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span Johannes der Täufer
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p.mb-0
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||
q
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||
| Seht, ich sende meinen Boten; er soll den Weg für mich bahnen.
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br
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| Dann kommt plötzlich zu seinem Tempel der Herr, den ihr sucht, und der Bote des Bundes,
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| den ihr herbeiwünscht. Seht, er kommt!, spricht der HERR der Heerscharen.
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br
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| Doch wer erträgt den Tag, an dem er kommt? Wer kann bestehen, wenn er erscheint?
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br
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| ...
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br
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| Bevor aber der Tag des HERRN kommt, der große und furchtbare Tag, seht da sende ich zu euch den Propheten Elija.
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br
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| Er wird das Herz der Väter wieder den Söhnen zuwenden und das Herz der Söhne ihren Vätern,
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| damit ich nicht komme und das Land schlage mit Bann
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cite Mal 3,1-2.23-24
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blockquote.blockquote.mb-5(style="font-size: 100%;")
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p.mb-0
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q
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| Siehe: Ich werde einen Engel schicken, der dir [= Mose/Volk Israel] vorausgeht.
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cite Ex 23,20
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blockquote.blockquote.mb-5(style="font-size: 100%;")
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p.mb-0
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q
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| Eine Stimme ruft [in der Wüste]:
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q
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br
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| []In der Wüste bahnt den Weg des HERRN,
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br
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| ebnet in der Steppe eine Straße für unseren Gott!
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cite Jes 40,3
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.col-6.pl-5
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blockquote.blockquote.mb-5(style="font-size: 100%;")
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p.mb-0
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| Zacharias im Benedictus im Hinblick auf seinen Sohn:
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br
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||
q
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||
| Und du, Kind, wirst Prophet des Höchsten heißen;
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i denn du wirst dem Herrn vorangehen und ihm den Weg bereiten.
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cite Lk 1,76 [mit Anspielung auf Mal 3,1]
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blockquote.blockquote.mb-5(style="font-size: 100%;")
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p.mb-0
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| Der Engel zu Zacharias bei der Ankündigung der Geburt Johannes des Täufers:
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br
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||
q
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| Viele Kinder Israels wird er zum Herrn, ihrem Gott, hinwenden.
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br
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||
| Er wird ihm mit dem Geist und mit der Kraft des Elija vorangehen,
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||
| um
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i die Herzen der Väter den Kindern zuzuwenden
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||
br
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| und die Ungehorsamen zu gerechter Gesinnung zu führen und so das Volk
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i für den den Herrn bereit zu machen.
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cite Lk 1,16-17 [mit Anspielung auf Mal 3,23]
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blockquote.blockquote.mb-5(style="font-size: 100%;")
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p.mb-0
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||
| <q>Jesus</q> über Johannes den Täufer:
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br
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q
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||
| Dieser ist es, von dem geschrieben steht:
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br
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||
i
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q Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg vor dir bahnen wird.
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cite Lk 7,27 [mit Mischzitat aus Mal 3,1 und Ex 23,20]
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hr.mt-3.mb-5
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h1.slide Johannes der Täufer in historisch-kritischer Perspektive
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.card.slide.mb-3
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h5.card-title Zeit der Bedrängnis – Zeit der Erwartung
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.card-text
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||
p Johannes der Täufer startete in den 20er Jahren des 1. Jhdt. n. Chr. eine jüdische Umkehrbewegung.
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p
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||
| Es war eine Zeit großer Erwartungen.
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||
| Viele Juden fühlten sich politisch und religiös bedrängt – einerseits durch die Römer,
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| die die Herren im Land waren und an die Steuern zu zahlen waren, andererseits durch die damalige
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||
| griechisch-hellenistische Kultur.
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||
p
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||
| Es war daher eine Zeit, in der man sich das göttliche Eingreifen ersehnte –
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||
| durch Gott selbst oder einen von ihm gesandten Retter (<q>Messias</q>).
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p.mb-0
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||
| Vor diesem Hintergrund ist das Wirken Johannes des Täufers – wie auch das Jesu – zu verstehen:
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||
| Johannes glaubte an das unmittelbar bevorstehende Ende dieser Weltzeit und das Kommen Gottes
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||
| zu Gericht und Rettung.
