From 38432949eebb755966478a8eefb15b0f7e845f00 Mon Sep 17 00:00:00 2001 From: Peter Fischer Date: Tue, 21 Sep 2021 17:09:09 +0200 Subject: [PATCH] Mk/Leben --- views/nt/ev/mk/anfang/leben.pug | 289 +++++++++++++++++++++++++++++++- 1 file changed, 287 insertions(+), 2 deletions(-) diff --git a/views/nt/ev/mk/anfang/leben.pug b/views/nt/ev/mk/anfang/leben.pug index f21fa45..a418847 100644 --- a/views/nt/ev/mk/anfang/leben.pug +++ b/views/nt/ev/mk/anfang/leben.pug @@ -31,6 +31,291 @@ block content h5.card-title Johannes tritt ab, Jesus tritt auf: Eröffnungsruf des Wirkens Jesu: Das Reich Gottes ist zum Greifen nahe! h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 1,14-15 + + .slide.mb-3 + hr + p.card-text.mb-0.konzentr-3.bibeltextkonzentr + | 1 Anfang des Evangeliums Jesu Christi, Sohn (eines) Gottes. + br + | 2 Wie geschrieben steht beim Propheten Jesaja: + br + q Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der einen Weg bahnen wird. + br + q 3 Stimme eines Rufers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn! Macht gerade seine Straßen! + p.card-text.mb-0.konzentr-2.bibeltextkonzentr + | 4 So trat Johannes der Täufer in der Wüste auf und verkündete eine Taufe der Umkehr zu Vergebung der Sünden. + br + | 5 Ganz Judäa und alle Einwohner Jerusalems zogen zu ihm hinaus; + br + | sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen. + p.card-text.mb-0.konzentr-2.bibeltextkonzentr + | 6 Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften + br + | und er lebte von wildem Honig. + br + | 7 Er verkündete: + q + | Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; + br + | ich bin es nicht wert, mich zu bücken und ihm die Riemen der Sandalen zu lösen. + br + | 8 Ich habe euch mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen. + p.card-text.mb-0.konzentr-1.bibeltextkonzentr + | 9 Und es geschah in jenen Tagen, da kam Jesus aus Nazareth in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen. + br + | 10 Und sogleich, als er aus dem Wasser stieg, sah er, + br + | dass der Himmel aufriss und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam. + br + | 11 Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: + q Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden. + p.card-text.mb-0.konzentr-2.bibeltextkonzentr + | 12 Und sogleich trieb der Geist Jesus in die Wüste. + br + | 13 Jesus blieb vierzig Tage in der Wüste und wurde vom Saten in Versuchung geführt. + br + | Er lebte bei den wilden Tieren und die Engel dienten ihm. + p.card-text.konzentr-3.bibeltextkonzentr + | 14 Nachdem Johannes ausgeliefert worden war, ging Jesus nach Galiläa; + br + | er verkündete das Evangelium Gottes + br + | 15 und sprach: + q + | Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. + br + | Kehrt um und glaubt an das Evangelium! + + .card.slide.border-primary.mb-3 + .card-body + h5.card-title + q Anfang + hr + p.card-text.mb-0 + | Mit dieser kurzen Erzählung wird der Anfang des öffentlichen Wirkens Jesu markiert. + br + | Inhaltlich geht es dabei um den Anbruch des Gottesreiches. + + .card.slide.border-primary.mb-3 + .card-body + h5.card-title + q Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg bahnen wird + br + q ausgeliefert + hr + ul.card-text + li Am Anfang der Erzählung findet sich die Notiz von der „Auslieferung“ Johannes des Täufers, des Vorläufers Jesu. + li Damit wird auf das gewaltsame Ende des Täufers angespielt (vgl. Mk 6,17-29). + li + | Das „den Weg bahnen“ kann in diesem Sinne