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span Johannes der Täufer
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.col-6.pr-5
blockquote.blockquote.mb-5(style="font-size: 100%;")
p.mb-0
q
| Seht, ich sende meinen Boten; er soll den Weg für mich bahnen.
br
| Dann kommt plötzlich zu seinem Tempel der Herr, den ihr sucht, und der Bote des Bundes,
| den ihr herbeiwünscht. Seht, er kommt!, spricht der HERR der Heerscharen.
br
| Doch wer erträgt den Tag, an dem er kommt? Wer kann bestehen, wenn er erscheint?
br
| ...
br
| Bevor aber der Tag des HERRN kommt, der große und furchtbare Tag, seht da sende ich zu euch den Propheten Elija.
br
| Er wird das Herz der Väter wieder den Söhnen zuwenden und das Herz der Söhne ihren Vätern,
| damit ich nicht komme und das Land schlage mit Bann
footer.blockquote-footer
cite Mal 3,1-2.23-24
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p.mb-0
q
| Siehe: Ich werde einen Engel schicken, der dir [= Mose/Volk Israel] vorausgeht.
footer.blockquote-footer
cite Ex 23,20
blockquote.blockquote.mb-5(style="font-size: 100%;")
p.mb-0
q
| Eine Stimme ruft [in der Wüste]:
q
br
| []In der Wüste bahnt den Weg des HERRN,
br
| ebnet in der Steppe eine Straße für unseren Gott!
footer.blockquote-footer
cite Jes 40,3
.col-6.pl-5
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p.mb-0
| Zacharias im Benedictus im Hinblick auf seinen Sohn:
br
q
| Und du, Kind, wirst Prophet des Höchsten heißen;
i denn du wirst dem Herrn vorangehen und ihm den Weg bereiten.
footer.blockquote-footer
cite Lk 1,76 [mit Anspielung auf Mal 3,1]
blockquote.blockquote.mb-5(style="font-size: 100%;")
p.mb-0
| Der Engel zu Zacharias bei der Ankündigung der Geburt Johannes des Täufers:
br
q
| Viele Kinder Israels wird er zum Herrn, ihrem Gott, hinwenden.
br
| Er wird ihm mit dem Geist und mit der Kraft des Elija vorangehen,
| um
i die Herzen der Väter den Kindern zuzuwenden
br
| und die Ungehorsamen zu gerechter Gesinnung zu führen und so das Volk
i für den den Herrn bereit zu machen.
footer.blockquote-footer
cite Lk 1,16-17 [mit Anspielung auf Mal 3,23]
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p.mb-0
| <q>Jesus</q> über Johannes den Täufer:
br
q
| Dieser ist es, von dem geschrieben steht:
br
i
q Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg vor dir bahnen wird.
footer.blockquote-footer
cite Lk 7,27 [mit Mischzitat aus Mal 3,1 und Ex 23,20]
hr.mt-3.mb-5
h1.slide Johannes der Täufer in historisch-kritischer Perspektive
.card.slide.mb-3
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h5.card-title Zeit der Bedrängnis Zeit der Erwartung
.card-text
p Johannes der Täufer startete in den 20er Jahren des 1. Jhdt. n. Chr. eine jüdische Umkehrbewegung.
p
| Es war eine Zeit großer Erwartungen.
| Viele Juden fühlten sich politisch und religiös bedrängt einerseits durch die Römer,
| die die Herren im Land waren und an die Steuern zu zahlen waren, andererseits durch die damalige
| griechisch-hellenistische Kultur.
p
| Es war daher eine Zeit, in der man sich das göttliche Eingreifen ersehnte
| durch Gott selbst oder einen von ihm gesandten Retter (<q>Messias</q>).
p.mb-0
| Vor diesem Hintergrund ist das Wirken Johannes des Täufers wie auch das Jesu zu verstehen:
| Johannes glaubte an das unmittelbar bevorstehende Ende dieser Weltzeit und das Kommen Gottes
| zu Gericht und Rettung.
