bibelwissen/views/nt/ev/mk/00_einleitung/adressaten.pug

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h5.card-title Zumeist Gläubige aus den Völkern
h6.card-subtitle.text-muted Das Werk über seine Adressaten
hr
ul.card-text.slide
li
i Offenbar des Aramäischen/Hebräischen nicht mächtig
ul
li Hebräische/aramäische Worte werden ins Griechische übersetzt.
li Dies könnte aber auch bei Juden nötig sein, die nicht im Heiligen Land selbst aufgewachsen sind („hellenistische Juden“ mit Muttersprache Griechisch)
li Die Einbeziehung (statt Tilgung) der fremden Worte verleiht der Tradition auch den touch des Altehrwürdigen.
li.slide
i Mit jüdischen Bräuchen nicht vertraut
ul
li Jüdische Bräuche werden im Evangelium erklärt (Reinheitsvorschriften in Mk 7).
li Das wäre bei Juden als Adressaten nicht nötig.
li
| In Mk 7 wird verallgemeinernd von „allen Juden“ gesprochen, was historisch nicht stimmig ist das würden Juden auch außerhalb des Heiligen Landes sicher wissen;
| der Autor würde sich selbst in Misskredigt bringen.
p.card-text.slide
b Zumindest die Mehrzahl der Gemeindeglieder entstammt also wohl nicht-jüdischem Milieu.
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h5.card-title Römer
h6.card-subtitle.text-muted Was wir über die Geschichte der Christen in Rom wissen
hr
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h5.card-title Claudius-Edikt 49 n. Chr.
h6.card-subtitle.text-muted Ein die Gemeinde prägendes Ereignis der Vergangenheit
hr
ul.card-text
li Verfügt die Ausweisung der Juden aus Rom.
li Anlass: Unruhen wegen eines „Chr[e|i]stus“ → Streitigkeiten in der jüdischen Gemeinde in Rom wohl aufgrund der gesetzesfreien Heidenmission.
li
| Wahrscheinlich wurden nicht alle Juden vertrieben,
| sondern vor allem jene Judenchristen, die Heiden ohne Beschneidung und Verpflichtung auf die Speisegebote/Reinheitsvorschriften in die Gemeinde aufnahmen.
li Kaiser Claudius wollte mit seinem Edikt wohl schlicht den Anlass für die Unruhen beseitigen.
li
| Prominente Betroffene:
| Priska und Aquila, eine Ehepaar, auf das Paulus in Korinth trifft (Apg 18,2);
br
| zur Zeit der Abfassung des Römerbriefes Frühjahr 56 oder Winter 56/57 sind beide aber wieder in Rom (Röm 16,3).
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h5.card-title Schlussfolgerungen
hr
ul.card-text
li Bereits vor 49 n. Chr. gab es in Rom erfolgreiche Heidenmission.
li Die Gemeinde bestand demnach aus Judenchristen (= Juden, die sich zu Jesus als Messias bekennen) und Christen aus den Völkern („Heidenchristen“ = ehemaligen Heiden, die den christlichen Glauben angenommen haben).
li Mit der Ausweisung der Judenchristen blieben praktisch die Heidenchristen allein übrig.
li Als Folge dürfte sich das Heidenchristentum in Rom mehr oder weniger selbstständig weiterentwickelt haben.
li
| Mit dem Regierungsantritt von Kaiser Nero 54 n. Chr. durften auch die Juden bzw. Judenchristen wieder nach Rom.
br
| Dies barg durchaus Konfliktpotential für die Gemeinde.
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h5.card-title Spuren im Evangelium
ul.card-text
li Diese wichtige Episode der christlichen Gemeinde in Rom erklärt recht gut Nähe und Distanz zur jüdischen Überlieferung, wie sie im Evangelium feststellbar ist.
li Markus selbst und seine Gemeinde blicken aber auf die Probleme und Diskussionen von damals zu einem guten Teil aus einigem Abstand zurück:
br
span
| Das Markus-Evangelium
|
q
| bezeugt ein späteres Stadium dieses Ablösungs- und Verselbständigungsprozesses. Die Herkunft aus dem Judentum wird zwar
| dokumentiert, die ursprüngliche Führungsrolle der Zwölf festgeschrieben und der zeitliche Vorrang der jüdischen Adressaten
| für die Botschaft festgehalten. Aber die Sympathie des Erzählers gehört eindeutig den Heiden.
span.footnote(data-toggle="tooltip", title="Ebner, Einleitung 175.")
li Die Streitigkeiten von „damals“ sind zumindest für Markus selbst autoritativ entschieden:
ul.card-text
li „Jesus“ erklärt <i>alle</i> Speisen für rein (Mk 7,19).
li
| „Jesus“ hat selbst bereits Tischgemeinschaft auch mit den Heiden (→ Speisung der Viertausend).
li Allerdings ist Markus die Thematik noch so wichtig, dass er in seinem Evangelium darauf eingeht.
li
| Das jüdische Gesetz spielt nur noch eine Rolle als Moralgesetz (etwa in Mk 10,1-12.17-27),
| nicht mehr als Kult- bzw. Ritualgesetz (mit den Reinigungsriten und Speisevorschriften).
li
| Hervorgehoben als Abschluss und Höhepunkt des Blickes auf das jüdische Gesetz wird das Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe (Mk 12,28-34).
