bibelwissen/views/nt/ev/mk/theologische_grundgedanken/anfang_neu_gelesen.pug

237 lines
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span Der Anfang vom Ende her (neu) gelesen
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p.nomarginbottom.slide Zunächst sei ein Blick auf die <b>Erzählung von der Kreuzigung</b> geworfen:
.viewbox.slide
p.nomarginbottom <i>Verspottung Jesu</i> u. a. durch die jüdischen Führer, mit
ul.nodisplay.nomarginbottom
li.slide Bezug auf die <i>Tempelzerstörung</i>
li.slide Rückgriff auf <i>Hoheitstitel</i> (<q>Christus</q>, <q>König von Israel</q>) [Mk 15,29-32]
p.nomarginbottom.slide
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|
b negatives Bekenntnis
.viewbox.slide.konzentrisch-2
p.nomarginbottom <i>Finsternis im ganzen Land</i> [Mk 15,33]
br
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|
b Abwesenheit Gottes im Land
.viewbox.slide.konzentrisch-3
p.nomarginbottom <i>Jesu Schrei</i> der <b>Gottverlassenheit</b> [Mk 15,34]
.viewbox.slide.konzentrisch-4
p.nomarginbottom <i>Elija</i> kommt nicht [Mk 15,35-36]
br
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|
b kein himmlischer Helfer
.viewbox.slide.konzentrisch-3
p.nomarginbottom Jesus stribt mit lautem <i>Schrei</i> und <b>haucht den Geist aus</b> [Mk 15,37]
.viewbox.slide.konzentrisch-2
p.nomarginbottom Der <i>Tempelvorhang zerreißt</i> [Mk 15,38]
br
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|
b Abwesenheit Gottes im Tempel
.viewbox.slide
p.nomarginbottom Römischer Hauptmann: <q>Wahrhaftig, dieser Mensch war ein Sohn eines Gottes!</q>
br
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|
b positives Bekenntnis
p.nomarginbottom.slide(style="margin-top: 20px;") <b>Formale Auffälligkeit: <i>konzentrische Gliederung</i></b>
+footnote("Vgl. Schenke, Markus 339-347; Gliederungsgrafik S. 342.")
ol.nodisplay
li.slide <i>Negatives bzw. positivies Bekenntnis</i>.
li.slide <i>Abwesenheit Gottes in Land und Tempel</i>.
br
span.slide.small Anspielung auf die Tempelzerstörung in Mk 15,29-32 und formale Korrespondenz zur Finsternis (= Abwesenheit Gottes im Land)!: Mit dem Zerreißen des Tempelvorhangs kann nichts anders als die Abwesenheit Gottes im Tempel gemeint sein - Präludium seiner Zerstörung 70 n. Chr.
li.slide <i>Jesu doppelter(!) Schrei</i>.
br
span.small.slide Über diesen <i>doppelten</i> Schrei hat man viel nachgedacht - die konzentrische Gliederung zeigt ihn als <q>formale Notwendigkeit</q>!
li.slide <b>Zentrum</b>: <b>Ausbleiben des</b> himmlischen Helfers, konkret des <b>Elija</b>!
ul.nomarginbottom.nodisplay
li.slide
| Zu beachten:
|
q Juden würden den Gebetsruf niemals missverstehen und Römer könnten niemals auf die Figur des Elija kommen.
+footnote("Ebner, Markus 164.")
br
span.slide
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|
i Es war also der Evangelist selbst, der sicher ganz bewusst in die Mitte der Kreuzigungsszene einen Hinweis auf das (Nicht-)Kommen des Elija gesetzt hat.
li.slide Von Mk 9,9-13 her wissen die Leser: Elija war bereits gekommen, nämlich in der Gestalt Johannes des Täufers.
li.slide Dieser hatte nach Mk 1,2-3 den Auftrag, vor Jesus her den Weg für ihn zu bahnen.
ul.nodisplay.nomarginbottom
li.slide Damit wird traditionell auf die Umkehrpredigt und Tauftätigkeit des Täufers hingewiesen.
