diff --git a/views/nt/ev/mk/getauft/reinigen.pug b/views/nt/ev/mk/getauft/reinigen.pug
index b0d9151..09cee2c 100644
--- a/views/nt/ev/mk/getauft/reinigen.pug
+++ b/views/nt/ev/mk/getauft/reinigen.pug
@@ -506,6 +506,8 @@ block content
| Der Evangelist macht auch deutlich:
br
| Das Wunderbare, das über Jesus erzählt wird, zieht die Menschen an, weil sie daran teilhaben wollen.
+ li
+ | Durch seine – wenn auch eigentlich verbotene – Verkündigungstätigkeit erweist sich der Geheilte als „Menschenfischer“.
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@@ -535,7 +537,7 @@ block content
| Es findet ein „Austausch“ statt (im Tod am Kreuz)
tr
td.card-text
- | Jesus verlässt den „einsamen Ort“ und zieht verkündigend durch „ganz Galiläa“
+ | Jesus verlässt den „einsamen Ort“, nicht aber um sich zurückholen zu lassen; er zieht vielmehr verkündigend durch „ganz Galiläa“
td.card-text
| Der Geheilte verkündet, was Jesus an „einsame Orte“ treibt;
br
@@ -553,7 +555,8 @@ block content
| einmal geht Jesus zu den Menschen in weitem Umfeld („ganz Galiläa“), einmal kommen die Menschen aus weitem Umfeld („von überallher“) zu ihm.
li
| Während in Mk 1,35-39 Petrus Jesus in die Einsamkeit verfolgt, weil er ihn von dort „zurückholen“ will – das „Ärgernis des Kreuzes“ beseitigen will –,
- | kommen die Menschen in Mk 1,40-45 „von überallher“ (→ Juden und Völkerwelt!) zu Jesus in die „Einsamkeit“, weil sie das „Ärgernis des Kreuzes“
+ | ist es in Mk 1,40-45 die diesen heilende Begegnung mit dem Aussätzigen, die Jesus im Ergebnis in die „Einsamkeit“ treibt; und es
+ | kommen Menschen „von überallher“ (→ Juden und Völkerwelt!) zu Jesus in die „Einsamkeit“, weil sie das „Ärgernis des Kreuzes“
| positiv anzieht: im Tod Jesu am Kreuz sehen sie ihre Chance auf Heil, wie es der „Aussätzige“ erlebt hat.
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@@ -630,7 +633,7 @@ block content
| im Sinne einer Teilhabe an der Auferstehung Jesu – wie etwa bei der Aufrichtung der Schwiegermutter des Petrus –,
| die alle ohne ein sich auf das Wunder beziehendes Schweigegebot erzählt werden,
br
- | sondern um den „Austausch“ Jesu, den er mit dem Kranken vollzieht und der anschaulich bebildert wird.
+ | sondern um den „Austausch“ Jesu, den er mit dem Kranken vollzieht und der anschaulich bebildert wird.
li
| Gemeinsam ist den Dämonenaustreibungen und dem „Austausch“ mit dem „Aussätzigen“
| die Verbindung des Wunders nicht mit der Auferstehung, sondern mit dem Tod Jesu am Kreuz:
@@ -638,11 +641,23 @@ block content
| den Dämonen geht Jesus mit seinem Tod am Kreuz ins „Verderben“ voraus;
br
| mit dem „Aussätzigen“ findet im Tod am Kreuz ein „Austausch“ statt.
+ li.small
+ | Auch etwa bei der Heilung der Schwiegermutter des Petrus oder den Massenheilungen in Mk 1,32-34 war zwar deutlich,
+ | dass es Jesu Tod am Kreuz ist, der die Ursache der Heilung ist;
+ br
+ | aber es überwog doch die Parallele zwischen Jesu Auferwechung („darum hat ihn Gott über alle erhöht“)
+ | und der Aufrichtung/Heilung der Menschen.
+ br
+ | Hier dagegen gibt es gerade keine Parallele zwischen der Heilung des „Aussätzigen“ und Jesu Auferstehung, auch wenn jene am Ende angedeutet ist;
+ | vielmehr ist der „Austausch“ die einzig mögliche Deutekategorie.
+ br
+ | Freilich ist das Thema „Austausch“ schon gegenwärtig gewesen, wo Gal 3,10-14 bzw. Gal 4,4-6 im Hintergrund präsent war;
+ | explizit ist es aber er hier in einer Erzählung umgesetzt.
li
| So kann das hier vorhandene Schweigegebot als Signal verstanden werden:
ol.card-text
li
- | in die in Mk 1,21-28 mit dem Schweigegebot korrelierende inhaltlich nicht direkt bestimmte „Lehre Jesu“ ergänzend
+ | in die in Mk 1,21-28 mit dem Schweigegebot korrelierende inhaltlich nicht direkt bestimmte „Lehre Jesu“ ergänzend
| diese Deutung des Todes Jesu als „Austausch“ einzutragen;
li
| kommende Erzählungen mit Schweigegeboten im Hinblick auf Wunder (im Unterschied zu Schweigegeboten im Hinblick auf die Person Jesu)
@@ -833,10 +848,12 @@ block content
br
| und wir so durch den Glauben den verheißenen Geist empfangen.
li
- | Der „Segen für die Völker“ (→ Gen 12,3) in Verbindung mit dem Freikauf vom (Fluch des) Gesetz(es) war in der vorhergehenden Erzählung Thema;
+ | Der „Segen für die Völker“ (→ Gen 12,3) in Verbindung mit dem Freikauf vom (Fluch des) Gesetz(es) war besonders in der vorhergehenden Erzählung Thema
+ | (ist aber auch hier präsent, s. u.);
br
| jetzt geht es um den Freikauf als solchen – das stellvertretende Tragen des Fluches – und es kommen daher
- | – als jene, „die unter dem Gesetz stehen“ (→ Gal 4,5) – besonders die Juden in den Blick.
+ | – als jene, „die unter dem Gesetz stehen“ (→ Gal 4,5) – besonders die Juden in den Blick; die Erzählung ist aber –
+ | wie auch die Ausführungen des Paulus im Galaterbrief – generell zu verstehen.
li
| Insofern Gal 4,4-5 das Thema „Sohn Gottes“ bzw. „Sohnschaft“ in die Heilung des „Aussätzigen“ einträgt,
br
@@ -844,6 +861,21 @@ block content
| der konzentrischen Gliederung:
br
| der „Aussätzige“ wird durch den „Austausch“ mit Jesus zu einem Sohn Gottes, wie die Söhne des Zebedäus durch ihre Nachfolge zu Söhnen Gottes werden.
+ li
+ | Der „Austausch“ im Sinne von „dem Gesetz unterstellt“ – „vom Fluch des Gesetzes freigekauft“ begegnet sowohl in der Erzählung von der Heilung des Aussätzigen
+ | selbst, als auch im Verhältnis Mitte und unteres Ende der konzentrischen Gliederung: während Jesus „dem Gesetz unterstellt“ ist,
+ | sind neben dem Aussätzigen auch die Jünger davon befreit: ihr Netz ist zerrissen (– sie müssen nun aber auch aufhören, es zu flicken, s. u.).
+ li
+ | Im der Verbindung Mitte und unteres Ende der konzentrischen Gliederung ist auch der „Segen für die Völker“ (im Sinne von alle Völker, Juden und Heiden verbindend)
+ | gegenwärtig:
+ ul.card-text
+ li
+ | Die Namen der Apostel vergegenwärtigen Griechen (Simon, Andreas) und Juden (Jakobus, Johannes).
+ li
+ | Die Leute kommen „von überallher“ zu Jesus in die „Einsamkeit“.
+ li
+ | Die Erzählung der Heilung des „Aussätzigen“ macht – mit Gesetzesthematik und „Austausch“ (Freikauf vom Fluch des Gesetzes im Kreuz!) –
+ | sowohl Gal 4,4-5 als auch Gal 4,10-14 gegenwärtig; letztere Stelle (s. o.) nennt den „Segen für die Völker“ als Folge und Ziel des Freikaufes vom Fluch des Gesetzes.
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@@ -902,8 +934,11 @@ block content
.card.slide.border-primary.mb-3
.card-body
h5.card-title
+ | Die Söhne des Zebedäus und der Philipperhymnus – Der „Aussätzige“ und das Vierte Lied vom Gottesknecht
+ h6.card-subtitle.text-muted
+ | „Auf, mir nach!“ – in den (ethischen) Austausch zugunsten der Menschen
+ br
| „Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg bahnen wird“ II
- h6.card-subtitle.text-muted Der Philipperhymnus in seinem Kontext und seine Bezüge zur vorliegenden konzentrischen Gliederung
hr
p.card-text
| In der Mitte der konzentrischen Gliederung steht die Berufung der ersten Jünger mit dem Ruf Jesu: „Kommt her, mir nach!“.
@@ -921,10 +956,6 @@ block content
| Jedensmal geht es um Nachfolge, um das Beispiel Jesu, dem es nachzueifern gilt:
br
i Jesus ist der Bote Gottes vor den Jüngern her, der ihren weiteren Weg verbindlich bestimmt.
- p.card-text
- | Davon angeleitet, entdeckt man gerade in dieser konzentrischen Gliederung viele Bezüge,
- | die sich mit dem Philipperhymnus in Verbindung bringen lassen.
-
p.card-text
q.bibeltext
| 6 Er war Gott gleich, hielt es aber nicht als einen Raub fest, Gott gleich zu sein,
@@ -941,563 +972,426 @@ block content
br
| 11 und jede Zunge bekennt: Jesus Christus ist der Herr zur Ehre Gottes, des Vaters.
span.bibelstelle Phil 2,6-11
-
p.card-text
- | Wie die folgenden Ausführungen belegen, steht die ganze konzentrische Gliederung in besonderer Weise in Verbindung
- | mit dem Philipperhymnus und dessen Kontext
- | und soll in Zusammenhang mit diesem gelesen werden im Sinne einer Vergegenwärtigung, Bebilderung
- | und Anwendung dieses Hymnus analog zu seiner Verwendung im Brief des Paulus an die Philipper.
+ | Am unteren Ende der konzentrischen Gliederung ist mit der Heilung des „Aussätzigen“ das Vierte Lied vom Gottesknecht präsent;
+ | beide Hymnen/Lieder sind aufeinander zu beziehen.
- .card.slide.border-secondary.mb-2
+
+ .card.slide.border-secondary.mb-1
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- h5.card-title
- q
- | Er war Gott gleich, hielt es aber nicht als einen Raub fest, Gott gleich zu sein,
- br
- | sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich.
- br
- | ... er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod,
- br
- | bis zum Tod am Kreuz
- h6.card-subtitle.text-muted
- | Oberes und unteres Ende der konzentrischen Gliederung
- br
- | in Verbindung mit der Berufung der Söhne des Zebedäus in der Mitte der konzentrischen Gliederung
+ h5.card-title Parallelen im Handeln Jesu nach dem Philipperhymnus und bei der Heilung des „Aussätzigen“ vor dem Hintergrund des Vierten Liedes vom Gottesknecht
+ h6.card-subtitle.text-muted Jesus, Sohn (eines) Gottes, erniedrigt sich und „tauscht“ mit einem „Letzten“
hr
- .card.slide.border-secondary.mb-1
- .card-body
- h5.card-title Philipperhymnus und Heilung des „Aussätzigen“
- h6.card-subtitle.text-muted Jesus, Sohn (eines) Gottes, erniedrigt sich und „tauscht“ mit einem „Letzten“
- hr
+ ul.card-text
+ li
+ | Der Philipperhymnus besingt, wie der Gottgleiche die Position tauscht:
+ br
+ | aus der himmlischen Herrlichkeit heraus in die Erniedrigung bis zum schmachvollen Tod am Kreuz;
+ br
+ | von weiter oben als der Gottgleichheit kann man nicht kommen, tiefer als zum Tod am Kreuz – vorgestellt auch als äußerste Gottferne – kann man nicht sinken:
+ br
+ | Jener, der eigentlich – qua Gottgleichheit – „Erster“ ist, wird zum „Letzten“.
+ li
+ | In Analogie dazu erzählt die Heilung des Aussätzigen, dass Jesus, Sohn (eines) Gottes – Titel des „Ersten“ in der römischen Gesellschaft –,
+ | mit einem „Aussätzigen“ einen „Austausch“ vollzieht, von einem Gesunden zu einem „Kranken“ wird,
+ | um den Kranken gesund zu machen (→ „er hat unsere Krankheit getragen“);
+ br
+ | durch „Aussätzigsein“ aber gehört man zu den „Letzten“ der Gesellschaft,
+ br
+ | und Ort des „Austausches“ ist der Tod am Kreuz (s. o.).
+ li
+ | Während in der Heilung des „Aussätzigen“ der „Austausch“ konstitutiv ist,
+ | enthält der Philipperhymnus nicht explizit den Gedanken, dass die Entäußerung und Erniedrigung des Gottgleichen zugunsten eines anderen geschieht, also um jemand anderen zu beschenken bzw. aufzurichten;
+ br
+ | der Hymnus geht vielmehr zur Erhöhung des sich selbst erniedrigt habenden durch Gott über.
