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h5.card-title Frühdatierung?
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h6.card-subtitle.text-muted 50 n. Chr.
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hr
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ul.card-text
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li Wird hin und wieder behauptet.
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li Wunsch: möglichst nahe an die „historischen“ Ereignisse herankommen!
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li Argument: Papyrusfragment, das in den Höhlen von Qumran gefunden wurde (7Q5)
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ul
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li Dessen tatsächlicher Text ist aber sehr unsicher.
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li
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| Das, was man sicher erkennen kann,
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| passt auf mehrere Texte der griechischen Übersetzung des Alten Testamentes sowie auch auf andere Texte der Antike, etwa Homer ...
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li Diese Frühdatierung ist daher zurückzuweisen.
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h5.card-title Um 70 n. Chr.: Rund um die Tempelzerstörung
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h6.card-subtitle.text-muted Mehrheitsmeinung der Exegeten
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p.card-text
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| Strittig ist, ob vor oder nach 70 n. Chr., also ob vor oder nach der Tempelzerstörung.
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p.card-text.mb-0
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| <i>Ausschlaggebend für die Datierung des Evangeliums ist die Interpretation der Aussagen zur Tempelzerstörung in Mk 13,1-2 (Überleitung zur Endzeitrede) und in Mk 14,58 (Prozess Jesu)</i>:
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ul.card-text
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li In die Zukunft gerichtete Erwartungen aufgrund des jüdischen Krieges?
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li
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| Blick aus der Gegenwart in die Vergangenheit?
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br
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.small <q>vaticinium ex eventu</q> = Voraussage eines bereits eingetretenen Ereignisses
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h6.card-title Mk 14,58: Prozess Jesu vor dem Hohen Rat
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hr
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p.card-text
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| Aussagen von Zeugen gegen Jesus:
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br
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q.bibeltext Wir haben ihn [= Jesus] sagen hören: Ich werde diesen von Menschenhand gemachten Tempel niederreißen und in drei Tagen einen anderen aufbauen, der nicht von Menschenhand gemacht ist.
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ul.card-text
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li Die Interpretation diesese Verses ist generell schwierig, auch weil er als Falschaussage („falsche Zeugen“) gekennzeichnet ist.
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li
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| Im Kern vielleicht historische Unheilsprophetie Jesu, die zur Praxis Johannes des Täufers – des „Lehrers“ Jesu – genauso passt wie zu Jesu Tempelreinigung.
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.small Die Verurteilung Jesu dürfte jedenfalls sehr wahrscheinlich mit seiner provokaten Haltung zum Tempel zusammenhängen.
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.small Die Kennzeichnung als Falschaussage könnte davor schützen wollen, dass Jesus bzw. die Christen für die Zerstörung des Tempels verantwortlich gemacht werden – doch bleibt dies sehr unsicher!
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li
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| Vielleicht auch Anspielungen auf Aussagen des Paulus zum „neuen Tempel“ bzw. zur Zukunftserwartung der Christen generell:
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ul
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li
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i
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span.bibelstelle 1 Kor 3,16-17
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br
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q.bibeltext
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| Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?
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br
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| Wer den Tempel Gottes zerstört, den wird Gott zerstören. Denn Gottes Tempel ist heilig und der seid ihr.
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li
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i
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span.bibelstelle 2 Kor 5,1
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br
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q.bibeltext
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| Wir wissen: Wenn unser irdisches Zelt abgebrochen wird, dann haben wir eine Wohnung von Gott, ein nicht von Menschenhand errichtetes, ewiges Haus im Himmel.
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li
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| Der Hinweis auf die drei Tage wäre auch dem historischen Jesus möglich, wenn er sich auf Hos 6,1-3 oder Jona 3,1 bezogen hat.
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br
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| Natürlich kann dieser Bezug aber auch nachösterlich hergestellt worden sein.
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li
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| Grundsätzlich bleibt festzuhalten:
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ul
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li Ein neuer Tempel in Jerusalem wurde nie errichtet.
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li Die Ankündigung der Zerstörung des bestehenden Tempels geht nicht näher auf die Details zur Zerstörung ein, ist vielmehr eine grundsätzliche Aussage.
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li Die Aussage in Mk 14,58 scheint vor allem in der zweiten Hälfte mehr theologisch statt auf das Tempelgebäude bezogen gemeint zu sein.
