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| Inhaltsangabe/Überschrift
br
| Himmlischer Sendungsbeschluss
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 1,1-3
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h5.card-title Johannes der Täufer am Wasser mit seinem Hinweis auf den Kommenden
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 1,4-8
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h5.card-title Taufe Jesu
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 1,9-11
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h5.card-title Versuchung Jesu
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 1,12-13
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h5.card-title Johannes tritt ab, Jesus tritt auf: Eröffnungsruf des Wirkens Jesu: Das Reich Gottes ist zum Greifen nahe!
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 1,14-15
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h5.card-title Die Berufung der ersten Jünger: <q>Menschenfischer</q>
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 1,16-20
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h5.card-title Die neue Lehre in der Synagoge: Jesus gekommen, um Satan/die Dämonen ins Verderben zu stürzen
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 1,21-28
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h5.card-title Die Heilung der Schwiegermutter des Petrus, die (daraufhin!) Jesus dient
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 1,29-31
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h5.card-title
| Die ganze Stadt vor der Tür; Jesus heilt und treibt Dämonen aus
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 1,32-34
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h5.card-title
| Rückzug und Suche, Ansage des neuen Aufbruches: „Dazu bin ich gekommen ...“
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 1,35-38
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h5.card-title
| Erneuter Aufbruch (ganz Galiläa, Verkündigung in Synagogen, Dämonenaustreibungen)
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 1,39
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h5.card-title Die Heilung des Aussätzigen
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 1,40-45
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h5.card-title Jesus wieder in Kafarnaum im Haus; er verkündigt <q>das Wort</q>
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 2,1-12
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h5.card-title Jesus heilt den Gelähmten
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 2,3-12
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h5.card-title Jesus predigend am Wasser
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 2,13
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h5.card-title Berufung des Zöllners Levi
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 2,14
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h5.card-title
| Mahl mit den Zöllnern und Sündern, die Jesus nachfolgen
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 2,15
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h5.card-title
| Jesus gekommen als Arzt
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 2,16-17
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h5.card-title Fastenfrage: Der Bräutigam ist da Neuer Wein in neue Schläuche
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 2,18-22
p.card-text.mt-1
| Es werden Tag gekommen, da wird ihnen der Bräutigam genommen sein
.card.mb-1.konzentr-9
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h5.card-title Der Menschensohn ist Herr auch über den Sabbat
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 2,23-28
.card.mb-1.konzentr-10
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h5.card-title Die Heilung des Mannes mit der verdorrten Hand: <q>wiederhergestellt</q>
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 3,1-6
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h5.card-title Der Andrang der Menschen
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 3,7-12
.card.mb-1.konzentr-12
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h5.card-title Die Wahl der Zwölf
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 3,13-19
.slide.mb-3
hr
p.card-text.mb-0.konzentr-3.bibeltextkonzentr
| 1 Anfang des Evangeliums Jesu Christi, Sohn (eines) Gottes.
br
| 2 Wie geschrieben steht beim Propheten Jesaja:
br
q Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der einen Weg bahnen wird.
br
q 3 Stimme eines Rufers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn! Macht gerade seine Straßen!
p.card-text.konzentr-1.mb-0.bibeltextkonzentr
| 40 Ein Aussätziger kam zu Jesus und bat ihn um Hilfe; er fiel vor ihm auf die Knie und sagte:
br
q Wenn du willst, kannst du mich rein machen.
br
| 41 Jesus hatte Mitleid mit ihm;
br
| er streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte:
br
q Ich will werde rein!
br
| 42 Sogleich verschwand der Aussatz und der Mann war rein.
br
| 43 Jesus schickte ihn weg, wies ihn streng an 44 und sagte zu ihm:
br
q Sieh, dass du niemandem etwas sagst, sondern geh, zeig dich dem Priester und bring für deine Reinigung dar, was Mose festgesetzt hat ihnen zum Zeugnis.
br
| 45 Der Mann aber ging weg und verkündete bei jeder Gelegenheit, was geschehen war;
br
| er verbreitete die Geschichte, so dass sich Jesus in keiner Stadt mehr zeigen konnte;
br
| er hielt sich nur noch an einsamen Orten auf.
br
| Dennoch kamen die Leute von überallher zu ihm.