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.card-body
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h5.card-title Zeit der Umkehr – Zeit der Taufe
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.card-text
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||
p
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||
| Johannes erinnerte mit seiner Predigt die Juden daran,
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| dass auch sie oft nicht dem Willen Gottes gemäß leben.
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||
p
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||
| Er rief daher zur Umkehr, zur Erneuerung des ganzen Menschen auf.
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||
p.mb-0
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||
| Weil aber die Zeit knapp und also keine Zeit für viele gute Taten mehr war,
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||
| die Umkehr und Reue zeigen und damit Vergebung von Gott erbitten sollten, bot er eine Taufe an,
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||
| die die Umkehr besiegelte, Sündenvergebung zusprach und zu einem erneuerten Lebenswandel nach den Geboten Gottes verpflichtete.
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.card.slide.mb-3
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.card-body
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h5.card-title ‚Gegenveranstaltung‘ zum Tempel
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.card-text
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p
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||
| Gleichzeitig war die Taufe, die Johannes angeboten hat, eine ‚Gegenveranstaltung‘ zum Tempel in Jerusalem,
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||
| denn das war eigentlich der Ort für die Sündenvergebung.
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||
| Doch der Tempel war offenbar in den Augen des Johannes und seiner Anhänger nicht mehr in der Lage,
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||
| seinen Zweck zu erfüllen: die Begegnung mit Gott ermöglichen, Gottes Segen vermitteln, das gläubige Volk stetig
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||
| durch die Begegnung mit Gott erneuern und stärken.
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||
p
|
||
| Der Character der ‚Gegenveranstaltung‘ wird noch deutlicher, wenn man sich die priesterliche Herkunft des Johannes bewusst macht,
|
||
| wie sie Lukas erzählt: eigentlich wäre es sein Weg gewesen, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten
|
||
| und also selbst Priester am Tempel zu werden.
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p.mb-0
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||
| Mit seiner Kritik am Tempel war Johannes damals nicht allein; sie wurde nicht nur nach ihm
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||
| von Jesus übernommen (Tempelreinigung), sondern findet sich auch schon vor ihm in den Schriften von Qumran.
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||
| Ähnlich wie für Johannes spielte auch für die Gemeinde hinter diesen Schriften wohl Jes 40,3 eine Rolle (<q>Wüste</q>).
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.card.slide.mb-3
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h5.card-title Johannes <i>der Täufer</i>
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.card-text
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p.mb-0
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||
| Der Beiname <q>der Täufer</q> weist darauf hin, dass das, was Johannes tat, etwas Neues war:
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br
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||
| es gab zwar Reinigungsbäder und -riten, aber dort <q>taufte</q> man sich selbst; dass man von jemand anderem
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||
| <q><i>ge</i>tauft <i>wird</i></q>, das war neu und zeigt wohl ein ausgeprägtes Sendungsbewusstsein des Täufers (und
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||
| auch einen gravierenden Unterschied zu den Reinigungsbädern in Qumran).
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.card.slide.mb-3
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.card-body
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h5.card-title Johannes – der <q>wiedergekommene Elija</q>
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.card-text
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p.mb-0
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| Sicher nicht erst die Christen haben Johannes den Täufer mit Elija in Verbindung gebracht, und wohl auch nicht
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||
| erst die Jünger des Johannes; vielmehr verstand er sich wohl schon selbst so, worauf auch seine Kleidung
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||
| gemäß 2 Kön 1,8 schließen lässt (dort ist <q>Mantel aus Ziegenhaaren</q> und <q>lederner Gürtel um die Hüften</q>
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||
| quasi Erkennungszeichen für Elija; vgl. Mk 1,6).
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.card.slide.mb-5
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h5.card-title Johannes – Opfer der Mächtigen
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.card-text
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p.mb-0
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||
| Johannes fand ein gewaltsames Ende; Grund dafür war seine Kritik an den Mächtigen.
