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@ -120,7 +127,7 @@ block content
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h5.card-title Die Heilung des Mannes mit der verdorrten Hand: <q>wiederhergstellt</q>
h5.card-title Die Heilung des Mannes mit der verdorrten Hand: <q>wiederhergestellt</q>
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 3,1-6
.card.mb-1.konzentr-12
@ -180,23 +187,24 @@ block content
| Der ehedem Aussätzige verkündet (seine Heilung)
br
| Leute kommen „von überallher“ zu Jesus (Herkommen)
p.card-text.konzentr-3.bibeltextkonzentr
| 7 Jesus zog sich mit seinen Jüngern an den See zurück.
br
| Viele Menschen aus Galiläa aber folgten ihm nach.
br
| Auch aus Judäa, 8 aus Jerusalem und Idumäa, aus dem Gebiet jenseits des Jordan und aus der Gegend von Tyrus und Sidon
| kamen Scharen von Menschen zu ihm, als sie hörten, was er tat.
br
| 9 Da sagte er zu seinen Jüngern, sie sollten ein Boot für ihn bereithalten, damit er von der Menge nicht erdrückt werde.
br
| 10 Denn er heilte viele, sodass alle, die ein Leiden hatten, sich an ihn herandrängten, um ihn zu berühren.
br
| 11 Wenn die von unreinen Geistern Besessenen ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder und schrien:
br
q Du bist der Sohn Gottes!
br
| 12 Er aber gebot ihnen, dass sie ihn nicht bekannt machen sollten.
div.konzentr-3.bibeltextkonzentr
p.card-text.konzentr-3.bibeltextkonzentr.abschnitt_intern.mb-0
| 7 Jesus zog sich mit seinen Jüngern an den See zurück.
p.card-text.konzentr-2.bibeltextkonzentr.abschnitt_intern.mb-0
| Viele Menschen aus Galiläa aber folgten ihm nach.
br
| Auch aus Judäa, 8 aus Jerusalem und Idumäa, aus dem Gebiet jenseits des Jordan und aus der Gegend von Tyrus und Sidon
| kamen Scharen von Menschen zu ihm, als sie hörten, was er tat.
p.card-text.konzentr-1.bibeltextkonzentr.abschnitt_intern.mb-0
| 9 Da sagte er zu seinen Jüngern, sie sollten ein Boot für ihn bereithalten, damit er von der Menge nicht erdrückt werde.
p.card-text.konzentr-2.bibeltextkonzentr.abschnitt_intern.mb-0
| 10 Denn er heilte viele, sodass alle, die ein Leiden hatten, sich an ihn herandrängten, um ihn zu berühren.
br
| 11 Wenn die von unreinen Geistern Besessenen ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder und schrien:
br
q Du bist der Sohn Gottes!
p.card-text.konzentr-3.bibeltextkonzentr.abschnitt_intern
| 12 Er aber gebot ihnen, dass sie ihn nicht bekannt machen sollten.
@ -230,17 +238,17 @@ block content
li
| Auch der weitere Fortschritt der fortschreitenden Konzentrik stützt dies.
li
| Dann aber ist die Erzählung von der Auswahl der Zwölf „zu viel“!
| Dann aber wäre die Erzählung von der Auswahl der Zwölf „zu viel“!
p.card-text
| Man könnte als Ausweg geneigt sein, die Auswahlerzählung mit dem hinteren Teil der Aussätzigenerzählung zu verknüpfen.
br
| Doch steht dem entgegen, dass die sinnvollere konzentrische Gliederung entsteht, wenn man den Anfang für sich
| Doch steht dem entgegen, dass die sinnvollere konzentrische Gliederung entsteht, wenn man den Anfang der Aussätzigenerzählung für sich
| nimmt und nicht das Ende , wie oben als Anmerkungen am Text durch die aufgezeigten Gegensätzlichkeiten
| deutlich wird:
br
| Der erste Teil der Aussätzigenerzählung <i>muss</i> quasi Mitte einer konzentrischen Gliederung sein.
p.card-text.mb-0
| Ferner lässt sich die Erzählung von der Auswahl der Zwölf sich mit der ganzen Aussätzigenerzählung recht gut verbinden:
| Ferner lässt sich die Erzählung von der Auswahl der Zwölf mit der ganzen Aussätzigenerzählung recht gut verbinden:
ul.card-text
li
| Jesus beruft seine Apostel, damit er sie aussende „zu verkünden und mit Vollmacht Dämonen auszutreiben“.
@ -253,7 +261,7 @@ block content
li
| Hinzu kommt, als Stütze:
br
| Die Aussätzigenerzählung bildete das Ende einer konzentrischen Gliederung, als die Berufung der ersten Jünger die Mitte bildete.
| Die Aussätzigenerzählung bildete das untere Ende jener konzentrischen Gliederung, als die Berufung der ersten Jünger die Mitte bildete.
p.card-text
| Als weiterer Hinweis auf die Richtigkeit der gewählten konzentrischen Gliederung kann gelten,
| dass die Andrangserzählung mit einem Schweigegebot endet,
@ -273,6 +281,211 @@ block content
br
| Man wird von einer erweiterten Mitte sprechen müssen/dürfen (wie sie ähnlich auch schon zuvor begegnet ist).
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h5.card-title
q Jesus zog sich ... zurück
hr
ul.card-text
li
| Der Rückzug Jesu erscheint als Folge des unmittelbar vorausgehenden Tötungsbeschlusses durch die Pharisäer und Anhänger des Herodes.
li
| Gleichzeitig ist er Kontrast zur Verkündigungstätigkeit in „ganz Galiläa“ (Mk 1,39) sowie Parallele zum Rückzug nach der Heilung
| des Aussätzigen und aufgrund dessen Verkündigungstätigkeit (Mk 1,45);
br
| der Rückzug Jesu steht also auch in besonderem Bezug zu den beiden gegenüberliegenden Teilen der erweiterten Mitte.
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h5.card-title
q
| Jesus zog sich
i mit seinen Jüngern an den See
| zurück
hr
ul.card-text
li
| Der See war Ort der Berufung der ersten Jünger (Mk 1,16-20) sowie von Verkündigung (Mk 2,13) und wieder Berufung (MK 2,14),
br
| ist also neben anderem ein besonderer Ort für das Jüngersein;
br
| die Überfahrten der Jünger über den See mit ihren Schwierigkeiten und die diesbezüglichen Dialoge werden dies bestätigen.
li
| Auch die Gleichnisrede <i>auf dem See</i> (Mk 4,1-34) mit eingeschobener Jüngerbelehrung wird dies unterstreichen.
li
| Der Rückzug Jesu <i>mit den Jüngern</i> ist ein Motiv, das ab hier noch öfter begegnet und immer einer besonderen Unterweisung der Jünger dient,
| die zu Insidern der Lehre Jesu werden sollen, während andere „draußen“ sind (und bleiben wegen ihrer Ablehnung Jesu).
li
| Hierzu passt auch das Schweigegebot am Ende der Erzählung angesichts des „Bekenntnisses“ der Dämonen, das auch die Person Jesu (noch)
| mit dem Charakter des Geheimnisvollen umgibt.
li
| Wichtig ist aber festzuhalten, dass der Rückzug Jesu allein oder mit den Jüngern meist gar nicht funktioniert
| und grundsätzlich immer nur temporär ist, nie absolut, weil das Evangelium weiter geht mit weiteren Episoden und Jesu Dasein für die Vielen.
br
| Erst der Tod Jesu wird einen „Rückzug“ Jesu ganz eigener Art bedeuten, durch den er dann aber wirklich universell als Auferstandener
| da sein kann durch seine Jünger;
br
| dazu zieht er sich vor seinem Tod mit ihnen zurück, belehrt sie und beauftragt sie schließlich zum Stellvertreterdienst
| (→ nächste Erzählung: Berufung der Zwölf und deren perspektivische Aufgabe!).
li
| Für die Lehre Jesu die bisher verschwiegen wurde, vielmehr nur indirekt für den „sehenden Leser“ erschließbar ist
| und zu der auch das „Geheimnis um die Person Jesu“ gehört , gilt schließlich, dass sie grundsätzlich keine „Geheimlehre“ ist,
| dass sie vielmehr öffentlich verkündigt werden soll (vgl. auch Mk 4,22);
br
| darin unterscheidet sich das Christentum von anderen religiösen Gruppierungen (Qumran, Mysterienkulte).
br
| Dennoch wird es immer! solche geben, die „drinnen“ sind (verstehend nachfolgen), und solche, die „draußen“ sind
| (Jesus ungläubig und ihn nicht verstehend ablehnen).
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h5.card-title
| Von einem Neuansatz, der über sich hinaus verweist
hr
ul.card-text
li
| Bisher war das Zusammenkommen Vieler bei Jesus immer positiv und quasi Einleitung zu Verkündigung, Berufung und/oder Heilung.
li
| Dieses Moment fehlt hier, obwohl doch gerade hier besonders viele Menschen zusammenkommen, „aus allen Landen“ könnte man sogar sagen.
li
| Mehr noch: Der Wunsch Jesu, sich mittels eines Bootes vor dem Andrang und den Berührungen zu retten, steht in eigenwilligem Kontrast
| zum bisherigen Dasein Jesu für die Vielen einerseits und im Speziellen zur Berührung des Aussätzigen und später auch der blutflüssigen Frau
| in Mk 5,25-35 andererseits, wobei diese Berührungen in gewissem Gegensatz zu hier stets positiv konnotiert sind.
li
| Auch hier können die Berührungen an sich daher nicht wirklich negativ belegt sein;
br
| es scheint einfach die schiere Menge zu sein,
| die hier ein Problem ist.
li
| Die Erzählung bricht gerade im Vergleich mit anderen auch irgendwie ab und lässt die Menge letztlich unbefriedigt zurück.
br
| Die nächste Erzählung geht dann auch mit einem impliziten wie radikalen Ortswechsel einher: Jesus ist nun nicht mehr am See, sondern
| steigt auf einen Berg.
li
| Zu beachten ist aber, dass diese unmittelbar folgende Erzählung
| jene ist, in der Jesus die Zwölf bestellt, damit diese später genau wie er
| verkünden und Dämonen austreiben:
br
| Jesus setzt Multiplikatoren ein!
li
| Die Erzählung vom Andrang der überaus Vielen scheint genau dazu die Vorbereitung zu sein,
br
| die Einsetzung der Multiplikatoren die Antwort auf den großen, von Jesus allein nicht zu bewältigenden Andrang.
li
| Zu sehen ist auch, dass Jesus während der ganzen Andrangserzählung nur defensiv reagiert (Bootbereitstellung, Schweigegebot),
br
| während die Berufung der Zwölf zwar im genannten Sinne auch eine Reaktion Jesu auf den Andrang ist,
| aber eine offensive, die Zukunft in den Blick nehmende.
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h5.card-title
q
| Viele Menschen aus Galiläa aber folgten ihm nach. Auch aus Judäa, aus Jerusalem und Idumäa, aus dem Gebiet jenseits des Jordan
| und aus der Gegend von Tyrus und Sidon kamen Scharen von Menschen zu ihm ...
h6.card-subtitle.text-muted
| Die ganze Welt sucht das in Jesus gekommene Heil
hr
ul.card-text
li
| Der Andrang übertrifft den Andrang bei Johannes dem Täufer um Längen
br
| und verbindet sich mit der erweiterten Mitte der konzentrischen Gliederung:
ul.card-text
li
| Die Menschen aus Galiläa sind mit dem Ziehen Jesu durch ganz Galiläa in Mk 1,39 zu verbinden hier als „Einsammlungsbewegung“ vorgestellt;
br
| die Berufung der ersten Jünger <i>am See</i> zu <i>„Menschenfischern“</i> wird präsent.
br
| Für die Menschen aus Galiläa wird explizit von „Nachfolge“ gesprochen:
br
| sie hat Jesus von Mk 1,39 her offenbar nicht nur im Schlepptau im Sinne des Nachlaufens, sie sind so ist angedeutet direkt
| in die Nachfolge im Sinne des Jüngerseins eingetreten.
li
| Die anderen genannten Menschen und Gegenden verbinden sich mit den „Leuten von überallher“ in Mk 1,45.
li
| Insgesamt ist festzuhalten:
br
| Der Kreis der vielen Menschen, die zu Jesus kommen, weitet sich von deren Herkunft her:
br
| es sind <i>„die Vielen“</i> in einem ganz umfassenden Sinn;
br
| und dies ist in Beziehung zu setzen mit der Mitte der konzentrischen Gliederung:
br
| was in der Mitte an <i>einem</i> erzählt wird, daran wollen (sollen) die (umfassenden) <i>Vielen</i> Anteil haben.
li
| Mit der Erwähnung von Tyrus und Sidon also Städten, die mehrheitlich von Heiden bewohnt werden
| als Herkunftsorte der zu Jesus strömenden Massen wird die Heiden-Thematik,
| die schon in vorherigen Erzählungen präsent gewesen ist (Apostelnamen, doppeltes Dachöffnen; Gesetzesthematik),
| explizit aufgegriffen.
li
| Markus suggeriert damit:
br
i Die ganze Welt sucht die Erlösung, das durch Jesus in die Welt gekommen ist;
br
| auch die Heiden gehören zu den „Vielen“ dazu, die nach Anteilhabe an der Erlösung in Christus streben.
br
| Offenbar ist jene Heilung, die Jesus ermöglicht, so wird implizit ausgedrückt in niemandem anderem als Jesus zu finden.
li
| Zu erinnern ist an dieser Stelle, dass die Heilung des „Aussätzigen“ mit der erzählerischen „Befolgung“ des jüdischen Gesetzes
| durch Jesus
span.bibelstelle Gal 4,4-5
| vergegenwärtigt:
br
q.bibeltext
| Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau
br
i und dem Gesetz unterstellt,
br
i damit er die freikaufe, die unter dem Gesetz stehen, und damit wir die Sohnschaft erlangen.
br
| Damit ist zum einen die Befreiung vom tödlichen Fluch des Gesetzes im Kreuzestod Jesu ausgedrückt,
br
| zum anderen aber insgesamt das Ende des Zeitalters des jüdischen Gesetzes,
| was gesetzesfreie Heidenmission ermöglicht:
br
i in Christus steht </i>allen<i> das Tor zur Gottes-Sohnschaft offen!
br
| Und es strömen die Massen herbei, auch aus dem Heidentum.
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h5.card-title
q ... als sie hörten, was er tat
hr
ul.card-text
li
| Mit diesem Teilsatz werden die Taten Jesu bisher rekapituliert, besonders von
span.bibelstelle Mk 1,21-28
| an,
| hatte es dort nach der ersten Dämonenaustreibung doch explizit geheißen:
br
q.bibeltext
| Und sein Ruf verbreitete sich rasch im ganzen Gebiet von Galiläa.
br
| Eine weitere wichtige Station im Evangelium ist die Verkündigung des ehedem Aussätzigen „bei jeder Gelegenheit“ (Mk 1,44),
| was schon in der dortigen Erzählung das Kommen der „Leute von überallher“ mit sich brachte, ohne Einschränkung auf Galiläa
| diese Episode steht jetzt in der erweiterten Mitte der konzentrischen Gliederung.
li
| Von den in der aktuellen Erzählung hervorgehobenen Berührungen zur Heilung her fällt natürlich bei dem, was die vielen hörten
| und was sie zum Kommen veranlassten,
| der Blick in besonderer Weise
| auf die heilende Berührung des Aussätzigen durch Jesus.
li
| Bemerkenswert ist, dass die Verkündigung der Taten Jesu bisher durch unautorisierte Personen geschah,
br
| die Auswahl der Zwölf findet erst in der nächsten Erzählung statt, deren Aussendung sogar noch später.
br
| Dahinter könnte eine gewisse Relativierung der Zwölf bzw. der explizit autorisierten Verkündiger insgesamt stehen,
br
| wird doch erfolgreiche Verkündigung erzählt, <i>genau bevor</i> die amtliche Beauftragung dazu in Blick kommt.
p.small
| Eine gewisse Parallele dazu findet sich in Mk 9,38-40, als die Jünger Jesus auf einen fremden Wundertäter hinweisen,
| der im Namen Jesu Dämonen austreibt, und Jesus explizit Reglementierung verbietet.
