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span Adressaten
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+footnote("Vgl. Ebner, Einleitung 174-175.")
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block content
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p.slide.nomarginbottom Schon <i>aus dem Evangelium selbst</i> erhalten wir einige Angaben:
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li.slide Offenbar ist die Gemeinde <b>des Aramäischen/Hebräischen nicht mächtig</b>:
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li.slide Hebräische/aramäische Worte werden ins Griechische übersetzt.
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li.slide Die Einbeziehung (statt Tilgung) der fremden Worte verleiht der Tradition auch den touch des Altehrwürdigen.
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li.slide Die Gemeinde ist <b>mit jüdischen Bräuchen nicht vertraut</b>:
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li.slide Sie werden im Evangelium erklärt.
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li.slide Zumindest die Mehrzahl der Gemeindeglieder entstammt also wohl nicht-jüdischem Milieu.
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p.slide.nomarginbottom Legt man sich auf Rom als Abfassungsort fest, sind dort auch die Adressaten zu finden.
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br
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span.slide Und über die Geschichte der Christen in Rom wissen wir einiges:
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li.slide <b><i>Claudius-Edikt</i></b> (49 n. Chr.)
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li.slide Verfügt die Ausweisung der Juden aus Rom.
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li.slide Anlass: Streitigkeiten in der jüdischen Gemeinde in Rom wohl aufgrund der gesetzesfreien Heidenmission.
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li.slide Wahrscheinlich wurden nicht alle Juden vertrieben,
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br
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span.slide sondern vor allem jene Judenchristen, die Heiden ohne Beschneidung und Verpflichtung auf die Speisegebote/Reinheitsvorschriften in die Gemeinde aufnahmen.
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li.slide Kaiser Claudius wollte mit seinem Edikt wohl schlicht den Anlass für die Unruhen beseitigen.
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li.slide
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| Prominente Betroffene:
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span.slide Ehepaar Priska und Aquila, auf die Paulus in Korinth trifft (Apg 18,2);
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br
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span.slide zur Zeit der Abfassung des Römerbriefes - Frühjahr 56 oder Winter 56/57 - sind beide aber wieder in Rom (Röm 16,3).
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li.slide <b>Schlussfolgerungen</b>
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ul.nodisplay.nomarginbottom
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li.slide Bereits vor 49 n. Chr. gab es in Rom erfolgreiche Heidenmission.
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li.slide Die Gemeinde bestand demnach aus Judenchristen (= Juden, die sich zu Jesus als Messias bekennen) und Heidenchristen (ehemaligen Heiden, die den christlichen Glauben angenommen haben).
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li.slide Mit der Ausweisung der Judenchristen blieben praktisch die Heidenchristen allein übrig.
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li.slide Als Folge dürfte sich das Heidenchristentum in Rom mehr oder weniger selbstständig weiterentwickelt haben.
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li.slide Mit dem Regierungsantritt von Kaiser Nero 54 n. Chr. durften auch die Juden bzw. Judenchristen wieder nach Rom.
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br
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span.slide Das dürfte nicht ohne Konflikte gegangen sein.
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li.slide <b>Spuren im Evangelium</b>
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li.slide Diese wichtige Episode der christlichen Gemeinde in Rom erklärt recht gut <b>Nähe und Distanz zur jüdischen Überlieferung</b>, wie sie im Evangelium feststellbar ist.
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li.slide Markus selbst und seine Gemeinde blicken aber auf die Probleme und Diskussionen von damals zu einem guten Teil aus einigem Abstand zurück:
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br
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span.slide
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| Das Markus-Evangelium
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q
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| bezeugt ein späteres Stadium dieses Ablösungs- und Verselbständigungsprozesses. Die Herkunft aus dem Judentum wird zwar
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| dokumentiert, die ursprüngliche Führungsrolle der Zwölf festgeschrieben und der zeitliche Vorrang der jüdischen Adressaten
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| für die Botschaft festgehalten. Aber die Sympathie des Erzählers gehört eindeutig den Heiden.
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span.footnote(data-toggle="tooltip", title="Ebner, Einleitung 175.")
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li.slide Die <b>Streitigkeiten von damals</b> sind <b>längst autoritativ entschieden</b>:
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li.slide 'Jesus' erklärt <i>alle</i> Speisen für rein (Mk 7,19).
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li.slide
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| 'Jesus' hat schon selbst Tischgemeinschaft auch mit den Heiden (
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span.oi.oi-arrow-right
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| Speisung der Viertausend).