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h6.card-title Mk 13,1-2
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p.card-text
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q.bibeltext
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| Als Jesus den Tempel verließ, sagte einer von seinen Jüngern zu ihm: Meister, sieh, was für Steine und was für Bauten!
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br
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| Jesus sagte zu ihm: Siehst du diese großen Bauten? Kein Stein wird hier auf dem anderen bleiben, der nicht niedergerissn wird.
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ul.card-text
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li Diese Überleitung zur Endzeitrede ist sicher von Markus selber gestaltet worden!
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li
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| Hier wird geschildert, was sich tatsächlich im Jahr 70 n. Chr. ereignet hat: nicht nur der Tempel selbst, sondern auch die umliegenden Gebäude
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| wurden dem Erdboden gleich gemacht.
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li
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| Es kann Zufall sein, dass Markus mit seiner Beschreibung der Tempelzersötrung richtig liegt;
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br
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| es ist aber wahrscheinlicher, dass er auf die tatsächliche Tempelzerstörung 70 n. Chr. zurückblickt.
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li.small
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| Unterstützt wird dies durch das Erzählen des Zerreißens des Tempelsvorhangs im Zuge des Todes Jesu:
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ul
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li Der Feldherr Titus, so ist es überliefert, zerschnitt den Tempelvorhang bei der Eroberung des Tempels mit einem Schwert.
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li
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| Die Aussageabsicht des Markus könnte sein: Nicht erst Titus hat das Ende des Tempels in Jerusalem gebracht,
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| schon Jesu Tod und Auferstehung haben vielmehr den Tempel obsolet gemacht, in einem theologischen Sinne „zerstört“.
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p.card-text.slide
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b Am wahrscheinlichsten ist also, dass Markus auf die Tempelzerstörung in Jerusalem im Jahre 70 n. Chr. zurückblickt und sein Evangelium in der Zeit kurz danach entstand.
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h5.card-title Zeitgeschichte
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h6.card-subtitle.text-muted Herrschaftswechsel in Rom: Vespasian ist neuer Kaiser geworden
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hr
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ul.card-text
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li
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i 68 n. Chr.: <b>Tod Kaiser Neros</b>
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br
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| → Bürgerkriegsartige Wirren im römischen Reich; ständig mobilisieren neue Kandidaten ihre Legionen, um Anspruch auf den Kaiserthron zu erheben.
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li
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i 69 n. Chr.: <b>General Vespasian</b> – gerade mit seinen Truppen in Palästina (Jüdischer Krieg!) – ist von den Legionen in Ägypten, dann auch von jenen in Syrien <b>zum Kaiser ausgerufen</b> worden.
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br
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| Diese Nachrichten, die aus dem Osten in Rom Rom eintreffen, wurden „Evangelien“ genannt – wie man Nachrichten aus dem Kaiserhaus allgemein nennt ...
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br
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| Nach dem Sieg über die Gegner in Rom und die Anerkennung seiner Wahl durch den Senat gehen diese <i>Evangelien</i> gleichsam wie ein Echo zurück in den Osten des Reiches.
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p.card-text.mb-0.slide Nicht zuletzt sein Erfolg im Jüdischen Krieg dürfte Vespasian den Weg auf den Kaiserthron geebnet haben.
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li Vespasian wirkte zunächst in Galiläa.
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li Von Cäsarea Philippi aus zog er dann Schritt für Schritt nach Jerusalem, das schließlich von seinem Sohn Titus erfolgreich eingenommen wurde.
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li Als Kaiser machte sich Vespasian dann den Titel „Sohn eines Gottes“ zu eigen, die typische Kaisertitulatur im römischen Reich zu Lebzeiten des Kaisers.
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.small
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| Das war bei Vespasian zwar nicht ganz unproblematisch,
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| weil dessen Vater nicht schon selber Kaiser und also nach seinem Tod nicht vergöttlicht worden war.
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br
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| Dennoch hat auch Vespasian diesen Titel beansprucht; viele Wunder, die die kaiserliche Propagandamaschine von Vespasian erzählte, sollten seine Nähe zu den Göttern verdeutlichen
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| und damit seinen Herrschaftsanspruch unterstreichen.
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li
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| Der Triumphzug in Rom nach dem Jüdischen Krieg,
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| bei dem auch Kriegsbeute etwa aus dem Tempel mitgeführt worden war, dürfte für viele Zeitzeugen ein sehr eindrückliches Erlebnis gewesen sein.
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