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| Inhaltsangabe/Überschrift
br
| Himmlischer Sendungsbeschluss
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 1,1-3
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h5.card-title Johannes der Täufer am Wasser mit seinem Hinweis auf den Kommenden
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 1,4-8
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h5.card-title Taufe Jesu
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 1,9-11
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h5.card-title Versuchung Jesu
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 1,12-13
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h5.card-title Johannes tritt ab, Jesus tritt auf: Eröffnungsruf des Wirkens Jesu: Das Reich Gottes ist zum Greifen nahe!
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 1,14-15
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h5.card-title Die Berufung der ersten Jünger
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 1,16-20
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h5.card-title Die neue Lehre in der Synagoge: Jesus gekommen, um Satan/die Dämonen ins Verderben zu stürzen
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 1,21-28
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h5.card-title Die Heilung der Schwiegermutter des Petrus, die (daraufhin!) Jesus dient
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 1,29-31
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h5.card-title Die ganze Stadt vor der Tür; Jesus heilt und treibt Dämonen aus
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 1,32-34
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h5.card-title
| Rückzug und Suche, Ansage des neuen Aufbruches: „Dazu bin ich gekommen ...“
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted.mb-1 Mk 1,35-38
p.card-text
| Alle suchen dich ...
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h5.card-title
| Erneuter Aufbruch (ganz Galiläa, Verkündigung in Synagogen, Dämonenaustreibungen)
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted.mb-1 Mk 1,39
p.card-text
| Geographische Ausweitung der Tätigkeit
.card.mb-1.konzentr-2
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h5.card-title Die Heilung des Aussätzigen
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 1,40-45
p.card-text.mt-1
| Endet damit, dass der ehedem Aussätzige verkündet und Jesus sich deswegen zurückziehen muss;
br
| dennoch kamen die Leute von überall her zu ihm.
.card.mb-1.konzentr-1
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h5.card-title
| Andrang der Menschen; die ganze Stadt vor dem Haus
br
| Jesus heilt den Gelähmten
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 2,1-2.3-12
.card.mb-1.konzentr-2
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h5.card-title Jesus predigend am Wasser, die Massen kommen
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 2,13
.card.mb-1.konzentr-3
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h5.card-title Berufung des Zöllners Levi
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 2,14
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h5.card-title
| Mahl mit den Zöllnern und Sündern, die Jesus nachfolgen [im Haus]
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 2,15
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h5.card-title
| Jesus gekommen als Arzt
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 2,16-17
.card.mb-1.konzentr-6
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h5.card-title Fastenfrage: Der Bräutigam ist da
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 2,18-20
p.card-text.mt-1
| Es werden Tag gekommen, da wird ihnen der Bräutigam genommen sein
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h5.card-title Neuer Wein in neue Schläuche
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 2,21-22
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h5.card-title Der Menschensohn ist Herr auch über den Sabbat
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 2,23-28
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h5.card-title Die Heilung des Mannes mit der verdorrten Hand
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 3,1-6
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h5.card-title Der Andrang der Menschen
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 3,7-12
.card.mb-1.konzentr-11
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h5.card-title Die Wahl der Zwölf
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 3,13-19
.card.mb-1.konzentr-12
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h5.card-title Jesus und seine Angehörigen: Sie sagten: Er ist von Sinnen
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 3,20-21
.card.mb-1.konzentr-13
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h5.card-title
| Verteidigungsrede Jesu: Sie sagten: Er hat einen unreinen Geist Einbrechen ins Haus des Starken
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted.mb-1 Mk 3,22-30
p.card-text
| Vorwurf der Gotteslästerung bei der Heilung des Gelähmten
br
| Vorwurf Jesu an die Pharisäer, dass sie gegen den Heiligen Geist lästern
.slide.mb-3
hr
p.card-text.mb-0.konzentr-3.bibeltextkonzentr
| 1 Anfang des Evangeliums Jesu Christi, Sohn (eines) Gottes.
br
| 2 Wie geschrieben steht beim Propheten Jesaja:
br
q Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der einen Weg bahnen wird.
br
q 3 Stimme eines Rufers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn! Macht gerade seine Straßen!
p.card-text.konzentr-1.mb-0.bibeltextkonzentr
| 2,1 Als er nach einigen Tagen wieder nach Kafarnaum hineinging, wurde bekannt, dass er im Hause war.
br
| 2 Und es versammelten sich so viele Menschen, dass nicht einmal mehr vor der Tür Platz war;
br
| und er verkündete ihnen das Wort.
br
| 3 Da brachte man einen Gelähmten zu ihm, von vier Männern getragen.
br
| 4 Weil sie ihn aber wegen der vielen Leute nicht bis zu Jesus bringen konnten,
br
| deckten sie dort, wo Jesus war, das Dach ab, schlugen die Decke durch und ließen den Gelähmten auf seiner Liege durch die Öffnung hinab.
br
| 5 Als Jesus ihren Glauben sah, sagte er zu dem Gelähmten:
br
q Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!
br
| 6 Einige Schriftgelehrte aber, die dort saßen, dachten in ihrem Herzen:
br
q
| 7 Wie kann dieser Mensch so reden? Er lästert Gott.
br
| Wer kann Sünden vergeben außer dem einen Gott?
br
| 8 Jesus erkannte sogleich in seinem Geist, dass sie so bei sich dachten, und sagte zu ihnen:
br
q
| Was für Gedanken habt ihr in euren Herzen?
br
| 9 Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben?
br
| oder zu sagen: Steh auf, nimm deine Liege und geh umher?
br
| 10 Damit ihr aber erkennt, dass der Menschensohn die Vollmacht hat, auf der Erde Sünden zu vergeben
br
| sagte er zu dem Gelähmten:
br
q 11 Ich sage dir: Steh auf, nimm deine Liege und geh nach Hause!
br
| 12 Er stand sofort auf, nahm seine Liege und ging vor aller Augen weg.
br
| Da gerieten alle in Staunen;
br
| sie priesen Gott uns sagten:
br
q So etwas haben wir noch nie gesehen.
div.konzentr-3.bibeltextkonzentr
p.card-text.konzentr-2.bibeltextkonzentr.abschnitt_intern.mb-0
| 22 Die Schriftgelehrten, die von Jerusalem herabgekommen waren, sagten:
br
q Er ist von Beelzebul besessen;
p.card-text.konzentr-1.bibeltextkonzentr.abschnitt_intern.mb-0
q mit Hilfe des Herrschers der Dämonen treibt er die Dämonen aus.
br
| 23 Da rief er sie zu sich und belehrte sie in Gleichnissen:
br
q
| Wie kann der Satan den Satan austreiben?
br
| 24 Wenn ein Reich in sich gespalten ist, kann es keinen Bestand haben.
br
| 25 Wenn eine Familie in sich gespalten ist, kann sie keinen Bestand haben.
br
| 26 Und wenn sich der Satan gegen sich selbst erhebt und gespalten ist, kann er keinen Bestand haben, sondern es ist um ihn geschehen.
br
| 27 Es kann aber auch keiner in das Haus des Starken eindringen und ihm den Hausrat rauben, wenn er nicht zuerst den Starken fesselt; erst dann kann er sein Haus plündern.
p.card-text.konzentr-2.bibeltextkonzentr.abschnitt_intern
q
| 28 Amen, ich sage euch: Alle Vergehen und Lästerungen werden den Menschen vergeben werden, so viel sie auch lästern mögen;
br
| 29 wer aber den Heiligen Geist lästert, der findet in Ewigkeit keine Vergebung, sondern seine Sünde wird ewig an ihm haften.
br
| 30 Sie hatten nämlich gesagt:
q Er hat einen unreinen Geist.
