From 2be4255a989b5cff55a4abbf39d1c9ef69b79c5e Mon Sep 17 00:00:00 2001 From: Peter Fischer Date: Sat, 8 Oct 2022 16:27:50 +0200 Subject: [PATCH] =?UTF-8?q?=C3=9Cberarbeitung=20Mk/Verteidigung?= MIME-Version: 1.0 Content-Type: text/plain; charset=UTF-8 Content-Transfer-Encoding: 8bit --- views/nt/ev/mk/getauft/verteidigung.pug | 1126 ++++++++++++++++------- 1 file changed, 801 insertions(+), 325 deletions(-) diff --git a/views/nt/ev/mk/getauft/verteidigung.pug b/views/nt/ev/mk/getauft/verteidigung.pug index 90b6c16..717567b 100644 --- a/views/nt/ev/mk/getauft/verteidigung.pug +++ b/views/nt/ev/mk/getauft/verteidigung.pug @@ -1,6 +1,13 @@ extends ../layout include ../mixins +block head + style. + .abschnitt_intern { + border: 1px solid grey; + border-radius: .5em; + } + block content .card.mb-1.konzentr-13 @@ -166,7 +173,7 @@ block content p.card-text.konzentr-1.mb-0.bibeltextkonzentr | 2,1 Als er nach einigen Tagen wieder nach Kafarnaum hineinging, wurde bekannt, dass er im Hause war. br - | 2 Und es versammelten sich so viele Menschen, dass nich einmal mehr vor der Tür Platz war; + | 2 Und es versammelten sich so viele Menschen, dass nicht einmal mehr vor der Tür Platz war; br | und er verkündete ihnen das Wort. br @@ -209,367 +216,836 @@ block content | sie priesen Gott uns sagten: br q So etwas haben wir noch nie gesehen. - p.card-text.konzentr-3.bibeltextkonzentr - | 22 Die Schriftgelehrten, die von Jerusalem herabgekommen waren, sagten: - br - q Er ist von Beelzebul besessen; mit Hilfe des Herrschers der Dämonen treibt er die Dämonen aus. - br - | 23 Da rief er sie zu sich und belehrte sie in Gleichnissen: - br - q - | Wie kann der Satan den Satan austreiben? + div.konzentr-3.bibeltextkonzentr + p.card-text.konzentr-2.bibeltextkonzentr.abschnitt_intern.mb-0 + | 22 Die Schriftgelehrten, die von Jerusalem herabgekommen waren, sagten: br - | 24 Wenn ein Reich in sich gespalten ist, kann es keinen Bestand haben. + q Er ist von Beelzebul besessen; + p.card-text.konzentr-1.bibeltextkonzentr.abschnitt_intern.mb-0 + q mit Hilfe des Herrschers der Dämonen treibt er die Dämonen aus. br - | 25 Wenn eine Familie in sich gespalten ist, kann sie keinen Bestand haben. + | 23 Da rief er sie zu sich und belehrte sie in Gleichnissen: br - | 26 Und wenn sich der Satan gegen sich selbst erhebt und gespalten ist, kann er keinen Bestand haben, sondern es ist um ihn geschehen. + q + | Wie kann der Satan den Satan austreiben? + br + | 24 Wenn ein Reich in sich gespalten ist, kann es keinen Bestand haben. + br + | 25 Wenn eine Familie in sich gespalten ist, kann sie keinen Bestand haben. + br + | 26 Und wenn sich der Satan gegen sich selbst erhebt und gespalten ist, kann er keinen Bestand haben, sondern es ist um ihn geschehen. + br + | 27 Es kann aber auch keiner in das Haus des Starken eindringen und ihm den Hausrat rauben, wenn er nicht zuerst den Starken fesselt; erst dann kann er sein Haus plündern. + p.card-text.konzentr-2.bibeltextkonzentr.abschnitt_intern + q + | 28 Amen, ich sage euch: Alle Vergehen und Lästerungen werden den Menschen vergeben werden, so viel sie auch lästern mögen; + br + | 29 wer aber den Heiligen Geist lästert, der findet in Ewigkeit keine Vergebung, sondern seine Sünde wird ewig an ihm haften. br - | 27 Es kann aber auch keiner in das Haus des Starken eindringen und ihm den Hausratrauben, wenn er nicht zuerst den Starken fesselt; erst dann kann er sein Haus plündern. + | 30 Sie hatten nämlich gesagt: + q Er hat einen unreinen Geist. + + .card.slide.border-primary.mb-3 + .card-body + h5.card-title + q + | Die Schriftgelehrten, die von Jerusalem herabgekommen waren, sagten: + br + q + | Er ist von Beelzebul besessen; + br + | mit Hilfe des Herrschers der Dämonen treibt er die Dämonen aus. + h6.card-subtitle.text-muted + | Die Vorwürfe an Jesus, wo sie herkommen – und warum Jesus hier wieder durchsichtig auf Paulus wird br - | 28 Amen, ich sage euch: Alle Vergehen und Lästerungen werden den Menschen vergeben werden, so viel sie auch lästern mögen; - br - | 29 wer aber den Heiligen Geist lästert, der findet in Ewigkeit keine Vergebung, sondern seine Sünde wird ewig an ihm haften. - br - | 30 Sie hatten nämlich gesagt: - q Er hat einen unreinen Geist. + | Erweiterte Bezüge durch die Mitte der konzentrischen Gliederung + hr + ul.card-text + li + | Schon in der Mitte der konzentrischen Gliederung sind das Gegenüber Jesu die Schriftgelehrten; + br + | diesmal wird ausdrücklich hervorgehoben, dass sie aus Jerusalem kommen. + br + | Sie kommen damit von außen, treten von außerhalb der Gemeinschaft um Jesus an diesen heran und belegen ihn mit Vorwürfen. + br + | Sie sind damit parallel zu den Verwandten Jesu in der vorgehenden Erzählung gezeichnet, die dann in der nachfolgenden Erzählung + | bei Jesus eintreffen werden. + li + | Der Vorwurf an Jesus ist zweigliedrig; der erste Vorwurf mit seiner Widerlegung + | ist dabei um den zweiten mit dessen Wiederlegung gelegt (siehe auch oben die grafische Darstellung): + ul.card-text + li + i + q Er ist von Beelzebul besessen + br + | ist Vorwurf der Besessenheit; + br + | darauf antwortet Jesus in Mk 3,28-29, indem er den Heiligen Geist ins Spiel bringt, der ihn – was neben Jesus nur der Leser weiß – seit seiner Taufe erfüllt. + | Indirekt wirft Jesus dabei den Schriftgelehrten vor, sie würden gegen den Heiligen Geist lästern – womit der Vorwurf der + | Schriftgelehrten in der Mitte der konzentrischen Gliederung, Jesus lästere Gott, aufgegriffen und in die andere Richtung zurückgegeben wird. + li + i + q Mit Hilfe des Herrschers der Dämonen treibt er die Dämonen aus + br + | ist Vorwurf eines Bündnisses mit dem Herrscher der Dämonen; + br + | darauf antwortet Jesus in Mk 3,23-27, indem er die rationale Abwegigkeit dieses Vorwurfes verdeutlicht. + li.small + | Jesus antwortet zunächst auf den zweiten Vorwurf („Mit Hilfe des Herrschers der Dämonen treibt er die Dämonen aus“ → + | „Wie kann der Satan den Satan austreiben?“), den Besessenheitsvorwurf zunächst überspringend. + br + | „Amen, ich sage euch“ kann gut als Neuansatz verstanden werden, der mit dem Rückbezug auf den Besessenheitsvorwurf endet, + | wodurch dieser ganze Block also als Antwort auf den ersten Vorwurf verstanden werden. + br + | Dabei bildet der erste Vorwurf den Hintergrund für den zweiten, ist der zweite vom ersten abhängig. + li + | Diese Vorwürfe an Jesus sind einerseits allerhand, hat er sich doch eigentlich mit Dämonenaustreibungen und anderen Heilungen, + | die – wie wir gesehen haben – letztlich auch die Qualität von Dämonenaustreibungen haben, + | frontal gegen Satan positioniert. + br + | Andererseits hat sich Jesus auch verdächtig gemacht durch seine Gemeinschaft mit den „Zöllnern und Sündern“ (Mk 2,13-17) + | und seinem Eintreten für „die Sünder“ (in Mk 2,18-22: Fastenfrage, sowie Mk 2,23-28: Sabbat); + | ferner vertritt er eine „eigenwillige“ Auslegung des Sabbat-Gebotes (Mk 2,23-28, auch Mk 3,1-6), + | steht mithin also nicht zu 100 % in der (sonst üblichen) Tradition des jüdischen Gesetzes. + li + | Zentraler Schlüssel zum Verständnis aber ist die Mitte der konzentrischen Gliederung, die Heilung des Gelähmten (Mk 2,1-12): + ul.card-text + li + | Aufgrund des Glaubens der Vier hatte Jesus ihm die Sünden vergeben. + br + | Dies hatte den Widerspruch der Schriftgelehrten provoziert, die auch in der aktuellen Erzählung das Gegenüber zu Jesus darstellen. + | Sie vergegenwärtigen „die Schrift“ (= das jüdische Gesetz) als jüdischen Heilsweg (bzw. judaisierende Christen, + | die an der Schrift als Heilsweg auch für Christen festhalten wollen), auch wenn sie in der Erzählung des Markus subtil – mit ihrem + | die Schrift übergehenden Hinweis auf Sündenvergebung allein durch Gott – + | deren Insuffizienz, lebendig zu machen, bestätigen und damit die Notwendigkeit eines anderen Heilsweges unterstreichen. + br + | Jesus dagegen hat – so zeigt es der Fortgang der Erzählung – + | offensichtlich die Vollmacht zu echter, wirksamer Sündenvergebung, die zu einem neuen Leben ermöglicht (→ Gelähmter, der sich erhebt); + br + | dabei standen aber nicht der irdische, vorösterliche Jesus und seine Vollmacht im Fokus, + | sondern