.card.slide.mb-3
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h5.card-title Zeit der Umkehr Zeit der Taufe
.card-text
p
| Johannes erinnerte mit seiner Predigt die Juden daran,
| dass auch sie oft nicht dem Willen Gottes gemäß leben.
p
| Er rief daher zur Umkehr, zur Erneuerung des ganzen Menschen auf.
p.mb-0
| Weil aber die Zeit knapp und also keine Zeit für viele gute Taten mehr war,
| die Umkehr und Reue zeigen und damit Vergebung von Gott erbitten sollten, bot er eine Taufe an,
| die die Umkehr besiegelte, Sündenvergebung zusprach und zu einem erneuerten Lebenswandel nach den Geboten Gottes verpflichtete.
.card.slide.mb-3
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h5.card-title Gegenveranstaltung zum Tempel
.card-text
p
| Gleichzeitig war die Taufe, die Johannes angeboten hat, eine Gegenveranstaltung zum Tempel in Jerusalem,
| denn das war eigentlich der Ort für die Sündenvergebung.
| Doch der Tempel war offenbar in den Augen des Johannes und seiner Anhänger nicht mehr in der Lage,
| seinen Zweck zu erfüllen: die Begegnung mit Gott ermöglichen, Gottes Segen vermitteln, das gläubige Volk stetig
| durch die Begegnung mit Gott erneuern und stärken.
p
| Der Character der Gegenveranstaltung wird noch deutlicher, wenn man sich die priesterliche Herkunft des Johannes bewusst macht,
| wie sie Lukas erzählt: eigentlich wäre es sein Weg gewesen, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten
| und also selbst Priester am Tempel zu werden.
p.mb-0
| Mit seiner Kritik am Tempel war Johannes damals nicht allein; sie wurde nicht nur nach ihm
| von Jesus übernommen (Tempelreinigung), sondern findet sich auch schon vor ihm in den Schriften von Qumran.
| Ähnlich wie für Johannes spielte auch für die Gemeinde hinter diesen Schriften wohl Jes 40,3 eine Rolle (<q>Wüste</q>).
.card.slide.mb-3
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h5.card-title Johannes <i>der Täufer</i>
.card-text
p.mb-0
| Der Beiname <q>der Täufer</q> weist darauf hin, dass das, was Johannes tat, etwas Neues war:
br
| es gab zwar Reinigungsbäder und -riten, aber dort <q>taufte</q> man sich selbst; dass man von jemand anderem
| <q><i>ge</i>tauft <i>wird</i></q>, das war neu und zeigt wohl ein ausgeprägtes Sendungsbewusstsein des Täufers (und
| auch einen gravierenden Unterschied zu den Reinigungsbädern in Qumran).
.card.slide.mb-3
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h5.card-title Johannes der <q>wiedergekommene Elija</q>
.card-text
p.mb-0
| Sicher nicht erst die Christen haben Johannes den Täufer mit Elija in Verbindung gebracht, und wohl auch nicht
| erst die Jünger des Johannes; vielmehr verstand er sich wohl schon selbst so, worauf auch seine Kleidung
| gemäß 2 Kön 1,8 schließen lässt (dort ist <q>Mantel aus Ziegenhaaren</q> und <q>lederner Gürtel um die Hüften</q>
| quasi Erkennungszeichen für Elija; vgl. Mk 1,6).
.card.slide.mb-5
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h5.card-title Johannes Opfer der Mächtigen
.card-text
p.mb-0
| Johannes fand ein gewaltsames Ende; Grund dafür war seine Kritik an den Mächtigen.
.slide
h1 Lk 3,1-22
h2 Das Auftreten Johannes des Täufers
blockquote.blockquote.mb-3.ml-5
p
| Es war im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius;
br
| Pontius Pilatus war Statthalter von Judäa,
br
| Herodes [Antipas] Tetrarch von Galiläa,
br
| sein Bruder Philippus Tetrarch von Ituräa und der Trachonitis,
br
| Lysanias Tetrarch von Abilene;
br
| Hohepriester waren Hannas und Kajaphas.
p.mb-0
| Da erging in der Wüste das Wort Gottes an Johannes, den Sohn des Zacharias.
br
| Und er zog in die Gegend am Jordan und verkündete dort überall die Taufe der Umkehr zur Vergebung der Sünden,
| wie im Buch der Reden des Propheten Jesaja geschrieben steht:
q
| Stimme eines Rufers in der Wüste:
q
| Bereitet den Weg des Herrn! Macht gerade seine Straßen!
