From cbc51a4735c502a75f2be77d9c57f307ebd7b027 Mon Sep 17 00:00:00 2001 From: Peter Fischer Date: Sat, 12 Feb 2022 17:51:43 +0100 Subject: [PATCH] =?UTF-8?q?Mk/Mir=20nach:=20Nachtrag=20Bartimaios=20bei=20?= =?UTF-8?q?"Vor=C3=BCbergang",=20sowie=20kleine=20Verb.?= MIME-Version: 1.0 Content-Type: text/plain; charset=UTF-8 Content-Transfer-Encoding: 8bit --- views/nt/ev/mk/getauft/mir_nach.pug | 144 +++++++++++++++++++++++++++- 1 file changed, 143 insertions(+), 1 deletion(-) diff --git a/views/nt/ev/mk/getauft/mir_nach.pug b/views/nt/ev/mk/getauft/mir_nach.pug index 686b4ce..4490bc0 100644 --- a/views/nt/ev/mk/getauft/mir_nach.pug +++ b/views/nt/ev/mk/getauft/mir_nach.pug @@ -1391,7 +1391,13 @@ block content br | Auch Levi ist – wie die vier Erstberufenen – von Jesus für seine eigene Sendung in Dienst genommen: br - | Menschen aus der Gewalt der Sünde und des Todes zu befreien. + | Menschen aus der Gewalt der Sünde und des Todes zu befreien bzw. sie (auf die Ebene der Ethik übertragen) aufzurichten. + li + | Auffällig ist, dass sich mit allen drei hier relevanten Söhnen im Zuge des Eintritts in die Nachfolge Jesu + | Entäußerung, Erniedrigung und Gehorsam verbinden (zu den Söhnen des Zebedäus siehe oben, zu Levi als Zöllner siehe dort). + br + | Die Söhne werden auch jeweils nicht am Anfang der Erzählung genannt, sondern in beiden Erzählungen nach einem „weitergehen“ + | Jesu: damit könnte eine Überbietung des damaligen „Vorübergangs des Herrn“ beim Exodus in der Sendung Jesu angedeutet sein. li | Mk 15,21 erzählt nicht von einer Berufung, und doch von befreiender Kreuzes-Nachfolge. br @@ -1414,6 +1420,142 @@ block content q.bibeltext Er hat unsere Krankheit getragen. span.bibelstelle Jes 53,4 | ), um uns der Sklaverei der Sünde und des Todes zu entreißen. + li + | In die Zusammenhänge rund um den „Vorübergang des Herrn“ ist auch die Heilung des blinden Bettlers Bartimäus in + span.bibelstelle Mk 1,46-52 + | einzuordnen, die von der Einheitsübersetzung wie folgt eingeleitet wird: + br + q.bibeltext + | Sie kamen nach Jericho. + br + | Als er mit seinen Jüngern und einer großen Menschenmenge Jericho wieder verließ, + br + | saß am Weg ein blinder Bettler, Bartimäus, der Sohn des Timäus. + span.bibelstelle Mk 10,46 + br + | Hier scheint – ohne dass „parago“ steht und damit im Gegensatz zu obiger Behauptung – das Schema + | „Sohnesname“, der Sohn des „Vatersname“ (wie bei Jakobus und Levi) zu stehen. + br + | Doch steht – das griechische Original wörtlich übersetzt – folgendes da: + br + q.bibeltext + | Und sie kommen nach Jericho. + br + | Und als er herausging aus Jericho und seine Jünger und eine zahlreiche Menge, + br + | sah der Sohn des Timaios, Bartimaios, ein blinder Bettler, am Weg. + span.bibelstelle Mk 10,46 + ul.card-text + li + | Damit begegnet gerade nich das oben erwähnte Schema. + br + | Außerdem ist „huios timaiou“ („Sohn des Timäus“) die genaue Übersetzung von „Bartimaios“. + br + | Auch wenn die Formulierung hier mit obigem Schema verwandt ist, wird doch eher der Name der gleichen Person + | zweimal hintereinander erwähnt: einmal in griechischer Übersetzung, einmal der jüdische Name selbst. + br + | Dies entspricht auffallend dem, dass Bartimäus zweimal rufen muss, bis Jesus sich ihm