die Gültigkeit und Wirksamkeit der durch Tod und Auferstehung Jesu ermöglichten + | Rechtfertigung allein aus Glauben (→ Glaube der Vier!), jenseits der + | „Werke des (jüdischen) Gesetzes“, wie sie Paulus in seinen Briefen vertritt und verteidigen muss. + br + | Es ging also um die Frage nach der Rechtfertigung vor Gott, es ging um die Gültigkeit der paulinischen Rechtfertigungslehre + | „allein aus Glauben“ in Absetzung von der zurückgewiesenen – weil nicht möglichen – Rechtfertigung „aus Werken des Gesetzes“. + li + | Schon die äußere Szenerie der Erzählung von der Heilung des Gelähmten als Mitte der aktuellen konzentrischen Gliederung + | macht die Tauftheologie des Paulus in Röm 6 (Mitgekreuzigtsein, Mitgestorbensein, Mitbegrabensein mit Jesus) + | gegenwärtig; + br + | dort spricht Paulus unter anderem vom Freigewordensein von der Sünde („Wer gestorben ist, ist frei geworden von der Sünde“ [Röm 6,7]; + | „Ihr wurdet aus der Macht der Sünde befreit“ [Röm 6,18]), dem als Auftakt der Verteidigungsrede der Vorwurf des Besessenseins Jesu + | von Beelzebul durch die Schriftgelehrten korrespondiert, und fordert dazu auf, nicht mehr Diener der Sünde, sondern Diener Gottes + | zu sein – gut in Beziehung dazu zu setzen, dass Jesus hier ein Bündnis mit dem Herrscher der Dämonen vorgeworfen wird. + br + | Die inhaltlichen Bezüge der an „Jesus“ gerichteten Vorwürfe zu Röm 6 sind also offensichtlich. + br + | Und genau wie Jesus sich in Mk 3,22-30 gegen die Vorwürfe der Schriftgelehrten verteidigen muss, + | setzt sich Paulus in Röm 6 mit ganz ähnlichen + | Vorwürfen wie hier Jesus auseinander, wozu er von Kritikern seiner Rechtfertigungslehre offenbar genötigt wird: + br + q.bibeltext Was sollen wir nun sagen? Sollen wir an der Sünde festhalten, damit die Gnade umso mächtiger werde? Keineswegs! + span.bibelstelle Röm 6,1 + br + q.bibeltext Was heißt das nun? Sollen wir sündigen, weil wir nicht mehr unter dem Gesetz stehen, sondern unter der Gnade? Keineswegs! + span.bibelstelle Röm 6,15 + li + | Mit seiner Lehre von der Rechtfertigung allein aus Gnade, ohne der Notwendigkeit, sich auf das jüdische Gesetz zu verpflichten, + | setzte sich Paulus dem Vorwurf aus, er würde effektiv der Sünde dienen, weil sie – ohne Verpflichtung auf das jüdische Gesetz – + | doch frei und schadlos praktiziert werden könne; und wenn sich Gott doch in besonderer Weise den Sündern zuwende, + | wäre es dann nicht gut, Sünder zu sein? Steht also hinter allem nicht doch eher die Sünde und nicht Gott? + li + | Vom Blick auf Paulus und einer Verdrehung seiner Rechtfertigungslehre her macht der Vorwurf an Jesus Sinn! + br + | Jesus wird auch hier durchsichtig auf Paulus; es geht auch hier um eine nachösterliche Fragestellung. + li + | Das Kommen der Schriftgelehrten von Jerusalem – für den Kontext bei Markus von recht weit her – + | passt sehr gut zu dieser Deutung, schreibt Paulus doch im Brief an die Galater, in der er auch seine Rechtfertigungslehre verteidigen muss, + | davon, dass es zum sog. Antiochenischen Zwischenfalls kam, weil „einige von Jakobus eintrafen“ + | und Petrus zu einer Verhaltensänderung gegenüber den (zum Christentum konvertierten) Heiden brachten; Jakobus aber hat seinen „Sitz“ in Jerusalem. + br + | Als „Angehöriger Jesu“ und als Name in der Zwölferliste ist Jakobus im Horizont der Verteidigungsrede bei Markus präsent. + br + | Insgesamt musste Paulus damit kämpfen, dass judaisierende christliche Gruppen – wohl durchaus mit einer gewissen Verbindung zu Jerusalem + | bzw. dem Herrenbruder – in seine Gemeinden von außerhalb eindrangen + | und die paulinischen, gesetzesfreien Gemeinden dazu bringen wollten, + | das jüdische Gesetz als heilsnotwendig zu akzeptieren; + br + | ganz analog kommen hier die Schriftgelehrten von außerhalb der bestehenden Gemeinde zu Jesus. .card.slide.border-primary.mb-3 .card-body - h5.card-title Jesus von Beelzebul besessen? – Nein: er ist der „Stärkere“! + h5.card-title Abwehr der Vorwürfe an „Jesus“ durch Paulus und Markus (bzw. dem markinischen Jesus) – grundsätzliche Antwort hr - p.card-text - | Nicht verrückt, sondern mit dem Herrscher der Dämonen im Bunde – das denkt man - | in Jerusalem über Jesus. Jesus widerlegt das mit seiner Argumentation, aus der man seine - | Überzeugung heraushören kann: - br - | Satan („der Starke“) ist bereits besiegt; Jesus ist „der Stärkere“ (Mk 1,7); - | dass Jesus Wunder und Dämonenaustreibungen wirken kann, das ist für - | ihn ein eindeutiges Zeichen dafür. – Wenn man dem Satan nicht selbstzerstörerische Schizophrenie vorwerfen will. - p.card-text - | Fast nebenbei schiebt Markus Jesus eine Selbstinterpretation unter: - br - | Die „Kraft“, die hinter Jesus steht, ist Gottes Heiliger Geist, der in ihm und durch ihn wirkt. - p.card-text - | Diese Erzählung ist mit 1,2-13, also dem ersten Teil des Evangeliums, verknüpft durch die - | Trias „‚Starker‘/‚Stärkerer‘ + Satan [Versuchung/Dämonenaustreibung] + Heiliger Geist“. - br - | Der Ausgang der Versuchungserzählung blieb auf Ebene des Textes offen; - | hier wird sozusagen das das Resultat der Begegnung - | zwischen Satan und Jesus (im Tod am Kreuz!) nachgeschoben: Jesus hat Satan ‚gefesselt‘! - br - | Die Erzählung hier in 3,22-30 legt das nahe. - p.card-text - | Die Aussage vom Einbrechen ins Haus und Rauben des Hausrats wird in der Mitte der konzentrischen Gliederung - | schön bebildert: - br - | durch seinen Tod ist Jesus in das Totenreich – das Haus hier quasi als Grab – eingebrochen - | und ermöglicht dort den in der Taufe mit ihm Gestorbenen (→ Gelähmter) eines neues Leben, - | das sie nach Hause (→ in den Himmel) gehen lässt. - - .card.slide.border-primary.mb-3 - .card-body - h5.card-title Wo der Vorwurf an Jesus herkommt – Und warum Jesus hier wieder durchsichtig auf Paulus wird - h6.card-subtitle.text-muted Erweiterte Bezüge durch die Mitte der konzentrischen Gliederung - hr - p.card-text - | Der Vorwurf an Jesus ist einerseits allerhand, hat er sich doch eigentlich mit Dämonenaustreibungen und anderen Heilungen, - | die – wie wir gesehen haben – letztlich auch die Qualität von Dämonenaustreibungen haben – - | frontal gegen Satan positioniert. - br - | Andererseits hat sich Jesus auch verdächtig gemacht durch seine Gemeinschaft mit den „Zöllnern und Sündern“ (Mk 2,13-17) - | und seinem Eintreten für „die Sünder“ (in Mk 2,18-22: Fastenfrage, sowie Mk 2,23-28: Sabbat); - | ferner vertritt er eine „eigenwillige“ Auslegung des Sabbat-Gebotes (Mk 2,23-28, auch Mk 3,1-6), - | steht mithin also nicht zu 100 % in der (sonst üblichen) Tradition des jüdischen Gesetzes. - p.card-text - | Schon in Mk 2,1-12 (Heilung des Gelähmten) war – wie hier – die Frage, wer durch Jesus eigentlich wirkt, präsent, nämlich - | in der Anrede Jesu an den Gelähmten: „Mein Sohn“, womit angedeutet ist, dass durch Jesus Gott selbst wirkt, - | was die Schriftgelehrten nicht realisieren und weswegen sie die Sündenvergebung durch Jesus ablehnen. - br - | Ferner war in Mk 2,1-12 auch das Verhältnis zwischen Jesus – bzw. eigentlich - | dem nachösterlichen christlichen Glauben (→ Glaube der Vier!) an Jesus als Christus – - | einerseits und dem jüdischen Gesetz andererseits subtil - | Thema gewesen, allein schon durch die Präsenz der Schriftgelehrten - | und konkret in der Frage nach wirksamer Sündenvergebung; - br - | ganz subtil wurde dabei – wie schon in 1,21-28 (erste Dämonenaustreibung, Schriftgelehrte im Horizont genannt) – - | die Insuffizienz des jüdischen Gesetzes, lebendig zu machen, angesprochen. - br - | Jesus dagegen hat – so zeigt es der Fortgang der Erzählung – - | offensichtlich die Vollmacht zu echter, wirksamer Sündenvergebung, die zu einem neuen Leben ermöglicht (→ Gelähmter, der sich erhebt); - br - | dabei stand aber nicht der irdische, vorösterliche Jesus und seine Vollmacht im Fokus, - | sondern die Gültigkeit und Wirksamkeit der durch Tod und Auferstehung Jesu ermöglichten - | Rechtfertigung allein aus Glauben (→ Glaube der Vier!), jenseits der - | „Werke des (jüdischen) Gesetzes“, wie sie Paulus in seinen Briefen vertritt und verteidigen muss. - br - | Mk 2,1-12 bildet nun die Mitte der konzentrischen Gliederung. - | Und das Gegenüber in