br
| Jede Schlucht soll aufgefüllt und jeder Berg und Hügel abgetragen werden.
br
| Was krumm ist, soll gerade, was uneben ist, soll zum ebenen Weg werden.
br
| Und alle Menschen werden das Heil Gottes schauen.
footer.blockquote-footer
cite Lk 3,1-6
.card.slide.mb-3
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h5.card-title Verankerung der Heilsgeschichte in der Weltgeschichte
.card-text
p
| Es werden keine Märchen oder zeitlose Mythen erzählt.
| Auch wenn manches dunkel bleibt: Johannes der Täufer mit seiner Taufe und Jesus von Nazareth mit seinem Kreuz
| sind historische Personen.
br
| Sie haben zu einer bestimmten Zeit und an einem konkreten Ort gelebt und gewirkt.
p.mb-0
| Diese Personen haben <q>Weltgeschichte</q> geschrieben was sich mit ihnen ereignet hat,
| das ist nicht nur Sache eines kleinen Volkes am Rande der Welt oder kleinen Gruppen darin,
| das geht die ganze Menschheit an.
br
| Und um dies deutlich zu machen, hebt Lukas auch formal wie hier durch den <q>Synchronismus</q> (= zeitliche Eindordnung)
| oder den Prolog am Anfang des Evangeliums die christliche Verkündigung auf ein höher stehendes literarisches Niveau.
.card.slide.mb-3
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h5.card-title Verankerung der Heilsgeschichte im Wort der Propheten
.card-text
p
| Lukas knüpft an die prophetische Literatur des Alten Testamentes an, wenn er einerseits das Auftreten
| des Johannes mit der sog. <q>Wortereignisformel</q> einführt und so von einer Prophetenberufung erzählt; andererseits
| finden sich auch am Anfang von Prophetenbüchern zeitgeschichtliche Eindordungen (<q>Synchronismen</q>).
blockquote.blockquote(style="font-size: 100%;").ml-5
p.mb-0
q
| Die Worte Jeremias ...
br
| An ihn erging das Wort des HERRN in den Tagen des Königs Joschija von Juda, des Sohnes Amos,
| im dreißigsten Jahr seiner Regierung, ebenso in den Tagen des Königs Jojakim von Juda, des Sohnes
| Joschijas, bis das elfte Jahr des Königs Zidkija von Juda, des Sohnes Joschijas, zu Ende ging,
| als im fünften Monat Jerusalem in die Verbannung ziehen musste.
footer.blockquote-footer
cite Jer 1,1-3
p
i Gottes Wort wirkt sich geschichtlich aus in den Menschen, die sich von ihm rufen lassen.
p
| Das Zitat aus Jesaja, mit dem Lukas die Sendung des Johannes beschreibt, ist als <q>Schriftbeweis</q> zu verstehen:
br
| Was Johannes jetzt tut, das entspricht dem, was Jesaja <q>angekündigt</q> hat;
br
| so ist das Wirken des Johannes göttlich legitimiert.
p.mb-0
| Mehr aber noch: dass nach Ostern das Evangelium auch Nicht-Juden verkündet wird und diese gläubig werden,
| das hat schon Jesaja <q>vorausgesehen</q>: <q>Und <i>alle</i> Menschen werden das Heil Gottes schauen.</q>
br
span.small <q>Schauen</q> bedeutet nicht nur <q>Sehen</q> sondern <q>Teilhaben</q>!
.card.slide.mb-5
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h5.card-title
q Weg des Herrn
.card-text
p Schon Jes 40,3-5 denkt nicht an einen real-physischen Weg Gottes (oder an den Heimkehrweg der nach Babylon Exilierten).
p <q>Weg des Herrn</q> ist ethisch-religiös zu verstehen: Lebenswandel nach Gottes Weisung; den rechten Weg gehen.
p
i (Deutero-)Jesaja
br
| Angesichts des Endes des Exils in Babylon ruft der Prophet eine neue Heilszeit aus,
| nimmt dazu aber seine Adressaten in die Pflicht:
br
| Sich neu unter Zuspruch und Anspruch des Wortes Gottes und seiner Weisung stellen:
| weg von einem <q>hügeligen</q> sprich: unsteten Leben, hin zu einem geradlinigen,
| an der Weisung Gottes orientiertem Leben.
