bibelwissen/views/nt/ev/mk/getauft/aufbruch.pug

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| Inhaltsangabe/Überschrift
br
| Himmlischer Sendungsbeschluss
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 1,1-3
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h5.card-title Johannes in der Wüste
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 1,4-6
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h5.card-title Die Taufe Jesu: Tod und Auferstehung Jesu als Wendepunkt der Heilsgeschichte
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 1,9-11
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h5.card-title Die Versuchung Jesu
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 1,12-13
.card.mb-1.konzentr-1
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h5.card-title Johannes tritt ab, Jesus tritt auf: Eröffnungsruf des Wirkens Jesu: Das Reich Gottes ist zum Greifen nahe!
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 1,14-15
.card.mb-1.konzentr-1
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h5.card-title Die Berufung der ersten Jünger: Auf, mir nach! → <q>Menschenfischer</q>!
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 1,16-20
.card.mb-1.konzentr-2
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h5.card-title Die neue Lehre in der Synagoge: Jesus gekommen, um Satan/die Dämonen ins Verderben zu stürzen
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 1,21-28
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h5.card-title Die Heilung der Schwiegermutter des Petrus, die (daraufhin!) Jesus dient
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted.mb-1 Mk 1,29-31
p.card-text
| Aufgerichtet zum Dienst
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h5.card-title Die ganze Stadt vor der Tür; Jesus heilt und treibt Dämonen aus
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 1,32-34
.card.mb-1.konzentr-5
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h5.card-title Rückzug und erneuter Aufbruch
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 1,35-39
.slide.mb-3
hr
p.card-text.mb-0.konzentr-5.bibeltextkonzentr
| 1 Anfang des Evangeliums Jesu Christi, Sohn (eines) Gottes.
br
| 2 Wie geschrieben steht beim Propheten Jesaja:
br
q Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der einen Weg bahnen wird.
br
q 3 Stimme eines Rufers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn! Macht gerade seine Straßen!
p.card-text.mb-0.konzentr-4.bibeltextkonzentr
| 4 So trat Johannes der Täufer in der Wüste auf und verkündete eine Taufe der Umkehr zur Vergebung der Sünden.
br
| 5 Ganz Judäa und alle Einwohner Jerusalems zogen zu ihm hinaus;
br
| sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen.
p.card-text.mb-0.konzentr-4.bibeltextkonzentr
| 6 Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften
br
| und er lebte von wildem Honig.
br
| 7 Er verkündete:
q
| Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich;
br
| ich bin es nicht wert, mich zu bücken und ihm die Riemen der Sandalen zu lösen.
br
| 8 Ich habe euch mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.
p.card-text.mb-0.konzentr-3.bibeltextkonzentr
| 9 Und es geschah in jenen Tagen, da kam Jesus aus Nazareth in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen.
br
| 10 Und sogleich, als er aus dem Wasser stieg, sah er,
br
| dass der Himmel aufriss und der Geist wie eine Taube in ihn hineinkam.
br
| 11 Und eine Stimme aus dem Himmel sprach:
q Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.
p.card-text.mb-0.konzentr-2.bibeltextkonzentr
| 12 Und sogleich trieb der Geist Jesus in die Wüste.
br
| 13 Jesus blieb vierzig Tage in der Wüste und wurde vom Satan in Versuchung geführt.
br
| Er lebte bei den wilden Tieren und die Engel dienten ihm.
p.card-text.mb-0.konzentr-1.bibeltextkonzentr
| 14 Nachdem Johannes ausgeliefert worden war, ging Jesus nach Galiläa;
br
| er verkündete das Evangelium Gottes
br
| 15 und sprach:
q
| Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe.
br
| Kehrt um und glaubt an das Evangelium!
p.card-text.mb-0.konzentr-1.bibeltextkonzentr
| 16 Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er Simon und Andreas, den Bruder des Simon,
| die auf dem See ihre Netze auswarfen; sie waren nämlich Fischer.
br
| 17 Da sagte er zu ihnen:
q
| Kommt her, mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen.
br
| 18 Und sogleich ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm nach.
br
| 19 Als er ein Stück weiterging, sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes;
| sie waren im Boot und richteten ihre Netze her.
br
| 20 Sogleich rief er sie und sie ließen ihren Vater Zebedäus mit seinen Tagelöhnern im Boot zurück und folgten Jesus nach.
p.card-text.mb-0.konzentr-2.bibeltextkonzentr
| 21 Sie kamen nach Kafarnaum. Am folgenden Sabbat ging er in die Synagoge und lehrte.
br
| 22 Und die Menschen waren voll Staunen über seine Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat, nicht wie die Schriftgelehrten.
br
| 23 In ihrer Synagoge war ein Mensch, der von einem unreinen Geist besessen war.
br
| Der begann zu schreien:
br
q
| 24 Was haben wir mit dir zu tun, Jesus von Nazaret?
br
| Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stürzen?
br
| Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes.
br
| 25 Da drohte ihm Jesus:
br
q
| Schweig und verlass ihn!
br
| 26 Der unreine Geist zerrte den Mann hin und her und verließ ihn mit lautem Geschrei.
br
| 27 Da erschraken alle und einer fragte den anderen:
br
q
| Was ist das? Eine neue Lehre mit Vollmacht: Sogar die unreinen Geister gehorchen seinem Befehl.
br
| 28 Und sein Ruf verbreitete sich rasch im ganzen Gebiet von Galiläa.
p.card-text.mb-0.konzentr-3.bibeltextkonzentr
| 29 Sie verließen sogleich die Synagoge und gingen zusammen mit Jakobus und Johannes in das Haus des Simon und Andreas.
br
| 30 Die Schwiegermutter des Simon lag mit Fieber im Bett.
br
| Sie sprachen sogleich mit Jesus über sie
br
| 31 und er ging zu ihr, fasste sie an der Hand und richtete sie auf.
br
| Da wich das Fieber von ihr und sie diente ihnen.
p.card-text.mb-0.konzentr-4.bibeltextkonzentr
| 32 Am Abend, als die Sonne untergegangen war, brachte man alle Kranken und Besessenen zu Jesus.
br
| 33 Die ganze Stadt war vor der Haustür versammelt
br
| 34 und er heilte viele, die an allen möglichen Krankheiten litten, und er trieb viele Dämonen aus.
br
| Und er verbot den Dämonen zu reden, weil sie ihn kannten.
p.card-text.konzentr-5.bibeltextkonzentr
| 35 In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand er auf und ging an einen einsamen Ort, um zu beten.
br
| 36 Simon und seine Begleiter eilten ihm nach,
br
| 37 und als sie ihn fanden, sagten sie zu ihm:
br
q Alle suchen dich!
br
| Er antwortete:
br
q
| Lasst uns anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort verkündet;
br
| denn dazu bin ich gekommen.
br
| 39 Und er zog durch ganz Galiläa, verkündete in ihren Synagogen und trieb die Dämonen aus.
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h5.card-title
q Anfang
hr
ul.card-text
li Zeitlich sind wir am Anfang des Tages: „In aller Frühe, als es noch dunkel war“.
li
| Inhaltlich wird in der zweiten Hälfte der Episode von einem neuen Aufbruch erzählt,
| der sich vom bisherigen Umfeld Kafarnaum löst und nun „ganz Galiläa“ in Blick nimmt.
.card.slide.border-primary.mb-3
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h5.card-title
q In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand er auf
h6.card-subtitle.text-muted Anspielung auf Ostern
hr
ul.card-text
li Dem sich entwickelnden Geschehen zufolge spielt Mk 1,21-34 am Sabbat; es wird kein Tageswechsel erzählt.
li Damit ist Mk 1,35-39 auf den ersten Tag der Woche, den Sonntag, zu datieren.
li
| Daher lässt die Notiz, dass Jesus frühmorgens, als es noch dunkel war, „aufsteht“ und effektiv verschwindet, den „sehenden Leser“ an den Ostersonntag denken (Mk 16,1-8),
| an dem Jesus in aller Frühe, als gerade die Sonne aufgeht also ein Stück später als sein Sichzurückziehen hier und die Frauen
| das Grab aufsuchen, auch „verschwunden“ ist, weil er „auferstanden“ ist.
li
| Damit wird einleitend Ostern in der Erzählung präsent.
li.small
| Dies bestätigt, dass der Abend der in der Erzählfolge vorausgehenden Erzählung mit dem Tod Jesu zu verbinden ist und dieser
| dort der Hauptfokus ist:
br
| weil der Tod Jesu dem Heilsplan Gottes entspricht (→ „Evangelium Gottes“, „Königsherrschaft Gottes nahegekommen“; Viertes Lied vom Gottesknecht des Jesaja),
| reißt er die Dämonen mit ins Verderben und eröffnet für ihn selbst und für die Menschen
| eine Zukunft von Gott her: er bringt ihm die Auferstehung und
| den „Kranken“ als Anteilhabe daran die „Heilung“;
br
| der Morgen der aktuellen Erzählung vergegenwärtigt (zumindest zunächst) die Auferstehung und lässt die ganze Erzählung unter dem Fokus
| der Auferstehung erscheinen (dazu passt dann auch der Neuaufbruch am Ende der Erzählung; s. u.).
