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br
| Auch Levi ist – wie die vier Erstberufenen – von Jesus für seine eigene Sendung in Dienst genommen:
br
- | Menschen aus der Gewalt der Sünde und des Todes zu befreien.
+ | Menschen aus der Gewalt der Sünde und des Todes zu befreien bzw. sie (auf die Ebene der Ethik übertragen) aufzurichten.
+ li
+ | Auffällig ist, dass sich mit allen drei hier relevanten Söhnen im Zuge des Eintritts in die Nachfolge Jesu
+ | Entäußerung, Erniedrigung und Gehorsam verbinden (zu den Söhnen des Zebedäus siehe oben, zu Levi als Zöllner siehe dort).
+ br
+ | Die Söhne werden auch jeweils nicht am Anfang der Erzählung genannt, sondern in beiden Erzählungen nach einem „weitergehen“
+ | Jesu: damit könnte eine Überbietung des damaligen „Vorübergangs des Herrn“ beim Exodus in der Sendung Jesu angedeutet sein.
li
| Mk 15,21 erzählt nicht von einer Berufung, und doch von befreiender Kreuzes-Nachfolge.
br
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q.bibeltext Er hat unsere Krankheit getragen.
span.bibelstelle Jes 53,4
| ), um uns der Sklaverei der Sünde und des Todes zu entreißen.
+ li
+ | In die Zusammenhänge rund um den „Vorübergang des Herrn“ ist auch die Heilung des blinden Bettlers Bartimäus in
+ span.bibelstelle Mk 1,46-52
+ | einzuordnen, die von der Einheitsübersetzung wie folgt eingeleitet wird:
+ br
+ q.bibeltext
+ | Sie kamen nach Jericho.
+ br
+ | Als er mit seinen Jüngern und einer großen Menschenmenge Jericho wieder verließ,
+ br
+ | saß am Weg ein blinder Bettler, Bartimäus, der Sohn des Timäus.
+ span.bibelstelle Mk 10,46
+ br
+ | Hier scheint – ohne dass „parago“ steht und damit im Gegensatz zu obiger Behauptung – das Schema
+ | „Sohnesname“, der Sohn des „Vatersname“ (wie bei Jakobus und Levi) zu stehen.
+ br
+ | Doch steht – das griechische Original wörtlich übersetzt – folgendes da:
+ br
+ q.bibeltext
+ | Und sie kommen nach Jericho.
+ br
+ | Und als er herausging aus Jericho und seine Jünger und eine zahlreiche Menge,
+ br
+ | sah der Sohn des Timaios, Bartimaios, ein blinder Bettler, am Weg.
+ span.bibelstelle Mk 10,46
+ ul.card-text
+ li
+ | Damit begegnet gerade nich das oben erwähnte Schema.
+ br
+ | Außerdem ist „huios timaiou“ („Sohn des Timäus“) die genaue Übersetzung von „Bartimaios“.
+ br
+ | Auch wenn die Formulierung hier mit obigem Schema verwandt ist, wird doch eher der Name der gleichen Person
+ | zweimal hintereinander erwähnt: einmal in griechischer Übersetzung, einmal der jüdische Name selbst.
+ br
+ | Dies entspricht auffallend dem, dass Bartimäus zweimal rufen muss, bis Jesus sich ihm zuwendet,
+ br
+ | und dass von den Begleitern Jesu zwei unterschiedliche Verhaltensweisen erzählt werden: zunächst die zurückdrängend-niederdrückende
+ | Aktion, die Bartimäus zum Schweigen bringen will, dann aber – nach Jesu Intervention – die einladend-herrufende Aktion.
+ li
+ | Die doppelte, zweisprachige Namensnennnung verbindet Bartimäus aber auch mit den vier Erstberufenen, von denen zwei griechische und zwei semitische Namen tragen,
+ | wie auch mit Levi, der zwar Jude ist, durch seinen Beruf aber in gewisser Weise Heide.
+ br
+ | Damit verbindet sind Bartimäus tatsächlich gerade mit jenen Berufungserzählungen, die oben in Blick kamen,
+ | bei denen ein Vorübergang des Herrn ausdrücklich erzählt wird.
+ li
+ | Stellt man sich die Ereignisfolge vor dem geistigen Auge vor, Jesus mit seiner Gefolgschaft aus Jericho ausziehend
+ | und Bartimäus am Weg sitzend, dann sieht man tatsächlich ein Vorübergehen Jesu, aber – und das ist ein wichtiger Unterschied –
+ | nicht nur Jesu sondern auch der Vielen, die im Laufe der Erzählung eine wichtige Rolle spielen und in ihrem Verhalten gleichsam „umswitchen“.
+ br
+ | Auffälligist, dass Jesus Jericho betritt ohne dass es dort etwas gibt, das es zu erzählen gäbe.
+ br
+ | Jesus scheint Jericho nur zu betreten, um es gleich wieder zu verlassen; und die erzählten Ereignisse spielen
+ | beim Herausgehen aus Jericho am Weg. Damit könnte ganz gezielt auf den Exodus (Ex-hodos; Heraus-Weg!) aus Ägypten angespielt sein –
+ | was unterstreicht, dass das einen Vorübergang Jesu (9n Aufnahme der Exodus-Tradition) sehende geistige Auge recht hat.
+ li
+ | Hinzu kommt, dass in der Erzählung das zweimalige Schreien des Bartimäus eine zentrale Rolle spielt,
+ | wie auch in der oben zitierten Berufung des Mose:
+ br
+ q.bibeltext
+ | Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen und sein Geschrei wegen seiner Antreiber habe ich gehört.
+ br
+ | Ich kenne sein Leid.
