diff --git a/views/nt/ev/mk/getauft/aufbruch.pug b/views/nt/ev/mk/getauft/aufbruch.pug
index e5f3a4d..8f38dad 100644
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@@ -174,7 +174,7 @@ block content
br
| 34 und er heilte viele, die an allen möglichen Krankheiten litten, und er trieb viele Dämonen aus.
br
- | Und er verbot den Dämonen zu sagen, dass sie wussten, wer er war.
+ | Und er verbot den Dämonen zu reden, weil sie ihn kannten.
p.card-text.konzentr-5.bibeltextkonzentr
| 35 In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand er auf und ging an einen einsamen Ort, um zu beten.
@@ -206,44 +206,7 @@ block content
| Inhaltlich wird in der zweiten Hälfte der Episode von einem neuen Aufbruch erzählt,
| der sich vom bisherigen Umfeld Kafarnaum löst und nun „ganz Galiläa“ in Blick nimmt.
- .card.slide.border-primary.mb-3
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- h5.card-title
- q Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg bahnen wird
- h6.card-subtitle.text-muted
- q Simon und seine Begleiter eilten ihm [= Jesus] nach ...
- hr
- ul.card-text
- li
- | Dem Ruf „Kommt her, mir nach!“ bei der Berufung (→ Mitte der konzentrischen Gliederung) folgend,
- | eilen Petrus und seine Begleiter Jesus nach.
- li
- | Damit wird klar Jesus als der vorausgehende göttliche Bote, der den Nachfolgenden den Weg bahnt (→ oberes Ende der konzentrischen Gliederung), inszeniert.
- li
- | Sein Gang in die „Einsamkeit“, sein Aufbruch zu Verkündigung und Dämonenaustreibung mit Weitung des Wirkkreises will und wird auch ihren weiteren Weg bestimmen (s. u.).
-
- .card.slide.border-primary.mb-3
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- h5.card-title
- q Bereitet den Weg des Herrn
- h6.card-subtitle.text-muted Jesu neuer Aufbruch im Dienst des Kommens Gottes zu den Menschen – „dazu bin ich gekommen“
- hr
- ul.card-text
- li
- | Die Erzählung endet damit, dass Jesus neu aufbricht und dabei seinen Wirkkreis erweitert;
- br
- | nicht mehr nur Kafarnaum ist nun sein Wirkort, sondern „ganz Galiläa“.
- li
- | Dabei führt Jesus fort, was er begonnen hat: Verkündigung und Dämonenaustreibungen.
- li
- | Mit diesem Wirken steht er klar im Dienst des Kommens Gottes zu den Menschen;
- br
- | indem Jesus durch Galiläa zieht, kommt Gott zu den Menschen und befreit sie von der Herrschaft Satans.
- li
- | Damit erfüllt Jesus seine Sendung („dazu bin ich gekommen“), wie auch
- | in der Jüngerberufung die Sendung Jesu und die Sendung der Jünger Thema war
- | und beim ersten Auftreten Jesu auch auf die Sendung Johannes des Täufers geblickt wurde (→ Mitte der konzentrischen Gliederung).
-
+
.card.slide.border-primary.mb-3
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h5.card-title
@@ -254,193 +217,407 @@ block content
li Dem sich entwickelnden Geschehen zufolge spielt Mk 1,21-34 am Sabbat; es wird kein Tageswechsel erzählt.
li Damit ist Mk 1,35-39 auf den ersten Tag der Woche, den Sonntag, zu datieren.
li
- | Dies lässt die Notiz, dass Jesus frühmorgens, noch in der Nacht, „aufsteht“ und effektiv verschwindet, den „sehenden Leser“ an den Ostersonntag denken (Mk 16,1-8),
+ | Daher lässt die Notiz, dass Jesus frühmorgens, als es noch dunkel war, „aufsteht“ und effektiv verschwindet, den „sehenden Leser“ an den Ostersonntag denken (Mk 16,1-8),
| an dem Jesus in aller Frühe, als gerade die Sonne aufgeht – also ein Stück später als sein Sichzurückziehen hier – und die Frauen
| das Grab aufsuchen, auch „verschwunden“ ist, weil er „auferstanden“ ist.
li
- | Damit wird Ostern in der Erzählung präsent.
+ | Damit wird einleitend Ostern in der Erzählung präsent.
+ li.small
+ | Dies bestätigt, dass der Abend der in der Erzählfolge vorausgehenden Erzählung mit dem Tod Jesu zu verbinden ist und dieser
+ | dort der Hauptfokus ist:
+ br
+ | weil der Tod Jesu dem Heilsplan Gottes entspricht (→ „Evangelium Gottes“, „Königsherrschaft Gottes nahegekommen“; Viertes Lied vom Gottesknecht des Jesaja),
+ | reißt er die Dämonen mit ins Verderben und eröffnet für ihn selbst und für die Menschen
+ | eine Zukunft von Gott her: er bringt ihm die Auferstehung und
+ | den „Kranken“ als Anteilhabe daran die „Heilung“;
+ br
+ | der Morgen der aktuellen Erzählung vergegenwärtigt (zumindest zunächst) die Auferstehung und lässt die ganze Erzählung unter dem Fokus
+ | der Auferstehung erscheinen (dazu passt dann auch der Neuaufbruch am Ende der Erzählung; s. u.).
.card.slide.border-primary.mb-3
.card-body
h5.card-title
- q ... und ging an einen einsamen Ort
- h6.card-subtitle.text-muted Wüste!
+ q ... und ging an einen einsamen Ort, um zu beten
+ h6.card-subtitle.text-muted „Wüste der Gottferne“ → Tod am Kreuz
hr
ul.card-text
li
- | Im Griechischen schwingt bei „einsamer Ort“ die „Wüste“ mit;
- | die deutsche Übersetzung verdeckt dies.
+ | Der Erzählzug, dass Jesus an einen einsame Ort geht und dort betet, erinnert den „sehenden Leser“ an den Tod Jesu am Kreuz am Kreuz:
+ br
+ | er stirbt dort von allen verlassen, auch von Gott.
li
- | Versteht man die „Einsamkeit“ als „Wüste“ – wie in der Versuchungserzählung – im übertragenen Sinne,
- | ergibt sich eine doppelte Widersprüchlichkeit der Szene – analog zur Versuchungserzählung –:
+ | Die Einsamkeit der Gottferne am Kreuz bringt Jesus betend
+ | mit Rückgriff auf
+ span.bibelstelle Ps 22,2
+ | zum Ausdruck:
br
- | „Wüste“ als Ort nicht nur der menschlichen Einsamkeit, sondern auch der Gottferne,
- br
- | doch gleichzeitig Gebet als Verbindung zu Gott und zugleich Aufgesuchtwerden von Petrus und seinen Begleitern, indirekt von „allen“.
+ q.bibeltext
+ | Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
li
- | Angesichts der Präsenz von Ostern in der Erzählung ist Jesu Weg in die Einsamkeit bzw. in die „Wüste“ unerwartet;
- | man würde ihn eher in einer der Auferstehung entsprechenden Umgebung erwarten.
+ | Diese Parallelen verdeutlichen:
br
- | Doch kommt gerade in dieser Umbiegung der Erwartung zum Vorschein, worauf Markus Wert legt,
- | wie die weitere Betrachung noch zeigen wird.
+ i Der Gang Jesu in die Einsamkeit und sein Gebet dort vergegenwärtigen den Tod Jesu am Kreuz!
+ li
+ | Die Erzählung führt den Leser also von der einleitend angespielten Auferstehung „zurück“ zum Tod am Kreuz.
+ p.small.card-text
+ | Dass hinter dieser „Verdrehung“ ein wichtiger Gedanke steht, wird die weitere Betrachtung zeigen.
+ li.small
+ | Am Rande sei vermerkt:
+ ul.card-text
+ li
+ | Im Griechischen schwingt bei „einsamer Ort“ die „Wüste“ mit;
+ | die deutsche Übersetzung verdeckt dies.