.card.slide.border-primary.mb-3
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h5.card-title
q ... und ging an einen einsamen Ort, um zu beten
h6.card-subtitle.text-muted „Wüste der Gottferne“ → Tod am Kreuz
hr
ul.card-text
li
| Der Erzählzug, dass Jesus an einen einsame Ort geht und dort betet, erinnert den „sehenden Leser“ an den Tod Jesu am Kreuz:
br
| er stirbt dort von allen verlassen, auch von Gott.
li
| Die Einsamkeit der Gottferne am Kreuz bringt der markinische Jesus betend
| mit Rückgriff auf
span.bibelstelle Ps 22,2
| zum Ausdruck:
br
q.bibeltext
| Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
li
| Diese Parallelen verdeutlichen:
br
i Der Gang Jesu in die Einsamkeit und sein Gebet dort vergegenwärtigen den Tod Jesu am Kreuz!
li
| Die Erzählung führt den Leser also von der einleitend angespielten Auferstehung „zurück“ zum Tod am Kreuz.
p.small.card-text
| Dass hinter dieser „Verdrehung“ ein wichtiger Gedanke steht, wird die weitere Betrachtung zeigen.
li.small
| Am Rande sei vermerkt:
ul.card-text
li
| Im Griechischen schwingt bei „einsamer Ort“ die „Wüste“ mit;
| die deutsche Übersetzung verdeckt dies.
li
| Die „Einsamkeit“ vergegenwärtigt daher die „Wüste“, die analog zur Versuchungserzählung als „Wüste der Gottferne“ verstanden werden kann,
| wohin seine Sendung (durch den Geist) Jesus treibt.
.card.slide.border-primary.mb-3
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h5.card-title
| Ostern/Präexistenz → Tod am Kreuz → Auferstehung
h6.card-subtitle.text-muted Die Abfolge der Erzählung und die Sendung Jesu Der Philipperhymnus (mal wieder) als Bezugspunkt
hr
ul.card-text
li
| Die Berufung der erste Jünger Petrus und seiner Begleiter bildet einen Teil der Mitte der aktuellen konzentrischen Gliederung.
li
| Als diese Erzählung das untere Ende der konzentrischen Gliederung war, standen die Taufe Jesu und seine
| unmittelbar folgende Wüstensendung durch den Geist in der Mitte jener konzentrischen Gliederung.
li
| Die Abfolge „Heraussteigen aus dem Wasser mit Begleiterscheinungen“ als Anspielung auf Auferstehung und Erhöhung → „Wüstensendung“
| als Erniedirgung (bis zum Tod am Kreuz) wurde als Anspielung auf Entäußerung und Erniedrigung des einst Gottgleichen,
| wie sie der Philipperhymnus besingt, verstanden (und mit der Entäußerung
| und Erniedrigung der Söhne des Zebedäus im Sinne der Nachfolge verbunden).
br
| Dabei wurde die in der Tauferzählung bebilderte Auferstehung und Erhöhung Jesu mit der Präexistenz des einst Gottgleichen
| als eigentlichem „Startort“ der Sendung Jesu in eins gesetzt.
li
| In der aktuellen Erzählung begegnet die gleiche Abfolge „Auferstehung“ → „Tod am Kreuz“;
| auch hier kann die „Auferstehung“ transparent auf die „Präexistenz“ des einst Gottgleichen werden.
li
| Die Erzählung endet nach dem Dialog am „Ort des Kreuzes“ zwischen Petrus und Jesus mit einem Neuaufbruch Jesu,
| wodurch die Auferstehung (erneut) angedeutet wird.
li
| Damit ergibt sich die in der Überschrift genannte Abfolge, die der Sendung Jesu nach dem Philipperhymnus entspricht:
br
| Dies ist das „Evangelium Gottes“, das „Jesus“ verkündet, mit dem das Nahekommen der Königsherrschaft einhergeht
| und das zu Umkehr und Glaube aufruft (→ Teil Mitte der konzentrischen Gliederung).
p.small.card-text.mb-0
| Der Bezug zum Philipperhymnus wird noch dadurch verstärkt, dass sowohl dieser als auch das Ende der vorliegenden Erzählung
| in eine universalistische Perspektive mündet (s. u.).
li
| Ferner zeigt sich, dass die vorliegende Erzählung den Aufbau der genau
| vorausgehenden Erzählung umdreht:
table.table.table-sm
thead
tr
th.card-text
| Am Abend ...
th.card-text
| Am Morgen ...
tbody
tr
td.card-text
| Tod
p.card-text.small (Abend, Sonne untergegangen)
td.card-text
| Auferstehung bzw. Präexistenz
p.card-text.small (Morgen, Aufstehen)
tr
td.card-text
| Auferstehung
p.card-text.small (Heilung der Menschen, Dämonenaustreibungen)
td.card-text
| Tod
p.card-text.small (Einsamkeit, Gebet)
tr
td.card-text
| Tod
p.card-text.small (Schweigegebot)
td.card-text
| Auferstehung
p.card-text.small (Neuaufbruch)
li.small
| Es bestätigt sich, dass die Schweigegebote an die Dämonen mit dem Tod Jesu zu verbinden sind.
.card.slide.border-primary.mb-3
.card-body
h5.card-title
| „Simon und seine Begleiter eilten ihm nach“? Sie verfolgten ihn!
h6.card-subtitle.text-muted Petrus (sowie seine Begleiter und „alle“): „Jesusfischer“
hr
ul.card-text
li
| Dass Jesus von Petrus und seinen Begleitern in der Einsamkeit aufgesucht wird,
| übersetzt die Einheitsübersetzung mit „sie eilten ihm nach“.
ul.card-text
li Beim „Nacheilen“ schwingt eine positive Bewertung des Handelns von Petrus und seinen Begleitern mit.
li
| Ein Anklang an „Nachfolge“ ist herauszuhören passend auch zu dem Umstand, dass in der aktuellen konzentrischen Gliederung
| die Berufung der ersten Jünger also „Petrus und seiner Begleiter“ Teil der Mitte der konzentrischen Gliederung ist.
li
| Wieder könnte Entäußerung und Erniedrigung der Söhne des Zebedäus bei ihrer Berufung mit dem von Jesus erzählten
| Handeln Entäußerung und Erniedrigung als Gang „nach“ der Auferstehung bzw. aus der Präexistenz in die „Wüste“
| im Sinne gelingender Nachfolge verbunden werden.
li
| Was aber die Einheitsübersetzung mit „eilten ihm nach“ übersetzt, heißt eigentlich „verfolgten ihn“,
| und das entsprechende griechische Wort ist negativ besetzt.
br
| Damit einher geht eine Vertauschung dessen, was bei der Jüngerberufung erzählt wird:
ul.card-text
li
| Petrus und Andreas wurden zu Menschenfischern berufen,
br
| hier sind es Petrus, seine Begleiter und schließlich alle, die Jesus suchen, die Jesus verfolgen,
| die ihn, der am Morgen weggegangen war, so ist es zu verstehen zurückholen wollen, gleichsam wieder einfangen wollen:
br
| Petrus, seine Begleiter und „alle“ betätigen sich als „Jesusfischer“ (im negativen Sinn).
li
| Jakobus und Johannes haben ihren Vater und die Stellung als Söhne im väterlichen Betrieb verlassen,
br
| hier wird ein Festhalten, ein Zurückhabenwollen assoziiert.
.card.slide.border-primary.mb-3
.card-body
h5.card-title
| Vertauschung als Grundmoment der aktuellen Erzählung
h6.card-subtitle.text-muted Verkehrte Welt
hr
ul.card-text
li
| Es war aufgefallen, dass die vorliegende Erzählung gegenüber der vorausgehenden Erzählung einen genau entgegengesetzen Ablauf hat.
li
| Auferstehung und Tod Jesu am Kreuz werden in der vertauschten Reihenfolge erzählt.
li
| Die Jünger sind nicht als Menschenfischer, sondern als Jesusfischer aktiv.
li
| Statt Verlassen und Loslassen sind Festhalten und Zurückhabenwollen in der Erzählung assoziiert.