+ span.bibelstelle Ex 3,7
+ span.small (relevante Stelle nach Elberfelder Bibel korrigiert)
+ br
+ | In der Erzählung wird auch ein Hören erzählt, allerdings nicht Jesu, sondern des Bartimäus („dass es Jesus von Nazaret ist“);
+ br
+ | dabei ist das Hören Jesu aber implizit vorausgesetzt, da er stehen bleibt und so die Heilung des Bartimäus in Gang kommt.
+ br
+ | Sein Hören ist genauso implizit erzählt wie sein Vorbeigehen – und damit die beiden relevanten Motive aus den
+ | zugezogenen Stellen zum Exodus.
+ br
+ | Das Stehenbleiben Jesu ist dabei einerseits der Gegensatz zum Vorübergehen, der letzteres implizit vergegenwärtigt,
+ | andererseits Folge seines Hörens, das ebenso implizit vergegenwärtigt wird.
+ br
+ | Während also bei den Erstberufenen und Levi das Sehen Jesu explizit erzählt wird, wird das Hören Jesu implizit vorausgesetzt;
+ br
+ | beides begegnet zusammen in der Berufung des Mose im Hinblick auf Gottes Sehen und Hören des Leids seines Volkes.
+ br
+ | Das Herabsteigen Gottes zur Rettung seines Volkes verbindet sich dabei mit der Aussage Jesu über den Menschensohn
+ | unmittelbar vor der Begegnung mit Bartimäus: „... Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen,
+ | sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.“ (Mk 10,45)
+ br
+ | Die Vielen in der Erzählung missachten genau dies zunächst, folgen dann aber – nach der Intervention Jesu – genau in diesem Sinne.
+ li
+ | Während sich Jesus den vier Erstberufenen und Levi direkt zuwendet, nimmt er hier die Vielen in Dienst:
+ | er lässt Bartimäus durch sie herbeirufen, und sie tun dies – sie sind wie ausgewechselt.
+ br
+ | Sie handeln nun im Sinne des Herabsteigens Gottes bzw. des Menschensohnes nach Mk 10,45, im Sinne der Zuwendung, des Herabbeugens zu den Leidenden.
+ li
+ | Heilung des Bartimäus ist keine Berufungserzählung im eigentlichen Sinn. Und dennoch hat sie Berührungspunkte:
+ ul.card-text
+ li
+ | Bartimäus wird nicht in die Nachfolge gerufen, doch die Erzählung endet damit, dass er Jesus „nachfolgte auf seinem Weg“,
+ br
+ | ganz analog wie die vier Erstberufenen und Levi;
+ br
+ | hier jedoch – den Meta-Teil „Auf dem Weg“ abschließend mit einem besonderen Aktzent auf dem „Weg“,
+ | den Jesus nun – wir stehen unmittelbar vor dem Einzug in Jerusalem – sehr bald als Kreuz-Weg gegehen wird.
+ li
+ | Während sonst ein Mann – 2x Jesus, 1x Simon von Kyrene – an einem oder wenigen vorübergeht,
+ br
+ | gehen hier viele an einem Mann vorüber.
+ br
+ | Dies Vielen werden von Jesus in Dienst genommen und dazu gewandelt;
+ br
+ | neben der Heilung des blinden Bettlers Bartimäus ist dies ein zentraler Zug der Erzählung.
+ li
+ | Bartimäus kann (wieder) sehen: gemeint ist damit vor allem die Bedeutung und Sinnhaftigkeit des Kreuz-Weges Jesu.
+ br
+ | Auch den Vielen gehen in diesem Sinne die Augen auf, als Jesus interveniert: sie sind es im eigentlichen Sinne,
+ | die von ihrer Blindheit geheilt werden und nun – als Sehende – wie Bartimäus Jesus nachfolgen, indem sie sich dem blinden Bettler
+ | am Weg zuwenden.
+ li
+ | Bartimäus wird sitzend angetroffen und soll – weil Jesus sich ihm zuwenden will – aufstehen; er springt schließlich auf,
+ | auf Jesus zu, und wird von diesem geheilt. Analogien zur Auferstehung Jesu sind gegeben, und doch anders als bei Levi,
+ | eher wie bei der Schwiegermutter des Petrus.
+ br
+ | Bei Bartimäus scheint es – gerade weil die Vielen zu seiner Heilung in Dienst genommen werden – eher um die ethische Zuwendung
+ | mit soteriologischer Dimension zu gehen als um das soteriologische Handeln Jesu selbst,
+ br
+ | um Nachfolge der Vielen auf der Grundlage der soteriologischen Tat des Einen, Jesus.
+ li
+ | Wie die vier Erstberufenen Netz und Betrieb zurücklassen, wie Levi den Zoll zurücklässt,
+ br
+ | so lässt Bartimäus seinen Mantel zurück: er wirft ihn ab als Zeichen des Aufbruchs in eine neue Existenz.
+ li
+ | Insgesamt zeigt sich, dass die Heilung des blinden Bettlers Bartimäus sehr vielschichtig ist,
+ br
+ | durchaus mit den Berufungserzählungen verwandt und mit dem Vater-Sohn-Schema spielend, und doch anders.
+ br
+ | Motive des Exodus spielen sicher eine Rolle, und sind doch anders eingetragen.
+ br
+ | Schließlich geht es nicht um den Einen, der vorübergeht, nicht um den „Vorübergang“ des Herrn“,
+ | sondern um den „Vorübergang der Vielen“, die nicht in einem negativen Sinne achtlos vorübergehen sollen, jemanden sogar noch schelten,
+ | sondern die – um dem „Vorübergang des Herrn“ nachzufolgen – wie Jesus stehen bleiben müssen, um sich dem Notleidenden heilvoll zuzuwenden.
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