+ li
+ | Die „Einsamkeit“ vergegenwärtigt daher die „Wüste“, die analog zur Versuchungserzählung als „Wüste der Gottferne“ verstanden werden kann,
+ | wohin seine Sendung (durch den Geist) Jesus treibt.
+
+ .card.slide.border-primary.mb-3
+ .card-body
+ h5.card-title
+ | Ostern/Präexistenz → Tod am Kreuz → Auferstehung
+ h6.card-subtitle.text-muted Die Abfolge der Erzählung und die Sendung Jesu
+ hr
+ ul.card-text
+ li
+ | Die Berufung der erste Jünger – Petrus und seiner Begleiter – bildet einen Teil der Mitte der aktuellen konzentrischen Gliederung.
+ li
+ | Als diese Erzählung das untere Ende der konzentrischen Gliederung bildete, standen die Taufe Jesu und seine
+ | unmittelbar folgende Wüstensendung durch den Geist in der Mitte jener konzentrischen Gliederung.
+ li
+ | Die Abfolge „Heraussteigen aus dem Wasser mit Begleiterscheinungen als Anspielung auf Auferstehung und Erhöhung“ → „Wüstensendung
+ | als Erniedirgung (bis zum Tod am Kreuz)“ wurde als Anspielung auf Entäußerung und Erniedrigung des einst Gottgleichen,
+ | wie sie der Philipperhymnus besingt, verstanden (und mit der Entäußerung
+ | und Erniedrigung der Söhne des Zebedäus im Sinne der Nachfolge verbunden).
br
- span.small
- | Sicher „hinkt“ hier manches; doch ist dies dem Umstand geschuldet, dass Markus einerseits Jesu Auferstehung
- | durch klare Anspielungen gegenwärtig macht, andererseits Jesus aber noch auf dem Weg zu Tod und Auferstehung ist.
- br
- | Mithin ist also das „Weiter“ auf zwei Ebenen zu verorten:
- ul.card-text.small
- li Jesu Wirken als Auferstandener – vom Himmel her in Unterstützung seiner Jünger.
- li Jesu Weg ans Kreuz.
-
+ | Dabei wurde die in der Tauferzählung bebilderte Auferstehung und Erhöhung Jesu mit der Präexistenz des einst Gottgleichen
+ | als eigentlichem „Startort“ der Sendung Jesu in eins gesetzt.
+ li
+ | In der aktuellen Erzählung begegnet die gleiche Abfolge „Auferstehung“ → „Tod am Kreuz“;
+ | auch hier kann die „Auferstehung“ transparent auf die „Präexistenz“ des einst Gottgleichen werden.
+ li
+ | Die Erzählung endet – nach dem Dialog am „Ort des Kreuzes“ zwischen Petrus und Jesus – mit einem Neuaufbruch Jesu,
+ | der die Auferstehung (erneut) andeutet.
+ li
+ | Damit ergibt sich die in der Überschrift genannte Abfolge, die der Sendung Jesu nach dem Philipperhymnus entspricht:
+ br
+ | Dies ist das „Evangelium Gottes“, das „Jesus“ verkündet, mit dem das Nahekommen des Gottesreihes einhergeht
+ | und das zu Umkehr und Glaube aufruft (→ Teil Mitte der konzentrischen Gliederung).
+ p.small.card-text.mb-0
+ | Der Bezug zum Philipperhymnus wird noch dadurch verstärkt, dass sowohl dieser als auch das Ende der vorliegenden Erzählung
+ | in eine universalistische Perspektive mündet (s. u.).
+ li
+ | Ferner zeigt sich, dass die vorliegende Erzählung den Aufbau der genau
+ | vorausgehenden Erzählung umdreht:
+ table.table.table-sm
+ thead
+ tr
+ th.card-text
+ | Am Abend ...
+ th.card-text
+ | Am Morgen ...
+ tbody
+ tr
+ td.card-text
+ | Tod
+ p.card-text.small (Abend, Sonne untergegangen)
+ td.card-text
+ | Auferstehung bzw. Präexistenz
+ p.card-text.small (Morgen, Aufstehen)
+ tr
+ td.card-text
+ | Auferstehung
+ p.card-text.small (Heilung der Menschen, Dämonenaustreibungen)
+ td.card-text
+ | Tod
+ p.card-text.small (Einsamkeit, Gebet)
+ tr
+ td.card-text
+ | Tod
+ p.card-text.small (Schweigegebot)
+ td.card-text
+ | Auferstehung
+ p.card-text.small (Neuaufbruch)
+ li.small
+ | Es bestätigt sich, dass die Schweigegebote an die Dämonen mit dem Tod Jesu zu verbinden sind.
+
+ .card.slide.border-primary.mb-3
+ .card-body
+ h5.card-title
+ | „Simon und seine Begleiter eilten ihm nach“? – Sie verfolgten ihn!
+ h6.card-subtitle.text-muted Petrus (sowie seine Begleiter und „alle“): „Jesusfischer“
+ hr
+ ul.card-text
+ li
+ | Dass Jesus von Petrus und seinen Begleitern in der Einsamkeit aufgesucht wird,
+ | übersetzt die Einheitsübersetzung mit „sie eilten ihm nach“.
+ ul.card-text
+ li Beim „Nacheilen“ schwingt eine positive Bewertung des Handelns von Petrus und seinen Begleitern mit.
+ li
+ | Ein Anklang an „Nachfolge“ ist herauszuhören – passend auch zu dem Umstand, dass in der aktuellen konzentrischen Gliederung
+ | die Berufung der ersten Jünger – also „Petrus und seiner Begleiter“ – Teil der Mitte der konzentrischen Gliederung ist.
+ li
+ | Wieder könnte Entäußerung und Erniedrigung der Söhne des Zebedäus bei ihrer Berufung mit dem von Jesus erzählten
+ | Handeln – Entäußerung und Erniedrigung als Gang „nach“ der Auferstehung bzw. aus der Präexistenz in die „Wüste“ –
+ | im Sinne gelingender Nachfolge verbunden werden.
+ li
+ | Was aber die Einheitsübersetzung mit „eilten ihm nach“ übersetzt, heißt eigentlich „verfolgten ihn“,
+ | und das entsprechende griechische Wort ist negativ besetzt.
+ br
+ | Damit einher geht eine Vertauschung dessen, was bei der Jüngerberufung erzählt wird:
+ ul.card-text
+ li
+ | Petrus und Andreas wurden zu Menschenfischern berufen,
+ br
+ | hier sind es Petrus, seine Begleiter und schließlich alle, die Jesus suchen, die Jesus verfolgen,
+ | die ihn, der am Morgen weggegangen war, – so ist es zu verstehen – zurückholen wollen, gleichsam wieder einfangen wollen:
+ br
+ | Petrus, seine Begleiter und „alle“ betätigen sich als „Jesusfischer“ (im negativen Sinn).
+ li
+ | Jakobus und Johannes haben ihren Vater und die Stellung als Söhne im väterlichen Betrieb verlassen,
+ br
+ | hier wird ein Festhalten, ein Zurückhabenwollen assoziiert.
+
+ .card.slide.border-primary.mb-3
+ .card-body
+ h5.card-title
+ | Vertauschung als Grundmoment der aktuellen Erzählung
+ h6.card-subtitle.text-muted Verkehrte Welt
+ hr
+ ul.card-text
+ li
+ | Es war aufgefallen, dass die vorliegende Erzählung gegenüber der vorausgehenden Erzählung einen genau entgegengesetzen Ablauf hat.
+ li
+ | Auferstehung und Tod Jesu am Kreuz werden in der vertauschten Reihenfolge erzählt.
+ li
+ | Die Jünger sind nicht als Menschenfischer, sondern als Jesusfischer aktiv.
+ li
+ | Statt Verlassen und Loslassen sind Festhalten und Zurückhabenwollen in der Erzählung assoziiert.
+
+ .card.slide.border-primary.mb-3
+ .card-body
+ h5.card-title
+ q.bibeltext
+ | Ihr lieft gut. Wer hat euch gehindert, weiter der Wahrheit zu folgen?