.card.slide.border-primary.mb-3
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h5.card-title
q
| Die Schriftgelehrten, die von Jerusalem herabgekommen waren, sagten:
br
q
| Er ist von Beelzebul besessen;
br
| mit Hilfe des Herrschers der Dämonen treibt er die Dämonen aus.
h6.card-subtitle.text-muted
| Die Vorwürfe an Jesus, wo sie herkommen und warum Jesus hier wieder durchsichtig auf Paulus wird
br
| Erweiterte Bezüge durch die Mitte der konzentrischen Gliederung
hr
ul.card-text
li
| Schon in der Mitte der konzentrischen Gliederung sind das Gegenüber Jesu die Schriftgelehrten;
br
| diesmal wird ausdrücklich hervorgehoben, dass sie aus Jerusalem kommen.
br
| Sie kommen damit von außen, treten von außerhalb der Gemeinschaft um Jesus an diesen heran und belegen ihn mit Vorwürfen.
br
| Sie sind damit parallel zu den Verwandten Jesu in der vorgehenden Erzählung gezeichnet, die dann in der nachfolgenden Erzählung
| bei Jesus eintreffen werden.
li
| Der Vorwurf an Jesus ist zweigliedrig; der erste Vorwurf mit seiner Widerlegung
| ist dabei um den zweiten mit dessen Wiederlegung gelegt (siehe auch oben die grafische Darstellung):
ul.card-text
li
i
q Er ist von Beelzebul besessen
br
| ist Vorwurf der Besessenheit;
br
| darauf antwortet Jesus in Mk 3,28-29, indem er den Heiligen Geist ins Spiel bringt, der ihn was neben Jesus nur der Leser weiß seit seiner Taufe erfüllt.
| Indirekt wirft Jesus dabei den Schriftgelehrten vor, sie würden gegen den Heiligen Geist lästern womit der Vorwurf der
| Schriftgelehrten in der Mitte der konzentrischen Gliederung, Jesus lästere Gott, aufgegriffen und in die andere Richtung zurückgegeben wird.
li
i
q Mit Hilfe des Herrschers der Dämonen treibt er die Dämonen aus
br
| ist Vorwurf eines Bündnisses mit dem Herrscher der Dämonen;
br
| darauf antwortet Jesus in Mk 3,23-27, indem er die rationale Abwegigkeit dieses Vorwurfes verdeutlicht.
li.small
| Jesus antwortet zunächst auf den zweiten Vorwurf („Mit Hilfe des Herrschers der Dämonen treibt er die Dämonen aus“ →
| „Wie kann der Satan den Satan austreiben?“), den Besessenheitsvorwurf zunächst überspringend.
br
| „Amen, ich sage euch“ kann gut als Neuansatz verstanden werden, der mit dem Rückbezug auf den Besessenheitsvorwurf endet,
| wodurch dieser ganze Block also als Antwort auf den ersten Vorwurf verstanden werden.
br
| Dabei bildet der erste Vorwurf den Hintergrund für den zweiten, ist der zweite vom ersten abhängig.
li
| Diese Vorwürfe an Jesus sind einerseits allerhand, hat er sich doch eigentlich mit Dämonenaustreibungen und anderen Heilungen,
| die wie wir gesehen haben letztlich auch die Qualität von Dämonenaustreibungen haben,
| frontal gegen Satan positioniert.
br
| Andererseits hat sich Jesus auch verdächtig gemacht durch seine Gemeinschaft mit den „Zöllnern und Sündern“ (Mk 2,13-17)
| und seinem Eintreten für „die Sünder“ (in Mk 2,18-22: Fastenfrage, sowie Mk 2,23-28: Sabbat);
| ferner vertritt er eine „eigenwillige“ Auslegung des Sabbat-Gebotes (Mk 2,23-28, auch Mk 3,1-6),
| steht mithin also nicht zu 100 % in der (sonst üblichen) Tradition des jüdischen Gesetzes.
li
| Zentraler Schlüssel zum Verständnis aber ist die Mitte der konzentrischen Gliederung, die Heilung des Gelähmten (Mk 2,1-12):
ul.card-text
li
| <i>Aufgrund des Glaubens</i> der Vier hatte Jesus ihm die Sünden vergeben.
br
| Dies hatte den Widerspruch der Schriftgelehrten provoziert, die auch in der aktuellen Erzählung das Gegenüber zu Jesus darstellen.
| Sie vergegenwärtigen „die Schrift“ (= das jüdische Gesetz) als jüdischen Heilsweg (bzw. judaisierende Christen,
| die an der Schrift als Heilsweg auch für Christen festhalten wollen), auch wenn sie in der Erzählung des Markus subtil mit ihrem
| die Schrift übergehenden Hinweis auf Sündenvergebung allein durch Gott
| deren Insuffizienz, lebendig zu machen, bestätigen und damit die Notwendigkeit eines anderen Heilsweges unterstreichen.
br
| Jesus dagegen hat so zeigt es der Fortgang der Erzählung
| offensichtlich die Vollmacht zu echter, wirksamer Sündenvergebung, die zu einem neuen Leben ermöglicht (→ Gelähmter, der sich erhebt);
br
| dabei standen aber nicht der irdische, vorösterliche Jesus und seine Vollmacht im Fokus,
| sondern die Gültigkeit und Wirksamkeit der durch Tod und Auferstehung Jesu ermöglichten
| Rechtfertigung allein aus Glauben (→ Glaube der Vier!), jenseits der
| „Werke des (jüdischen) Gesetzes“, wie sie Paulus in seinen Briefen vertritt und verteidigen muss.
br
| Es ging also um die Frage nach der Rechtfertigung vor Gott, es ging um die Gültigkeit der paulinischen Rechtfertigungslehre
| „allein aus Glauben“ in Absetzung von der zurückgewiesenen weil nicht möglichen Rechtfertigung „aus Werken des Gesetzes“.
li
| Schon die äußere Szenerie der Erzählung von der Heilung des Gelähmten als Mitte der aktuellen konzentrischen Gliederung
| macht die Tauftheologie des Paulus in Röm 6 (Mitgekreuzigtsein, Mitgestorbensein, <i>Mitbegrabensein</i> mit Jesus)
| gegenwärtig;
br
| dort spricht Paulus unter anderem vom Freigewordensein von der Sünde („Wer gestorben ist, ist frei geworden von der Sünde“ [Röm 6,7];
| „Ihr wurdet aus der Macht der Sünde befreit“ [Röm 6,18]), dem als Auftakt der Verteidigungsrede der Vorwurf des Besessenseins Jesu
| von Beelzebul durch die Schriftgelehrten korrespondiert, und fordert dazu auf, nicht mehr Diener der Sünde, sondern Diener Gottes
| zu sein gut in Beziehung dazu zu setzen, dass Jesus hier ein Bündnis mit dem Herrscher der Dämonen vorgeworfen wird.
br
| Die inhaltlichen Bezüge der an „Jesus“ gerichteten Vorwürfe zu Röm 6 sind also offensichtlich.
br
| Und genau wie Jesus sich in Mk 3,22-30 gegen die Vorwürfe der Schriftgelehrten verteidigen muss,
| setzt sich Paulus in Röm 6 mit ganz ähnlichen
| Vorwürfen wie hier Jesus auseinander, wozu er von Kritikern seiner Rechtfertigungslehre offenbar genötigt wird:
br
q.bibeltext Was sollen wir nun sagen? Sollen wir an der Sünde festhalten, damit die Gnade umso mächtiger werde? Keineswegs!