+footnote("Vgl. Schnelle, Einleitung 219-220.")
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h5.card-title Christenverfolgungen unter Nero 64 n. Chr.
h6.card-subtitle.text-muted Wie umgehen mit jenen, die in der Verfolgung schwach geworden sind? Ganz aktuell!
hr
ul.card-text
li
| Der Neronianischen Christenverfolgung sind viele Christen Roms zum Opfer fallen, darunter der Überlieferung nach auch Petrus und Paulus
li
| Diese Christenverfolgung setzt voraus, dass das Christentum als eigenständige, vom Judentum unterscheidbare Gruppe erkennbar war.
br
| Sie war völkerübergreifend („Juden <i>und</i> Menschen aus den (anderen) Völkern“), hatte eigene Rituale (→ Eucharistiefeier)
| und lebte auch im Alltag teils auffällig anders (ähnlich wie Juden, und doch anders).
li
| Damals galt, was
span.bibelstelle Mk 13,12
| schreibt: dass
|
q.bibeltext Bruder den Bruder in den Tod liefern wird, und der Vater sein Kind, dass Kinder gegen ihre Eltern aufstehen und sie zur Hinrichtung führen werden
| :
br
| Magistrate haben festgenommene Christen dazu bringen wollen, andere Christen zu denunzieren.
li
| Manche werden tatsächlich den Bruder verraten haben wie <i>Judas</i>.
ul.card-text
li
| Zu ihm gibt es in
span.bibelstelle Mk 14,21
| eine deutliche Aussage:
br
q.bibeltext
| Der Menschensohn muss zwar seinen Weg gehen, wie die Schrift über ihn sagt.
| Doch wehe dem Menschen, durch den der Mesnchensohn ausgeliefert wird!
| Für ihn wäre es besser, wenn er nie geboren wäre.
li
| Eine Aussage in Richtung jener, die Glaubensbrüder und -schwestern ausgeliefert haben?
li
| Andere werden den Glauben verleugnet haben wie <i>Petrus</i>.
ul.card-text
li
| Petrus jedenfalls bekommt durch seine ausdrückliche Erwähnung in der Verheißung, dass die Jünger Jesus in Galiläa sehen werden (Mk 16,7), eine zweite Chance.
.small
| Schon die Ankündigung, dass Jesus den Jüngern nach seiner Auferstehung nach Galiläa vorausgehen wird, auf die Mk 16,7 zurückgreift,
| war im Kontext der Ankündigung der Verleugnung des Petrus und des Zerfalls der Jüngerschaft gesprochen (Mk 14,26-31).
li Liest man das Evangelium von Ostern her neu, findet sich als erst Aktion Jesu in Galiläa die Berufung des Petrus (zusammen mit seinem Bruder Andreas und den Zebedäussöhnen).
li
| Ein Plädoyer des Evangelisten, auch jenen, die in der Verfolgung ihren Glauben geleugnet haben, eine zweite Chance zu geben?
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h5.card-title Gesteigerte Naherwartung
h6.card-subtitle.text-muted Durch die Ereignisse rund um jüdischen Krieg und besonders die Tempelzerstörung auch ganz aktuell!
hr
ul.card-text
li Es treten Gläubige auf Markus nennt sie Pseudo-Christusse und Pseudo-Propheten , die vom nahen Ende bzw. der unmittelbar bevorstehenden Wiederkunft Jesu sprechen.
li Markus problematisiert dies, warnt vor diesen Personen und hält in der Endzeitrede (Mk 13) als Kontrapunkte fest:
ul.card-text
li Der Termin der Wiederkunft Jesu ist nur Gott selbst bekannt.
.small Nicht einmal Jesus kennt ihn (Mk 13,32)! Er kann ihn also niemandem gesagt haben!
li Die Wiederkunft Jesu ist ein kosmisches, die ganze Schöpfung betreffendes Ereignis
br
| und nicht von nur lokalen, innergeschichtlichen Phänomenen (z. B. Krieg, Hungersnöte, Verfolgungen) ableitbar.
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h5.card-title Vespasian wird 69. n. Chr. römischer Kaiser
h6.card-subtitle.text-muted Die Frage nach <i>dem</i> Weg „nach oben“ wird virulent!
hr
p.card-text Dem „beispielhaften“ Aufstieg Vespasians setzt Markus den beispielhaften Abstieg Jesu entgegen, der zum wahren Aufstieg führt.