Überarbeitung Mk/Verrückt

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Peter Fischer 2022-10-08 14:31:24 +02:00
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h5.card-title Jesus und seine Familie offenbar ein spannungsreiches Verhältnis
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| Hier hat sich wahrscheinlich die Erinnerung erhalten, dass es eine Spannung gab zwischen Jesus und seiner leiblichen Familie
| während Jesu irdischen Wirkens.
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| Stattdessen ist immer wieder vom Verlassen der Familie und der Heimat die Rede das ist einerseits im Hinblick
| auf den Philipper-Hymnus zu verstehen (siehe auch die Söhne des Zebedäus), kann andererseits aber kaum Thema sein,
| wenn nicht auch der historische Jesus seine Heimat und Familie verlassen hat, um als Wanderprediger durch die Lande zu ziehen.
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| Bemerkenswert ist auch, dass Matthäus und Lukas trotz Kindheitserzählungen (die an sich unhistorisch sind)
| das Bild von der Familie Jesu, das sie von Markus weitgehend übernommen haben, nicht korrigieren,
| das Bild von der Familie Jesu, das sie im ihnen vorliegenden Markus-Evangelium finden, nicht korrigieren sondern es weitgehend übernehmen,
| ja die Radikalität Jesu auch was die Scheidung von der eigenen Familie anbelangt durch die umfangreichere
| Wortüberlieferung noch gesteigert haben.
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| Was genau den historischen Jesus dazu gebracht hat, seine Familie zu verlassen, wird nirgendwo thematisiert;
| es erscheint im Rahmen seiner Sendung quasi als göttliche Notwendigkeit ohne weiteres Hinterfragen akzeptiert zu sein.
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| Das Urteil „von Sinnen“ der Familie über Jesus ist an sich mehrdeutig und schwierig zu interpretieren.
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| Dies umso mehr, als in der folgenden Erzählung, die von der Thematik „leibliche/geistliche Familie“ gerahmt wird,
| eine <i>nachösterliche(!)</i> Problematik hinsichtlich der paulinischen Rechtfertigungslehre thematisiert wird (Stichwort: „Diener der Sünde“).
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| Deutlich wird hier jedenfalls, dass die Angehörigen Jesu nicht zum Kreis um Jesus gehören,
| ja sogar auf Distanz zu seinem Wirken stehen: sie sind um eine für Markus wichtige Metapher aufzugreifen „draußen“
| und kommen von außen von außerhalb der Gruppe um Jesus auf Jesus zu.
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| Auffällig ist die mit Gewalt aufgeladene Sprache: sie wollen sich seiner „bemächtigen“, „mit Gewalt zurückholen“,
| ganz ähnlich wie in Mk 1,35-39 Jesus/Paulus von Petrus und seinen Begleitern „verfolgt“ wird mit der Absicht, ihn zurückzuholen, einzuhegen.
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h5.card-title Jesus und seine Familie nach Ostern auf einmal präsent
h6.card-subtitle.text-muted Ein Blick in die früheste Kirchengeschichte
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| So selbstverständlich, wie die Familie Jesu während seines irdischen Wirkens keine (positive) Rolle spielt,
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| so selbstverständlich ist in der Apostelgeschichte nach Ostern die Familie Jesu (zumindest für eine gewisse Zeit) präsent.
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| Auch wenn hier vielleicht manches in Anlehnung an die Kindheitserzählungen geschönt ist:
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| dass der Herrenbruder Jakobus eine führende Rolle in der Urgemeinde in Jerusalem eingenommen hat,
| das belegt auch Paulus in seinem Brief an die Gemeinden in Galatien.
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| das belegt auch Paulus in seinem Brief an die Gemeinden in Galatien; er ist einer der „Säulen“ dort neben Petrus und Johannes.
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| Es scheint sogar so zu sein, dass Jakobus effektiv Petrus, der ganz selbstverständlich alle Apostellisten anführt,
| vertrieben hat.