span.bibelstelle Röm 6,1
br
q.bibeltext Was heißt das nun? Sollen wir sündigen, weil wir nicht mehr unter dem Gesetz stehen, sondern unter der Gnade? Keineswegs!
span.bibelstelle Röm 6,15
li
| Mit seiner Lehre von der Rechtfertigung allein aus Gnade, ohne der Notwendigkeit, sich auf das jüdische Gesetz zu verpflichten,
| setzte sich Paulus dem Vorwurf aus, er würde effektiv der Sünde dienen, weil sie ohne Verpflichtung auf das jüdische Gesetz
| doch frei und schadlos praktiziert werden könne; und wenn sich Gott doch in besonderer Weise den Sündern zuwende,
| wäre es dann nicht gut, Sünder zu sein? Steht also hinter allem nicht doch eher die Sünde und nicht Gott?
li
| Vom Blick auf Paulus und einer Verdrehung seiner Rechtfertigungslehre her macht der Vorwurf an Jesus Sinn!
br
| Jesus wird auch hier durchsichtig auf Paulus; es geht auch hier um eine nachösterliche Fragestellung.
li
| Das Kommen der Schriftgelehrten von Jerusalem für den Kontext bei Markus von recht weit her
| passt sehr gut zu dieser Deutung, schreibt Paulus doch im Brief an die Galater, in der er auch seine Rechtfertigungslehre verteidigen muss,
| davon, dass es zum sog. Antiochenischen Zwischenfalls kam, weil „einige von Jakobus eintrafen“
| und Petrus zu einer Verhaltensänderung gegenüber den (zum Christentum konvertierten) Heiden brachten; Jakobus aber hat seinen „Sitz“ in Jerusalem.
br
| Als „Angehöriger Jesu“ und als Name in der Zwölferliste ist Jakobus im Horizont der Verteidigungsrede bei Markus präsent.
br
| Insgesamt musste Paulus damit kämpfen, dass judaisierende christliche Gruppen wohl durchaus mit einer gewissen Verbindung zu Jerusalem
| bzw. dem Herrenbruder in seine Gemeinden von außerhalb eindrangen
| und die paulinischen, gesetzesfreien Gemeinden dazu bringen wollten,
| das jüdische Gesetz als heilsnotwendig zu akzeptieren;
br
| ganz analog kommen hier die Schriftgelehrten von außerhalb der bestehenden Gemeinde zu Jesus.
.card.slide.border-primary.mb-3
.card-body
h5.card-title Abwehr der Vorwürfe an „Jesus“ durch Paulus und Markus (bzw. dem markinischen Jesus) grundsätzliche Antwort
hr
ul.card-text
li
| Die oben gezeigte Verbindung zu Röm 6 und den Vorwürfen, mit denen Paulus umzugehen hat, legt nahe,
| einen Teil der Antwort im vorliegenden Konfliktfall „Schriftgelehrte“ ↔ „Jesus“ dort zu finden.
li
| Insofern die Vorwürfe der Schriftgelehrten an Jesus gerichtet sind und seine Person und sein Handeln betreffen,
| sind zunächst und vor allem die Aussagen zu Jesus als „Prototyp“ des „Neuen Menschen“ relevant:
br
| „Jesus“ verbindet sich mit „Christus“ sein Gekreuzigt-, Gestorben-, Begrabensein, das das Mit-Gekreuzigt-, Mit-Gestorben-
| und Mit-Begrabensein, von dem Paulus spricht, überhaupt erst ermöglicht, ist hier in den Fokus gerückt.
p.small.mb-0
| Der (geheilte) Gelähmte ist dann in der nächsten Erzählung bei Markus in Mk 3,31-35 besonders im Fokus.
li
| Hier relevant ist sicher folgende Aussage:
br
q.bibeltext
| 9 Wir wissen, dass Christus, von den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt; der Tod hat keine Macht mehr über ihn.
br
| 10
i Denn durch sein Sterben ist er ein für alle Mal gestorben für die Sünde,
br
i sein Leben aber lebt er für Gott
span.bibelstelle Röm 6,9-10
br
| Hier ergeben sich erstaunlich direkte Antworten auf die Vorwürfe der Schriftgelehrten, auffälligerweise unter Wahrung der Zweigliedrigkeit:
ul.card-text
li
i Von Beelzebul besessen?
br
b Nein, er ist ein für alle mal gestorben für die Sünde!
li
i Mit dem Herrscher der Dämonen im Bunde?
br
b Nein, er lebt sein Leben für Gott!
| Damit sind die Vorwürfe der Schriftgelehrten gegen Jesus ad absurdum geführt.
.card.slide.border-primary.mb-3
.card-body
h5.card-title Abwehr des Vorwurfs des Bündnisses mit dem Herrscher der Dämonen bzw. der Sünde bei Paulus und Markus (bzw. dem markinischen Jesus)
hr
ul.card-text
li
| Gegenargument ist zunächst aus Röm 6, dass Jesus sein Leben für Gott lebt (s. o.).
br
| Dass und wie Jesus dies tut, bebildert die Mitte der konzentrischen Gliederung:
ul.card-text
li
| Jesus verkündet „das Wort“ = das Evangelium.
li
| Jesus heilt den „Gelähmten“, ermöglicht ihm ein neues Leben aufgrund einer echten Lebenswende.
br
| Dabei spricht Jesus ihn mit „Mein Sohn“ an: Jesus wird hier transparent auf Gott und dessen Wirken in und durch Jesus.
li
| Die Heilung des Gelähmten legt ausdrücklich Wert darauf, dass die von Jesus vermittelte Sündenvergebung
| nicht nur ein Zuspruch ist, sondern wirkliche und sichtbare Heilsvermittlung,
br
| wie auch Paulus in Röm 6 eine klare Trennlinie zwischen Gott und der Sünde zieht, zwischen neuer und alter Existenz, und
| Geradlinigkeit fordert, weil es eine Unvereinbarkeit der beiden Existenzen gibt.
li
| Auch im Galaterbrief muss Paulus seine Rechtfertigungslehre verteidigen, auch darauf gab es in Mk 2,1-12 Anspielungen,
br
| vor allem zeigen die Vier einen <i>Glauben, der durch die Liebe wirkt</i> (Gal 5,6):
br
| Die Lebenswende, die der Glaube die Christus ermöglicht hat, muss sich im konkreten Handeln, in der ganzen Existenz des Christen
| zeigen. Ein Glaube, der beim Bekenntnis stehen bleibt, ist für Paulus und Markus kein „vollständiger“ Glaube;
br
| besonders Markus problematisiert einen reinen Bekenntnisglauben (der nur die Auferstehung in Blick nimmt).
li
| Diese erzählten/bebilderten Aussagen zur die ganze Existenz betreffenden Lebenswende müssen und dürfen in Relation gesetzt werden
| zum Vorwurf des Bündnisses „Jesu“ mit dem Herrscher der Dämonen.
br
| „Jesus“ reagiert auf diesen Vorwurf mit der Aussage, dass der Satan sich gegen sich selbst erheben würde und in sich gespalten sei.