+ li
+ | Allerdings zeigt der Kontext des Hymnus im Philipperbrief, dass Paulus den Hymnus der Erniedrigung des Gottgleichen und seine darauffolgende Erhöhung
+ | in seinen Brief aufnimmt, um damit ein Verhalten der Gemeinde zugunsten anderer zu motivieren, bei dem der Gedanke „Erniedrigung zur Erhöhung anderer“ eine Rolle spielt
+ | und er also den Hymnus im diesem Sinne versteht:
+ br
+ q.bibeltext
+ | In Demut schätze einer den anderen höher ein als sich selbst.
+ br
+ | Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auch auf das der anderen.
+ span.bibelstelle Phil 2,3a.4
+ li
+ | Mit „Entäußerung“/„erniedrigen“, „gehorsam“ und „Tod am Kreuz“ enthält der Hymnus aber schon selber Begriffe, die eine soteriologische Bedeutung der Erniedrigung des Gottgleichen andeuten bzw. beinhalten:
ul.card-text
li
- | Der Philipperhymnus besingt, wie der Gottgleiche die Position tauscht:
- br
- | aus der himmlischen Herrlichkeit heraus in die Erniedrigung bis zum schmachvollen Tod am Kreuz;
- br
- | von weiter oben als der Gottgleichheit kann man nicht kommen, tiefer als zum Tod am Kreuz – vorgestellt auch als äußerste Gottferne – kann man nicht sinken:
- br
- | Jener, der eigentlich – qua Gottgleichheit – „Erster“ ist, wird zum „Letzten“.
- li
- | In Analogie dazu erzählt die Heilung des Aussätzigen, dass Jesus, Sohn (eines) Gottes – Titel des „Ersten“ in der römischen Gesellschaft –,
- | mit einem „Aussätzigen“ einen „Austausch“ vollzieht, von einem Gesunden zu einem „Kranken“ wird,
- | um den Kranken gesund zu machen (→ „er hat unsere Krankheit getragen“);
- br
- | durch „Aussätzigsein“ aber gehört man zu den „Letzten“ der Gesellschaft,
- br
- | und Ort des „Austausches“ ist der Tod am Kreuz (s. o.).
- li
- | Während in der Heilung des „Aussätzigen“ der „Austausch“ konstitutiv ist,
- | enthält der Philipperhymnus nicht explizit den Gedanken, dass die Entäußerung und Erniedrigung des Gottgleichen zugunsten eines anderen geschieht, also um jemand anderen zu beschenken bzw. aufzurichten;
- br
- | der Hymnus geht vielmehr zur Erhöhung des sich selbst erniedrigt habenden durch Gott über.
- li
- | Allerdings zeigt der Kontext des Hymnus im Philipperbrief, dass Paulus den Hymnus der Erniedrigung des Gottgleichen und seine darauffolgende Erhöhung
- | in seinen Brief aufnimmt, um damit ein Verhalten der Gemeinde zugunsten anderer zu motivieren, bei dem der Gedanke „Erniedrigung zur Erhöhung anderer“ eine Rolle spielt
- | und er also den Hymnus im diesem Sinne versteht:
+ | In der Adam-Christus-Parallele in Röm 5,12-21 wird dem Gehorsam Christi eine soteriologische Funktion beigemessen:
br
q.bibeltext
- | In Demut schätze einer den anderen höher ein als sich selbst.
+ | Wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die vielen zu Sündern gemacht worden sind,
br
- | Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auch auf das der anderen.
- span.bibelstelle Phil 2,3a.4
+ | so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen zu Gerechten gemacht werden.
+ span.bibelstelle Röm 5,19
+ br
+ | Man beachte, dass die Formulierung in Röm 5,19b eine gewisse Nähe zu
+ span.bibelstelle Jes 53,11b
+ | hat, die schon mehrfach im Hintergrund der markinishen Kompositionen entdeckt wurde:
+ br
+ q.bibeltext
+ | Mein Knecht, der gerechte, macht die Vielen gerecht;
+ br
+ | er lädt ihre Schuld auf sich.
+ br
+ | Bezieht man – was sicher im Sinne des Paulus ist – den „Gehorsam“ in Röm 5,19 auf die Gehorsamstat
+ | des Todes am Kreuz (wie es auch dem Philipperhymnus entsprechen würde), dann hat der Gehorsam Jesu „stellvertretende Wirkung“;
+ br
+ | wir sind sehr nahe am Motiv des „Austausches“, das das Vierte Lied des Gottesknechtes bei Jesaja durchzieht.
+ br
+ | Zu beachten ist auch, dass bestimmte Züge dieses Liedes sich mit dem Motiv des bei Jesus besungengen „Gehorsam bis zum Tod am Kreuz“
+ | verbinden können:
+ br
+ q.bibeltext
+ | Er wurde bedrängt und misshandelt, aber er tat seinen Mund nicht auf.
+ br
+ | Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt, und wie ein Shaf vor seinen Scherern verstummt, so tat auch er seinen Mund nicht auf.
+ span.bibelstelle Jes 53,7
li
- | Mit „Entäußerung“, „gehorsam“ und „Tod am Kreuz“ enthält der Hymnus aber schon selber Begriffe, die eine soteriologische Bedeutung der Erniedrigung des Gottgleichen andeuten bzw. beinhalten:
+ | Der Gedanke der „Entäußerung“ („Entleerung“) begegnet in
+ span.bibelstelle 2 Kor 8,9
+ | im Sinne eines „Austausches“:
+ br
+ q.bibeltext
+ | Denn ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus:
+ br
+ | Er, der reich war, wurde euretwegen arm, um euch durch seine Armut reich zu machen.
+ br
+ | Paulus will damit die Korinther zur Kollekte für Jerusalem motivieren.
+ br
+ | Markus greift 2 Kor 8,9 in
+ span.bibelstelle Mk 10,21
+ | auf, stimmig verknüpft mit dem Gedanken der Nachfolge:
+ q.bibeltext
+ | Da sah Jesus ihn (= den reichen Mann) an, umarmte ihn uns sagte:
+ br
+ | Eines fehlt dir noch:
+ br
+ i Geh, verkaufe, was du hast, gib es den Armen
+ br
+ | und du wirst einen Schatz im Himmel haben;
+ br
+ | dann komm und folge mir nach!
+ li
+ | Das Motiv Erniedrigen/Dienen – wieder mit dem Gedanken der Nachfolge – begegnet in
+ span.bibelstelle Mk 10,42-45
+ | – in der Gesamtgliederung genau gegenüber zur Thematik Reichtum! –:
+ br
+ q.bibeltext
+ | 42 ... Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und ihre Großen ihre Macht gegen sie gebrauchen.
+ br
+ | 43 Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein,
+ br
+ | 44 und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein.
+ br
+ | 45 Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.
+ br
+ | Sicher ist hier nicht ein Austausch erzählt – es geht ja nicht darum, dass die Machtlosen Mächtige werden –, wohl aber ein damit verwandter Positionstausch:
+ br
+ | Der Menschensohn – dieser Titel assoziiert Macht und Herrschaft – wird zum Diener, zum Sklaven.
+ br
+ | Die Wendung „Lösegeld für viele“ wiederum fügt sich in das Motiv „Austausch“ perfekt ein.
+ br
+ | Ferner begegnet wieder der Ausdruck „für viele“ (→ Jes 53,11b; Röm 5,19).
+ br
+ | Der Ausdruck „Sklave“ ist Mk 10,45 und dem Philipperhymnus (Phil 2,7!) gemeinsam.
+ li
+ | Bestimmte Züge des Philipperhymnus dürften sich direkt dem Vierten Gottesknechtslied verdanken.
ul.card-text
li
- | In der Adam-Christus-Parallele in Röm 5,12-21 wird dem Gehorsam Christi eine soteriologische Funktion beigemessen:
+ | Dies gilt besonders für die eigentümliche Formulierung „bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz“ im Philipperhymnus.
+ br
+ | Dass „bis zum Tod am Kreuz“ nachklappt – wobei damit auch eine besondere Betonung auf ihm liegt –,
+ | wird oftmals als Indiz dafür gesehen, dass es sich um eine paulinishe Ergänzung handelt,
+ | weil er viel Wert auf den Tod Jesu am Kreuz legt, der Tod am Kreuz in der gesamten paulinischen Tradition „Ort des Heiles“ ist.
+ br
+ | Allerdings könnte auch
+ span.bibelstelle Jes 53,12a
+ | im Hintergrund stehen:
+ q.bibeltext
+ | ... er sein Leben dem Tod preisgab und sich unter die Abtrünnigen rechnen ließ.
+ br
+ | Der Tod am Kreuz lässt sich als Tod der Abtrünnigen/Verbrecher sehr gut mit dem Satzteil „sich unter die Abtrünnigen rechnen ließ“ verbinden.
+ br
+ | Damit ergeben sich folgende Entsprechungen:
+ table.table.table-sm
+ tbody
+ tr
+ td sein Leben dem Tod preisgab
+ td bis zum Tod
+ tr
+ td sich unter die Abtrünnigen rechnen ließ
+ td bis zum Tod am Kreuz
+
+ li
+ | Auffällig ist, dass im Vierten Gottesknechtslied der stellvertretende Tod – analog zum Tod am Kreuz im Philipperhymnus – Grund für die Erhöhung ist:
br
q.bibeltext
- | Wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die vielen zu Sündern gemacht worden sind,
+ | Deshalb gehe ich ihm Anteil unter den Großen und mit den Mächtigen teilt er die Beute,
br
- | so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen zu Gerechten gemacht werden.
- span.bibelstelle Röm 5,19
- li
- | Der Gedanke der „Entäußerung“ („Entleerung“) begegnet in
- span.bibelstelle 2 Kor 8,9
- | im Sinne eines „Austausches“:
+ | weil er sein Leben dem Tod preisgab und sich unter die Abtrünnigen rechnen ließ.
+ span.bibelstelle Jes 53,12a-b
br
q.bibeltext
- | Denn ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus:
+ | ... bis Tod, bis zum Tod am Kreuz.
br
- | Er, der reich war, wurde euretwegen arm, um euch durch seine Armut reich zu machen.
- br
- | Paulus will damit die Korinther zur Kollekte für Jerusalem motivieren.
- br
- span.small
- | Dieser Vers steht auch im Hintergrund von Mk 10,21!
+ | Darum hat ihn Gott über alle erhöht ...
+ span.bibelstelle Phil 2,8-9*
li
- | Der „Tod am Kreuz“ ist in der gesamten paulinischen Tradition „Ort des Heiles“.
- br
- | Im Philipperhymnus klappt diese Wendung nach und ist daher betont, sicher in einem soteriologischen Sinne.
- br
- ul.card-text.small
- li
- | Vielleicht hängt die auffällige Doppelung „bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz“ mit dem Vierten Lied vom Gottesknecht des Jesaja zusammen;
- br
- | dort findet sich die Aussage „... er sein Leben dem Tod preisgab und sich unter die Abtrünnigen rechnen ließ“ (Jes 53,12a):
- br
- | der Tod am Kreuz lässt sich als Tod der Abtrünnigen/Verbrecher sehr gut mit dem Satzteil „sich unter die Abtrünnigen rechnen ließ“ verbinden.
- li
- | Auffällig ist, dass im Vierten Gottesknechtslied der stellvertretende Tod – analog zum Tod am Kreuz im Philipperhymnus – Grund für die Erhöhung ist:
- br
- q.bibeltext
- | Deshalb gehe ich ihm Anteil unter den Großen und mit den Mächtigen teilt er die Beute,
- br
- | weil er sein Leben dem Tod preisgab und sich unter die Abtrünnigen rechnen ließ.
- span.bibelstelle Jes 53,12a-b
- li
- | Wahrscheinlich speist sich also der Philipperhymnus aus dem Vierten Gottesknechtslied.
- li
- | Das Vierte Lied vom Gottesknecht, das mit der Aussage „Er hat unsere Krankheit getragen“ (Jes 53,4a) auch Pate für die Erzählung von der
- | Heilung des „Ausätzigen“ stand, ist generell vom „Austausch“ geprägt, so auch das Sich-unter-die-Abtrünnigen-rechnen-Lassen im Sinne des
- | „Mein Knecht, der gerechte, macht die Vielen gerecht; er lädt ihre Schuld auf sich. ... Er hob die Sünden der Vielen auf und trat für die Abtrünnigen ein“ (Jes 53,11d.12c).
- br
- | Daher ist es wahrscheinlich, dass Entleerung und Erniedrigung des Gottgleichen „bis zum Tod am Kreuz“ analog im Sinne eines „Austausches“ zu verstehen sind:
- br
- | um den Menschen, der in die Tiefe der Gottferne gefallen war, aus dieser Gottferne zu erlösen – ihn mit Gottes Gnade zu beschenken und ihn aufzurichten –, ist der Gottgleiche in die Tiefe der Gottferne – den Tod am Kreuz – hinabgestiegen.