der aktuellen Erzählung sind wieder die Schriftgelehrten. - p.card-text - | Mit Mk 2,1-12 steht auch die Tauftheologie des Paulus nach Röm 6 - | (Mitgekreuzigtsein, Mitgestorbensein, Mitbegrabensein) im Mittelpunkt; - br - | und genau dort in Röm 6 setzt sich Paulus mit ganz ähnlichen - | Vorwürfen wie hier Jesus auseinander, wozu er von Kritikern seiner Rechtfertigungslehre offenbar genötigt wird: - br - q.bibeltext Was sollen wir nun sagen? Sollen wir an der Sünde festhalten, damit die Gnade umso mächtiger werde? Keineswegs! - span.bibelstelle Röm 6,1 - br - q.bibeltext Was heißt das nun? Sollen wir sündigen, weil wir nicht mehr unter dem Gesetz stehen, sondern unter der Gnade? - span.bibelstelle Röm 6,15 - p.card-text - | Mit seiner Lehre von der Rechtfertigung allein aus Gnade, ohne der Notwendigkeit, sich auf das jüdische Gesetz zu verpflichten, - | setzte sich Paulus dem Vorwurf aus, er würde effektiv der Sünde dienen, weil sie – ohne Verpflichtung auf das jüdische Gesetz – - | doch frei und schadlos praktiziert werden könne; und wenn sich Gott doch in besonderer Weise den Sündern zuwende, - | wäre es dann nicht gut, Sünder zu sein? Steht also hinter allem nicht doch eher die Sünde und nicht Gott? - p.card-text - | Vom Blick auf Paulus und einer Verdrehung seiner Rechtfertigungslehre her macht der Vorwurf an Jesus Sinn! - br - | Jesus wird auch hier durchsichtig auf Paulus; es geht auch hier um eine nachösterliche Fragestellung. - - .card.slide.border-primary.mb-3 - .card-body - h5.card-title Abwehr des Vorwurfs bei Paulus und Markus (bzw. dem markinischen Jesus) - hr - p.card-text - | Paulus weist in Röm 6, das nun – neben anderem – durch die Mitte der konzentrischen Gliederung vergegenwärtigt wird, - | auf die grundlegende Lebenswende in der Taufe hin, auf das Mitgekreuzigtsein, - | Mitgestorbensein, Mitbegrabensein – mit Jesus und die damit sich verbindenden Konsequenzen: - p.card-text - | Die hier relevanten Aussagen seien nochmal kurz aufgeführt: - br - q.bibeltext Wie können wir, die wir für die Sünde tot sind, noch in ihr leben? - span.bibelstelle Röm 6,2 - br - q.bibeltext - | Wir wissen doch: Unser alter Mensch wurde mitgekreuzigt, damit der von der Sünde beherrschte Leib - | vernichtet werde, sodass wir nicht mehr Sklaven der Sünde sind. + ul.card-text + li + | Die oben gezeigte Verbindung zu Röm 6 und den Vorwürfen, mit denen Paulus umzugehen hat, legt nahe, + | einen Teil der Antwort im vorliegenden Konfliktfall „Schriftgelehrte“ ↔ „Jesus“ dort zu finden. + li + | Insofern die Vorwürfe der Schriftgelehrten an Jesus gerichtet sind und seine Person und sein Handeln betreffen, + | sind zunächst und vor allem die Aussagen zu Jesus als „Prototyp“ des „Neuen Menschen“ relevant: br - | Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde. - span.bibelstelle Röm 6,6-7 - br - q.bibeltext - | ... begreift auch ihr euch als Menschen, die für die Sünde tot sind, aber für Gott leben in Christus Jesus. + | „Jesus“ verbindet sich mit „Christus“ – sein Gekreuzigt-, Gestorben-, Begrabensein, das das Mit-Gekreuzigt-, Mit-Gestorben- + | und Mit-Begrabensein, von dem Paulus spricht, überhaupt erst ermöglicht, ist hier in den Fokus gerückt. + p.small.mb-0 + | Der (geheilte) Gelähmte ist dann in der nächsten Erzählung bei Markus in Mk 3,31-35 besonders im Fokus. + li + | Hier relevant ist sicher folgende Aussage: br - | Daher soll die Sünde nicht mehr in eurem sterblichen Leib herrschen, sodass ihr seinen Begierden gehorcht. - span.bibelstelle Röm 6,11 - p.card-text - | Hier wird jeweils eine klare Trennlinie zwischen Gott und der Sünde (bzw. Satan) gezogen, zwischen neuer und alter Existenz, sowie - | Geradlinigkeit gefordert, weil es eine Unvereinbarkeit der beiden Existenzen gibt. - p.card-text - | Auch im Galaterbrief muss Paulus seine Rechtfertigungslehre verteidigen, auch darauf gab es in Mk 2,1-12 Anspielungen, - br - | vor allem zeigen die Vier einen Glauben, der durch die Liebe wirkt (Gal 5,6): - br - | Die Lebenswende, die der Glaube ermöglicht hat, muss sich im konkreten Handeln, in der ganzen Existenz des Christen - | zeigen. Ein Glaube, der beim Bekenntnis stehen bleibt, ist für Paulus und Markus kein „vollständiger“ Glaube; - br - | besonders Markus problematisiert einen reinen Bekenntnisglauben (der nur die Auferstehung in Blick nimmt). - p.card-text - | Weil es bei der Taufe um eine echte Lebenswende weg von der Sünde hin zu Gott geht, - | wie dies in der Mitte der konzentrischen Gliederung anhand des Gelähmten bebildert ist, der sich – in Analogie zur Auferstehung Jesu – - | zu einem neuen Leben erhebt; - br - | weil der Glaube nur dann „vollständiger“ Glaube ist, wenn er durch die Liebe wirkt, - | wie dies in der Mitte der konzentrischen Gliederung anhand der Vier gezeigt wird, deren Glauben durch ihr Tun „gesehen“ werden kann; - br - | weil also das Tun des Christen nicht einer Beliebigkeit preisgegeben ist, die dem Sündigen Tür und Tor öffnen würde, - br - | kann der markinische Jesus angesichts des Vorwurfes, mit dem Anführer der Dämonen im Bunde zu stehen, argumentieren, - | dass es kein Dienst an Satan ist, wenn er in Dämonenaustreibungen von Satan bzw. den Dämonen befreit. - p.card-text - | Ein Teil der Abwehr des Vorwurfes – ja im Grunde der entscheidende Teil – muss also bei Markus nicht in der eigentlichen Erzählung selbst, - | sondern in der Mitte der konzentrischen Gliederung gesucht werden. - + q.bibeltext + | 9 Wir wissen, dass Christus, von den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt; der Tod hat keine Macht mehr über ihn. + br + | 10 + i Denn durch sein Sterben ist er ein für alle Mal gestorben für die Sünde, + br + i sein Leben aber lebt er für Gott + span.bibelstelle Röm 6,9-10 + br + | Hier ergeben sich erstaunlich direkte Antworten auf die Vorwürfe der Schriftgelehrten, auffälligerweise unter Wahrung der Zweigliedrigkeit: + ul.card-text + li + i Von Beelzebul besessen? + br + b Nein, er ist ein für alle mal gestorben für die Sünde! + li + i Mit dem Herrscher der Dämonen im Bunde? + br + b Nein, er lebt sein Leben für Gott! + | Damit sind die Vorwürfe der Schriftgelehrten gegen Jesus ad absurdum geführt. .card.slide.border-primary.mb-3 .card-body - h5.card-title Insuffizientes Gesetz: Der Spies umgedreht + h5.card-title Abwehr des Vorwurfs des Bündnisses mit dem Herrscher der Dämonen bzw. der Sünde bei Paulus und Markus (bzw. dem markinischen Jesus) hr - p.card-text - | Der Vorwurf an Jesus, im Dienst von Beelzebul zu stehen, - | ist mit der subtilen Aussage bezüglich der Insuffizienz des jüdischen Gesetzes hinsichtlich echter, wirksamer Sündenvergebung - | in der Mitte der konzentrischen Gliederung zu verbinden. - br - | Während Jesus zu einem neuen Leben verhelfen kann, können dies die Schriftgelehrten bzw. das jüdische Gesetz - | aufgrund der eigenen Insuffizienz gerade nicht! - p.card-text - | Man muss den Spies der Schriftgelehrten gegen Jesus umdrehen: - br - | Nicht Jesus steht im Dienst der Sünde, sondern das jüdische Gesetz, - | wie in der Mitte der konzentrischen Gliederung subtil angedeutet: - br - q.bibeltext - | Jetzt also gibt es keine Verurteilung mehr, für die, welche in Christus Jesus sind. + ul.card-text + li + | Gegenargument ist zunächst aus Röm 6, dass Jesus sein Leben für Gott lebt (s. o.). br - | Denn das Gesetz des Geistes und des Lebens in Christus Jesus hat dich frei gemacht vom Gesetz der Sünde und des Todes. + | Dass und wie Jesus dies tut, bebildert die Mitte der konzentrischen Gliederung: + ul.card-text + li + | Jesus verkündet „das Wort“ = das Evangelium. + li + | Jesus heilt den „Gelähmten“, ermöglicht ihm ein neues Leben aufgrund einer echten Lebenswende. + br + | Dabei spricht Jesus ihn mit „Mein Sohn“ an: Jesus wird hier transparent auf Gott und dessen Wirken in und durch Jesus. + li + | Die Heilung des Gelähmten legt ausdrücklich Wert darauf, dass die von Jesus vermittelte Sündenvergebung + | nicht nur ein Zuspruch ist, sondern wirkliche und sichtbare Heilsvermittlung, br - | Denn weil das Gesetz, ohnmächtig durch das Fleisch, nichts vermochte, sandte Gott seinen Sohn in der Gestalt des Fleisches, - | das unter der Macht der Sünde steht, wegen der