+ span.bibelstelle Gal 5,7
+ h6.card-subtitle.text-muted Sinneswandel – im negativen Sinn
+ hr
+ ul.card-text
+ li
+ | Bei ihrer Berufung, die zusammen mit dem Ruf zu Umkehr und Glaube an das Evangelium die Mitte der konzentrischen Gliederung bildet,
+ | haben sich die Jünger von Jesus in Dienst nehmen lassen und haben deswegen alles verlassen;
+ br
+ | so haben sie richtig auf den Ruf zu Glauben und Umkehr reagiert.
+ li
+ | Am unteren Ende der konzentrischen Gliederung wird nun ein Sinneswandel der Berufenen im negativen Sinn erzählt (s. o.).
+ br
+ | So müssen sie sich erneut den Ruf zu Umkehr und zum Glauben an das Evangelium anhören.
+ li
+ | Dies lässt an Gal 5,7 denken: dort kritisiert Paulus die Galater, dass sie sich von dem von ihm vermittelten christlichen Weg
+ | haben abbringen lassen. Er versucht durch eindringliche, beschwörende Worte, sie wieder auf den rechten Weg zurückzubringen.
+ li
+ | Der Bezug zu einigen zentralen Stellen des Galaterbriefes ist ein Schlüssel zum Verständis der vorliegenden Erzählung,
+ | wie die nachfolgenden Ausführungen zeigen werden.
.card.slide.border-primary.mb-3
.card-body
h5.card-title
- q ... um zu beten
- h6.card-subtitle.text-muted Jesus im Gebet finden!
+ q.bibeltext
+ | Warum werde ich verfolgt?
+ span.bibelstelle Gal 5,11
+ h6.card-subtitle.text-muted Vom Ärgernis des Kreuzes
hr
ul.card-text
li
- | Jesus hat sich zum Gebet zurückgezogen.
- li
- | Als die ihm nachgelaufenen Jünger ihn finden, erzählt er ihnen etwas über seine Sendung.
- li
- | Die Jünger lernen, dass das Gebet für Jesus und seine Sendung bzw. seinen Weg eine wichtige
- | Rolle spielt.
- li
- | So ist die Erzählung auch an alle Jesus Nachfolgenden eine Einladung zum Gebet:
+ | Wie Jesus in der aktuellen Erzählung verfolgt wird, so beklagt sich Paulus über Verfolgung:
br
- | um Orientierung zu finden, um sich der eigenen Sendung immer neu bewusst zu werden,
- br
- | um sich in „Wüstenzeiten“ zurechtzufinden und sie zu durchstehen.
+ q.bibeltext
+ | Ich aber, Brüder und Schwestern, wenn ich noch Beschneidung verkündete – warum werde ich dann verfolgt?
+ br
+ | Damit wäre ja das Ärgernis des Kreuzes beseitigt.
+ span.bibelstelle Gal 5,11
li
- | Im Hinblick auf Ostern, seit dem Jesus nicht mehr leibhaftig unter den Menschen wandelt,
- | ist die Erzählung auch eine Einladung, die Gemeinschaft mit dem Auferstandenen im Gebet zu suchen:
- | eine Zusage, dass Jesus im Gebet gefunden werden kann.
-
- .card.slide.border-primary.mb-3
- .card-body
- h5.card-title
- q alle suchen dich
- h6.card-subtitle.text-muted Petrus, der Menschenfischer, mit „allen“ im Fischernetz
- hr
- ul.card-text
- li
- | Petrus war als Menschenfischer berufen worden (→ Mitte der konzentrischen Gliederung).
- li
- | Hier nun eilen nicht nur die Begleiter mit Petrus Jesus hinterher,
- br
- | vielmehr sind es „alle“, die Jesus suchen, also zu ihm wollen.
- li
- | Sicher soll dieses Bild im Kopf entstehen:
- br
- | Petrus, der Menschenfischer, hat „alle“ in seinem „Fischernetz“ im Schlepptau,
- | als er Jesus sucht und schließlich findet.
-
-
- .card.slide.border-primary.mb-3
- .card-body
- h5.card-title
- q alle suchen dich – lasst uns anderswohin gehen: dazu bin ich gekommen
- h6.card-subtitle.text-muted Warum Jesus die Flucht ergreift
- hr
- ul.card-text
- li Die Notiz, dass Jesus von allen gesucht wird, muss als ambivalent eingestuft werden:
- ul.card-text
- li Sie ist einerseits positiv zu verstehen, insofern Petrus in seinem „Menschenfischernetz“ „alle“ dabei hat.
- li
- | Andererseits wirft der Umstand, dass in der vorhergehenden Erzählung bereits alle Kranken geheilt worden waren,
- | die Frage auf, was nun „alle“ von Jesus wollen, warum sie ihn suchen.
- li
- | Festzuhalten ist jedenfalls, dass bevor diese „alle“ überhaupt nachkommen können, Jesus aufbricht zu einer erweiterten Wirksamkeit,
- | die er mit seiner Sendung begründet.
- li
- | Vom Gesamt des Evangeliums her legt es sich nahe, dass Markus Jesus sich hier einer Verehrung durch die Menschen
- | aufgrund der Heilungen und Dämonenaustreibungen entziehen lässt (– das wäre in gewisser Weise eine Analogie zu den Schweigegeboten –)
- | und mittels dem „dazu bin ich gekommen“ auf die aktive Umsetzung seiner Sendung verweist: Wirken zum Heil der Menschen.
- li
- | Ein Signal für die Zeit nach Ostern:
- br
- | das Ziel des Wirkens Jesu ist nicht seine eigene Verehrung (als Auferstandener in der Herrlichkeit des Himmels),
- | sondern die Umkehr und die Nachfolge der Jünger im Dienst des Evangeliums zum Heil der Menschen (→ Mitte der konzentrischen Gliederung);
- br
- | es geht Jesus um die Menschen, nicht um seine eigene Verehrung!
- li
- | So biegt gerade das ambivalente Stichwort „Einsamkeit“/„Wüste“ eine Anbetungs- und Verherrlichungschristologie um
- | zu einer Sendungschristologie:
+ | Um die Aussage des Paulus – und damit auch Mk 1,35-39 – zu verstehen, ist ein Blick in die früheste Kirchengeschichte nötig:
ul.card-text
li
- | Der Vorstoß in die „Wüste“, um darin eine „Insel des Lebens“ zu erschaffen, war der Weg Jesu während seines irdischen Wirkens.
- br
- | Der Blick auf den Auferstandenen, der in der Herrlichkeit des Himmels thront,
- | wird von der Erzählung umgebogen auf die „Wüste“ als Wirkort Jesu vor Tod und Auferstehung;
- br
- | diese Umlenkung führt damit von der höchsten Höhe des Himmels herab auf die Erde.
+ | Paulus hatte besonders deutlich eine Mission untern den Völkern betrieben, ohne die gläubig gewordenen Heiden auf das jüdische Gesetz
+ | mit seinen Speise- und Reinheitsvorschriften zu verpflichten.
li
- | Aus der Berufung der Söhne des Zebedäus (→ Mitte der konzentrischen Gliederung) wird der Philipperhymnus präsent:
+ | Hintergrund ist die (vor allem von Paulus wahrgenommene)
+ | Spannung zwischen Jesus und dem jüdischen Gesetz, bzw. zwischen der Kreuzigung Jesu
+ | und den Vorschriften des jüdischen Gesetzes, die in
+ span.bibelstelle Dtn 21,23
+ | begründet ist:
+ br
+ q.bibeltext Verflucht ist, wer am Holze hängt.
+ br
+ | Diese Aussage hat zunächst jene im Blick, die nach ihrer Hinrichtung zur zusätzlichen postmortalen
+ | Bestrafung und Schmähung an einem Holzpfahl aufgehängt wurden,
+ br
+ | dieser Vers wurde aber zur Zeit Jesu nachweislich auch auf die Kreuzigung bezogen.