- li
- | Der Hymnus weist im Vergleich zum Gottesknechtslied eine doppelte Radikalisierung auf:
- br
- | Der „Austausch“ geschieht auf Seiten des Erlösers als Entleerung und Erniedrigung von der höchsten Stelle – der Gottgleichheit – herab in die tiefste Tiefe der Gottferne des Tod am Kreuz,
- br
- | und die Erhöhung stellt nicht in die Gemeinschaft der „Großen und Mächtigen“, sondern verleiht „den Namen, der größer ist als alle Namen“.
-
- li
- | Insgesamt wird man sagen können, dass die Heilung des „Aussätzigen“
- | genau das erzählt, was der Philipperhymnus bis zum soteriologisch verstandenen „Tod am Kreuz“ besingt, nur dass die Erzählung von Jes 53,4a her das Bild „gesund ↔ krank“ nutzt.
- br
- | Wie der Philipperhymnus vom Vierten Gottesknechtslied inspiriert ist, so auch die Heilung des „Aussätzigen“,
- | die aber im Kontext der konzentrischen Gliederung auch mit dem Philipperhymnus in Beziehung steht.
-
- //- li
- | In diese Analogie der Erniedrigung des Gottessohnes im Philipperhymnus und bei der Heilung des Aussätzigen
- | ist die Parallele im Handeln des Gottessohnes Jesus und der Söhne des Zebedäus einzubinden:
- br
- | Auf der soteriologischen Ebene gilt:
- br
- i Der Gesunde – Jesus – wird „krank“, damit der Kranke gesund wird.
- | – Dies führen die Söhne des Zebedäus weiter, indem sie künftig Menschen „reinigen“ und dabei diesen „Austausch“ Jesu vergegenwärtigen und zur Anwendung bringen.
- br
- | Dazu kommt aber, dass diese Reihung auf das zu übertragen ist,
- | was von den Söhnen des Zebedäus neben dem Netzreinigen (→ Ausgangspunkt für ihr späteres soteriologisches Handeln) noch erzählt wird;
- br
- | dabei ist vom „Austausch“ Jesu her auch dort ein „Austausch“ zu ergänzen auf der ethischen Ebene:
- br
- i Die Habenden verzichten, damit die, die nichts haben, etwas haben.
- br
- i Der Mächtigen werden zu Dienern, damit die, die Diener sind, bedient werden.
-
- .card.slide.border-secondary.mb-1
- .card-body
- h5.card-title Die Söhne des Zebedäus: Berufen zum Dienst am Menschen
- h6.card-subtitle.text-muted „Austausch“ in einem ethischen Sinne als Nachfolge Jesu
- hr
- ul.card-text
- li
- | Über das Stichwort „Sohn“/„Söhne“ sind die Söhne des Zebedäus (→ Mitte der konzentrischen Gliederung) mit dem „Sohn (eines) Gottes“ (→ oberes Ende der konzentrischen Gliederung) verbunden,
- br
- | über die sprachliche Ähnlichkeit „rein machen“/„Netze reinigen“ mit der Heilung des „Aussätzigen“ durch Jesus (→ unteres Ende der konzentrischen Gliederung).
- li
- | Wie die Söhne des Zebedäus ihren Vater verlassen und damit die Stellung als Söhne im väterlichen Betrieb aufgeben, um Jesus nachzufolgen,
- br
- | so hat der Gottgleiche seine himmlische Herrlichkeit und die damit verbundene Stellung dort verlassen:
- ul.card-text
+ i Wahrscheinlich speist sich also der Philipperhymnus aus dem Vierten Gottesknechtslied.
li
- | Der Eintritt in die Nachfolge Jesu bedeutet für die Söhne des Zebedäus, aus einer Welt des Habens auszubrechen:
+ | Das Vierte Lied vom Gottesknecht, das mit der Aussage „Er hat unsere Krankheit getragen“ (Jes 53,4a) auch Pate für die Erzählung von der
+ | Heilung des „Ausätzigen“ stand, ist generell vom „Austausch“ geprägt, so auch das Sich-unter-die-Abtrünnigen-rechnen-Lassen, denn es
+ | hat soteriologischen Gehalt:
+ q.bibeltext
+ | Mein Knecht, der gerechte, macht die Vielen gerecht; er lädt ihre Schuld auf sich. ... Er hob die Sünden der Vielen auf und trat für die Abtrünnigen ein
+ span.bibelstelle Jes 53,11d.12c
br
- | sie verlassen mit ihrem Vater auch den irdischen Besitz der Familie, der – so legen es die Tagelöhner nahe – nicht zu klein gewesen sein kann.
+ | Wenn sich aber der Philipperhymus wenigstens zum Teil aus dem Vierten Gottesknechtslied speist,
+ | dann ist das Motiv der Stellvertretung bzw. des Austausches, das das Vierte Gottesknechtslied prägt,
+ | auch auf den Philipperhymnus zu übertragen, selbst wenn dieses Motiv nicht explizit auftaucht;
br
- | Hier ist eine Analogie zum Gottessohn zu sehen, der seine himmlische Herrlichkeit verlassen,
- | sich entäußert hat.
+ | es ist über Verbindungen zum Vierten Gottesknechtslied (und weiter in christologischen Aussagen) doch da.
+ br
+ | Daher ist es wahrscheinlich, dass Entleerung und Erniedrigung des Gottgleichen „bis zum Tod am Kreuz“ im Hymnus analog im Sinne eines „Austausches“ zu verstehen sind:
+ br
+ i um den Menschen, der in die Tiefe der Gottferne gefallen war, aus dieser Gottferne zu erlösen – ihn mit Gottes Gnade zu beschenken und ihn aufzurichten –, ist der Gottgleiche in die Tiefe der Gottferne – den Tod am Kreuz – hinabgestiegen.
+ br
+ | Gerade deshalb konnte Paulus den Philipperhymnus in seinen Brief als Motivation zum gegenseitigen Dienen aufnehmen.
li
- | Und wie der Gottessohn durch seine Erniedrigung zum Diener, zum Sklaven wurde, gehorsam bis zum Tod am Kreuz,
+ | Der Hymnus weist im Vergleich zum Gottesknechtslied eine doppelte Radikalisierung auf:
br
- | so lassen sich die Jünger für die Sache Jesu in Dienst nehmen – angedeutet nicht zuletzt im Gehorsam gegenüber Jesus,
- | von dem sie sich ohne Umschweife in die Nachfolge rufen lassen.
- li
- | Während bei Simon und Andreas ihr Netzeauswerfen unmittelbar bei der Berufung mit der Bestimmung, „Menschenfischer“ zu werden, aufgegriffen wird,
- br
- | fehlt ein analoger Erzählzug bei Jakobus und Johannes, die gerade ihre Netze reinigen;
- br
- | dies wird hier indirekt nachgeholt, indem das Handeln Jesu am „Aussätzigen“ (→ „rein machen“) mit dem Handeln der Zebedäussöhne bei ihrer Berufung
- | (→ „Netze reinigen“) durch eine sprachliche Ähnlichkeit verbunden wird:
- br
- | sie, die einst „Netze gereinigt“ haben, werden künftig – in der Taufe – „Menschen reinigen“ und dabei den von
- | Christus vollzogenen „Austausch“ mit dem „Aussätzigen“ (= Sündern) im Tod am Kreuz vergegenwärtigen und zur Anwendung und Auswirkung bringen;
- br
- | so setzt sich in ihrem Wirken die Erlösung in Christus fort (s. o.).
- li
- | Weil das Thema „Austausch“ für die Erzählung von der Heilung des „Aussätzigen“ konstitutiv ist und
- | das Handeln Jesu mit dem der Zebedäussöhne verknüpft ist,
- | ist nahegelegt, dass das Thema „Austausch“ auch bei den Söhnen des Zebedäus eine Rolle spielen muss.
- li
- | Allerdings kommt es beim „Menschen reinigen“ – also der Taufe – nicht zu einem „Austausch“ der Jünger mit den Täuflingen (in dem Sinne, dass die Taufspender „unrein“ werden würden).
- br
- | Dadurch entsteht eine Spannung, die aufgelöst werden muss.
- //-
- li
- | Hier kann folgender Gedankengang helfen:
- br
- | Das „Rein machen“ des „Aussätzigen“ ist mit dem „Austausch“ Jesu mit dem „Aussätzigen“ (→ „er hat unsere Krankheit getragen“) identisch;
- br
- | damit wiederum ist – löst man die Bildsprache auf – identisch, was der Philipperhymnus vom Gottgleichen bis zum „Tod am Kreuz“ besingt;
- br
- | Entleerung und Erniedrigung des Gottgleichen im Philipperhymnus ist aber
- | analog von den Söhnen des Zebedäus erzählt, die ihren Vater und damit die Stellung im väterlichen Betrieb verlassen
- | und in den Dienst Jesu treten. – Genau damit lässt sich der Gedanke des „Austausches“ verbinden im Sinne der Nachfolge.
- //-
- Berufung der Jünger Heilung des Aussätzigen Nachfolge: Ergänzung eines Gegenüber
- SdZ reinigen Netze Jesus reinigt den Aussätzigen durch Austausch Jünger reinigen Menschen – ohne Austausch
- SdZ verlassen Vater Gottgleicher entleert und erniedrigt sich, Jünger tauschen mit den Letzten
- um den Menschen aus der Gottferne zu retten,
- also zu Gott zu erhöhen → Austausch
- br
- span.small
- | Verkürzt könnte man auch sagen:
+ | Der „Austausch“ geschieht auf Seiten des Erlösers als Entleerung und Erniedrigung von der höchsten Stelle – der Gottgleichheit – herab in die tiefste Tiefe der Gottferne des Tod am Kreuz,
br
- | Weil das Thema „Austausch“ bei der Heilung des „Aussätzigen“ zentral ist, dieses sich aber nicht mit der
- | Analogie „(Menschen) rein machen“ – „Netze reinigen“ verbinden lässt,
- br
- | ist in die Analogie zwischen Jesus und den Zebedäussöhnen das hineinzuholen, was von letzteren
- | neben dem Netzereinigen noch erzählt wird, nämlich das, womit sie auf den Ruf in die Nachfolge antworten
- | und womit sie dem Vorbild des Gottgleichen im Philipperhymnus folgen;
- br
- | vom „Austausch“ Jesu her ist dort ein „Austausch“ zu ergänzen.
- br
- | Oder, nochmal anders ausgedrückt:
- br
- | Der „Austausch“ Jesu mit dem „Aussätzigen“ bedeutet für die Jünger, dass sie nun – in der Taufe – „Menschen reinigen“ können von Schuld.
- br
- | Von dieser soteriologischen Ebene ist auf die ethische Ebene zu gehen, weil der „Austausch“ mit dem „Aussätzigen“ durch Jesus ein Bild ist
- | für seine Entäußerung und Erniedrigung zum Sklaven bis zum Tod am Kreuz; bei dieser Rückübertragung müssen die Söhne des Zebedäus
- | mitgenommen werden, also ist statt der Verbindung „Netze reinigen → Menschen reinigen“ das in Blick zu nehmen, was im Zuge des Eintritts in die Nachfolge
- | von ihnen auf der ethischen Ebene erzählt wird und womit sie dem Vorbild des Gottgleichen im Philipperhymnus folgen;
- | dort ist der „Austausch“ einzutragen.
- li
- | Schlüssel dazu ist die Erkenntnis der Analogie zwischen der Erzählung der Heilung des „Aussätzigen“ und dem
- | Philipperhymnus.
- br
- | Die Erzählung nutzt die Bildsprache „Krankheit“ aus dem Vierten Lied vom Gottesknecht des Jesaja,
- | um das Erlösungsgeschehen zu beschreiben: „er hat unsere Krankheit getragen“. Der „Austausch“, den Jesus vollzieht,
- | ist einzigartig, einmalig – die Jünger können ihn (in der Taufe) nur „anwenden“.
- br
- | Wechselt man nun von dieser Bildsprache „Krankheit“
- | in die sachlich indentischen Ausdruckskategorien des Philipperhymnus,
- | muss man die Söhne des Zebedäus „mitnehmen“:
- | Nun erscheint als verbindendes Element zwischen Jesus und den Söhnen des Zebedäus nicht „Netze reinigen → Menschen reinigen“,
- | sondern das Verlassen des hohen Status; dort lässt sich auch bei den Söhnen des Zebedäus ein „Austausch“ eintragen,
- | und dies soll der Leser tun.