br
| Diese Argumentation wird besonders schlagkräftig, wo wie hier Jesu tatsächliches Heilswirken, das sie Sünde überwindet,
| in den Mittelpunkt gerückt wird:
br
| Weil es in der durch Tod und Auferstehung Jesus ermöglichten und in der Taufe vermittelten
| Sündenvergebung („Dämonenaustreibung“) um eine echte Lebenswende weg von der Sünde hin zu Gott geht,
| wie dies in der Mitte der konzentrischen Gliederung anhand des Gelähmten bebildert ist, der sich in Analogie zur Auferstehung Jesu
| zu einem neuen Leben erhebt;
br
| weil der Glaube nur dann „vollständiger“ Glaube ist, wenn er durch die Liebe wirkt,
| wie dies in der Mitte der konzentrischen Gliederung anhand der Vier gezeigt wird, deren Glauben durch ihr Tun „gesehen“ werden kann;
br
| weil also das Tun des Christen nicht einer Beliebigkeit preisgegeben ist, die dem Sündigen Tür und Tor öffnen würde,
br
| kann der markinische Jesus angesichts des Vorwurfes, mit dem Herrscher der Dämonen im Bunde zu stehen, argumentieren,
| dass es kein Dienst an Satan ist, wenn er in Dämonenaustreibungen von Satan bzw. den Dämonen befreit es sei denn,
| dieser wäre „in sich gespalten“, aber dann wäre es ohnehin im ihn geschehen (→ Mk 3,26).
li
| Ein Teil der Abwehr des Vorwurfes ja im Grunde der <i>entscheidende</i> Teil muss also bei Markus nicht in der eigentlichen Erzählung selbst,
| sondern in der Mitte der konzentrischen Gliederung gesucht werden.
.card.slide.border-primary.mb-3
.card-body
h5.card-title Insuffizientes Gesetz: Der Spieß umgedreht
hr
ul.card-text
li
| Der Vorwurf an Jesus, mit Hilfe des Herrschers der Dämonen die Dämonen auszutreiben,
| ist mit der subtilen Aussage bezüglich der Insuffizienz des jüdischen Gesetzes hinsichtlich echter, wirksamer Sündenvergebung
| in der Mitte der konzentrischen Gliederung zu verbinden.
li
| Während Jesus zu einem neuen Leben verhelfen kann, können dies die Schriftgelehrten bzw. das jüdische Gesetz
| aufgrund der eigenen Insuffizienz gerade nicht,
br
| ja mehr noch, es gibt eine unselige, für den Menschen tödliche Verbindung von Gesetz und Sünde, aus der Christus befreit:
br
q.bibeltext
| Jetzt also gibt es keine Verurteilung mehr, für die, welche in Christus Jesus sind.
br
| Denn das Gesetz des Geistes und des Lebens in Christus Jesus hat dich frei gemacht vom Gesetz der Sünde und des Todes.
br
| Denn weil das Gesetz, ohnmächtig durch das Fleisch, nichts vermochte, sandte Gott seinen Sohn in der Gestalt des Fleisches,
| das unter der Macht der Sünde steht, wegen der Sünde, um die Sünde im Fleische zu verurteilen;
br
| dies tat er, damit die Forderung des Gesetzes durch uns erfüllt werde, die wir nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist leben.
span.bibelstelle Röm 8,1-4
br
| Hinzuzunehmen ist sind hier folgende Ausführungen:
br
q.bibeltext
| Warum gibt es dann das Gesetz?
br
| Wegen der Übertretungen wurde es hinzugefügt ...
br
| Wäre ein Gesetz gegeben worden, das die Kraft hat, lebendig zu machen, dann käme in der Tat die Gerechtigkeit aus dem Gesetz;
br
| aber die Schrift hat <i>alles unter der Sünde eingeschlossen</i>, damit die Verheißung aus dem Glauben an Christus Jesus
| denen gegeben wird, die glauben.
span.bibelstelle Gal 3,19.21-22
p.card-text.small.mb-0
| Die Aussage, die Schrift habe „alles unter der Sünde eingeschlossen“ in Gal 3,22 spiegelt sich sogar indirekt in der
| Antwort Jesu, wenn er vom Rauben des Hausrats spricht: was „unter der Sünde eingeschlossen“ war, wird von Jesus „geraubt“ und damit befreit.
li
| Man muss den Spieß der Schriftgelehrten gegen Jesus sogar umdrehen, wenn man
span.bibelstelle Röm 7,11.13
| bedenkt:
br
q.bibeltext
| 11 ... nachdem die Sünde die Gelegenheit ergriffen hatte, täuschte und tötete sie mich durch das Gebot.
br
| 13 ... die Sünde verursachte, damit sie als Sünde offenbar werde, mir durch das Gute [= das Gesetz] den Tod.
p.small.mb-0
| Wichtig für das generelle Verständnis ist hier, das „ich“ in Röm 7 nicht als „individuelles Ich“ (etwa des Paulus) zu verstehen,
| sondern als „gemeinschaftliches Ich“ (der Menschheit, der Menschen unter dem Gesetz); man beachte, wie Röm 7,11 auf den Sündenfall
| im Paradies nach Gen 3 anspielt!
| In
span.bibelstelle 1 Kor 15,56-57
| findet sich folgende zugespitzte Formulierung, die das gleiche aussagt:
br
q.bibeltext
| Der Stachel des Todes aber ist die Sünde,
br
i die Kraft der Sünde ist das Gesetz.
br
| Gott aber sei Dank, der uns den Sieg geschenkt hat durch unseren Herrn Jesus Christus.
br
| Aufgrund dieser tödlichen „Partnerschaft“ zwischen jüdischem Gesetz und Sünde,
| beruhend auf der Täuschung durch die Sünde (→ Röm 7) und der Insuffizienz des jüdischen Gesetzes des Mangels an Kraft, lebendig zu machen (→ Gal 3,21) ,
| durch die es „alles unter der Sünde zusammengeschlossen“ hat, kann Paulus das jüdische Gesetz als „Gesetz der Sünde und des Todes“
| (→ Röm 8) bezeichnen.
li
| Also:
br
i
| Nicht Jesus treibt Mithilfe des Herrschers der Dämonen die Dämonen aus,
br
| sondern die Sünde/Satan/der Herrscher der Dämonen tötet mit Hilfe des Gesetzes die Menschen.
br
| Dabei wird auch die Satzaussage von „austreiben“ = befreien zu „töten“ ins Gegenteil verkehrt.
li
| Man kann sogar in der Verbindung Mitte unteres Ende der konzentrischen Gliederung einen Hinweis auf dieses
| Umdrehen des Vorwurfs bzw. einen Impuls dazu entdecken:
br
| Denn während bei der Heilung des Gelähmten die Schriftgelehrten Jesus vorwerfen, er lästere Gott,
| begegnet in der Verteidigungsrede der umgedrehte Vorwurf Jesus an die Schriftgelehrten, diese würden
| gegen den Heiligen Geist, also auch effektiv gegen Gott, lästern.
li
| Im Brief des Paulus an die Römer führt Röm 7 das vorausgehende Kapitel Röm 6 thematisch weiter,
| insofern zunächst Aussagen, die in Röm 6 in Bezug auf die Sünde gemacht wurden, in Röm 7 auf das Gesetz übertragen werden:
br
q.bibeltext
| 1 ... dass das <i>Gesetz für einen Menschen nur Geltung hat, solange er lebt?</i>
br
| 2 So ist die Ehefrau durch das Gesetz an ihren Mann gebunden, solange er lebt; <i>wenn ihr Mann aber stirbt,
| ist sie frei von dem Gesetz,</i> das die Frau an den Mann bindet.