.card.slide.border-primary.mb-3
.card-body
h5.card-title
q.bibeltext
| Ihr lieft gut. Wer hat euch gehindert, weiter der Wahrheit zu folgen?
span.bibelstelle Gal 5,7
h6.card-subtitle.text-muted Sinneswandel im negativen Sinn
hr
ul.card-text
li
| Bei ihrer Berufung, die zusammen mit dem Ruf zu Umkehr und Glaube an das Evangelium die Mitte der konzentrischen Gliederung bildet,
| haben sich die Jünger von Jesus in Dienst nehmen lassen und haben deswegen alles verlassen;
br
| so haben sie richtig auf den Ruf zu Glauben und Umkehr reagiert.
li
| Am unteren Ende der konzentrischen Gliederung wird nun ein Sinneswandel der Berufenen im negativen Sinn erzählt (s. o.).
br
| So müssen sie sich erneut den Ruf zu Umkehr und zum Glauben an das Evangelium anhören.
li
| Dies lässt an Gal 5,7 denken: dort kritisiert Paulus die Galater, dass sie sich von dem von ihm vermittelten christlichen Weg
| haben abbringen lassen. Er versucht durch eindringliche, beschwörende Worte, sie wieder auf den rechten Weg zurückzubringen.
li
| Der Bezug zu einigen zentralen Stellen des Galaterbriefes ist ein Schlüssel zum Verständis der vorliegenden Erzählung,
| wie die nachfolgenden Ausführungen zeigen werden.
.card.slide.border-primary.mb-3
.card-body
h5.card-title
q.bibeltext
| Warum werde ich verfolgt?
span.bibelstelle Gal 5,11
h6.card-subtitle.text-muted Vom Ärgernis des Kreuzes
hr
ul.card-text
li
| Wie Jesus in der aktuellen Erzählung verfolgt wird, so beklagt sich Paulus über Verfolgung:
br
q.bibeltext
| Ich aber, Brüder und Schwestern, wenn ich noch Beschneidung verkündete warum werde ich dann verfolgt?
br
| Damit wäre ja das Ärgernis des Kreuzes beseitigt.
span.bibelstelle Gal 5,11
li
| Um die Aussage des Paulus und damit auch Mk 1,35-39 zu verstehen, ist ein Blick in die früheste Kirchengeschichte nötig:
ul.card-text
li
| Paulus hatte besonders deutlich eine Mission untern den Völkern betrieben, ohne die gläubig gewordenen Heiden auf das jüdische Gesetz
| mit seinen Speise- und Reinheitsvorschriften und insbesondere die Beschneidung (der Männer) zu verpflichten.
li
| Hintergrund ist die (vor allem von Paulus wahrgenommene)
| Spannung zwischen Jesus und dem jüdischen Gesetz, bzw. zwischen der Kreuzigung Jesu
| und den Vorschriften des jüdischen Gesetzes, die in
span.bibelstelle Dtn 21,23
| begründet ist:
br
q.bibeltext Verflucht ist, wer am Holze hängt.
br
| Diese Aussage hat zunächst jene im Blick, die <i>nach</i> ihrer Hinrichtung zur zusätzlichen postmortalen
| Bestrafung und Schmähung an einem Holzpfahl aufgehängt wurden,
br
| dieser Vers wurde aber zur Zeit Jesu nachweislich auch auf die Kreuzigung bezogen.
li
| Nimmt man diese Aussage im Hinblick auf Jesu Tod am Kreuz ernst, erklärt sich,
| warum Paulus vom „Ärgernis des Kreuzes“ sprechen kann:
br
| der Glaube an das Evangelium vom <i>Kreuzes</i>tod Jesu und seiner Auferstehung sprengt,
| was im jüdischen Kontext eigentlich vorstellbar ist.
br
| Jüdisches Gesetz als Grundlage des Lebens mit Gott und der Glaube an Jesu Kreuzestod und seine Auferstehung
| zu Gott schließen sich genau genommen aus.
br
| Daher sieht sich Paulus nicht mehr im Stande, „Beschneidung“ zu verkünden;
| gemeint ist wie er in Gal 5,3-4 ausführt , die Verpflichtung auf das jüdische Gesetz,
| und zwar als „Weg zum Heil“.
br
| Paulus konstatiert eine scharfe Trennung zwischen (dem Glauben an) Jesus und dem jüdischen Gesetz als „Weg zum Heil“:
br
q.bibeltext
| Ihr, die ihr durch das Gesetz gerecht werden wollt, seid von Christus getrennt;
br
| ihr seid aus der Gnade herausgefallen.
br
| Denn wir erwarten im Geist aus dem Glauben die Hoffnung der Gerechtigkeit.
span.bibelstelle Gal 5,4-5
br
| Dies bedeutet nicht nur, dass jemand nicht auf das jüdische Gesetz verpflichtet werden muss Jude werden muss ,
| um Christ werden zu können. Eine Verpflichtung von Nichtjuden auf das jüdische Gesetz widerspricht vielmehr sogar dem
| Evangelium; daher lehnt Paulus dies entschieden ab.
br
| Analog hat dies auch Folgen für zum Glauben an Jesus gekommene Juden,
| die nicht mehr an die jüdischen Speise- und Reinheitsvorschriften gebunden sind.
br
| Das paulinische Christentum bildet daher eine (spannungsreiche) Gemeinschaft von zum Glauben an Jesus
| gekommenen Juden und zum Glauben an Jesus gekommenen ehemaligen Heiden, die der Glaube an Gottes
| Heilshandeln in Jesus Christus der Glaube an das Evangelium eint, und nicht die Verpflichtung auf das jüdische Gesetz
| (das die Juden als Religionsgemeinschaft eint).
li
| Die scharfe Trennung zwischen Jesus und jüdischem Gesetz teilen jene, die Paulus verfolgen, nicht;
| sie harmonisieren beides und beseitigen dadurch wie Paulus kritisiert das „Ärgernis des Kreuzes“.
br
| Für sie gilt: das jüdische Gesetz hat weiter seine Geltung als „Weg zum Heil“;
| wer gerettet werden will, muss sich an das jüdische Gesetz inklusive der Speise- und Reinheitsvorschriften halten;
br
| er muss effektiv „<i>Jude</i> jesuanischer Prägung“ werden.
li
| Jene heidenchristlichen Gemeinden, die Paulus gegründet hatte, wurden
| davon legt der Galaterbrief und legen auch andere Briefe des Paulus Zeugnis ab
| zumindest zum Teil von solchen Jesus-Gesetz-Harmonisierern
| wir sprechen von „judaisierenden Christen“ aufgesucht und es wurde versucht, die Jesus-Gesetz-Harmonisierung
| auch dort zu implementieren.
li
| Offenbar wurde damit argumentiert, dass auch Paulus ein Verkünder des jüdischen Gesetzes (gewesen) sei.
br
| Da mag eine der christlichen Zeit vorausgehende jüdische Missionstätigkeit des Paulus eine Rolle spielen,
| die man jetzt gegen die tatsächliche aktuelle Botschaft des Paulus ausspielt:
br
| Paulus hatte offenbar einst wie Petrus jetzt in der Mitte der konzentrischen Gliederung das Netz des „Gesetzes der Sünde und des Todes“
| ausgeworfen, das ihm erst nach seiner Berufung und durch sie im Nachhinein als solches bewusst wurde.
br
| Daher distanziert sich Paulus um so deutlicher davon.
li
| Paulus spricht auch vom „anderen Evangelium“, das es aber nicht gibt:
br
q.bibeltext
| Ich bin erstaunt, dass ihr euch so schnell von dem abwendet, der euch durch die Gnade Christi berufen hat,
| und dass ihr euch einem anderen Evangelium zuwendet.
br
| Es gibt kein anderes Evangelium, es gibt nur einige Leute, die euch verwirren und die das Evangelium
| Christi verfälschen wollen.
span.bibelstelle Gal 1,6-7
li
| Hinter dem verfolgten „Jesus“ scheint also der verfolgte Paulus hervor.
li
| Es wird auch klar, warum die Erzählung mit Einsamkeit und Gebet Jesu den Tod Jesu am Kreuz, wie in Markus erzählt,
| besonders deutlich präsent macht:
ul.card-text
li
| Die Mitte der konzentrischen Gliederung erzählt in Mk 1,14-15 vom Beginn des neuen Zeitalters des Glaubens („Die Zeit ist erfüllt ... kehrt um und glaubt an das Evangelium“),
br
| sowie in Mk 1,16-20 im Bild des zerrissenen Netzes (s. u. und vorhergehende konzentrische Gliederungen) vom Ende des Zeitalters des Gesetzes.
li
| Das untere Ende der konzentrischen Gliederung erzählt in der Mitte mittels der Stichworte „Einsamkeit“ und „Gebet“ vom Kreuz Jesu;
br
| dies aber ist der „Ort des Freikaufes“ nach Gal 3,13, dies ist die Schwelle vom alten Zeitalter des Gesetzes zum neuen Zeit des Glaubens.
li
| Genau an diesen Ort verfolgen Petrus und seine Begleiter Jesus und wollen ihn von dort zurückholen.
br
| Damit ist angedeutet, dass sie das „Ärgernis des Kreuzes“ beseitigen wollen.
li
| Der Versuch, das „Netz“ wieder herzurichten also das jüdische Gesetz wieder aufzurichten und der Versuch, Jesus „vom Kreuz“ zurückzuholen,
| verbinden sich als parallele Handlungen;
br
| so wird erzählerisch bebildert, dass das (Wieder-)Aufrichten des Gesetzes der Versuch ist, das „Ärgernis des Kreuzes“ zu beseitigen.