- table.table.table-sm.mt-3
- thead
- tr
- th.card-text
- | Biblischer Text als Verstehensfokus
- th.card-text
- | Handeln Jesu
- th.card-text
- | Anknüpfungspunkt in der Erzählung von der Berufung der Zebedäussöhne
- th.card-text
- | Dienst der Jünger in der Nachfolge Jesu
- tbody
- tr
- td.card-text
- | Viertes Lied vom Gottesknecht
- br
- | → Bildebene
- td.card-text
- | „Rein machen“ des „Aussätzigen“ durch Vollzug eines „Austausches“ (im Tod am Kreuz):
- br
- | „er hat unsere Krankheit getragen“
- td.card-text
- | Die Söhne des Zebedäus reinigen ihre Netze
- td.card-text
- | Die Jünger „reinigen“ im Bad der Taufe Menschen
- br
- | → soteriologische Ebene
- tr
- td.card-text
- | Philipperhymnus
- br
- | → Sachebene
- td.card-text
- | Der Gottgleiche entäußert und erniedrigt sich bis zum Tod am Kreuz,
- | um den Menschen aus der Gottferne zu befreien
- br
- | → Sachlich identische Analogie zum „Austausch“ mit dem „Aussätzigen“
- td.card-text
- | Die Söhne des Zebedäus verlassen ihren Vater und damit die Stellung als Söhne im väterlichen Betrieb
- td.card-text
- | „Austausch“ auf ethischer Ebene
- li
- | Der Evangelist will also sagen:
- ul.card-text
- li
- | Wie Jesus bei der Heilung des Aussätzigen einen „Austausch“ vollzogen hat:
- br
- i Der Gesunde – Jesus – wird „krank“, damit der Kranke gesund wird.
- li
- | So sollen – auf die ethische Ebene übertragen – auch die Jünger einen „Austausch“ vollziehen:
- br
- i Die Habenden verzichten, damit die, die nichts haben, beschenkt werden.
- span.small (Vgl. Mk 10,21)
- br
- i Der Mächtigen werden zu Dienern, damit die, die niedergedrückt sind oder ausgenutzt werden, aufrichtend-befreiende Hilfe erfahren.
- span.small (Vgl. Mk 10,42-44)
- br
- | Denn gerade dies ist das Handeln des Gottessohnes nach dem Philipperhymnus, das für die Menschen Erlösung gebracht hat.
- span.small (Vgl. Mk 10,45)
- br
- span.small
- | Zugegeben: Bei Mächtige → Diener hinkt der „Austausch“ etwas; dies liegt aber daran,
- | dass keine neuen Mächtigen kreiert werden sollen, sondern eine Gemeinschaft von Dienern entstehen soll,
- | in der aber gerade „die ganz unten“, die „Letzten“, Hilfe erfahren, aufgerichtet werden und in diesem Sinne nicht „Letzte“ bleiben;
- br
- | wer sich aber zum Diener dieser „Letzten“ macht, der stellt sich auf die Stufe noch darunter, wird in diesem Sinne zum „Letzten der Letzten“,
- | so dass die „Letzten“ eine Stufe nach oben erhöht werden.
- li
- | Durch das Eintragen des „Austausches“ erhält das ethische Handeln der Zebedäus-Söhne bei ihrer Berufung ein menschliches Gegenüber, wie das soteriologische
- | Handeln Jesu und der Jünger schon immer ein Gegenüber hatte:
- br
- | Ihr Verzicht und ihr Gehorsam Jesus gegenüber geschieht nicht in ein „Nichts“ hinein, auch nicht primär um eines
- | himmlischen Lohnes willen, ihr Dienst in der Nachfolge Jesu ist kein (rein) spirituell-liturgischer Dienst;
- br
- i ihr Verzicht und ihr Dienst geschehen zugunsten eines menschlichen Gegenübers, mit dem es in gewisser Weise zu einem „Austausch“ kommt.
- br
- | Damit zielt Nachfolge auf die umfassende Verwandlung der Lebensumstände im Hier und Heute: der eigenen zugunten der von anderen
- | im Sinne einer Teilhabe an der „Neuheit des Lebens“ und des „Aufrichtens von Menschen“.
- li
- | In diesem Sinn bilden das „soteriologische Element“ (→ „Menschenfischer/-reiniger“) und das „ethische Element“ (→ Verzicht, Sich-in-Dienst-nehmen-Lassen)
- | von Nachfolge nicht nur eine unlösliche Einheit, es kann sogar von einem doppelten „soteriologischen Handeln“ der Jünger die Rede sein:
- ul.card-text
- li
- | Dass Jesus durch den „Austausch“ (= Tod am Kreuz) den „Aussätzigen“ rein gemacht hat,
- | ermächtigt und ruft sie, Menschen im Bad der Taufe rein zu machen.
- li
- | Aber auch ihr ethisches Handeln in der Nachfolge Jesu hat soteriologische Qualität,
- | insofern Menschen aus ihren schwierigen Lebensumständen befreit oder diese zumindest gelindert werden;
- br
- | dies aber in Analogie, nicht Identität, als indirekte Auswirkung durch analoges Handeln der Jünger,
- | nicht als Mitwirkung an der einmaligen Erlösertat Christi.
- li
- | Durch diese mehrdimensionale Nachfolge im Dienst an den Menschen werden die „Söhne des Zebedäus“ zu „Söhnen Gottes“.
+ | und die Erhöhung stellt nicht in die Gemeinschaft der „Großen und Mächtigen“, sondern verleiht „den Namen, der größer ist als alle Namen“.
+ li
+ | Insgesamt wird man sagen können, dass die Heilung des „Aussätzigen“
+ | genau das erzählt, was der Philipperhymnus bis zum soteriologisch verstandenen „Tod am Kreuz“ besingt, nur dass die Erzählung von Jes 53,4a her das Bild „gesund ↔ krank“ nutzt.
+ br
+ | Wie der Philipperhymnus vom Vierten Gottesknechtslied inspiriert ist, so auch die Heilung des „Aussätzigen“,
+ | die aber im Kontext der konzentrischen Gliederung auch mit dem Philipperhymnus in Beziehung steht.
- .card.slide.border-secondary.mb-2
- .card-body
- h5.card-title
- q
- | Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen ...
- br
- | damit alle ... unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu ...
- br
- | Jesus Christus ist der Herr zur Ehre Gottes, des Vaters.
- h6.card-subtitle.text-muted Die Taufe Jesu und die Massenheilungen mit Dämonenaustreibungen als gegenüberliegende Erzählungen der konzentrischen Gliederung
- hr
- ul.card-text
- li
- | Tod und Auferstehung Jesu, die in der Tauferzählung präsent sind, wirken sich aus:
- br
- | Die Menschen werden „gesund“, die Dämonen müssen weichen.
- br
- | → Jesus ist der Eine, der für die Vielen starb: „Mein Knecht, der gerechte, macht die Vielen gerecht; er lädt ihre Schuld auf sich.“ (Jes 53,11 b);
- br
- | dies verbindet sich mit der Übernahme des „Aussatzes“ des „Aussätzigen“, der dadurch gesund wird (→ unteres Ende der konzentrischen Gliederung).
- li
- | An dieser Tat Jesu hat Gott sein Wohlgefallen, wie es in der Taufszene ausgesprochen wird.
- li
- | In der Auferstehung (→ „als er aus dem Wasser stieg“) wird Jesus daher „dem Geist der Heiligkeit nach eingesetzt als Sohn Gottes in Macht“ (→ Röm 1,4);
- br
- | entsprechend wird Jesus von Gott angeredet: „Du bist mein geliebter Sohn“.
- br
- | Gegenüberliegend weichen die Dämonen, die wissen, wer Jesus ist.
- br
- | „Sohn (eines) Gottes“ (→ oberes Ende der konzentrischen Gliederung und Tauferzählung)
- | ist Kaisertitualtur im römischen Reich, der Titel des „Ersten“ im Reich;
- br
- | somit kann sich diese Sohnesbetitelung mit der Verleihung des Namens, „der größer ist als alle Namen“ verbinden.
- br
- span.small
- | Im Philipperhymnus wird zwar nicht auf den Gottessohntitel abgehoben, sondern auf den Titel „Kyrios“ (= „Herr“).
+ //- li
+ | In diese Analogie der Erniedrigung des Gottessohnes im Philipperhymnus und bei der Heilung des Aussätzigen
+ | ist die Parallele im Handeln des Gottessohnes Jesus und der Söhne des Zebedäus einzubinden:
br
- | Allerdings ist auch dies ein Titel des Kaisers – der Bezug zum „Ersten im Reich“ ist also so oder so gegeben.
- li
- | Die „Stimme vom Himmel“, die Jesus als Sohn anspricht, und das gegenüberliegende Verbot an die Dämonen zu sprechen, weil sie ihn kannten,
- | verbindet sich mit der Aussage „jede Zunge bekennt: Jesus Christus, ist der Herr ...“.
- br
- | Gott – der hinter der „Stimme vom Himmel“ steckt – und die Dämonen sind als Extreme vorstellbar,
- | die „jede Zunge“ dazwischen einschließen.
- br
- | Das Verbot an die Dämonen zu sprechen, weil sie ihn kannten, ist die Verhinderung eines Bekenntnisses (analog zum „Bekenntnis“ des Dämon in Mk 1,21-28),
- | wodurch „jede Zunge bekennt“ aus bestimmtem Grund invertiert wird, aber gerade in der Invertierung dennoch da ist.
- br
- | Zwar heißt es einnmal „Stimme“, einmal „Zunge“, doch ist die Zunge ein wichtiges Werkzeug für die Sprache;
- | in Mk 7,35 heißt es deshalb auch: „... seine Zunge wurde von ihrer Fessel befreit und er konnte richtig reden.“
- br
- | Ferner haben „Zunge“ und „Sprache“ im Griechischen einen ähnlichen Klang: „glossä“ – „phonä“; jeweils mit Omega gebildet.
- span.small
- | Die Verwendung von „Stimme“ (vom Himmel) in Mk 1,11 hängt dort auch mit dem Aufgreifen
- | von „Stimme eines Rufers in der Wüste“ in Mk 1,3 zusammen.
- li
- | Die Austreibung der Dämonen, die wissen, wer Jesus ist, lässt sich –
- | besonders im Gegenüber zur Taufe, wo der Gottessohntitel Jesu im Sinne des „Namen über alle Namen“ aufleuchtet –
- | auch mit dem Satzteil „damit alle ... unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu“
- | im Philipperhymnus verknüpfen:
- br
- | sie beugen in dem Sinne das Knie vor Jesus, dass sie aus den Menschen weichen – und indem sie gehorsam sind, also nicht bekannt machen, wer Jesus ist,
- | was die Erzählung indirekt aussagt.
- li
- | Durch den Sohnestitel wird die „Stimme vom Himmel“ bei der Taufe indirekt als Stimme „Gottes, des Vaters“ aufgelöst;
- | das geäußerte Wohlgefallen Gottes und die sich damit verbindende Erhöhung im Sinne der Auferstehung =
- | Einsetzung Jesu als „Sohn Gottes in Macht“ legt Zeugnis ab, dass dies alles „zur Ehre Gottes, des Vaters“ geschieht.
-
-
- .card.slide.border-secondary.mb-2
+ | Auf der soteriologischen Ebene gilt:
+ br
+ i Der Gesunde – Jesus – wird „krank“, damit der Kranke gesund wird.
+ | – Dies führen die Söhne des Zebedäus weiter, indem sie künftig Menschen „reinigen“ und dabei diesen „Austausch“ Jesu vergegenwärtigen und zur Anwendung bringen.
+ br
+ | Dazu kommt aber, dass diese Reihung auf das zu übertragen ist,
+ | was von den Söhnen des Zebedäus neben dem Netzreinigen (→ Ausgangspunkt für ihr späteres soteriologisches Handeln) noch erzählt wird;
+ br
+ | dabei ist vom „Austausch“ Jesu her auch dort ein „Austausch“ zu ergänzen auf der ethischen Ebene:
+ br
+ i Die Habenden verzichten, damit die, die nichts haben, etwas haben.
+ br
+ i Der Mächtigen werden zu Dienern, damit die, die Diener sind, bedient werden.
+
+ .card.slide.border-secondary.mb-1
.card-body
- h5.card-title
- q
- | damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu
- h6.card-subtitle.text-muted
- | Der Wüstenaufenthalt Jesu und die Heilung der Schwiegermutter des Petrus als gegenüberliegende Erzählungen der konzentrischen Gliederung
- br
- | in Verbindung mit den Dämonenaustreibungen
+ h5.card-title Die Söhne des Zebedäus: Berufen zum Dienst am Menschen
+ h6.card-subtitle.text-muted „Austausch“ in einem ethischen Sinne als Nachfolge Jesu
hr
ul.card-text
li
- | Wie die Versuchung Jesu seinen Tod zum Heil der Menschen gegenwärtig macht,
+ | Über das Stichwort „Sohn“/„Söhne“ sind die Söhne des Zebedäus (→ Mitte der konzentrischen Gliederung) mit dem „Sohn (eines) Gottes“ (→ oberes Ende der konzentrischen Gliederung) verbunden,
br
- | so die Heilung der Schwiegermutter des Petrus seine Auferstehung und die Auswirkung der Anteilhabe an Jesu Tod und Auferstehung für den Menschen:
- br
- | Aufgerichtet zum Dienst.