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.slide
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h1 Lk 3,1-22
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h2 Das Auftreten Johannes des Täufers
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blockquote.blockquote.mb-3.ml-5
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p
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||
| Es war im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius;
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||
br
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||
| Pontius Pilatus war Statthalter von Judäa,
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||
br
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||
| Herodes [Antipas] Tetrarch von Galiläa,
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||
br
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||
| sein Bruder Philippus Tetrarch von Ituräa und der Trachonitis,
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||
br
|
||
| Lysanias Tetrarch von Abilene;
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br
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||
| Hohepriester waren Hannas und Kajaphas.
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p.mb-0
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| Da erging in der Wüste das Wort Gottes an Johannes, den Sohn des Zacharias.
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||
br
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||
| Und er zog in die Gegend am Jordan und verkündete dort überall die Taufe der Umkehr zur Vergebung der Sünden,
|
||
| wie im Buch der Reden des Propheten Jesaja geschrieben steht:
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||
q
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||
| Stimme eines Rufers in der Wüste:
|
||
q
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||
| Bereitet den Weg des Herrn! Macht gerade seine Straßen!
|
||
br
|
||
| Jede Schlucht soll aufgefüllt und jeder Berg und Hügel abgetragen werden.
|
||
br
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||
| Was krumm ist, soll gerade, was uneben ist, soll zum ebenen Weg werden.
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||
br
|
||
| Und alle Menschen werden das Heil Gottes schauen.
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||
footer.blockquote-footer
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||
cite Lk 3,1-6
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.card.slide.mb-3
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.card-body
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||
h5.card-title Verankerung der Heilsgeschichte in der Weltgeschichte
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.card-text
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||
p
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||
| Es werden keine Märchen oder zeitlose Mythen erzählt.
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||
| Auch wenn manches dunkel bleibt: Johannes der Täufer mit seiner Taufe und Jesus von Nazareth mit seinem Kreuz
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||
| sind historische Personen.
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br
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||
| Sie haben zu einer bestimmten Zeit und an einem konkreten Ort gelebt und gewirkt.
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||
p.mb-0
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||
| Diese Personen haben <q>Weltgeschichte</q> geschrieben – was sich mit ihnen ereignet hat,
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||
| das ist nicht nur Sache eines kleinen Volkes am Rande der Welt oder kleinen Gruppen darin,
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||
| das geht die ganze Menschheit an.
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||
br
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||
| Und um dies deutlich zu machen, hebt Lukas auch formal – wie hier durch den <q>Synchronismus</q> (= zeitliche Eindordnung)
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| oder den Prolog am Anfang des Evangeliums – die christliche Verkündigung auf ein höher stehendes literarisches Niveau.
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.card.slide.mb-3
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.card-body
|
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h5.card-title Verankerung der Heilsgeschichte im Wort der Propheten
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.card-text
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||
p
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||
| Lukas knüpft an die prophetische Literatur des Alten Testamentes an, wenn er einerseits das Auftreten
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||
| des Johannes mit der sog. <q>Wortereignisformel</q> einführt und so von einer Prophetenberufung erzählt; andererseits
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||
| finden sich auch am Anfang von Prophetenbüchern zeitgeschichtliche Eindordungen (<q>Synchronismen</q>).
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blockquote.blockquote(style="font-size: 100%;").ml-5
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||
p.mb-0
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||
q
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||
| Die Worte Jeremias ...
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||
br
|
||
| An ihn erging das Wort des HERRN in den Tagen des Königs Joschija von Juda, des Sohnes Amos,
|
||
| im dreißigsten Jahr seiner Regierung, ebenso in den Tagen des Königs Jojakim von Juda, des Sohnes
|
||
| Joschijas, bis das elfte Jahr des Königs Zidkija von Juda, des Sohnes Joschijas, zu Ende ging,
|
||
| als im fünften Monat Jerusalem in die Verbannung ziehen musste.