Sünde, um die Sünde im Fleische zu verurteilen; + | wie auch Paulus in Röm 6 eine klare Trennlinie zwischen Gott und der Sünde zieht, zwischen neuer und alter Existenz, und + | Geradlinigkeit fordert, weil es eine Unvereinbarkeit der beiden Existenzen gibt. + li + | Auch im Galaterbrief muss Paulus seine Rechtfertigungslehre verteidigen, auch darauf gab es in Mk 2,1-12 Anspielungen, br - | dies tat er, damit die Forderung des Gesetzes durch uns erfüllt werde, die wir nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist leben. - span.bibelstelle Röm 8,1-4 - br - | Hinzuzunehmen ist sind hier folgende Ausführungen: - br - q.bibeltext - | Warum gibt es dann das Gesetz? + | vor allem zeigen die Vier einen Glauben, der durch die Liebe wirkt (Gal 5,6): br - | Wegen der Übertretungen wurde es hinzugefügt ... + | Die Lebenswende, die der Glaube – die Christus – ermöglicht hat, muss sich im konkreten Handeln, in der ganzen Existenz des Christen + | zeigen. Ein Glaube, der beim Bekenntnis stehen bleibt, ist für Paulus und Markus kein „vollständiger“ Glaube; br - | Wäre ein Gesetz gegeben worden, das die Kraft hat, lebendig zu machen, dann käme in der Tat die Gerechtigkeit aus dem Gesetz; + | besonders Markus problematisiert einen reinen Bekenntnisglauben (der nur die Auferstehung in Blick nimmt). + li + | Diese erzählten/bebilderten Aussagen zur die ganze Existenz betreffenden Lebenswende müssen und dürfen in Relation gesetzt werden + | zum Vorwurf des Bündnisses „Jesu“ mit dem Herrscher der Dämonen. br - | aber die Schrift hat alles unter der Sünde eingeschlossen, damit die Verheißung aus dem Glauben an Christus Jesus - | denen gegeben wird, die glauben. - span.bibelstelle Gal 3,19.21-22 - br - q.bibeltext - | Paulus kann das jüdische Gesetz als „Gesetz der Sünde und des Todes“ bezeichnen, weil es – wie in Gal 3 (wie auch in Röm 5 und 7) dargelegt – - | eine unheilige Allianz mit der Sünde eingegangen ist, insofern es dem Sünder nur das Todesurteil zusprechen kann, weil ihm selber - | die Kraft fehlt, lebendig zu machen (→ Gal 3,21!). - p.card-text - | Ganz prägnant sind die Zusammenhänge in - span.bibelstelle 1 Kor 15,56-57 - | formuliert: - br - q.bibeltext - | Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, + | „Jesus“ reagiert auf diesen Vorwurf mit der Aussage, dass der Satan sich gegen sich selbst erheben würde und in sich gespalten sei. br - | die Kraft der Sünde ist das Gesetz. + | Diese Argumentation wird besonders schlagkräftig, wo – wie hier – Jesu tatsächliches Heilswirken, das sie Sünde überwindet, + | in den Mittelpunkt gerückt wird: br - | Gott aber sei Dank, der uns den Sieg geschenkt hat durch unseren Herrn Jesus Christus. + | Weil es in der durch Tod und Auferstehung Jesus ermöglichten und in der Taufe vermittelten + | Sündenvergebung („Dämonenaustreibung“) um eine echte Lebenswende weg von der Sünde hin zu Gott geht, + | wie dies in der Mitte der konzentrischen Gliederung anhand des Gelähmten bebildert ist, der sich – in Analogie zur Auferstehung Jesu – + | zu einem neuen Leben erhebt; + br + | weil der Glaube nur dann „vollständiger“ Glaube ist, wenn er durch die Liebe wirkt, + | wie dies in der Mitte der konzentrischen Gliederung anhand der Vier gezeigt wird, deren Glauben durch ihr Tun „gesehen“ werden kann; + br + | weil also das Tun des Christen nicht einer Beliebigkeit preisgegeben ist, die dem Sündigen Tür und Tor öffnen würde, + br + | kann der markinische Jesus angesichts des Vorwurfes, mit dem Herrscher der Dämonen im Bunde zu stehen, argumentieren, + | dass es kein Dienst an Satan ist, wenn er in Dämonenaustreibungen von Satan bzw. den Dämonen befreit – es sei denn, + | dieser wäre „in sich gespalten“, aber dann wäre es ohnehin im ihn geschehen (→ Mk 3,26). + li + | Ein Teil der Abwehr des Vorwurfes – ja im Grunde der entscheidende Teil – muss also bei Markus nicht in der eigentlichen Erzählung selbst, + | sondern in der Mitte der konzentrischen Gliederung gesucht werden. + + .card.slide.border-primary.mb-3 + .card-body + h5.card-title Insuffizientes Gesetz: Der Spieß umgedreht + hr + ul.card-text + li + | Der Vorwurf an Jesus, mit Hilfe des Herrschers der Dämonen die Dämonen auszutreiben, + | ist mit der subtilen Aussage bezüglich der Insuffizienz des jüdischen Gesetzes hinsichtlich echter, wirksamer Sündenvergebung + | in der Mitte der konzentrischen Gliederung zu verbinden. + li + | Während Jesus zu einem neuen Leben verhelfen kann, können dies die Schriftgelehrten bzw. das jüdische Gesetz + | aufgrund der eigenen Insuffizienz gerade nicht, + br + | ja mehr noch, es gibt eine unselige, für den Menschen tödliche Verbindung von Gesetz und Sünde, aus der Christus befreit: + br + q.bibeltext + | Jetzt also gibt es keine Verurteilung mehr, für die, welche in Christus Jesus sind. + br + | Denn das Gesetz des Geistes und des Lebens in Christus Jesus hat dich frei gemacht vom Gesetz der Sünde und des Todes. + br + | Denn weil das Gesetz, ohnmächtig durch das Fleisch, nichts vermochte, sandte Gott seinen Sohn in der Gestalt des Fleisches, + | das unter der Macht der Sünde steht, wegen der Sünde, um die Sünde im Fleische zu verurteilen; + br + | dies tat er, damit die Forderung des Gesetzes durch uns erfüllt werde, die wir nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist leben. + span.bibelstelle Röm 8,1-4 + br + | Hinzuzunehmen ist sind hier folgende Ausführungen: + br + q.bibeltext + | Warum gibt es dann das Gesetz? + br + | Wegen der Übertretungen wurde es hinzugefügt ... + br + | Wäre ein Gesetz gegeben worden, das die Kraft hat, lebendig zu machen, dann käme in der Tat die Gerechtigkeit aus dem Gesetz; + br + | aber die Schrift hat alles unter der Sünde eingeschlossen, damit die Verheißung aus dem Glauben an Christus Jesus + | denen gegeben wird, die glauben. + span.bibelstelle Gal 3,19.21-22 + p.card-text.small.mb-0 + | Die Aussage, die Schrift habe „alles unter der Sünde eingeschlossen“ in Gal 3,22 spiegelt sich sogar indirekt in der + | Antwort Jesu, wenn er vom Rauben des Hausrats spricht: was „unter der Sünde eingeschlossen“ war, wird von Jesus „geraubt“ und damit befreit. + li + | Man muss den Spieß der Schriftgelehrten gegen Jesus sogar umdrehen, wenn man + span.bibelstelle Röm 7,11.13 + | bedenkt: + br + q.bibeltext + | 11 ... nachdem die Sünde die Gelegenheit ergriffen hatte, täuschte und tötete sie mich durch das Gebot. + br + | 13 ... die Sünde verursachte, damit sie als Sünde offenbar werde, mir durch das Gute [= das Gesetz] den Tod. + p.small.mb-0 + | Wichtig für das generelle Verständnis ist hier, das „ich“ in Röm 7 nicht als „individuelles Ich“ (etwa des Paulus) zu verstehen, + | sondern als „gemeinschaftliches Ich“ (der Menschheit, der Menschen unter dem Gesetz); man beachte, wie Röm 7,11 auf den Sündenfall + | im Paradies nach Gen 3 anspielt! + | In + span.bibelstelle 1 Kor 15,56-57 + | findet sich folgende zugespitzte Formulierung, die das gleiche aussagt: + br + q.bibeltext + | Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, + br + i die Kraft der Sünde ist das Gesetz. + br + | Gott aber sei Dank, der uns den Sieg geschenkt hat durch unseren Herrn Jesus Christus. + br + | Aufgrund dieser tödlichen „Partnerschaft“ zwischen jüdischem Gesetz und Sünde, + | beruhend auf der Täuschung durch die Sünde (→ Röm 7) und der Insuffizienz des jüdischen Gesetzes – des Mangels an Kraft, lebendig zu machen (→ Gal 3,21) –, + | durch die es „alles unter der Sünde zusammengeschlossen“ hat, kann Paulus das jüdische Gesetz als „Gesetz der Sünde und des Todes“ + | (→ Röm 8) bezeichnen. + li + | Also: + br + i + | Nicht Jesus treibt Mithilfe des Herrschers der Dämonen die Dämonen aus, + br + | sondern die Sünde/Satan/der Herrscher der Dämonen tötet mit Hilfe des Gesetzes die Menschen. + br + | Dabei wird auch die Satzaussage von „austreiben“ = befreien zu „töten“ ins Gegenteil verkehrt. + li + | Man kann sogar in der Verbindung Mitte – unteres Ende der konzentrischen Gliederung einen Hinweis auf dieses + | Umdrehen des Vorwurfs bzw. einen Impuls dazu entdecken: + br + | Denn während bei der Heilung des Gelähmten die Schriftgelehrten Jesus vorwerfen, er lästere Gott, + | begegnet in der