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| eher eine ausgleichende Position einzunehmen, auch dort, wo das eigentlich nicht geht;
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| jedenfalls hatte Jakobus eine so dominante Rolle eingenommen, dass Petrus dann in Antiochien sein Verhalten
| gegenüber den Heidenchristen ändert, als Leute aus dem Jakobus-Kreis dorthin kommen, was Paulus scharf kritisiert
| gegenüber den Heidenchristen änderte, als Leute aus dem Jakobus-Kreis dorthin kamen, was Paulus scharf kritisierte
| (→ Antiochenischer Zwischenfall).
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| Bereits in der vorausgehenden Erzählung der Berufung der Zwölf waren wir auf Jakobus gestoßen, nachdem die Umstellung der Apostelliste durch Markus
| gerade jene drei Namen an den Anfang stellt, die Paulus als „Säulen“ in Jerusalem nennt, auch wenn der
| aufgeführte Jakobus gerade nicht der Herrenbruder, sondern der Bruder des Johannes ist.
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| Doch war auch bei der Berufung der Zwölf gerade mit der „Heilung“ des „aussätzigen“ Paulus in der Mitte der konzentrischen Gliederung
| jener Jakobus in den Fokus gerückt; dies gilt auch für die aktuelle wie die folgenden beiden Erzählungen.
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| Jakobus stand für ein eher jüdische Traditionen bewahrendes Christentum („judaisierende Christen“) mit klarer
| Bejahung des jüdischen Gesetzes als Identity-Marker (→ Beschneidung);
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| er gehört damit zu jenen, für die das Kreuz ein „Ärgernis“ ist die es also im Gegensatz zu Paulus relativieren
| und mit dem jüdischen Gesetz versöhnen , wie sie uns als Gegenüber
| zum auf Paulus durchsichtigen markinischen Jesus bereits begegnet sind (und auch in der nachfolgenden Erzählung begegnen werden).
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| Es wird wohl so sein, dass Jakobus tatsächlich etwas näher am irdischen Jesus steht als Paulus,
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| andererseits hat Paulus nachvollziehbare klare Konsequenzen aus dem Tod Jesu am Kreuz gezogen, der alles
| nochmal verändert hat.
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| Jakobus &amp; Co haben in den Augen des Paulus da harmonisiert, wo eigentlich nicht zu harmonisieren ist.
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| Jakobus &amp; Co. haben in den Augen des Paulus da harmonisiert, wo eigentlich nicht zu harmonisieren ist.
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| Klar ist jedenfalls, dass die Variante des Christentums um den Herrenbruder Jakobus eine innerjüdische Sekte geblieben ist und
| mit ihm das Christentum insgesamt geblieben wäre; es wäre wohl längst untergegangen,
| wie es heute (leider) effektiv keine Judenchristen mehr gibt.
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| Dabei muss man ergänzen, dass es schon vor Paulus eine Öffnung zu den Heiden gab, vornehmlich wohl in Antiochien,
| verbunden mit einer Relativierung des jüdischen Gesetzes gerade was Speise- und Reinheitsvorschriften sowie die Beschneidung anbelangt,
| wozu man sich offenbar durch Jesu eigenes Verhalten, seine Predigt, seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung, berechtigt sah.
| wozu man sich offenbar durch Jesu eigenes Verhalten, seine Predigt, seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung berechtigt sah.
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| Dieses in dieser Hinsicht „Judentum light“ war für die sogenannten „Gottesfürchtigen“ attraktiv, also jenen Heiden, die mit dem
| Judentum, vor allem dem Glauben an den einen Gott, geliebäugelt haben, den formellen Übertritt aber gescheut haben,
| Dieses in dieser Hinsicht „Judentum light“ war für die sogenannten „Gottesfürchtigen“ attraktiv, also jene Heiden, die mit dem
| Judentum, vor allem dem Glauben an den einen Gott, geliebäugelt, den formellen Übertritt aber gescheut haben,
| weil er mit der Übernahme von Speise- und Reinheitsvorschriften des Judentums eine Veränderung der sozialen Bezüge mit sich gebracht hätte,
| was für viele abschreckend war.
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