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||
footer.blockquote-footer
|
||
cite Jer 1,1-3
|
||
p
|
||
i Gottes Wort wirkt sich geschichtlich aus – in den Menschen, die sich von ihm rufen lassen.
|
||
p
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||
| Das Zitat aus Jesaja, mit dem Lukas die Sendung des Johannes beschreibt, ist als <q>Schriftbeweis</q> zu verstehen:
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||
br
|
||
| Was Johannes jetzt tut, das entspricht dem, was Jesaja <q>angekündigt</q> hat;
|
||
br
|
||
| so ist das Wirken des Johannes göttlich legitimiert.
|
||
p.mb-0
|
||
| Mehr aber noch: dass – nach Ostern – das Evangelium auch Nicht-Juden verkündet wird und diese gläubig werden,
|
||
| das hat schon Jesaja <q>vorausgesehen</q>: <q>Und <i>alle</i> Menschen werden das Heil Gottes schauen.</q>
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||
br
|
||
span.small <q>Schauen</q> bedeutet nicht nur <q>Sehen</q> sondern <q>Teilhaben</q>!
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||
|
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.card.slide.mb-5
|
||
.card-body
|
||
h5.card-title
|
||
q Weg des Herrn
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||
.card-text
|
||
p Schon Jes 40,3-5 denkt nicht an einen real-physischen Weg Gottes (oder an den Heimkehrweg der nach Babylon Exilierten).
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||
p <q>Weg des Herrn</q> ist ethisch-religiös zu verstehen: Lebenswandel nach Gottes Weisung; den rechten Weg gehen.
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||
p
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||
i (Deutero-)Jesaja
|
||
br
|
||
| Angesichts des Endes des Exils in Babylon ruft der Prophet eine neue Heilszeit aus,
|
||
| nimmt dazu aber seine Adressaten in die Pflicht:
|
||
br
|
||
| Sich neu unter Zuspruch und Anspruch des Wortes Gottes und seiner Weisung stellen:
|
||
| weg von einem <q>hügeligen</q> – sprich: unsteten – Leben, hin zu einem geradlinigen,
|
||
| an der Weisung Gottes orientiertem Leben.
|
||
br
|
||
i
|
||
| Auf dem Weg eines rechten, an Gottes Weisung orientiertem Leben kommt Gott zu den Menschen;
|
||
| wer auf seinen Wegen geht, wird seine segenspendende Nähe erfahren.
|
||
p
|
||
i Johannes der Täufer
|
||
br
|
||
| <q>Bereitet den Weg des Herrn!</q> entspricht dem Ruf zu Umkehr und Taufe:
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||
br
|
||
i
|
||
| Angesichts des Kommens Gottes bzw. des Messias zu Gericht (und Rettung) dem Ruf zur Umkehr folgen,
|
||
| diese in der Taufe besiegeln und dann entsprechend leben.
|
||
p.mb-0
|
||
| Im Kontext des Lukas-Evangeliums kann
|
||
q Jede Schlucht soll aufgefüllt und jeder Berg und Hügel abgetragen werden.
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||
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|
||
| auch zum Magnifikat in Beziehung gesetzt werden:
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||
br
|
||
q Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.
|
||
|
|
||
| (Lk 1,52)
|
||
|
|
||
+symbol("arrow-right")
|
||
| Umwertung im eigenen Leben angesichts des Handelns Gottes.
|
||
|
||
|
||
.slide
|
||
h2
|
||
.small Die Bußpredigt
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||
|
||
blockquote.blockquote(style="font-size: 100%;").mb-5.ml-5
|
||
p.small.mb-0
|
||
| Da sagte er zu den Volksscharen, die hinauszogen, um sich von ihm taufen zu lassen:
|
||
q
|
||
| Ihr Schlangenbrut, wer hat euch denn gelehrt, dass ihr dem kommenden Zorngericht entrinnen könnt?
|
||
| Bringt Früchte hervor, die eure Umkehr zeigen, und fangt nicht an, bei euch zu sagen:
|
||
q Wir haben Abraham zum Vater!
|
||
|
|
||
| Denn ich sage euch: Gott kann aus diesen Steinen dem Abraham Kinder erwecken.
|
||
br
|
||
| Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt; jeder Baum, der keine gute Frucht hervorbringt,
|
||
| wird umgehauen und ins Feuer geworfen.
|
||
footer.blockquote-footer
|
||
cite Lk 3,7-9
|
||
|
||
.slide
|
||
h2 Die Standespredigt des Täufers
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||
|
||
blockquote.blockquote.mb-3.ml-5
|
||
p
|
||
| Da fragten ihn <b>die Scharen</b>:
|
||
q Was sollen wir also tun?