Verteidigungsrede der umgedrehte Vorwurf Jesus an die Schriftgelehrten, diese würden + | gegen den Heiligen Geist, also auch effektiv gegen Gott, lästern. + li + | Im Brief des Paulus an die Römer führt Röm 7 das vorausgehende Kapitel Röm 6 thematisch weiter, + | insofern zunächst Aussagen, die in Röm 6 in Bezug auf die Sünde gemacht wurden, in Röm 7 auf das Gesetz übertragen werden: + br + q.bibeltext + | 1 ... dass das Gesetz für einen Menschen nur Geltung hat, solange er lebt? + br + | 2 So ist die Ehefrau durch das Gesetz an ihren Mann gebunden, solange er lebt; wenn ihr Mann aber stirbt, + | ist sie frei von dem Gesetz, das die Frau an den Mann bindet. + br + | 4 ... seid auch ihr, meine Brüder und Schwestern, durch das Sterben Christi tot für das Gesetz, + | so dass ihr einem anderen gehört, dem, der von den Toten auferweckt wurde, damit wir Gott Frucht bringen. + br + | 5 Denn als wir noch dem Fleisch verfallen waren, wirkten sich die Leidenschaften der Sünde, die durch + | das Gesetz hervorgerufen wurden, so in unseren Gliedern aus, dass wir dem Tod Frucht brachten. + br + | 6 Jetzt aber sind wir frei geworden vom Gesetz, dem gestorben, woran wir gebunden waren, sodass wir in der neuen Wirklichkeit + | des Geistes dienen, nicht mehr in der alten Wirklichkeit des Buchstabens. + span.bibelstelle Röm 7,1-2.4-6 + br + | Vergleiche dazu Aussagen in Röm 6: + br + q.bibeltext + | 4 Wir wurden ja mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod, damit auch wir, so wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters + | von den Toten auferweckt wurde, in der Wirklichkeit des neuen Lebens wandeln + br + | 7 ... wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde. + br + | 11 ... begreift auch ihr euch als Menschen, die für die Sünde tot sind, aber für Gott leben in Christus Jesus. + br + | 20 ... als ihr Sklaven der Sünde wart, ... 21 Welche Frucht hattet ihr damals? Es waren Dinge, deren ihr euch jetzt + | schämt; denn sie brachten den Tod. + br + | 22 Jetzt aber, da ihr aus der Macht der Sünde befreit und zu Sklaven Gottes geworden seid, habt ihr eine Frucht, + | die zu eurer Heilung führt und das ewige Leben bringt. + span.bibelstelle Röm 6,4.7.11.20-22 + br + | Auffällig ist, wie in Röm 6 der Geist als tragendes Fundament christlichen Lebens vermisst wurde, + | dieser nun aber in Verbindung mit dem Gesetz in die Argumentation des Paulus einfließt: + | die „Wirklichkeit des neuen Lebens“ in Röm 6,4 entspricht der „neuen Wirklichkeit des Geistes“. + br + | Die weiteren Ausführungen von Röm 7 beschäftigen sich dann näher mit der Verbindung Gesetz –/↔ Sünde, s. u. + br + | Im Blick auf das Evangelium nach Markus lässt sich sagen: Der Fortführung von Röm 6 in Röm 7 entspricht, + | dass Markus in Mk 3,22-30 (Verteidigungsrede) mit Röm 7 im Hintergrund Mk 2,1-12 (Heilung des Gelähmten) mit Röm 6 + | im Hintergrund weiterführt, wobei Röm 6 auch in Mk 3,22-30 hineinspielt (gemäß den Gesetzen der fortschreitenden Konzentrik). + + .card.slide.border-primary.mb-3 + .card-body + h5.card-title Das jüdische Gesetz, Satan/Beelzebul/Herrscher der Dämonen und der Heilige Geist + h6.card-subtitle.text-muted Röm 7 und das vom Geist bestimmte Gesetz, das von der Sünde missbraucht wurde + hr + ul.card-text + li + | Die Umdrehung des Spießes beim zweiten Vorwurf gegen Jesus lässt auch beim ersten Vorwurf – dem der Besessenheit – + | den Vorwurf an das Gesetz gerichtet sein; + br + | es ist daher in Beziehung zu setzen zu Sünde/Beelzebul/Herrscher der Dämonen einerseits + | und dem Heiligen Geist andererseits. + li + | Die Frage kann dann nur sein, ob das Gesetz von Beelzebul – bzw. der Sünde – „besessen“ ist – umgekehrt wäre es völlig abwegig (Sünde vom Gesetz besessen). + br + | Auf diese Frage nach der Besessenheit des Gesetzes durch die Sünde + | gibt schon der Aufbau der Erzählung bei Markus eine Antwort, die sich mit der des Paulus in Röm 7 deckt, + | der dort u. a. der Frage + q.bibeltext + | Ist das Gesetz Sünde? + span.bibelstelle (Röm 7,7) + | nachgeht (und gleich ein „Keineswegs!“ als Antwort gibt). + li + | In der Erzählung bei Markus fällt auf, dass der Vorwurf der Schriftgelehrten, Jesus sei von einem unreinen Geist gesessen, + | am Ende der Erzählung wiederholt wird. + br + | Würde diese Wiederholung des Vorwurfes fehlen, würde sich zwischen oberem und unterem Teil der Erzählung – bei denen es um den Vorwurf der Besessenheit geht – + | folgende Struktur ergeben: + table.table.table-sm.mt-3.mb-3 + tbody + tr + td(style="column-span: all; text-align: center;") + | Schriftgelehrte (Judaisten; „die Schrift“) + br + | Vorwurf der Besessenheit mit Beelzebul + tr + td(style="text-align: center;") + | ↓ + td(style="text-align: center;") + | ↑ + tr + td(style="column-span: all; text-align: center;") + | Jesus + br + | Vorwurf des Lästerns gegen den Heiligen Geist + | Die Übertragung der Spießumkehr vom zweiten auf den ersten Vorwurf – den der Besessenheit – + | würde hier fast nur verstärken, was eigentlich schon durch die Anordnung offensichtlich ist, + | nämlich dass Sünde und Gesetz auf einer Seite gemeinsam gegen den Heiligen Geist (und Jesus) auf der anderen Seite stehen. + br + | Angesichts von Aussagen wie „Gesetz der Sünde und des Todes“ bei Paulus (siehe oben), auf die Markus schon in + | seinem Evangelium angespielt hat, wäre dies durchaus eine vorstellbare Position. + li + | Doch durch die Wiederholung des Vorwurfes am Ende der Erzählung ergibt sich ein völlig anderer Aufbau und damit auch eine nachhaltige Veränderung im Gegenüber: + table.table.table-sm.mt-3.mb-3 + tbody + tr + td + | Vorwurf der Besessenheit mit Beelzebul + td(style="text-align: center;") + | → | + td + | Jesus bzw. Gesetz + tr + td(style="text-align: center;") + | || + td + td(style="text-align: center;") + | || + tr + td + | Vorwurf der Besessenheit mit einem unreinen Geist + td(style="text-align: center;") + | → | + td + | Vorwurf der Lästerung gegen den Heiligen Geist + | Egal, was im Gegenüber zum Vorwurf der Besessenheit eingetragen wird – Jesus im Text bzw. das Gesetz bei der Spießumkehrung –: + | es gibt immer eine Parallele zum Heiligen Geist und ein Gegenüber zu Beelzebul bzw. dem unreinen Geist und damit zur Sünde. + li + | Dass das Gesetz auf der Seite des Heiligen Geistes steht, erscheint – angesichts der oben auch festgestellten Indienstnahme durch + | die Sünde gegen die Menschheit – unerwartet, deckt sich aber mit Aussagen des Paulus in Röm 7: + br + q.bibeltext + | 12 ... ist das Gesetz heilig und das Gebot ist heilig, gerecht und gut. + br + | 13 Ist dann etwa das Gute mir zum Tod geworden? Keineswegs! Sondern die Sünde verursachte, damit sie als Sünde offenbar werde, + | mir durch das Gute den Tod, denn durch das Gebot sollte die Sünde sich in ihrem ganzen Ausmaß als Sünde erweisen. + br + | 14 + i Wir wissen nämlich, dass das Gesetz selbst vom Geist bestimmt ist; + br + | ich aber bin fleischlich, das heißt: verkauft unter die Sünde. + span.bibelstelle Röm 7,12 + br + | Wie sich Paulus hier dagegen wehrt, das Gesetz als solches zu etwas schlechtem, bösem – zu Sünde – werden zu lassen, + | und herausstellt, dass es an sich „vom Geist bestimmt ist“, so verwehrt der Aufbau der Erzählung bei Markus, + | dass von einer Besessenheit des Gesetzes von den Mächten des Bösen gesprochen werden kann, + | und stellt es auf die Seite des Heiligen Geistes. + li + | Dass in Mk 3,22-30 unter anderem Röm 7 im Hintergrund steht, legt eine weitere Beobachtung nahe: + br + | Denn wie Markus im mittleren Teil seiner Erzählung vom Gespaltensein von Reichen und Familien spricht, die dadurch keinen Bestand haben können, + br + | bringt Paulus in Röm 7 das Gespaltensein des Menschen zwischen (gutem) Gesetz und Sünde, + | die das Todesverfallensein des Menschen bedeuten, + | mit drastischen Worten zum Ausdruck: + br + q.bibeltext + | 14 Wir wissen nämlich, dass das Gesetz selbst vom Geist bestimmt ist; + | ich aber bin fleischlich, das heißt: verkauft unter die Sünde. + br + | 15 Denn was ich bewirke, begreife ich nicht: Ich tue nicht das, was ich will, sondern das, was ich hasse. + br + | 16 Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, erkenn