diff --git a/views/nt/ev/mk/getauft/aufbruch.pug b/views/nt/ev/mk/getauft/aufbruch.pug index b832d0b..f2d5ff9 100644 --- a/views/nt/ev/mk/getauft/aufbruch.pug +++ b/views/nt/ev/mk/getauft/aufbruch.pug @@ -204,7 +204,7 @@ block content li Zeitlich sind wir am Anfang des Tages: „In aller Frühe, als es noch dunkel war“. li | Inhaltlich wird in der zweiten Hälfte der Episode von einem neuen Aufbruch erzählt, - | der sich vom bisherigen Umfeld Kafarnaum löst und sich nun auf „ganz Galiläa“ ausdehnt. + | der sich vom bisherigen Umfeld Kafarnaum löst und nun „ganz Galiläa“ in Blick nimmt. .card.slide.border-primary.mb-3 .card-body @@ -219,6 +219,8 @@ block content | eilen Petrus und seine Begleiter Jesus nach. li | Damit wird klar Jesus als der vorausgehende göttliche Bote, der den Nachfolgenden den Weg bahnt (→ oberes Ende der konzentrischen Gliederung), inszeniert. + li + | Sein Gang in die „Einsamkeit“, sein Aufbruch zu Verkündigung und Dämonenaustreibung mit Weitung des Wirkkreises will und wird auch ihren weiteren Weg bestimmen (s. u.). .card.slide.border-primary.mb-3 .card-body @@ -261,25 +263,36 @@ block content .card.slide.border-primary.mb-3 .card-body h5.card-title - q ... ging an einen einsamen Ort + q ... und ging an einen einsamen Ort h6.card-subtitle.text-muted Wüste! hr ul.card-text li - | Im Griechischen ist der „einsame Ort“ nicht von der Wüste (wie in Mk 1,12: Auseinandersetzung mit Satan!) zu unterscheiden; + | Im Griechischen schwingt bei „einsamer Ort“ die „Wüste“ mit; | die deutsche Übersetzung verdeckt dies. li - | Wie in der Versuchungserzählung ist damit ein Widerspruch inszeniert: Wüste als Ort nicht nur der menschlichen Einsamkeit, - | sondern auch der Gottferne, doch gleichzeitig Gebet als Verbindung zu Gott. - li - | Der Vorstoß in die „Wüste“, um darin eine „Insel des Lebens“ zu erschaffen, war der Weg Jesu während seines irdischen Wirkens, - | daran weiterzubauen ist der Weg der Jünger als „Menschenfischer“ in der Nachfolge Jesu. - li - | Für Jesus als Auferstandenen – als der er „tot ist für die Sünde“ und „für Gott lebt“ (→ Röm 6) – geht die - | Auseinandersetzung mit Satan – auch wenn dieser letztlich schon besiegt ist – weiter: er steht seinen Jüngern bei; + | Versteht man die „Einsamkeit“ als „Wüste“ – wie in der Versuchungserzählung – im übertragenen Sinne, + | ergibt sich eine doppelte Widersprüchlichkeit der Szene – analog zur Versuchungserzählung –: br - | er geht ihnen – gerade als Auferstandener – immer wieder in die „Wüste“ voraus, - | um so ihr „Menschenfischersein“ zu tragen. + | „Wüste“ als Ort nicht nur der menschlichen Einsamkeit, sondern auch der Gottferne, + br + | doch gleichzeitig Gebet als Verbindung zu Gott und zugleich Aufgesuchtwerden von Petrus und seinen Begleitern, indirekt von „allen“. + li + | Angesichts der Präsenz von Ostern in der Erzählung ist Jesu Weg in die Einsamkeit bzw. in die „Wüste“ unerwartet; + | man würde ihn eher in einer der Auferstehung entsprechenden Umgebung erwarten. + br + | Doch kommt gerade in dieser Umbiegung der Erwartung zum Vorschein, worauf Markus Wert legt, + | wie die weitere Betrachung noch zeigen wird. + br + span.small + | Sicher „hinkt“ hier manches; doch ist dies dem Umstand geschuldet, dass Markus einerseits Jesu Auferstehung + | durch klare Anspielungen gegenwärtig macht, andererseits Jesus aber noch auf dem Weg zu Tod und Auferstehung ist. + br + | Mithin ist also das „Weiter“ auf zwei Ebenen zu verorten: + ul.card-text.small + li Jesu Wirken als Auferstandener – vom Himmel her in Unterstützung seiner Jünger. + li Jesu Weg ans Kreuz. + .card.slide.border-primary.mb-3 .card-body @@ -340,24 +353,77 @@ block content | Andererseits wirft der Umstand, dass in der vorhergehenden Erzählung bereits alle Kranken geheilt worden waren, | die Frage auf, was nun „alle“ von Jesus wollen, warum sie ihn suchen. li - | Festzuhalten ist jedenfalls, dass bevor diese „alle“ überhaupt nachkommen können, Jesus aufbricht zu einer erweiterten