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h5.card-title
@ -291,54 +504,128 @@ block content
br
| vielmehr kommt es zu einem heilenden Austausch:
br
| Jesus lädt die Krankheit der Menschen auf sich und gibt ihnen dafür sein Leben.
.card.slide.border-primary.mb-3
.card-body
h5.card-title
q ... und aus der Gegend von Tyrus und Sidon
h6.card-subtitle.text-muted Andrang auch aus den heidnischen Gebieten
hr
ul.card-text
| Jesus lädt die Krankheit der Menschen auf sich (→ Tod am Kreuz) und gibt ihnen dafür sein Leben.
li
| Der Kreis der vielen Menschen, die zu Jesus kommen, weitet sich von deren Herkunft her;
br
| es sind „die Vielen“ in einem ganz umfassenden Sinn:
br
| was in der Mitte an <i>einem</i> erzählt wird, daran wollen (sollen) die (umfassenden) Vielen Anteil haben.
li
| Schon in vorherigen Erzählung ist die Heiden-Thematik präsent gewesen (Apostelnamen, doppeltes Dachöffnen; Gesetzesthematik);
br
| hier nun wird mit der Herkunft von Menschen aus Tyrus und Sidon also Städten, die mehrheitlich von Heiden bewohnt werden
| diese Thematik explizit aufgegriffen;
br
| auch die Heiden gehören zu den „Vielen“ dazu, die an der Erlösung in Christus Anteil haben.
| Dies wird auch für Heiden in gewisser Weise, nämlich aus jüdischer Perspektive, auch „Aussätzige gelten.
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h5.card-title
q Da sagte er zu seinen Jüngern, sie sollten ein Boot für ihn bereithalten, damit er von der Menge nicht erdrückt werde.
h6.card-subtitle.text-muted Vorbereitung der Wahl der Zwölf
h6.card-subtitle.text-muted Anspielung auf Jesu Tod zum Heil der Vielen Vorbereitung der Wahl der Zwölf
hr
ul.card-text
li
| Während die Aussätzigenerzählung den Willen Jesu zur Heilung des Aussätzigen und sein Mitleid unterstreicht,
| ergreift Jesus hier quasi die Flucht angesichts der unheimlichen Massen, die zu ihm kommen.
li
| Deutlich soll wohl werden: einer allein schafft das nicht;
br
| damit ist die Bestellung der Zwölf und ihrer perspektivischen Sendung in der nächsten Erzählung vorbereitet.
| Der Andrang als solcher, der Wunsch, an die durch Jesus vermittelte Heilung zu kommen, ist allerdings als legitim zu betrachten (s. o.).
li
| Was die Einheitsübersetzung mit „an ihn herandrängten“ übersetzt, heißt eigentlich „auf ihn stürzten“ eine recht drastische Formulierung (Mk 3,10);
br
| im Gegenzug ist das „Erdrücktwerden“ eigentlich ein „Bedrängtwerden“ (Mk 3,9);
br
| der Andrang bringt Jesus also in Bedrängnis, weil man sich regelrecht auf ihn stürzt: das „Erdrücktwerden“ steht durchaus im Raum.
li
| Es scheint dieser brachiale Andrang zu sein, der Jesus zu einem Ausweichmanöver zwingt,
| will er nicht (schon) hier sein Leben lassen.
li
| Die Angst, im Dienst an den Vielen sein Leben zu lassen, muss aber auch tiefer verstanden werden;
br
| den Jesus wird ja tatsächlich dann am Kreuz sein Leben für die Vielen lassen;
| denn Jesus wird ja tatsächlich dann am Kreuz sein Leben für die Vielen lassen;
br
| darauf soll hier sicher angespielt werden,
br
| nur ist es dafür jetzt noch nicht der Zeitpunkt.
| nur ist es dafür jetzt noch nicht der Zeitpunkt erzählerisch wird es aber angedeutet.
li
| In diesem Sinne wird es dann den Dienst der in der nächten Erzählung bestellten Zwölf
| (und weiterer) nach Ostern dann auch <i>notwendig</i> brauchen.
| Hier passt auf eigenwillige Weise auch die Szenerie „am See“,
| ist das Wasser doch durchaus „Ort des Todes“, wie dann auch die Überfahrten über den See zeigen;
br
| vgl. auch die Taufsymbolik (→ Hineinsteigen in das Wasser: Tod; Heraussteigen → (Anteil an) Auferstehung).
br
| Jesus steht hier quasi mit dem Rücken zum See, und es fehlt nicht mehr viel, dass man ihn im Eifer des Gefechts hineindrängt und er dabei umkommt.
li
| Das hier bereitgestellte Boot wird Jesus erst in Mk 4 zur Gleichnisrede nutzen;
br
| er nutzt es, um vom See aus für die vielen Menschen da sein zu können, die alle ihn hören wollen.
br
| Hier gibt es eine bemerkenswerte Parallele zu Tod und Auferstehung Jesu,
| denn erst dadurch wird Jesus dann in einem umfassenden Sinn für <i>alle</i> Menschen da sein können,
br
| erst sein Tod und seine Auferstehung eröffnen den Weg auch in die Heidenwelt, die hier bereits „anklopft“.
br
| Zu bedenken ist hier auch: Das Boot ermöglicht ein Überleben auf dem Wasser; ohne dieses versinkt man in den Fluten und stirbt.
br
| Vielleicht ist also das Boot auf dem See, das hier bereitgestellt und später genutzt werden wird,
| unter Berücksichtigung der Verbindung See → Wasser → Tod von tiefer Symbolik und zeigt mit seiner unmittelbaren Todesnähe an,
| dass Jesus sterben und auferstehen muss, um dann tatsächlich für alle Menschen da sein zu können.
li
| In diese Betrachtung passen auch andere Beobachtungen am Text:
ul.card-text
li
| In der vorausgehenden Erzählung ist der Todesbeschluss der Pharisäer und Herodesanhänger ausgesprochen.
li
| In der Erzählung selbst wird der Tod Jesu nicht nur durch die von Jesus erlebte Bedrängnis gegenwärtig,
| sondern auch im Schweigegebot an die Dämonen,
ul.card-text
li
| das daran erinnert, dass Jesus den Dämonen voraus ins Verderben gegangen ist,
| um diese ins Verderben zu stürzen,
li
| und daran anknüpft, dass Jesus auch dem geheilten „Aussätzigen“, mit dem
| Jesus einen (für ihn tödlichen) Austausch vollzogen hat, ein Schweigegebot auferlegt hat.
li
| Die Erzählung ist konzentrisch gegliedert um die Bootbereitstellung aufgrund der Befürchtung Jesu, erdrückt zu werden.
br
| Wie sich die inneren Elemente um die Mitte inhaltlich entsprechen es ist jeweils vom starken Andrang bis hin zur Bedrängnis die Rede ,
| müssen sich den Gesetzen der Konzentrik folgend auch die äußeren Elemente um die Mitte inhaltlich entsprechen.
br
| Beiden Rückzug wie Schweigegebot wohnt ein Moment des Geheimnishaften inne, insofern beides ein Gegengeschehen
| zu einer breiten Öffentlichkeit ist.
br
| Wie aber das Schweigegebot wie gerade in Erinnerung gerufen den Tod Jesu am Kreuz in der Erzählung präsent macht,
| so legt es sich auch beim Rückzug Jesu nahe, diesen mit dem Tod Jesu im Horizont zu verbinden:
ul.card-text
li
| Der Rückzug Jesu kann als Reaktion auf den Todesbeschluss interpretiert werden;
li
| dass er an den See (→ Wasser → Tod) geschieht, könnte die Todesbezogenheit des Rückzugs unterstreichen;
li
| gleichzeitig kann mit Blick auf die Mitte der konzentrischen Gliederung der Rückzug in Verbindung gebracht werden mit
| dem „Aussätzig“-Gewordensein durch die heilende Berührung des „Aussätzigen“ und damit (auch) von daher den Tod Jesu im Horizont haben,
br
| verstärkt noch dadurch, dass ein analoges Handeln Jesu in der erweiterten Mitte der konzentrischen Gliederung erzählt wird.
| Jedenfalls ist wahrscheinlich, dass der Rückzug Jesu an den See mit dessen Tod in Verbindung zu sehen ist,
| wird der Rückzugsort doch zum Ort der von Jesus erlebten Todesbedrängnis.
li
| Als Rahmung der Erzählung ergeben sich (also) mit Rückzug Jesu am Anfang und Schweigegebot an die Dämonen am Ende Verweise
| auf den Tod Jesu;
br
| die Mitte der Erzählung stellt die Todesangst Jesu vor Augen, die ihn ein Boot ein Überleben auf dem Wasser des Todes für sich bereitstellen lässt.
li
| Auch in der Mitte der konzentrischen Gliederung ist der Tod Jesu gegenwärtig im „Austausch“ Jesu mit dem „Aussätzigen“,
| der auf all jene, die hier Jesus berühren, zu applizieren ist.
li.small
| Schließlich passt auch die Symbolik des Auf-den-Berg-Steigens zu Beginn der nächsten Erzählung gut dazu,
| kann man darin doch die Auferstehung Jesu angedeutet sehen; siehe dort.
li
| Von hieraus fällt ein interessanter Blick auf die nachfolgende Bestellung der Zwölf, die später die Tätigkeit Jesu als eigene Tätigkeit übernehmen sollen:
ul.card-text
li
| Zum einen ist es der große Ansturm, der von Jesus allein nicht zu bewältigen ist,
| der zur Berufung der Zwölf und ihrer perspektivischen Aussendung führt.
li
| Zum anderen ist gleichzeitig aber vom See des Todes und vom Berg der Auferstehung her die Zeit nach Ostern im Blick,
| in der Jesus als Auferstandener <i>durch seine Gesandten</i> in der Welt verkündigend und heilend gegenwärtig ist und bleibt.
li
| <i>Beides</i> liegt im Fokus des Evangelisten.
li
| Eine gewisse Analogie zum Zurückschrecken Jesu vor dem Tod aufgrund/zugunsten der Vielen in der vorliegenden Erzählung
| findet sich in der Getsemani-Erzählung, in der Jesus angesichts des nun unmittelbar vor ihm liegenden Weges ans Kreuz
| etwas zurückschreckt, sich aber doch ganz in den Willen Gottes fügt.
br
| Wie es in der Getsemani-Erzählung die sich auflösende Gegenüberstellung „mein Wille dein Wille“ gibt,
| so wird in Mitte der aktuellen konzentrischen Gliederung der Wille Jesu zur Heilung des „Aussätzigen“ explizit herausgestellt.

View File

@ -226,60 +226,126 @@ block content
br
| 35 Wer den Willen Gottes tut, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.
.card.slide.border-primary.mb-3
.card-body
h5.card-title
q ... sie blieben draußen
hr
ul.card-text
li
| Draußen und Drinnen sind bei Markus hier und öfter nicht nur Orts-Angaben sondern auch Verhältnis-Angaben:
br
| es geht um das innerliche Verhältnis zu Jesus.
li
| Dass die Familie Jesu zu ihm auf Konfrontationskurs steht, zeigte schon Mk 3,20-21: die Familie macht sich auf,
| um Jesus mit Gewalt zurückzuholen, weil sie ihn für von Sinnen hält.
li
| Nun heißt es, dass die Familie „draußen“ vor dem Haus stehen bleibt; dies zeigt auch ihre innerliche Stellung zu Jesus an.
li
| Die Familie lässt Jesus herausrufen zu sich, und dieser Ruf wird auch an Jesus herangetragen;
br
| doch statt sich auf den Weg nach draußen zu machen, gibt Jesus eine einer Abfuhr gleichkommende Antwort;
br
| er bleibt drinnen bei den Seinen, die auch drinnen sind , die Familie bleibt draußen.
.card.slide.border-primary.mb-3
.card-body
h5.card-title
q Wer den Willen <i>Gottes</i> tut!
hr
p.card-text
| Die vorliegende Erzählung führt die vorausgehende weiter mit der Fragestellung, in wessen Diensten Jesu steht;
br
| dabei bildet die Heilung des Gelähmten im engeren Sinn (Mk 2,3-12) die Mitte der konzentrischen Gliederung.
p.card-text
| Mit dem klaren Bezug auf den Willen Gottes setzt sich Jesus nochmal deutlich vom Vorwurf ab, im Dienste Beelzebuls bzw. der Sünde zu stehen.
br
| Gleichzeitig macht er deutlich, dass es nicht nur darum geht, Sünde nicht zu tun, sondern aktiv den Willen Gottes umzusetzen.
br
| Dies ist in einem engen Sinn zu verstehen, wie bei der Betrachtung der vorausgehenden Erzählung aufgezeigt: man ist entweder
| Diener der Sünde oder Diener Gottes, und ist aufgefordert, hier auch konsequent zu sein ganz im Sinne von Röm 6.
p.card-text.mb-0
| Was es heißt, den Willen Gottes zu tun, das zeigt die Mitte der konzentrischen Gliederung:
ul.card-text
li
| Die Vier, die den Gelähmten tragen, scheuen keinen Aufwand, um ihm Heilung zuteil werden zu lassen;
| sie stellen sich in den Dienst einer Existenz am Rande (Gelähmter) bzw. eines Menschen, der der Umkehr(hilfe) bedürftig ist.
br
| Bei ihnen „sieht“ Jesus den „Glauben, der durch die Liebe wirkt“ (Gal 5,6), worauf er den Gelähmten „heilt“.
li
| Jesus selbst ist auch zu nennen: er ermöglicht mit seinem Gekreuzigtwerden, Sterben, Begrabenwerden und Auferstehen
| die heilvolle Schicksalsgemeinschaft mit ihm (Mit-Gekreuzigtwerden, Mit-Sterben, Mit-Begrabenwerden, in der Neuheit des Lebens wandeln),
| die von einem der Sünde verfallenen Leben zu einem Leben
| im Dienste Gottes befreit (und dazu auch verpflichtet);
| Die vorliegende Erzählung führt die vorausgehende weiter mit der Fragestellung, in wessen Diensten Jesu steht;
br
| gleichzeitig wird der Weg Jesu selbst als dem Willen Gottes entsprechend dargestellt.
| mit dem klaren Bezug auf den Willen Gottes setzt sich Jesus nochmal deutlich vom Vorwurf ab, von Beelzebul besessen zu sein
| bzw. im Dienste der Sünde zu stehen.
li
| Schließlich ist auf den Gelähmten selbst zu blicken, der sich erhebt, um in der Neuheit des Lebens zu wandeln;
| dazu nimmt er seine Bahre mit, um künftig selber Menschen in einem ganz existentiellen (doppelten) Sinne aufzuhelfen.
p.card-text
| Das <i>Tun</i> des Willen Gottes verbindet sich anders als im Judentum bzw. bei judaisierenden Christen nicht mit
| dem jüdischen Gesetz, sondern mit dem „Glauben, der durch die Liebe wirkt“, wie ihn die Vier leben.