+ li
+ | Nimmt man diese Aussage im Hinblick auf Jesu Tod am Kreuz ernst, erklärt sich,
+ | warum Paulus vom „Ärgernis des Kreuzes“ sprechen kann:
+ br
+ | der Glaube an das Evangelium vom Kreuzestod Jesu und seiner Auferstehung sprengt,
+ | was im jüdischen Kontext eigentlich vorstellbar ist.
+ br
+ | Jüdisches Gesetz als Grundlage des Lebens mit Gott und der Glaube an Jesu Kreuzestod und seine Auferstehung
+ | zu Gott schließen sich – genau genommen – aus.
+ br
+ | Daher sieht sich Paulus nicht mehr im Stande, „Beschneidung“ zu verkünden;
+ | gemeint ist – wie er in Gal 5,3-4 ausführt –, die Verpflichtung auf das jüdische Gesetz,
+ | und zwar als „Weg zum Heil“.
+ br
+ | Paulus konstatiert eine scharfe Trennung zwischen (dem Glauben an) Jesus und dem jüdischen Gesetz als „Weg zum Heil“:
br
q.bibeltext
- | 6 Er war Gott gleich, hielt es aber nicht als einen Raub fest, Gott gleich zu sein,
+ | Ihr, die ihr durch das Gesetz gerecht werden wollt, seid von Christus getrennt;
br
- | 7 sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich.
+ | ihr seid aus der Gnade herausgefallen.
br
- | Sein Leben war das eines Menschen;
- br
- | 8 er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.
- br
- | 9 Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen,
- br
- | 10 damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu
- br
- | 11 und jeder Mund bekennt: Jesus Christus ist der Herr zur Ehre Gottes, des Vaters.
- span.bibelstelle Phil 2,6-11
+ | Denn wir erwarten im Geist aus dem Glauben die Hoffnung der Gerechtigkeit.
+ span.bibelstelle Gal 5,4-5
br
- | Besonders in der Zeit nach Ostern ist diese Erinnerung an den Gottessohn wichtig,
+ | Dies bedeutet nicht nur, dass jemand nicht auf das jüdische Gesetz verpflichtet werden muss – Jude werden muss –,
+ | um Christ werden zu können. Eine Verpflichtung von Nichtjuden auf das jüdische Gesetz widerspricht vielmehr sogar dem
+ | Evangelium; daher lehnt Paulus dies entschieden ab.
br
- | der gerade nicht in der himmlischen Herrlichkeit geblieben ist, sondern sich erniedrigte und den Weg des Dienens bis an Kreuz gegangen ist:
+ | Analog hat dies auch Folgen für zum Glauben an Jesus gekommene Juden,
+ | die nicht mehr an die jüdischen Speise- und Reinheitsvorschriften gebunden sind.
br
- | der Blick auf den Auferstanden in seiner Herrlichkeit muss immer wieder auf seinen Weg dorthin führen – um Sendung und Weg des nun Auferstandenen nicht zu vergessen
- | und sich auch der eigenen Sendung immer neu bewusst zu werden.
+ | Das paulinische Christentum bildet daher eine (spannungsreiche) Gemeinschaft von zum Glauben an Jesus
+ | gekommenen Juden und zum Glauben an Jesus gekommenen ehemaligen Heiden, die der Glaube an Gottes
+ | Heilshandeln in Jesus Christus – der Glaube an das Evangelium – eint, und nicht die Verpflichtung auf das jüdische Gesetz
+ | (das die Juden als Religionsgemeinschaft eint).
li
- | In der Erzählung folgen Petrus und seine Begleiter in die „Wüste“ nach;
- | dies ist der Ort, an den auch die Jünger (besonderes nach Ostern) gesandt sind:
+ | Die scharfe Trennung zwischen Jesus und jüdischem Gesetz teilen jene, die Paulus verfolgen, nicht;
+ | sie harmonisieren beides und beseitigen dadurch – wie Paulus kritisiert – das „Ärgernis des Kreuzes“.
br
- | Als „Menschenfischer“ in der Nachfolge Jesu sollen sie Menschen auf die „Insel des Lebens mitten in der Wüste der Gottferne“ hinüberretten
- | (→ Mitte der konzentrischen Gliederung).
- li
- | Dass Jesus – wie es diese Erzählung bebildert – nach seiner Auferstehung den Jüngern gerade in die „Wüste“ vorausgeht,
- | um sie hinter sich herzuziehen, ist Auftrag und Verheißung zugleich:
- ul.card-text
- li
- | Jesu Sendung in die „Wüste“ muss in den Jüngern weitergehen.
- br
- | Dazu gehört in der Nachfolge Jesu – wie bei den vier Erstberufenen – Verzicht und Dienst (→ Phil 2,6-11),
- | ein „geistiges“ (Auferstehungsherrlichkeit → Sendung auf die Erde) wie materielles „Herabsteigen“.
- li
- | Jesus trägt das „Menschenfischersein“ der Jünger – sie sind nicht auf sich allein gestellt, sondern bekommen „himmlischen Beistand“.
- br
- | So geht auch für Jesus als Auferstandenen – als der er „tot ist für die Sünde“ und „für Gott lebt“ (→ Röm 6) – die
- | Auseinandersetzung mit Satan – auch wenn dieser letztlich schon besiegt ist – weiter,
- | bleibt die „Wüste“ weiterhin sein Wirkort.
- li
- | Zusammenfassend lässt sich sagen:
+ | Für sie gilt: das jüdische Gesetz hat weiter seine Geltung als „Weg zum Heil“;
+ | wer gerettet werden will, muss sich an das jüdische Gesetz inklusive der Speise- und Reinheitsvorschriften halten;
br
- | Den Blick zum Auferstandenen lenkt Markus in die „Wüste“ als Ort der Sendung Jesu und der Sendung der Jünger um –
- | dorthin müssen die Jünger Jesus immer neu nachfolgen, und nicht zuletzt im Gebet werden sie seinen Beistand erfahren.
+ | er muss effektiv „Jude jesuanischer Prägung“ werden.
+ li
+ | Jene heidenchristlichen Gemeinden, die Paulus gegründet hatte, wurden
+ | – davon legt der Galaterbrief und legen auch andere Briefe des Paulus Zeugnis ab –
+ | zumindest zum Teil von solchen Jesus-Gesetz-Harmonisierern
+ | – wir sprechen von „judaisierenden Christen“ – aufgesucht und es wurde versucht, die Jesus-Gesetz-Harmonisierung
+ | auch dort zu implementieren.
+ li
+ | Offenbar wurde damit argumentiert, dass auch Paulus ein Verkünder des jüdischen Gesetzes (gewesen) sei.
+ br
+ | Da mag eine der christlichen Zeit vorausgehende jüdische Missionstätigkeit des Paulus eine Rolle spielen,
+ | die man jetzt gegen die tatsächliche aktuelle Botschaft des Paulus ausspielt.
+ br
+ | Daher distanziert sich Paulus um so deutlicher davon.
+ li
+ | Paulus spricht auch vom „anderen Evangelium“, das es aber nicht gibt:
+ br
+ q.bibeltext
+ | Ich bin erstaunt, dass ihr euch so schnell von dem abwendet, der euch durch die Gnade Christi berufen hat,
+ | und dass ihr euch einem anderen Evangelium zuwendet.
+ br
+ | Es gibt kein anderes Evangelium, es gibt nur einige Leute, die euch verwirren und die das Evangelium
+ | Christi verfälschen wollen.
+ span.bibelstelle Gal 1,6-7
li
- | Die „Wüste“ ist auch ein Kontrast zu all den „schönen Orten“ von Verehrung.
+ | Hinter dem verfolgten „Jesus“ scheint also der verfolgte Paulus hervor.
+ li
+ | Es wird auch klar, warum die Erzählung mit Einsamkeit und Gebet Jesu den Tod Jesu am Kreuz, wie in Markus erzählt,
+ | besonders deutlich präsent macht.