p.card-text.konzentr-3.bibeltextkonzentr
| 13 Jesus stieg auf einen Berg und rief die zu sich, die er selbst wollte, und sie kamen zu ihm.
br
| 14 Und er setzte zwölf ein, damit sie mit ihm seien und damit er sie aussende,
br
| zu verkünden 15 und mit Vollmacht Dämonen auszutreiben.
br
| 16 Die Zwölf, die er einsetzte, waren:
br
| Petrus - diesen Beinamen gab er dem Simon -,
br
| 17 Jakobus, der Sohn des Zebedäus, und Johannes, der Bruder des Jakobus - ihnen gab er den Beinamen Boanerges, das heißt Donnersöhne -,
br
| 18 dazu Andreas, Philippus, Bartholomäus, Matthäus, Thomas, Jakobus, der Sohn des Alphäus, Thaddäus, Simon Kananäus
br
| 19 und Judas Iskariot, der ihn dann ausgeliefert hat.
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h5.card-title
q Jesus stieg auf einen Berg und rief die zu sich, die er selbst wollte, und sie kamen zu ihm.
h6.card-subtitle.text-muted Ein nur scheinbar abrupter Szenenwechsel vom Boot zum Berg
hr
ul.card-text
li
| Die Szenerie wechselt scheinbar abrupt:
ul.card-text
li Statt dass Jesus das in der vorausgehenden Erzählung bereitgestellte Boot besteigt, steigt er auf einen Berg.
li Auch sind die herbei geströmten Massen „verschwunden“, einfach nicht mehr da, ohne dass die Szene aufgelöst worden wäre.
li
| Das Steigen Jesu auf den Berg und die anschließende Versammlung der Zwölf dort greift allerdings den versuchten aber misslungenen
| Rückzug Jesu mit den Jüngern an den See auf.
li
| Dass Jesus nicht wie wohl erwartet das Boot besteigt, sondern einen Berg, bindet Boot und Berg „irgendwie“ zusammen.
br
| Dabei sind einige Dinge zu bedenken:
ul.card-text
li
| Auch zur Verklärung (Mk 9,2-13) steigt Jesus auf einen Berg; jene Erzählung ist klar von der Auferstehung her zu betrachten,
| wie auch das Gespräch beim Abstieg verdeutlicht.
li
| In Mk 6,45-52 steigt Jesus auch auf einen Berg.
br
| Und von diesem Berg her ist er anschließend Retter für seine Jünger in Seenot, wobei der Gottesname „Ich-bin-da“ anklingt.
li
| Die Funktion des Bootes sollte es sein, ein Überleben im Angesichts des Todes des bedrohlichen Herandrängens der Massen sein.
| Das alles legt nahe, das Besteigen des Berges durch Jesus zunächst ja alleine! mit der Auferstehung Jesu zu verbinden:
br
| Wie das Boot ein Überleben Angesichts des Todes ermöglicht,
br
| so bezeichnet der Berg hier für Jesus das Neue Leben bei Gott nach dem Tod:
br
i Das von Jesus nicht genutzte Boot begegnet hier auf anderer Ebene im Berg.
li
| Von Bedeutung ist auch, dass Jesus nicht <i>einen</i> Berg, sondern <i>den</i> Berg besteigt, was wohl eine Anspielung auf den Gottesberg sein soll.
br
| Im Buch Exodus sind es Mose und auch andere, die von Gott hinaufgerufen werden auf den Sinai und den Berg besteigen:
br
q.bibeltext
| 20 Der Herr war auf den Sinai, auf den Gipfel des Berges, herabgestiegen.
br
| Er hatte Mose zu sich auf den Gipfel des Berges gerufen und Mose war hinaufgestiegen.
br
| 21 Da sprach der HERR zu Mose: Geh hinunter und schärfe dem Volk ein, sich nicht an den HERRN heranzudrängen,
| um zu schauen, sonst müssen viele von ihnen umkommen.
span.bibelstelle Ex 19,20-21
br
| Auffällig in Verbindung mit der Erzählung bei Markus ist:
ul.card-text
li
| Mose wird von Gott auf den Berg hinaufgerufen, wie Jesus jene hinaufruft, die er will.
li
| Die Szene in Ex 19,20 ist sehr analog zu jener in Mk 3,13:
ul.card-text
li Gott/Jesus ist auf dem Berg.