.card.slide.border-primary.mb-3
.card-body
h5.card-title
q Nachdem Johannes ausgeliefert worden war
h6.card-subtitle.text-muted Johannes und das Kreuz Jesu: beides ein „Ärgernis“
hr
ul.card-text
li Im ersten Teil der Mitte der konzentrischen Gliederung wird die Auslieferung Johannes des Täufers erinnert.
li
| Vergegenwärtigt ist, dass Johannes zu einem „Ärgernis“ für König Herodes geworden war, der ihn deshalb einsperren
| und später umbringen hat lassen.
li
| Die Auslieferung des zum „Ärgernis“ gewordenen Johannes des Täufers verbindet sich somit
| unmittelbar mit dem „Ärgernis“ des Todes Jesu <i>am Kreuz</i>.
li
| In der Mitte der konzentrischen Gliederung sind der zum „Ärgernis“ gewordene Vorläufer Johannes und der Ruf in die Nachfolge Jesu
| zusammengebunden:
br
| auf dem Weg ihrer Nachfolge müssen sich die Jünger dem „Ärgernis des Kreuzes“ stellen mit den entsprechenden
| Konsequenzen für ihr eignes Leben (→ Entäußerung und Erniedrigung) und ihrer Verkündigungstätigkeit
| als Menschenfischer, in der es besonders um das „Ärgernis des Kreuzes“ gehen muss;
br
| insofern müssen sie ggf. selber zum „Ärgernis“ werden,
| wie es bereits Johannes war und wie es Paulus im frühen Christentum wurde.
br
| Nur so sind sie Künder des <i>einen</i> gültigen Evangeliums Gottes, der durch das „Ärgernis des Kreuzes“
| <i>allen</i> Völkern durch den Glauben an Jesus den Weg zum Heil eröffnet hat; <i>allen</i> Völkern ist die Königsherrschaft Gottes nahegekommen
| und ruft sie zu Glaube und Umkehr.
.card.slide.border-primary.mb-3
.card-body
h5.card-title
q Kehrt um!
h6.card-subtitle.text-muted Wie man es dreht und wendet: das Kreuz bleibt!
hr
ul.card-text
li
| Mit den Vertauschungen in der Erzählung verbindet sich der Ruf zur Umkehr in der Mitte der konzentrischen Gliederung:
ul.card-text
li
| Wie Jesus am Ende der Erzählung sollen die Jünger durch (weltweite) Verkündigung und Dämonenaustreibung Menschenfischer
| sein und nicht „Jesusfischer“.
li
| Wie Jesus sollen die Jünger verlassen und zurücklassen (im Sinne von Entäußerung und Erniedrigung) statt
| zurück haben zu wollen.
li
| Nimmt man auch bei der Abfolge Auferstehung → Kreuz die Vertauschung zur Reihenfolge Kreuz → Auferstehung vor,
| ist zwar die richtige Reihenfolge wiederhergestellt, aber das Kreuz bleibt; es lässt sich nicht eliminieren.
br
| Es ist und muss sein zentrales Element der christlichen Verkündigung, wie es auch hier die Mitte der Erzählung bildet:
br
q.bibeltext Ist euch Jesus Christus nicht deutlich als der Gekreuzigte vor Augen gestellt worden?
span.bibelstelle Gal 3,1b
br
| Dies muss dann aber Konsequenzen haben, auch für die Stellung zum jüdischen Gesetz.
li
| Abzuwehren ist eine Haltung, wie sie Paulus in
span.bibelstelle Phil 3,18-19
| beschreibt:
br
q.bibeltext
| Denn viele von denen ich oft zu euch gesprochen habe, doch jetzt unter Tränen spreche
| leben als <i>Feinde des Kreuzes Christi</i>.
br
| Ihr Ende ist das Verderben, ihr Gott ist der Bauch, ihre Ehre besteht in ihrer Schande; Irdisches haben sie im Sinn.
br
| Die Aussage „Irdisches haben sie im Sinn“ lässt sich gut mit dem angedeuteten Zurückhabenwollen der Söhne des Zebedäus verbinden,
| die sich nun neu unter den Ruf zur Umkehr stellen und entsprechend handeln müssen, wie sie es schon getan haben;
| auch von ihnen konnte man einst gut sprechen, muss es nun aber gleichsam „unter Tränen“ tun.
li
| Hierzu passt, dass Paulus jene, die die (Wieder-)Aufrichtung des jüdischen Gesetzes (unter den Heiden) fordern, in
span.bibelstelle Gal 6,12
| bezeichnet als
q.bibeltext Leute, die im Fleisch nach Anerkennung streben
| .
br
| Im Kontext schreibt auch Paulus von drohender Verfolgung einerseits und sein Mitgekreuzigtsein mit Christus andererseits, was
span.bibelstelle Gal 6,11-14
| insgesamt als Stelle, auf die Markus uns stoßen will und die die ganze Dringlichkeit, die Paulus seinen Ausführungen gibt, unterstreicht:
br
q.bibeltext
| 11 Seht, mit welch großen Buchstaben ich euch schreibe, mit eigener Hand.
br
| 12 Jene Leute, die im Fleisch nach Anerkennung streben, nötigen euch nur deshalb zur Beschneidung,
| damit sie wegen des Kreuzes Christi nicht verfolgt werden.
br
| 13 Denn obwohl sie beschnitten sind, halten sie selbst das Gesetz nicht; dennoch dringen sie auf eure Beschneidung,
| damit sie sich eures Fleiches rühmen können.
br
| 14 Ich aber will mich allein des Kreuzes Jesu Christi, unseres Herrn, rühmen,
| durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt.
li
| Stimmig dazu ist das Beenden des Herrichten des Netzes (= Wiederherstellung des jüdischen Gesetzes) mit
| dem Verlassen der Stellung als Söhne im väterlichen Betrieb in der Erzählung von der Berufung der ersten Jünger unlöslich verbunden
| und letztlich eine einzige Handlung, die notwendig ist, um in die Nachfolge Jesu einzutreten.
li
| Insgesamt geht es Paulus und Markus darum, das Kreuz Christi ernst zu nehmen mit allen Konsequenzen.
li
| In diesem Dienst steht der erzählerische Kniff, am Anfang die Auferstehung Jesu präsent zu machen,
| den Leser dann aber auf seinen Tod am Kreuz umzulenken.
br
| Dies ist vom „<i>Darum</i> (hat Gott ihn (= Jesus) über alle erhöht)“ als Schwarnier des Philipperhymnus, der in der Erzählung
| im Hintergrund steht, zwischen Erniedrigung und Erhöhung her zu verstehen:
br
| Jesus darf nicht einseitig als Auferstandener verkündet werden, sein Kreuz muss eine zentrale Rolle spielen.
| weil dies folgen haben muss für die Verkündigung und für die christliche Ethik.
br
| Es darf daher nicht in den Hintergrund treten, darf nicht vergessen, verleugnet oder kleingeredet werden.
br
| Denn es besteht sonst die Gefahr, dass Jesu himmlische Herrlichkeit eine unheilige „Hochzeit“ eingeht
| mit irdischem Macht- und Reichtumsstreben, wie dies (schon länger) Markus thematisiert.
| Vgl. dazu auch die „Versuchung“ des Dämon in der Erzählung von der Dämonenaustreibung: „Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes“,
| was Jesus mit dem Schweigegebot beantwortet, weil der Dämon den Weg Jesu ins Verderben ans Kreuz verschwiegen hat.
p.card-text.small.mb-0
| Wie die Kirchengeschichte zeigt, hat die Kirche gerade hier versagt!