li.slide Markus ist aber auch daran gelegen, dass der <i>Täufer den Weg Jesu insofern gebahnt hat, als er - quasi vor ihm her - den Weg des Leides und gewaltsamen Sterbens gegangen ist.</i>
br
span.slide Dieser Gedanke steckt auch hinter seiner Einspielung der Passion des Täufers in Mk 6,14-29!
br
span.small.slide Auffällig: Mt 3,3 und Lk 3,4-6 bieten zwar auch den Umkehrruf des Täufers in Anlehnung an Jes 40,3 (
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|
| Mk 1,3); Mk 1,2 - ein Mischzitat aus Mal 3,1 (
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|
| Elija) und Ex 23,20 (
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|
| Mose) [
span.oi.oi-arrow-right
|
| Verklärung] - haben beide aber nicht übernommen, wiewohl schon in der jüdischen Tradition dieses Mischzitat auf das Kommen Gottes
| bzw. des Messias bezogen wurde.
+footnote("Vgl. Gnilka, Markus I 44.")
|
| Es zu bieten scheint deshalb innerhalb der christlichen Tradition eine Eigenheit des Markus zu sein;
| Grund dafür dürfte das <q>vor dir her</q> sein!
li.slide
i Dieser Weg Jesu, den Johannes vorausgegangen ist, der ist jetzt am Kreuz an seinem Ziel angekommen.
p.nomarginbottom.slide <b>Inhaltliche Betrachtung: <i>Beziehungen zur Erzählung von der Taufe</i></b>
+footnote("Vgl. Ebner, Einleitung 173.")
ul.nodisplay
li.slide <q>Zerreißen</q> von Tempelvorhang, der den Kosmos abbildet, beim Tod Jesu bzw. <q>Zerreißen</q> des Himmels bei der Taufe Jesu (im Griechischen gleiches Verb!).
li.slide Jesus <i>haucht</i> beim Tod den <i>Geist aus</i>, in der Tauf kam er <i>auf ihn herab</i>.
li.slide Angesichts des Todes Jesu <i>bekennt</i> der römische Hauptmann Jesus <i>als Sohn eines Gottes</i>, bei der Taufe Jesu wird Jesus <i>von Gott als sein Sohn angesprochen</i>.
br
span.small.slide Hinweis am Rande: In Weish 2,13.18 kann der leidende Gerechte <q>Knecht</q>/<q>Sohn</q> Gottes heißen. Die umgebenden Verse passen gut zur Verspottung Jesu bei der Kreuzigung.
li.slide Der Tod Jesu ist von <i>Gottferne</i> geprägt - Gottes Abwesenheit, kein himmlischer Helfer, der Geist wird ausgehaucht, Jesu Wirken als Menschen auf Erden endet -, bei der Taufe Jesu <i>bricht die Welt Gottes in die irdische ein</i>.
p.slide
b Tod und Taufe Jesu sind so sehr deutlich aufeinander bezogen als gegensätzliche Erzählungen.
br
span.slide Eine indirekte Bestätigung dafür, die wie ein Hinweis verstanden werden kann, findet sich in Mk 10,38: Dort kann mit der Taufe, mit der Jesus getauft werden wird, nichts anders als sein Tod gemeint sein.
p.nomarginbottom.slide In diese Verbindung <q>Anfang des Evangeliums</q> (Wüste) - <q>Tod Jesu</q> passt auch die <b>Erzählung von der Versuchung Jesu</b>:
ul.nodisplay
li.slide Jesus wird nach der Taufe 40 Tage vom Satan versucht.
li.slide Worin diese Versuchung besteht, wird in Mk 8,33 entschlüsselt:
br
span.slide dort nennt Jesus den Petrus Satan, weil er ihn von seinem Weg abbringen will.
li.slide Mit dem Tod am Kreuz ist der Weg Jesu vollendet, die Versuchung des Satan gescheitert und dieser somit besiegt.
br
span.small.slide Vgl. auch Mk 10,45: In diesem traditionellen - also von Markus nicht selber formulierten, sondern so schon vorgefundenen - Satz ist der Tod als <q>Zeitpunkt</q> der Erlösung genannt, wie auch sonst in der Tradition (vgl. etwa Röm 3,25).