li Er ruft jemanden zu sich hinauf.
li Der Gerufenen bzw. die Gerufenen steigen zu ihm empor.
| Dabei ist Jesus und das ist auffällig und wichtig nicht an der Stelle des Mose, sondern an der Stelle Gottes.
br
| Dies unterstreicht, dass Jesus hier als Auferstandener wirkt.
br
| Sachlogisch ist dabei, dass Gott vom Himmel auf den Berg „herabsteigt“, wie Jesus als Anspielung auf seine Auferstehung auf den Berg „hinaufsteigt“,
| wobei er wie in anderen Erzählungen für seine Jünger „erreichbar“ ist, weil das Evangelium insgesamt noch auf dem Weg zu Tod und Auferstehung Jesu ist.
p.small.mb-0 (Und weil Jesus auch nach seinem Tod als Auferstandener für seine Jünger „erreichbar“ ist.)
li
| Mose soll das Volk davon abhalten, sich „an den HERRN heranzudrängen“, da dies Todesfolge für jene Herandränger aus dem Volk haben würde.
br
| In der Vorausgehenden Erzählung sollten die Jünger ein Boot angesichts des Herandrängens an Jesus bereithalten, weil dieser
| seinen Tod durch die Massen befürchtete.
br
| Auch wenn die „Todesfolge“ einmal für das Volk, einmal für Jesus gilt, so ist es doch auffällig,
| dass in einer sehr analogen Erzählung zu Mk 3,13 in Ex 19,20-21 genau wie in der Mk 3,13 vorausgehenden Erzählung
| von einem Herandrängen der Massen die Rede ist, welches je auf seine Weise problematisiert wird; dies unterstreicht
| die Verbindung von Mk 3,13 mit Ex 19,20.
| Eine weitere zu Mk 3,13 analoge Erzählung bilden
span.bibelstelle Ex 24,1.9
| mit dem Bundesschluss am Sinai dazwischen:
br
q.bibeltext
| 1 Zu Mose sprach er [= Gott]: Steig zum HERRN hinauf zusammen mit Aaron, Nadab, Abihu und mit siebzig
| von den Ältesten Israels
br
| 9 ... stiegen Mose, Aaron, Nadab, Abihu und siebzig von den Ältesten Israels hinauf
br
| Auffällig in Verbindung mit der Erzählung bei Markus ist:
ul.card-text
li
| Mose und andere werden mit Namen genannt, wie in Mk 3,13-19 die Apostel.
li
| Wie es bei Mose die 70 Ältesten sind, so sind es in Mk 3,13-19 die Zwölf, die auf den Berg gerufen werden.
li
| Der zwischen Ex 24,1.9 erzählte Bundesschluss und das dann in Ex 24,10 erzählte Schauen Gottes auf dem Gottesberg
| mit dem gemeinsamen Essen und Trinken lassen sich als „getriggert“ durch Mk 3,13-19 in anderen konzentrischen Gliederungen sehr gut
| mit der Verklärung Jesu auf einem Berg und mit dem Letzten Abendmahl („Blut des Bundes“ in Mk 14,24 wie Ex 24,8!) verbinden.
li
| Auch hier erscheint Jesus an der Stelle Gottes (beim Bundesschluss/Abendmahl dann allerdings an der Stelle des Mose).
li
| Zusammenfassend lässt sich sagen:
ul.card-text
li
| Markus formuliert die Erzählung in Anlehnung an Vorbilder aus dem Buch Exodus, bei dem es um das Hinaufsteigen
| des Mose und anderer wie etwa der 70 Ältesten zu Gott geht.
li
| Dabei erscheint Jesus an der Stelle Gottes (nicht der des Mose).
li
| Es ist also sehr wahrscheinlich, dass das Besteigen des Berges durch Jesus allein einleitend seine Auferstehung vergegenwärtigen soll,
| Jesus hier also als Auferstandener handelt.