Wirksamkeit. + | Festzuhalten ist jedenfalls, dass bevor diese „alle“ überhaupt nachkommen können, Jesus aufbricht zu einer erweiterten Wirksamkeit, + | die er mit seiner Sendung begründet. li - | Vom Gesamt des Evangeliums her legt es sich nahe, dass Markus Jesus sich hier einer Verehrung durch die Menschen + | Vom Gesamt des Evangeliums her legt es sich nahe, dass Markus Jesus sich hier einer Verehrung durch die Menschen | aufgrund der Heilungen und Dämonenaustreibungen entziehen lässt (– das wäre in gewisser Weise eine Analogie zu den Schweigegeboten –) | und mittels dem „dazu bin ich gekommen“ auf die aktive Umsetzung seiner Sendung verweist: Wirken zum Heil der Menschen. li | Ein Signal für die Zeit nach Ostern: br | das Ziel des Wirkens Jesu ist nicht seine eigene Verehrung (als Auferstandener in der Herrlichkeit des Himmels), - | sondern die Nachfolge im Dienst des Evangleliums zum Heil der Menschen; + | sondern die Umkehr und die Nachfolge der Jünger im Dienst des Evangeliums zum Heil der Menschen (→ Mitte der konzentrischen Gliederung); br | es geht Jesus um die Menschen, nicht um seine eigene Verehrung! li - | Hier ist die „Wüste“ auch ein Kontrast zu all den „schönen Orten“ von Verehrung; - br - | sie ist der Wirkort Jesu, - | in den die Jünger immer neu nachfolgen müssen. - + | So biegt gerade das ambivalente Stichwort „Einsamkeit“/„Wüste“ eine Anbetungs- und Verherrlichungschristologie um + | zu einer Sendungschristologie: + ul.card-text + li + | Der Vorstoß in die „Wüste“, um darin eine „Insel des Lebens“ zu erschaffen, war der Weg Jesu während seines irdischen Wirkens. + br + | Der Blick auf den Auferstandenen, der in der Herrlichkeit des Himmels thront, + | wird von der Erzählung umgebogen auf die „Wüste“ als Wirkort Jesu vor Tod und Auferstehung. + li + | Aus dem Bezug zur Berufung der Söhne des Zebedäus (→ Mitte der konzentrischen Gliederung) wird der Philipperhymnus präsent: + br + q.bibeltext + | 6 Er war Gott gleich, hielt es aber nicht als einen Raub fest, Gott gleich zu sein, + br + | 7 sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. + br + | Sein Leben war das eines Menschen; + br + | 8 er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. + br + | 9 Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, + br + | 10 damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu + br + | 11 und jeder Mund bekennt: Jesus Christus ist der Herr zur Ehre Gottes, des Vaters. + span.bibelstelle Phil 2,6-11 + br + | Besonders in der Zeit nach Ostern ist diese Erinnerung an den Gottessohn wichtig, + br + | der gerade nicht in der himmlischen Herrlichkeit geblieben ist, sondern den Weg des Dienens bis an Kreuz gegangen ist: + br + | der Blick auf den Auferstanden in seiner Herrlichkeit muss immer wieder auf seinen Weg dorthin führen – um Sendung und Weg des nun Auferstandenen nicht zu vergessen + | und sich auch der eigenen Sendung immer neu bewusst zu werden. + li + | In der Erzählung folgen Petrus und seine Begleiter in die „Wüste“ nach; + | dies ist der Ort, an den auch die Jünger (besonderes nach Ostern) gesandt sind: + br + | Als „Menschenfischer“ in der Nachfolge Jesu sollen sie Menschen auf die „Insel des Lebens mitten in der Wüste der Gottferne“ hinüberretten + | (→ Mitte der konzentrischen Gliederung). + li + | Dass Jesus – wie es diese Erzählung bebildert – nach seiner Auferstehung den Jüngern gerade in die „Wüste“ vorausgeht, + | um sie hinter sich herzuziehen, ist Auftrag und Verheißung zugleich: + ul.card-text + li Jesu Sendung in die „Wüste“ muss in den Jüngern weitergehen. + li + | Jesus trägt das „Menschenfischersein“ der Jünger – sie sind nicht auf sich allein gestellt, sondern bekommen „himmlischen Beistand“. + br + | So geht auch für Jesus als Auferstandenen – als der er „tot ist für die Sünde“ und „für Gott lebt“ (→ Röm 6) – die + | Auseinandersetzung mit Satan – auch wenn dieser letztlich schon besiegt ist – weiter, + | bleibt die „Wüste“ weiterhin sein Wirkort. + li + | Zusammenfassend