br
i
| Auf dem Weg eines rechten, an Gottes Weisung orientiertem Leben kommt Gott zu den Menschen;
| wer auf seinen Wegen geht, wird seine segenspendende Nähe erfahren.
p
i Johannes der Täufer
br
| <q>Bereitet den Weg des Herrn!</q> entspricht dem Ruf zu Umkehr und Taufe:
br
i
| Angesichts des Kommens Gottes bzw. des Messias zu Gericht (und Rettung) dem Ruf zur Umkehr folgen,
| diese in der Taufe besiegeln und dann entsprechend leben.
p.mb-0
| Im Kontext des Lukas-Evangeliums kann
q Jede Schlucht soll aufgefüllt und jeder Berg und Hügel abgetragen werden.
|
| auch zum Magnifikat in Beziehung gesetzt werden:
br
q Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.
|
| (Lk 1,52)
|
+symbol("arrow-right")
| Umwertung im eigenen Leben angesichts des Handelns Gottes.
.slide
h2
.small Die Bußpredigt
blockquote.blockquote(style="font-size: 100%;").mb-5.ml-5
p.small.mb-0
| Da sagte er zu den Volksscharen, die hinauszogen, um sich von ihm taufen zu lassen:
q
| Ihr Schlangenbrut, wer hat euch denn gelehrt, dass ihr dem kommenden Zorngericht entrinnen könnt?
| Bringt Früchte hervor, die eure Umkehr zeigen, und fangt nicht an, bei euch zu sagen:
q Wir haben Abraham zum Vater!
|
| Denn ich sage euch: Gott kann aus diesen Steinen dem Abraham Kinder erwecken.
br
| Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt; jeder Baum, der keine gute Frucht hervorbringt,
| wird umgehauen und ins Feuer geworfen.
footer.blockquote-footer
cite Lk 3,7-9
.slide
h2 Die Standespredigt des Täufers
blockquote.blockquote.mb-3.ml-5
p
| Da fragten ihn <b>die Scharen</b>:
q Was sollen wir also tun?
br
| Er antwortete ihnen:
q Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso!
p
| Es kamen auch <b>Zöllner</b>, um sich taufen zu lassen, und fragten ihn:
q Meister, was sollen wir tun?
br
| Er sagte zu ihnen:
q Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist!
p.mb-0
| Auch <b>Soldaten</b> fragten ihn:
q Was sollen denn wir tun?
br
| Und er sagte zu ihnen:
q Misshandelt niemanden, erpresst niemanden, begnügt euch mit eurem Sold!
footer.blockquote-footer
cite Lk 3,10-14
.card.slide.mb-3
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h5.card-title
| Umkehr allgemein und konkret
.card-text
p Johannes wird als Weisheitslehrer gezeichnet; er verkündet zeitlos gültige Verhaltensrichtlinien.
p.mb-0
| Die <q>Scharen</q> werden mit dem <i>Gebot der Nächstenliebe</i> konkrontiert von einem Armutsideal ist hier nichts zu spüren -;
| die Menge wird dann aber beispielhaft geteilt und die Forderung konkretisiert.
br
| Alle stehen unter dem grundsätzlich gleichen Anspruch, aber die Forderungen können je nach eigener
| Lebenssituation unterschiedlich konkret werden.
.card.slide.mb-3
.card-body
h5.card-title
| Gegen Missbrauch von Macht
.card-text
p.mb-0 Was Zöllner und Soldaten verbindet, ist ihre (relative) Mächtigkeit, die jeweils missbraucht werden kann:
ul.mb-0
li Die <i>Zöllner</i> stehen in der Versuchung, mehr zu verlangen, als festgesetzt ist; das geschah tatsächlich
| und brachte die Zöllner neben dem Umstand, dass sie für die Römer arbeiteten in Verruf.
| (
+symbol("arrow-right")
| Zachäus).
li Die <i>Soldaten</i> stehen vor der Versuchung, ihre Waffengewalt dazu zu nutzen,
| ihren Sold aufzubessern und dabei Misshandlung und Erpressung anzuwenden.
br
.small
| Auffällig ist, dass weder Plündern noch Blutgewalt genannt sind: Lukas spricht in eine Zeit des
| (relativen) Friedens, wie sie damals tatsächlich geherrscht hat.