br
| 4 ... seid auch ihr, meine Brüder und Schwestern, <i>durch das Sterben Christi tot für das Gesetz</i>,
| so dass ihr einem anderen gehört, dem, der von den Toten auferweckt wurde, damit wir <i>Gott Frucht bringen</i>.
br
| 5 Denn als wir noch dem Fleisch verfallen waren, wirkten sich die <i>Leidenschaften der Sünde, die durch
| das Gesetz hervorgerufen wurden</i>, so in unseren Gliedern aus, dass wir <i>dem Tod Frucht brachten</i>.
br
| 6 Jetzt aber sind wir <i>frei geworden vom Gesetz, dem gestorben, woran wir gebunden waren</i>, sodass wir <i>in der neuen Wirklichkeit
| des Geistes dienen</i>, nicht mehr in der alten Wirklichkeit des Buchstabens.
span.bibelstelle Röm 7,1-2.4-6
br
| Vergleiche dazu Aussagen in Röm 6:
br
q.bibeltext
| 4 Wir wurden ja mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod, damit auch wir, so wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters
| von den Toten auferweckt wurde, <i>in der Wirklichkeit des neuen Lebens wandeln</i>
br
| 7 ... <i>wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde.</i>
br
| 11 ... begreift auch ihr euch als Menschen, die <i>für die Sünde tot</i> sind, aber <i>für Gott leben</i> in Christus Jesus.
br
| 20 ... als ihr Sklaven der Sünde wart, ... 21 Welche <i>Frucht</i> hattet ihr damals? Es waren Dinge, deren ihr euch jetzt
| schämt; denn <i>sie brachten den Tod.</i>
br
| 22 Jetzt aber, da ihr aus der Macht der Sünde befreit und zu Sklaven Gottes geworden seid, habt ihr eine <i>Frucht</i>,
| die zu eurer Heilung führt und <i>das ewige Leben</i> bringt.
span.bibelstelle Röm 6,4.7.11.20-22
br
| Auffällig ist, wie in Röm 6 der Geist als tragendes Fundament christlichen Lebens vermisst wurde,
| dieser nun aber in Verbindung mit dem Gesetz in die Argumentation des Paulus einfließt:
| die „Wirklichkeit des neuen Lebens“ in Röm 6,4 entspricht der „neuen Wirklichkeit des Geistes“.
br
| Die weiteren Ausführungen von Röm 7 beschäftigen sich dann näher mit der Verbindung Gesetz /↔ Sünde, s. u.
br
| Im Blick auf das Evangelium nach Markus lässt sich sagen: Der Fortführung von Röm 6 in Röm 7 entspricht,
| dass Markus in Mk 3,22-30 (Verteidigungsrede) mit Röm 7 im Hintergrund Mk 2,1-12 (Heilung des Gelähmten) mit Röm 6
| im Hintergrund weiterführt, wobei Röm 6 auch in Mk 3,22-30 hineinspielt (gemäß den Gesetzen der fortschreitenden Konzentrik).
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h5.card-title Das jüdische Gesetz, Satan/Beelzebul/Herrscher der Dämonen und der Heilige Geist
h6.card-subtitle.text-muted Röm 7 und das vom Geist bestimmte Gesetz, das von der Sünde missbraucht wurde
hr
ul.card-text
li
| Die Umdrehung des Spießes beim zweiten Vorwurf gegen Jesus lässt auch beim ersten Vorwurf dem der Besessenheit
| den Vorwurf an das Gesetz gerichtet sein;
br
| es ist daher in Beziehung zu setzen zu Sünde/Beelzebul/Herrscher der Dämonen einerseits
| und dem Heiligen Geist andererseits.
li
| Die Frage kann dann nur sein, ob das Gesetz von Beelzebul bzw. der Sünde „besessen“ ist umgekehrt wäre es völlig abwegig (Sünde vom Gesetz besessen).
br
| Auf diese Frage nach der Besessenheit des Gesetzes durch die Sünde
| gibt schon der Aufbau der Erzählung bei Markus eine Antwort, die sich mit der des Paulus in Röm 7 deckt,
| der dort u. a. der Frage
q.bibeltext
| Ist das Gesetz Sünde?
span.bibelstelle (Röm 7,7)
| nachgeht (und gleich ein „Keineswegs!“ als Antwort gibt).
li
| In der Erzählung bei Markus fällt auf, dass der Vorwurf der Schriftgelehrten, Jesus sei von einem unreinen Geist gesessen,
| am Ende der Erzählung wiederholt wird.
br
| Würde diese Wiederholung des Vorwurfes fehlen, würde sich zwischen oberem und unterem Teil der Erzählung bei denen es um den Vorwurf der Besessenheit geht
| folgende Struktur ergeben:
table.table.table-sm.mt-3.mb-3
tbody
tr
td(style="column-span: all; text-align: center;")
| Schriftgelehrte (Judaisten; „die Schrift“)
br
| Vorwurf der Besessenheit mit Beelzebul
tr
td(style="text-align: center;")
| ↓
td(style="text-align: center;")
| ↑
tr
td(style="column-span: all; text-align: center;")
| Jesus
br
| Vorwurf des Lästerns gegen den Heiligen Geist
| Die Übertragung der Spießumkehr vom zweiten auf den ersten Vorwurf den der Besessenheit
| würde hier fast nur verstärken, was eigentlich schon durch die Anordnung offensichtlich ist,
| nämlich dass Sünde und Gesetz auf einer Seite gemeinsam gegen den Heiligen Geist (und Jesus) auf der anderen Seite stehen.
br
| Angesichts von Aussagen wie „Gesetz der Sünde und des Todes“ bei Paulus (siehe oben), auf die Markus schon in
| seinem Evangelium angespielt hat, wäre dies durchaus eine vorstellbare Position.
li
| Doch durch die Wiederholung des Vorwurfes am Ende der Erzählung ergibt sich ein völlig anderer Aufbau und damit auch eine nachhaltige Veränderung im Gegenüber:
table.table.table-sm.mt-3.mb-3
tbody
tr
td
| Vorwurf der Besessenheit mit Beelzebul
td(style="text-align: center;")
| → |
td
| Jesus bzw. Gesetz
tr
td(style="text-align: center;")
| ||
td
td(style="text-align: center;")
| ||
tr
td
| Vorwurf der Besessenheit mit einem unreinen Geist
td(style="text-align: center;")
| → |
td
| Vorwurf der Lästerung gegen den Heiligen Geist
| Egal, was im Gegenüber zum Vorwurf der Besessenheit eingetragen wird Jesus im Text bzw. das Gesetz bei der Spießumkehrung :
| es gibt immer eine Parallele zum Heiligen Geist und ein Gegenüber zu Beelzebul bzw. dem unreinen Geist und damit zur Sünde.
li
| Dass das Gesetz auf der Seite des Heiligen Geistes steht, erscheint angesichts der oben auch festgestellten Indienstnahme durch
| die Sünde gegen die Menschheit unerwartet, deckt sich aber mit Aussagen des Paulus in Röm 7:
br
q.bibeltext
| 12 ... ist das Gesetz heilig und das Gebot ist heilig, gerecht und gut.
br
| 13 Ist dann etwa das Gute mir zum Tod geworden? Keineswegs! Sondern die Sünde verursachte, damit sie als Sünde offenbar werde,
| mir durch das Gute den Tod, denn durch das Gebot sollte die Sünde sich in ihrem ganzen Ausmaß als Sünde erweisen.
br
| 14
i Wir wissen nämlich, dass das Gesetz selbst vom Geist bestimmt ist;
br
| ich aber bin fleischlich, das heißt: verkauft unter die Sünde.