li
| Dies fügt sich auch mit der vorausgehenden Erzählung gut zusammen, auch im Hinblick auf die Mitte der konzentrischen Gliederung:
ul.card-text
li
| In Mk 3,7-12 stand Jesus an der Schwelle des Todes, in den Berührungen zur Heilung war diese gleichsam aber
| in Analogie zur Heilung des „Aussätzigen“ in der Mitte der konzentrischen Gliederung bereits überschritten;
br
| das Steigen auf den Berg impliziert den vorausgehenden Tod Jesu am Kreuz zum Heil, an dem die Vielen Anteil haben.
li
| Das Hinaufsteigen zunächst von Jesus allein auf den Berg verbindet sich mit dem Rückzug Jesu an einsame Orte,
| nachdem er vom ehedem „Aussätzigen“ nun als „Aussätziger“ aufgrund der Berührung mit diesem geoutet wurde,
| was bereits auch auf die Zeit nach Tod und Auferstehung Jesu vorausgeblickt hat.
li
| Das Kommen der Vielen in Mk 3,7-12 band das vorösterliche Verkündigungswirken Jesu (Mk 1,39) und
| das „nachösterliche“ des Geheilten (Mk 1,45) wie auch das Heilungswirken Jesu beim „Aussätzigen“
| in der erweiterten Mitte der konzentrischen Gliederung zusammen,
br
| jetzt ist der Fokus mit veränderter Mitte der konzentrischer Gliederung ganz auf die nachösterliche Zeit
| gelegt, das Verkündigungs- und Heilungs-Wirken der Apostel, die im weiteren Fortgang in Mk 3,14-19 eingesetzt werden
| und die sich mit dem (nachösterlichen) Verkündigungswirken des ehedem „Aussätzigen“ wie mit seiner Heilung verbinden lassen.
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h5.card-title
q
| ... und rief die zu sich,
i die er selbst wollte
h6.card-subtitle.text-muted Abgrenzung zum Ansturm der Massen bewusste Einsetzung Weniger zum Dienst an den Vielen
hr
ul.card-text
li
| Während in der vorausgehenden Erzählung wie in der Mitte der konzentrischen Gliederung
| die Menschen offenbar von sich aus kommen aufgrund der Verkündigung von nicht namentlich genannten
| Zeugen des Wirkens Jesu bzw. selber Geheilter, nicht zuletzt von Mk 1,28 und Mk 1,45 her ,
br
| wird nun der Wille Jesu in der Auswahl einiger weniger explizit betont.
li
| Beides erscheint zunächst im Kontrast zueinander zu stehen.
li
| Wie der weitere Fortgang aber verdeutlicht, wird hier nicht ein abgeschlossener elitärer Kreis geschaffen,
| sondern ein Kreis von besonderen Nachfolgern, die bei Jesus in die Schule gehen sollen,
br
i damit dieser sie später aussenden kann zum Dienst an den Vielen,
br
| quasi in Aufnahme des „überallher“ in der Mitte der konzentrischen Gliederung „nach überallhin“.
li
| Schon bei der Betrachtung der vorausgehenden Erzählung wurde erwähnt, dass der Rückzug Jesus <i>mit den Jüngern</i>
| demnächst öfter begegnet, damit Jesus sie in besonderer Weise belehren kann,
| aber nicht mit „Geheimwissen“, sondern mit der spezifischen Lehre Jesu,
| mit dem Ziel, dass diese sie später öffentlich verkündigen.
br
| Das besondere Sein Jesu mit dem kleinen berufenen Kreis besonderer Nachfolger steht im Dienst der Vielen,
| denen sie als „Multiplikatoren“ des Wirkens Jesu dienen sollen.
li
| Dennoch ist die Betonung des Willens Jesu auffallend:
br
| diese Multiplikatoren werden als direkt von Jesus berufen herausgestellt, aufgrund von Jesu direktem Willen
br
| und ihre Berufung ist doch in Kontrast gesetzt zum Kommen der Vielen aufgrund der Verkündigung anderer Menschen.
li
| Dabei werden einerseits die Souveränität Jesu bzw. die Souveränität der Berufung durch Jesus herausgestellt,
br
| dies hat aber andererseits Folgen für das Selbstverständnis der so Berufenen.