auch als „Weg vorzeichnen“ verstanden werden – geheimnisvoller Hinweis also darauf, + | dass Johannes auch im Hinblick auf den gewaltsamen Tod durch die Mächtigen „Vorläufer Jesu“ ist. + li Die zugrunde liegende Verb ist jedenfalls innerhalb des Neuen Testamentes „terminus technicus“ für den Tod Jesu am Kreuz (→ Mk 3,19; 1 Kor 11,23). + li + | Er bringt zum Ausdruck, dass Jesu Weg nicht einfach ein (dummes, zufälliges) „Schicksal“ ist, sondern dem (Heils-)Plan Gottes entspricht. + br + | Dieser ist das ungenannte Subjekt hinter der Passivformulierung „ausgeliefert“/„überliefert“, die nicht selten ohne Täter steht. + li + | Insofern es hier in gleicher Weise für Johannes den Täufer gebraucht wird, wird auch sein Wirken bis hin + | zu seinem gewaltsamen Lebenswend als Sendung durch Gott verstanden. + + .card.slide.border-primary.mb-3 + .card-body + h5.card-title + q ... ging Jesus nach Galiläa + hr + ul.card-text + li Die Wirkorte von Johannes dem Täufer und Jesus haben sich grundlegend unterschieden. + ul.card-text + li Der eine lebte als Asket in der Wüste. + li Der andere war eher in den Dörfern Galiläas unterwegs und lehnte das Fasten ab (→ Mk 2,18-20; vgl. auch Lk 7,34: „Fresser und Säufer“). + li + | Dahinter steckt sicher auch eine andere Überzeugung über das, was „jetzt“ von Gott her Gültigkeit hat. + li + | Der grundlegende, „alles verändernde“ Einschnitt dürfte für Jesus der Tod des Täufers gewesen sein – + | insofern ist die Notiz in Mk 1,14a nicht nur zeitlich zu verstehen. + li.small + | Möglicherweise darf man so rekonstruieren: + ul.card-text + li Johannes der Täufer hatte das nahe Ende der Welt und das Kommen Gottes zum Gericht angekündigt. + li Beides blieb auch nach seinem gewaltsamen Tod aus! + li Das eröffnet zwei Denkmöglichkeiten: + ol.card-text + li Johannes hatte sich geirrt ... + li Johannes hatte grundsätzlich Recht, aber Gott eröffnet eine Zeit der Gnade, die noch Umkehr ermöglicht, bevor er tatsächlich zum Gericht kommt. + li + | Eine Entscheidung Jesu für die zweite Denkmöglichkeit + | würde die einladenden Predigten von Gottes Gnade und Barmherzigkeit schlüssig begründen. + li + | Auch für Jesus blieb das Kommen Gottes zum Gericht etwas sehr Nahes; + br + | aber er betonte eher den einladend-fordernden Gnadencharakter der Jetzt-Zeit und wandte sich aktiv den Sündern zu, um sie zur rettenden Umkehr zu bewegen – + br + | wenngleich auch bei ihm das Ende der Welt und das Kommen Gottes zum Gericht Horizont seiner Botschaft blieb. + + .card.slide.border-primary.mb-3 + .card-body + h5.card-title + q Bereitet den Weg des Herrn + br + q Kehrt um und glaubt an das Evangelium! + hr + ul.card-text + li + | Wie schon in Mk 1,4 beim Auftreten Johannes des Täufers spiegelt sich der Ruf „Bereitet den Weg des Herrn!“ im Umkehrruf, + | diesmal aus dem Munde Jesu. + li + | Ergänzt wird er hier mit dem Aufruf zum „Glauben an das Evangelium“; + br + | „Glaube“ wird im weiteren Verlauf des Evangeliums eine wichtige Rolle spielen. + + .card.slide.border-primary.mb-3 + .card-body + h5.card-title + q Evangelium (Gottes) + h6.card-subtitle.text-muted Die „Taufe“ Jesu – Tod und Auferstehung Jesu – als „Mitte“ des Evangeliums. + hr + ul.card-text + li Die Wendung „Evangelium Gottes“ erinnert wieder an Röm 1,1-4, von dem sich Markus für seinen Evangelienbeginn u. a. hat inspirieren lassen. + li + | Deutlich wird, dass das Evangelium von Gott ausgeht: Gott lässt diese Botschaft verkünden; + br + | und es ist eine gute