span.bibelstelle Röm 7,12
br
| Wie sich Paulus hier dagegen wehrt, das Gesetz als solches zu etwas schlechtem, bösem zu Sünde werden zu lassen,
| und herausstellt, dass es an sich „vom Geist bestimmt ist“, so verwehrt der Aufbau der Erzählung bei Markus,
| dass von einer Besessenheit des Gesetzes von den Mächten des Bösen gesprochen werden kann,
| und stellt es auf die Seite des Heiligen Geistes.
li
| Dass in Mk 3,22-30 unter anderem Röm 7 im Hintergrund steht, legt eine weitere Beobachtung nahe:
br
| Denn wie Markus im mittleren Teil seiner Erzählung vom Gespaltensein von Reichen und Familien spricht, die dadurch keinen Bestand haben können,
br
| bringt Paulus in Röm 7 das Gespaltensein des Menschen zwischen (gutem) Gesetz und Sünde,
| die das Todesverfallensein des Menschen bedeuten,
| mit drastischen Worten zum Ausdruck:
br
q.bibeltext
| 14 Wir wissen nämlich, dass das Gesetz selbst vom Geist bestimmt ist;
| ich aber bin fleischlich, das heißt: verkauft unter die Sünde.
br
| 15 Denn was ich bewirke, begreife ich nicht: Ich tue nicht das, was ich will, sondern das, was ich hasse.
br
| 16 Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, erkenn ich an, dass das Gesetz gut ist.
br
| 17 Dann aber bin nicht mehr ich es, der dies bewirkt, sondern die in mir wohnende Sünde.
br
| 18 Ich weiß nämlich, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt:
br
| Das Wollen ist bei mir vorhanden, aber ich vermag das Gute nicht zu verwirklichen.
br
| 19 Denn ich tue nicht das Gute, das ich will, sondern das Böse, das ich nicht will, das vollbringe ich.
br
| 20 Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, dann bin nicht mehr ich es, der es bewirkt, sondern die in mir wohnende Sünde.
br
| 21 Ich stoße also auf das Gesetz, dass in mir das Böse vorhanden ist, obwohl ich das Gute tun will.
br
| 22 Denn in meinem Inneren freue ich mich am Gesetz Gottes,
br
| 23 ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das mit dem Gesetz meiner Vernunft im Streit liegt
| und mich gefangen hält im Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern herrscht.
br
| 24 Ich elender Mensch! Wer wird mich aus diesem dem Tod verfallenen Leib erretten?
span.bibelstelle Röm 7,14-24
p.small.mb-0
| Wichtig zu sehen ist, dass hier die unerlöste, vorchristliche Existenz des „kollektiven Menschen“ beschrieben wird,
| nicht ein (aktueller) Konflikt in Paulus.
li
| Schillernd und nicht einfach aufzulösen und daher für unsere Zwecke nicht weiter zu vertiefen ist in Röm 7 die Verwendung des Begriffes „Gesetz“.
br
| Gerade dies passt aber auch wieder zur Thematik Gespaltensein bei Markus.
br
| Vor allem in den Versen Röm 7,7-14 ist das „Gespaltensein“ des Gesetzes zwischen Absicht Gottes
| und Resultat nach Missbrauch durch die Sünde deutlich: einerseits Gottes heiliges, gerechtes, gutes und vom Geist bestimmtes Gesetz,
| andererseits gleichzeitig! das Gesetz, das dem Menschen im Sinne der Menschheit den Tod gebracht hat.
br
| Der Hinweis des markinischen Jesus, dass das Gespaltene keinen Bestand hat und haben kann, ist im Sinne des Markus
| sicher auch auf das jüdische Gesetz zu beziehen, womit dessen Ende als „Heilsweg“ angedeutet ist;
br
| bei Paulus schließen sich sehr analog an Röm 7 mit Röm 8 Aussagen zum Freigewordensein vom „Gesetz der Sünde und des Todes“
| durch die Sendung des Gottessohnes an, auf die Markus schon (auch) an anderen Stellen angespielt hat.
li
| Zur Thematik „Gespaltensein“ passt auch gut ein weiterer Erzählzug bei Markus:
br
| Während die Schriftgelehrten sich den indirekten Vorwurf anhören müssen, gegen den Heiligen Geist zu lästern,
| ist das Gesetz an sich vom Geist bestimmt.
br
| Dies bringt die ganze Misere rund um das Gesetz und die das Gespaltensein zwischen dem vom Geist bestimmten Gesetz
| und dem der Sünde verfallenen Menschen unter dem Gesetz nach Röm 7 prägnant zum Ausdruck.
li
| Zur Frage „Welche Stellung hat das Gesetz in der Unheilsgeschichte des Menschen?“ mag auch eine kleine Spitzfindigkeit
| in der markinischen Erzählung und der Spießumkehr besonderes auffallen:
br
| Bei der Spießumkehr des zweiten Vorwurfes an Jesus muss eine Satzumstellung vorgenommen werden,
| denn bei einem direkten Tausch würde es ja heißen:
br
| „Mit Hilfe des Herrschers der Dämonen tötet das Gesetz die Menschen“.
br
| Das aber ist völlig unsinnig; vielmehr kann es nur heißen:
br
| „Mit Hilfe des Gesetzes tötet der Herrschers der Dämonen die Menschen“.
br
| Das Gesetz ist hier „Werkzeug“, nicht Subjekt: Der Vorwurf trifft die Sünde, sich das Gesetz entsprechend zunutze gemacht zu haben,
| nicht das Gesetz selber.
li.small
| Es sei darauf hingewiesen, dass der Vorwurf an Jesus bei Markus zweigliedrig ist, während er bei Matthäus und Lukas
| eingliedrig ist:
br
q.bibeltext
| Mit Hilfe von Beelzebul, dem Herrscher der Dämonen, treibt er die Dämonen aus.
span.bibelstelle Lk 11,15
br
q.bibeltext
| Nur mit Hilfe von Beelzebul, dem Herrscher der Dämonen, treibt er die Dämonen aus.
span.bibelstelle Mt 12,24
br
q.bibeltext
| Er ist von Beelzebul besessen; mit Hilfe des Herrschers der Dämonen treibt er die Dämonen aus.
span.bibelstelle Mk 3,22
br
| Entweder haben Matthäus und Lukas den zweigliedrigen Vorwurf jeweils eigenständig zu einem eingliedrigen umformuliert,
| oder wahrscheinlicher Markus hat einen zweigliedrigen Vorwurf aus einem in seiner Tradition vorgefundenen eingliedrigen gemacht.
br
| Nur Markus spricht den bei Mt und Lk nicht erwähnten Vorwurf der Besessenheit aus, den man aber hineinlesen kann.
br
| Die Zweigliedrigkeit gibt Markus die Möglichkeit, in seinen Bezügen differenziert zum Gesetz Stellung zu nehmen die Schaffung der Zweigliedrigkeit
| ist also nicht um Jesu willen, sondern um des Gesetzes willen geschehen.