br
| Denn das Gesetz gehört nach christlich-paulinischer Sicht einer vorausgehenden Epoche an, die unter der Herrschaft der Sünde stand,
| wobei das Gesetz eine unrühmliche Rolle spielte. Mit Christus mit seinem Tod und seiner Auferstehung
| ist das Zeitalter des Glaubens angebrochen, wie Paulus in Gal 3,19-25 ausführt.
p.card-text
| Der Glaube an Tod und Auferstehung Jesu nimmt aber in die Pflicht, sein Leben entsprechend auszurichten;
br
| Glaube ist bei Markus wie Paulus ein tätiger Glaube, der die in Jesu Tod und Auferstehung
| ermöglichte und in der Taufe vollzogene Lebenswende
| mit der ganzen Existenz aneignet:
br
| Der „Glaube an den Sohn Gottes, der mich geliebt uns sich für mich hingegeben hat“ (Gal 2,20)
| zeigt sich als „Glaube, der durch die Liebe wirkt“ (Gal 5,6);
br
| er ist nie nur Bekenntnisglaube.
| Während bei der Verteidigungsrede Jesu die Heilung des Gelähmten insgesamt (Mk 2,1-12) die Mitte
| der konzentrischen Gliederung bildete, so nun die Heilung des Gelähmten im engeren Sinn (Mk 2,3-12);
| immer noch hat sie (unter anderem) die Tauftheologie nach Röm 6 im Schlepptau.
li
| Während bei der Verteidigungsrede im Hinblick auf die Mitte der konzentrischen Gliederung und Röm 6
| der Fokus vor allem auf Jesus selbst lag, liegt nur der Fokus besonders auf dem ehedem Gelähmten,
| der sich zu einem neuen Leben erhoben hat.
li
| Dabei wird der in der Verteidigungsrede wichtige Satz
br
q.bibeltext
| Denn durch sein Sterben ist er [= Jesus] ein für alle Mal gestorben für die Sünde,
br
| sein Leben aber lebt er für Gott.
span.bibelstelle Röm 6,10
br
| fortgeführt mit
br
q.bibeltext
| 11 So begreift <i>auch ihr</i> euch als Menschen, die für die Sünde tot sind, aber für Gott leben in Christus Jesus.
br
| 12 Daher soll die Sünde nicht mehr in eurem sterblichen Leib herrschen, so dass ihr seinen Begierden gehorcht.
br
| 13 Stellt eure Glieder nicht der Sünde zur Verfügung als Waffen der Ungerechtigkeit, sondern stellt euch Gott zur Verfügung
| als Menschen, die aus Toten zu Lebenden geworden sind, und stellt eure Glieder als Waffen der Gerechtigkeit in den Dienst Gottes!
span.bibelstelle Röm 6,11-13
br
| Ferner sei hingewiesen auf folgende Aussagen:
br
q.bibeltext Wie können wir, die wir für die Sünde tot sind, noch in ihr leben?
span.bibelstelle Röm 6,2
br
q.bibeltext
| Wir wissen doch: Unser alter Mensch wurde mitgekreuzigt, damit der von der Sünde beherrschte Leib
| vernichtet werde, sodass wir nicht mehr Sklaven der Sünde sind.
br
| Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde.
span.bibelstelle Röm 6,6-7
br
| Das ganze Kapitel Röm 6 ist von einer scharfen Trennlinie geprägt:
| man ist entweder
| Diener der Sünde oder Diener Gottes, und ist aufgefordert, hier auch konsequent zu sein.
br
| So ist auch die Aussage Jesu in Mk 3,35 hinsichtlich des Tuns des Willens Gottes in einem engen Sinn zu verstehen,
| auch in Absetzung von den Vorwürfen in der vorausgehenden Erzählung.
li
| Was es heißt, den Willen Gottes zu tun, das zeigt die Mitte der konzentrischen Gliederung:
ul.card-text
li
| Die Vier, die den Gelähmten tragen, scheuen keinen Aufwand, um ihm Heilung zuteil werden zu lassen;
| sie stellen sich in den Dienst einer Existenz am Rande (Gelähmter) bzw. eines Menschen, der der Umkehr(hilfe) bedürftig ist.
br
| Bei ihnen „sieht“ Jesus den „Glauben, der durch die Liebe wirkt“ (Gal 5,6), woraufhin er den Gelähmten „heilt“.
li
| Jesus selbst ist auch zu nennen: er ermöglicht mit seinem Gekreuzigtwerden, Sterben, Begrabenwerden und Auferstehen
| die heilvolle Schicksalsgemeinschaft mit ihm (Mit-Gekreuzigtwerden, Mit-Sterben, Mit-Begrabenwerden, in der Neuheit des Lebens wandeln),
| die von einem der Sünde verfallenen Leben zu einem Leben
| im Dienste Gottes befreit (und dazu auch verpflichtet);
br
| gleichzeitig wird der Weg Jesu selbst als dem Willen Gottes entsprechend dargestellt.
li
| Schließlich ist auf den Gelähmten selbst zu blicken, der sich erhebt, um in der Neuheit des Lebens zu wandeln;
| dazu nimmt er seine Bahre mit, um künftig selber Menschen in einem ganz existentiellen (doppelten) Sinne aufzuhelfen.
li
| Das <i>Tun</i> des Willen Gottes verbindet sich anders als im Judentum bzw. bei judaisierenden Christen nicht mit
| dem jüdischen Gesetz, sondern mit dem „Glauben, der durch die Liebe wirkt“, wie ihn die Vier leben.
br
| Denn das Gesetz gehört nach christlich-paulinischer Sicht einer vorausgehenden Epoche an, die unter der Herrschaft der Sünde stand,
| wobei das Gesetz eine unrühmliche Rolle spielte. Mit Christus mit seinem Tod und seiner Auferstehung
| ist das Zeitalter des Glaubens angebrochen, wie Paulus in Gal 3,19-25 ausführt.
li
| Der Glaube an Tod und Auferstehung Jesu nimmt aber in die Pflicht, sein Leben entsprechend auszurichten;
br
| Glaube ist bei Markus wie Paulus ein tätiger Glaube, der die in Jesu Tod und Auferstehung
| ermöglichte und in der Taufe vollzogene Lebenswende
| mit der ganzen Existenz aneignet:
br
| Der „Glaube an den Sohn Gottes, der mich geliebt uns sich für mich hingegeben hat“ (Gal 2,20)
| zeigt sich als „Glaube, der durch die Liebe wirkt“ (Gal 5,6);
br
| er ist nie nur Bekenntnisglaube.
li
| Im Rückblick auf die vorausgehenden Erzählungen, bei denen Jesu Handeln gerade auch von „jüdischen“ Autoritäten
| problematisiert wurde, wird die Verpflichtung zum Tun des Willens Gottes im Munde Jesu
| auch zu einer Verpflichtung, <i>seiner</i> Interpretation des Willens Gottes zu folgen, durchaus in Absetzung
| der Traditionen der „Schriftgelehrten“.
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@ -287,51 +353,52 @@ block content
q ... der ist für mich Familie!
h6.card-subtitle.text-muted Eine neue, ethische Definition von Familie
hr
p.card-text
| Die vorliegende Erzählung führt auch die vorvorausgehende Erzählung weiter, bei der sich die biologische Familie
| Jesu auf den Weg zu ihm gemacht hatte;
br
| nun erhält sie eine klare Abfuhr von ihm, und wir erleben den Übergang von Familie zur Gemeinde
| mit Übernahme der typischen Familien-Begriffe Bruder und Schwester sowie hier auch Mutter:
p.card-text
i
| Wer zur Familie Jesu der Familie Gottes, der Gemeinde gehören will,
ul.card-text
li
| Die vorliegende Erzählung führt auch die vorvorausgehende Erzählung weiter, bei der sich die biologische Familie
| Jesu auf den Weg zu ihm gemacht hatte;
br
| Bruder, Schwester, Mutter Jesu sein will,
| nun erhält sie eine klare Abfuhr von ihm, und wir erleben den Übergang von Familie zu Gemeinde
| mit Übernahme der typischen Familien-Begriffe Bruder und Schwester sowie hier auch Mutter:
li
i
| Wer zur Familie Jesu der Familie Gottes, der Gemeinde gehören will,
br
| Bruder, Schwester, Mutter Jesu sein will,
br
| der muss den Willen Gottes aktiv tun.
li
| Damit werden im Hinblick auf die christliche Gemeinde biologische, über das Blut laufende
| Kategorien einer Gemeinschaft aufgebrochen, ja zurückgewiesen,
| und eine ethische Definition an deren Stelle gesetzt:
br
| der muss den Willen Gottes aktiv tun.
p.card-text
| Damit werden im Hinblick auf die christliche Gemeinde biologische, über das Blut laufende
| Kategorien einer Gemeinschaft aufgebrochen, ja zurückgewiesen,
| und eine ethische Definition an deren Stelle gesetzt:
br
| Die christliche Familie im Sinne von Gemeinde definiert sich nicht durch biologische Abstammung wie das Volk Israel ,
| sondern durch das Tun des Willens Gottes, wozu sie durch Christus befreit wurde (→ Mitte der konzentrischen Gliederung)
| und um den sie sich versammelt,
| wie hier die Gemeinschaft, auf die Jesus verweist, um ihn sitzt.
p.card-text
| Damit wird einerseits deutlich, dass biologische, über das Blut laufende Kategorien nicht ausreichen,
| man Christ „nicht einfach ist“ aufgrund einer bestimmten Abstammung;
br
| es findet hier also eine Einschränkung statt, die das tatsächliche Tun des Willens Gottes zum Maßstab macht.
p.card-text
| Gleichzeitig findet eine Weitung statt, die in der hier begegnenden Definition von Familie im Sinne von Gemeinde
| perspektivisch enthalten ist, durch
| die Mitte der konzentrischen Gliederung aber auch präsent wird:
br
| Denn insofern in der Mitte der konzentrischen Gliederung auch die Völkerthematik eine tragende Rolle spielt
| (doppelte Dachöffnung!), bringt die hier vorgenommene ethische Definition von Familie im Sinne von Gemeinde
| eine grundsätzliche Weitung in die Völkerwelt mit sich;
br
| die biologische Familie Jesu, die hier anklopft, wird in dieser Perspektive durchsichtig auf das jüdische Volk.
p.card-text
| Nicht nur eine biologisch-blutlinienmäßige, sondern auch eine völkisch-nationalistische Definition von Familie im Sinne von Gemeinde
| wird hier
| zurückgewiesen mit der neuen, ethischen Definition dieses sozialen Gebildes;
br
| damit wird gleichzeitig Platz geschaffen für eine
| völkerverbindende Gemeinschaft als „Familie Gottes/Jesu“, die den Willen Gottes in der Nachfolge Jesu tut
| im Sinne des „Glaubens, der durch die Liebe wirkt“.
| Die christliche Familie im Sinne von Gemeinde definiert sich nicht durch biologische Abstammung wie das Volk Israel ,
| sondern durch das Tun des Willens Gottes, wozu sie durch Christus befreit wurde (→ Mitte der konzentrischen Gliederung)
| und um den sie sich versammelt,
| wie hier die Gemeinschaft, auf die Jesus verweist, um ihn sitzt.
li
| Damit wird einerseits deutlich, dass biologische, über das Blut laufende Kategorien nicht ausreichen,
| man Christ „nicht einfach ist“ aufgrund einer bestimmten Abstammung;
br
| es findet hier also eine Einschränkung statt, die das tatsächliche Tun des Willens Gottes zum Maßstab macht.
li
| Gleichzeitig findet zweitens eine Weitung statt, die in der hier begegnenden Definition von Familie im Sinne von Gemeinde
| perspektivisch enthalten ist, durch
| die Mitte der konzentrischen Gliederung aber auch präsent wird:
br
| Denn insofern in der Mitte der konzentrischen Gliederung auch die Völkerthematik eine tragende Rolle spielt
| (doppelte Dachöffnung!), bringt die hier vorgenommene ethische Definition von Familie im Sinne von Gemeinde
| eine grundsätzliche Weitung in die Völkerwelt mit sich;
br
| die biologische Familie Jesu, die hier anklopft, wird in dieser Perspektive durchsichtig auf das jüdische Volk.
li
| Nicht nur eine biologisch-blutlinienmäßige, sondern auch eine völkisch-nationalistische Definition von Familie im Sinne von Gemeinde
| wird hier
| zurückgewiesen mit der neuen, ethischen Definition dieses sozialen Gebildes;
br
| damit wird gleichzeitig Platz geschaffen für eine
| völkerverbindende Gemeinschaft als „Familie Gottes/Jesu“, die den Willen Gottes in der Nachfolge Jesu tut
| im Sinne des „Glaubens, der durch die Liebe wirkt“.
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@ -339,14 +406,72 @@ block content
q ...der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter
h6.card-subtitle.text-muted Vater!?
hr
p.card-text
| In der Aufzählung der Familienangehörigen fehlt der Vater;
br
| sicher ganz bewusst.
p.card-text
| Denn der <i>eine</i> Vater ist Gott selbst!
p.card-text
| Dies Vorstellung begegnet auch im Verlassen des (eigenen, biologischen) Vaters durch die Söhne des Zebedäus
| sowie dann später bei weiteren Aufzählungen von Familien-Gliedern.
p.card-text
| Darin liegt auch ein anti-hierarchischer Impuls (wie das Aufgreifen der Macht-Frage im Evangelium an anderen Stellen zeigt).
ul.card-text
li
| In der Aufzählung der Familienangehörigen fehlt der Vater;
br
| sicher ganz bewusst.
li
| Denn der <i>eine</i> Vater ist Gott selbst!
li
| Dies Vorstellung begegnet auch im Verlassen des (eigenen, biologischen) Vaters durch die Söhne des Zebedäus
| sowie dann später bei weiteren Aufzählungen von Familien-Gliedern.
li
| Darin liegt auch ein anti-hierarchischer Impuls (wie das Aufgreifen der Macht-Frage im Evangelium an anderen Stellen zeigt).
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h5.card-title
| Der implizite Vorwurf an die „Familie“ Jesu, den Willen Gottes <i>nicht</i> zu tun
hr
ul.card-text
li
| Aus der Abfuhr „Jesu“ an seine „Familie“ und dem Verweis Jesu auf den Willen Gottes
| lässt sich der latente Vorwurf heraushören, die „Familie“ Jesu würde den Willen Gottes nicht tun.
li
| Das verbindet sich sehr gut quasi als Gegenanklage (analog zur Spießumkehr bei der Verteidigungsrede)
| mit der negativen Meinung der „Familie Jesu“ über Jesus,
| die in der vorvorausgegangenen Erzählung deutlich geworden war.
li
| Es ist von einer <i>nachösterlichen</i> Problematik auszugehen;
br
| jedenfalls fügt sich dieser implizite Vorwurf gut ein in das Gegenüber zum Herrenbruder „Jakobus“ („gegenwärtig“ in der Apostelliste)
| und den „Schriftgelehrten, die aus Jerusalem herabkamen“ also judaisierenden Christen ,
| die Paulus bzw. seinen Gemeinden das Leben schwer machen.
br
| Gleichzeitig lässt sich auch die abfällige Meinung der „Familie Jesu“ über „Jesus“ am ehesten hier einordnen, zumindest in der Aussageabsicht des Markus.
br
| Es entsteht jedenfalls ein gutes nachösterliches Gesamtbild, das die Interpretation der einzelnen Episoden auf diese Zeit hin stützt,
| vor allem auch die Deutung der „Schriftgelehrten, die aus Jerusalem herabkamen“ auf den Kreis um Jakobus und
| des Gegenübers „Schriftgelehrte ↔ Jesus“ auf das dahinter stehende Gegenüber „Jakobus ↔ Paulus“ (in Sachen Rechtfertigungslehre).
li
| In diesem Kontext nicht irrelevant ist, dass Paulus in
span.bibelstelle Gal 6,12-13
| wohl genau dem Kreis um Jakobus (bzw. damit zusammenhängenden Kreisen im Judenchristentum)
| vorwirft, den Willen Gottes wie er im jüdischen Gesetz formuliert ist nicht zu tun:
br
q.bibeltext
| Jene Leute, die im Fleisch nach Anerkennung streben [was nach Paulus Sünde ist → Ruhmsucht],
| nötigen euch nur deshalb zur Beschneidung [und damit zur Übernahme des Gesetzes]
| damit sie wegen des Kreuzes Christi nicht verfolgt werden.
br
i Denn obwohl sie beschnitten sind, halten sie selbst das Gesetz nicht;
br
| dennoch dringen sie auf eure Beschneidung, damit sie sich eures Fleisches rühmen können.
br
| Dies könnte hier im Hintergrund stehen.
br
| Verwandt damit ist sicher
span.bibelstelle Phil 3,18-19:
br
q.bibeltext
| 18 ... viele von denen ich oft zu euch gesprochen habe, doch jetzt unter Tränen spreche
| leben als Feinde des Kreuzes Christi.
br
| 19 Ihr Ende ist das Verderben, ihr Gott der Bauch und ihre Ehre besteht in ihrer Schande;
br
i Irdisches haben sie im Sinn.