zuwendet, + br + | und dass von den Begleitern Jesu zwei unterschiedliche Verhaltensweisen erzählt werden: zunächst die zurückdrängend-niederdrückende + | Aktion, die Bartimäus zum Schweigen bringen will, dann aber – nach Jesu Intervention – die einladend-herrufende Aktion. + li + | Die doppelte, zweisprachige Namensnennnung verbindet Bartimäus aber auch mit den vier Erstberufenen, von denen zwei griechische und zwei semitische Namen tragen, + | wie auch mit Levi, der zwar Jude ist, durch seinen Beruf aber in gewisser Weise Heide. + br + | Damit verbindet sind Bartimäus tatsächlich gerade mit jenen Berufungserzählungen, die oben in Blick kamen, + | bei denen ein Vorübergang des Herrn ausdrücklich erzählt wird. + li + | Stellt man sich die Ereignisfolge vor dem geistigen Auge vor, Jesus mit seiner Gefolgschaft aus Jericho ausziehend + | und Bartimäus am Weg sitzend, dann sieht man tatsächlich ein Vorübergehen Jesu, aber – und das ist ein wichtiger Unterschied – + | nicht nur Jesu sondern auch der Vielen, die im Laufe der Erzählung eine wichtige Rolle spielen und in ihrem Verhalten gleichsam „umswitchen“. + br + | Auffälligist, dass Jesus Jericho betritt ohne dass es dort etwas gibt, das es zu erzählen gäbe. + br + | Jesus scheint Jericho nur zu betreten, um es gleich wieder zu verlassen; und die erzählten Ereignisse spielen + | beim Herausgehen aus Jericho am Weg. Damit könnte ganz gezielt auf den Exodus (Ex-hodos; Heraus-Weg!) aus Ägypten angespielt sein – + | was unterstreicht, dass das einen Vorübergang Jesu (9n Aufnahme der Exodus-Tradition) sehende geistige Auge recht hat. + li + | Hinzu kommt, dass in der Erzählung das zweimalige Schreien des Bartimäus eine zentrale Rolle spielt, + | wie auch in der oben zitierten Berufung des Mose: + br + q.bibeltext + | Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen und sein Geschrei wegen seiner Antreiber habe ich gehört. + br + | Ich kenne sein Leid. + span.bibelstelle Ex 3,7 + span.small  (relevante Stelle nach Elberfelder Bibel korrigiert) + br + | In der Erzählung wird auch ein Hören erzählt, allerdings nicht Jesu, sondern des Bartimäus („dass es Jesus von Nazaret ist“); + br + | dabei ist das Hören Jesu aber implizit vorausgesetzt, da er stehen bleibt und so die Heilung des Bartimäus in Gang kommt. + br + | Sein Hören ist genauso implizit erzählt wie sein Vorbeigehen – und damit die beiden relevanten Motive aus den + | zugezogenen Stellen zum Exodus. + br + | Das Stehenbleiben Jesu ist dabei einerseits der Gegensatz zum Vorübergehen, der letzteres implizit vergegenwärtigt, + | andererseits Folge seines Hörens, das ebenso implizit vergegenwärtigt wird. + br + | Während also bei den Erstberufenen und Levi das Sehen Jesu explizit erzählt wird, wird das Hören Jesu implizit vorausgesetzt; + br + | beides begegnet zusammen in der Berufung des Mose im Hinblick auf Gottes Sehen und Hören des Leids seines Volkes. + br + | Das Herabsteigen Gottes zur Rettung seines Volkes verbindet sich dabei mit der Aussage Jesu über den Menschensohn + | unmittelbar vor der Begegnung mit Bartimäus: „... Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, + | sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.