Botschaft. + li + | Mit Mk 1,1 – „Evangelium Jesu Christi“ – entsteht eine Inklusion, die Mk 1,1-15 insgesamt einschließt. + br + | Wobei „Evangelium Jesu Christi“ und „Evangelium Gottes“ sachlich identisch ist (vgl. auch wieder die Reihung in Röm 1,1-4!): + br + | Jesus Christus setzt in Wort und Tat um, was Gottes Heilsplan für die Menschen ist. + li + | Inhaltlich bleibt „Evangelium“ geheimnisvoll unspezifiziert. + li + | In dieser Gliederung bildet aber die Taufe Jesu die konzentrische Mitte, + | die Markus ganz im Blick auf Jesu Tod und Auferstehung erzählt, ja dieses Doppelereignis gegenwärtig macht. + li + i + | So legt die Konzentrik nahe, dass „Evangelium“ vor allem das christologisch-soteriologische + | Doppelereignis von Jesu Tod und Auferstehung bezeichnet. + br + span.small Und nur indirekt eine Erzählung des „Lebens Jesu“. Damit steht Markus dem paulinischen Verständnis von „Evangelium“ äußerst nahe. + + .card.slide.border-primary.mb-3 + .card-body + h5.card-title + q Die Zeit ist erfüllt! + h6.card-subtitle.text-muted Vom Kairos des Evangeliums + hr + ul.card-text + li Der Kairos ist die günstige, einmalige Gelegenheit, die es zu ergreifen gilt. + li + | Als Figur dargestellt, hat der „Kairos“ nur am Vorderkopf Haare: + br + | Man muss die günstige Gelegenheit erwischen, + | ihn zu packen, es gibt ein „zu früh“ und ein „zu spät“ (wenn man dann hinten nur noch abrutscht ...). + li + | Es geht hier also nicht nur um eine „Zeitansage“, sondern um den Aufruf, die Chance, die sich durch das Evangelium + | – durch Jesu Tod und Auferstehung – ergibt, zu ergreifen, bevor es dafür zu spät ist. - p - | Der Kommende [= Jesus] als der Stärkere, der im Kampf mit Satan [= der Starke] siegt. + .card.slide.border-primary.mb-3 + .card-body + h5.card-title + q Das Reich Gottes ist (zum Greifen) nahe! + h6.card-subtitle.text-muted Ergreift das Reich Gottes, das in Tod und Auferstehung in diese Welt hereingebrochen ist! + hr + ul.card-text + li + | „basileia tou theou“ („Herrschaft Gottes“ bzw. „Reich Gottes“) ist ein für Jesus typischer Begriff. + br + | Von daher hat er Eingang in die christliche Verkündigung gefunden. + li + | Was in der deutschen Übersetzung nicht auffällt: „Reich Gottes“ ist Subjekt des Satzes! + br + | Das Reich Gottes ist also eine aktive Größe, analog zum Evangelium nach + span.bibelstelle Röm 1,16 + br + q.bibeltext + | ... ich schäme mich des Evangeliums nicht: Es ist eine Kraft Gottes zur Rettung für jeden, der glaubt + li + | „ist (zum Greifen) nahe“ ist hier ein Verb im Perfekt. + ul.card-text + li Anders als das deutsche Perfekt bezeichnet das griechische Perfekt nicht die Vergangenheit, sondern ist eine Gegenwartsform! + li Der Akzent liegt auf der in der Gegenwart andauernden Gültigkeit der Aussage; es geht um ein Ereignis, das die Gegenwart bestimmt. + li + | Das Reich Gottes ist in diesem Sinne also nicht nur (punktuell) gekommen, + br + | es ist bleibend nahe: im Evangelium bzw. dort, wo das Evangelium als Kraft wirksam wird und Wirklichkeit verändert. + | Das Verb bezeichnet die unmittelbare Nähe („zum Greifen nahe“); + br + | und so ist die Aussage von der Nähe der Gottesherrschaft + | schon in sich der Aufruf, sich entsprechend zu verhalten, was hier durch den Aufruf zu Umkehr und Glaube konkretisiert wird. + li + | Das Reich Gottes ist also eine Größe der Gegenwart, wenn auch klein und unscheinbar – eben auf „Wachstum“ angelegt (→ Mk 4,26-32: Wachstumsgleichnisse); + br + | aber ist ist