View File

@ -177,88 +177,104 @@ block content
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h5.card-title Jesus und seine Familie offenbar ein spannungsreiches Verhältnis
hr
p.card-text
| Hier hat sich wahrscheinlich die Erinnerung erhalten, dass es eine Spannung gab zwischen Jesus und seiner leiblichen Familie
| während Jesu irdischen Wirkens.
br
| Im ganzen Evangelium des Markus wird nie positiv von einem Familienangehörigen Jesu gesprochen,
| auch fehlt besonders auffällig die Familie etwa in der Apostelliste oder überhaupt „irgendwo“ in der Nachfolgeschar;
| kein Bruder Jesu ist dort genannt, auch keine Schwester erwähnt.
br
| Stattdessen ist immer wieder vom Verlassen der Familie und der Heimat die Rede das ist einerseits im Hinblick
| auf den Philipper-Hymnus zu verstehen (siehe auch die Söhne des Zebedäus), kann andererseits aber kaum Thema sein,
| wenn nicht auch der historische Jesus seine Heimat und Familie verlassen hat, um als Wanderprediger durch die Lande zu ziehen.
p.card-text
| Bemerkenswert ist auch, dass Matthäus und Lukas trotz Kindheitserzählungen (die an sich unhistorisch sind)
| das Bild von der Familie Jesu, das sie von Markus weitgehend übernommen haben, nicht korrigieren,
| ja die Radikalität Jesu auch was die Scheidung von der eigenen Familie anbelangt durch die umfangreichere
| Wortüberlieferung noch gesteigert haben.
p.card-text
| Was genau den historischen Jesus dazu gebracht hat, seine Familie zu verlassen, wird nirgendwo thematisiert;
| es erscheint im Rahmen seiner Sendung quasi als göttliche Notwendigkeit ohne weiteres Hinterfragen akzeptiert zu sein.
p.card-text
| Das Urteil „von Sinnen“ der Familie über Jesus ist an sich mehrdeutig und schwierig zu interpretieren.
br
| Dies umso mehr, als in der folgenden Erzählung, die von der Thematik „leibliche/geistliche Familie“ gerahmt wird,
| eine <i>nachösterliche(!)</i> Problematik hinsichtlich der paulinischen Rechtfertigungslehre thematisiert wird (Stichwort: „Diener der Sünde“).
ul.card-text
li
| Hier hat sich wahrscheinlich die Erinnerung erhalten, dass es eine Spannung gab zwischen Jesus und seiner leiblichen Familie
| während Jesu irdischen Wirkens.
br
| Im ganzen Evangelium des Markus wird nie positiv von einem Familienangehörigen Jesu gesprochen,
| auch fehlt besonders auffällig die Familie etwa in der Apostelliste oder überhaupt „irgendwo“ in der Nachfolgeschar;
| kein Bruder Jesu ist dort genannt, auch keine Schwester erwähnt.
br
| Stattdessen ist immer wieder vom Verlassen der Familie und der Heimat die Rede das ist einerseits im Hinblick
| auf den Philipper-Hymnus zu verstehen (siehe auch die Söhne des Zebedäus), kann andererseits aber kaum Thema sein,
| wenn nicht auch der historische Jesus seine Heimat und Familie verlassen hat, um als Wanderprediger durch die Lande zu ziehen.
li
| Bemerkenswert ist auch, dass Matthäus und Lukas trotz Kindheitserzählungen (die an sich unhistorisch sind)
| das Bild von der Familie Jesu, das sie im ihnen vorliegenden Markus-Evangelium finden, nicht korrigieren sondern es weitgehend übernehmen,
| ja die Radikalität Jesu auch was die Scheidung von der eigenen Familie anbelangt durch die umfangreichere
| Wortüberlieferung noch gesteigert haben.
li
| Was genau den historischen Jesus dazu gebracht hat, seine Familie zu verlassen, wird nirgendwo thematisiert;
| es erscheint im Rahmen seiner Sendung quasi als göttliche Notwendigkeit ohne weiteres Hinterfragen akzeptiert zu sein.
li
| Das Urteil „von Sinnen“ der Familie über Jesus ist an sich mehrdeutig und schwierig zu interpretieren.
br
| Dies umso mehr, als in der folgenden Erzählung, die von der Thematik „leibliche/geistliche Familie“ gerahmt wird,
| eine <i>nachösterliche(!)</i> Problematik hinsichtlich der paulinischen Rechtfertigungslehre thematisiert wird (Stichwort: „Diener der Sünde“).
li
| Deutlich wird hier jedenfalls, dass die Angehörigen Jesu nicht zum Kreis um Jesus gehören,
| ja sogar auf Distanz zu seinem Wirken stehen: sie sind um eine für Markus wichtige Metapher aufzugreifen „draußen“
| und kommen von außen von außerhalb der Gruppe um Jesus auf Jesus zu.
li
| Auffällig ist die mit Gewalt aufgeladene Sprache: sie wollen sich seiner „bemächtigen“, „mit Gewalt zurückholen“,
| ganz ähnlich wie in Mk 1,35-39 Jesus/Paulus von Petrus und seinen Begleitern „verfolgt“ wird mit der Absicht, ihn zurückzuholen, einzuhegen.
.card.slide.border-primary.mb-3
.card-body
h5.card-title Jesus und seine Familie nach Ostern auf einmal präsent
h6.card-subtitle.text-muted Ein Blick in die früheste Kirchengeschichte
hr
p.card-text
| So selbstverständlich, wie die Familie Jesu während seines irdischen Wirkens keine (positive) Rolle spielt,
br
| so selbstverständlich ist in der Apostelgeschichte nach Ostern die Familie Jesu (zumindest für eine gewisse Zeit) präsent.
p.card-text
| Auch wenn hier vielleicht manches in Anlehnung an die Kindheitserzählungen geschönt ist:
br
| dass der Herrenbruder Jakobus eine führende Rolle in der Urgemeinde in Jerusalem eingenommen hat,
| das belegt auch Paulus in seinem Brief an die Gemeinden in Galatien.
p.card-text
| Es scheint sogar so zu sein, dass Jakobus effektiv Petrus, der ganz selbstverständlich alle Apostellisten anführt,
| vertrieben hat.
br
| Jakobus und Paulus scheinen sich theologisch recht scharf gegenübergestanden zu haben; Petrus dagegen hat wohl versucht,
| eher eine ausgleichende Position einzunehmen, auch dort, wo das eigentlich nicht geht;
br
| jedenfalls hatte Jakobus eine so dominante Rolle eingenommen, dass Petrus dann in Antiochien sein Verhalten
| gegenüber den Heidenchristen ändert, als Leute aus dem Jakobus-Kreis dorthin kommen, was Paulus scharf kritisiert
| (→ Antiochenischer Zwischenfall).
p.card-text
| Jakobus stand für ein eher jüdische Traditionen bewahrendes Christentum („judaisierende Christen“) mit klarer
| Bejahung des jüdischen Gesetzes als Identity-Marker (→ Beschneidung);
br
| er gehört damit zu jenen, für die das Kreuz ein „Ärgernis“ ist die es also im Gegensatz zu Paulus relativieren
| und mit dem jüdischen Gesetz versöhnen , wie sie uns als Gegenüber
| zum auf Paulus durchsichtigen markinischen Jesus bereits begegnet sind (und auch in der nachfolgenden Erzählung begegnen werden).
p.card-text
| Es wird wohl so sein, dass Jakobus tatsächlich etwas näher am irdischen Jesus steht als Paulus,
br
| andererseits hat Paulus nachvollziehbare klare Konsequenzen aus dem Tod Jesu am Kreuz gezogen, der alles
| nochmal verändert hat.
br
| Jakobus &amp; Co haben in den Augen des Paulus da harmonisiert, wo eigentlich nicht zu harmonisieren ist.
p.card-text
| Klar ist jedenfalls, dass die Variante des Christentums um den Herrenbruder Jakobus eine innerjüdische Sekte geblieben ist und
| mit ihm das Christentum insgesamt geblieben wäre; es wäre wohl längst untergegangen,
| wie es heute (leider) effektiv keine Judenchristen mehr gibt.
br
| Dass das Christentum zu einer weltweiten Bewegung werden konnte, ist nicht zuletzt Paulus zu verdanken
| mit seiner gesetzesfreien Heidenmission und seiner damit zusammenhängenden
| biblisch (gerade alttestamentlich) begründeten Rechtfertigungslehre.
p.card-text
| Dabei muss man ergänzen, dass es schon vor Paulus eine Öffnung zu den Heiden gab, vornehmlich wohl in Antiochien,
| verbunden mit einer Relativierung des jüdischen Gesetzes gerade was Speise- und Reinheitsvorschriften sowie die Beschneidung anbelangt,
| wozu man sich offenbar durch Jesu eigenes Verhalten, seine Predigt, seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung, berechtigt sah.
br
| Dieses in dieser Hinsicht „Judentum light“ war für die sogenannten „Gottesfürchtigen“ attraktiv, also jenen Heiden, die mit dem
| Judentum, vor allem dem Glauben an den einen Gott, geliebäugelt haben, den formellen Übertritt aber gescheut haben,
| weil er mit der Übernahme von Speise- und Reinheitsvorschriften des Judentums eine Veränderung der sozialen Bezüge mit sich gebracht hätte,
| was für viele abschreckend war.
br
| Es war aber vor allem Paulus, der dann zu dem Protagonisten dieser „gesetzesfreien Heidenmission“ schlechthin geworden ist
| und der dies auch biblisch-theologisch begründet hat.
ul.card-text
li
| So selbstverständlich, wie die Familie Jesu während seines irdischen Wirkens keine (positive) Rolle spielt,
br
| so selbstverständlich ist in der Apostelgeschichte nach Ostern die Familie Jesu (zumindest für eine gewisse Zeit) präsent.
li
| Auch wenn hier vielleicht manches in Anlehnung an die Kindheitserzählungen geschönt ist:
br
| dass der Herrenbruder Jakobus eine führende Rolle in der Urgemeinde in Jerusalem eingenommen hat,
| das belegt auch Paulus in seinem Brief an die Gemeinden in Galatien; er ist einer der „Säulen“ dort neben Petrus und Johannes.
li
| Es scheint sogar so zu sein, dass Jakobus effektiv Petrus, der ganz selbstverständlich alle Apostellisten anführt,
| vertrieben hat.
br
| Jakobus und Paulus scheinen sich theologisch recht scharf gegenübergestanden zu haben; Petrus dagegen hat wohl versucht,
| eher eine ausgleichende Position einzunehmen, auch dort, wo das eigentlich nicht geht;
br
| jedenfalls hatte Jakobus eine so dominante Rolle eingenommen, dass Petrus dann in Antiochien sein Verhalten
| gegenüber den Heidenchristen änderte, als Leute aus dem Jakobus-Kreis dorthin kamen, was Paulus scharf kritisierte
| (→ Antiochenischer Zwischenfall).
li
| Bereits in der vorausgehenden Erzählung der Berufung der Zwölf waren wir auf Jakobus gestoßen, nachdem die Umstellung der Apostelliste durch Markus
| gerade jene drei Namen an den Anfang stellt, die Paulus als „Säulen“ in Jerusalem nennt, auch wenn der
| aufgeführte Jakobus gerade nicht der Herrenbruder, sondern der Bruder des Johannes ist.
br
| Doch war auch bei der Berufung der Zwölf gerade mit der „Heilung“ des „aussätzigen“ Paulus in der Mitte der konzentrischen Gliederung
| jener Jakobus in den Fokus gerückt; dies gilt auch für die aktuelle wie die folgenden beiden Erzählungen.
li
| Jakobus stand für ein eher jüdische Traditionen bewahrendes Christentum („judaisierende Christen“) mit klarer
| Bejahung des jüdischen Gesetzes als Identity-Marker (→ Beschneidung);
br
| er gehört damit zu jenen, für die das Kreuz ein „Ärgernis“ ist die es also im Gegensatz zu Paulus relativieren
| und mit dem jüdischen Gesetz versöhnen , wie sie uns als Gegenüber
| zum auf Paulus durchsichtigen markinischen Jesus bereits begegnet sind (und auch in der nachfolgenden Erzählung begegnen werden).
li
| Es wird wohl so sein, dass Jakobus tatsächlich etwas näher am irdischen Jesus steht als Paulus,
br
| andererseits hat Paulus nachvollziehbare klare Konsequenzen aus dem Tod Jesu am Kreuz gezogen, der alles
| nochmal verändert hat.
br
| Jakobus &amp; Co. haben in den Augen des Paulus da harmonisiert, wo eigentlich nicht zu harmonisieren ist.
li
| Klar ist jedenfalls, dass die Variante des Christentums um den Herrenbruder Jakobus eine innerjüdische Sekte geblieben ist und
| mit ihm das Christentum insgesamt geblieben wäre; es wäre wohl längst untergegangen,
| wie es heute (leider) effektiv keine Judenchristen mehr gibt.
br
| Dass das Christentum zu einer weltweiten Bewegung werden konnte, ist nicht zuletzt Paulus zu verdanken
| mit seiner gesetzesfreien Heidenmission und seiner damit zusammenhängenden
| biblisch (gerade alttestamentlich) begründeten Rechtfertigungslehre.
p.card-text
| Dabei muss man ergänzen, dass es schon vor Paulus eine Öffnung zu den Heiden gab, vornehmlich wohl in Antiochien,
| verbunden mit einer Relativierung des jüdischen Gesetzes gerade was Speise- und Reinheitsvorschriften sowie die Beschneidung anbelangt,
| wozu man sich offenbar durch Jesu eigenes Verhalten, seine Predigt, seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung berechtigt sah.
br
| Dieses in dieser Hinsicht „Judentum light“ war für die sogenannten „Gottesfürchtigen“ attraktiv, also jene Heiden, die mit dem
| Judentum, vor allem dem Glauben an den einen Gott, geliebäugelt, den formellen Übertritt aber gescheut haben,
| weil er mit der Übernahme von Speise- und Reinheitsvorschriften des Judentums eine Veränderung der sozialen Bezüge mit sich gebracht hätte,
| was für viele abschreckend war.
br
| Es war aber vor allem Paulus, der dann zu dem Protagonisten dieser „gesetzesfreien Heidenmission“ schlechthin geworden ist
| und der dies auch biblisch-theologisch begründet hat.