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li.slide Immerhin hält Markus in seinem Evangelium fest, dass das alles nicht ohne Widerstände ablief.
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li.slide
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| Das <b>jüdische Gesetz</b> spielt <b>nur noch</b> eine Rolle als <b>Moralgesetz</b> (etwa in Mk 10,1-12.17-27),
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| nicht mehr als Kult- bzw. Ritualgesetz (mit den Reinigungsriten und Speisevorschriften).
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li.slide
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| <b>Hervorgehoben</b> als Abschluss und Höhepunkt des Blickes auf das jüdische Gesetz wird das <b>Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe</b> (Mk 12,28-34).
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span.footnote(data-toggle="tooltip", title="Vgl. Schnelle, Einleitung 219-220.")
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p.slide.nomarginbottom Wichtiger als die Fragen und Probleme der Vergangenheit sind Markus die Probleme und Herausforderungen <i>seiner</i> Zeit:
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ul.nodisplay
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li.slide <b><i>Christenverfolgungen unter Nero</i></b> (64 n. Chr.):
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br
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span.slide
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i Wie umgehen mit jenen, die in der Verfolgung schwach geworden sind?
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ul.nodisplay.nomarginbottom
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li.slide
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| Damals galt, was Mk 13,12 schreibt: dass
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q Bruder den Bruder in den Tod liefern wird, und der Vater sein Kind, dass Kinder gegen ihre Eltern aufstehen und sie zur Hinrichtung führen werden
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| :
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br
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span.slide
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| Magistrate haben festgenommene Christen dazu bringen wollen, andere Christen zu denunzieren.
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li.slide
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| Manche werden tatsächlich den Bruder verraten haben
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span.slide - wie Judas.
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li.slide
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| Andere werden den Glauben verleugnet haben
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span.slide - wie Petrus.
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li.slide Petrus jedenfalls bekommt durch seine ausdrückliche Erwähnung in der Verheißung, dass die Jünger Jesus in Galiläa sehen werden (Mk 16,7), eine zweite Chance.
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li.slide.small
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| Schon die Ankündigung, dass Jesus den Jüngern nach seiner Auferstehung nach Galiläa vorausgehen wird, auf die Mk 16,7 zurückgreift,
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| war im Kontext der Ankündigung der Verleugnung des Petrus und des Zerfalls der Jüngerschaft gesprochen (Mk 14,26-31).
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br
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span.slide Liest man das Evangelium von Ostern her neu, findet sich als erst Aktion Jesu in Galiläa die Berufung des Petrus (zusammen mit seinem Bruder Andreas und den Zebedäussöhnen).
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li.slide
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i Ein Plädoyer des Evangelisten, auch jenen, die in der Verfolgung ihren Glauben geleugnet haben, eine zweite Chance zu geben?
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li.slide <b><i>Gesteigerte Naherwartung</i></b>
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span.footnote(data-toggle="tooltip", title="Vgl. Schnelle, Einleitung 221")
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ul.nodisplay.nomarginbottom
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li.slide Ursache: Ereignisse rund um den jüdischen Krieg und die Tempelzerstörung.
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li.slide Folgen: Es treten Gläubige auf - Markus nennt sie Pseudo-Christusse und Pseudo-Propheten -, die vom nahen Ende bzw. der unmittelbar bevorstehenden Wiederkunft Jesu sprechen.
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li.slide Markus problematisiert dies, warnt vor diesen Personen und hält in der Endzeitrede (Mk 13) als Kontrapunkte fest:
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li.slide <i>Der Termin der Wiederkunft Jesu ist nur Gott selbst bekannt.</i>
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br
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| Nicht einmal Jesus kennt ihn!
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span.slide.small Er kann ihn also niemandem gesagt haben!
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li.slide <i>Die Wiederkunft Jesu ist ein kosmisches, die ganze Schöpfung betreffendes Ereignis</i>
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br
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span.slide und nicht von nur lokalen, innergeschichtlichen Phänomenen (z. B. Krieg, Hungersnöte, Verfolgungen) ableitbar.
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li.slide <b><i>Vespasian wird 69. n. Chr. römischer Kaiser</i></b>
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p.slide.nomarginbottom
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i Dem <q>beispielhaften</q> Aufstieg Vespasians setzt Markus den beispielhaften Abstieg Jesu entgegen, der zum wahren Aufstieg führt.
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