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+headline_item_theologische_grundgedanken
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span Die Schweigegebote
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+footnote("Vgl. Ebner, Einleitung 177-178; Gnilka, Markus I 167-170 [Exkurs Messiasgeheimnis].")
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block content
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p.slide.nomarginbottom Im Evangelium nach Markus fallen <b>Schweigegebote</b> auf; Jesus richtet sie
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li.slide an Dämonen,
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li.slide an Geheilte bzw. Zeugen der Wunder,
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li.slide an die Jünger.
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p.slide.nomarginbottom <b>Inhalt</b>
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p.slide
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i Man soll ihn, seine Person (<span class="oi oi-arrow-right"></span> Titel z. B. in Mk 1,24; 3,11-12!) und sein Wunderwirken nicht bekannt machen.
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p.slide.nomarginbottom Eine <b>zufriedenstellende Deutung</b> ist nicht einfach:
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ul.nodisplay
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li.slide Bahnbrechendes Werk von William Wrede 1901.
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li.slide Seitdem hat sich die Markus-Forschung intensiv mit den Schweigeboten befasst.
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li.slide Es gab immer wieder Wandlungen im Verständnis.
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li.slide Jeder Erklärungsversuch hat auch seine Probleme.
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li.slide.small Verschärfung des Problems: Matthäus und Lukas übernehmen die Schweigegebote zu einem gewissen Teil, haben sie aber offenbar nicht verstanden.
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p.slide.nomarginbottom <b>Erträge der Forschung</b>
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ul.nodisplay
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li.slide Die Schweigegebote gehen nicht auf den historischen Jesus zurück, sondern sind eine <i><q>Erfindung</q> des Markus</i>.
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br
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span.slide Es ist daher nicht zu fragen, was Jesus damit bezwecken wollte, sondern Markus.
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br
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span.slide
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i Die Schweigegebote richten sich nicht an die Zeugen des historischen Jesus, sondern haben in der Kommunikation Erzähler - Leser ihren Ort.
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li.slide Die Schweigegebote finden sich <i>nicht immer nach Heilungen</i>.
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br
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span.slide
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i Sie entfallen vor allem dann, wenn im Kontext das Leiden Jesu Thema ist oder von der Nachfolge die Rede ist.
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br
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span.slide.small Beispiel Wunder: Das Entfallen des Schweigegebotes in Mk 2,1-10; 3,1-6 lässt sich durch den Streitgesprächcharakter bzw. den Tötungsbeschluss in Mk 3,6 erkären.
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br
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span.slide.small Nachfolge: Sie wird <q>auf dem Weg</q> von den Leidensankündigugen her in einem spezifischen Sinn verstanden: als Dienst und Bereitschaft, das Kreuz zu tragen.
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li.slide Die Schweigegebote werden <i>zeitlich eingeschränkt</i>.
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ul.nomarginbottom.nodisplay
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li.slide In Mk 9,9 findet sich die Aussage: <q>... bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.</q>
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li.slide Insofern es sich hier um das letzte Schweigegebot im Evangelium handelt, wird man dies auf alle Schweigegebote beziehen können.
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li.slide So ergibt sich von hier aus der Sinn der Schweigegebote:
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.alert.alert-primary.slide
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h4.alert-heading Das Bekenntnis zu Jesus muss das Bekenntnis zu seinem Weg einschließen
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p.nomarginbottom
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b Wenn von Jesus als Messias, Wunderheiler, Heiligem Gottes und Sohn Gottes erzählt wird, dann muss auch sein Weg Thema sein.
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h2.slide(style="margin-top: 50px;") Konkretisierung angesichts des zeitgeschichtlichen Kontextes
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p.slide.nomarginbottom
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b Legitimation Kaiser Vespasians
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ul.nodisplay.nomarginbottom
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li.slide Ihm fehlte eigentlich die Legitimation, römischer Kaiser zu werden: er stammte nicht aus dem Hochadel und hatte keinen bereits vergöttlichten Vater.
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li.slide Seine Propagandisten halfen nach:
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ul.nodisplay
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li.slide Es wird auf göttliche Zeichen und Orakel verwiesen, die verdeutlichen sollen, dass hinter dem Aufstieg Vespasians die Götter stehen.
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br
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span.slide So kann Vespasian dann trotz seiner defizitären Abstammung den Titel <q>Sohn eines Gottes</q> tragen.
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li.slide Wundergeschichten werden in Umlauf gebracht.
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br
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span.slide Beispiele: Heilung eines Blinden und eines Lahmen durch Berührung in Alexandrien.
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br
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span.slide
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q Historiker vermuten, dass die ägyptische Priesterschaft anlässlich einer Audienz des Vespasian im Hippodrom von Alexandria diese Wunder insgeziernt hat. Es sollte demonstriert werden, dass in ihm göttliche Kräfte wirken.
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span.footnote(data-toggle="tooltip", title="Ebner, Einleitung 177.")