.alert.alert-primary.slide
h4.alert-heading Die Kreuzigungsszene und der Anfang des Evangeliums sind aufeinander bezogen
p.nomarginbottom
b Die Kreuzigungserzählung ist bei Markus wie ein großer Hinweispfeil auf den Anfang des Evangeliums Mk 1,2-13 gestaltet, wo vom Kommen des Elija/Täufers, der Taufe Jesu und seiner Versuchung die Rede ist.
p.slide Nach dem Tod Jesu bricht Gott in der Auferstehung wieder in die Welt ein.
br
span.slide Zu den Bezügen zwischen den beiden Teilen <q>Grab</q> und <q>Wüste</q> siehe die Ausführungen zur Gliederung!
p.slide.nomarginbottom
| Von Tod und Auferstehung Jesu her begegnet im Neuen Testament das Thema <b><q>Neue Schöpfung</q></b> (
span.oi.oi-arrow-right
|
| 2 Kor 5,17; Röm 6,4; Gal 5,15).
ul.nodisplay
li.slide Markus spielt daran an, wenn am ersten (!) Tag der achten (!) <q>Woche</q> früh am Morgen die Sonne aufgeht und sich nach dem Tod das Leben neu die Bahn gebrochen hat.
li.slide Allerdings bleibt hier, am Ende des Evangeliums, die Leerstelle: Jesus wird nach der Auferstehung nicht hier geschaut, man muss nach Galiläa gehen.
p.slide.nomarginbottom Doch nicht nur in der Erzählung vom leeren Grab findet sich der <b>Gedanke der Neuschöpfung</b>, vielmehr ist dieser <b>auch in der Erzählung Mk 1,2-13</b> ins Bild gebracht:
ul.nodisplay
li.slide Die Themen <q>Versuchung durch den Satan</q> und <q>Leben mit den wilden Tieren</q> erinnern an das Paradies (Gen 1+2) bzw. an den Gedanken der Neuschöpfung (Jes 65,25 in Verbindung mit Jes 65,17).
br
span.slide.small Oft wird an Jes 11,1-9 gedacht, wo das messianische Friedensreich Thema ist; das ist nicht falsch, aber nicht genug als Bezug!
li.slide Der erste Teil des Evangeliums folgt von Mk 1,2-3 her dem Schema: <q>Gott sprach - es geschah</q>, genau wie die erste Schöpfungserzählung (Gen 1).
br
span.slide.small Leider mal wieder von den Übersetzungen oft kaschiert: sowohl V 4 (Johannes tritt auf) als auch V 9 (Jesus kommt zur Taufe) beginnt mit <q>es geschah</q>!
li.slide
| Bei der ersten Schöpfungserzählung heißt es in Gen 1,2, dass der Geist Gottes über der Urflut schwebte,
| bei der zweiten in Gen 2,7, dass Gott dem Menschen den Lebensatem einhaucht.
br
span.slide
| Zu beachten ist, dass die <q>rabbinische Theologie ... das Schweben des Gottesgeistes über den Wassern (Gen 1,2) mit dem Schweben eines Vogels, einer Taube oder eines Adlers veranschaulichen</q>
+footnote("Gnilka, Markus I 52.")
|
| kann.
br
span.slide In Mk 1,10 heißt es nun, dass der <i>Geist Gottes wie eine Taube herabkommt</i>, und zwar auffälligerweise nicht, wie meist übersetzt wird, auf Jesus herab, sondern in Jesus hinein.
br
span.slide.small Beides (<q>herab</q>, <q>herein</q>) ist, wie die Kommentare zur Stelle sagen, sachlich identisch. Auffallend ist es trotzdem. Zumal Mt und Lk von Jes 42,1 - der Stelle, die hier zugrunde liegt - her den Markus-Text verändern und statt <q>hinein</q> <q>herab</q> schreiben.
