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h5.card-title Markus!?
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ul.card-text
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li „Markus“ ist ein sehr gebräulicher römischer Name.
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li Weder im Evangelium nach Markus, noch in den anderen Evangelien begegnet eine Figur mit diesem Namen.
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li Die Kennzeichnung „Evangelium nach Markus“ stammt nicht vom Autor selbst, sondern wurde von der kirchlichen Tradition hinzugefügt, um die vier Evangelien zu unterscheiden.
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h5.card-title Johannes Markus?
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h6.card-subtitle.text-muted Nähe zur Petrus und Paulus!?
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hr
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ul.card-text
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li Die Apostelgeschichte kennt einen Johannes Markus in der Urgemeinde, der sowohl mit Petrus als auch mit Paulus in Verbindung gebracht wird (Apg 12,12.25; 13,5; 15,36-40).
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li Ein Markus wird auch in Phlm 23f erwähnt, ebenso in deuteropaulinischen(!) Briefen (Kol 4,10; 2 Tim 4,11).
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li
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| Auch in
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span.bibelstelle 1 Petr 5,13
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| wird ein Markus erwähnt:
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br
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q.bibeltext
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q Es grüßt euch die mit euch auserwählte Kirche von Babylon und Markus, mein Sohn.
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p.card-text.mb-0 Letztere Notiz wird von Bischof Papias von Hierapolis auf den Evangelisten Markus bezogen:
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ul.card-text
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li
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| Dieses Zeugnis des Papias (um 130 n. Chr.) überliefert der Kirchenhistoriker Eusebius (260 - 339 n. Chr.) (Euseb, HE III 39,15):
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br
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q.bibeltext
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| Markus war der <i>Dolmetscher des Petrus</i> und schrieb sorgfältig auf, was er im Gedächtnis behalten hatte, jedoch nicht der Reihe nach,
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| was vom Herrn gesagt oder getan worden war. Denn er hatte <i>den Herrn weder gehört noch war er ihm nachgefolgt</i>, später aber, wie gesagt,
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| dem Petrus, der seine Lehrvorträge nach den Bedüfnissen einrichtete, nicht jedoch eine zusammenhängende Darstellung der Herrenworte liefern wollte.
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| Daher trifft Markus keine Schuld, wenn er einiges niederschrieb, wie er es im Gedächtnis hatte. Denn er war darauf bedacht,
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| nichts von dem, was er gehört hatte, wegzulassen oder etwas falsch wiederzugeben.
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li Markus wird als Dolmetscher des Petrus vorgestellt, der aus seinen Erinnerungen sein Evangelium schrieb.
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li
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| Diesem Zeugnis ist eine gewisse Abwertung des Markus-Evangeliums zu entnehmen, wohl im Vergleich zu den anderen Evangelien.
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br
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| Als Entschuldigung für Markus wird angeführt, dass Petrus, von dem Markus ja abhängig sei, seine Ausführungen nach den Bedürfnissen der Hörer gestaltet habe.
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li
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i Das Zeugnis des Papias zeugt von dem Versuch, die Evangelien durch Bezug zu namentlich bekannten Personen der Urkirche, die wiederum zu Augenzeugen – hier Petrus – in Verbindung stehen, zu legitimieren.
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br
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| Historie wird so eher konstruiert als unverfälscht überliefert.
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li.small
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| Die Art und Weise, wie Markus sein Evangelium schreibt und dabei die Briefe des Paulus verarbeitet (siehe dazu die Einzelbesprechung), macht es jedenfalls unmöglich,
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| dass Markus Erzählungen des Petrus verarbeitet hat.
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h5.card-title Markus
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h6.card-subtitle.text-muted Ertrag des biblischen und altkirchlichen Befundes
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hr
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p.card-text
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| Sowohl die Stellen zu Johannes Markus im Neuen Testament als auch das Zeugnis des Papias stimmen darin überein:
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br
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b Markus war kein Augenzeuge des historsichen Jesus, sondern kam ernst nach Ostern zur christlichen Gemeinde dazu.
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p.card-text
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| Das Zeugnis des Papias macht darüber hinaus deutlich:
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br
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b Der Name „Markus“ war schon zur Zeit des Papias fest mit dem zweiten Evangelium im Kanon verbunden, so dass man es nicht mehr einem Apostel oder Jünger aus dem Evangelium selbst zuschreiben konnte.
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h5.card-title Was das Werk selbst über seinen Autor verrät
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hr
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h5.card-title Mangelnde Kenntnis der Geographie Israels
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li Nach Jerusalem kommt man von Betanien über Betfage, nicht umgekehrt (Mk 11,1 ist die Reihenfolge verdreht);
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li Gerasa liegt nicht am See Genesaret (wie Mk 5,1 glauben machen will), sondern 50 km davon entfernt.
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h5.card-title Griechisch als Muttersprache (und nicht Aramäisch)
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hr
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ul.card-text
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li Ein semitischer Spracheinfluss ist in dem auf Griechisch verfassten Evangelium nicht festzustellen.
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li Der Sprachstil entspricht der Volksliteratur und dem geschriebenen Allgemein-Griechisch (Koine).
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p.card-text.mb-0 Konnte Markus Aramäisch/Hebräisch?
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ul.card-text
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li Im Evangelium finden sich immer wieder Übersetzungen von aramäisch/hebräischen Begriffen ins Griechische.
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li Doch diese müssen nicht vom Evangelisten stammen, sondern können auch bereits in der übernommenen Tradition enthalten sein, so dass keine derartigen Sprachkenntnisse notwendig gewesen wären.
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h5.card-title Judenchrist oder Christ aus den Völkern?
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ul.card-text
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li Einerseits ist dem Autor eine Distanz zum Judentum und seinen Bräuchen zu attestieren:
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ul
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li
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| Er unterscheidet in Mk 7 bei seiner Erklärung der Reinheitsvorschriften nicht zwischen den jüdischen Gruppierungen,
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| bei denen es in dieser Frage durchaus Unterschiede gab, sondern spricht allgemein von „alle Juden“.
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li
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| In Bezug auf den Sabbat mangelt es an Respekt.
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br
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| Durchaus wurde nämlich im Judentum darüber diskutiert, welche Notfälle es erlauben, den Sabbat zu brechen.
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| Die Frage war letztlich die, wie weit man dabei gehen kann, ohne den Sabbat innerlich auszuhöhlen.
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li Andererseits spielen im Markus-Evangelium alttestamentliche Stellen eine wichtige Rolle:
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ul
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li
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| Immer wieder finden sich direkte und indirekte Anspielungen auf alttestamentliche Stellen;
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| teils geschieht dies ganz subtil, ja auch leicht überlesbar.
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li
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| Für Markus ist jedenfalls die jüdische Bibel – unser Altes Testament – eine wichtige Bezugsgröße christlichen Glaubens;
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| sein Werk speist sich in besonderer Weise auch aus alttestamentlichen Traditionen, die er auf Jesus und andere Protagonisten des Evangeliums überträgt.
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li
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| Die inhaltliche Distanz des Markus zu den Reinheitsvorschriften der Phariäuser kann entweder aus seiner Herkunft aus den Völkern rühren,
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| oder einer Verinnerlichung der paulinischen Theologie, für den das jüdische Gesetz in dieser Frage keinerlei Maßgabe mehr ist.
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br
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| Paulus aber war selber stets stolz, Jude zu sein ...
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li Letztlich wird es nicht möglich sein, hier eine definitive Aussage zu treffen.
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