ich an, dass das Gesetz gut ist. + br + | 17 Dann aber bin nicht mehr ich es, der dies bewirkt, sondern die in mir wohnende Sünde. + br + | 18 Ich weiß nämlich, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt: + br + | Das Wollen ist bei mir vorhanden, aber ich vermag das Gute nicht zu verwirklichen. + br + | 19 Denn ich tue nicht das Gute, das ich will, sondern das Böse, das ich nicht will, das vollbringe ich. + br + | 20 Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, dann bin nicht mehr ich es, der es bewirkt, sondern die in mir wohnende Sünde. + br + | 21 Ich stoße also auf das Gesetz, dass in mir das Böse vorhanden ist, obwohl ich das Gute tun will. + br + | 22 Denn in meinem Inneren freue ich mich am Gesetz Gottes, + br + | 23 ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das mit dem Gesetz meiner Vernunft im Streit liegt + | und mich gefangen hält im Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern herrscht. + br + | 24 Ich elender Mensch! Wer wird mich aus diesem dem Tod verfallenen Leib erretten? + span.bibelstelle Röm 7,14-24 + p.small.mb-0 + | Wichtig zu sehen ist, dass hier die unerlöste, vorchristliche Existenz des „kollektiven Menschen“ beschrieben wird, + | nicht ein (aktueller) Konflikt in Paulus. + li + | Schillernd und nicht einfach aufzulösen – und daher für unsere Zwecke nicht weiter zu vertiefen – ist in Röm 7 die Verwendung des Begriffes „Gesetz“. + br + | Gerade dies passt aber auch wieder zur Thematik Gespaltensein bei Markus. + br + | Vor allem in den Versen Röm 7,7-14 ist das „Gespaltensein“ des Gesetzes zwischen Absicht Gottes + | und Resultat nach Missbrauch durch die Sünde deutlich: einerseits Gottes heiliges, gerechtes, gutes und vom Geist bestimmtes Gesetz, + | andererseits – gleichzeitig! – das Gesetz, das dem Menschen – im Sinne der Menschheit – den Tod gebracht hat. + br + | Der Hinweis des markinischen Jesus, dass das Gespaltene keinen Bestand hat und haben kann, ist im Sinne des Markus + | sicher auch auf das jüdische Gesetz zu beziehen, womit dessen Ende – als „Heilsweg“ – angedeutet ist; + br + | bei Paulus schließen sich – sehr analog – an Röm 7 mit Röm 8 Aussagen zum Freigewordensein vom „Gesetz der Sünde und des Todes“ + | durch die Sendung des Gottessohnes an, auf die Markus schon (auch) an anderen Stellen angespielt hat. + li + | Zur Thematik „Gespaltensein“ passt auch gut ein weiterer Erzählzug bei Markus: + br + | Während die Schriftgelehrten sich den indirekten Vorwurf anhören müssen, gegen den Heiligen Geist zu lästern, + | ist das Gesetz an sich vom Geist bestimmt. + br + | Dies bringt die ganze Misere rund um das Gesetz und die das Gespaltensein zwischen dem vom Geist bestimmten Gesetz + | und dem der Sünde verfallenen Menschen unter dem Gesetz nach Röm 7 prägnant zum Ausdruck. + li + | Zur Frage „Welche Stellung hat das Gesetz in der Unheilsgeschichte des Menschen?“ mag auch eine kleine Spitzfindigkeit + | in der markinischen Erzählung und der Spießumkehr besonderes auffallen: + br + | Bei der Spießumkehr des zweiten Vorwurfes an Jesus muss eine Satzumstellung vorgenommen werden, + | denn bei einem direkten Tausch würde es ja heißen: + br + | „Mit Hilfe des Herrschers der Dämonen tötet das Gesetz die Menschen“. + br + | Das aber ist völlig unsinnig; vielmehr kann es nur heißen: + br + | „Mit Hilfe des Gesetzes tötet der Herrschers der Dämonen die Menschen“. + br + | Das Gesetz ist hier „Werkzeug“, nicht Subjekt: Der Vorwurf trifft die Sünde, sich das Gesetz entsprechend zunutze gemacht zu haben, + | nicht das Gesetz selber. + li.small + | Es sei darauf hingewiesen, dass der Vorwurf an Jesus bei Markus zweigliedrig ist, während er bei Matthäus und Lukas + | eingliedrig ist: + br + q.bibeltext + | Mit Hilfe von Beelzebul, dem Herrscher der Dämonen, treibt er die Dämonen aus. + span.bibelstelle Lk 11,15 + br + q.bibeltext + | Nur mit Hilfe von Beelzebul, dem Herrscher der Dämonen, treibt er die Dämonen aus. + span.bibelstelle Mt 12,24 + br + q.bibeltext + | Er ist von Beelzebul besessen; mit Hilfe des Herrschers der Dämonen treibt er die Dämonen aus. + span.bibelstelle Mk 3,22 + br + | Entweder haben Matthäus und Lukas den zweigliedrigen Vorwurf jeweils eigenständig zu einem eingliedrigen umformuliert, + | oder – wahrscheinlicher – Markus hat einen zweigliedrigen Vorwurf aus einem in seiner Tradition vorgefundenen eingliedrigen gemacht. + br + | Nur Markus spricht den bei Mt und Lk nicht erwähnten Vorwurf der Besessenheit aus, den man aber hineinlesen kann. + br + | Die Zweigliedrigkeit gibt Markus die Möglichkeit, in seinen Bezügen differenziert zum Gesetz Stellung zu nehmen – die Schaffung der Zweigliedrigkeit + | ist also nicht um Jesu willen, sondern um des Gesetzes willen geschehen. .card.slide.border-primary.mb-3 .card-body h5.card-title „Er ist von Beelzebul besessen“ und „Er hat einen unreinen Geist“ ↔ Heiliger Geist hr - p.card-text - | Mit dem Heiligen Geist, der fast beiläufig erwähnt wird, wird das in und durch Jesus wirkende - | Gegenüber zu Beelzebul bzw. den unreinen Geistern genannt. - br - | Er ist es, der – siehe die Taufe Jesu als „Prototyp“ der christlichen Taufe – in der Taufe im Menschen Wohnung nimmt, - | anstatt der Sünde bzw. Beelzebul bzw. den unreinen Dämonen (→ „zur Vergebung der Sünden“ in einem wirklich befreienden Sinn). - p.card-text - | Die Anspielung auf das Wirken des Geistes Gottes in und durch Jesus im Gegenüber zu Beelzubul bzw. den unreinen Geistern - | bei Markus deckt sich mit dem, - | dass Paulus immer wieder das Gegenüber zwischen Sünde (bzw. dem von der Sünde beherrschten Fleisch) und dem Geist Gottes herausstellt, - | z. B. indem er – wie oben zitiert – das „Gesetz des Geistes (und des Lebens)“ dem „Gesetz der Sünde (und des Todes)“ - | gegenüberstellt. - p.card-text - | Wie Röm 6,15-23 darlegt, geht es bei der Christwerdung um einen Herrschaftswechsel; - br - | diesen kann man – verschiedene Stellen bei Paulus aufgreifend – auch so formulieren: - br - i Satan bzw. die Sünde zieht aus – Gottes Geist zieht ein. - p.card-text - | In - span.bibelstelle Röm 6,18 - | kann Paulus schreiben: - br - q.bibeltext - | Ihr wurdet aus der Macht der Sünde befreit und seit zu Sklaven der Gerechtigkeit geworden. - br - | Und in - span.bibelstelle Röm 6,22 - | kann er formulieren: - br - q.bibeltext - | Jetzt aber, da ihr aus der Macht der Sünde befreit und zu Sklaven Gottes geworden seid, - | habt ihr eine Frucht, die zu eurer Heiligung führt und das ewige Leben bringt. - br - | Freilich, hier fehlt jeweils der Geist Gottes als Begriff; das liegt aber daran, dass Paulus erst in Röm 8 den Geist Gottes - | in seine Argumentation einfügt, eben mit jenen oben aus - span.bibelstelle Röm 8,1-2 - | zitierten Aussagen: - br - q.bibeltext das Gesetz des Geistes ... hat dich befreit aus dem Gesetz der Sünde - br - | Dies ist in Röm 6 quasi nachzutragen. - p.card-text - | Festzuhalten ist – nicht zuletzt auch als Antwort auf das Gegenüber Jesu in der aktuellen Erzählung bei Markus –, dass es - | in der christlichen Theologie – in der Schule des Paulus – kein absolutes Freisein gibt und geben kann, - | das die Sünde erlauben und damit im Dienst der Sünde stehen würde, dann man ist - br - | entweder Diener der Sünde oder Diener Gottes, - br - | entweder der einen oder dem anderen sich selbst verpflichtet, - br - | entweder von der Sünde beherrscht („besessen“) oder vom Heiligen Geist. - br - | „Frei sein“, „Befreitsein“ ist daher ausschließlich als Befreitwordensein von Sünde und Tod - | zu verstehen; ihm korrespondiert notwendig ein „Sklave sein“ gegenüber Gott bzw. dem einwohnenden Heiligen Geist. - br - | Insofern sind die Dämonenaustreibungen Jesu wirklich gegen Beelzebul gerichtet und geschehen nicht - | in seinem Dienst oder Auftrag, obwohl – aufgrund der oben erinnerten Zusammenhänge – das Befreitwerden von Beelzebul - | bzw. von der Sünde mit dem Befreitwerden vom jüdischen Gesetz (als göttlich verordnetem Weg zum (Un-)Heil) in eins geht. + ul.card-text + li + | Schon in der Mitte der konzentrischen Gliederung – der Heilung des Gelähmten in Mk 2,1-12 – war – wie hier – + | die Frage, auf welcher Seite Jesus steht bzw. + | wer durch