bibelwissen/views/nt/ev/mk_old/entstehung/verfasser.pug

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span Verfasser
+footnote("Vgl. Ebner, Einleitung 170-171; Schnelle, Einleitung 215-217.")
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p.slide <q>Markus</q> ist ein sehr gebräulicher römischer Name.
p.slide Weder im Evangelium nach Markus, noch in den anderen Evangelien begegnet eine Figur mit diesem Namen.
p.slide.nomarginbottom Handelt es sich um <b>Johannes Markus?</b>
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li.slide Eine Person mit diesem Namen existierte in der Urgemeinde, sie wird sowohl mit Petrus als auch mit Paulus in Verbindung gebracht (Apg 12,12.25; 13,5; 15,36-40).
li.slide Ein Markus wird auch in Phlm 23f erwähnt, ebenso in deuteropaulinischen(!) Briefen (Kol 4,10; 2 Tim 4,11).
li.slide Auch in 1 Petr 5,13 wird ein Markus erwähnt:
br
span.slide
q Es grüßt euch die mit euch auserwählte Kirche von Babylon und Markus, mein Sohn.
li.slide Letztere Notiz wird von Bischof Papias von Hierapolis (Mitte 2. Jhdt.) auf den Evangelisten Markus bezogen:
br
span.slide Im Zeugnis des Papias, das uns der Kirchenhistoriker Eusebius (260 - 339 n. Chr.) überliefert, wird Markus als Dolmetscher des Petrus betrachtet, der aus seinen Erinnerungen sein Evangelium schrieb.
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li.slide Diesem Zeugnis ist eine gewisse Abwertung des Markus-Evangeliums zu entnehmen.
br
span.slide Sie rührt wohl daher, dass Matthäus und Lukas mehr und manches anders erzählen sowie anders gliedern als Markus.
br
span.slide Als Entschuldigung für Markus wird angeführt, dass Petrus, von dem Markus ja abhängig sei, seine Ausführungen nach den Bedürfnissen der Hörer gestaltet habe.
br
span.slide (Offenbar war schon in der alten Kirche - angesichts der anderen Evangelien - der besondere, durchdachte Aufbau des Markus-Evangeliums und seine theologische Komposition übersehen worden ...)
li.slide Das Zeugnis des Papias zeugt von dem Versuch, die Evangelien durch Bezug zu namentlich bekannten Personen der Urkirche, die wiederum zu Augenzeugen - hier Petrus - in Verbindung stehen, zu legitimieren.
br
span.slide Dass damit die historische Wirklichkeit wiedergegeben wird, ist eher unwahrscheinlich.
li.slide Die Verbindung zu Petrus steht auch insgesamt auf wackeligen Beinen, als weder eine Nähe zu einer petrinischen Theologie - wie immer die auch ausgesehen haben mag - erkennbar ist, noch Petrus eine über die allgemeine Tradition hinausgehende Rolle im Evangelium spielt.
p.slide.nomarginbottom Was die Papias-Notiz richtig sieht bzw. wofür sie tatsächlich Zeugnis ablegt:
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li.slide Markus war <b>kein Augenzeuge des historsichen Jesus</b>, sondern kam ernst nach Ostern zur christlichen Gemeinde dazu.
li.slide Der <b>Name <q>Markus</q></b> war <b>schon zur Zeit des Papias fest mit dem zweiten Evangelium im Kanon verbunden</b>, so dass man es nicht mehr einem Apostel oder Jünger aus dem Evangelium selbst zuschreiben konnte.
p.slide.nomarginbottom Auch das Evangelium selbst gibt einige Hinweise zu seinem Autor:
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li.slide Ihm ist eine <b>mangelnde Kenntnis der Geographie Israels</b> zu attestieren:
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li.slide nach Jerusalem kommt man von Betanien über Betfage, nicht umgekehrt (Mk 11,1 ist die Reihenfolge verdreht);
li.slide Gerasa liegt nicht am See Genesaret (wie Mk 5,1 glauben machen will), sondern 50 km davon entfernt.
li.slide Die <b>Muttersprache</b> des Markus war wohl <b>Griechisch</b> (und nicht Aramäisch):
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li.slide Ein semitischer Spracheinfluss ist in dem auf Griechisch verfassten Evangelium nicht festzustellen.
li.slide Der Sprachstil entspricht der Volksliteratur und dem geschriebenen Allgemein-Griechisch (Koine).
li.slide Konnte Markus Aramäisch/Hebräisch?
br
span.slide Die Übersetzungen von aramäischen/hebräischen Begriffen ins Griechische, die sich im Evangelium finden, müssen nicht vom Evangelisten stammen, sondern können auch bereits in der übernommenen Tradition enthalten sein, so dass keine derartigen Sprachkenntnisse notwendig gewesen wären.
span.footnote(data-toggle="tooltip", title="Vgl. Ebner, Einleitung 173-174; Schnelle, Einleitung 217.")
li.slide Markus war wohl <b>ursprünglich ein Heide</b> (und nicht Jude):
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li.slide Die Perspektive, aus der heraus Markus jüdische Bräuche erklärt, ist die eines Außenstehenden und Distanzierten.
br
span.slide Das zeigt etwa die Art und Weise, wie in Mk 7 auf die Reinheitsvorschrifen Bezug genommen wird.
li.slide Markus spricht dort auch verallgemeinernd von <q>allen Juden</q>, unterscheidet also nicht die unterschiedlichen jüdischen Gruppierungen, die zur Praxis der Reinheitsvorschrifen durchaus unterschiedliche Meinung hatten.
li.slide In Bezug auf den Sabbat mangelt es an Respekt.
br
span.slide Durchaus wurde nämlich im Judentum darüber diskutiert, welche Notfälle es erlauben, den Sabbat zu brechen.
br
span.slide Die Frage war letztlich die, wie weit man dabei gehen kann, ohne den Sabbat innerlich auszuhöhlen.
li.slide Seine undifferenzierte Distanziertheit zum damals gelebten Judentum legt nahe, dass Markus nicht in jüdischem Milieu groß geworden ist.
+footnote("Vgl. Ebner, Einleitung 174.")
li.slide Trotzdem muss man Markus attestieren, dass er sich in der jüdischen Bibel (unser Altes Testament) recht gut ausgekannt hat, zumindest was die für den christlichen Glauben relevanten Stellen angeht.
br
span.slide Aber das kann man lernen und aus den Traditionen übernehmen.
.alert.alert-primary.slide
h4.alert-heading Ein heidenchristliches Evangelium
p.slide.nomarginbottom
b Insgesamt wird man vom Evangelium selbst ausgehend sagen können: Der Verfasser
q ist ein Heidenchrist, der die literarischen Überlieferungen des Judentums zwar kennt und schätzt, aber zum jüdischen Kernmilieu auf Distanz steht.
span.footnote(data-toggle="tooltip", title="Ebner, Einleitung 171.")
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