+ li
+ | Indem Petrus und seine Begleiter Jesus bis in die Einsamkeit mit Gebet – also bis zum Tod am Kreuz –
+ | verfolgen und von dort zurückholen wollen, wird angedeutet, dass sie das „Ärgernis des Kreuzes“ beseitigen wollen.
+
+ .card.slide.border-primary.mb-3
+ .card-body
+ h5.card-title
+ q Nachdem Johannes ausgeliefert worden war
+ h6.card-subtitle.text-muted Johannes und das Kreuz Jesu: beides ein „Ärgernis“
+ hr
+ ul.card-text
+ li Im ersten Teil der Mitte der konzentrischen Gliederung wird die Auslieferung Johannes des Täufers erinnert.
+ li
+ | Vergegenwärtigt ist, dass Johannes zu einem „Ärgernis“ für König Herodes geworden war, der ihn deshalb einsperren
+ | und später umbringen hat lassen.
+ li
+ | Die Auslieferung des zum „Ärgernis“ gewordenen Johannes des Täufers verbindet sich somit
+ | unmittelbar mit dem „Ärgernis“ des Todes Jesu am Kreuz.
+ li
+ | In der Mitte der konzentrischen Gliederung sind der zum „Ärgernis“ gewordene Vorläufer Johannes und der Ruf in die Nachfolge Jesu
+ | zusammengebunden:
+ br
+ | auf dem Weg ihrer Nachfolge müssen sich die Jünger dem „Ärgernis des Kreuzes“ stellen mit den entsprechenden
+ | Konsequenzen für ihr eignes Leben (→ Entäußerung und Erniedrigung) und ihrer Verkündigungstätigkeit
+ | als Menschenfischer, in der es besonders um das „Ärgernis des Kreuzes“ gehen muss;
+ br
+ | insofern müssen sie ggf. selber zum „Ärgernis“ werden,
+ | wie es bereits Johannes war und wie es Paulus im frühen Christentum wurde.
+ br
+ | Nur so sind sie Künder des einen gültigen Evangeliums Gottes, der durch das „Ärgernis des Kreuzes“
+ | allen Völkern durch den Glauben an Jesus den Weg zum Heil eröffnet hat; allen Völkern ist die Königsherrschaft Gottes nahegekommen
+ | und ruft sie zu Glaube und Umkehr.
+
+
+ .card.slide.border-primary.mb-3
+ .card-body
+ h5.card-title
+ q Kehrt um!
+ h6.card-subtitle.text-muted Wie man es dreht und wendet: das Kreuz bleibt!
+ hr
+ ul.card-text
+ li
+ | Mit den Vertauschungen in der Erzählung verbindet sich der Ruf zur Umkehr in der Mitte der konzentrischen Gliederung:
+ ul.card-text
+ li
+ | Wie Jesus am Ende der Erzählung sollen die Jünger durch (weltweite) Verkündigung und Dämonenaustreibung Menschenfischer
+ | sein und nicht „Jesusfischer“.
+ li
+ | Wie Jesus sollen die Jünger Verlassen und Zurücklassen (im Sinne von Entäußerung und Erniedrigung) statt
+ | zurück haben zu wollen.
+ li
+ | Nimmt man auch bei der Abfolge Auferstehung → Kreuz die Vertauschung zur Reihenfolge Kreuz → Auferstehung vor,
+ | ist zwar die richtige Reihenfolge wiederhergestellt, aber das Kreuz bleibt; es lässt sich nicht eliminieren.
+ br
+ | Es ist und muss sein zentrales Element der christlichen Verkündigung, wie es auch hier die Mitte der Erzählung bildet:
+ br
+ q.bibeltext Ist euch Jesus Christus nicht deutlich als der Gekreuzigte vor Augen gestellt worden?
+ span.bibelstelle Gal 3,1b
+ br
+ | Dies muss dann aber Konsequenzen haben, auch für die Stellung zum jüdischen Gesetz.
+ li
+ | Abzuwehren ist eine Haltung, wie sie Paulus in
+ span.bibelstelle Phil 3,18-19
+ | beschreibt:
+ br
+ q.bibeltext
+ | Denn viele – von denen ich oft zu euch gesprochen habe, doch jetzt unter Tränen spreche –
+ | leben als Feinde des Kreuzes Christi.
+ br
+ | Ihr Ende ist das Verderben, ihr Gott ist der Bauch, ihre Ehre besteht in ihrer Schande; Irdisches haben sie im Sinn.
+ br
+ | Die Aussage „Irdisches haben sie im Sinn.“ lässt sich gut mit dem angedeuteten Zurückhabenwollen der Söhne des Zebedäus verbinden,
+ | die sich nun neu unter den Ruf zur Umkehr stellen und entsprechend handeln müssen, wie sie es schon getan haben;
+ | auch von ihnen konnte man einst gut sprechen, muss es nun aber gleichsam „unter Tränen“ tun.
+
.card.slide.border-primary.mb-3
.card-body
h5.card-title
- q anderswohin
+ q Lasst uns anderswohin gehen
h6.card-subtitle.text-muted Der Wirkradius „Jesu“ weitet sich – vor allem nach Ostern
hr
ul.card-text
+ li
+ | Auf das Suchen des Petrus antwortet Jesus mit dem Aufruf zu einem neuen Aufbruch, der das Territorium seines Wirkens vergrößert.
+ br
+ | Jesus lässt sich nicht zurückholen, er bricht vielmehr neu anderswohin auf.
+ li
+ | Nach dem Blick auf die Auferstehung bzw. die Präexistenz Jesu am Anfang und den Tod Jesu am Kreuz in der Mitte der Erzählung
+ | vergegenwärtigt der am Ende erzählte Neuaufbruch die Auferstehung und die nachösterliche Verkündigung.
li Das „anderswohin“ bezieht sich in der Erzählung selber auf die „benachbarten Dörfer“ sowie „ganz Galiläa“.
li
- | Von Ostern her, das in der Erzählung präsent ist, ist aber auf eine noch deutlich größere Ausweitung der Tätigkeit „Jesu“ angespielt:
+ | Von Ostern her ist aber auf eine noch deutlich größere Ausweitung der Tätigkeit „Jesu“ angespielt:
br
| nach Ostern beschränkten sich die Verkünder des Evangeliums nicht mehr nur auf das Volks Israel,
| sondern es fand seinen Weg zu den Völkern – einer „erweiterten“ Nachbarschaft im Sinne der „ganzen Welt“ (→ „Heidenmission“).
@@ -450,6 +627,231 @@ block content
li
| Man beachte in diesem Zusammenhang auch das distanzierende „in ihren Synagogen“.
+ .card.slide.border-primary.mb-3
+ .card-body
+ h5.card-title
+ q.bibeltext Das Netz ist zerrissen und wir sind frei
+ span.bibelstelle Ps 127,7
+ h6.card-subtitle.text-muted
+ q.bibeltext
+ | Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Steht daher fest und lasst euch nicht wieder ein Joch der Knechtschaft auflegen!
+ span.bibelstelle Gal 5,1
+ hr
+ ul.card-text
+ li
+ | Beim Ruf in die Nachfolge sind die Söhne des Zebedäus gerade dabei, das Fischernetz herzurichten;
+ br
+ | das entsprechende griechische Wort ist etwas dehnbar, man kann auch an ein zerrissenes Netz denken, das gerade geflick wird.
+ li
+ | Indem Jesus sie in die Nachfolge ruft und sie folgen, lassen sie das Netz zerrissen zurück.
+ li
+ | Mit dem oben zitierten Psalmvers als Brücke und unter Beachtung der bereits angeführten Aussagen zum jüdischen Gesetz und seiner
+ | Stellung im Evangelium Jesu nach Paulus kann der Aufruf von Gal 5,1 gegenwärtig werden, den die Söhne des Zebedäus – ins Bild übertragen –
+ | umsetzen.
+ li
+ | Die Freiheit meint hier die Freiheit vom jüdischen Gesetz – dem „Joch der Knechtschaft“ –,
+ | die Freiheit zur gesetzesfreien Völkermission, wie sie vor allem Paulus betreibt.