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h5.card-title
q Lasst uns <i>anderswohin</i> gehen
h6.card-subtitle.text-muted Der Wirkradius „Jesu“ weitet sich vor allem nach Ostern
hr
ul.card-text
li
| Auf das Suchen des Petrus antwortet Jesus mit dem Aufruf zu einem neuen Aufbruch, der das Territorium seines Wirkens vergrößert.
br
| Jesus lässt sich nicht zurückholen, er bricht vielmehr neu <i>anderswohin</i> auf.
li
| Nach dem Blick auf die Auferstehung bzw. die Präexistenz Jesu am Anfang und den Tod Jesu am Kreuz in der Mitte der Erzählung
| vergegenwärtigt der am Ende erzählte Neuaufbruch die Auferstehung und die nachösterliche Verkündigung.
li Das „anderswohin“ bezieht sich in der Erzählung selber auf die „benachbarten Dörfer“ sowie „ganz Galiläa“.
li
| Von Ostern her ist aber auf eine noch deutlich größere Ausweitung der Tätigkeit „Jesu“ angespielt:
br
| nach Ostern beschränkten sich die Verkünder des Evangeliums nicht mehr nur auf das Volks Israel,
| sondern es fand seinen Weg zu den Völkern einer „erweiterten“ Nachbarschaft im Sinne der „ganzen Welt“ (→ „Heidenmission“).
li
| Das „anderswohin“ unterstreicht dabei die Verlagerung des Christentums vom ursprünglichen Judenchristentum zu einem stark
| von Christen aus den Völkern geprägten Christentum (→ „Heidenchristentum“).
li
| Man beachte in diesem Zusammenhang auch das distanzierende „in <i>ihren</i> Synagogen“.
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h5.card-title
q.bibeltext Das Netz ist zerrissen und wir sind frei
span.bibelstelle Ps 127,7
h6.card-subtitle.text-muted
q.bibeltext
| Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Steht daher fest und lasst euch nicht wieder ein Joch der Knechtschaft auflegen!
span.bibelstelle Gal 5,1
hr
ul.card-text
li
| Beim Ruf in die Nachfolge sind die Söhne des Zebedäus gerade dabei, das Fischernetz herzurichten;
br
| das entsprechende griechische Wort ist etwas dehnbar, man kann auch an ein zerrissenes Netz denken, das gerade geflick wird.
li
| Indem Jesus sie in die Nachfolge ruft und sie folgen, lassen sie das Netz zerrissen zurück.
li
| Mit dem oben zitierten Psalmvers als Brücke und unter Beachtung der bereits angeführten Aussagen zum jüdischen Gesetz und seiner
| Stellung im Evangelium Jesu nach Paulus kann der Aufruf von Gal 5,1 gegenwärtig werden, den die Söhne des Zebedäus ins Bild übertragen
| umsetzen.
li
| Die Freiheit meint hier die Freiheit vom jüdischen Gesetz dem „Joch der Knechtschaft“ ,
| dies bedeutet auch die Freiheit zur gesetzesfreien Völkermission, wie sie vor allem Paulus betreibt.
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h5.card-title
q.bibeltext ... damit den Völkern ... der Segen Abrahams zuteilwird
span.bibelstelle Gal 3,14
h6.card-subtitle.text-muted
| Der Freikauf vom jüdischen Gesetz und der Segen für die Völker
hr
ul.card-text
li
| Mk 1,14-15 in der Mitte der konzentrischen Gliederung
| macht in Verbindung mit dem zerrissenen „Netz“
span.bibelstelle Gal 4,4-5
| gegenwärtig:
br
q.bibeltext
| Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn,
br
| geboren von einer Frau und
i dem Gesetz unterstellt,
br
| damit er die freikaufe, die unter dem Gesetz stehen,
br
| und damit wir die Sohnschaft erlangen.
li
| In den Flanken der Mitte der konzentrischen Gliederung wird einerseits erzählt,
| wie Jesus „dem Gesetz des Geistes unterstellt“ diesen Freikauf vollzieht (→ Wüstensendung Mk 1,12-13),
| andererseits wie Jesus einen Menschen von der Herrschaft „des Gesetzes der Sünde und des Todes“ befreit (→ Dämonenaustreibung Mk 1,21-28),
| wobei eine Insuffizienz des jüdischen Gesetzes mitschwingt (gemäß Gal 3,21; Röm 8,2).
br
| Am unteren Ende der konzentrischen Gliederung ist mit dem angespielten Tod Jesu am Kreuz auch der Freikauf gegenwärtig.
li
| Aus dem Galaterbrief sind zu Gal 4,4-5 die Ausführungen in
span.bibelstelle Gal 3,6-10.13-14
| zu ergänzen:
br
q.bibeltext
| 6 So auch bei Abraham: Er glaubte Gott und das wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet.
br
| 7 Erkennt also: Die aus dem Glauben leben, sind Söhne Abrahams.
br
| 8 Und da die Schrift vorhersah, dass Gott die Völker aufgrund des Glaubens gerecht macht,
| hat sie dem Abraham im Voraus verkündet:
br
| In dir sollen alls Völker gesegnet werden.
br
| 9 Also werden sie, die glauben, gesegnet mit dem glaubenden Abraham.
br
| 10 Diejenigen aber, die aus den Werken des Gesetzes leben, stehen unter einem Fluch.
br
| Denn geschrieben steht: Verflucht ist jeder, der sich nicht an alles hält, was das Buch des Gesetzes zu tun vorschreibt. [Dtn 27,26]
br
| 13 Christus hat uns vom Fluch des Gesetzes freigekauft, indem er für uns zum Fluch geworden ist;
br
| denn es steht geschrieben: Verflucht ist, wer am Holz hängt. [Dtn 21,23]
br
| 14 Jesus Christus hat uns freigekauft, damit den Völkern durch ihn der Segen Abrahams zuteilwird
br
| und wir so durch den Glauben den verheißenen Geist empfangen.
li
| Das Zuteilwerden des „Segen für die Völker“ (→ Gen 12,3) meint das macht der Kontext im Galaterbrief deutlich die (allein) den
| Glauben an Jesus als heilsnotwendig voraussetzende Völkermission,
| die sich hier als Ergebnis des Freikaufs vom (Fluch des) Gesetz(es) festgehalten wird.
br
| Auch die Heiden werden durch den Glauben zu „Söhnen Gottes“, wie es die Söhne des Zebedäus bei ihrem Eintritt in die Nachfolge Jesu
| geworden sind, was sie jetzt durch ihre Wiederzuwendung zum jüdischen Gesetz infrage stellen.
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h5.card-title
q Glaubt an das Evangelium!
h6.card-subtitle.text-muted
| Dazu bin ich gekommen:
q.bibeltext um unter allen Völkern den Gehorsam des Glaubens aufzurichten
span.bibelstelle Röm 1,5
hr
ul.card-text
li
| Im ersten Teil der Mitte der konzentrischen Gliederung ruft Jesus zu Umkehr und Glaube an das Evangelium auf,
| im zweiten Teil der Mitte folgen die vier Erstberufenen gehorsam.
li
| Das erinnert stark an die Wendung „Gehorsam des Glaubens“, die sich in
span.bibelstelle Röm 1,5-6
| findet (vgl. auch die Heilung der Schwiegermutter des Petrus) und sich mit der Berufung durch Jesus Christus verbindet:
br
q.bibeltext
| Durch ihn [= Jesus Christus] haben wir Gnade und Apostelamt empfangen,
br
i um unter allen Völkern den Gehorsam des Glaubens aufzurichten um seines Namens willen;
br
| unter ihnen lebt auch ihr, die ihr von Jesus Christus berufen seid.
br
| Hier spricht Paulus von seiner eigenen Sendung als Völkermissionar.
br
| Das Aufrichten des Gehorsams des Glaubens ist dabei als Gegenbegriff zur Aufrichtung des Gehorsams gegenüber dem jüdischen Gesetz zu verstehen.
li
| Damit lässt sich das „dazu bin ich gekommen“, das Markus Jesus in Verbindung mit dem angezielten erweiterten Wirkkreis
| effektiv der Völkermission
| in den Mund legt, verbinden.
li
| Vom „Ärgernis des Kreuzes“ aus, das das jüdische Gesetz sprengt („Das Netz ist zerrissen“), geschieht der Neuaufbruch;
| es ist ein Neuaufbruch in die von der Verpflichtung auf das jüdische Gesetz freie Völkermission („... und wir sind frei“).
li
| Der markinische Jesus wird so durchsichtig auf Paulus und seine Sendung:
br
| was Paulus tut den Gehorsam des Glaubens unter den Völker aufzurichten und nicht den Gehorsam gegenüber dem jüdischen Gesetzt ,
| wird schon Jesus verdeckt als dessen eigene Sendung „untergeschoben“;
br
| in diesem Sinn wird „Jesus“ im Markus-Evangelium immer wieder ins Heidenland aufbrechen (→ Überfahrten).
li
| Erinnert sie hier auch daran, dass Simon und Andreas griechische Namen sind, Jakobus und Johannes dagegen semitische;
br
| schon die erstberufenen Jünger versinnbildlichen also die Völkermission.