.card.slide.mb-3
.card-body
h5.card-title
| Gegen die Habsucht
.card-text
p
i Habsucht ist bei Lukas quasi die Ursünde.
p.mb-0 Ihr stellt er zwei beispielhafte positive Verhaltensweisen gegenüber:
ul.mb-0
li
| Teilen (ohne selbst arm zu werden)
| (
+symbol("arrow-right")
| Forderung an <q>die Scharen</q>)
li
| Sich mit dem begnügen, was einem zusteht
| (
+symbol("arrow-right")
| Forderung an Zöllner und Soldaten).
p.mb-0 Schon hier zeigt sich auch, dass Lukas im Hinblick auf Vermögen der rechte Erwerb und Gebrauch wichtig ist.
.card.slide.mb-5
.card-body
h5.card-title
| Ethik nicht allein
.card-text
p
| Die Lehre des Johannes ist nicht spezifisch; sie ist schon vor ihm in mannigfacher Ausfaltung formuliert,
| besonders bei den Propheten, aber auch das jüdische Gesetz ist voll von tiefsinniger Sozialgesetzgebung.
p Und auch Gläubige anderer Religionen dürften die Forderungen des Johannes unterschreiben.
p
| Zum Glauben gehört nicht nur die Ethik, sondern auch das Bekenntnis;
| von dort kann wie im Judentum und Christentum die Ethik ein spezifisches Fundament erhalten,
| gerade durch das, was ich von Gott bzw. Jesus Christus
| glaube, nicht zuletzt im Hinblick auf ihr konkretes Handeln in der <q>Heilsgeschichte</q>.
p.mb-0 In diesem Sinne schließt sich an die ethische Unterweisung eine <q>christologische Unterweisung</q> an.
br
span.small Ahnlich verhält es sich in Apg 2,37-47.
.slide
h2 Die Ankündigung des Messias
blockquote.blockquote.mb-3.ml-5
p
| Das Volk war voll Erwartung und alle überlegten im Herzen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Christus sei.
br
| Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort:
q
| Ich taufe euch mit Wasser.
br
| Es kommt aber einer, der stärker ist als ich,
| und ich bin es nicht wert, ihm die Riemen der Sandalen zu lösen.
br
| Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.
br
| Schon hält er die Schaufel in der Hand, um seine Tenne zu reinigen und den Weizen in seine Scheune zu sammeln;
| die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.
p.mb-0
| Mit diesen und vielen anderen Worten ermahnte er das Volk und verkündete die frohe Botschaft.
footer.blockquote-footer
cite Lk 3,15-18
.card.slide.mb-3
.card-body
h5.card-title
| Keine <q>Gefühlsduselei</q>
.card-text
p.mb-0 <b>Herz</b> ist im damaligen Sprachgebrauch auch und gerade <i>Sitz von Wille und Denken</i>!
.card.slide.mb-3
.card-body
h5.card-title
| Polemik gegen die Jünger des Johannes
.card-text
p
| Aus späterer christlicher Perspektive sind die Rollen zwischen Johannes dem Täufer und Jesus klar verteilt:
| der eine ist der Vorläufer des anderen, der allein der Messias ist.
p
| Doch es gab wohl recht lange eine gewisse Rivalität zwischen Anhängern des Johannes und den <q>Christen</q>,
| gerade dann, wenn man dem Tod Jesu keine Heilsbedeutung beigemessen hat (wie etwa in Q der Fall; anderes Paulus
| und das, was an Schriften im Neuen Testament gesammelt ist).
p
| Man muss sich auch vor Augen führen, dass die Johannes-Bewegung nicht nur ein <q>kleiner Haufen</q> war;
| Lukas kann in Apg 19,1-7 davon erzählen, dass Paulus in Ephesus auf Johannesjünger getroffen ist!
p
| Ferner ist zu bedenken, dass Johannes wohl als <q>Stärkeren</q> Gott selbst erwartet hat, nicht einen Menschen.
br
| (Der <q>Starke Israels</q> ist im Alten Testament Bezeichnung für Gott!)
p.mb-0
| Von daher waren <i>Klarstellungen</i> in der Beziehung Johannes Jesus etwas sehr wichtiges!
br
| Im Wort vom Lösen der Sandalenriemen wird eine deutliche Hierarchie gezeichnet.