Jesus eigentlich wirkt, präsent, + br + | nämlich + | einerseits im Vorwurf der Gotteslästerung der Schriftgelehrten gegenüber Jesus, andererseits + | in der Anrede Jesu an den Gelähmten: „Mein Sohn“, womit angedeutet ist, dass durch Jesus Gott selbst wirkt, + | was die Schriftgelehrten nicht realisieren und weswegen sie die Sündenvergebung durch Jesus ablehnen. + li + | Es ist bezeichnend, dass Jesu Antwort auf den Vorwurf der Besessenheit mit Beelzebul durch die Schriftgelehrten + | deren Vorwurf der Gotteslästerung durch Jesus in der Mitte der konzentrischen Gliederung angesichts der Sündenvergebung aufgreift + | und mit dem indirekten Vorwurf der Lästerung des Heiligen Geistes kontert, womit er den Vorwurf der Gotteslästerung zurückgibt. + br + | Weiterhin ist bezeichnend, dass Jesus in seiner Antwort die Sündenvergebung, die in Mk 2,1-12 die Schriftgelehrten auf den Plan gerufen hatte, + | aufgreift: + br + q.bibeltext + | Amen, ich sage euch: Alle Vergehen und Lästerungen werden den Menschen vergeben werden, so viel sie auch lästern mögen; + | wer aber den Heiligen Geist lästert, der findet in Ewigkeit keine Vergebung, sondern seine Sünde wird ewig an ihm haften. + span.bibelstelle Mk 3,28-29 + li + | Die Aussage ist in der Zusammenschau also: + ul.card-text + li + | Nicht Jesus lästert Gott, indem er (wirksam) Sünden vergibt (und damit zu einem neuen Leben verhilft jenseits der Sünde und des Todes), + li + | sondern die Schriftgelehrten, indem sie diese Sündenvergebung(svollmacht) durch Jesus ablehnen + br + | und Jesus Besessenheit mit Beelzebul vorwerfen, statt durch Jesus hindurch Gott selbst handelnd zu sehen bzw. + | den Heiligen Geist als Jesus – seit der Taufe – erfüllende Kraft + | (→ Röm 1,4: „Dem Geist der Heiligkeit nach eingesetzt als Sohn Gottes in Macht seit der Auferstehung von den Toten"). + li + | Wer sich gegen die Sündenvergebung(svollmacht) Jesu bzw. gegen die Rechtfertigungslehre des Paulus stellt, + | lästert Gott und kann keine Sündenvergebung erfahren. + br + | Nur wer das Handeln Gottes durch Christus (in der paulinisch-markinischen Interpretation) „sieht“, + | kann Sündenvergebung erlangen. + li + | Der Heilige Geist wird in der Antwort Jesu fast nebenbei erwähnt, und doch liegt auf ihm das tragende Gewicht + | im Gegenüber zu Beelzebul bzw. den unreinen Geistern und als Kraft, die hinter Jesus steckt bzw. durch Jesus wirkt. + br + | Wenn deutlich ist, dass Jesus nicht von Beelzebul besessen ist, sondern Gottes Heiliger Geist in ihm wohnt und durch ihn wirkt, + | dann ist auch klar – auch wenn das selbst nicht direkt ausgesprochen wird –, dass Jesus nicht mit Hilfe des Herrschers der Dämonen, + | sondern mit Hilfe des Heiligen Geistes die Dämonen austreibt, + | ist doch der zweite Vorwurf vom ersten abhängig. + li + | Der Heilige Geist ist es auch, der – siehe die Taufe Jesu als „Prototyp“ der christlichen Taufe – in der Taufe im Menschen Wohnung nimmt, + | anstatt der Sünde bzw. Beelzebul bzw. den unreinen Dämonen (→ „zur Vergebung der Sünden“ in einem wirklich befreienden Sinn). + li + | Mit der „Taufe“ des „Gelähmten“ in der Mitte der konzentrischen Gliederung ergeben sich damit noch weitergehende Bezüge, + | die die obigen Ausführungen zur Taufe als Lebenswende ergänzen. + ul.card-text + li + | Wie Röm 6,15-23 darlegt, geht es bei der Christwerdung um einen Herrschaftswechsel; + br + | diesen kann man – verschiedene Stellen bei Paulus aufgreifend – auch so formulieren: + br + i Satan bzw. die Sünde zieht aus – Gottes Geist zieht ein. + li + | In + span.bibelstelle Röm 6,18 + | kann Paulus schreiben: + br + q.bibeltext + | Ihr wurdet aus der Macht der Sünde befreit und seit zu Sklaven der Gerechtigkeit geworden. + br + | Und in + span.bibelstelle Röm 6,22 + | kann er formulieren: + br + q.bibeltext + | Jetzt aber, da ihr aus der Macht der Sünde befreit und zu Sklaven Gottes geworden seid, + | habt ihr eine Frucht, die zu eurer Heiligung führt und das ewige Leben bringt. + br + | Freilich, hier fehlt jeweils der Geist Gottes als Begriff; das liegt aber daran, dass Paulus erst in Röm 8 den Geist Gottes + | in seine Argumentation einfügt, eben mit jenen oben aus + span.bibelstelle Röm 8,1-2 + | zitierten Aussagen: + br + q.bibeltext das Gesetz des Geistes ... hat dich befreit aus dem Gesetz der Sünde + br + | Dies ist in Röm 6 quasi nachzutragen. + li + | Festzuhalten ist – nicht zuletzt auch als Antwort auf das Gegenüber Jesu in der aktuellen Erzählung bei Markus –, dass es + | in der christlichen Theologie – in der Schule des Paulus – kein absolutes Freisein gibt und geben kann, + | das die Sünde erlauben und damit im Dienst der Sünde stehen würde, dann man ist + br + | entweder Diener der Sünde oder Diener Gottes, + br + | entweder der einen oder dem anderen sich selbst verpflichtet, + br + | entweder von der Sünde beherrscht („besessen“) oder vom Heiligen Geist. + br + | „Frei sein“, „Befreitsein“ ist daher ausschließlich als Befreitwordensein von Sünde und Tod + | zu verstehen; ihm korrespondiert notwendig ein „Sklave sein“ gegenüber Gott bzw. dem einwohnenden Heiligen Geist. + br + | Insofern sind die Dämonenaustreibungen Jesu wirklich gegen Beelzebul gerichtet und geschehen nicht + | in seinem Dienst oder Auftrag, obwohl – aufgrund der oben erinnerten Zusammenhänge – das Befreitwerden von Beelzebul + | bzw. von der Sünde mit dem Befreitwerden vom jüdischen Gesetz (als göttlich verordnetem Weg zum (Un-)Heil) in eins geht. + li + | Wie Markus dem Vorwurf der Besessenheit Jesu mit Beelzebul das Beseeltsein Jesu mit dem Heiligen Geist entgegenstellt, + | so gibt es auch bei Paulus immer wieder das Gegenüber zwischen Sünde (bzw. dem von der Sünde beherrschten Fleisch) + | und dem Geist Gottes; + br + | und wie der Heilige Geist für Jesus die Kraft ist, Dämonen auszutreiben, + | so ist es dieser im Christen einwohnende Heilige Geist, + | der für den Christen die Kraft ist, + | der Sünde zu wiederstehen, + | wie Paulus in + span.bibelstelle Gal 5,16-18 + | ausführt: + br + q.bibeltext + | 16 Ich sage aber: Wandelt im Geist, dann werdet ihr das Begehren des Fleisches nicht erfüllen! + br + | 17 Denn das Fleisch begehrt gegen den Geist, der Geist gegen das Fleisch, denn diese sind einander entgegengesetzt, + | damit iht nicht tut, was ihr wollt. + br + | 18 Wenn ihr euch aber vom Geist führen lasst, dann steht ihr nicht unter dem (Todesurteil des) Gesetz(es). + br + | Das „Fleisch“ ist hier – vgl. auch Röm 7 – als Einfallstor der Sünde zu verstehen, dem Paulus die Kraft des Geistes entgegenstellt. + br + | Die Formulierungen sind ganz ähnlich wie jene in Röm 7, und doch ganz anders: Während Röm 7 die verzweifelte Existenz + | unter dem Gesetz beschreibt, auf die der Tod wartet, + | ermöglicht es hier der in den Christen einwohnende Geist, der Sünde zu widerstehen – auch wenn das eine Herausforderung bleibt. + .card.slide.border-primary.mb-3 + .card-body + h5.card-title + q ... in das Haus des Starken einbrechen und ihm den Hausrat rauben, wenn er nicht zuerst den Starken gefesselt hat. + hr + ul.card-text + li + | Die Aussage vom Einbrechen ins Haus und Rauben des Hausrats wird in der Mitte der konzentrischen Gliederung + | schön bebildert – in beiden Erzählungen spielt ein Haus ein Rolle! –: + br + | durch seinen Tod ist Jesus in das Totenreich – das Haus hier quasi als Grab – eingebrochen + | und ermöglicht dort den in der Taufe mit ihm Gestorbenen (→ Gelähmter) ein neues Leben, + | das sie nach Hause (→ in den Himmel) gehen lässt. + li + | Eine gewisse Nähe gibt es zur Ausdrucksweise des Paulus in + span.bibelstelle Gal 3,22: + br + q.bibeltext + | ... die Schrift hat alles unter der Sünde eingeschlossen + br + | Jetzt ist – dank Jesu Tod und Auferstehung, appliziert in der Taufe – der „Hausrat“, der „unter der Sünde einschlossen“ war, + | frei und dafür die Sünde selbst gefesselt. + + .card.slide.border-primary.mb-3 + .card-body + h5.card-title + q ... den Starken gefesselt hat + h6.card-subtitle.text-muted Jesus von Beelzebul besessen? – Nein: er ist der „Stärkere“! + hr + ul.card-text + li + | Von besonderer Bedeutung ist der Umstand, dass Satan hier mit „der Starke“ bezeichnet wird (in dessen „Haus“ Jesus eingedrungen ist); + | denn so ist diese Erzählung durch die Trias „‚Starker‘/‚Stärkerer‘ + Satan [Versuchung/Dämonenaustreibung] + Heiliger Geist“ + | mit Mk 1,2-13, also dem ersten Teil des Evangeliums, verknüpft. + li + | Der Ausgang der Versuchungserzählung blieb auf Ebene des Textes offen; + | hier wird sozusagen das Resultat der Begegnung + | zwischen Satan und Jesus (im Tod am Kreuz!) nachgeschoben: Jesus hat Satan „gefesselt“! + br + | Die Erzählung hier in 3,22-30 legt das nahe. + li + | Somit wird hier die Überzeugung ausgedrückt, dass Satan („der Starke“) bereits besiegt ist; + br + | Jesus ist „der Stärkere“ (Mk 1,7); + br + | dass Jesus Wunder und Dämonenaustreibungen wirken kann, das ist für + | ihn ein eindeutiges Zeichen dafür. – Wenn man dem Satan nicht selbstzerstörerische Schizophrenie vorwerfen will. .card.slide.border-primary.mb-3 .card-body h5.card-title „Wenn eine Familie in sich gespalten ist, kann sie keinen Bestand haben.