|
||
br
|
||
| Er antwortete ihnen:
|
||
q Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso!
|
||
p
|
||
| Es kamen auch <b>Zöllner</b>, um sich taufen zu lassen, und fragten ihn:
|
||
q Meister, was sollen wir tun?
|
||
br
|
||
| Er sagte zu ihnen:
|
||
q Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist!
|
||
p.mb-0
|
||
| Auch <b>Soldaten</b> fragten ihn:
|
||
q Was sollen denn wir tun?
|
||
br
|
||
| Und er sagte zu ihnen:
|
||
q Misshandelt niemanden, erpresst niemanden, begnügt euch mit eurem Sold!
|
||
footer.blockquote-footer
|
||
cite Lk 3,10-14
|
||
|
||
.card.slide.mb-3
|
||
.card-body
|
||
h5.card-title
|
||
| Umkehr – allgemein und konkret
|
||
.card-text
|
||
p Johannes wird als Weisheitslehrer gezeichnet; er verkündet zeitlos gültige Verhaltensrichtlinien.
|
||
p.mb-0
|
||
| Die <q>Scharen</q> werden mit dem <i>Gebot der Nächstenliebe</i> konkrontiert – von einem Armutsideal ist hier nichts zu spüren -;
|
||
| die Menge wird dann aber beispielhaft geteilt und die Forderung konkretisiert.
|
||
br
|
||
| Alle stehen unter dem grundsätzlich gleichen Anspruch, aber die Forderungen können je nach eigener
|
||
| Lebenssituation unterschiedlich konkret werden.
|
||
|
||
.card.slide.mb-3
|
||
.card-body
|
||
h5.card-title
|
||
| Gegen Missbrauch von Macht
|
||
.card-text
|
||
p.mb-0 Was Zöllner und Soldaten verbindet, ist ihre (relative) Mächtigkeit, die jeweils missbraucht werden kann:
|
||
ul.mb-0
|
||
li Die <i>Zöllner</i> stehen in der Versuchung, mehr zu verlangen, als festgesetzt ist; das geschah tatsächlich
|
||
| und brachte die Zöllner – neben dem Umstand, dass sie für die Römer arbeiteten – in Verruf.
|
||
| (
|
||
+symbol("arrow-right")
|
||
| Zachäus).
|
||
li Die <i>Soldaten</i> stehen vor der Versuchung, ihre Waffengewalt dazu zu nutzen,
|
||
| ihren Sold aufzubessern und dabei Misshandlung und Erpressung anzuwenden.
|
||
br
|
||
.small
|
||
| Auffällig ist, dass weder Plündern noch Blutgewalt genannt sind: Lukas spricht in eine Zeit des
|
||
| (relativen) Friedens, wie sie damals tatsächlich geherrscht hat.
|
||
|
||
.card.slide.mb-3
|
||
.card-body
|
||
h5.card-title
|
||
| Gegen die Habsucht
|
||
.card-text
|
||
p
|
||
i Habsucht ist bei Lukas quasi die Ursünde.
|
||
p.mb-0 Ihr stellt er zwei beispielhafte positive Verhaltensweisen gegenüber:
|
||
ul.mb-0
|
||
li
|
||
| Teilen (ohne selbst arm zu werden)
|
||
| (
|
||
+symbol("arrow-right")
|
||
| Forderung an <q>die Scharen</q>)
|
||
li
|
||
| Sich mit dem begnügen, was einem zusteht
|
||
| (
|
||
+symbol("arrow-right")
|
||
| Forderung an Zöllner und Soldaten).
|
||
p.mb-0 Schon hier zeigt sich auch, dass Lukas im Hinblick auf Vermögen der rechte Erwerb und Gebrauch wichtig ist.
|
||
|
||
.card.slide.mb-5
|
||
.card-body
|
||
h5.card-title
|
||
| Ethik nicht allein
|
||
.card-text
|
||
p
|
||
| Die Lehre des Johannes ist nicht spezifisch; sie ist schon vor ihm in mannigfacher Ausfaltung formuliert,
|
||
| besonders bei den Propheten, aber auch das jüdische Gesetz ist voll von tiefsinniger Sozialgesetzgebung.