+
+ .card.slide.border-primary.mb-3
+ .card-body
+ h5.card-title
+ q Glaubt an das Evangelium!
+ h6.card-subtitle.text-muted
+ | Dazu bin ich gekommen:
+ q.bibeltext um unter allen Völkern den Gehorsam des Glaubens aufzurichten
+ span.bibelstelle Röm 1,5
+ hr
+ ul.card-text
+ li
+ | Im ersten Teil der Mitte der konzentrischen Gliederung ruft Jesus zu Umkehr und Glaube an das Evangelium auf,
+ | im zweiten Teil der Mitte folgen die vier Erstberufenen gehorsam.
+ li
+ | Das erinnert stark an die Wendung „Gehorsam des Glaubens“, die sich in
+ span.bibelstelle Röm 1,5-6
+ | findet (vgl. auch die Heilung der Schwiegermutter des Petrus):
+ br
+ q.bibeltext
+ | Durch ihn [= Jesus Christus] haben wir Gnade und Apostelamt empfangen,
+ br
+ i um unter allen Völkern den Gehorsam des Glaubens aufzurichten um seines Namens willen;
+ br
+ | unter ihnen lebt auch ihr, die ihr von Jesus Christus berufen seid.
+ br
+ | Hier spricht Paulus von seiner eigenen Sendung als Völkermissionar.
+ br
+ | Das Aufrichten des Gehorsams des Glaubens ist dabei als Gegenbegriff zur Aufrichtung des Gehorsams gegenüber dem jüdischen Gesetz zu verstehen.
+ li
+ | Damit lässt sich das „dazu bin ich gekommen“, das Markus Jesus in Verbindung mit dem angezielten erweiterten Wirkkreis
+ | – effektiv der Völkermission –
+ | in den Mund legt, verbinden.
+ li
+ | Vom „Ärgernis des Kreuzes“ aus, das das jüdische Gesetz sprengt („Das Netz ist zerrissen“), geschieht der Neuaufbruch;
+ | es ist ein Neuaufbruch in die von der Verpflichtung auf das jüdische Gesetz freie Völkermission („... und wir sind frei“).
+ li
+ | Der markinische Jesus wird so durchsichtig auf Paulus und seine Sendung:
+ br
+ | was Paulus tut – den Gehorsam des Glaubens unter den Völker aufzurichten und nicht den Gehorsam gegenüber dem jüdischen Gesetzt –,
+ | wird schon Jesus – verdeckt – als dessen eigene Sendung „untergeschoben“;
+ br
+ | in diesem Sinn wird „Jesus“ im Markus-Evangelium immer wieder ins Heidenland aufbrechen (→ Überfahrten).
+
+ .card.slide.border-primary.mb-3
+ .card-body
+ h5.card-title
+ q Kehrt um und glaubt an das Evangelium
+ h6.card-subtitle.text-muted
+ | Vom Gesetz ist da keine Rede ...
+ hr
+ ul.card-text
+ li
+ | In der aufgezeigten Frontstellung zwischen Jesus bzw. dem Glauben an das Evangelium einerseits
+ | und dem jüdischen Gesetz andererseits kann auffallen, dass in der Mitte der konzentrischen Gliederung
+ | der Ruf zur Umkehr und der Ruf zum Glauben an das Evangelium parallel sind,
+ br
+ | die Umkehr also vom Glauben an das (inhaltlich mit Entäußerung, Erniedrigung, Gehorsam bis zum Tod am Kreuz,
+ | Auferstehung und Erhöhung gefüllte) Evangelium her bestimmt wird und nicht vom jüdischen Gesetz her.
+ br
+ | Jedenfalls ist der Ruf Jesu zur Umkehr kein Ruf zu einer verbesserten („vollkommenen“) Befolgung des jüdischen Gesetzes.
+ li
+ | Im ganzen Evangelium wird immer wieder der Glaube der Menschen hervorgehoben werden und sie werden durch
+ | ihn des mit Jesus geschenkten Heils teilhaftig.
+ li
+ | Das jüdische Gesetz dagegen wird im Hinblick auf das Eröffnen des Heils als unzulänglich gebrandmarkt.
+ p.card-text.small.mb-0
+ | Siehe dazu auch bereits die in die Schriftgelehrten verschlüsselte Inzuffizienz des jüdischen Gesetzes in Mk 1,21-28.
+
+ .card.slide.border-primary.mb-3
+ .card-body
+ h5.card-title
+ q ... damit alle ... auf der Erde ... ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu
+ h6.card-subtitle.text-muted
+ | Die universalistische Perspektive des Philipperhymnus und der Neuaufbruch zur Völkermission
+ hr
+ ul.card-text
+ li
+ | Wie oben bemerkt, entspricht die Erzählfolge in der vorliegenden Erzählung dem Weg Jesu nach dem Philipperhymnus.
+ li
+ | Im Zuge der dort besungenen Erhöhung des bis zum Tod am Kreuz sich erniedrigt habenden
+ | ist davon die Rede, dass „alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu“.
+ br
+ | Damit ist eine universalistische Perspektive ausgedrückt.
+ li
+ | Diese universalistische Perspektive im Hinblick auf „alle ... auf der Erde“ findet sich auch am Ende der vorliegenden Erzählung,
+ | wenn vom Wirken Jesu in „ganz Galiläa“ gesprochen wird, was letztlich die Völkermission auf der ganzen Erde meint.
+
+
+ .card.slide.border-primary.mb-3
+ .card-body
+ h5.card-title
+ q Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg bahnen wird
+ h6.card-subtitle.text-muted
+ | Jesu Neuaufbruch als Ruf zur Völkermission
+ hr
+ ul.card-text
+ li
+ | Wie oben gezeigt, muss hier im Hinblick auf Petrus und seine Begleiter von „verfolgen“ die Rede sein
+ | und kann nicht mit „nacheilen“ übersetzt werden; ein „Nachfolgen“ des Petrus und seiner Begleitung im positiven Sinne ist also gerade nicht im Blick.
+ li
+ | Umso mehr liegt der Akzent auf Jesus als dem vorausgehenden göttlichen Boten, der sich nicht zurückholen lässt, sondern neu aufbricht
+ | und dazu die Jünger zu Umkehr, Glaube und Nachfolge aufruft.
+ li
+ | Das schließt Entäußerung und Erniedrigung ein, wie es von Jesus am unteren Ende der konzentrischen Gliederung erzählt wird
+ | und wie es auch von den Söhne des Zebedäus bereits einmal erzählt werden konnte.
+ li
+ | Das schließt Verkündigung und Dämonenaustreibung im Sinne des „Menschenfischerseins“ ein.
+ li
+ | Das schließt hier aber besonders die Weitung der Verkündigung in die Völkermission ein, die im „anderswohin“ und in diversen anderen
+ | Anspielungen angedeutet ist:
+ br
+ | das Kreuz Jesu – die Mitte des Glaubens und der Verkündigung – hat den Weg dorthin geöffnet.
+
+ .card.slide.border-primary.mb-3
+ .card-body
+ h5.card-title
+ q Bereitet den Weg des Herrn
+ h6.card-subtitle.text-muted Jesu neuer Aufbruch im Dienst des Kommens Gottes zu den Menschen
+ hr
+ ul.card-text
+ li
+ | Das „Bereitet den Weg des Herrn“ am oberen Ende der konzentrischen Gliederung
+ | spiegelt sich in der Verkündigungs- und Heilungstätigkeit Jesu:
+ br
+ | Indem Jesus verkündigend und Dämonen austreibend durch die Lande zieht,
+ | kommt Gott zu den Menschen und befreit sie von der Herrschaft Satans;
+ br
+ | so steht Jesus im Dienst des Kommens Gottes zu den Menschen.