.card.slide.mb-3
.card-body
h5.card-title
| Taufe mit Geist und Feuer
.card-text
p
| <i>Feuer</i> ist im Alten Testament ein Bild für das Gericht Gottes; in diesen Denkhorizont
| ist auch der nächste Vers gesprochen (<q>in Feuer verbrennen</q>).
br
| So passt dieser Begriff auch zur ursprünglichen Predigt des Johannes ganz gut, der ein Gericht Gottes ankündigte
| und dafür vielleicht selber das Bildwort des Feuers gebrauchte.
p.mb-0
| Lukas dürfte bei <i>Feuer</i> aber an Pfingsten und den Heiligen Geist denken: in Apg 2 wird er erzählen
| dass der Heilge Geist in <q>Zungen wie von Feuer</q> auf die Jünger herabkommt.
p.small
| Lukas hat <q>Feuer</q> wohl aus Q übernommen (und behalten, weil er es für den nächsten Vers brauchte),
| <q>Geist</q> dagegen als wichtigen Begriff aus Markus (bzw. der sontigen christlichen Tradition).
p
| Indem die christliche Taufe stets auch mit dem Geistempfang verbunden ist,
| dürfte sie von Anfang an mit einer Doppelhandlung praktiziert worden sein:
| Wassertaufe (Sündenvergebung) und Handauflegung (Geistempfang).
p.small.mb-0
| Das ist durch den heutigen Kindertaufritus <q>zerstört</q>; dort gibt es zwar eine Handauflegung,
| aber ohne Bezug zum Geist, und es gibt eine Salbung, aber ohne Handauflegung.
br
| Bei Erwachsenentaufen schließt sich gleich die Firmung an; bei Kindern wird die Taufe erst durch
| die spätere Firmung <q>komplett</q>!
.card.slide.mb-5
.card-body
h5.card-title
| Johannes <q>verkündete die frohe Botschaft</q> [= Evangelium]
.card-text
p
| Für Lukas steht Johannes der Täufer auf der Schwelle zur neuen, mit dem Messias Jesus eröffneten Ära.
br
| Auf diese Ära hat er zumindest aus nachösterlicher, christlicher Perspektive hingewiesen;
| und damit kann man sagen, dass er <q>die frohe Botschaft</q> verkündete.
p.mb-0
| Die Bußpredigt des Johannes mit dem Zeichen der Taufe sowie seine aus christlicher Perspektive auf Jesus hinweisenden -
| Predigt vom kommenden <q>Stärkeren</q> sind für die Christen aus rückblickender Perspektive zur Schwelle
| zur neuen Ära Jesu und der Kirche geworden.
br
| Analog wurde dann die (christliche) Taufe als Besiegelung der Annahme des christlichen Glaubens die Schwelle zum Christsein.
.slide
h2
.small Die Gefangennahme des Johannes
blockquote.blockquote(style="font-size: 100%;").mb-5.ml-5
p.small.mb-0
| Johannes tadelte auch den Tetrarchen Herodes [Antipas] wegen Herodias, der Frau seines Bruders,
| und wgen aller Schandtaten, die er verübt hatte.
br
| Herodes fügte zu allem noch dies hinzu, dass er Johannes ins Gefängnis werfen ließ.
footer.blockquote-footer
cite Lk 3,19-20
.slide
h2 Die Taufe Jesu (Lk 3,21-22)
blockquote.blockquote.mb-3.ml-5
p.mb-0
| Es geschah aber, dass sich zusammen mit dem ganzen Volk auch Jesus taufen ließ.
| Und während er betete, öffnete sich der Himmel und der Heilige Geist kam sichtbar
| in Gestalt einer Taube auf ihn herab und eine Stimme aus dem Himmel sprach:
q Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.
footer.blockquote-footer
cite Lk 3,21-22
.card.slide.mb-3
.card-body
h5.card-title
| Seltsam <q>zwischendrin</q>
.card-text
p.mb-0
| Während die Erzählung der Taufe Jesu im Evangelium nach Markus der Höhepunkt der auf 13 Verse komprimierten
| <q>Vorgeschichte</q> ist, ist sie im Evangelium nach Lukas seltsam zwischenreingepresst:
ul
li
| Die Erzählung über den Täufer ist bereits abgeschlossen, das Ende seines öffentlichen Wirkens
| mit seiner Gefangennahme schon erzählt.