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h5.card-title
q Kehrt um und glaubt an das Evangelium
h6.card-subtitle.text-muted
| Vom Gesetz ist da keine Rede ...
hr
ul.card-text
li
| In der aufgezeigten Frontstellung zwischen Jesus bzw. dem Glauben an das Evangelium einerseits
| und dem jüdischen Gesetz andererseits kann auffallen, dass in der Mitte der konzentrischen Gliederung
| der Ruf zur Umkehr und der Ruf zum Glauben an das Evangelium parallel sind,
br
| die Umkehr also vom Glauben an das (inhaltlich mit Entäußerung, Erniedrigung, Gehorsam bis zum Tod am Kreuz,
| Auferstehung und Erhöhung gefüllte) Evangelium her bestimmt wird und nicht vom jüdischen Gesetz her.
br
| Jedenfalls ist der Ruf Jesu zur Umkehr kein Ruf zu einer verbesserten („vollkommenen“) Befolgung des jüdischen Gesetzes (ganz anders etwa der Evangelist Matthäus!).
li
| Im ganzen Evangelium wird immer wieder der Glaube der Menschen hervorgehoben werden und sie werden durch
| ihn des mit Jesus geschenkten Heils teilhaftig.
li
| Das jüdische Gesetz dagegen wird im Hinblick auf das Eröffnen des Heils als unzulänglich gebrandmarkt.
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| Siehe dazu auch bereits die in die Schriftgelehrten verschlüsselte Inzuffizienz des jüdischen Gesetzes in Mk 1,21-28.
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h5.card-title
q ... damit <i>alle</i> ... auf der Erde ... ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu
h6.card-subtitle.text-muted
| Die universalistische Perspektive des Philipperhymnus und der Neuaufbruch zur Völkermission
hr
ul.card-text
li
| Wie oben bemerkt, entspricht die Erzählfolge in der vorliegenden Erzählung dem Weg Jesu nach dem Philipperhymnus.
li
| Im Zuge der dort besungenen Erhöhung des bis zum Tod am Kreuz sich erniedrigt habenden
| ist davon die Rede, dass „alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu“.
br
| Damit ist eine universalistische Perspektive ausgedrückt.
li
| Diese universalistische Perspektive im Hinblick auf „alle ... auf der Erde“ findet sich auch am Ende der vorliegenden Erzählung,
| wenn vom Wirken Jesu in „<i>ganz</i> Galiläa“ gesprochen wird, was letztlich die Völkermission auf der ganzen Erde meint.
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h5.card-title
q Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg bahnen wird
h6.card-subtitle.text-muted
| Jesu Neuaufbruch als Ruf zur Völkermission
hr
ul.card-text
li
| Wie oben gezeigt, muss hier im Hinblick auf Petrus und seine Begleiter von „verfolgen“ die Rede sein
| und kann nicht mit „nacheilen“ übersetzt werden; ein „Nachfolgen“ des Petrus und seiner Begleitung im positiven Sinne ist also gerade nicht im Blick.
li
| Umso mehr liegt der Akzent auf Jesus als dem vorausgehenden göttlichen Boten, der sich nicht zurückholen lässt, sondern neu aufbricht
| und dazu die Jünger zu Umkehr, Glaube und Nachfolge aufruft.
li
| Das schließt Entäußerung und Erniedrigung ein, wie es von Jesus am unteren Ende der konzentrischen Gliederung erzählt wird
| und wie es auch von den Söhne des Zebedäus bereits einmal erzählt werden konnte.
li
| Das schließt Verkündigung und Dämonenaustreibung im Sinne des „Menschenfischerseins“ ein.
li
| Das schließt hier aber besonders die Weitung der Verkündigung in die Völkermission ein, die im „anderswohin“ und in diversen anderen
| Anspielungen angedeutet ist:
br
| das Kreuz Jesu die Mitte des Glaubens und der Verkündigung hat den Weg dorthin geöffnet.
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h5.card-title
q Bereitet den Weg des Herrn
h6.card-subtitle.text-muted Jesu neuer Aufbruch im Dienst des Kommens Gottes zu den Menschen
hr
ul.card-text
li
| Das „Bereitet den Weg des Herrn“ am oberen Ende der konzentrischen Gliederung
| spiegelt sich in der Verkündigungs- und Heilungstätigkeit Jesu:
br
| Indem Jesus verkündigend und Dämonen austreibend durch die Lande zieht,
| kommt Gott zu den Menschen und befreit sie von der Herrschaft Satans;
br
| so steht Jesus im Dienst des Kommens Gottes zu den Menschen.
li
| Dabei ist das „dazu bin ich gekommen“, das die Sendung Jesu aufgreift,
| in Verbindung mit dem „lasst uns <i>anderswohin</i> gehen“ als Weitung des Wirkkreises Jesu zu beachten:
br
| Der Auftrag „Bereitet den Weg des Herrn“ also der Auftrag, sich in den Dienst des Kommens Gottes zu den Menschen zu stellen
| ist vom einengenden jüdischen Gesetz befreit
| und richtet sich nun auf die Völkermission.
li
| Indem die Jünger Jesus verfolgen und ihn zurückholen wollen, stellen sie sich der territorialen Weitung
| der Tätigkeit Jesu entgegen.
li
| Sie bereiten den Weg des Herrn nicht, sie wollen den Weg Jesu, des Herrn, eingrenzen,
| und zwar territorial wie auch von der Bedeutung des Kreuzes her, dessen „Ärgernis“ sie beseitigen wollen,
| indem Jesus mit dem jüdischen Gesetz harmonisiert wird.
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h5.card-title
q Und <i>er</i> zog durch ganz Galiläa
hr
ul.card-text
li
| Angesichts der in der Erzählung angedeuteten Kontroverse rund um das „Ärgernis des Kreuzes“ und seine Bedeutung für die Völkermission
| muss auffallen, dass es heißt „Und <i>er</i> zog durch ganz Galiläa“. Das Mitziehen der Jünger wird nicht erzählt!
li
| Umsomehr muss bewusst werden, wie die Präsenz der Erstberufenen bisher erzählt war und weitergehend erzählt wird:
ul.card-text
li
| Nach der Berufung in Mk 1,16-20 hießt es in Mk 1,21 „<i>Sie</i> kamen nach Kafarnaum.“; das schließt die Jünger ein.
br
| Auch wenn dann erzählt wird, dass (vielleicht nur) <i>er</i> in die Synagoge geht, heißt es doch in Mk 1,29
| „<i>Sie</i> verließen sogleich die Synagoge“ offenbar waren die Jünger also doch in der Synagoge dabei und gehen nun mit Jesus
| in das Haus des Simon und Andreas.
li
| In der Szene Mk 1,32-34 sind die Jünger zwar nicht erwähnt, aber doch lokal anwesend, weil alles vor dem Haus des Simon und Andreas spielt.
li
| In Mk 1,35-39 dann die Kontroverse.
li
| In Mk 1,40-45 ist Jesus jedenfalls allein unterwegs (ehe dann am Ende von Leute von überallher zu ihm kommen).
li
| In Mk 2,1 kehrt Jesus offenbar alleine wieder nach Kafarnaum zurück: „Als <i>er</i> nach einigen Tagen wieder nach Kafarnaum hineinging ...“;
| sicher ist ein dortiges Zusammentreffen mit Petrus und seinen Begleitern vorauszusetzen das Haus ist wohl auch als das Haus des Simon und Andreas vorzustellen ,
| aber direkt erzählt wird das nicht.
li
| In Mk 2,13-17 wird nichts von Petrus und seinen Begleitern erzählt; und wer im weiteren Verlauf „die Jünger“ sind ist nicht eindeutig es können
| auch die Vielen sein, die Jesus seit Mk 2,13-17 nachfolgen.
li
| Erst in Mk 3,13-19 ist dann explizit auch wieder von Petrus und seinen Begleitern die Rede, insofern sie in der Apostelliste auftauchen.
li
| Vielleicht darf man als Folge, dass sich Jesus nicht zurückholen hat lassen, also eine gewisse Scheidung zwischen Jesus einerseits
| und Petrus und dessen Begleitern andererseits angedeutet sehen; sie würde der kirchengeschichtlichen Spannung zwischen den „judaisierenden Christen“
| und Paulus entsprechen, wobei Petrus nach Gal 2,11-21 eine gewisse schwankende Zwischenposition einnimmt.