+ | über die sprachliche Ähnlichkeit „rein machen“/„Netze reinigen“ mit der Heilung des „Aussätzigen“ durch Jesus (→ unteres Ende der konzentrischen Gliederung).
li
- | Beide Erzählungen waren schon (Teil der) Mitte und unteres Ende einer konzentrischen Gliederung:
+ | Wie die Söhne des Zebedäus ihren Vater verlassen und damit die Stellung als Söhne im väterlichen Betrieb aufgeben, um Jesus nachzufolgen,
br
- | Jesus, der von den Jüngern auf die Kranke aufmerksam gemacht wird, rettet sie auf die „Insel des Lebens in der Wüste der Gottferne“,
- | die durch seinen Gang in die „Wüste“ entsteht.
- li
- | Ihr Dienst an Jesus und seinen Begleitern verbindet sich mit dem Dienst der Engel an Jesus bei dessen Wüstenaufenthalt:
- br
- | sie stehen als Vertreter für „alle im Himmel“ und „auf der Erde“, die „ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu“.
- li
- | Durch die Versuchung Jesus durch Satan müssen hier die Dämonenaustreibungen durch Jesus (gegenüber der Taufe und gegenüber der Evangelienverkündigung)
- | mitbedacht werden:
- br
- | Auch sie – die „unter der Erde“ – „beugen ihre Knie vor dem Namen Jesu“, indem sie aus den Menschen weichen und sich an das Schweigegebot halten.
- br
- | Von dort aus ist hier einzutragen, dass selbst Satan sein „Knie vor dem Namen Jesu“ beugen muss, den Jesus hat seine Versuchung bestanden
- | und damit Satan besiegt.
-
-
- .card.slide.border-secondary.mb-2
- .card-body
- h5.card-title
- q
- | wie es dem Evangelium Christi entspricht ...:
- br
- | er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz
- br
- | damit alle auf der Erde ... und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu ...
- h6.card-subtitle.text-muted
- | Der Eröffnungsruf des Wirkens Jesu und die Dämonenaustreibung in der Synagoge als gegenüberliegende Erzählungen der konzentrischen Gliederung
- hr
- ul.card-text
- li
- | Der Auftakt des Wirkens Jesu blickt zunächst zurück auf den gewaltsamen Tod Johannes des Täufers („Nachdem Johannes ausgeliefert worden war ...“)
- | und macht so Jesu eigenen Tod präsent;
- br
- | dies verbindet sich mit der Frage des Dämon, ob Jesus gekommen sei, ihn und Seinesgleichen „ins Verderben zu stürzen“:
- br
- | → Jesus ist gekommen, um dem Dämon „voraus“ „ins Verderben“ zu gehen (→ Tod am Kreuz) und ihn und seinesgleichen auf diese Weise „ins Verderben zu stürzen“.
- br
- | Insofern es sich dabei um jenen handelt, den der Dämon als „Heiligen Gottes“ bezeichnet – eine Ehrbezeichnung! –, schwingt jene Erniedrigung mit,
- | die der Philipperhymnus besingt.
- li
- | Gerade dieser Gang Jesu, des „Heiligen Gottes“, ins Verderben ist fundamentaler Teil des „Evangelium Gottes“;
- br
- | der Titel „Heiliger Gottes“ spielt zugleich auf die Einsetzung Jesu „dem Geist der Heiligkeit nach als Sohn Gottes in Macht“ an
- | als komplementärem Bestandteil des „Evangelium Gottes“:
- br
- | durch Tod und Auferstehung Jesu ist „das Reich Gottes zum Greifen nahegekommen“.
- li
- | Das Nahegekommensein des Gottesreiches wirkt sich aus und muss sich auswirken:
- br
- | Wie der Dämon vor dem Namen Jesu, des „Heiligen Gottes“, die Knie beugt, indem er schweigt und weicht,
- | sollen auch die Menschen vor diesem Namen Jesu die Knie beugen, indem sie seinem Ruf zu Glaube und Umkehr folgen:
- | eine Verpflichtung, zu leben, „wie es dem Evangelium Christi entspricht“,
- | nämlich selber den Weg der Erniedrigung zu gehen.
-
-
- .card.slide.border-secondary.mb-2
- .card-body
- h5.card-title
- q
- | Lebt als Gemeinde so, wie es dem Evangelium Christi entspricht ...:
- br
- | er erniedrigte sich ...
- | Darum hat ihn Gott über alle erhöht
- h6.card-subtitle.text-muted
- | Das Wirken Johannes des Täufers und der Neuaufbruch Jesu als gegenüberliegende Erzählungen der konzentrischen Gliederung
- hr
- ul.card-text
- li
- | Jesus ist der nach Johannes kommende „Stärkere“, besonders durch seine Auferstehung,
- | auf die die Erzählung vom Neuaufbruch eingangs anspielt.
- br
- | Durch die Auferstehung hat Jesus auch die Stellung eingenommen, die ihn von allen anderen abhebt,
- | was Johannes mit deutlicher Unterwürfigkeit zum Ausdruck bringt.
- li
- | Wie aber Johannes in der Wüste als Asket lebt und wirkt,
- br
- | so sucht Jesus – dessen überragende Stellung bewusst gemacht wurde – auch die „Wüste“ auf:
- br
- | der Blick auf die hoheitliche Stellung des Auferstandenen wird umgelenkt auf seine Sendung in die – als Gegensatz mit Erniedrigungscharakter zu verstehende – „Wüste der Gottferne“,
- | die der Ort seines irdischen Wirkens war; diese Sendung in die Wüste erfüllt ihn als Beistand seiner Jünger auch weiterhin.
- li
- | Tiefsinnig sind die Orte und die Aktionsrichtungen in den beiden Erzählungen aufeinander zu beziehen:
+ | so hat der Gottgleiche seine himmlische Herrlichkeit und die damit verbundene Stellung dort verlassen:
ul.card-text
li
- | Wie die Leute aus „ganz Judäa“ und „alle Einwohner Jerusalems“ zu Johannes in die Wüste kommen,
+ | Der Eintritt in die Nachfolge Jesu bedeutet für die Söhne des Zebedäus, aus einer Welt des Habens auszubrechen:
br
- | so wird Jesus von „allen“ gesucht und geht Jesus dann aus der „Wüste“ in die „benachbarten Dörfer“ und zieht schließlich durch „ganz Galiläa“.
- li
- | Doch kommen die Leute zu Johannes in die Wüste, weil ihre Heimat selber „Wüste“ ist: Ort der Gottferne (→ Jes 40,3: „Wüste“ bezieht sich auf Jerusalem!).
+ | sie verlassen mit ihrem Vater auch den irdischen Besitz der Familie, der – so legen es die Tagelöhner nahe – nicht zu klein gewesen sein kann.
br
- | So ist auch der Gang Jesu „aus der Wüste“ in die Dörfer eigentlich kein Verlassen der „Wüste“, sondern ein weiteres Vordringen in sie hinein.
+ | Hier ist eine Analogie zum Gottessohn zu sehen, der seine himmlische Herrlichkeit verlassen,
+ | sich entäußert hat.
li
- | Diese „Wüste“ ist der Ort, an den die Begleiter Jesu ihm „nacheilen“ müssen, weil das auch Ort ihrer Sendung ist,
- | wie sie auch schon Ort der Sendung Johannes des Täufers war.
+ | Und wie der Gottessohn durch seine Erniedrigung zum Diener, zum Sklaven wurde, gehorsam bis zum Tod am Kreuz,
+ br
+ | so lassen sich die Jünger für die Sache Jesu in Dienst nehmen – angedeutet nicht zuletzt im Gehorsam gegenüber Jesus,
+ | von dem sie sich ohne Umschweife in die Nachfolge rufen lassen.
li
- | Da die Umlenkung von der Auferstehungsherrlichkeit auf die Sendung Jesu den Blick auf den Weg der Erniedrigung lenkt, den Jesus im Rahmen seiner Sendung
- | auf sich genommen hat,
+ | Während bei Simon und Andreas ihr Netzeauswerfen unmittelbar bei der Berufung mit der Bestimmung, „Menschenfischer“ zu werden, aufgegriffen wird,
br
- | verbindet sich diese Umlenkung
- | mit dem „Darum“ im Philipperhymnus als Schwarnier zwischen Erniedrigung
- | und Erhöhung des ursprünglich Gottgleichen.
+ | fehlt ein analoger Erzählzug bei Jakobus und Johannes, die gerade ihre Netze reinigen;
br
- | Es ist ein betontes „Darum“, das die jetzige Stellung mit dem vorausgegangenen Weg begründet
- | und damit diesen Weg betont;
+ | dies wird hier indirekt nachgeholt, indem das Handeln Jesu am „Aussätzigen“ (→ „rein machen“) mit dem Handeln der Zebedäussöhne bei ihrer Berufung
+ | (→ „Netze reinigen“) durch eine sprachliche Ähnlichkeit verbunden wird:
br
- | es ist dieser Weg in die Erniedrigung, der der Grund ist – wie der Kontext deutlich macht –, warum Paulus
- | den Hymnus in seinem Philipperbrief überliefert:
+ | sie, die einst „Netze gereinigt“ haben, werden künftig – in der Taufe – „Menschen reinigen“ und dabei den von
+ | Christus vollzogenen „Austausch“ mit dem „Aussätzigen“ (= Sündern) im Tod am Kreuz vergegenwärtigen und zur Anwendung und Auswirkung bringen;
br
- | dieser Weg der Erniedrigung des Gottgleichen muss sich im Verhalten der Christen ausprägen.
+ | so setzt sich in ihrem Wirken die Erlösung in Christus fort (s. o.).
li
- | In diesem Sinn verkündet Johannes die „Taufe des Sinneswandels“, der
- ol.card-text
+ | Weil das Thema „Austausch“ für die Erzählung von der Heilung des „Aussätzigen“ konstitutiv ist und
+ | das Handeln Jesu mit dem der Zebedäussöhne verknüpft ist,
+ | ist nahegelegt, dass das Thema „Austausch“ auch bei den Söhnen des Zebedäus eine Rolle spielen muss.
+ li
+ | Allerdings kommt es beim „Menschen reinigen“ – also der Taufe – nicht zu einem „Austausch“ der Jünger mit den Täuflingen (in dem Sinne, dass die Taufspender „unrein“ werden würden).
+ br
+ | Dadurch entsteht eine Spannung, die aufgelöst werden muss.
+ //-
+ li
+ | Hier kann folgender Gedankengang helfen:
+ br
+ | Das „Rein machen“ des „Aussätzigen“ ist mit dem „Austausch“ Jesu mit dem „Aussätzigen“ (→ „er hat unsere Krankheit getragen“) identisch;
+ br
+ | damit wiederum ist – löst man die Bildsprache auf – identisch, was der Philipperhymnus vom Gottgleichen bis zum „Tod am Kreuz“ besingt;
+ br
+ | Entleerung und Erniedrigung des Gottgleichen im Philipperhymnus ist aber
+ | analog von den Söhnen des Zebedäus erzählt, die ihren Vater und damit die Stellung im väterlichen Betrieb verlassen
+ | und in den Dienst Jesu treten. – Genau damit lässt sich der Gedanke des „Austausches“ verbinden im Sinne der Nachfolge.
+ //-
+ Berufung der Jünger Heilung des Aussätzigen Nachfolge: Ergänzung eines Gegenüber
+ SdZ reinigen Netze Jesus reinigt den Aussätzigen durch Austausch Jünger reinigen Menschen – ohne Austausch
+ SdZ verlassen Vater Gottgleicher entleert und erniedrigt sich, Jünger tauschen mit den Letzten
+ um den Menschen aus der Gottferne zu retten,
+ also zu Gott zu erhöhen → Austausch
+ br
+ span.small
+ | Verkürzt könnte man auch sagen:
+ br
+ | Weil das Thema „Austausch“ bei der Heilung des „Aussätzigen“ zentral ist, dieses sich aber nicht mit der
+ | Analogie „(Menschen) rein machen“ – „Netze reinigen“ verbinden lässt,
+ br
+ | ist in die Analogie zwischen Jesus und den Zebedäussöhnen das hineinzuholen, was von letzteren
+ | neben dem Netzereinigen noch erzählt wird, nämlich das, womit sie auf den Ruf in die Nachfolge antworten
+ | und womit sie dem Vorbild des Gottgleichen im Philipperhymnus folgen;
+ br
+ | vom „Austausch“ Jesu her ist dort ein „Austausch“ zu ergänzen.
+ br
+ | Oder, nochmal anders ausgedrückt:
+ br
+ | Der „Austausch“ Jesu mit dem „Aussätzigen“ bedeutet für die Jünger, dass sie nun – in der Taufe – „Menschen reinigen“ können von Schuld.