“ (Mk 10,45) + br + | Die Vielen in der Erzählung missachten genau dies zunächst, folgen dann aber – nach der Intervention Jesu – genau in diesem Sinne. + li + | Während sich Jesus den vier Erstberufenen und Levi direkt zuwendet, nimmt er hier die Vielen in Dienst: + | er lässt Bartimäus durch sie herbeirufen, und sie tun dies – sie sind wie ausgewechselt. + br + | Sie handeln nun im Sinne des Herabsteigens Gottes bzw. des Menschensohnes nach Mk 10,45, im Sinne der Zuwendung, des Herabbeugens zu den Leidenden. + li + | Heilung des Bartimäus ist keine Berufungserzählung im eigentlichen Sinn. Und dennoch hat sie Berührungspunkte: + ul.card-text + li + | Bartimäus wird nicht in die Nachfolge gerufen, doch die Erzählung endet damit, dass er Jesus „nachfolgte auf seinem Weg“, + br + | ganz analog wie die vier Erstberufenen und Levi; + br + | hier jedoch – den Meta-Teil „Auf dem Weg“ abschließend mit einem besonderen Aktzent auf dem „Weg“, + | den Jesus nun – wir stehen unmittelbar vor dem Einzug in Jerusalem – sehr bald als Kreuz-Weg gegehen wird. + li + | Während sonst ein Mann – 2x Jesus, 1x Simon von Kyrene – an einem oder wenigen vorübergeht, + br + | gehen hier viele an einem Mann vorüber. + br + | Dies Vielen werden von Jesus in Dienst genommen und dazu gewandelt; + br + | neben der Heilung des blinden Bettlers Bartimäus ist dies ein zentraler Zug der Erzählung. + li + | Bartimäus kann (wieder) sehen: gemeint ist damit vor allem die Bedeutung und Sinnhaftigkeit des Kreuz-Weges Jesu. + br + | Auch den Vielen gehen in diesem Sinne die Augen auf, als Jesus interveniert: sie sind es im eigentlichen Sinne, + | die von ihrer Blindheit geheilt werden und nun – als Sehende – wie Bartimäus Jesus nachfolgen, indem sie sich dem blinden Bettler + | am Weg zuwenden. + li + | Bartimäus wird sitzend angetroffen und soll – weil Jesus sich ihm zuwenden will – aufstehen; er springt schließlich auf, + | auf Jesus zu, und wird von diesem geheilt. Analogien zur Auferstehung Jesu sind gegeben, und doch anders als bei Levi, + | eher wie bei der Schwiegermutter des Petrus. + br + | Bei Bartimäus scheint es – gerade weil die Vielen zu seiner Heilung in Dienst genommen werden – eher um die ethische Zuwendung + | mit soteriologischer Dimension zu gehen als um das soteriologische Handeln Jesu selbst, + br + | um Nachfolge der Vielen auf der Grundlage der soteriologischen Tat des Einen, Jesus. + li + | Wie die vier Erstberufenen Netz und Betrieb zurücklassen, wie Levi den Zoll zurücklässt, + br + | so lässt Bartimäus seinen Mantel zurück: er wirft ihn ab als Zeichen des Aufbruchs in eine neue Existenz. + li + | Insgesamt zeigt sich, dass die Heilung des blinden Bettlers Bartimäus sehr vielschichtig ist, + br + | durchaus mit den Berufungserzählungen verwandt und mit dem Vater-Sohn-Schema spielend, und doch anders. + br + | Motive des Exodus spielen sicher eine Rolle, und sind doch anders eingetragen. + br + | Schließlich geht es nicht um den Einen, der vorübergeht, nicht um den „Vorübergang“ des Herrn“, + | sondern um den „Vorübergang der Vielen“, die nicht in einem negativen Sinne achtlos vorübergehen sollen, jemanden sogar noch schelten, + | sondern die – um dem „Vorübergang des Herrn“ nachzufolgen – wie Jesus stehen bleiben müssen, um sich dem Notleidenden heilvoll zuzuwenden. //- .small