|
||
p Und auch Gläubige anderer Religionen dürften die Forderungen des Johannes unterschreiben.
|
||
p
|
||
| Zum Glauben gehört nicht nur die Ethik, sondern auch das Bekenntnis;
|
||
| von dort kann – wie im Judentum und Christentum – die Ethik ein spezifisches Fundament erhalten,
|
||
| gerade durch das, was ich von Gott bzw. Jesus Christus
|
||
| glaube, nicht zuletzt im Hinblick auf ihr konkretes Handeln in der <q>Heilsgeschichte</q>.
|
||
p.mb-0 In diesem Sinne schließt sich an die ethische Unterweisung eine <q>christologische Unterweisung</q> an.
|
||
br
|
||
span.small Ahnlich verhält es sich in Apg 2,37-47.
|
||
|
||
.slide
|
||
h2 Die Ankündigung des Messias
|
||
|
||
blockquote.blockquote.mb-3.ml-5
|
||
p
|
||
| Das Volk war voll Erwartung und alle überlegten im Herzen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Christus sei.
|
||
br
|
||
| Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort:
|
||
q
|
||
| Ich taufe euch mit Wasser.
|
||
br
|
||
| Es kommt aber einer, der stärker ist als ich,
|
||
| und ich bin es nicht wert, ihm die Riemen der Sandalen zu lösen.
|
||
br
|
||
| Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.
|
||
br
|
||
| Schon hält er die Schaufel in der Hand, um seine Tenne zu reinigen und den Weizen in seine Scheune zu sammeln;
|
||
| die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.
|
||
|
||
p.mb-0
|
||
| Mit diesen und vielen anderen Worten ermahnte er das Volk und verkündete die frohe Botschaft.
|
||
footer.blockquote-footer
|
||
cite Lk 3,15-18
|
||
|
||
.card.slide.mb-3
|
||
.card-body
|
||
h5.card-title
|
||
| Keine <q>Gefühlsduselei</q>
|
||
.card-text
|
||
p.mb-0 <b>Herz</b> ist im damaligen Sprachgebrauch auch und gerade <i>Sitz von Wille und Denken</i>!
|
||
|
||
.card.slide.mb-3
|
||
.card-body
|
||
h5.card-title
|
||
| Polemik gegen die Jünger des Johannes
|
||
.card-text
|
||
p
|
||
| Aus späterer christlicher Perspektive sind die Rollen zwischen Johannes dem Täufer und Jesus klar verteilt:
|
||
| der eine ist der Vorläufer des anderen, der allein der Messias ist.
|
||
p
|
||
| Doch es gab wohl recht lange eine gewisse Rivalität zwischen Anhängern des Johannes und den <q>Christen</q>,
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| gerade dann, wenn man dem Tod Jesu keine Heilsbedeutung beigemessen hat (wie etwa in Q der Fall; anderes Paulus
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| und das, was an Schriften im Neuen Testament gesammelt ist).
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p
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| Man muss sich auch vor Augen führen, dass die Johannes-Bewegung nicht nur ein <q>kleiner Haufen</q> war;
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| Lukas kann in Apg 19,1-7 davon erzählen, dass Paulus in Ephesus auf Johannesjünger getroffen ist!
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p
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| Ferner ist zu bedenken, dass Johannes wohl als <q>Stärkeren</q> Gott selbst erwartet hat, nicht einen Menschen.
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br
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| (Der <q>Starke Israels</q> ist im Alten Testament Bezeichnung für Gott!)
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p.mb-0
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| Von daher waren <i>Klarstellungen</i> in der Beziehung Johannes – Jesus etwas sehr wichtiges!
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br
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| Im Wort vom Lösen der Sandalenriemen wird eine deutliche Hierarchie gezeichnet.
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h5.card-title
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| Taufe mit Geist und Feuer
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.card-text
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p
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| <i>Feuer</i> ist im Alten Testament ein Bild für das Gericht Gottes; in diesen Denkhorizont
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| ist auch der nächste Vers gesprochen (<q>in Feuer verbrennen</q>).