+ br
+ | Von dieser soteriologischen Ebene ist auf die ethische Ebene zu gehen, weil der „Austausch“ mit dem „Aussätzigen“ durch Jesus ein Bild ist
+ | für seine Entäußerung und Erniedrigung zum Sklaven bis zum Tod am Kreuz; bei dieser Rückübertragung müssen die Söhne des Zebedäus
+ | mitgenommen werden, also ist statt der Verbindung „Netze reinigen → Menschen reinigen“ das in Blick zu nehmen, was im Zuge des Eintritts in die Nachfolge
+ | von ihnen auf der ethischen Ebene erzählt wird und womit sie dem Vorbild des Gottgleichen im Philipperhymnus folgen;
+ | dort ist der „Austausch“ einzutragen.
+ li
+ | Schlüssel dazu ist die Erkenntnis der Analogie zwischen der Erzählung der Heilung des „Aussätzigen“ und dem
+ | Philipperhymnus.
+ br
+ | Die Erzählung nutzt die Bildsprache „Krankheit“ aus dem Vierten Lied vom Gottesknecht des Jesaja,
+ | um das Erlösungsgeschehen zu beschreiben: „er hat unsere Krankheit getragen“. Der „Austausch“, den Jesus vollzieht,
+ | ist einzigartig, einmalig – die Jünger können ihn (in der Taufe) „nur“ „anwenden“.
+ br
+ | Wechselt man nun von dieser Bildsprache „Krankheit“
+ | in die sachlich indentischen Ausdruckskategorien des Philipperhymnus,
+ | muss man die Söhne des Zebedäus „mitnehmen“:
+ br
+ | Nun erscheint als verbindendes Element zwischen Jesus und den Söhnen des Zebedäus nicht „Netze reinigen → Menschen reinigen“,
+ | sondern das Verlassen des hohen Status;
+ br
+ | dort lässt sich auch bei den Söhnen des Zebedäus ein „Austausch“ eintragen,
+ | denn es findet bei ihnen – anders als bei Jesus –
+ | ein Wechsel von der soteriologischen Ebene (Netze reinigen → Menschen reinigen → Taufe) auf die ethische Ebene statt;
+ br
+ | bei Jesus dagegen ist das ethische Handeln mit dem soteriologischen identisch.
+ br
+ | Der Leser soll also bei den Söhnen des Zebedäus einerseits die Anwendung des soteriologischen Handelns Jesu eintragen,
+ | andererseits – im Sinne der Nachfolge, die das soteriologisch-ethische Handeln Jesu zum Vorbild nimmt –
+ | auch den „Austausch“ auf ethischer Ebene:
+ table.table.table-sm.mt-3
+ thead
+ tr
+ th.card-text
+ | Biblischer Text als Verstehensfokus
+ th.card-text
+ | Handeln Jesu
+ th.card-text
+ | Anknüpfungspunkt in der Erzählung von der Berufung der Zebedäussöhne
+ th.card-text
+ | Dienst der Jünger in der Nachfolge Jesu
+ tbody
+ tr
+ td.card-text
+ | Viertes Lied vom Gottesknecht
+ br
+ | → Bildebene
+ td.card-text
+ | „Rein machen“ des „Aussätzigen“ durch Vollzug eines „Austausches“ (im Tod am Kreuz):
+ br
+ | „er hat unsere Krankheit getragen“
+ td.card-text
+ | Die Söhne des Zebedäus reinigen ihre Netze
+ td.card-text
+ | Die Jünger „reinigen“ im Bad der Taufe Menschen
+ br
+ | → soteriologische Ebene
+ tr
+ td.card-text
+ | Philipperhymnus
+ br
+ | → Sachebene
+ td.card-text
+ | Der Gottgleiche entäußert und erniedrigt sich bis zum Tod am Kreuz,
+ | um den Menschen aus der Gottferne zu befreien
+ br
+ | → Sachlich identische Analogie zum „Austausch“ mit dem „Aussätzigen“
+ td.card-text
+ | Die Söhne des Zebedäus verlassen ihren Vater und damit die Stellung als Söhne im väterlichen Betrieb
+ td.card-text
+ | „Austausch“ auf ethischer Ebene
+ li
+ | Der Evangelist will also sagen:
+ ul.card-text
li
- | der Umlenkung vom Blick auf den Auferstanden
- | auf die Sendung Jesu und damit auch die eigene Sendung in der Nachfolge Jesu folgt und der
+ | Wie Jesus bei der Heilung des Aussätzigen einen „Austausch“ vollzogen hat:
+ br
+ i Der Gesunde – Jesus – wird „krank“, damit der Kranke gesund wird.
li
- | als Vorbild den Sinneswandel des Gottgleichen hat, der dieses Gott-gleich-Sein nicht als Raub festhielt, sondern sich entäußerte
- | und erniedrigte.
+ | So sollen – auf die ethische Ebene übertragen – auch die Jünger einen „Austausch“ (bzw. „Positionstausch“) vollziehen:
+ br
+ i Die Habenden verzichten, damit die, die nichts haben, beschenkt werden.
+ span.small (Vgl. Mk 10,21)
+ br
+ i Der Mächtigen werden zu Dienern, damit die, die niedergedrückt sind oder ausgenutzt werden, aufrichtend-befreiende Hilfe erfahren.
+ span.small (Vgl. Mk 10,42-44)
+ p.card-text.small
+ | Zugegeben: Bei Mächtige → Diener hinkt der „Austausch“ etwas; dies liegt aber daran,
+ | dass keine neuen Mächtigen kreiert werden sollen, sondern eine Gemeinschaft von Dienern entstehen soll,
+ | in der aber gerade „die ganz unten“, die „Letzten“, Hilfe erfahren, aufgerichtet werden und in diesem Sinne nicht „Letzte“ bleiben;
+ br
+ | wer sich aber zum Diener dieser „Letzten“ macht, der stellt sich auf die Stufe noch darunter, wird in diesem Sinne zum „Letzten der Letzten“,
+ | so dass die „Letzten“ eine Stufe nach oben erhöht werden.
li
- | So fällt der Blick auch auf die Askese Johannes des Täufers als Vorläufer Jesu und die Jünger, die Jesus nachfolgen bzw. nacheilen
- | (→ Gegenüber und Mitte der konzentrischen Gliederung):
+ | Durch das Eintragen des „Austausches“ erhält das ethische Handeln der Zebedäus-Söhne bei ihrer Berufung ein menschliches Gegenüber, wie das soteriologische
+ | Handeln Jesu und der Jünger schon immer ein Gegenüber hatte:
br
- | Die Askese des Täufers kann dazu in Beziehung gesetzt werden, dass Petrus und seine Begleiter Jesus nach in die Wüste „herabsteigen“
- | und dass die Söhne des Zebedäus den Reichtum der Familie (→ Tagelöhner)
- | verlassen und sich von Jesus in Dienst nehmen lassen, womit sie das „Darum“ ernst nehmen und den geforderten Sinneswandel vollziehen.
-
- .card.slide.border-secondary
+ | Ihr Verzicht und ihr Gehorsam Jesus gegenüber geschieht nicht in ein „Nichts“ hinein, auch nicht primär um eines
+ | himmlischen Lohnes willen, ihr Dienst in der Nachfolge Jesu ist kein (rein) spirituell-liturgischer Dienst;
+ br
+ i ihr Verzicht und ihr Dienst geschehen zugunsten eines menschlichen Gegenübers, mit dem es in gewisser Weise zu einem „Austausch“ kommt.
+ br
+ | Damit zielt Nachfolge auf die umfassende Verwandlung der Lebensumstände im Hier und Heute: der eigenen zugunten der von anderen
+ | im Sinne einer Teilhabe an der „Neuheit des Lebens“ und des „Aufrichtens von Menschen“.
+ li
+ | In diesem Sinn bilden das „soteriologische Element“ (→ „Menschenfischer/-reiniger“) und das „ethische Element“ (→ Verzicht, Sich-in-Dienst-nehmen-Lassen)
+ | von Nachfolge nicht nur eine unlösliche Einheit, es kann sogar von einem doppelten „soteriologischen Handeln“ der Jünger die Rede sein:
+ ul.card-text
+ li
+ | Dass Jesus durch den „Austausch“ (= Tod am Kreuz) den „Aussätzigen“ rein gemacht hat,
+ | ermächtigt und ruft sie, Menschen im Bad der Taufe rein zu machen.
+ li
+ | Aber auch ihr ethisches Handeln in der Nachfolge Jesu hat soteriologische Qualität,
+ | insofern Menschen aus ihren schwierigen Lebensumständen befreit oder diese zumindest gelindert werden;
+ br
+ | dies aber in Analogie, nicht Identität, als indirekte Auswirkung durch analoges Handeln der Jünger,
+ | nicht als Mitwirkung an der einmaligen Erlösertat Christi.
+ li
+ | Durch diese mehrdimensionale Nachfolge im Dienst an den Menschen werden die „Söhne des Zebedäus“ zu „Söhnen Gottes“.
+
+
+ .card.slide.border-secondary.mb-2
.card-body
h5.card-title
q
@@ -1517,7 +1411,7 @@ block content
ul.card-text
li
| Zur Erlösung in Christus – zum „Austausch“ – gehört essentiell,
- | dass der Gottessohn sich erniedrigt und sich zum Diener und Sklaven bis zum Letzten macht.
+ | dass der Gottessohn sich entäußert und erniedrigt und sich zum Diener und Sklaven bis zum Letzten macht.
br
| Damit hat die Erlösung durch Jesu Tod unlöslich eine bestimmte ethische Dimension.
li
@@ -1555,6 +1449,405 @@ block content
| selber zum Diener der „Letzten“ zu werden und so selber „Letzter“, um diese „Letzten“ in
| die geheilte – von allen trennenden und belastenden Dingen befreite – Gemeinschaft mit Gott und den Mitmenschen zu heben,
| letztlich „den Weg des Herrn“ zu diesen „Letzten“ zu bereiten.
+
+ p.card-text.small
+ | Wie die folgenden Ausführungen belegen, steht die ganze konzentrische Gliederung in besonderer Weise in Verbindung
+ | mit dem Philipperhymnus und dessen Kontext
+ | und soll in Zusammenhang mit diesem gelesen werden im Sinne einer Vergegenwärtigung, Bebilderung
+ | und Anwendung dieses Hymnus analog zu seiner Verwendung im Brief des Paulus an die Philipper.
+
+
+ .card.slide.border-primary.mb-3
+ .card-body
+ h5.card-title
+ q
+ | Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen ...
+ br
+ | damit alle ... unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu ...
+ br
+ | Jesus Christus ist der Herr zur Ehre Gottes, des Vaters.
+ h6.card-subtitle.text-muted Die Taufe Jesu und die Massenheilungen mit Dämonenaustreibungen als gegenüberliegende Erzählungen der konzentrischen Gliederung
+ hr
+ ul.card-text
+ li
+ | In Mk 1,32-34 wird erzählt, dass die Menschen ihre Kranken und Besessenen zu Jesus bringen, damit er sie heilt;
+ br
+ | sie machen sich damit zu Dienern der Kranken und handeln im Sinne des Evangeliums, das von der Erniedrigung Jesu bis zum Letzten erzählt.
+ br
+ | Im Gegenüber zur Taufe Jesu mit der auferweckenden Herrlichkeit Gottes wird
+ span.bibelstelle Röm 6,4
+ | präsent:
+ br
+ q.bibeltext
+ | ... Taufe auf den Tod (Jesu), damit auch wir, so wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde,
+ | in der Neuheit des Lebens wandeln.
+ li
+ | Dies ist auch auf die Geheilten und von der Besessenheit Befreiten zu übertragen; auch sie wandeln nun „in der Neuheit des Lebens“.
+ li
+ | Es begegnet das Gegenüber „der Eine“ ↔ „die Vielen“ mit der doppelten Auswirkung von Jesu Tod am Kreuz:
+ br
+ | seine eigene Auferstehung wie die Gerechtmachung der Vielen.
+ br
+ | → Jesus ist der Eine, der für die Vielen starb: „Mein Knecht, der gerechte, macht die Vielen gerecht; er lädt ihre Schuld auf sich.“ (Jes 53,11 b).
+ br
+ | Der Tod Jesu ist dabei einerseits in Mk 1,32-34 im Rahmen der Erzählung durch die Zeitangabe „Am Abend, als die Sonne untergegangen war“
+ | und das Schweigegebot an die Dämonen präsent gemacht,
+ | andererseits in der Tauferzählung in der Taufe (im Sinne des Hineinsteigens ins Wasser) angedeutet.
+ br
+ | Dies verbindet sich mit der Übernahme des „Aussatzes“ des „Aussätzigen“, der dadurch gesund wird (→ unteres Ende der konzentrischen Gliederung).
+ p.card-text.small.mb-0
+ | Die Zeitangabe „Am Abend, als die Sonne untergegangen war“ kann deswegen den Tod Jesu präsent machen, weil
+ | sich der Abend innerhalb des Evangeliums mit der Auslieferung Jesu verbindet und die Notiz, dass „die Sonne untergegangen war“
+ | die Finsternis, die bei der Kreuzigung Jesu hereinbricht, vergegenwärtigt.
