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h1 Das Evangelium nach Markus – lange unterschätzt
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+footnote("Vgl. Dormeyer, Detlev: Vom zweiten wieder auf den ersten Platz. In: Bibel und Kirche 2/2011, 109-112.")
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| Das Evangelium nach Markus stand <i>lange im Schatten der längeren andern drei Evangelien</i>,
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| vor allem des Matthäus-Evangeliums, das beim Entstehen des Viererkanons der Evangelien im 2. Jahrhundert an die erste Stelle kam;
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| Augustinus hielt das Markus-Evangelium gar für ein Exzerpt des Matthäus-Evangeliums.
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| Als das Markus-Evangelium Ende des 18. Jahrhunderts und dann durch die <i>Zwei-Quellen-Theorie</i> seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
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| <i>als ältestes Evangelium erkannt und anerkannt wurde</i>, hoffte man vor allem, mit seiner Hilfe die Rückfrage nach dem historischen Jesus vorantreiben zu können.
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| Doch es wurde erkannt: <i>Keines der Evangelien</i>, auch das älteste nicht, <i>ist eine Biografie des Lebens Jesu</i> in unserem heutigen Sinn;
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| der historische Jesus blickt uns aus keinem Evangelium unmittelbar an.
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| Evangelien sind vielmehr <i><q>narrative Theologie</q></i>, also <q>erzählende Theologie</q>, die natürlich Anhalt hat am
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| Leben und Wirken des historischen Jesus von Nazareth. Sie sind aber durch die <q>Brille</q> Ostern geschrieben
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| und die Jesus-Traditionen werden der spezifischen Aussageabsicht des Evangelisten untergeordnet bzw. weiterentwickelt,
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| ohne die Jesus-Tradition damit zu verfälschen.
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| Markus hielt man lange für einen recht schlichten Sammler und Zusammensteller der alten Jesus-Traditionen,
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| ohne dass er ein Gesamtkonzept entwickelt hätte. Dieses Bild hat sich in den letzten Jahrzehnten durch verschiedene
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| wissenschaftliche Methoden der Erforschung dieses Evangeliums kräftig gewandelt.
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| <i>Markus wurde als Theologie entdeckt, der die Jesus-Tradition geschickt verarbeitet und auf einige Punkte zugespitzt hat.</i>
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| Auch das Evangelium nach Markus ist – wie die anderen Evangelien – mehr als die Summe der einzelnen Erzählungen
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| und verarbeiteten Traditionen.
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| Markus hat die ihm zur Verfügung stehenden Traditionen mit ganz bestimmten Intentionen eingebunden und angeordnet.
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| Dabei hat er auch – im Sinne einer Aktualisierung von Jesus her auf seine Zeit und Probleme hin – in die Tradition eingegriffen.
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h1 Die Gliederung als Schlüssel
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| Besonders hervorzuheben ist die durchdachte Gliederung des Markusevangeliums, die sich erst bei genauerem Hinsehen zeigt.
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| Markus hat sein Evangelium – bis auf einige, besondere Stellen – durchgehend konzentrisch gegliedert. Dies ist für die Interpretation
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| der einzelnen Teile nicht unerheblich, sind doch damit bestimmte Erzählungen und Worte zueinander in Beziehung gesetzt.
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| Wir finden konzentrische Gliederungen in der Grobstruktur, aber auch in kleineren Einheiten.
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| Teils überlagern auch ‚alternative‘ Gliederungen einer kleineren Einheit die Makrostruktur; das schafft zusätzliche Bezüge
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| und damit Interpretationshinweise.
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| Dies alles zeigt, dass man sich zunächst mit der <a href="#{pathoffset}/gliederung">Gliederung des Evangeliums</a> vertraut machen sollte.
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