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br
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| So passt dieser Begriff auch zur ursprünglichen Predigt des Johannes ganz gut, der ein Gericht Gottes ankündigte
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| und dafür vielleicht selber das Bildwort des Feuers gebrauchte.
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p.mb-0
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| Lukas dürfte bei <i>Feuer</i> aber an Pfingsten und den Heiligen Geist denken: in Apg 2 wird er erzählen
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| dass der Heilge Geist in <q>Zungen wie von Feuer</q> auf die Jünger herabkommt.
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p.small
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| Lukas hat <q>Feuer</q> wohl aus Q übernommen (und behalten, weil er es für den nächsten Vers brauchte),
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| <q>Geist</q> dagegen als wichtigen Begriff aus Markus (bzw. der sontigen christlichen Tradition).
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| Indem die christliche Taufe stets auch mit dem Geistempfang verbunden ist,
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| dürfte sie von Anfang an mit einer Doppelhandlung praktiziert worden sein:
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| Wassertaufe (Sündenvergebung) und Handauflegung (Geistempfang).
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p.small.mb-0
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| Das ist durch den heutigen Kindertaufritus <q>zerstört</q>; dort gibt es zwar eine Handauflegung,
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| aber ohne Bezug zum Geist, und es gibt eine Salbung, aber ohne Handauflegung.
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br
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| Bei Erwachsenentaufen schließt sich gleich die Firmung an; bei Kindern wird die Taufe erst durch
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| die spätere Firmung <q>komplett</q>!
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h5.card-title
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| Johannes <q>verkündete die frohe Botschaft</q> [= Evangelium]
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.card-text
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p
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| Für Lukas steht Johannes der Täufer auf der Schwelle zur neuen, mit dem Messias Jesus eröffneten Ära.
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br
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| Auf diese Ära hat er – zumindest aus nachösterlicher, christlicher Perspektive – hingewiesen;
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| und damit kann man sagen, dass er <q>die frohe Botschaft</q> verkündete.
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p.mb-0
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| Die Bußpredigt des Johannes mit dem Zeichen der Taufe sowie seine – aus christlicher Perspektive auf Jesus hinweisenden -
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| Predigt vom kommenden <q>Stärkeren</q> sind für die Christen aus rückblickender Perspektive zur Schwelle
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| zur neuen Ära Jesu und der Kirche geworden.
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br
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| Analog wurde dann die (christliche) Taufe als Besiegelung der Annahme des christlichen Glaubens die Schwelle zum Christsein.
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h2
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.small Die Gefangennahme des Johannes
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blockquote.blockquote(style="font-size: 100%;").mb-5.ml-5
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p.small.mb-0
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| Johannes tadelte auch den Tetrarchen Herodes [Antipas] wegen Herodias, der Frau seines Bruders,
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| und wgen aller Schandtaten, die er verübt hatte.
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br
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| Herodes fügte zu allem noch dies hinzu, dass er Johannes ins Gefängnis werfen ließ.
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cite Lk 3,19-20
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h2 Die Taufe Jesu (Lk 3,21-22)
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blockquote.blockquote.mb-3.ml-5
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p.mb-0
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| Es geschah aber, dass sich zusammen mit dem ganzen Volk auch Jesus taufen ließ.
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| Und während er betete, öffnete sich der Himmel und der Heilige Geist kam sichtbar
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| in Gestalt einer Taube auf ihn herab und eine Stimme aus dem Himmel sprach:
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q Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.
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cite Lk 3,21-22
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h5.card-title
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| Seltsam <q>zwischendrin</q>
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p.mb-0
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| Während die Erzählung der Taufe Jesu im Evangelium nach Markus der Höhepunkt der auf 13 Verse komprimierten
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| <q>Vorgeschichte</q> ist, ist sie im Evangelium nach Lukas seltsam zwischenreingepresst:
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ul
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li
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| Die Erzählung über den Täufer ist bereits abgeschlossen, das Ende seines öffentlichen Wirkens
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| mit seiner Gefangennahme schon erzählt.
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li
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| Es schließt sich der Stammbaum an, erst danach die Erzählung von der Versuchung Jesu, die
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| bei Markus unmittelbar auf die Taufe folgt (und mit <q>sofort</q> ganz eng mit ihr verbunden ist),
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| sowie dann das erste Auftreten in Galiläa.