+ li
+ | Dabei ist das „dazu bin ich gekommen“, das die Sendung Jesu aufgreift,
+ | in Verbindung mit dem „lasst uns anderswohin gehen“ als Weitung des Wirkkreises Jesu zu beachten:
+ br
+ | Der Auftrag „Bereitet den Weg des Herrn“ – also der Auftrag, sich in den Dienst des Kommens Gottes zu den Menschen zu stellen –
+ | ist vom einengenden jüdischen Gesetz befreit
+ | und richtet sich nun auf die Völkermission.
+ li
+ | Indem die Jünger Jesus verfolgen und ihn zurückholen wollen, stellen sie sich der territorialen Weitung
+ | der Tätigkeit Jesu entgegen.
+ li
+ | Sie bereiten den Weg des Herrn nicht, sie wollen den Weg Jesu, des Herrn, eingrenzen,
+ | und zwar territorial wie auch von der Bedeutung des Kreuzes her, dessen „Ärgernis“ sie beseitigen wollen,
+ | indem Jesus mit dem jüdischen Gesetz harmonisiert wird.
+
+ .card.slide.border-primary.mb-3
+ .card-body
+ h5.card-title
+ q Und er zog durch ganz Galiläa
+ hr
+ ul.card-text
+ li
+ | Angesichts der in der Erzählung angedeuteten Kontroverse rund um das „Ärgernis des Kreuzes“ und seine Bedeutung für die Völkermission
+ | muss auffallen, dass es heißt „Und er zog durch ganz Galiläa“. Das Mitziehen der Jünger wird nicht erzählt!
+ li
+ | Umsomehr muss bewusst werden, wie die Präsenz der Erstberufenen bisher erzählt war und weitergehend erzählt wird:
+ ul.card-text
+ li
+ | Nach der Berufung in Mk 1,16-20 hießt es in Mk 1,21 „Sie kamen nach Kafarnaum.“; das schließt die Jünger ein.
+ br
+ | Auch wenn dann erzählt wird, dass (vielleicht nur) er in die Synagoge geht, heißt es doch in Mk 1,29
+ | „Sie verließen sogleich die Synagoge“ – offenbar waren die Jünger also doch in der Synagoge dabei und gehen nun mit Jesus
+ | in das Haus des Simon und Andreas.
+ li
+ | In der Szene Mk 1,32-34 sind die Jünger zwar nicht erwähnt, aber doch lokal anwesend, weil alles vor dem Haus des Simon und Andreas speilt.
+ li
+ | In Mk 1,35-39 dann die Kontroverse.
+ li
+ | In Mk 1,40-45 ist Jesus jedenfalls allein unterwegs (ehe er dann am Ende von Leute von überallher zu ihm kommen).
+ li
+ | In Mk 2,1 kehr Jesus offenbar alleine wieder nach Kafarnaum zurück: „Als er nach einigen Tagen wieder nach Kafarnaum hineinging ...“;
+ | sicher ist ein dortiges Zusammentreffen mit Petrus und seinen Begleitern vorauszusetzen – das Haus ist wohl auch als das Haus des Simon und Andreas vorzustellen –,
+ | aber direkt erzählt wird das nicht.
+ li
+ | In Mk 2,13-17 wird nicht von Petrus und seinen Begleitern erzählt; und wer im weiteren Verlauf „die Jünger“ sind ist nicht eindeutig – es können
+ | auch die Vielen sein, die Jesus seit Mk 2,13-17 nachfolgen.
+ li
+ | Erst in Mk 3,13-19 ist dann explizit auch wieder von Petrus und seinen Begleitern die Rede, insofern sie in der Apostelliste auftauchen.
+ li
+ | Vielleicht darf man als Folge, dass sich Jesus nicht zurückholen hat lassen, also eine gewisse Scheidung zwischen Jesus einerseits
+ | und Petrus und dessen Begleitern andererseits angedeutet sehen; sie würde der kirchengeschichtlichen Spannung zwischen den „judaisierenden Christen“
+ | und Paulus entsprechen, wobei Petrus nach Gal 2,11-21 eine gewisse schwankende Zwischenposition einnimmt.
+
+ .card.slide.border-primary.mb-3
+ .card-body
+ h5.card-title
+ | Gebet und Sendung
+ hr
+ ul.card-text
+ li
+ | Auch wenn der einsame Ort, an den Jesus zum Gebet geht, mit dem Tod am Kreuz zu verbinden ist,
+ | an dem Jesus Ps 22,2 zitiert, ist es doch ein nicht unwichtiger Erzählzug,
+ | dass die Jünger Jesus beim Gebet finden und er dann von seiner Sendung spricht.
+ br
+ | Es ist erzählerisch nahegelegt, dass sich Jesus im Gebet seiner Sendung (neu) bewusst wurde.
+ li
+ | Das kann eine Aufforderung sein, sich im Gebet der eigenen immer neu Sendung bewusst zu werden
+ | und auch die eigene Not in der Nachfolge („Wüstenerfahrungen“) vor Gott zu bringen.
+ li
+ | Das kann eine Zusage sein, dass Jesus im Gebet gefunden werden kann – gerade nach Ostern,
+ | wenn Jesus nicht mehr leibhaftig auf Erden weilt.
+
.card.slide.border-primary.mb-3
.card-body
h5.card-title
@@ -472,27 +874,32 @@ block content
| Mitte und unteres Ende der konzentrischen Gliederung als gegenüberliegende Erzählungen in der Gliederung „Galiläa I/A“
hr
ul.card-text
- li In der Gliederung „Galiläa I/A“ stehen sich Jüngerberufung und Suche der Jünger nach Jesus einander gegenüber:
+ li
+ | In der Gliederung „Galiläa I/A“ stehen sich Jüngerberufung und Suche der Jünger nach Jesus einander gegenüber:
ul.card-text
li
- | Dies unterstreicht den Blick auf die Sendung Jesu („dazu bin ich gekommen“) und der Jünger („Menschenfischer“),
- | wobei die Verkündigungstätigkeit als konstitutives Element des Menschenfischerseins herausgestellt wird;
- | gerade durch die Verkündigung der Lehre Jesu geschehen ja auch die Wunder (→ Mk 1,21-28: Dämonenaustreibung durch die Lehre!).
+ | Das „Ärgernis des Kreuzes“ muss die Nachfolge prägen (s. o.); jeder Einhegung Jesu,
+ | jeder Verharmlosung des Kreuzes muss gewehrt werden.
li
- | Die Jünger müssen sich – wie Jesus – immer neu bewusst werden, was ihre Sendung ist.
- li Petrus erscheint in Mk 1,35-38 deutlich als „Menschenfischer“, mit „allen“ im „Fischernetz“.
+ | Wie Jesus mit dem „dazu bin ich gekommen“ eine bestimmte Ausrichtung seiner Sendung betont,
+ | müssen auch die Jünger ihre Sendung, ihre Nachfolge im Blick haben:
+ br
+ | dem „dazu bin ich gekommen“ muss ein „dazu sind wir berufen“ entsprechen.
li
- | Die Menschenfischer sind selber stehts darauf angewiesen, Jesu (im Gebet) zu suchen;
- | Jesus ist ihnen im Beten ein Lehrmeister.
+ | Jesus nach führt ihre Sendung die Jünger in die Völkermission.
li
- | Das „anderswohin“ Jesu nimmt besonders die nachösterliche Heidenmission in den Fokus.
+ | Wie Jesus nach dem Gebet am einsamen Ort von seiner Sendung spricht,
+ | so sind die Jünger gerufen, sich im Gebet ihrer eigenen Sendung stets neu bewusst zu werden
+ | und „Wüstenerfahrungen“ vor Gott zu bringen.
+ br
+ | Es ist eine Zusage, dass sich Jesus, der Auferstandene, im Gebet finden lässt.
li In der Gliederung „Galiläa I/A“ stehen sich der Eröffnungsruf des Wirkens Jesu und sein Neuaufbruch einander gegenüber:
ul.card-text
li Formal wird hier wie dort von der Verkündigungstätigkeit Jesu erzählt.
li
- | In Mk 1,14-15 kommt Jesus – nach der Taufe am Jordan – wieder nach Galiläa; zunächst an den See bzw. Kafarnaum;
+ | In Mk 1,14-15 kommt Jesus – nach der Taufe am Jordan – wieder nach Galiläa, zunächst an den See bzw. nach Kafarnaum;
br
- | in Mk 1,39 zieht er schließlich durch „ganz Galiläa“.