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@ -115,7 +115,7 @@ block content
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.card-body.gliederung
h5.card-title Die Heilung des Mannes mit der verdorrten Hand: <q>wiederhergstellt</q>
h5.card-title Die Heilung des Mannes mit der verdorrten Hand: <q>wiederhergestellt</q>
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 3,1-6
.card.mb-1.konzentr-11
@ -179,83 +179,465 @@ block content
br
| 19 und Judas Iskariot, der ihn dann ausgeliefert hat.
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.card-body
h5.card-title
q Jesus stieg auf einen Berg und rief die zu sich, die er selbst wollte, und sie kamen zu ihm.
h6.card-subtitle.text-muted Ein nur scheinbar abrupter Szenenwechsel vom Boot zum Berg
hr
ul.card-text
li
| Die Szenerie wechselt scheinbar abrupt:
ul.card-text
li Statt dass Jesus das in der vorausgehenden Erzählung bereitgestellte Boot besteigt, steigt er auf einen Berg.
li Auch sind die herbei geströmten Massen „verschwunden“, einfach nicht mehr da, ohne dass die Szene aufgelöst worden wäre.
li
| Das Steigen Jesu auf den Berg und die anschließende Versammlung der Zwölf dort greift allerdings den versuchten aber misslungenen
| Rückzug Jesu mit den Jüngern an den See auf.
li
| Dass Jesus nicht wie wohl erwartet das Boot besteigt, sondern einen Berg, bindet Boot und Berg „irgendwie“ zusammen.
br
| Dabei sind einige Dinge zu bedenken:
ul.card-text
li
| Auch zur Verklärung (Mk 9,2-13) steigt Jesus auf einen Berg; jene Erzählung ist klar von der Auferstehung her zu betrachten,
| wie auch das Gespräch beim Abstieg verdeutlicht.
li
| In Mk 6,45-52 steigt Jesus auch auf einen Berg.
br
| Und von diesem Berg her ist er anschließend Retter für seine Jünger in Seenot, wobei der Gottesname „Ich-bin-da“ anklingt.
li
| Die Funktion des Bootes sollte es sein, ein Überleben im Angesichts des Todes des bedrohlichen Herandrängens der Massen sein.
| Das alles legt nahe, das Besteigen des Berges durch Jesus zunächst ja alleine! mit der Auferstehung Jesu zu verbinden:
br
| Wie das Boot ein Überleben Angesichts des Todes ermöglicht,
br
| so bezeichnet der Berg hier für Jesus das Neue Leben bei Gott nach dem Tod:
br
i Das von Jesus nicht genutzte Boot begegnet hier auf anderer Ebene im Berg.
li
| Von Bedeutung ist auch, dass Jesus nicht <i>einen</i> Berg, sondern <i>den</i> Berg besteigt, was wohl eine Anspielung auf den Gottesberg sein soll.
br
| Im Buch Exodus sind es Mose und auch andere, die von Gott hinaufgerufen werden auf den Sinai und den Berg besteigen:
br
q.bibeltext
| 20 Der Herr war auf den Sinai, auf den Gipfel des Berges, herabgestiegen.
br
| Er hatte Mose zu sich auf den Gipfel des Berges gerufen und Mose war hinaufgestiegen.
br
| 21 Da sprach der HERR zu Mose: Geh hinunter und schärfe dem Volk ein, sich nicht an den HERRN heranzudrängen,
| um zu schauen, sonst müssen viele von ihnen umkommen.
span.bibelstelle Ex 19,20-21
br
| Auffällig in Verbindung mit der Erzählung bei Markus ist:
ul.card-text
li
| Mose wird von Gott auf den Berg hinaufgerufen, wie Jesus jene hinaufruft, die er will.
li
| Die Szene in Ex 19,20 ist sehr analog zu jener in Mk 3,13:
ul.card-text
li Gott/Jesus ist auf dem Berg.
li Er ruft jemanden zu sich hinauf.
li Der Gerufenen bzw. die Gerufenen steigen zu ihm empor.
| Dabei ist Jesus und das ist auffällig und wichtig nicht an der Stelle des Mose, sondern an der Stelle Gottes.
br
| Dies unterstreicht, dass Jesus hier als Auferstandener wirkt.
br
| Sachlogisch ist dabei, dass Gott vom Himmel auf den Berg „herabsteigt“, wie Jesus als Anspielung auf seine Auferstehung auf den Berg „hinaufsteigt“,
| wobei er wie in anderen Erzählungen für seine Jünger „erreichbar“ ist, weil das Evangelium insgesamt noch auf dem Weg zu Tod und Auferstehung Jesu ist.
p.small.mb-0 (Und weil Jesus auch nach seinem Tod als Auferstandener für seine Jünger „erreichbar“ ist.)
li
| Mose soll das Volk davon abhalten, sich „an den HERRN heranzudrängen“, da dies Todesfolge für jene Herandränger aus dem Volk haben würde.
br
| In der Vorausgehenden Erzählung sollten die Jünger ein Boot angesichts des Herandrängens an Jesus bereithalten, weil dieser
| seinen Tod durch die Massen befürchtete.
br
| Auch wenn die „Todesfolge“ einmal für das Volk, einmal für Jesus gilt, so ist es doch auffällig,
| dass in einer sehr analogen Erzählung zu Mk 3,13 in Ex 19,20-21 genau wie in der Mk 3,13 vorausgehenden Erzählung
| von einem Herandrängen der Massen die Rede ist, welches je auf seine Weise problematisiert wird; dies unterstreicht
| die Verbindung von Mk 3,13 mit Ex 19,20.
| Eine weitere zu Mk 3,13 analoge Erzählung bilden
span.bibelstelle Ex 24,1.9
| mit dem Bundesschluss am Sinai dazwischen:
br
q.bibeltext
| 1 Zu Mose sprach er [= Gott]: Steig zum HERRN hinauf zusammen mit Aaron, Nadab, Abihu und mit siebzig
| von den Ältesten Israels
br
| 9 ... stiegen Mose, Aaron, Nadab, Abihu und siebzig von den Ältesten Israels hinauf
br
| Auffällig in Verbindung mit der Erzählung bei Markus ist:
ul.card-text
li
| Mose und andere werden mit Namen genannt, wie in Mk 3,13-19 die Apostel.
li
| Wie es bei Mose die 70 Ältesten sind, so sind es in Mk 3,13-19 die Zwölf, die auf den Berg gerufen werden.
li
| Der zwischen Ex 24,1.9 erzählte Bundesschluss und das dann in Ex 24,10 erzählte Schauen Gottes auf dem Gottesberg
| mit dem gemeinsamen Essen und Trinken lassen sich als „getriggert“ durch Mk 3,13-19 in anderen konzentrischen Gliederungen sehr gut
| mit der Verklärung Jesu auf einem Berg und mit dem Letzten Abendmahl („Blut des Bundes“ in Mk 14,24 wie Ex 24,8!) verbinden.
li
| Auch hier erscheint Jesus an der Stelle Gottes (beim Bundesschluss/Abendmahl dann allerdings an der Stelle des Mose).
li
| Zusammenfassend lässt sich sagen:
ul.card-text
li
| Markus formuliert die Erzählung in Anlehnung an Vorbilder aus dem Buch Exodus, bei dem es um das Hinaufsteigen
| des Mose und anderer wie etwa der 70 Ältesten zu Gott geht.
li
| Dabei erscheint Jesus an der Stelle Gottes (nicht der des Mose).
li
| Es ist also sehr wahrscheinlich, dass das Besteigen des Berges durch Jesus allein einleitend seine Auferstehung vergegenwärtigen soll,
| Jesus hier also als Auferstandener handelt.
li
| Dies fügt sich auch mit der vorausgehenden Erzählung gut zusammen, auch im Hinblick auf die Mitte der konzentrischen Gliederung:
ul.card-text
li
| In Mk 3,7-12 stand Jesus an der Schwelle des Todes, in den Berührungen zur Heilung war diese gleichsam aber
| in Analogie zur Heilung des „Aussätzigen“ in der Mitte der konzentrischen Gliederung bereits überschritten;
br
| das Steigen auf den Berg impliziert den vorausgehenden Tod Jesu am Kreuz zum Heil, an dem die Vielen Anteil haben.
li
| Das Hinaufsteigen zunächst von Jesus allein auf den Berg verbindet sich mit dem Rückzug Jesu an einsame Orte,
| nachdem er vom ehedem „Aussätzigen“ nun als „Aussätziger“ aufgrund der Berührung mit diesem geoutet wurde,
| was bereits auch auf die Zeit nach Tod und Auferstehung Jesu vorausgeblickt hat.
li
| Das Kommen der Vielen in Mk 3,7-12 band das vorösterliche Verkündigungswirken Jesu (Mk 1,39) und
| das „nachösterliche“ des Geheilten (Mk 1,45) wie auch das Heilungswirken Jesu beim „Aussätzigen“
| in der erweiterten Mitte der konzentrischen Gliederung zusammen,
br
| jetzt ist der Fokus mit veränderter Mitte der konzentrischer Gliederung ganz auf die nachösterliche Zeit
| gelegt, das Verkündigungs- und Heilungs-Wirken der Apostel, die im weiteren Fortgang in Mk 3,14-19 eingesetzt werden
| und die sich mit dem (nachösterlichen) Verkündigungswirken des ehedem „Aussätzigen“ wie mit seiner Heilung verbinden lassen.
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h5.card-title
q
| ... und rief die zu sich,
i die er selbst wollte
h6.card-subtitle.text-muted Abgrenzung zum Ansturm der Massen bewusste Einsetzung Weniger zum Dienst an den Vielen
hr
ul.card-text
li
| Während in der vorausgehenden Erzählung wie in der Mitte der konzentrischen Gliederung
| die Menschen offenbar von sich aus kommen aufgrund der Verkündigung von nicht namentlich genannten
| Zeugen des Wirkens Jesu bzw. selber Geheilter, nicht zuletzt von Mk 1,28 und Mk 1,45 her ,
br
| wird nun der Wille Jesu in der Auswahl einiger weniger explizit betont.
li
| Beides erscheint zunächst im Kontrast zueinander zu stehen.
li
| Wie der weitere Fortgang aber verdeutlicht, wird hier nicht ein abgeschlossener elitärer Kreis geschaffen,
| sondern ein Kreis von besonderen Nachfolgern, die bei Jesus in die Schule gehen sollen,
br
i damit dieser sie später aussenden kann zum Dienst an den Vielen,
br
| quasi in Aufnahme des „überallher“ in der Mitte der konzentrischen Gliederung „nach überallhin“.
li
| Schon bei der Betrachtung der vorausgehenden Erzählung wurde erwähnt, dass der Rückzug Jesus <i>mit den Jüngern</i>
| demnächst öfter begegnet, damit Jesus sie in besonderer Weise belehren kann,
| aber nicht mit „Geheimwissen“, sondern mit der spezifischen Lehre Jesu,
| mit dem Ziel, dass diese sie später öffentlich verkündigen.
br
| Das besondere Sein Jesu mit dem kleinen berufenen Kreis besonderer Nachfolger steht im Dienst der Vielen,
| denen sie als „Multiplikatoren“ des Wirkens Jesu dienen sollen.
li
| Dennoch ist die Betonung des Willens Jesu auffallend:
br
| diese Multiplikatoren werden als direkt von Jesus berufen herausgestellt, aufgrund von Jesu direktem Willen
br
| und ihre Berufung ist doch in Kontrast gesetzt zum Kommen der Vielen aufgrund der Verkündigung anderer Menschen.
li
| Dabei werden einerseits die Souveränität Jesu bzw. die Souveränität der Berufung durch Jesus herausgestellt,
br
| dies hat aber andererseits Folgen für das Selbstverständnis der so Berufenen.
li
| Bei allen vorausgehenden und auch kommenden Anspielungen auf Briefe des Apostel Paulus könnte auch hier
| der Blick auf Paulus, näherhin der Brief des Paulus an die Galater, verdeutlichen, was Markus hier sagen will:
br
q.bibeltext
| Paulus,
br
i zum Apostel berufen,
br
| nicht von Menschen oder durch einen Menschen,
br
i sondern durch Jesus Christus und durch Gott, den Vater, der ihn von den Toten auferweckt hat,
br
| und alle Brüder, die bei mir sind, an die Gemeinden in Galatien
span.bibelstelle Gal 1,1-2
p.small
| Man beachte, dass die Wendung „die bei mir sind“ in Gal 1,1 mit Bezug auf Paulus sich ganz ähnlich in Mk 3,14 findet
| mit Bezug auf Jesus: „... dass sie mit ihm seien“.
q.bibeltext
| Als es aber Gott gefiel, der mich schon im Mutterleib auserwählt und durch seine Gnade berufen hat,
| in mir seinen Sohn zu offenbaren, damit ich ihn unter den Völkern verkünde, da zog ich nicht Fleisch und Blut zu Rate;
| ich ging auch nicht sogleich nach Jerusalem hinauf zu denen, die vor mir Apostel waren, sondern zog nach Arabien und kehrte dann wieder nach Damaskus zurück.
span.bibelstelle Gal 2,15-17
li.small
| Man beachte eine interessante Parallele zwischen den Aussagen des Paulus zu seiner Berufung und Mk 3,13-19:
br
| Wie Paulus seine Berufung auf den Auferstandenen zurückführt, werden auch hier die Zwölf vom „Auferstandenen“ auf dem Berg berufen.
li
| Paulus ist es sehr wichtig, seine eigene Berufung auf Jesus direkt zurückzuführen;
| dies gegen den Vorwurf, „Apostel zweiter Klasse“ zu sein, da er ja erst nach Ostern zum Glauben kam,
| und dass daher sein Wissen über Jesus ein vermitteltes, nicht direkt erlebtes sei,
| das der Korrektur durch die „echten Apostel“ offen stehen würde.
li
| Auf die direkte Berufung durch Jesus stützt Paulus seine Autorität;
br
| sie geht auf Jesus zurück, ist Resultat des göttlichen Heilsplans und nicht einer Wahl oder Beauftragung durch Menschen.
br
| Analoges wird hier in Absetzung von den Vielen von den Zwölf ausgesagt.
br
| Die Zwölf sind zwar für die Vielen da, aber nicht von diesen auserwählt, sondern von Jesus;
br
| sie sind allein dem Willen Jesu in Lehre und Tätigkeit verpflichtet, der sie ausgewählt hat
| und zu dem gemacht hat, was sie sind.
li
| Nachdem der Kreis der Zwölf zur Zeit der Abfassung des Markus-Evangeliums nicht mehr existierte
br
| und ferner die Berufung der Zwölf aufgrund des direkten Willens Jesu auf die Berufung des Paulus, wie er sie im Galaterbrief verdeutlicht,
| durchsichtig wird,
br
| wird Markus hier etwas generell zum kirchlichen „Amt“ sagen wollen:
br
| ganz im Dienst der Vielen, aber ganz von Jesus her und ihm verpflichtet.
li
| Hier darf bewusst werden, dass auch bei der Heilung des „Aussätzigen“ der Wille Jesu herausgestellt wird,
| eine klare Verbindung der Erzählung am unteren Rand und mit jener in der Mitte der konzentrischen Gliederung.
br
| Allerdings kommt der „Aussätzige“ zunächst von sich aus auf Jesus zu wie die Vielen in der vorausgehenden Erzählung ,
| seine Bitte um Hilfe ist aber eher umständlich
| und fragt nach dem Willen Jesu:
ul.card-text
li Dass beim „Aussätzigen“ einerseits das Kommen von sich aus zu Jesus erzählt wird, verbindet ihn mit den Vielen in Mk 3,7-12 (→ vorherige konzentrische Gliederung);
li dass andererseits der Wille Jesu zur Heilung fragend herausgestellt wird, verbindet ihn mit der Berufung der Zwölf (→ aktuelle konzentrische Gliederung).
| Dass der Wille Jesu zur Heilung des „Aussätzigen“ explizit herausgestellt wird und die Berufung der Zwölf
| gemäß explizitem Willen Jesu geschieht,
| ist wohl von der perspektivischen Beauftragung der Zwölf zur Dämonenaustreibung her zu verstehen.
br
i → Die durch den ausdrücklichen Willen Jesu (besonders) Berufenen werden zu den Ausführenden des Heilswillens Jesu an den Vielen.
br
| Das Schweigegebot, das dem Geheilten auferlegt wird und das dieser bricht, verbindet sich damit,
| dass zwar die perspektivische Absicht Jesu, dass die Zwölf verkündigen sollen, genannt ist, diese aber erst zu einem
| späteren Zeitpunkt damit beauftragt werden.
br
| Alles steht unter dem Vorbehalt des erzählerisch noch ausstehenden Todes und der Auferstehung Jesu.