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p
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| Es ist zu vermuten, dass dies mit der erwähnten Polemik gegen die Johannes-Jünger zusammenhängt,
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| bzw. allgemein mit der Frage, warum sich Jesus überhaupt taufen ließ, wenn er doch der
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| sündlose Messias Gottes ist; eine Frage, die auch die Tauferzählung des Matthäus prägt.
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p.mb-0
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| Lukas kann die Erzählung von der Taufe nicht verschweigen; sie ist doch zu wichtig. Doch er setzt Akzente:
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ul.mb-0
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li
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| Die erzählte (offenbar für alle gültige) Sichtbarkeit der Taube korrespondiert dem Umstand,
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| dass der Täufer bei Lukas bereits mit seiner Gefangennahme <q>unsichtbar</q> geworden ist.
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br
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span.small Bei Markus sieht die ganzen besonderen Vorgänge und hört die Stimme ausschließlich Jesus allein.
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li
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| Nicht gleich nach der Wassertaufe, sondern während des Gebetes Jesu geschehen die besonderen Dinge.
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p
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| Man kann also sagen:
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i
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| Die Taufe ist auf ein Ereignis zwischen Gott und Jesus reduziert; Johannes spielt effektiv keine Rolle.
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p.small.mb-0
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| Auch literarische Gründe könnten eine Rolle gespielt haben:
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br
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| Wie Lukas in Lk 1-2 das Leben des Johannes und das Leben Jesu schrittweise parallel erzählt hat,
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| so erzählt er auch bei Johannes zunächst bis zum <q>Ende</q> (was bei ihm die Gefangennahme ist; den Tod erzählt er nicht),
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| und dann erst von Jesu Wirken, an dessen Anfang die Taufe steht.
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br
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| Klar ist jedenfalls:
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| Für Lukas gehört die Taufe Jesu als Ereignis nicht in die Lebensbeschreibung Johannes des Täufers, sondern das Leben Jesu.
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.card.slide.mb-3
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h5.card-title
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| Salbung zum Messias
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.card-text
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p
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| Die Himmelsstimme ist ein Mischzitat aus Ps 2,7 und Jes 42,1.
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blockquote.blockquote(style="font-size: 100%;").ml-5.mb-1
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p.mb-0
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b
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||
q
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| Den Beschluss des HERRN will ich kundtun. Er sprach zu mir:
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q <i>Mein Sohn bist du.</i> Ich selber habe dich heute gezeugt.
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footer.blockquote-footer
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cite Ps 2,7
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p.ml-5
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| Dieser Psalm zielt ursprünglich auf den amtierenden König Israels/Judas ab;
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| Ps 2,7 erfuhr später aber eine Verschiebung in Richtung Erwartung eines endzeitlichen Messias.
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br
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span.small Auch 2 Sam 7,14 (Natansverheißung) gehört in diesen Kontext.
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blockquote.blockquote(style="font-size: 100%;").ml-5.mb-1
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p.mb-0
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b
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q
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||
| Siehe, das ist mein Knecht, den ich stütze; das ist mein Erwählter,
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i an ihm finde ich Gefallen.
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br
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| <i>Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt</i>, er bringt den Nationen das Recht.
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footer.blockquote-footer
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cite Jes 42,1
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p.ml-5
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||
| Hier wird der Gottesknecht eingeführt, der mit Gottes Geist ausgestattet ist
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| und im Buch Deuterojesaja eine besondere Rolle als göttlicher Gesandter spielt.
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||
p
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| Dass Jesus der Sohn Gottes ist, das ist seit der Verkündigung klar; hier wird er erstmals so angesprochen,
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| und zwar von Gott selbst.
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p.mb-0
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| Mit der Taufe wird er quasi in sein Amt als mit Gottes Geist ausgestattetem Messias eingesetzt,
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| das er dann in Lk 4,14-30 übernehmen wird.
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||
br
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| Der Rückgriff auf die Ps 2,7 und Jes 42,1 erkennt darin die Erfüllung messianischer Verheißung.
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