br
span.slide.small Ferner ist zu beachten, dass der Geist Gottes <q>traditionell</q> nicht nur mit der Taufe - Jesu und des Gläubigen -, sondern auch mit der Auferstehung Jesu und seiner Einsetzung in Macht (<span class="oi oi-arrow-right"></span> Röm 1,4!) verbunden ist.
li.slide Die Wüste als Wirkort des Täufers und Ort der Versuchung Jesu steht für Neuanfänge:
ul.nomarginbottom
li.slide Konstituierung Israels in der Wüste (Mk 1,2 <span class="oi oi-arrow-right"></span> Ex 23,20);
li.slide Neuanfang nach dem Exil in Babylon (Mk 1,3 <span class="oi oi-arrow-right"></span> Jes 40,3);
li.slide aber auch: Schöpfung (Gen 1,2: Tohuwabohu [<q>wüst und leer</q>] als Beschreibung der Roh-Erde).
li.slide Ferner kann das Wörtchen <q>Anfang</q> in Mk 1,1 von Gen 1,1 her interpretiert werden:
br
span.slide Markus erzählt in seinem Werk mit der <q>Geschichte Jesu</q> den <q>Beginn der Neuen Schöpfung</q>.
li.slide Nicht zu vergessen ist auch unter diesem Aspekt die Sabbat-, also Wochen-Struktur des Evangeliums:
br
span.slide Wie Gott die Schöpfung in 7 Tagen vollendete, so Jesus die Neu-Schöpfung in den 7 Wochen seines Wirkens.
.alert.alert-primary.slide
h4.alert-heading Die Erzählung von der Taufe erscheint bei Markus wie eine an den Anfang des Evangeliums gestellte Ostererzählung
p.nomarginbottom
b Markus erzählt am Anfang seines Evangeliums - Mk 1,1-13 - von der Neuen Schöpfung, die in Tod und Auferstehung Jesu Wirklichkeit geworden war und in die der einzelne Gläubige durch die eigene Taufe hineingestellt wird.
br
b Damit aber verbindet sich die Sendung, den Weg Jesu, den der Täufer auf seine Weise vorausgegangen ist, <q>hinter Jesus her</q> nachzugehen und dabei den Versuchungen des Satan zu widerstehen, wie Jesus es getan hat.
p.slide.small.nomarginbottom Zwei Stellen aus dem Römerbrief könnten hier eine Rolle gespielt haben:
ul.nodisplay.small
li.slide
b Röm 1,1-4
br
q
| Paulus, Knecht Christi Jesu, berufen zum Apostel, auserwählt, das Evangelium Gottes zu verkündigen,
| das er durch seine Propheten im Voraus verheißen hat in den heiligen Schriften:
br
| das Evangelium von seinem Sohn, der dem Fleisch nach gekommen ist als Nachkomme Davids,
br
| der <i>dem Geist der Heiligkeit nach eingesetzt ist als Sohn Gottes in Macht seit der Auferstehung von den Toten</i>,
br
| das Evangelium von Jesus Christus, unserem Herrn.
li.slide
b Röm 6,3-4 [Osternacht!]
br
q
| Wisst ihr denn nicht, dass wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, <i>auf seinen Tod getauft</i> worden sind?
br
| Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod;
br
| und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir <i>in der Neuheit des Lebens [<span class="oi oi-arrow-right"></span> Neuschöpfung] wandeln</i>.
br
span.slide
i Auch hier wird die Taufe vom Tod her interpretiert und mit dem Gedanken der Neuschöpfung verbunden.
//- p.small.slide Angesichts dieser von Ostern her gestalteten Tauferzählung kann die Aussage von Schenke, Markus 353 nur unterstrichen werden: Das Werk des Markus ist <q>als Ganzes die Geschichte einer Epiphanie.</q>
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