+ br
+ | Hinzu kommen aber im Gegenüber als Kontrast die Begleiterscheinungen während des Heraustretens aus dem Wasser bei der Taufe,
+ | die die Auferstehung andeuten. Hier steht u. a.
+ span.bibelstelle Jes 53,11
+ | im Hintergrund:
+ q.bibeltext Nachdem er so vieles ertrug, erblickt er das Licht.
+ br
+ | Ferner ist die Auferstehung mit dem Morgen (→ Mk 16,1-8) – als Gegensatz zum Abend – assoziiert.
+ li
+ | In der Auferstehung (→ „als er aus dem Wasser stieg“) wird Jesus „dem Geist der Heiligkeit nach eingesetzt als Sohn Gottes in Macht“ (→ Röm 1,4);
+ br
+ | entsprechend wird Jesus von Gott angeredet: „Du bist mein geliebter Sohn“.
+ br
+ | Gegenüberliegend weichen die Dämonen, die wissen, wer Jesus ist.
+ br
+ | „Sohn (eines) Gottes“ (→ oberes Ende der konzentrischen Gliederung und Tauferzählung)
+ | ist Kaisertitualtur im römischen Reich, der Titel des „Ersten“ im Reich;
+ br
+ | somit kann sich diese Sohnesbetitelung mit der Verleihung des Namens, „der größer ist als alle Namen“ verbinden.
+ p.card-text.small.mb-0
+ | Im Philipperhymnus wird zwar nicht auf den Gottessohntitel abgehoben, sondern auf den Titel „Kyrios“ (= „Herr“).
+ br
+ | Allerdings ist auch dies ein Titel des Kaisers – der Bezug zum „Ersten im Reich“ ist also so oder so gegeben.
+ li
+ | Die „Stimme vom Himmel“, die Jesus als Sohn anspricht, und das gegenüberliegende Verbot an die Dämonen zu sprechen, weil sie ihn kannten,
+ | verbindet sich mit der Aussage „jede Zunge bekennt: Jesus Christus, ist der Herr ...“.
+ br
+ | Gott – der hinter der „Stimme vom Himmel“ steckt – und die Dämonen sind als Extreme vorstellbar,
+ | die „jede Zunge“ dazwischen einschließen.
+ br
+ | Das Verbot an die Dämonen zu sprechen, weil sie ihn kannten, ist die Verhinderung eines Bekenntnisses (analog zum „Bekenntnis“ des Dämon in Mk 1,21-28),
+ | wodurch „jede Zunge bekennt“ aus bestimmtem Grund invertiert wird, aber gerade in der Invertierung dennoch da ist.
+ br
+ | Zwar heißt es einmal „Stimme“, einmal „Zunge“, doch ist die Zunge ein wichtiges Werkzeug für die Sprache;
+ | in Mk 7,35 heißt es deshalb auch: „... seine Zunge wurde von ihrer Fessel befreit und er konnte richtig reden.“
+ br
+ | Ferner haben „Zunge“ und „Sprache“ im Griechischen einen ähnlichen Klang: „glossä“ – „phonä“; jeweils mit Omega gebildet.
+ p.card-text.small.mb-0
+ | Die Verwendung von „Stimme“ (vom Himmel) in Mk 1,11 hängt dort auch mit dem Aufgreifen
+ | von „Stimme eines Rufers in der Wüste“ in Mk 1,3 zusammen.
+ li
+ | Die Austreibung der Dämonen, die wissen, wer Jesus ist, lässt sich –
+ | besonders im Gegenüber zur Taufe, wo der Gottessohntitel Jesu im Sinne des „Namen über alle Namen“ aufleuchtet –
+ | auch mit dem Satzteil „damit alle ... unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu“
+ | im Philipperhymnus verknüpfen:
+ br
+ | sie beugen in dem Sinne das Knie vor Jesus, dass sie aus den Menschen weichen – und indem sie gehorsam sind, also nicht bekannt machen, wer Jesus ist,
+ | was die Erzählung indirekt aussagt.
+ li
+ | Durch den Sohnestitel wird die „Stimme vom Himmel“ bei der Taufe indirekt als Stimme „Gottes, des Vaters“ aufgelöst;
+ | das geäußerte Wohlgefallen Gottes und die sich damit verbindende Erhöhung im Sinne der Auferstehung =
+ | Einsetzung Jesu als „Sohn Gottes in Macht“ legt Zeugnis ab, dass dies alles „zur Ehre Gottes, des Vaters“ geschieht.
+
+ .card.slide.border-primary.mb-3
+ .card-body
+ h5.card-title
+ q
+ | damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu
+ h6.card-subtitle.text-muted
+ | Der Wüstenaufenthalt Jesu und die Heilung der Schwiegermutter des Petrus als gegenüberliegende Erzählungen der konzentrischen Gliederung
+ br
+ | in Verbindung mit den Dämonenaustreibungen
+ hr
+ ul.card-text
+ li
+ | Beide Erzählungen waren schon (Teil der) Mitte und unteres Ende einer konzentrischen Gliederung:
+ br
+ | Jesus, der von den Jüngern auf die Kranke aufmerksam gemacht wird, rettet sie auf die „Insel des Lebens in der Wüste der Gottferne“,
+ | die durch seinen Gang in die „Wüste“ entsteht.
+ li
+ | Ihr Dienst der Schwiegermutter des Petrus an Jesus und seinen Begleitern verbindet sich mit dem Dienst der Engel an Jesus bei dessen Wüstenaufenthalt:
+ br
+ | sie stehen als Vertreter für „alle im Himmel“ und „auf der Erde“, die „ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu“.
+ li
+ | Durch die Versuchung Jesus durch Satan müssen hier die Dämonenaustreibungen durch Jesus (gegenüber der Taufe und gegenüber der Evangelienverkündigung)
+ | mitbedacht werden:
+ br
+ | Auch sie – die „unter der Erde“ – „beugen ihre Knie vor dem Namen Jesu“, indem sie aus den Menschen weichen und sich an das Schweigegebot halten.
+ br
+ | Von dort aus ist hier einzutragen, dass selbst Satan sein „Knie vor dem Namen Jesu“ beugen muss, den Jesus hat seine Versuchung bestanden
+ | und damit Satan besiegt.
+ li
+ | Während in der Mitte der konzentrischen Gliederung die Berufenen gehorsam dem Ruf Jesu in die Nachfolge folgen,
+ br
+ | ist es im aktuellen Gegenüber jeweils Jesus, der „gehorsam“ ist: er lässt sich vom Geist in die „Wüste“ führen
+ | und von Petrus und seinen Begleitern zur Aufrichtung der Schwiegermutter des Petrus bringen.
+ br
+ | So wird der „Gehorsam Jesu bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz“ als Ursache des Heils vor Augen geführt: für Jesus
+ | wie für die Schwiegermutter des Petrus (analog zum Gegenüber „Taufe Jesu“ ↔ „Massenheilungen“, s. o.);
+ | seine eigene Erhöhung ist (vor allem) im Dienst der Engel (→ Himmel!) angedeutet, die Aufrichtung der Schwiegermutter des Petrus
+ | unmittelbar erzählt.
+ br
+ | Die Aufrichtung der Schwiegermutter des Petrus wird durch die Wüstensendung im Gegenüber in einen größeren Kontext eingeordnet
+ | und nach vorne wie hinten „verlängert“: Jesus kommt aus der Präexistenz und kehrt abschließend durch die Erhöhung durch Gott in den Himmel zurück.
+ br
+ | Der eigenwillige Umstand, dass Jesus seinen Jüngern „gehorsam“ ist, lässt sich durch die Mitte der konzentrischen Gliederung als Brücke verständlich machen:
+ | Jesus hat sie für seine Sendung in Dienst genommen; es ist und bleibt seine Sendung, aber die Jünger haben darin ihre Rolle als „Wegbereiter des Herrn“
+ | und können daher hier in der Position des Geistes, der der umfassend „Regie Führende“ ist, auftauchen.
+ li
+ | Das Gegenüber macht auch die von Mk 1,14-15 in Mk 1,1-15 rückwärtig getriggerte Kombination von
+ span.bibelstelle Gal 4,4-5a
+ | und
+ span.bibelstelle Röm 8,2
+ | präsent:
+ br
+ q.bibeltext
+ | Als aber die Zeit erfüllt war, sandte seinen Sohn, ... dem Gesetzt des Geistes unterstellt,
+ br
+ | damit er die freikaufe, die unter dem Gesetz der Sünde und des Todes stehen.
+ br
+ | Im aktuellen Gegenüber wird damit das Ziel der Sendung Jesu deutlich: Aufrichtung des Menschen,
+ | aber nicht zu Herrschern, sondern zu Dienern in der Nachfolge Jesu.
+
+ .card.slide.border-primary.mb-3
+ .card-body
+ h5.card-title
+ q
+ | wie es dem Evangelium Christi entspricht ...:
+ br
+ | er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz
+ br
+ | damit alle auf der Erde ... und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu ...
+ h6.card-subtitle.text-muted
+ | Der Eröffnungsruf des Wirkens Jesu und die Dämonenaustreibung in der Synagoge als gegenüberliegende Erzählungen der konzentrischen Gliederung
+ hr
+ ul.card-text
+ li
+ | In beiden Erzählungen sind Tod und Auferstehung Jesu gegenwärtig als zentraler Inhalt des Evangeliums Gottes
+ | und Ursache dafür, dass die Königsherrschaft Gottes zum Greifen nahe gekommen ist:
+ ul.card-text
+ li
+ | Der Auftakt des Wirkens Jesu blickt zunächst zurück auf den gewaltsamen Tod Johannes des Täufers („Nachdem Johannes ausgeliefert worden war ...“)
+ | und macht so Jesu eigenen Tod präsent;
+ br
+ | der Dämon fragt, ob Jesus gekommen sei, ihn und seinesgleichen „ins Verderben zu stürzen“,
+ | womit der Tod Jesu und seine Heilsbedeutung für die Menschen mit gleichzeitiger Unheilsbedeutung für die Dämonen vergegenwärtigt wird:
+ br
+ | → Jesus ist gekommen, um dem Dämon „voraus“ „ins Verderben“ zu gehen (→ Tod am Kreuz) und ihn und seinesgleichen auf diese Weise „ins Verderben zu stürzen“.
+ br
+ | Insofern es sich dabei um jenen handelt, den der Dämon als „Heiligen Gottes“ bezeichnet – eine Ehrbezeichnung! –, schwingt jene Erniedrigung mit,
+ | die der Philipperhymnus besingt.
+ li
+ | Die Verkündigungstätigkeit Jesu nach der Auslieferung mit Ansage der Königsherrschaft Gottes setzt die Auferstehung Jesu voraus;
+ br
+ | ebenso spielt die Betitelung „Heiliger Gottes“ durch den Dämon auf Jesu Auferstehung an:
+ br
+ | Jesus ist „dem Geist der Heiligkeit nach eingesetzt als Sohn Gottes in Macht seit der Auferstehung von den Toten“.
+ br
+ | Hier wird die Erhöhung Jesu deutlich, die sich auch im Gehorsam des Dämon ausdrückt.
+ li
+ | Das Nahegekommensein des Gottesreiches wirkt sich aus und muss sich auswirken zum Heil der Menschen:
+ br
+ | Wie der Dämon vor dem Namen Jesu, des „Heiligen Gottes“, die Knie beugt, indem er schweigt und weicht,
+ | sollen auch die Menschen vor diesem Namen Jesu die Knie beugen, indem sie seinem Ruf zu Glaube und Umkehr folgen:
+ | eine Verpflichtung, zu leben, „wie es dem Evangelium Christi entspricht“,
+ | nämlich selber den Weg der Erniedrigung zu gehen.
+ br
+ | Sie sollen vom Staunen und Rätseln zu Umkehr und Glaube kommen.
+ li
+ | Die „neue Lehre in Vollmacht“ in der Erzählung von der Dämonenaustreibung ist das „Evangelium Gottes“, das Jesus verkündet
+ | und das sich mit dem Anbruch der Königsherrschaft Gottes verbindet:
+ br
+ | Während das jüdische Gesetz – gegenwärtig in den Schriftgelehrten – als insuffizient deklariert wird, was das
+ | Bannen der Herrschaft der Dämonen betrifft,
+ | erweist sich das Evangelium als
+ q.bibeltext eine Kraft Gottes zur Rettung für jeden, der glaubt
+ span.bibelstelle Röm 1,16.
+ br
+ | So ist das Zeitalter des insuffizienten Gesetzes durch das Zeitalter des rettenden Glaubens an das Evangelium abgelöst.
+
+
+ .card.slide.border-primary.mb-3
+ .card-body
+ h5.card-title
+ q
+ | Lebt als Gemeinde so, wie es dem Evangelium Christi entspricht ...:
+ br
+ | er erniedrigte sich ...