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h5.card-title „Er ist von Beelzebul besessen“ und „Er hat einen unreinen Geist“ ↔ Heiliger Geist
hr
ul.card-text
li
| Schon in der Mitte der konzentrischen Gliederung der Heilung des Gelähmten in Mk 2,1-12 war wie hier
| die Frage, auf welcher Seite Jesus steht bzw.
| wer durch Jesus eigentlich wirkt, präsent,
br
| nämlich
| einerseits im Vorwurf der Gotteslästerung der Schriftgelehrten gegenüber Jesus, andererseits
| in der Anrede Jesu an den Gelähmten: „Mein Sohn“, womit angedeutet ist, dass durch Jesus Gott selbst wirkt,
| was die Schriftgelehrten nicht realisieren und weswegen sie die Sündenvergebung durch Jesus ablehnen.
li
| Es ist bezeichnend, dass Jesu Antwort auf den Vorwurf der Besessenheit mit Beelzebul durch die Schriftgelehrten
| deren Vorwurf der Gotteslästerung durch Jesus in der Mitte der konzentrischen Gliederung angesichts der Sündenvergebung aufgreift
| und mit dem indirekten Vorwurf der Lästerung des Heiligen Geistes kontert, womit er den Vorwurf der Gotteslästerung zurückgibt.
br
| Weiterhin ist bezeichnend, dass Jesus in seiner Antwort die Sündenvergebung, die in Mk 2,1-12 die Schriftgelehrten auf den Plan gerufen hatte,
| aufgreift:
br
q.bibeltext
| Amen, ich sage euch: Alle Vergehen und Lästerungen werden den Menschen vergeben werden, so viel sie auch lästern mögen;
| wer aber den Heiligen Geist lästert, der findet in Ewigkeit keine Vergebung, sondern seine Sünde wird ewig an ihm haften.
span.bibelstelle Mk 3,28-29
li
| Die Aussage ist in der Zusammenschau also:
ul.card-text
li
| Nicht Jesus lästert Gott, indem er (wirksam) Sünden vergibt (und damit zu einem neuen Leben verhilft jenseits der Sünde und des Todes),
li
| sondern die Schriftgelehrten, indem sie diese Sündenvergebung(svollmacht) durch Jesus ablehnen
br
| und Jesus Besessenheit mit Beelzebul vorwerfen, statt durch Jesus hindurch Gott selbst handelnd zu sehen bzw.
| den Heiligen Geist als Jesus seit der Taufe erfüllende Kraft
| (→ Röm 1,4: „Dem Geist der Heiligkeit nach eingesetzt als Sohn Gottes in Macht seit der Auferstehung von den Toten").
li
| Wer sich gegen die Sündenvergebung(svollmacht) Jesu bzw. gegen die Rechtfertigungslehre des Paulus stellt,
| lästert Gott und kann keine Sündenvergebung erfahren.
br
| Nur wer das Handeln Gottes durch Christus (in der paulinisch-markinischen Interpretation) „sieht“,
| kann Sündenvergebung erlangen.
li
| Der Heilige Geist wird in der Antwort Jesu fast nebenbei erwähnt, und doch liegt auf ihm das tragende Gewicht
| im Gegenüber zu Beelzebul bzw. den unreinen Geistern und als Kraft, die hinter Jesus steckt bzw. durch Jesus wirkt.
br
| Wenn deutlich ist, dass Jesus nicht von Beelzebul besessen ist, sondern Gottes Heiliger Geist in ihm wohnt und durch ihn wirkt,
| dann ist auch klar auch wenn das selbst nicht direkt ausgesprochen wird , dass Jesus nicht mit Hilfe des Herrschers der Dämonen,
| sondern mit Hilfe des Heiligen Geistes die Dämonen austreibt,
| ist doch der zweite Vorwurf vom ersten abhängig.
li
| Der Heilige Geist ist es auch, der siehe die Taufe Jesu als „Prototyp“ der christlichen Taufe in der Taufe im Menschen Wohnung nimmt,
| <i>anstatt</i> der Sünde bzw. Beelzebul bzw. den unreinen Dämonen (→ „zur Vergebung der Sünden“ in einem wirklich befreienden Sinn).
li
| Mit der „Taufe“ des „Gelähmten“ in der Mitte der konzentrischen Gliederung ergeben sich damit noch weitergehende Bezüge,
| die die obigen Ausführungen zur Taufe als Lebenswende ergänzen.
ul.card-text
li
| Wie Röm 6,15-23 darlegt, geht es bei der Christwerdung um einen Herrschaftswechsel;
br
| diesen kann man verschiedene Stellen bei Paulus aufgreifend auch so formulieren:
br
i Satan bzw. die Sünde zieht aus Gottes Geist zieht ein.
li
| In
span.bibelstelle Röm 6,18
| kann Paulus schreiben:
br
q.bibeltext
| Ihr wurdet aus der Macht der Sünde befreit und seit <i>zu Sklaven der Gerechtigkeit geworden</i>.
br
| Und in
span.bibelstelle Röm 6,22
| kann er formulieren:
br
q.bibeltext
| Jetzt aber, da ihr aus der Macht der Sünde befreit und <i>zu Sklaven Gottes geworden</i> seid,
| habt ihr eine Frucht, die zu eurer Heiligung führt und das ewige Leben bringt.
br
| Freilich, hier fehlt jeweils der Geist Gottes als Begriff; das liegt aber daran, dass Paulus erst in Röm 8 den Geist Gottes
| in seine Argumentation einfügt, eben mit jenen oben aus
span.bibelstelle Röm 8,1-2
| zitierten Aussagen:
br
q.bibeltext das Gesetz des Geistes ... hat dich befreit aus dem Gesetz der Sünde
br
| Dies ist in Röm 6 quasi nachzutragen.
li
| Festzuhalten ist nicht zuletzt auch als Antwort auf das Gegenüber Jesu in der aktuellen Erzählung bei Markus , dass es
| in der christlichen Theologie in der Schule des Paulus kein absolutes Freisein gibt und geben kann,
| das die Sünde erlauben und damit im Dienst der Sünde stehen würde, dann man ist
br
| entweder Diener der Sünde <i>oder</i> Diener Gottes,
br
| entweder der einen <i>oder</i> dem anderen sich selbst verpflichtet,
br
| entweder von der Sünde beherrscht („besessen“) <i>oder</i> vom Heiligen Geist.
br
| „Frei sein“, „Befreitsein“ ist daher ausschließlich als Befreitwordensein von Sünde und Tod
| zu verstehen; ihm korrespondiert <i>notwendig</i> ein „Sklave sein“ gegenüber Gott bzw. dem einwohnenden Heiligen Geist.
br
| Insofern sind die Dämonenaustreibungen Jesu wirklich <i>gegen</i> Beelzebul gerichtet und geschehen nicht
| in seinem Dienst oder Auftrag, obwohl aufgrund der oben erinnerten Zusammenhänge das Befreitwerden von Beelzebul
| bzw. von der Sünde mit dem Befreitwerden vom jüdischen Gesetz (als göttlich verordnetem Weg zum (Un-)Heil) in eins geht.
li
| Wie Markus dem Vorwurf der Besessenheit Jesu mit Beelzebul das Beseeltsein Jesu mit dem Heiligen Geist entgegenstellt,
| so gibt es auch bei Paulus immer wieder das Gegenüber zwischen Sünde (bzw. dem von der Sünde beherrschten Fleisch)
| und dem Geist Gottes;
br
| und wie der Heilige Geist für Jesus die Kraft ist, Dämonen auszutreiben,
| so ist es dieser im Christen einwohnende Heilige Geist,
| der für den Christen die Kraft ist,
| der Sünde zu wiederstehen,
| wie Paulus in
span.bibelstelle Gal 5,16-18
| ausführt:
br
q.bibeltext
| 16 Ich sage aber: Wandelt im Geist, dann werdet ihr das Begehren des Fleisches nicht erfüllen!
br
| 17 Denn das Fleisch begehrt gegen den Geist, der Geist gegen das Fleisch, denn diese sind einander entgegengesetzt,
| damit iht nicht tut, was ihr wollt.
br
| 18 Wenn ihr euch aber vom Geist führen lasst, dann steht ihr nicht unter dem (Todesurteil des) Gesetz(es).
br
| Das „Fleisch“ ist hier vgl. auch Röm 7 als Einfallstor der Sünde zu verstehen, dem Paulus die Kraft des Geistes entgegenstellt.
br
| Die Formulierungen sind ganz ähnlich wie jene in Röm 7, und doch ganz anders: Während Röm 7 die verzweifelte Existenz
| unter dem Gesetz beschreibt, auf die der Tod wartet,
| ermöglicht es hier der in den Christen einwohnende Geist, der Sünde zu widerstehen auch wenn das eine Herausforderung bleibt.