lässt sich sagen: + br + | Den Blick zum Auferstandenen lenkt Markus in die „Wüste“ als Ort der Sendung Jesu und der Sendung der Jünger um – + | dorthin müssen die Jünger Jesus immer neu nachfolgen, und nicht zuletzt im Gebet werden sie seinen Beistand erfahren. + li + | Die „Wüste“ ist auch ein Kontrast zu all den „schönen Orten“ von Verehrung. .card.slide.border-primary.mb-3 .card-body @@ -414,14 +480,14 @@ block content li | Die Dämonenaustreibungen, die in Mk 1,39 erwähnt werden, geschehen im Kontext der Umkehr und des Glaubens an das Evangelium (Mk 1,14-15); br - | sie können – wie in Mk 1,21-28 – als Auswirkung der Lehre Jesu – also seiner Verkündigung – gelesen werden: + | sie können – wie in Mk 1,21-28 – als Auswirkung der Lehre Jesu – also seiner Verkündigung – gelesen und als Bestätigung für den Anbruch des Gottesreiches verstanden werden: br | Menschen hören auf, Diener Satans zu sein, und werden Diener Gottes. .card.slide.border-primary.mb-3 .card-body h5.card-title - | Das Wirken Johannes des Täufers und die die Massenheilungen und –dämonenaustreibungen als gegenüberliegende Erzählungen + | Das Wirken Johannes des Täufers und die Massenheilungen und –dämonenaustreibungen als gegenüberliegende Erzählungen h6.card-subtitle.text-muted | Jesus, der Stärkere, in Aktion hr @@ -452,24 +518,26 @@ block content li | Die Parallele zwischen der Auferstehung Jesu – „als er aus dem Wasser stieg“ – und der Aufrichtung der Schwiegermutter des Petrus wird deutlich: br - | beide entsteigen dem Tod: Jesus im realen, die Schwiegermutter im übertragenen Sinne. + | wie Jesus in der Auferweckung durch Gott „aufgerichtet“ wurde, so „richtet“ Jesus nun die Schwiegermutter des Petrus „auf“; + br + | beide entsteigen dem Tod: Jesus im realen, die Schwiegermutter des Petrus im übertragenen Sinn. li - | Die Taufe erscheint als Ort der Schicksalsgemeinschaft mit Jesus. + | Die Taufe erscheint als Ort der rettenden Schicksalsgemeinschaft mit Jesus. li | Wie Jesus sich in Mk 1,35-39 der Verehrung entzieht (→ unteres Ende der konzentrischen Gliederung), br | so endet die Heilung der Schwiegermutter des Petrus nicht in Lobeshymnen auf Jesus, sondern im ganz | handgreiflichen Dienst der Schwiegermutter des Petrus an Jesus und seinen Begleitern: br - | dies ist die adäquate Reaktion auf die Teilhabe an Tod und Auferstehung Jesu. + | dies ist die adäquate Umsetzung der Teilhabe an Tod und Auferstehung Jesu. li - | Dieser Dienst – im Sinne des „tot für die Sünde – leben für Gott“ – in der Nachfolge Jesu - | bedeutet Handlungsgemeinschaft mit Jesus. + | Dieser Dienst aneinander – im Sinne des „tot für die Sünde – leben für Gott“ – in der Nachfolge Jesu + | ist Handlungsgemeinschaft mit Jesus: wie Jesus Menschen aufrichtet, so richtet dieser Dienst einander auf. .card.slide.border-primary.mb-3 .card-body h5.card-title - | Die Versuchung Jesu und die neue, Dämonen austreibende Lehre in der Synagoge als gegenüberliegende Erzählungen + | Die Versuchung Jesu und die neue, Dämonen austreibende Lehre in der Synagoge als gegenüberliegende Erzählungen h6.card-subtitle.text-muted | Jesus ist gekommen, um Satan ins Verderben zu stürzen hr @@ -479,8 +547,14 @@ block content | das dazu Gesagte ist hier zu vergegenwärtigen. li | Während die Versuchung inhaltlich und vom Ergebnis her offen bleibt, - | macht die Episode in der Synagoge klar, dass Jesus gekommen ist, die Dämonen mitsammt ihrem Anführer – Satan – ins Verderben zu stürzen; + | macht die Episode in der Synagoge klar, dass Jesus nicht nur gekommen ist, um die Dämonen mitsammt ihrem Anführer – Satan – ins Verderben zu stürzen, + | sondern dies auch tatsächlich tut; br | dazu geht Jesus ihnen ins Verderben „voraus“. + li + | „Wüste“ im Sinne der Gottferne und „Verderben“ verbinden sich inhaltlich – beides sind „Orte“, an die Jesus geht: + br + | Durch Jesu Gang ins Verderben entsteht die „Insel des Lebens“ mitten in der „Wüste der Gottferne“, + | ist die Gottferne auf der Erde aufgebrochen.