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h5.card-title
q ... und er machte zwölf
hr
ul.card-text
li
| Es heißt nicht eigentlich, dass Jesus die Zwölf „einsetzte“, sondern dass er sie „machte“,
br
| wie er Petrus und Andreas schon in Mk 1,17 in Aussicht stellte, dass er sie zu Menschenfischer „machen“ würde.
li
| Dieses „Machen“ ist im Sinne von „Einsetzen“ zu verstehen, wie auch alttestamentliche (griechische) Texte verdeutlichen.
li
| In der Exegese ist umstritten, inwieweit dieses „Machen“ eine Anspielung auf die Schöpfungserzählung sein soll,
| die von einem Machen Gottes spricht.
br
| Jedenfalls gibt es einige interessante Bezüge:
ul.card-text
li
| Die Schöpfung ist ein „Machen“ Gottes gegen das Chaos, das zurückgedrängt wird, damit Leben möglich ist.
li
| Jesus „macht“ die Zwölf quasi als Antwort auf den ungeordneten Andrang der Vielen, das Chaos, das bei Jesus Todes-Angst hervorruft.
li
| An anderen Stellen des Evangeliums wird deutlich, dass Gott selbst durch Jesus hindurch wirkt;
br
| Jesus wirkt (neu-)schöpferisch etwa am Taubstummen in Mk 7,31-17 und sein Wort weckt das tote Mädchen in Mk 5,35-43 auf,
| wie das Wort Gottes die Schöpfung bewirkt.
li
| Wichtig ist allemal der Aspekt, dass die Zwölf und damit das Amt insgesamt eine Antwort auf den unbändigen Andrang der Vielen ist.
br
| Das Amt hat damit nicht nur wie unten ausgeführt verkündigende und heilsvermittelnde Funktion, sondern auch ordnende Funktion:
br
i Jesus <i>erschafft</i> das Amt, um des Andrangs der Vielen Herr zu werden.
li
| Dies bestätigt etwa die Erzählung von der Brotvermehrung in Mk 6,35-44;
br
| dort lässt Jesus die Menschen <i>durch die Anweisung der Jünger</i> „in Mahlgemeinschaften im grünen Gras lagern“,
| was als ordnender Umgang mit den vielen hungrigen Menschen verstanden werden kann.
li
| Das „Machen“ der Zwölf durch Jesus, um den unbändigen Massen Herr werden zu können,
br
| vergegenwärtigt eine Erzählung aus dem Buch Exodus, wo Mose Hauptleute „macht“, um dem ganzen Volk gerecht werden zu können:
br
q.bibeltext
| 13 Am folgenden Morgen setzte sich Mose, um für das Volk Recht zu sprechen.
br
| Die Leute mussten vor Mose vom Morgen bis zum Abend anstehen.
br
| 14 Als der Schwiegervater des Mose sah, was er alles für das Volk zu tun hatte, sagte er:
br
q Was soll das, was du da für das Volk tust? Warum sitzt du hier allein und die vielen Leute müssen vom Morgen bis zum Abend vor dir anstehen?
br
| 15 Mose antwortete seinem Schwiegervater:
br
q
| Weil das Volk zu mir kommt, um Gott zu befragen.
br
| 16 Wenn sie einen Streitfall haben, kommt er zu mir.
br
| Ich entscheide zwischen ihnen und teile ihnen die Gesetze und Weisungen Gottes mit.
br
| 17 Da sagte der Schwiegervater zu Mose:
br
q
| Es ist nicht gut, wie du das machst.
br
| 18 So richtest du dich selbst zugrunde und auch das Volk, das bei dir ist.
br
| Das ist zu schwer für dich; allein kannst du es nicht bewältigen.
br
| 19 Nun hör zu, ich will dir einen Rat geben und Gott wird mit dir sein.
br
| Vertritt du das Volk vor Gott! Bring ihre Angelegenheiten vor ihn,
| 20 unterrichte sie in den Gesetzen und Weisungen und mach sie mit dem Weg bekannt, auf dem sie gehen, und mit dem Tun, nach dem sie handeln sollen!
br
| 21 Du aber sieh dich im ganzen Volk nach tüchtigen, gottesfürchtigen und zuverlässigen Männern um, die Bestechung ablehnen.
br
| Gib dem Volk Vorsteher für je tausend, hundert, fünfzig und zehn!
br
| 22 Sie sollen dem Volk jederzeit als Richter zur Verfügung stehen.
br
| Alle wichtigen Fälle sollen sie vor dich bringen, die leichteren sollen sie selber entscheiden.
br
| Entlaste dich und lass sie mittragen!
br
| 23 Wenn du das tust, sofern Gott zustimmt, bleibst du der Aufgabe gewachsen und dieses ganze Volk kann in Frieden heimkehren.
br
| 24 Mose hörte auf seinen Schwiegervater und tat alles, was er vorschlug.
br
| 25 Mose wählte sich tüchtige Männer in ganz Israel aus und setzte sie als Hauptleute über das Volk ein,
br
| als Vorsteher für je tausend, hundert, fünfzig und zehn.
br
| 26 Sie standen dem Volk jederzeit als Richter zur Verfügung.
br
| Die schwierigen Fälle brachten sie vor Mose, alle leichteren entschieden sie selber.
br
| 27 Mose verabschiedete seinen Schwiegervater und dieser kehrte in sein Land zurück.
span.bibelstelle Ex 18,13-27
li
| Dass hier die Zahlen Hundert und Fünfzig neben anderen begegnen,
| die auch in der Brotvermehrungserzählung als Größen der Mahlgemeinschaften auf Wirken der Jünger hin genannt sind (s. o.)
| mag ein weiteres deutliches Indiz sein, dass Markus jene Erzählung aus dem Buch Exodus vergegenwärtigen und auf Jesus adaptieren will.
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h5.card-title
q ... damit er sie aussende
hr
ul.card-text
li
| Jesus ruft die Zwölf zu ihm hin, um sie von sich her auszusenden;
br
| eine Bewegung auf ihn hin und von ihm her.
li
| Die Zwölf bzw. insgesamt die „besonders Gerufenen“ sind nicht als abgeschlossener elitärer Kreis geschaffen,
| sondern als eine Gruppe von besonderen Nachfolgern, die nachdem sie bei Jesus in die Schule gegangen sind ,
| ausgesandt werden
i zum Dienst an den Vielen.
li
| Die Szenerie lässt Jesus oben auf dem Berg sein, die Jünger steigen wie Mose zu Gott zu Jesus hinauf;
br
| von der Begegnung mit ihm, dem „Auferstandenen“ her, werden sie dann ausgesandt.
li
| Sie sind Multiplikatoren für den Auferstandenen, sie wirken von ihm her und somit er durch sie.
li
| Der Bewegung der Vielen auf Jesus zu in der Mitte der konzentrischen Gliederung („von überallher“) wie in der vorausgehenden Erzählung
| entspricht als Gegenüber die Aussendung der Zwölf durch Jesus quasi „überallhin“.
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h5.card-title Die Zwölf Anteil an Jesu eigener Sendung
hr
p.card-text
| Jesus beruft die Zwölf als Teilhaber an seiner eigenen Verkündigung und seiner eigenen
| Vollmacht über die Dämonen, um sie später auszusenden.
br
| Ihre Aufgabe ist es, mit Jesus mitzuwirken bzw. nach Ostern sein Werk fortzusetzen.
p.card-text
| Die Heilung des Aussätzigen in der Mitte der konzentrischen Gliederung zeigt Jesus (Heilung) bzw. den Aussätzigen (Verkündigung)
| als Vorbild.
p.card-text
| Die Heilung ist dabei als Dämonenaustreibung zu interpretieren machbar aufgrund der Bezüge in vorausgehenden Erzählungen und Verbindungen ;
| gemeint ist mit den Dämonenaustreibungen also das „Reinmachen“ der Menschen in der Taufe, bei der sie den „Austausch“ Jesu mit den „Aussätzigen“ am Kreuz applizieren
| und zur Anwendung kommen lassen.
p.card-text
| Die Verkündigungstätigkeit des Aussätzigen geschieht nach seinem „Austausch“ mit Jesus
| übertragen also nach dessen in der Erzählung angespielten Tod am Kreuz ;
br
| genauso werden die von Jesus Gesendeten dann vor allem nach Ostern ihre Aufgabe haben, während vorher alles auf Jesus fokusiert bleibt.
br
| Aber auch nach Ostern ist und bleibt Jesus die zentrale Figur, von der alles ausgeht und bei dem alles zusammenläuft,
| worauf die Menschen, die am Ende der Aussätzigenerzählung „von überallher“ <i>zu Jesus</i> kommen, hinweisen.
ul.card-text
li
| Jesus beruft die Zwölf als Teilhaber an seiner eigenen Verkündigung und seiner eigenen
| Vollmacht über die Dämonen, um sie später auszusenden.
br
| Ihre Aufgabe ist es, mit Jesus mitzuwirken bzw. nach Ostern sein Werk fortzusetzen.
li
| Die Heilung des Aussätzigen in der Mitte der konzentrischen Gliederung zeigt Jesus (Heilung) bzw. den Aussätzigen (Verkündigung)
| als Vorbild.
li
| Die Heilung ist dabei als Dämonenaustreibung zu interpretieren machbar aufgrund der Bezüge in vorausgehenden Erzählungen und Verbindungen ;
br
| gemeint ist mit den Dämonenaustreibungen also das „Reinmachen“ der Menschen in der Taufe, bei der sie den „Austausch“ Jesu mit den „Aussätzigen“ am Kreuz applizieren
| und zur Anwendung kommen lassen.
li
| Doch vor dem Aussenden steht das „mit ihm sein“, das Bei-Jesus-in-die-Lehre gehen, als Befähigung, wirklich dem Willen Jesu zu entsprechen
| im eigenen Tätigwerden.
li
| Die Verkündigungstätigkeit des Aussätzigen geschieht nach seinem „Austausch“ mit Jesus
| übertragen also nach dessen in der Erzählung angespielten Tod am Kreuz ;
br
| genauso werden die von Jesus Gesendeten dann vor allem nach Ostern ihre Aufgabe haben, während vorher alles auf Jesus fokusiert bleibt.
br
| Aber auch nach Ostern ist und bleibt Jesus die zentrale Figur, von der alles ausgeht und bei dem alles zusammenläuft,
| worauf die Menschen, die am Ende der Aussätzigenerzählung „von überallher“ <i>zu Jesus</i> kommen, hinweisen.
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h5.card-title Die Zwölf „Stammväter“ des erneuerten Gottesvolkes
hr
p.card-text
| Da zum Zwölferkreis auch der spätere Verräter Judas zählt und dieser Kreis sehr bald nach Ostern
| keine Rolle mehr spielt (man hat zwar noch Matthias für Judas nachgewählt, doch die Spur der Apostel verliert sich dann in der Apostelgeschichte),
| wird man davon ausgehen können, dass Idee und Bestellung des Zwölferkreises auf Jesus selbst zurückgeht.
p.card-text
| In der Zwölfzahl wird deutlich, dass Jesus das Zwölfstämmevolk Israel durch sein Wirken erneuern wollte;
| seine Zwölf sollten die neuen Stammväter des erneuerten Gottesvolkes sein.
p.card-text
| Deutlich wird damit aber auch, dass der historische Jesus sehr wahrscheinlich eine rein innerisraelitische Perspektive
| bzw. ein innerjüdisches Sendungsbewusstsein hatte die Heiden kamen dann erst nach Ostern und erst „durch den Lauf der frühen Gemeinden-Geschichten“
| dazu, wiewohl Verhaltensweisen Jesu hier Andockmöglichkeiten boten, besonders dann aber der Tod Jesu am Kreuz in paulinisch(-markinischer) Interpretation.
ul.card-text
li
| Da zum Zwölferkreis auch der spätere Verräter Judas zählt und dieser Kreis sehr bald nach Ostern
| keine Rolle mehr spielt (man hat zwar noch Matthias für Judas nachgewählt, doch die Spur der Apostel verliert sich dann in der Apostelgeschichte),
| wird man davon ausgehen können, dass Idee und Bestellung des Zwölferkreises auf Jesus selbst zurückgeht.
li
| In der Zwölfzahl wird deutlich, dass Jesus das Zwölfstämmevolk Israel durch sein Wirken erneuern wollte;
| seine Zwölf sollten die neuen Stammväter des erneuerten Gottesvolkes sein.
li
| Deutlich wird damit aber auch, dass der historische Jesus sehr wahrscheinlich eine rein innerisraelitische Perspektive
| bzw. ein innerjüdisches Sendungsbewusstsein hatte die Heiden kamen dann erst nach Ostern und erst „durch den Lauf der frühen Gemeinden-Geschichten“
| dazu, wiewohl Verhaltensweisen Jesu hier Andockmöglichkeiten boten, besonders dann aber der Tod Jesu am Kreuz in paulinisch(-markinischer) Interpretation.