klar nicht mehr nur eine Größe der Zukunft: es bricht herein in diese Welt und will sie verwandeln. + li + | Vom Hereinbrechen der Wirklichkeit Gottes in diese Welt erzählt Markus in der Mitte der konzentrischen Gliederung: + br + i Tod und Auferstehung Jesu – die ja in der Tauferzählung bei Markus „gegenwärtig“ sind – bringen das Anbrechen der Gottesherrschaft mit sich, von dem Mk 1,14-15 spricht. + br + | Darin stimmt er mit Paulus überein, der kein Interesse am „historischen Jesus“ hatte und der seine ganze christliche Theologie aus der Auferstehung des Gekreuzigten entwickelt. + li + | Wenn Jesus (auch) eine „präsentische Eschatologie“ im Sinne von Mk 1,14-15 vertreten haben sollte – darüber wird gestritten –, + | war für ihn mit hoher Wahrscheinlichkeit der Tod des Täufers und das Ausbleiben des Kommens Gottes dafür Anlass (s. o.). + br + span.small Das ist insgesamt eine komplexe, letztlich nie ganz sicher beantwortbare Frage. + + .card.slide.border-primary.mb-3 + .card-body + h5.card-title + | Johannes in der Wüste – Jesus in der Wüste + h6.card-subtitle.text-muted Dem Satan davonlaufen ... + hr + ul.card-text + li + | In der konzentrischen Gliederung stehen einerseits Botschaft und Wirken Johannes des Täufers und andererseits die Erzählung von der Versuchung Jesu gegenüber. + li + | Beides wird in der Wüste verortet. + li + | In beiden Erzählungen spielt auch der Geist Gottes eine Rolle, wie auch in der konzentrsichen Mitte: + ul.card-text + li Johannes kündigt die Geisttaufe des „Stärkeren“ an. + li In der Taufe wird Jesus mit dem Geist Gottes „ausgestattet“. + li Jesus wird vom Geist in die Wüste getrieben. + li + | Wie schon in der vorherigen Etappe in der fortschritenden Konzentrik begegnet das Gegenüber Jesus – die Vielen (ganz Judäa – alle Einwohner Jerusalems); + br + | das Wirken des Einen für die Vielen ist zu assoziieren: + br + | Jesus, der Stärkere, hat den Satan, den Starken (nach Mk 3,28) in der Versuchung besiegt – das ist hier vorauszusetzen – und hat + | so – als der Eine für die Vielen – den Vielen in der Geisttaufe eine neue Wirklichkeit jenseits der Sünde ermöglicht. + li + | Zusammengenommen zeigt sich ein schönes Bild: + br + | Nicht nur hat Jesus die Versuchung bestanden, + br + | auch die Vielen kehren um, wenden sich also vom Satan ab, und lassen sich taufen. + li + | Wie aber im Erzählzusammenhang Jesus nach seiner Taufe versucht wurde, + br + | bleibt auch der Getaufte der Versuchung ausgesetzt. + br + | Es ist – wie bei Jesus – der in der Geittaufe vermittelte Geist Gottes, der auch den Christen hilft, ihre Versuchungen zu bestehen. + + .card.slide.border-primary + .card-body + h5.card-title + | Das Evangelium vom Herrschaftsantritt + h6.card-subtitle.text-muted Gott/Jesus vs. Vespasian + hr + ul.card-text + li Markus lässt Jesus das nahegekommene, bereits angebrochene Gottesreich ausrufen und das Evangelium Gottes verkünden. + li + | Der zeitliche Kontext des Markus-Evangeliums ist der Herrschaftsantritt Kaiser Vespasians in Rom – + | eine Botschaft, die zu den „Evangelien“ aus dem Kaiserhaus gehörte. + li + | Damit ist ein Gegenüber hergestellt, das Markus noch an zentralen Stellen aufgreifen wird. + li + | Mithin ist das Gottesreich also als Gegenüber zu König- und Kaiserreichen, + br + | die Herrschaft Gottes zu menschlichen Herrschaftsformen + br + | in ein spannungsreiches Verhältnis bis hin zum absoluten Gegenüber gesetzt – Markus wird dies an anderer Stelle eigens thematisieren.