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h5.card-title
q ... in das Haus des Starken einbrechen und ihm den Hausrat rauben, wenn er nicht zuerst den Starken gefesselt hat.
hr
ul.card-text
li
| Die Aussage vom Einbrechen ins Haus und Rauben des Hausrats wird in der Mitte der konzentrischen Gliederung
| schön bebildert in beiden Erzählungen spielt ein Haus ein Rolle! :
br
| durch seinen Tod ist Jesus in das Totenreich das Haus hier quasi als Grab eingebrochen
| und ermöglicht dort den in der Taufe mit ihm Gestorbenen (→ Gelähmter) ein neues Leben,
| das sie nach Hause (→ in den Himmel) gehen lässt.
li
| Eine gewisse Nähe gibt es zur Ausdrucksweise des Paulus in
span.bibelstelle Gal 3,22:
br
q.bibeltext
| ... die Schrift hat alles unter der Sünde eingeschlossen
br
| Jetzt ist dank Jesu Tod und Auferstehung, appliziert in der Taufe der „Hausrat“, der „unter der Sünde einschlossen“ war,
| frei und dafür die Sünde selbst gefesselt.
.card.slide.border-primary.mb-3
.card-body
h5.card-title
q ... den Starken gefesselt hat
h6.card-subtitle.text-muted Jesus von Beelzebul besessen? Nein: er ist der „Stärkere“!
hr
ul.card-text
li
| Von besonderer Bedeutung ist der Umstand, dass Satan hier mit „der Starke“ bezeichnet wird (in dessen „Haus“ Jesus eingedrungen ist);
| denn so ist diese Erzählung durch die Trias „Starker/Stärkerer + Satan [Versuchung/Dämonenaustreibung] + Heiliger Geist“
| mit Mk 1,2-13, also dem ersten Teil des Evangeliums, verknüpft.
li
| Der Ausgang der Versuchungserzählung blieb auf Ebene des Textes offen;
| hier wird sozusagen das Resultat der Begegnung
| zwischen Satan und Jesus (im Tod am Kreuz!) nachgeschoben: Jesus hat Satan „gefesselt“!
br
| Die Erzählung hier in 3,22-30 legt das nahe.
li
| Somit wird hier die Überzeugung ausgedrückt, dass Satan („der Starke“) bereits besiegt ist;
br
| Jesus ist „der Stärkere“ (Mk 1,7);
br
| dass Jesus Wunder und Dämonenaustreibungen wirken kann, das ist für
| ihn ein eindeutiges Zeichen dafür. Wenn man dem Satan nicht selbstzerstörerische Schizophrenie vorwerfen will.
.card.slide.border-primary.mb-3
.card-body
h5.card-title „Wenn eine Familie in sich gespalten ist, kann sie keinen Bestand haben.“
hr
ul.card-text
li
| Diese Aussage ist mit dem Kontext der Verteidigungsrede zu verbinden,
| geht es doch davor um die leibliche Familie Jesu, die Jesus für „von Sinnen“ hält,
| und im Anschluss um die „wahre Familie“ Jesu, die sich über das Tun des Willens Gottes konstituiert.
li
| Insofern die in der Verteidigungsrede verhandelte Frage eine nachösterliche ist,
| legt sich nahe, dass auch diese Aussage auf die nachösterliche Situation der Kirche zu beziehen ist.
li
| Dabei ist zunächst zu bedenken, dass Jesus hier durchsichtig wird auf Paulus.
br
| Ferner ist zu bedenken, dass die Aussage innerhalb der Verteidigungsrede fällt, der Kontext
| also die nachösterliche Frage danach ist, in wessen Diensten Jesus bzw. eigentlich Paulus steht,
| die Frage nach der Rechtfertigungslehre.
br
| Und zwischen Paulus und dem Herrenbruder gab es in den genannten Fragen tatsächlich Spannungen bis hin zur Spaltung,
| wie Paulus im Brief an die Galater erzählt.
li
| Für Markus ist klar, dass die paulinische Interpretation von Tod und Auferstehung Jesu gültig ist,
| Paulus und Jesus also auf eine Seite gehören.
br
| Daher kann man sich durchaus vorstellen, dass Markus die Spannung,
| die es in der frühen Kirche zwischen Paulus und dem Herrenbruder Jakobus gab,
| als Spannung innerhalb der Familie Jesu also zwischen Jesus und seiner Familie erzählt,
| weil das anders in seinem Evangelium gar nicht möglich ist.
li
| „Familie“ wäre dann weil es nachösterlich um einen Konflikt nicht innerhalb der leiblichen Familie Jesu geht sondern
| zwischen Paulus und dem Herrenbruder Jakobus auf das Judenchristentum (oder gar das Christentum insgesamt) zu beziehen, das in der Frage
| der Rechtfertigung gespalten ist und so das ist die Mahnung nicht Bestand haben kann;
br
| vielmehr sollten sich alle der Überzeugung des Paulus anschließen.
p.small.mb-0
| Diese geweitete Deutung von „Familie“ ist durchaus möglich, weil in der nachfolgenden Erzählung
| auch „Familie“ als Summe der einzelnen dort genannten Familienmitglieder
| die christliche Gemeinde (letztlich die ganze Kirche) bezeichnen kann.
li.small
| Vielleicht ist die Aussage bei Markus auch auf das Verhältnis zwischen Jesus und den ihn ablehnenden Teil
| des Judentums zu beziehen; das ist weil es hier um eine innerchristliche Fragestellung geht aber eher unwahrscheinlich.
li
| Vielleicht hat Markus auch konkret die Situation in Galatien vor Augen, wo sich die Gemeinde in der Fragestellung der Rechtfertigung
| nicht spalten soll, sondern sich in ihrer Gänze wieder der paulinischen Überzeugung anschließen soll.
br
| Dann könnte auch
span.bibelstelle Gal 5,13-15
| im Hintergrund stehen; diese Stelle passt auch zum Kontext des Vorwurfes zügelloser Freiheit, die der Sünde Tür und Tor öffnen würde:
br
q.bibeltext
| Denn ihr seid zur Freiheit berufen, Brüder und Schwestern.
br
| Nur nehmt die Freiheit nicht zum Vorwand für das Fleisch, sondern dient einander in Liebe!
br
| Denn das ganze Gesetz ist in dem einen Wort erfüllt: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
br
| Wenn ihr aber einander beißt und fresst, dann gebt Acht, dass ihr nicht einer vom anderen verschlungen werdet!
li
| Allgemein wird man sagen können, dass die Aussage des Markus zu Frieden und Zusammenhalt in der christlichen Gemeinde
| aufrufen will, wie dies Markus etwa auch in
span.bibelstelle Mk 9,50
| tut:
br
q.bibeltext
| Habt Salz in euch und haltet Frieden untereinander!