+ | in Mk 1,39 zieht er schließlich durch „ganz Galiläa“ – eine Weitung seines Wirkkreises, letztlich in die Völkermission.
li
| Als Ort der Verkündigung werden in Mk 1,39 speziell die Synagogen genannt;
br
@@ -519,42 +926,71 @@ block content
br
| in Mk 1,32-34 ist „die ganze Stadt“ (Kafarnaum) vor der Haustür versammelt.
li
- | Johannes der Täuer verkündet das Kommen des Stärkeren mit der Geisttaufe;
+ | Johannes der Täufer verkündet das Kommen des Stärkeren mit der Geisttaufe;
br
- | in Mk 1,32-34 sieht man ihn in Aktion: Kranke werden gesund, die Dämonen müssen weichen – Jesus erweist sich als „der Stärkere“.
+ | in Mk 1,32-34 sieht man ihn in Aktion: Kranke werden gesund, die Dämonen müssen weichen: Jesus erweist sich als „der Stärkere“;
+ br
+ | die Dämonen wissen darum, dass Jesus dieser Stärkere ist.
li
- | Von der Umkehrpredigt Johannes des Täufers her erscheinen die „Heilungen“ in einem ethischen Kontext:
+ | Die Menschen, die die Kranken zu Jesus bringen, haben den von Johannes geforderten Sinneswandel vollzogen:
br
- | „krank“ ist im übertragenen Sinne zu verstehen.
+ | sie machen sich zu Dienern der Kranken.
+ li
+ | Auch erscheinen von der Umkehrpredigt Johannes des Täufers her die „Heilungen“ in einem ethischen Licht:
+ br
+ | „krank“ ist im übertragenen Sinne zu verstehen, mit der „Heilung“ verbindet sich die Sündenvergebung.
li
| Die Taufe erscheint als „Ort“ dieser Gesundung.
+ li
+ | Die angekündigte Geisttaufe und die Austreibung der unreinen Geister sind – im Sinne einer Vertauschung –
+ | aufeinander zu beziehen: die unreinen Geister ziehen aus, der Geist Gottes/Jesu zieht ein.
+ p.small.card-text
+ | Bezüglich des einwohnenden Geistes gibt es im ganzen neuen Testament, schon in der zeitgenössischen jüdischen Literatur,
+ | keine „geistfreien“ Menschen: es wohnt entweder ein schlechter/unreiner/widergöttlicher Geist ein,
+ | oder der gute/reine/göttliche Geist.
+ br
+ | Hier gibt es einen (mehr oder weniger) scharfen Dualismus,
+ | der besonders in Qumran mit der Zweigeisterlehre besonders ausgefaltet ist.
.card.slide.border-primary.mb-3
.card-body
h5.card-title
| Die Taufe Jesu und die Heilung der Schwiegermutter des Petrus als gegenüberliegende Erzählungen
h6.card-subtitle.text-muted
- | Das Evangelium von Jesu Tod und Auferstehung richtet Menschen auf zum Dienst (→Röm 6)
+ | Das Evangelium von Jesu Tod und Auferstehung richtet Menschen auf zum Dienst (→ Röm 6)
hr
ul.card-text
li
| Die Parallele zwischen der Auferstehung Jesu – „als er aus dem Wasser stieg“ – und der Aufrichtung der Schwiegermutter des Petrus wird deutlich:
br
- | wie Jesus in der Auferweckung durch Gott „aufgerichtet“ wurde, so „richtet“ Jesus nun die Schwiegermutter des Petrus „auf“;
+ | wie Jesus in der Auferweckung durch Gott „aufgerichtet“ wurde, so „richtet“ nun Jesus,
+ | der ein für alle Mal für die Sünde gestorben ist und als Auferstandener sein Leben für Gott lebt, die Schwiegermutter des Petrus „auf“;
br
| beide entsteigen dem Tod: Jesus im realen, die Schwiegermutter des Petrus im übertragenen Sinn.
li
| Die Taufe erscheint als Ort der rettenden Schicksalsgemeinschaft mit Jesus.
li
- | Wie Jesus sich in Mk 1,35-39 der Verehrung entzieht (→ unteres Ende der konzentrischen Gliederung),
+ | Die Taufe verpflichtet, „tot zu sein für die Sünde“ und „für Gott zu leben in Christus Jesus“ im Sinne eines Handlungsgemeinschaft mit Jesus;
br
- | so endet die Heilung der Schwiegermutter des Petrus nicht in Lobeshymnen auf Jesus, sondern im ganz
- | handgreiflichen Dienst der Schwiegermutter des Petrus an Jesus und seinen Begleitern:
- br
- | dies ist die adäquate Umsetzung der Teilhabe an Tod und Auferstehung Jesu.
+ | dies setzen sowohl die Jünger, indem sie Jesus bezüglich der kranken Frau (Schwiegermutter hat Versuchungscharakter!) ansprechen, als auch
+ | die Schwiegermutter des Petrus nach ihrer Heilung, indem sie Jesus und seinen Begleitern dient, um.
li
- | Dieser Dienst aneinander – im Sinne des „tot für die Sünde – leben für Gott“ – in der Nachfolge Jesu
- | ist Handlungsgemeinschaft mit Jesus: wie Jesus Menschen aufrichtet, so richtet dieser Dienst einander auf.
+ | Insgesamt wird durch das vorliegende Gegenüber
+ span.bibelstelle Röm 6,4
+ | vergegenwärtigt:
+ br
+ q.bibeltext
+ | Wir wurden ja mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod, damit
+ br
+ i auch wir, so wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, in der Neuheit des Lebens wandeln.
+ li
+ | Das aufrichtende Handeln Jesu, bei dem Jesus gehorsam (hier gegenüber seinen Begleitern) seiner Sendung folgt,
+ | steht unter dem Wohlgefallen Gottes.
+ li
+ | Auch in diesem Gegenüber finden sich Vertauschungen:
+ ul.card-text
+ li Bei der Taufe wird Jesus aufgerichtet, bei der Heilung der Schwiegermutter ist er selber aufrichtend aktiv.
+ li Bei der Taufe wird Jesus (von Gott) in eine hoheitliche Position eingesetzt, bei der Heilung der Schwiegermutter ist er (seinen Begleitern) „gehorsam“.
.card.slide.border-primary.mb-3
.card-body
@@ -574,9 +1010,19 @@ block content
br
| dazu geht Jesus ihnen ins Verderben „voraus“.
li
- | „Wüste“ im Sinne der Gottferne und „Verderben“ verbinden sich inhaltlich – beides sind „Orte“, an die Jesus geht:
+ | „Wüste“ im Sinne der Gottferne und „Verderben“ verbinden sich inhaltlich; und beides sind formal „Orte“, an die Jesus geht:
+ | gemeint ist in beiden Fällen der Tod Jesu am Kreuz.
br
- | Durch Jesu Gang ins Verderben entsteht die „Insel des Lebens“ mitten in der „Wüste der Gottferne“,
+ | Durch diesen Gang Jesu ins Verderben entsteht die „Insel des Lebens“ mitten in der „Wüste der Gottferne“,
| ist die Gottferne auf der Erde aufgebrochen.
-
+ li
+ | Auch in diesem Gegenüber finden sich Vertauschungen:
+ ul.card-text
+ li
+ | In der Versuchungserzählung ist Jesus dem Geist Gottes gehorsam,
+ | in der Synagoge der unreine Geist gegenüber Jesus;
+ br
+ | dies ist vom Philipperhymnus her zu verstehen, der auch am unteren Ende der konzentrischen Gliederung präsent ist.
+ li
+ | In der Wüste wird Jesus von Engeln bedient, in der Synagoge begegnet Jesus einem unreinen Geist.