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p.slide
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i Es ging bei Vespasian also um (inszenierte) Schau-Wunder, die Vespasian als Kaiser göttlich legitimieren sollten. Und deswegen sollte von den Wundern natürlich überall erzählt werden.
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p.slide.nomarginbottom
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b Jesus wird hier als Gegenpol gezeichnet
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ul.nodisplay
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li.slide Er <i>setzt</i> die <i>Zeugen seines Wirken nicht</i> als <i>Propagandisten ein</i>, sie werden es aus freien Stücken - gegen Jesu ausdrücklichen Wunsch.
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li.slide Jesu Wunder sind <i>keine Schau-Wunder</i> und die </i>Geheilten keine Objekte einer Demonstration</i>.
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br
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span.slide Vielmehr sind Jesu Wunder <i>Auswirkungen der angebrochenen Gottesherrschaft</i>.
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li.slide Die Wunder Jesu sind <i>nicht dazu da, um Jesus zu legitimieren und die Menschen von ihm zu überzeugen</i>.
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br
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span.slide Sie <i>setzen</i> vielmehr bereits einen <i>gewissen Glauben voraus</i> bzw. beim Wissen der Dämonen um Jesu Person an.
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br
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span.slide Und da, wo Jesus Unglauben vorfindet, da kann er auch keine Machttaten tun (Mk 6,1-6a)!
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p.slide.nomarginbottom
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b Jesu erstes Wunder wird nicht von seinen Jüngern eingeleitet, sondern von einem <i>Dämon</i> provoziert
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ul.nodisplay
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li.slide Die Leute - wohl auch die Jünger! - staunen über die Lehre Jesu; ein Wunder wird offenbar nicht erwartet.
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li.slide Die Heilung wird von einem Dämon eingeleitet, der von sich aus Jesus entgegentritt, und damit seine Austreibung in Gang bringt.
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li.slide Daraufhin verbreitet sich der Ruf Jesu in Galiläa.
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li.slide Alles Weitere baut darauf auf:
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ul.nodisplay
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li.slide Jesus kommt nicht an die verschiedenen Orte, um die Menschen auch dort von ihm zu überzeugen.
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li.slide Vielmehr ist ihm sein Ruf vorausgeeilt und die Menschen strömen deswegen zu Jesus - mehr als ihm lieb ist.
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li.slide Gleiches Spiel in der Dekapolis (Mk 5), wo Jesus noch unbekannt ist und die Leute deswegen auch nicht zu ihm kommen:
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ul.nodisplay
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li.slide Auch hier geht es mit einem Dämon los, der von sich aus auf Jesus zukommt.
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li.slide Bei seinem zweiten Besuch dort (Mk 7,31-37) hatte sich sein Ruf bereits verbreitet und man bringt einen Taubstummen zu ihm.
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p.slide.small.nomarginbottom Mit dem <i>Hintergrund Vespasian-Schauwunder erklärt</i> sich auch ein <i>widersprüchlich erscheinendes Verhalten Jesu</i>:
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ul.nodisplay.small
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li.slide Einerseits stellt Jesus die zu Heilenden in die Mitte: er rückt damit den der Hilfe bedürften Menschen ins Zentrum der Aufmerksamkeit der umstehenden Menschen: <i>diesen <q>Kleinen</q> gilt die Zuwendung Gottes und das soll sich auf die Menschen auswirken.</i>
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li.slide Andererseits nimmt er die zu Heilenden immer wieder zur Seite oder nur wenige auserwählte Zeugen zur Heilung dazu: <i>Jesus vollbringt keine Schauwunder mit möglichst vielen Zeugen.</i>
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p.slide.nomarginbottom
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b Ergebnis: Die Schweigegebote relativieren bestimmte Elemente der Jesustradition
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ul.nodisplay
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li.slide
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i Wunder
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br
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span Sie sind keine legitimierenden Schau-Wunder und dürfen nicht als solche verstanden werden.
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li.slide
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i Bekenntnis zu Jesus in Form von Hoheitstiteln
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.alert.alert-primary.slide
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h4.alert-primary Die Schweigegebote stehen im Dienste der (später erteilten) Lehre <q>auf dem Weg</q>
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p.nomarginbottom
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| Nur der bekennt sich vollgültig zu Jesus, der sich nicht einseitig an den Wundern Jesu oder an (Bekenntnis-)Titeln festmacht, sondern an seinem Weg und diesem in seinem eigenen Verhalten entspricht.
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br
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b Christsein hängt nicht nur vom rechten (Lippen-)Bekenntnis zu Jesus ab, sondern ganz essentiell von der gelebten Bereitschaft, seinen Weg zu gehen.
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p.small.slide Diese Sichtweise wird dadurch unterstrichen, dass die Schweigegebote mit der Lehre auf dem Weg <q>verknotet</q> sind: Das letzte Schweigegebot findet sich nach der ersten Leidensankündigung mit entsprechender Unterweisung zum Kreuz-Tragen!
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+bottom_theologische_grundgedanken("schweigegebote")
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