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h5.card-title Die Zwölf eine bunte Mischung
hr
p.card-text
| Die wenigsten Apostel spielen im Evangelium eine Rolle;
br
| als Markus sein Evangelium schreibt, ist der Kreis als solcher und sind die meisten seiner Glieder längst nur noch Erinnerung.
p.card-text
| Petrus und Andreas sowie Jakubus und Johannes sind uns als Fischer mittlerweile bekannt;
br
| auch die restlichen Apostel dürften eher aus dem „normalen“ bis „einfachen“ Volk stammen zu bedenken ist allerdings das
| zur Herkunft von Jakobus und Johannes Gesagte (→ Philipperhymnus).
p.card-text
| Auffällig ist, dass etwa auch eine „Simon Kanaanäus“ (=„Simon, der Zelot“) zum Apostelkreis,
| also zum engsten Kreis um Jesus zählte.
br
| Er gehörte damit offensichtlich der Gruppe der Zeloten an, einer militanten Gruppe,
| die durchaus mit Gewalt einen Umsturz in Israel wollte.
br
| Inwieweit er seine Ansichten durch sein Jüngersein angepasst hat oder seine Hoffnungen als Angehöriger der militanten Zeloten auf
| den (in der Überlieferung eher friedliebenden) Jesus gesetzt hat (und dann vielleicht von ihm enttäsucht wurde),
| wissen wir nicht und gehört in den Bereich der Spekulation. Bemerkenswert ist seine Zugehörigkeit zu den Aposteln aber allemal.
p.card-text
| Ob der Beiname „Iskario“ des Judas als Herkunftsbezeichnung zu interpretieren ist (→ „Isch Qerijot“ = Mann aus Kariot)
| oder doch Judas als „Sikarier“ (= „Dolchträger“ im Sinne von „Meuchelmörder“) ausweist, einer Untergruppe
| der Zeloten, kann auch ncht abschließend geklärt werden, beides erscheint möglich.
br
| Im Hinblich auf „Simon Kanaanäus“ ist aber gerade die letztere Interpretation nicht die unwahrscheinlichste,
| weil sie auch eine gewisse Erklärung geben könnte, warum ausgerechnet Judas zum Verräter wurde.
p.card-text
| Festzuhalten bleibt, dass Jesus offenbar ganz unterschiedliche Personen mit unterschiedlichen Hoffnungen anziehen konnte;
br
| sicher hat er gerade als Messias <i>durch seinen Tod am Kreuz</i> nicht alle Hoffnungen erfüllen können,
| wie das Kreuz unter einigen Jesus-Jüngern ja auch nachösterlich zum „Ärgernis“ geworden ist (→ Mk 1,34-49).
ul.card-text
li
| Die wenigsten Apostel spielen im Evangelium eine Rolle;
br
| als Markus sein Evangelium schreibt, ist der Kreis als solcher und sind die meisten seiner Glieder längst nur noch Erinnerung.
li
| Petrus und Andreas sowie Jakobus und Johannes sind uns als Fischer mittlerweile bekannt;
br
| auch die restlichen Apostel dürften eher aus dem „normalen“ bis „einfachen“ Volk stammen zu bedenken ist allerdings das
| zur Herkunft von Jakobus und Johannes Gesagte (→ Philipperhymnus).
li
| Auffällig ist, dass etwa auch eine „Simon Kananäus“ (=„Simon, der Zelot“) zum Apostelkreis,
| also zum engsten Kreis um Jesus zählte.
br
| Er gehörte so legt es sein Beiname nahe offensichtlich der Gruppe der Zeloten an, einer militanten Gruppe,
| die durchaus mit Gewalt einen Umsturz in Israel wollte.
br
| Inwieweit er seine Ansichten durch sein Jüngersein angepasst hat oder seine Hoffnungen als Angehöriger der militanten Zeloten auf
| den (in der Überlieferung eher friedliebenden) Jesus gesetzt hat (und dann vielleicht von ihm enttäuscht wurde),
| wissen wir nicht und dies gehört in den Bereich der Spekulation. Bemerkenswert ist seine Zugehörigkeit zu den Aposteln aber allemal.
li
| Ob der Beiname „Iskariot“ des Judas als Herkunftsbezeichnung zu interpretieren ist (→ „Isch Qerijot“ = Mann aus Kariot)
| oder doch Judas als „Sikarier“ (= „Dolchträger“ im Sinne von „Meuchelmörder“) ausweist, einer Untergruppe
| der Zeloten, kann auch nicht abschließend geklärt werden, beides erscheint möglich.
br
| Im Hinblick auf „Simon Kananäus“ ist aber gerade die letztere Interpretation nicht die unwahrscheinlichste,
| weil sie auch eine gewisse Erklärung geben könnte, warum ausgerechnet Judas zum Verräter wurde.
li
| Festzuhalten bleibt, dass Jesus offenbar ganz unterschiedliche Personen mit unterschiedlichen Hoffnungen anziehen konnte;
br
| sicher hat er gerade als Messias <i>durch seinen Tod am Kreuz</i> nicht alle Hoffnungen erfüllen können,
| wie das Kreuz unter einigen Jesus-Jüngern ja auch nachösterlich zum „Ärgernis“ geworden ist (→ Mk 1,34-49).
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h6.card-subtitle.text-muted
| Judas und der ehedem Aussätzige ähnlich und doch ganz anders
hr
p.card-text
| In der Mitte der konzentrischen Gliederung ist es der Aussätzige, der trotz Verbot verkündet allerdings
| mit dem positiven Aspekt, dass Jesus, wiewohl mittlerweile durch die Berührung des „Aussätzigen“ selbst „Aussätziger“,
| von Leuten „von überallher“ aufgesucht wird.
br
| Man bedenke: als der ehedem Aussätzige seine Verkündigung beginnt, hat der „Austausch“ schon stattgefunden, ist Jesus „schon tot“.
p.card-text
| Judas dagegen wird wiewohl autorisierter Apostel zum Verräter, der zu Jesu Tod aktiv beiträgt.
p.card-text
| Der eine wird zum Verkünder der Frohen Botschaft von Jesu Tod zum Heil der Menschen („Austausch“),
br
| der andere hat das (die Menschen erlösende) Unheil, das über Jesus hereinbricht, mit verursacht
| und dabei eine ganz eigenwillige Rolle gespielt (vgl. Mk 14,17-22);
br
| in diesem Sinne ist auch das „ausgeliefert“ zu verstehen, zwar terminus technicus für die Passion Jesu letztlich die erlösende Preisgabe des Sohnes durch Gott ,
| diesmal aber gerade nicht passivum divinum.
| (Lukas verändert vielleicht an dieser Stelle bewusst zum „Verräter“, s. u.)
ul.card-text
li
| In der Mitte der konzentrischen Gliederung ist es der Aussätzige, der trotz Verbot verkündet allerdings
| mit dem positiven Aspekt, dass Jesus, wiewohl mittlerweile durch die Berührung des „Aussätzigen“ selbst „Aussätziger“,
| von Leuten „von überallher“ aufgesucht wird.
br
| Man bedenke: als der ehedem Aussätzige seine Verkündigung beginnt, hat der „Austausch“ schon stattgefunden, ist Jesus „schon tot“.
li
| Judas dagegen wird wiewohl autorisierter Apostel zum Verräter, der zu Jesu Tod aktiv beiträgt.
li
| Der eine wird zum Verkünder der Frohen Botschaft von Jesu Tod zum Heil der Menschen („Austausch“),
br
| der andere hat das (die Menschen erlösende) Unheil, das über Jesus hereinbricht, mit verursacht
| und dabei eine ganz eigenwillige Rolle gespielt (vgl. Mk 14,17-22);
br
| in diesem Sinne ist auch das „ausgeliefert“ zu verstehen, zwar terminus technicus für die Passion Jesu letztlich die erlösende Preisgabe des Sohnes durch Gott selbst ,
| diesmal aber gerade nicht passivum divinum.
| (Lukas verändert vielleicht an dieser Stelle bewusst zum „Verräter“, s. u.)
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.card-body
h5.card-title Die Zwölf als wirkmächtige Multiplikatoren Jesu ↔ „zeig dich dem Priester“
hr
ul.card-text
li
| Den Zwölf wird perspektivisch eine aktive Rolle zugewiesen,
| nicht zuletzt auch die Vollmacht, Dämonen auszutreiben.
li
| Im Gegensatz dazu erhält der Priester in der Mitte der konzentrischen Gliederung
| nur eine bestätigende Funktion; beim eigentlichen Heilsgeschehen ist er zum Zuschauer degradiert.
li
| Mk 1,44 spielt auf Gal 4,4-6 an: die Heilung des „Aussätzigen“ „erzählt“ den Freikauf vom Fluch des jüdischen Gesetzes,
| das ohnmächtig darin war, Heil zu vermitteln, vielmehr alle mit einem tödlichen Fluch belegt hatte;
br
| der Freikauf vom Fluch des Gesetzes aber impliziert so die paulinisch(-markinische) Interpretation das Ende des Zeitalters des jüdischen Gesetzes insgesamt.
li
| Diese Ohnmacht des jüdischen Gesetzes ist so liegt es im Gegenüber zur durch Jesus an die Zwölf verliehenen Vollmacht nahe auszudehnen
| auf die anderen jüdischen Institutionen der Heilsvermittlung: die Priester, die Opfer, den Tempel.
br
| Auch sie sind an ihr Ende gekommen.
li
| Heilsvermittlung geschieht vollmächtig von Jesus seinem Tod und seiner Auferstehung her künftig (allein) durch die von
| Jesus beauftragten Apostel (in einem weiteren Sinn, s. o.), die aufgrund dieser Vollmacht im Gegensatz zum jüdischen Gesetz
| und den anderen jüdischen „Heils“-Institutionen tatsächlich Dämonen austreiben können,
| weil Christus in seinem Fluchtod am Kreuz vom tödlichen Fluch des jüdischen Gesetzes befreit hat.
li
| Perspektivisch ist mit der Aussendung der Jünger als Gegenüber zum Kommen der Leute „von überallher“
| die Aussendung „nach überallhin“ im Blick, gerade auch zu den Heiden im Sinne einer gesetzesfreien Heidenmission.
.card.slide.border-primary.mb-3
.card-body
h5.card-title „Austausch“
hr
ul.card-text
li In der Erzählung von der Heilung des „Aussätzigen“ ist der „Austausch“ zwischen Jesus und dem „Aussätzigen“ ein zentrales Element.
li
| Damit verbindet sich zum einen die Beinamensgebung vor allem bei Petrus, wird dieser doch ab „jetzt“ so genannt statt dem bisherigen Simon.
li
| Damit verbindet sich zum anderen auch der „Austausch“ des „Kommens“ der Zwölf zu Jesus auf den Berg und des Mit-Jesus-Seins
| mit dem perspektivischen Ausgesendetwerden der Zwölf.
br
| In Verbindung mit der Mitte der konzentrischen Gliederung wird dies ergänzt um den „Austausch“ des Kommens der Leute „von überallher“
| zu Jesus mit dem perspektivischen Ausgesendetwerden der Zwölf nach „überallhin“.
li
| Ferner ist ein perspektivischer personeller „Austausch“ zu nennen: nach Tod und Auferstehung Jesu führen die Zwölf sein Wirken fort.
br
| Dieser ist hier in Verbindung mit der Mitte der konzentrischen Gliederung abgebildet,
br
| insofern dort Jesus heilt, während künftig die Apostel Dämonen austreiben sollen,
br
| und ferner dort der Geheilte der mit Jesus den „Platz getauscht“ hat verkündet, was künftig auch die Zwölf tun sollen.
br
| Diesem perspektivischen personellen „Austausch“ entspricht, dass sich der Wille Jesu in der Mitte der konzentrischen Gliederung
| auf die Heilung des „Aussätzigen“ bezieht sein eigenes Tätigwerden zum Heil der Menschen ,
| am unteren Ende der konzentrischen Gliederung dagegen auf jene, die er zu sich ruft,
| um sie dann perspektivisch u. a. zur Dämonenaustreibung auszusenden.
li
| Schließlich ist in der Verbindung Mitte und unteres Ende der konzentrischen Gliederung
| noch zu nennen, dass der Geheilte mit seiner eigentlich untersagten Verkündigung
| (nach dem im Tod am Kreuz vollzogenen „Austausch“) dafür sorgt, dass Menschen
| im positiven Sinne zu Jesus kommen,
br
| während der eigentlich direkt von Jesus ausgewählte Judas Iskariot dafür sorgen wird,
| dass Menschen zu Jesus kommen, die ihn verhaften (→ „der ihn dann ausgeliefert hat“) und dann dessen Tötung am Kreuz betreiben.
br
| Dabei gibt es einen weiteren „Austausch“: Während in der Erzählung von der Heilung des „Aussätzigen“ der Wille Jesu
| hervorgehoben wird, den „Aussätzigen“ zu heilen effektiv also am Kreuz für ihn zu sterben ,
| wird bei der Erwählung des Judas Iskariot dessen Schuld am Tod Jesu herausgestellt.
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@ -438,4 +893,180 @@ block content
| In der Apostelgeschichte wird diese „familiäre“ Anordnung wieder aufgelöst und die Brüder erscheinen
| als „gemischtes Doppel“, wie auch die anderen Namen in neuen Paarungen erscheinen.
li
| Im Matthäusevangelium werden weiters die Positionen von Matthäus und Thomas vertauscht.
| Im Matthäusevangelium werden weiters die Positionen von Matthäus und Thomas vertauscht.
p.card-text.mb-0
b Zur Namensliste bei Markus
ul.card-text
li
| Die Umstellung der Söhne des Zebedäus zwischen Petrus und Andreas die als Brüder unschön getrennt werden
| geht wohl auf Markus zurück,
| da Petrus, Jakobus und Johannes auch an anderen Stellen im Evangelium eine besondere Rolle spielen:
br
| sie und nur sie von den Aposteln nämlich sind dabei bei der Auferweckung der Tochter des Jairus, bei der Verklärung und in Getsemani.
li
| Der Betonung dieser Dreiergruppe dient auch die Erwähnung der besonderen (Bei-)Namensgebung nur bei diesen dreien.
li
| Sehr wahrscheinlich liegt hier eine Reminiszenz an die „Säulen der Gemeinde“ in Gal 2,9 vor,
| zu denen Kephas = Petrus, Johannes und Jakobus zählen, wobei allerdings jener Jakobus nicht der Bruder des Johannes ist,
| sondern der Herrenbruder. Aber die Namensgleichheit ist sehr auffällig, zumal Markus ja unter anderem den Galaterbrief für sein
| Evangelium benutzt.
li
| Ab Mk 3,16 wird Petrus konsequent bei diesem Namen genannt, bis dahin konsequent mit dem Namen Simon.
br
| Vielleicht ein Hinweis darauf, dass auch Petrus erst von Ostern her seine wirkliche Funktion hat;
br
| dafür sprechen auch das Versagen Petri bei der Passion und der Neuansatz mit Mk 16,7, der auf die Berufung in Mk 1,16-20 verweist.