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h5.card-title
q Als Kephas aber nach Antiochia gekommen war ...
h6.card-subtitle.text-muted Der Dialog zwischen Petrus und Jesus als Anspielung auf den „antiochenischen Zwischenfall“ und die Auseinandersetzung zwischen Paulus und Petrus
hr
ul.card-text
li
| Ist deutlich geworden, dass sich hier eigentlich nicht Petrus und Jesus, sondern Petrus und Paulus gegenüberstehen und
| es um die Frage nach der gesetzesfreien Heidesmission geht,
br
| und fällt auf, dass „am Horizont“ hier: in der Mitte der konzentrischen Gliederung
| der Name Jakobus auftaucht,
br
| dann werden in der Erzählung des Markus die Ausführungen des Paulus in
span.bibelstelle Gal 2,11-14
| zum „antiochenischen Zwischenfall“ präsent, die von einem Konflikt zwischen Paulus und Petrus mit Jakobus am Horizont erzählen:
br
q.bibeltext
| 11 Als Kephan [= Petrus = Simon] aber nach Antiochia gekommen war, habe ich ihm ins Angesicht widerstanden,
br
| weil er sich ins Unrecht gesetzt hatte.
br
| 12 Bevor nämlich einige von Jakobus eintrafen, hatte er mit den Heiden zusammen gegessen.
br
| Nach ihrer Ankunft aber zog er sich zurück und sonderte sich ab,
br
| weil er die aus der Beschneidung [= Judenchristen] fürchtete.
br
| 13 Und mit ihm heuchelten die anderen Juden, sodass auch Barnabas durch ihre Heuchelei mitgerissen wurde.
br
| 14 Als ich aber sah, dass sie nicht geradlinig auf die Wahrheit des Evangeliums zugingen, sagte ich zu Kephas in Gegenwart aller:
br
q
| Wenn du als Jude nach Art der Heiden und nicht nach Art der Juden lebst,
br
| wie kannst due dann die Heiden zwingen, wie Juden zu leben?
li.small
| Man beachte auch hier, dass Markus Petrus sowohl bei der Berufung, als auch in der aktuellen Erzählung „Simon“ nennt das ist ein griechischer Name
| (der semitische wäre Sim<i>e</i>on); das verbindet sich sehr gut mit der der Aussage „Wenn du als Jude nach Art der Heiden und nicht nach Art der Juden lebst ...“.
li
| Wie in der Erzählung des Markus wird auch hier von einem Rückzug berichtet, allerdings nicht von Jesus (bzw. indirekt Paulus),
| sondern von Petrus.
br
| Paulus versucht ihn in Gal 2,14 „zurückzuholen“ zu seinem bisherigen Verhalten, wie Petrus bei Markus versucht, Jesus „zurückzuholen“.
br
| Im Blick auf den Ausführungen des Paulus sind bei Markus also die Positionen vertauscht,
| was sehr gut zur „Vertauschung“ passt, die in der Erzählung bei Markus auch im Verhältnis zur Mitte der konzentrischen Gliederung begegnet.
li
| Eine weitere Vertauschung zwischen dem „antiochenischen Zwischenfall“ und der Erzählung bei Markus ist zu notieren:
br
| Wie bei Markus Jesus wieder eingefangen werden soll, so wurde Petrus von den Leuten des Jakobus gleichsam „wieder eingefangen“:
br
| er ist angsichts der Judenchristen, die von Jakobus nach Antiochia gekommen waren offenbar, weil sie gehört hatten,
| dass man dort gesetzesfreie Heidenmission betreibt und auch Judenchristen (wie Petrus und Paulus) entsprechend gesetzesfrei leben
| wieder zur „jüdischen Lebensweise“ also zur Praxis der Absonderung der Juden von den Heiden und der Befolgung der Speise- und
| Reinheitsvorschriften des jüdischen Gesetzes zurückgekehrt.
li
| Parallel ist jedoch, dass einmal Paulus, einmal Jesus gegenüber Petrus klar auftritt und den eigenen Standpunkt bzw. die eigene Sendung deutlich macht
| und sich nicht davon abbringen lässt:
br
| Wie bei Markus Jesus dem Petrus entgegentritt, sich nicht wieder einfangen lässt und zur „Heidenmission“ aufbricht,
br
| so tritt beim „antiochenischen Zwischenfall“ Paulus dem Petrus entgegen und verteidigt die gesetzesfreie Heidenmission (im ganzen Galaterbrief).
li
| Da wie dort ist eine Verfolgung mit Rückholabsicht durch Andersdenkende gegeben: bei Markus wird Jesus von Petrus verfolgt,
| beim „antiochenischen Zwischenfall“ sind es Petrus und mit ihm die Judenchristen samt Paulus, die von den Leuten des Jakobus „verfolgt“ werden;
br
| während Petrus und die anderen sogar der Paulusbegleiter Barnabas sich „einfangen“ lassen,
| widersteht Paulus (wie Jesus).
li
| Markus wie Paulus sind deutliche Vertreter der gesetzesfreien Heidenmission, wie aus den Paulusbriefen und noch weiteren Stellen im Markus-Evangelium
| klar hervorgeht.
.card.slide.border-primary.mb-3
.card-body
h5.card-title
| Gebet und Sendung
hr
ul.card-text
li
| Auch wenn der einsame Ort, an den Jesus zum Gebet geht, mit dem Tod am Kreuz zu verbinden ist,
| an dem Jesus Ps 22,2 zitiert, ist es doch ein nicht unwichtiger Erzählzug,
| dass die Jünger Jesus beim Gebet finden und er dann von seiner Sendung spricht.
br
| Es ist erzählerisch nahegelegt, dass sich Jesus im Gebet seiner Sendung (neu) bewusst wurde.
li
| Das kann eine Aufforderung sein, sich im Gebet immer neu der eigenen Sendung bewusst zu werden
| und auch die eigene Not in der Nachfolge („Wüstenerfahrungen“) vor Gott zu bringen.
li
| Das kann eine Zusage sein, dass Jesus im Gebet gefunden werden kann gerade nach Ostern,
| wenn Jesus nicht mehr leibhaftig auf Erden weilt.
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.card-body
h5.card-title
| Umkehr Nachfolge
hr
ul.card-text
li
| In der Mitte der konzentrischen Gliederung sind der Ruf Jesu zur Umkehr und der Ruf in die Nachfolge zusammengebunden.
li
| Beides gehört zusammen; Nachfolge bedingt Sinneswandel!
li
| Es ist im Evangelium das letzte Vorkommen von „Umkehr“, das im Evangelium quasi durch das Begriffsfeld „Nachfolge“ abgelöst wird.
li
| Durch die fortschreitende Konzentrik verbindet sich „Umkehr“ aber noch mit vielen weiteren Erzählungen und zwar sowohl
| als Umkehrruf des Täufers als auch als Umkehrruf Jesu.
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.card-body
h5.card-title
| Mitte und unteres Ende der konzentrischen Gliederung als gegenüberliegende Erzählungen in der Gliederung „Galiläa I/A“
hr
ul.card-text
li
| In der Gliederung „Galiläa I/A“ stehen sich Jüngerberufung und Suche der Jünger nach Jesus einander gegenüber:
ul.card-text
li
| Das „Ärgernis des Kreuzes“ muss die Nachfolge prägen (s. o.); jeder Einhegung Jesu,
| jeder Verharmlosung des Kreuzes muss gewehrt werden.
li
| Wie Jesus mit dem „dazu bin ich gekommen“ eine bestimmte Ausrichtung seiner Sendung betont,
| müssen auch die Jünger ihre Sendung, ihre Nachfolge im Blick haben:
br
| dem „dazu bin ich gekommen“ muss ein „dazu sind wir berufen“ entsprechen.
li
| Jesus nach führt ihre Sendung die Jünger in die Völkermission.
li
| Wie Jesus nach dem Gebet am einsamen Ort von seiner Sendung spricht,
| so sind die Jünger gerufen, sich im Gebet ihrer eigenen Sendung stets neu bewusst zu werden
| und „Wüstenerfahrungen“ vor Gott zu bringen.
