt als Sohn Gottes in Macht“ (→ Röm 1,4); + | An dieser Tat Jesu hat Gott sein Wohlgefallen, wie es in der Taufszene ausgesprochen wird. + li + | In der Auferstehung (→ „als er aus dem Wasser stieg“) wird Jesus daher „dem Geist der Heiligkeit nach eingesetzt als Sohn Gottes in Macht“ (→ Röm 1,4); br | entsprechend wird Jesus von Gott angeredet: „Du bist mein geliebter Sohn“. br | Gegenüberliegend weichen die Dämonen, die wissen, wer Jesus ist. - li + br | „Sohn (eines) Gottes“ (→ oberes Ende der konzentrischen Gliederung und Tauferzählung) | ist Kaisertitualtur im römischen Reich, der Titel des „Ersten“ im Reich; br | somit kann sich diese Sohnesbetitelung mit der Verleihung des Namens, „der größer ist als alle Namen“ verbinden. - li - | Im Philipperhymnus wird zwar nicht auf den Gottessohntitel abgehoben, sondern auf den Titel „Kyrios“ (= „Herr“). br - | Allerdings ist auch dies ein Titel des Kaisers – der Bezug zum „Ersten im Reich“ ist so oder so gegeben. + span.small + | Im Philipperhymnus wird zwar nicht auf den Gottessohntitel abgehoben, sondern auf den Titel „Kyrios“ (= „Herr“). + br + | Allerdings ist auch dies ein Titel des Kaisers – der Bezug zum „Ersten im Reich“ ist also so oder so gegeben. li - | Bei der Taufe Jesu wird auch das Wohlgefallen Gottes gegenüber Jesus zum Ausdruck gebracht - | und indirekt wird die „Stimme vom Himmel“ durch den Sohnestitel als „Gott, der Vater“ aufgelöst; - br - | dies lässt sich mit der „Ehre Gottes, des Vaters“ verbinden, der als letzte Instanz über allem steht. - li - | Die Austreibung der Dämonen, die wissen, wer Jesus ist, lässt sich – besonders hier, wo es um den „Namen“ Jesu geht (→ Gottessohntitel) – + | Die Austreibung der Dämonen, die wissen, wer Jesus ist, lässt sich – + | besonders im Gegenüber zur Taufe, wo der Gottessohntitel Jesu im Sinne des „Namen über alle Namen“ aufleuchtet – | auch mit dem Satzteil „damit alle ... unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu“ | im Philipperhymnus verknüpfen: br | sie beugen in dem Sinne das Knie vor Jesus, dass sie aus den Menschen weichen – und indem sie gehorsam sind, also nicht bekannt machen, wer Jesus ist, | was die Erzählung indirekt aussagt. + li + | Durch den Sohnestitel wird die „Stimme vom Himmel“ bei der Taufe indirekt als Stimme „Gottes, des Vaters“ aufgelöst; + | das geäußerte Wohlgefallen Gottes und die sich damit verbindende Erhöhung im Sinne der Auferstehung = + | Einsetzung Jesu als „Sohn Gottes in Macht“ legt Zeugnis ab, dass dies alles „zur Ehre Gottes, des Vaters“ geschieht. .card.slide.border-secondary.mb-2 @@ -960,6 +1104,9 @@ block content | mitbedacht werden: br | Auch sie – die „unter der Erde“ – „beugen ihre Knie vor dem Namen Jesu“, indem sie aus den Menschen weichen und sich an das Schweigegebot halten. + br + | Von dort aus ist hier einzutragen, dass selbst Satan sein „Knie vor dem Namen Jesu“ beugen muss, den Jesus hat seine Versuchung bestanden + | und damit Satan besiegt. .card.slide.border-secondary.mb-2 @@ -970,7 +1117,7 @@ block content br | er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz br - | damit alle ... unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu ... + | damit alle auf der Erde ... und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu ... h6.card-subtitle.text-muted | Der Eröffnungsruf des Wirkens Jesu und die Dämonenaustreibung in der Synagoge als gegenüberliegende Erzählungen der konzentrischen Gliederung hr @@ -982,16 +1129,22 @@ block content | dies verbindet sich mit der Frage des Dämon, ob Jesus gekommen sei, ihn und Seinesgleichen „ins Verderben zu stürzen“: br | → Jesus ist gekommen, um dem Dämon „voraus“ „ins Verderben“ zu gehen (→ Tod am Kreuz) und ihn und seinesgleichen auf diese Weise „ins Verderben zu stürzen“. - li - | Gerade dieser Gang Jesu ins Verderben ist fundamentaler Teil des „Evangelium Gottes“; durch Tod und Auferstehung Jesu ist „das Reich Gottes zum Greifen nahegekommen“. br - | Dieses Evangelium ruft zum Glauben daran und nötigt zur Umkehr: eine Verpflichtung, zu leben, „wie es dem Evangelium Christi entspricht“. + | Insofern es sich dabei um jenen handelt, den der Dämon als „Heiligen Gottes“ bezeichnet – eine Ehrbezeichnung! –, schwingt jene Erniedrigung mit, + | die der Philipperhymnus besingt. li - | Der Gang dessen, den der Dämon als „Heiligen Gottes“ bezeichnet – eine