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h5.card-title Paulus, der „Aussätzige“
h6.card-subtitle.text-muted Eine besondere Deutung des „Aussätzigen“ in der aktuellen konzentrischen Gliederung
hr
ul.card-text
li
| Schon bei der Betrachtung der Betonung des ausdrücklichen Willens Jesu bei der Berufung der Zwölf kam Paulus
| und kamen seine Ausführungen hinsichtlich seiner Berufung in seinem Brief an die Galater in den Blick.
li
| Dabei betont er auch siehe das Zitat oben , dass er „nicht sogleich nach Jerusalem hinauf zu denen, die vor mir Apostel waren“, ging (Gal 1,17).
br
| Der „Aussätzige“ geht nach seiner Heilung entgegen der Weisung Jesu nicht zum Priester, sondern beginnt eine eigene Verkündigungstätigkeit.
br
| Insofern der Priester den Tempel und der Tempel wiederum Jerusalem assoziiert, könnte das wieder einmal sehr subtil eine Anspielung
| auf jene Aussage des Paulus sein gerade auch vor dem Hintergrund, dass in der Liste der Zwölf die drei „Säulen“ in Jerusalem nach Gal 2,9
| (wenn auch mit dem „falschen“ Jakobus) prominent am Anfang genannt und durch die Beinamensgebung besonders hervorgehoben sind.
br
| Indem Paulus betont, dass er nicht nach Jerusalem gegangen sei, wehrt er sich offenbar dagegen,
| dass seine Verkündigungstätigkeit als abhängig von den „Säulen“ in Jerusalem hingestellt wird und diese
| den Inhalt seiner Verkündigung bestätigen müssten:
br
| er weist ihre „Bestätigungsfunktion“ genauso zurück, wie der geheilte „Aussätzige“ die „Bestätigungsfunktion“
| des Priesters ignoriert.
li
| Dies alles bemerkt, kann in der Gegenüberstellung der Zwölf mit dem „Aussätzigen“ recht gut der „Aussätzige“ auf Paulus durchsichtig werden,
| wenn man das erweiterte Ur-Bekenntnis des Christentums nach 1 Kor 15 heranzieht:
br
q.bibeltext
| 3 ... vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe:
br
| Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift, 4 und ist begraben worden. /
br
| Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift, 5 und <i>erschien dem Kephas [= Petrus], dann den Zwölf.</i>
br
| 6 Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich; die meisten von ihnen sind noch am Leben, einige sind entschlafen.
br
| 7 Danach erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln.
br
| 8 <i>Zuletzt erschien er auch mir, gleichsam der Missgeburt.</i>
br
| 9 Denn ich bin der Geringste von den Aposteln; ich bin nicht wert, Apostel genannt zu werden, weil ich die Kirche Gottes verfolgt habe.
| 10 Doch durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin, und sein gnädiges Handeln an mir ist nicht ohne Wirkung geblieben.
| Mehr als sie alle habe ich mich abgemüht nicht ich, sondern die Gnade Gottes zusammen mit mir.
br
| 11 Ob nun ich verkünde oder die anderen: Das ist unsere Botschaft und das ist der Glaube, den ihr angenommen habt.
span.bibelstelle 1 Kor 15,3-11
br
| Paulus bezeichnet sich hier selbst „gleichsam“ als „Missgeburt“ das lässt sich sehr gut mit dem „Aussätzigen“ verbinden.
br
| Ferner ist der Berg, der bei Markus die Kulisse bietet, klassischer Ort für Erscheinungen: Mk 3,13-19 kann sehr gut mit 1 Kor 15,5 verbunden werden.
li
| Störend in dieser Deutung des „Aussätzigen“ auf Paulus wirkt allerdings zunächst das Schweigegebot Jesu, das ganz im Sinne der Gegner des Paulus
| im Brief an die Galater wäre.
br
| Doch dies ist auch ein Schlüssel zum Verständnis:
br
| Denn es spricht hier der „Sohn Gottes, ... dem Gesetz unterstellt“, daher ist das Schweigegebot hier zu relativieren.
br
| Hier spricht nicht eigentlich Jesus, sondern sprechen die „Säulen“ in Jerusalem, auf die die Namen Petrus, Jakobus und Johannes
| zu Beginn der Zwölferliste hinweisen (siehe oben) ein „Austausch“ ganz eigener Art, der perfekt in das Motiv „Austausch“
| rund um den „Aussätzigen“ passt.
br
| Diese „Säulen“ in Jerusalem wollen Paulus angeblich, teils auch realiter
| an der gesetzesfreien Heidenmission hindern, an das Gesetz binden, wie der „Aussätzige“ hier an das Gesetz gebunden wird.
br
| Wie Paulus sich dem widersetzt und erfolgreich! gesetzesfreie Heidenmission betreibt, so geschieht auch
| das erfolgreiche Verkündigungshandeln des ehedem „Aussätzigen“ im Widerspruch zur Bindung an das Gesetz.
br
| Zu bedenken ist ja auch, dass es sich hier um das <i>einzige</i> Schweigegebot im ganzen Evangelium handelt, das gebrochen wird,
| und der Bruch auf das Ganze gesehen eher positiv als negativ zu sehen ist;
| die hier beschriebenen Zusammenhänge geben eine sehr plausible Erklärung dafür.
li
| Mit dem „Aussätzigen“ auf Paulus gedeutet bekommt auch die jeweilige Hervorhebung des Willens Jesu
| eine eigene Bedeutung: so, wie er die 12 ausdrücklich will, will er auch ausdrücklich die Heilung des „Aussätzigen“;
| damit wird dieser ganz im Sinne des Paulus im Galaterbrief jenen gleichgestellt.
li
| Ein weiteres Element passt gut in diese Deutung:
br
| Es ist ja in besonderer Weise Paulus, der das Kreuz Christi betont, das ein „Ärgernis“ ist für judaisierende Christen,
| die Kreuzestod und jüdisches Gesetz harmonisieren wollen, was nach Paulus nicht geht.
br
| So verkündet er in besonderer Weise, dass Jesus ein „Aussätziger“ geworden ist, um der Menschheit das Heil zu bringen.
br
| Ja mehr noch, während Paulus in seiner vorchristlichen Zeit ein glühender Anhänger des jüdischen Gesetzes war „rein“ aus
| der Sicht des Gesetzes , ist er zu einem Feind des jüdischen Gesetzes geworden, was dessen Heilsbedeutung anbelangt;
| damit ist er aus Sicht der judaisierenden Christen selber zu einem „Aussätzigen“ geworden, während er es vorher
| nicht war. Wieder ein „Austausch“ ganz eigener Art, analog zu Jesus.
br
| In der eigenen rückblickenden Einschätzung des Paulus ist es aber so, dass er im Blick auf Gott von einem „Aussätzigen“
| zu einem „Reinen“ wurde, wie der „Aussätzige“ in der Erzählung.
br
| Als Hintergrund mag hier aus
span.bibelstelle Phil 3,5-14
| zitiert sein, in Ergänzung zu 1 Kor 15, 9 (siehe oben):
br
q.bibeltext
| 5 Ich wurde am achten Tag beschnitten, bin aus Israels Geschlecht, vom Stamm Benjamin, ein Hebräer von Hebräern, nach dem Gesetz ein Pharisäer;
br
| 6 ich verfolgte voll Eifer die Kirche
br
| und war untadelig gemessen an der Gerechtigkeit, die im Gesetz gefordert ist.
br
| 7 Doch was mir ein Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Verlust gehalten.
br
| 8 Ja noch mehr: Ich halte dafür, dass alles Verlust ist, weil die Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, alles überragt.
br
| Seinetwegen habe ich alles aufgegeben und halte es für Unrat, um Christus zu gewinnen 9 und in ihm erfunden zu werden.
br
| Nicht meine Gerechtigkeit will ich haben, die aus dem Gesetz hervorgeht, sondern jene, die durch den Glauben an Christus kommt, die Gerechtigkeit, die Gott schenkt aufgrund des Glaubens.
br
| 10 Christus will ich erkennen und die Macht seiner Auferstehung und die Gemeinschaft mit seinen Leiden, indem ich seinem Tod gleich gestaltet werde.
br
| 11 So hoffe ich, auch zur Auferstehung von den Toten zu gelangen.
br
| 12 Nicht dass ich es schon erreicht hätte oder dass ich schon vollendet wäre.
br
| Aber ich strebe danach, es zu ergreifen, weil auch ich von Christus Jesus ergriffen worden bin.
br
| 13 Brüder und Schwestern, ich bilde mir nicht ein, dass ich es schon ergriffen hätte.
br
| Eines aber tue ich: Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist.
br
| 14 Das Ziel vor Augen, jage ich nach dem Siegespreis: der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.
li
| Ein weiterer Erzählzug beginnt neu zu schillern, wenn man den „Aussätzigen“ mit Paulus identifiziert,
| und zwar die Beinamensgebung an Simon, der den Beinamen Petrus erhält.
br
| Denn „Paulus“ ist der griechische Beiname jenes Mannes, der im jüdischen Kontext mit eigentlichem Namen „Saul“ heißt.
br
| Damals war es üblich, dass Juden vor allem jene, die im Auslands-Kontext tätig waren, neben einem typisch jüdischen Namen
| auch einen griechischen tragen, der recht ähnlich klingt.
br
| In seinen Briefen verwendet Paulus nur diesen Namen; aus der Apostelgeschichte wissen wir aber, dass Paulus als jüdischen Namen
| Saul(us) trägt; sicher ist dies „allgemeine Tradition“ im frühen Christentum.
br
| Nur hat Paulus offenbar seinen jüdischen Namen im Kontext seines Wirkens als christlicher Verkünder „zurückgelassen“,
| in diesem Sinne ist aus Saulus Paulus geworden, wie hier aus Simon Petrus wird.
br
| Bemerkenswert ist dabei, dass die Anfangsbuchstaben jeweils übereinstimmen:
ul.card-text
li <b>S</b>imon → <b>P</b>etrus
li <b>S</b>aul(us) → <b>P</b>aulus
| Wahrscheinlich will Markus diesen Namenswechsel des Petrus im „Aussätzigen“ als Saulus/Paulus eingetragen wissen,
| bzw. unterstreicht dies die Deutung des „Aussätzigen“ auf Paulus.
li
| Wieder wird deutlich, dass die Erzählungen im Markus-Evangelium schillern und subtile Anspielungen bieten,
| je auch nach aktueller konzentrischer Gliederung,
| wie etwa das Netz bei der Berufung der ersten vier Apostel klar das Fischernetz ist, durch andere Verbindungen aber
| das jüdische Gesetz meint.

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@ -3,49 +3,55 @@ include mixins
block content
h2 Grundlegendes zum Evangelium nach Markus
p.serif
| Das Evangelium nach Markus ist das <i>älteste und kürzeste Evangelium im Neuen Testament</i>.
| Oft wurde dieses biblische Buch im Vergleich zu den anderen, längeren und „ausführlicheren“ Evangelien <i>abgewertet,
| ja missachtet</i>; Augustinus hielt es gar für ein Exzerpt des Matthäus-Evangeliums.
| Letzteres wurde gerade in der kath. Kirche zu <i>dem</i> Evangelium,
| das schon beim Entstehen des Viererkanons der Evangelien im 2. Jahrhundert an die erste Stelle kam.
p.serif
| Als das Markus-Evangelium Ende des 18. Jahrhunderts und dann durch die <i>Zwei-Quellen-Theorie</i> seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
| <i>als ältestes Evangelium erkannt und anerkannt wurde</i>, hoffte man vor allem, mit seiner Hilfe die Rückfrage nach dem historischen Jesus vorantreiben zu können.
| Doch es wurde erkannt: <i>Keines der Evangelien</i>, auch das älteste nicht, <i>ist eine Biografie des Lebens Jesu</i> in unserem heutigen Sinn;
| der historische Jesus blickt uns aus keinem Evangelium unmittelbar an.
p.serif
| Evangelien sind vielmehr <i>„narrative Theologie“</i>, also „erzählende Theologie“,
| das wird gerade am Evangelium nach Markus deutlich, wenn man einen Blick dafür hat, aus welchen Traditionen der Autor für sein Werk schöpft.
p.serif
| Markus hielt man lange für einen recht schlichten Sammler und Zusammensteller der alten Jesus-Traditionen,
| ohne dass er ein Gesamtkonzept entwickelt hätte. Dieses Bild hat sich in den letzten Jahrzehnten durch verschiedene
| wissenschaftliche Methoden der Erforschung dieses Evangeliums kräftig gewandelt.
| <i>Markus wurde als Theologie entdeckt.</i>
| Dabei legt er seinem Evangelium nicht nur eine Gesamtkonzeption zugrunde, sondern verknüpft die einzelnen Erzählungen
| einzigartig miteinander und gibt so selbst Hinweise zur Auslegung.
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h5.card-title
| Grundlegendes zum Evangelium nach Markus
hr
p.card-text
| Das Evangelium nach Markus ist das <i>älteste und kürzeste Evangelium im Neuen Testament</i>.
| Oft wurde dieses biblische Buch im Vergleich zu den anderen, längeren und „ausführlicheren“ Evangelien <i>abgewertet,
| ja missachtet</i>; Augustinus hielt es gar für ein Exzerpt des Matthäus-Evangeliums.
| Letzteres wurde gerade in der kath. Kirche zu <i>dem</i> Evangelium,
| das schon beim Entstehen des Viererkanons der Evangelien im 2. Jahrhundert an die erste Stelle kam.
p.card-text
| Als das Markus-Evangelium Ende des 18. Jahrhunderts und dann durch die <i>Zwei-Quellen-Theorie</i> seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
| <i>als ältestes Evangelium erkannt und anerkannt wurde</i>, hoffte man vor allem, mit seiner Hilfe die Rückfrage nach dem historischen Jesus vorantreiben zu können.
| Doch es wurde erkannt: <i>Keines der Evangelien</i>, auch das älteste nicht, <i>ist eine Biografie des Lebens Jesu</i> in unserem heutigen Sinn;
| der historische Jesus blickt uns aus keinem Evangelium unmittelbar an.
p.card-text
| Evangelien sind vielmehr <i>„narrative Theologie“</i>, also „erzählende Theologie“,
| das wird gerade am Evangelium nach Markus deutlich, wenn man einen Blick dafür hat, aus welchen Traditionen der Autor für sein Werk schöpft.
p.card-text
| Markus hielt man lange für einen recht schlichten Sammler und Zusammensteller der alten Jesus-Traditionen,
| ohne dass er ein Gesamtkonzept entwickelt hätte. Dieses Bild hat sich in den letzten Jahrzehnten durch verschiedene
| wissenschaftliche Methoden der Erforschung dieses Evangeliums kräftig gewandelt.
| <i>Markus wurde als Theologie entdeckt.</i>
| Dabei legt er seinem Evangelium nicht nur eine Gesamtkonzeption zugrunde, sondern verknüpft die einzelnen Erzählungen
| einzigartig miteinander und gibt so selbst Hinweise zur Auslegung.
h2 Sinn dieser Internet-Präsenz
p.serif
| Wir werden diesen Hinweisen des Autors gezielt folgen
| und dabei immer wieder in die paulinische Briefliteratur und damit die Theologie des Paulus eintauchen,
| die für Markus in besonderer Weise Inspirationsquelle für sein Werk war.
| Eine interessante und fantastische querneutestamentliche Reise, die lehrt,
| das Evangelium mit ganz neuen Augen zu sehen jenseits der Frage nach „Historizität“,
| aber stets gebunden an das eine christliche und christologische Grundereignis von Tod und Auferstehung Jesu.
br
| Ferner hat unser Altes Testament die (einzige) Heilige Schrift Jesu und seiner ersten Jünger
| „Pate“ für so manche Erzählung gestanden bzw. hat deren Formulierung beeinflusst:
| gesamtbiblische Querverbindungen werden unser Verstehen leiten und so manche Erzählung auf ganze eigene Weise sprechen lassen.
.card.slide.border-primary.mb-3
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h5.card-title
| Sinn dieser Internet-Präsenz
hr
p.card-text
| Wir werden diesen Hinweisen des Autors gezielt folgen
| und dabei immer wieder in die paulinische Briefliteratur und damit die Theologie des Paulus eintauchen,
| die für Markus in besonderer Weise Inspirationsquelle für sein Werk war.
| Eine interessante und fantastische querneutestamentliche Reise, die lehrt,
| das Evangelium mit ganz neuen Augen zu sehen jenseits der Frage nach „Historizität“,
| aber stets gebunden an das eine christliche und christologische Grundereignis von Tod und Auferstehung Jesu.
br
| Ferner hat unser Altes Testament die (einzige) Heilige Schrift Jesu und seiner ersten Jünger
| „Pate“ für so manche Erzählung gestanden bzw. hat deren Formulierung beeinflusst:
| gesamtbiblische Querverbindungen werden unser Verstehen leiten und so manche Erzählung auf ganze eigene Weise sprechen lassen.
p.serif
| Wir werden versuchen, den ganzen Reichtum der Theologie des Markus-Evangeliums
| und der sich damit verbindenden Impulse für das Leben in der Nachfolge Jesu zu erschließen.
p.card-text
| Wir werden versuchen, den ganzen Reichtum der Theologie des Markus-Evangeliums
| und der sich damit verbindenden Impulse für das Leben in der Nachfolge Jesu zu erschließen.