br
| Es ist eine Zusage, dass sich Jesus, der Auferstandene, im Gebet finden lässt.
li In der Gliederung „Galiläa I/A“ stehen sich der Eröffnungsruf des Wirkens Jesu und sein Neuaufbruch einander gegenüber:
ul.card-text
li Formal wird hier wie dort von der Verkündigungstätigkeit Jesu erzählt.
li
| In Mk 1,14-15 kommt Jesus nach der Taufe am Jordan und der Wüstensendung/Versuchung wieder nach Galiläa, zunächst an den See bzw. nach Kafarnaum;
br
| in Mk 1,39 zieht er schließlich durch „ganz Galiläa“ eine Weitung seines Wirkkreises, letztlich in die Völkermission.
li
| Als Ort der Verkündigung werden in Mk 1,39 speziell die Synagogen genannt;
br
| dort kam es schon zu einer Dämonenaustreibung, dort wird Jesus auch künftig Widerstand erfahren:
br
| dort scheint Umkehr besonders nötig zu sein.
li
| Die Dämonenaustreibungen, die in Mk 1,39 erwähnt werden, geschehen im Kontext der Umkehr und des Glaubens an das Evangelium (Mk 1,14-15);
br
| sie können wie in Mk 1,21-28 als Auswirkung der Lehre Jesu also seiner Verkündigung gelesen und als Bestätigung für den Anbruch des Gottesreiches verstanden werden:
br
| Menschen hören auf, Diener Satans zu sein, und werden Diener Gottes.
.card.slide.border-primary.mb-3
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h5.card-title
| Das Wirken Johannes des Täufers und die Massenheilungen und dämonenaustreibungen als gegenüberliegende Erzählungen
h6.card-subtitle.text-muted
| Jesus, der Stärkere, in Aktion
hr
ul.card-text
li
| Von Johannes dem Täufer heißt es, dass unter anderem „alle Einwohner Jerusalems“ zu ihm zogen;
br
| in Mk 1,32-34 ist „die ganze Stadt“ (Kafarnaum) vor der Haustür versammelt.
li
| Johannes der Täufer verkündet das Kommen des Stärkeren mit der Geisttaufe;
br
| in Mk 1,32-34 sieht man ihn in Aktion: Kranke werden gesund, die Dämonen müssen weichen: Jesus erweist sich als „der Stärkere“;
br
| die Dämonen wissen darum, dass Jesus dieser Stärkere ist.
li
| Die Menschen, die die Kranken zu Jesus bringen, haben den von Johannes geforderten Sinneswandel vollzogen:
br
| sie machen sich zu Dienern der Kranken.
li
| Auch erscheinen von der Umkehrpredigt Johannes des Täufers her die „Heilungen“ in einem ethischen Licht:
br
| „krank“ ist im übertragenen Sinne zu verstehen, mit der „Heilung“ verbindet sich die Sündenvergebung.
li
| Die Taufe erscheint als „Ort“ dieser Gesundung.
li
| Die angekündigte Geisttaufe und die Austreibung der unreinen Geister sind im Sinne einer Vertauschung
| aufeinander zu beziehen: die unreinen Geister ziehen aus, der Geist Gottes/Jesu zieht ein.
p.small.card-text
| Bezüglich des einwohnenden Geistes gibt es im ganzen neuen Testament, schon in der zeitgenössischen jüdischen Literatur,
| keine „geistfreien“ Menschen: es wohnt entweder ein schlechter/unreiner/widergöttlicher Geist ein,
| oder der gute/reine/göttliche Geist.
br
| Hier gibt es einen (mehr oder weniger) scharfen Dualismus,
| der besonders in Qumran mit der Zweigeisterlehre besonders ausgefaltet ist.
.card.slide.border-primary.mb-3
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h5.card-title
| Die Taufe Jesu und die Heilung der Schwiegermutter des Petrus als gegenüberliegende Erzählungen
h6.card-subtitle.text-muted
| Das Evangelium von Jesu Tod und Auferstehung richtet Menschen auf zum Dienst (→ Röm 6)
hr
ul.card-text
li
| Die Parallele zwischen der Auferstehung Jesu „als er aus dem Wasser stieg“ und der Aufrichtung der Schwiegermutter des Petrus wird deutlich:
br
| wie Jesus in der Auferweckung durch Gott „aufgerichtet“ wurde, so „richtet“ nun Jesus,
| der ein für alle Mal für die Sünde gestorben ist und als Auferstandener sein Leben für Gott lebt, die Schwiegermutter des Petrus „auf“;
br
| beide entsteigen dem Tod: Jesus im realen, die Schwiegermutter des Petrus im übertragenen Sinn.
li
| Die Taufe erscheint als Ort der rettenden <i>Schicksalsgemeinschaft</i> mit Jesus.
li
| Die Taufe verpflichtet, „tot zu sein für die Sünde“ und „für Gott zu leben in Christus Jesus“ im Sinne eines <i>Handlungsgemeinschaft</i> mit Jesus;
br
| dies setzen sowohl die Jünger, indem sie Jesus bezüglich der kranken Frau (Schwiegermutter hat Versuchungscharakter!) ansprechen, als auch
| die Schwiegermutter des Petrus nach ihrer Heilung, indem sie Jesus und seinen Begleitern dient, um.
li
| Insgesamt wird durch das vorliegende Gegenüber
span.bibelstelle Röm 6,4
| vergegenwärtigt:
br
q.bibeltext
| Wir wurden ja mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod, damit
br
i auch wir, so wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, in der Neuheit des Lebens wandeln.
li
| Das aufrichtende Handeln Jesu, bei dem Jesus gehorsam (hier gegenüber seinen Begleitern) seiner Sendung folgt,
| steht unter dem Wohlgefallen Gottes.
li
| Auch in diesem Gegenüber finden sich Vertauschungen:
ul.card-text
li Bei der Taufe wird Jesus aufgerichtet, bei der Heilung der Schwiegermutter ist er selber aufrichtend aktiv.
li Bei der Taufe wird Jesus (von Gott) in eine hoheitliche Position eingesetzt, bei der Heilung der Schwiegermutter ist er (seinen Begleitern) „gehorsam“.
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h5.card-title
| Die Versuchung Jesu und die neue, Dämonen austreibende Lehre in der Synagoge als gegenüberliegende Erzählungen
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| Jesus ist gekommen, um Satan ins Verderben zu stürzen
hr
ul.card-text
li
| Beide Erzählungen begegneten bereits als Mitte und unteres Ende einer konzentrischen Gliederung;
| das dazu Gesagte ist hier zu vergegenwärtigen.
li
| Während die Versuchung inhaltlich und vom Ergebnis her offen bleibt,
| macht die Episode in der Synagoge klar, dass Jesus nicht nur gekommen ist, um die Dämonen mitsammt ihrem Anführer Satan ins Verderben zu stürzen,
| sondern dies auch tatsächlich tut;
br
| dazu geht Jesus ihnen ins Verderben „voraus“.
li
| „Wüste“ im Sinne der Gottferne und „Verderben“ verbinden sich inhaltlich; und beides sind formal „Orte“, an die Jesus geht:
| gemeint ist in beiden Fällen der Tod Jesu am Kreuz.
br
| Durch diesen Gang Jesu ins Verderben entsteht die „Insel des Lebens“ mitten in der „Wüste der Gottferne“,
| ist die Gottferne auf der Erde aufgebrochen.
li
| Das Gegenüber ist gerade mit Mk 1,14-15.16-20 als Mitte der konzentrischen Gliederung von Gal 4,4-5 her zu verstehen:
br
| es wird einerseits erzählt, wie Jesus „dem Gesetz des Geistes unterstellt“ den Freikauf vom (Fluch des) Gesetz(es) vollzieht (→ Wüstensendung Mk 1,12-13),
| andererseits, wie Jesus einen Menschen von der Herrschaft „des Gesetzes der Sünde und des Todes“ befreit (→ Dämonenaustreibung Mk 1,21-28),
| wobei eine Insuffizienz des jüdischen Gesetzes mitschwingt (gemäß Gal 3,21; Röm 8,2).
li
| Auch in diesem Gegenüber finden sich Vertauschungen:
ul.card-text
li
| In der Versuchungserzählung ist Jesus dem Geist Gottes gehorsam,
| in der Synagoge der unreine Geist gegenüber Jesus;
br
| dies ist vom Philipperhymnus her zu verstehen, der auch am unteren Ende der konzentrischen Gliederung präsent ist.
li
| In der <i>Wüste</i> wird Jesus von <i>Engeln</i> bedient, in der <i>Synagoge</i> begegnet Jesus einem <i>unreinen Geist</i>.