li
| Bei allen vorausgehenden und auch kommenden Anspielungen auf Briefe des Apostel Paulus könnte auch hier
| der Blick auf Paulus, näherhin der Brief des Paulus an die Galater, verdeutlichen, was Markus hier sagen will:
br
q.bibeltext
| Paulus,
br
i zum Apostel berufen,
br
| nicht von Menschen oder durch einen Menschen,
br
i sondern durch Jesus Christus und durch Gott, den Vater, der ihn von den Toten auferweckt hat,
br
| und alle Brüder, die bei mir sind, an die Gemeinden in Galatien
span.bibelstelle Gal 1,1-2
p.small
| Man beachte, dass die Wendung „die bei mir sind“ in Gal 1,1 mit Bezug auf Paulus sich ganz ähnlich in Mk 3,14 findet
| mit Bezug auf Jesus: „... dass sie mit ihm seien“.
q.bibeltext
| Als es aber Gott gefiel, der mich schon im Mutterleib auserwählt und durch seine Gnade berufen hat,
| in mir seinen Sohn zu offenbaren, damit ich ihn unter den Völkern verkünde, da zog ich nicht Fleisch und Blut zu Rate;
| ich ging auch nicht sogleich nach Jerusalem hinauf zu denen, die vor mir Apostel waren, sondern zog nach Arabien und kehrte dann wieder nach Damaskus zurück.
span.bibelstelle Gal 2,15-17
li.small
| Man beachte eine interessante Parallele zwischen den Aussagen des Paulus zu seiner Berufung und Mk 3,13-19:
br
| Wie Paulus seine Berufung auf den Auferstandenen zurückführt, werden auch hier die Zwölf vom „Auferstandenen“ auf dem Berg berufen.
li
| Paulus ist es sehr wichtig, seine eigene Berufung auf Jesus direkt zurückzuführen;
| dies gegen den Vorwurf, „Apostel zweiter Klasse“ zu sein, da er ja erst nach Ostern zum Glauben kam,
| und dass daher sein Wissen über Jesus ein vermitteltes, nicht direkt erlebtes sei,
| das der Korrektur durch die „echten Apostel“ offen stehen würde.
li
| Auf die direkte Berufung durch Jesus stützt Paulus seine Autorität;
br
| sie geht auf Jesus zurück, ist Resultat des göttlichen Heilsplans und nicht einer Wahl oder Beauftragung durch Menschen.
br
| Analoges wird hier in Absetzung von den Vielen von den Zwölf ausgesagt.
br
| Die Zwölf sind zwar für die Vielen da, aber nicht von diesen auserwählt, sondern von Jesus;
br
| sie sind allein dem Willen Jesu in Lehre und Tätigkeit verpflichtet, der sie ausgewählt hat
| und zu dem gemacht hat, was sie sind.
li
| Nachdem der Kreis der Zwölf zur Zeit der Abfassung des Markus-Evangeliums nicht mehr existierte
br
| und ferner die Berufung der Zwölf aufgrund des direkten Willens Jesu auf die Berufung des Paulus, wie er sie im Galaterbrief verdeutlicht,
| durchsichtig wird,
br
| wird Markus hier etwas generell zum kirchlichen „Amt“ sagen wollen:
br
| ganz im Dienst der Vielen, aber ganz von Jesus her und ihm verpflichtet.
li
| Hier darf bewusst werden, dass auch bei der Heilung des „Aussätzigen“ der Wille Jesu herausgestellt wird,
| eine klare Verbindung der Erzählung am unteren Rand und mit jener in der Mitte der konzentrischen Gliederung.
br
| Allerdings kommt der „Aussätzige“ zunächst von sich aus auf Jesus zu wie die Vielen in der vorausgehenden Erzählung ,
| seine Bitte um Hilfe ist aber eher umständlich
| und fragt nach dem Willen Jesu:
ul.card-text
li Dass beim „Aussätzigen“ einerseits das Kommen von sich aus zu Jesus erzählt wird, verbindet ihn mit den Vielen in Mk 3,7-12 (→ vorherige konzentrische Gliederung);
li dass andererseits der Wille Jesu zur Heilung fragend herausgestellt wird, verbindet ihn mit der Berufung der Zwölf (→ aktuelle konzentrische Gliederung).
| Dass der Wille Jesu zur Heilung des „Aussätzigen“ explizit herausgestellt wird und die Berufung der Zwölf
| gemäß explizitem Willen Jesu geschieht,
| ist wohl von der perspektivischen Beauftragung der Zwölf zur Dämonenaustreibung her zu verstehen.
br
i → Die durch den ausdrücklichen Willen Jesu (besonders) Berufenen werden zu den Ausführenden des Heilswillens Jesu an den Vielen.
br
| Das Schweigegebot, das dem Geheilten auferlegt wird und das dieser bricht, verbindet sich damit,
| dass zwar die perspektivische Absicht Jesu, dass die Zwölf verkündigen sollen, genannt ist, diese aber erst zu einem
| späteren Zeitpunkt damit beauftragt werden.
br
| Alles steht unter dem Vorbehalt des erzählerisch noch ausstehenden Todes und der Auferstehung Jesu.