+ | Darum hat ihn Gott über alle erhöht
+ h6.card-subtitle.text-muted
+ | Das Wirken Johannes des Täufers und der Neuaufbruch Jesu als gegenüberliegende Erzählungen der konzentrischen Gliederung
+ hr
+ ul.card-text
+ li
+ | Jesus ist der nach Johannes kommende „Stärkere“, besonders durch seine Auferstehung,
+ | auf die die Erzählung vom Neuaufbruch eingangs anspielt.
+ br
+ | Durch die Auferstehung hat Jesus auch die Stellung eingenommen, die ihn von allen anderen abhebt,
+ | was Johannes mit deutlicher Unterwürfigkeit zum Ausdruck bringt.
+ li
+ | Wie aber Johannes in der Wüste als Asket lebt und wirkt,
+ br
+ | so sucht Jesus – dessen überragende Stellung bewusst gemacht wurde – auch die „Wüste“ auf:
+ br
+ | der Blick auf die hoheitliche Stellung des Auferstandenen wird umgelenkt auf seine Sendung in die – als Gegensatz mit Erniedrigungscharakter zu verstehende – „Wüste der Gottferne“,
+ | die der Ort seines irdischen Wirkens war.
+ br
+ | Bei Jesus blitzt das „Darum hat ihn Gott über alle erhöht“ des Philipperhymnus auf,
+ | das sich mit dem Ruf zum Sinneswandel durch Johannes den Täufer verbindet.
+ br
+ | In der Mitte der konzentrischen Gliederung wird dieser Sinneswandel von den Berufenen, bebildert vor allem an den Söhnen des Zebedäus,
+ | mit- bzw. nachvollzogen wird; jene, die zur Taufe des Johannes kommen, vollziehen auch diesen Sinneswandel;
+ | doch durch Petrus, seine Begleiter und „alle“ bei der Verfolgung Jesu in die Wüste wird dieser Sinneswandel infrage gestellt;
+ | während sie Jesus zur Umkehr bringen wollen, müssen sie selbst den Ruf zum Sinneswandel neu hören und befolgen,
+ | Verfolgung sein lassen und erneut in die Nachfolge eintreten.
+ br
+ | Am unteren Ende der konzentrischen Gliederung wird deutlich, wie der Sinneswandel des einst Gottgleichen sich zum Heil der Menschen auswirkt.
+ li
+ | Der Sinneswandel, der zur Taufe, die Johannes verkündet, dazugehört, verbindet sich mit der Umlenkung Auferstehung → Tod am Kreuz
+ | im Gegenüber im Sinne des „Darum hat ihn Gott über alle erhöht“ des Philipperhymnus (s. o.);
+ br
+ | beides zusammen macht den den Kontext des Philipperhymnus präsent:
+ br
+ q.bibeltext Lebt als Gemeinde so, wie es dem Evangelium Christi entspricht ...:
+ span.bibelstelle Phil 1,27
+ br
+ | Der vom einst Gottgleichen vollzogene Sinneswandel ist der Grund, warum Paulus diesen Hymnus im Philipperbrief zitiert:
+ br
+ | dieser Weg der Erniedrigung des Gottgleichen muss sich im Verhalten der Christen ausprägen.
+ li
+ | Insofern der Tod Jesu am Kreuz in 10,38 als „Taufe“ bezeichnet werden kann,
+ | kann die Wendung „Taufe des Sinneswandels“ auch auf auch Entäußerung und Erniedrigung nach dem Philipperbrief bis zum tiefsten Punkt des Todes am Kreuz,
+ | auf das Mk 1,35-39 anspielt, bezogen werden.
+ br
+ | Auf diese „Taufe des Sinneswandels“ des Gottgleichen lassen sich die Menschen taufen – zur Vergebung ihrer Sünden, bzw. zur Befreiung aus dem „Netz“ = „Gesetz der Sünde und des Todes“.
+ br
+ | Unmittelbar kommt
+ span.bibelstelle Röm 6,3-4
+ | in den Sinn – passend zum Kontext (Petrus' Rückholaktion!) mit mahnendem Unterton:
+ br
+ q.bibeltext
+ | 3 Wisst ihr denn nicht, dass wir, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind.
+ br
+ | 4 Wir wurden ja mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod, damit auch wir, so wie Christus durch die Herrlichkeit
+ | des Vaters von den Toten auferweckt wurde, in der Neuheit des Lebens wandeln.
+ br
+ | Auch hier begegnet – wie bei Markus in Mk 1,35-39! – eine Umlenkung der Auferstehungsherrlichkeit:
+ | weg vom Blick auf den Auferstandenen, weg vom Blick in die Herrlichkeit Gottes, hin auf die Bedeutung der Auferstehung Jesu für das eigene Leben:
+ br
+ | „in der Neuheit des Lebens wandeln“: Auferstehung Jesu als Auftrag an seine Jünger:
+ br
+ | getauft auf Jesu Tod selber den Sinneswandel des Gottgleichen, der im Tod seine tiefste Manifestation erfuhr, nachvollziehen
+ | (→ Ruf in die Nachfolge in der Mitte der konzentrischen Gliederung).
+ li
+ | Das Gegenüber „ganz Judäa“ einerseits und „ganz Galiläa“ (2x „ganz“) macht die Völkerthematik präsent,
+ br
+ | passend zu den Namen der Erstberufenen in der Mitte der konzentrischen Gliederung (2x griechisch, 2x semitisch) mit dem zerrisenen „Netz“
+ br
+ | sowie zum unteren Ende der konzentrischen Gliederung mit dem Freikauf vom Fluch des Gesetzes nach Gal 4,4-5; 3,10-14,
+ | der nach
+ span.bibelstelle Gal 3,14
+ | geschieht,
+ br
+ q.bibeltext damit den Völkern durch ihn (= Jesus Christus) der Segen Abrahams zuteilwird
+ br
+ | (s. o.; dabei sind mit „den Völkern“ im Horizont von Gal 3,8 „alle Völker“ gemeint, Juden wie die Völkerwelt, die gemeinsam durch den Glauben Kinder Abrahams werden);
+ br
+ | es kommen auch Menschen „von überallher“ zu Jesus.
+ li
+ | Wie die Menschen aus „ganz Judäa“ zu Johannes dem Täufer in die Wüste kommen,
+ | so geht Jesus aus der „Einsamkeit“ = „Wüste“ nach „ganz Galiläa“.
+ br
+ | Doch kommen die Leute zu Johannes in die Wüste, weil ihre Heimat selber „Wüste“ ist: Ort der Gottferne (→ Jes 40,3: „Wüste“ bezieht sich auf Jerusalem!).
+ br
+ | So ist auch der Gang Jesu „aus der Wüste“ in die Dörfer eigentlich kein Verlassen der „Wüste“, sondern ein weiteres Vordringen in sie hinein.
+ li
+ | Während Johannes der Täufer in der Wüste aufgesucht wird, um sich taufen zu lassen – im Sinne der Umkehr –,
+ br
+ | wird Jesus von Petrus in der „Einsamkeit“ = „Wüste“ aufgesucht – von Petrus dorthin verfolgt –, um Jesus selbst zur „Umkehr“
+ | zu bringen, auf dass das „Ärgernis des Kreuzes“ beseitigt werde.
+ br
+ | Anders ausgedrückt:
+ | Während auf der einen Seite das „Ärgernis des Kreuzes“ beseitigt werden soll (durch Petrus, seine Begleiter und „alle“),
+ | wirkt das Kreuz Christi sich auf der anderen Seite zum Heil der Menschen aus: sie werden – durch die „Taufe auf den Tod Jesu“,
+ | durch die ein „Mitgekreuzigtsein“ geschieht (→ Röm 6,6) – nicht nur von ihren Sünden, sondern von der Herrschaft Satans/der Sünde insgesamt befreit.
+ br
+ | Während die einen die Freiheit empfangen, die in Christus Jesus geschenkt ist, sind die anderen im Begriff,
+ | sich „wieder ein Joch der Knechtschaft auf[zu]legen“ (Gal 5,1).
+ li
+ | Insofern zusammen mit Petrus und seinen Begleitern „alle“ Jesus suchen – im Sinne des Verfolgens und Zurückbringen wollens –,
+ | was sich hier aufgrund des Kontextes effektiv auf „alle Einwohner Kafarnaums“ bezieht,
+ | verbindet sich diese Notiz mit „allen Einwohnern Jerusalems“, die zu Johannes dem Täufer kommen,
+ | und trägt bei diesen „allen Einwohnern Jerusalems“ vom Handeln der „alle (Einwohner Kafarnaums)“ her eine gewisse Ambivalenz ein:
+ | einerseits Taufe der Umkehr, andererseits das Jesus-wieder-einfangen-Wollen;
+ br
+ | im Zentrum dieser Ambivalenz – als Mitte der konzentrischen Gliederung – stehen die den beiden Polen 1) „Netz“ = jüdische Gesetz (wieder) aufrichten;
+ | 2) in die Nachfolge Jesu eintreten;
+ br
+ | diese Ambivalenz passt gut zum Kreis um den Herrenbruder Jakobus – man beachte, dass dieser Name in der Mitte der konzentrischen Gliederung begegnet
+ | und dieser einer von denen ist, die das „Netz“ = jüdische Gesetz (wieder) aufrichten wollen. Vgl. dazu auch die Aussagen des Paulus zum
+ | sog. „Antiochenischen Zwischenfall“ in Gal 2,11-21, auf den in der vorhergehenden konzentrischen Gliederung eingegangen wurde,
+ | weil dieser die Hintergrundfolie für Mk 1,35-39 ist.
+ br
+ | Im weiteren Verlauf des Evangeliums werden immer wieder „Schriftgelehrte von Jerusalem“ zu Jesus kommen, um mit diesem ein Streitgespräch zu führen;
+ br
+ | es wird sich zeigen, dass es sich im Evangelium nicht um jüdische Schriftgelehrte, sondern juden-christliche Schriftgelehrte
+ | handelt, mit denen nicht eigentlich Jesus, sondern Paulus streitet.
+ li
+ | Von der Mitte der konzentrischen Gliederung aus betrachtet ist Folgendes bebildert:
+ ul.card-text
+ li
+ i Jesus beruft seine Jünger als Menschenfischer
+ br
+ | Johannes der Täufer erweist sich als Menschenfischer, zu dem die Massen strömen, um sich der Umkehrtaufe zu unterwerfen.
+ br
+ | Petrus, seine Begleiter und „alle“ dagegen betätigen sich als „Jesus-Fischer“, die Jesus zur Umkehr bringen wollen.
+ br
+ | Jesus wiederum bricht neu auf, um – wie Johannes der Täufer – Menschenfischer zu sein.
+ li
+ i Die Söhne des Zebedäus verlassen ihre Stellung als Söhne im väterlichen Betrieb und folgen Jesus nach
+ br
+ | Johannes der Täufer wird als Asket in der Wüste gezeichnet.
+ br
+ | Jesus selbst geht den Weg der Entäußerung und Erniedrigung.
+ br
+ | Die Söhne des Zebedäus aber wollen zurückhaben.
+ li
+ i Das „Netz“ ist zerrissen – das Zeitalter des jüdischen Gesetzes ist vorbei: Befreiung!
+ br
+ | Die Menschen, die zu Johannes dem Täufer kommen, unterziehen sich von dieser Befreiung her der Umkehrtaufe.
+ br
+ | Petrus, seine Begleiter und „alle“ dagegen wollen diese Befreiung vom (Fluch des) jüdischen Gesetz(es) rückgängig machen,
+ | das Gesetz (wieder) aufrichten.
+ li
+ | Wie die Ausführungen zum aktuellen Gegenüber nahelegen, dürfte
+ span.bibelstelle Gal 3,13-14a
+ | im Hintergrund dieses Gegenübers stehen:
+ br
+ q.bibeltext
+ | Christus hat uns vom Fluch des Gesetzes freigekauft, indem er für uns zum Fluch geworden ist;
+ br
+ | denn es steht geschrieben: Verflucht ist, wer am Holz hängt.
+ br
+ | Jesus Christus hat uns freigekauft, damit den Völkern durch ihn der Segen Abrahams zuteilwird.
+ ul.card-text
+ li
+ | Mk 1,35-39 macht in der Mitte (Einsamkeit, Gebet) das Kreuz als Ort des Loskaufes vom Fluch des Gesetzes präsent,
+ | an dem Jesus selbst zum Fluch geworden ist;
+ li
+ | die Angaben „ganz Judäa“ und „ganz Galiläa“ verkörpern die Völker, denen der Segens Abrahsm zuteilwird;
+ li
+ | entsprechend wird das Zuteilwerden des Segens einerseits – dem Freikauf gegenüberliegend – anhand jener erzählt,
+ | die zu Johannes dem Täufer kommen und sich taufen lassen,
+ br
+ | andererseits im Ziehen Jesu durch ganz Galiläa mit Dämonenaustreibungen angespielt,
+ br
+ | wobei sich die Dämonenaustreibungen durch Jesus mit der Taufe durch Johannes den Täufer verbinden.
+
+
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