“ hr - p.card-text - | Diese Aussage ist mit dem Kontext der Verteidigungsrede zu verbinden, - | geht es doch davor um die leibliche Familie Jesu, die Jesus für „von Sinnen“ hält, - | und im Anschluss um die „wahre Familie“ Jesu, die sich über das Tun des Willens Gottes konstituiert. - p.card-text - | Insofern die in der Verteidigungsrede verhandelte Frage eine nachösterliche ist, - | legt sich nahe, dass auch diese Aussage auf die nachösterliche Situation der Kirche zu beziehen ist. - p.card-text - | Dabei ist zunächst zu bedenken, dass Jesus hier durchsichtig wird auf Paulus. - br - | Ferner ist zu bedenken, dass die Aussage innerhalb der Verteidigungsrede fällt, der Kontext - | also die nachösterliche Frage danach ist, in wessen Diensten Jesus – bzw. eigentlich Paulus – steht, - | die Frage nach der Rechtfertigungslehre. - br - | Und zwischen Paulus und dem Herrenbruder gab es in den genannten Fragen tatsächlich Spannungen bis hin zur Spaltung, - | wie Paulus im Brief an die Galater erzählt. - p.card-text - | Für Markus ist klar, dass die paulinische Interpretation von Tod und Auferstehung Jesu gültig ist, - | Paulus und Jesus also auf eine Seite gehören. - br - | Daher kann man sich durchaus vorstellen, dass Markus die Spannung, - | die es in der frühen Kirche zwischen Paulus und dem Herrenbruder Jakobus gab, - | als Spannung innerhalb der Familie Jesu – also zwischen Jesus und seiner Familie – erzählt, - | weil das anders in seinem Evangelium gar nicht möglich ist. - p.card-text - | „Familie“ wäre dann – weil es nachösterlich um einen Konflikt nicht innerhalb der leiblichen Familie Jesu geht sondern - | zwischen Paulus und dem Herrenbruder Jakobus – auf das Judenchristentum zu beziehen, das in der Frage - | der Rechtfertigung gespalten ist und so – das ist die Mahnung – nicht Bestand haben kann; - br - | vielmehr sollten sich alle der Überzeugung des Paulus anschließen. - br - span.small - | Diese geweitete Deutung von „Familie“ ist durchaus möglich, weil in der nachfolgenden Erzählung - | auch „Familie“ – als Summe der einzelnen dort genannten Familienmitglider – - | die christliche Gemeinde (letztlich die ganze Kirche) bezeichnen kann. - p.card-text.small - | Vielleicht ist die Aussage bei Markus auch auf das Verhältnis zwischen Jesus und den ihn ablehnenden Teil - | des Judentums zu beziehen; das ist – weil es hier um eine innerchristliche Fragestellung geht – aber eher unwahrscheinlich. - p.card-text - | Vielleicht hat Markus auch konkret die Situation in Galatien vor Augen, wo sich die Gemeinde in der Fragestellung der Rechtfertigung - | nicht spalten soll, sondern sich in ihrer Gänze weder er paulinischen Überzeugung anschließen soll. - br - | Dann könnte - span.bibelstelle Gal 5,13-15 - | im Hintergrund stehen; diese Stelle passt auch zum Kontext des Vorwurfes zügelloser Freiheit, die der Sünde Tür und Tor öffnen würde: - br - q.bibeltext - | Denn ihr seid zur Freiheit berufen, Brüder und Schwestern. + ul.card-text + li + | Diese Aussage ist mit dem Kontext der Verteidigungsrede zu verbinden, + | geht es doch davor um die leibliche Familie Jesu, die Jesus für „von Sinnen“ hält, + | und im Anschluss um die „wahre Familie“ Jesu, die sich über das Tun des Willens Gottes konstituiert. + li + | Insofern die in der Verteidigungsrede verhandelte Frage eine nachösterliche ist, + | legt sich nahe, dass auch diese Aussage auf die nachösterliche Situation der Kirche zu beziehen ist. + li + | Dabei ist zunächst zu bedenken, dass Jesus hier durchsichtig wird auf Paulus. br - | Nur nehmt die Freiheit nicht zum Vorwand für das Fleisch, sondern dient einander in Liebe! + | Ferner ist zu bedenken, dass die Aussage innerhalb der Verteidigungsrede fällt, der Kontext + | also die nachösterliche Frage danach ist, in wessen Diensten Jesus – bzw. eigentlich Paulus – steht, + | die Frage nach der Rechtfertigungslehre. br - | Denn das ganze Gesetz ist in dem einen Wort erfüllt: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. + | Und zwischen Paulus und dem Herrenbruder gab es in den genannten Fragen tatsächlich Spannungen bis hin zur Spaltung, + | wie Paulus im Brief an die Galater erzählt. + li + | Für Markus ist klar, dass die paulinische Interpretation von Tod und Auferstehung Jesu gültig ist, + | Paulus und Jesus also auf eine Seite gehören. br - | Wenn irh aber einander beißt und fresst, dann gebt Acht, dass ihr nicht einer vom anderen verschlungen werdet! - p.card-text - | Allgemein wird man sagen können, dass die Aussage des Markus zu Frieden und Zusammenhalt in der christlichen Gemeinde - | aufrufen will, wie dies Markus etwa auch in - span.bibelstelle Mk 9,50 - | tut: - br - q.bibeltext - | Habt Salz in euch und haltet Frieden untereinander! \ No newline at end of file + | Daher kann man sich durchaus vorstellen, dass Markus die Spannung, + | die es in der frühen Kirche zwischen Paulus und dem Herrenbruder Jakobus gab, + | als Spannung innerhalb der Familie Jesu – also zwischen Jesus und seiner Familie – erzählt, + | weil das anders in seinem Evangelium gar nicht möglich ist. + li + | „Familie“ wäre dann – weil es nachösterlich um einen Konflikt nicht innerhalb der leiblichen Familie Jesu geht sondern + | zwischen Paulus und dem Herrenbruder Jakobus – auf das Judenchristentum (oder gar das Christentum insgesamt) zu beziehen, das in der Frage + | der Rechtfertigung gespalten ist und so – das ist die Mahnung – nicht Bestand haben kann; + br + | vielmehr sollten sich alle der Überzeugung des Paulus anschließen. + p.small.mb-0 + | Diese geweitete Deutung von „Familie“ ist durchaus möglich, weil in der nachfolgenden Erzählung + | auch „Familie“ – als Summe der einzelnen dort genannten Familienmitglieder – + | die christliche Gemeinde (letztlich die ganze Kirche) bezeichnen kann. + li.small + | Vielleicht ist die Aussage bei Markus auch auf das Verhältnis zwischen Jesus und den ihn ablehnenden Teil + | des Judentums zu beziehen; das ist – weil es hier um eine innerchristliche Fragestellung geht – aber eher unwahrscheinlich. + li + | Vielleicht hat Markus auch konkret die Situation in Galatien vor Augen, wo sich die Gemeinde in der Fragestellung der Rechtfertigung + | nicht spalten soll, sondern sich in ihrer Gänze wieder der paulinischen Überzeugung anschließen soll. + br + | Dann könnte auch + span.bibelstelle Gal 5,13-15 + | im Hintergrund stehen; diese Stelle passt auch zum Kontext des Vorwurfes zügelloser Freiheit, die der Sünde Tür und Tor öffnen würde: + br + q.bibeltext + | Denn ihr seid zur Freiheit berufen, Brüder und Schwestern. + br + | Nur nehmt die Freiheit nicht zum Vorwand für das Fleisch, sondern dient einander in Liebe! + br + | Denn das ganze Gesetz ist in dem einen Wort erfüllt: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. + br + | Wenn ihr aber einander beißt und fresst, dann gebt Acht, dass ihr nicht einer vom anderen verschlungen werdet! + li + | Allgemein wird man sagen können, dass die Aussage des Markus zu Frieden und Zusammenhalt in der christlichen Gemeinde + | aufrufen will, wie dies Markus etwa auch in + span.bibelstelle Mk 9,50 + | tut: + br + q.bibeltext + | Habt Salz in euch und haltet Frieden untereinander! \ No newline at end of file