li
| Es schließt sich der Stammbaum an, erst danach die Erzählung von der Versuchung Jesu, die
| bei Markus unmittelbar auf die Taufe folgt (und mit <q>sofort</q> ganz eng mit ihr verbunden ist),
| sowie dann das erste Auftreten in Galiläa.
p
| Es ist zu vermuten, dass dies mit der erwähnten Polemik gegen die Johannes-Jünger zusammenhängt,
| bzw. allgemein mit der Frage, warum sich Jesus überhaupt taufen ließ, wenn er doch der
| sündlose Messias Gottes ist; eine Frage, die auch die Tauferzählung des Matthäus prägt.
p.mb-0
| Lukas kann die Erzählung von der Taufe nicht verschweigen; sie ist doch zu wichtig. Doch er setzt Akzente:
ul.mb-0
li
| Die erzählte (offenbar für alle gültige) Sichtbarkeit der Taube korrespondiert dem Umstand,
| dass der Täufer bei Lukas bereits mit seiner Gefangennahme <q>unsichtbar</q> geworden ist.
br
span.small Bei Markus sieht die ganzen besonderen Vorgänge und hört die Stimme ausschließlich Jesus allein.
li
| Nicht gleich nach der Wassertaufe, sondern während des Gebetes Jesu geschehen die besonderen Dinge.
p
| Man kann also sagen:
i
| Die Taufe ist auf ein Ereignis zwischen Gott und Jesus reduziert; Johannes spielt effektiv keine Rolle.
p.small.mb-0
| Auch literarische Gründe könnten eine Rolle gespielt haben:
br
| Wie Lukas in Lk 1-2 das Leben des Johannes und das Leben Jesu schrittweise parallel erzählt hat,
| so erzählt er auch bei Johannes zunächst bis zum <q>Ende</q> (was bei ihm die Gefangennahme ist; den Tod erzählt er nicht),
| und dann erst von Jesu Wirken, an dessen Anfang die Taufe steht.
br
| Klar ist jedenfalls:
| Für Lukas gehört die Taufe Jesu als Ereignis nicht in die Lebensbeschreibung Johannes des Täufers, sondern das Leben Jesu.
.card.slide.mb-3
.card-body
h5.card-title
| Salbung zum Messias
.card-text
p
| Die Himmelsstimme ist ein Mischzitat aus Ps 2,7 und Jes 42,1.
blockquote.blockquote(style="font-size: 100%;").ml-5.mb-1
p.mb-0
b
q
| Den Beschluss des HERRN will ich kundtun. Er sprach zu mir:
q <i>Mein Sohn bist du.</i> Ich selber habe dich heute gezeugt.
footer.blockquote-footer
cite Ps 2,7
p.ml-5
| Dieser Psalm zielt ursprünglich auf den amtierenden König Israels/Judas ab;
| Ps 2,7 erfuhr später aber eine Verschiebung in Richtung Erwartung eines endzeitlichen Messias.
br
span.small Auch 2 Sam 7,14 (Natansverheißung) gehört in diesen Kontext.
blockquote.blockquote(style="font-size: 100%;").ml-5.mb-1
p.mb-0
b
q
| Siehe, das ist mein Knecht, den ich stütze; das ist mein Erwählter,
i an ihm finde ich Gefallen.
br
| <i>Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt</i>, er bringt den Nationen das Recht.
footer.blockquote-footer
cite Jes 42,1
p.ml-5
| Hier wird der Gottesknecht eingeführt, der mit Gottes Geist ausgestattet ist
| und im Buch Deuterojesaja eine besondere Rolle als göttlicher Gesandter spielt.
p
| Dass Jesus der Sohn Gottes ist, das ist seit der Verkündigung klar; hier wird er erstmals so angesprochen,
| und zwar von Gott selbst.
p.mb-0
| Mit der Taufe wird er quasi in sein Amt als mit Gottes Geist ausgestattetem Messias eingesetzt,
| das er dann in Lk 4,14-30 übernehmen wird.
br
| Der Rückgriff auf die Ps 2,7 und Jes 42,1 erkennt darin die Erfüllung messianischer Verheißung.
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