Ehrbezeichnung! –, ins Verderben zur Rettung der Menschen ist Erniedrigung. - li - | Der Titel „Heiliger Gottes“, der auf die Einsetzung Jesu „dem Geist der Heiligkeit nach als Sohn Gottes in Macht“ anspielt, + | Gerade dieser Gang Jesu, des „Heiligen Gottes“, ins Verderben ist fundamentaler Teil des „Evangelium Gottes“; br - | ist der Name Jesu, vor dem der Dämon die Knie beugt, indem er schweigt und weicht. + | der Titel „Heiliger Gottes“ spielt zugleich auf die Einsetzung Jesu „dem Geist der Heiligkeit nach als Sohn Gottes in Macht“ an + | als komplementärem Bestandteil des „Evangelium Gottes“: + br + | durch Tod und Auferstehung Jesu ist „das Reich Gottes zum Greifen nahegekommen“. + li + | Das Nahegekommensein des Gottesreiches wirkt sich aus und muss sich auswirken: + br + | Wie der Dämon vor dem Namen Jesu, des „Heiligen Gottes“, die Knie beugt, indem er schweigt und weicht, + | sollen auch die Menschen vor diesem Namen Jesu die Knie beugen, indem sie seinem Ruf zu Glaube und Umkehr folgen: + | eine Verpflichtung, zu leben, „wie es dem Evangelium Christi entspricht“. .card.slide.border-secondary.mb-2 @@ -1027,11 +1180,12 @@ block content br | so wird Jesus von „allen“ gesucht und geht Jesus dann aus der „Wüste“ in die „benachbarten Dörfer“ und zieht schließlich durch „ganz Galiläa“. li - | Doch kommen die Leute in die Wüste, weil ihre Heimat selber „Wüste“ ist: Ort der Gottferne (→ Jes 40,3: „Wüste“ bezieht sich auf Jerusalem!). + | Doch kommen die Leute zu Johannes in die Wüste, weil ihre Heimat selber „Wüste“ ist: Ort der Gottferne (→ Jes 40,3: „Wüste“ bezieht sich auf Jerusalem!). br | So ist auch der Gang Jesu „aus der Wüste“ in die Dörfer eigentlich kein Verlassen der „Wüste“, sondern ein weiteres Vordringen in sie hinein. li - | Diese „Wüste“ ist der Ort, an den die Begleiter Jesu ihm „nacheilen“ müssen, weil das auch Ort ihrer Sendung ist. + | Diese „Wüste“ ist der Ort, an den die Begleiter Jesu ihm „nacheilen“ müssen, weil das auch Ort ihrer Sendung ist, + | wie sie auch schon Ort der Sendung Johannes des Täufers war. li | Da die Umlenkung von der Auferstehungsherrlichkeit auf die Sendung Jesu den Blick auf den Weg der Erniedrigung lenkt, den Jesus im Rahmen seiner Sendung | auf sich genommen hat, @@ -1048,18 +1202,22 @@ block content br | dieser Weg der Erniedrigung des Gottgleichen muss sich im Verhalten der Christen ausprägen. li - | In diesem Sinn verkündet Johannes die „Taufe des Sinneswandels“, der der Umlenkung vom Blick auf den Auferstanden - | auf die Sendung Jesu und damit auch der eigenen Sendung in der Nachfolge Jesu folgt und - | der als Vorbild den Sinneswandel des Gottgleichen hat, der dieses Gott-gleich-Sein nicht als Raub festhielt, sondern sich entäußerte - | und erniedrigte. + | In diesem Sinn verkündet Johannes die „Taufe des Sinneswandels“, der + ol.card-text + li + | der Umlenkung vom Blick auf den Auferstanden + | auf die Sendung Jesu und damit auch die eigene Sendung in der Nachfolge Jesu folgt und der + li + | als Vorbild den Sinneswandel des Gottgleichen hat, der dieses Gott-gleich-Sein nicht als Raub festhielt, sondern sich entäußerte + | und erniedrigte. li | So fällt der Blick auch auf die Askese Johannes des Täufers als Vorläufer Jesu und die Jünger, die Jesus nachfolgen bzw. nacheilen | (→ Gegenüber und Mitte der konzentrischen Gliederung): br - | Die Askese des Täufers kann dazu in Beziehung gesetzt werden, dass die Söhne des Zebedäus den Reichtum der Familie (→ Tagelöhner) + | Die Askese des Täufers kann dazu in Beziehung gesetzt werden, dass Petrus und seine Begleiter Jesus nach in die Wüste „herabsteigen“ + | und dass die Söhne des Zebedäus den Reichtum der Familie (→ Tagelöhner) | verlassen und sich von Jesus in Dienst nehmen lassen, womit sie das „Darum“ ernst nehmen und den geforderten Sinneswandel vollziehen. - .card.slide.border-secondary .card-body h5.card-title @@ -1136,5 +1294,5 @@ block content | Tatsächlich erzählt die Heilung des „Aussätzigen“, mit dem Jesus – im Tod am Kreuz – den „Austausch“ vollzieht, | den Grund und den Ursprung des Evangeliums, br - | zugleich aber auch das Prinzip des Evangeliums, das die Jünger – gemäß Phil 2,6-11 – aufgeruft, das Handeln Jesu im eigenen + | zugleich aber auch das Prinzip des Evangeliums, das die Jünger – gemäß Phil 2,6-11 – aufruft, das Handeln Jesu im eigenen | Handeln nachzuvollziehen.