.card.slide.border-primary.mb-3
.card-body
h5.card-title
q ... und er machte zwölf
hr
ul.card-text
li
| Es heißt nicht eigentlich, dass Jesus die Zwölf „einsetzte“, sondern dass er sie „machte“,
br
| wie er Petrus und Andreas schon in Mk 1,17 in Aussicht stellte, dass er sie zu Menschenfischer „machen“ würde.
li
| Dieses „Machen“ ist im Sinne von „Einsetzen“ zu verstehen, wie auch alttestamentliche (griechische) Texte verdeutlichen.
li
| In der Exegese ist umstritten, inwieweit dieses „Machen“ eine Anspielung auf die Schöpfungserzählung sein soll,
| die von einem Machen Gottes spricht.
br
| Jedenfalls gibt es einige interessante Bezüge:
ul.card-text
li
| Die Schöpfung ist ein „Machen“ Gottes gegen das Chaos, das zurückgedrängt wird, damit Leben möglich ist.
li
| Jesus „macht“ die Zwölf quasi als Antwort auf den ungeordneten Andrang der Vielen, das Chaos, das bei Jesus Todes-Angst hervorruft.
li
| An anderen Stellen des Evangeliums wird deutlich, dass Gott selbst durch Jesus hindurch wirkt;
br
| Jesus wirkt (neu-)schöpferisch etwa am Taubstummen in Mk 7,31-17 und sein Wort weckt das tote Mädchen in Mk 5,35-43 auf,
| wie das Wort Gottes die Schöpfung bewirkt.
li
| Wichtig ist allemal der Aspekt, dass die Zwölf und damit das Amt insgesamt eine Antwort auf den unbändigen Andrang der Vielen ist.
br
| Das Amt hat damit nicht nur wie unten ausgeführt verkündigende und heilsvermittelnde Funktion, sondern auch ordnende Funktion:
br
i Jesus <i>erschafft</i> das Amt, um des Andrangs der Vielen Herr zu werden.
li
| Dies bestätigt etwa die Erzählung von der Brotvermehrung in Mk 6,35-44;
br
| dort lässt Jesus die Menschen <i>durch die Anweisung der Jünger</i> „in Mahlgemeinschaften im grünen Gras lagern“,
| was als ordnender Umgang mit den vielen hungrigen Menschen verstanden werden kann.
li
| Das „Machen“ der Zwölf durch Jesus, um den unbändigen Massen Herr werden zu können,
br
| vergegenwärtigt eine Erzählung aus dem Buch Exodus, wo Mose Hauptleute „macht“, um dem ganzen Volk gerecht werden zu können:
br
q.bibeltext
| 13 Am folgenden Morgen setzte sich Mose, um für das Volk Recht zu sprechen.
br
| Die Leute mussten vor Mose vom Morgen bis zum Abend anstehen.
br
| 14 Als der Schwiegervater des Mose sah, was er alles für das Volk zu tun hatte, sagte er:
br
q Was soll das, was du da für das Volk tust? Warum sitzt du hier allein und die vielen Leute müssen vom Morgen bis zum Abend vor dir anstehen?
br
| 15 Mose antwortete seinem Schwiegervater:
br
q
| Weil das Volk zu mir kommt, um Gott zu befragen.
br
| 16 Wenn sie einen Streitfall haben, kommt er zu mir.
br
| Ich entscheide zwischen ihnen und teile ihnen die Gesetze und Weisungen Gottes mit.
br
| 17 Da sagte der Schwiegervater zu Mose:
br
q
| Es ist nicht gut, wie du das machst.
br
| 18 So richtest du dich selbst zugrunde und auch das Volk, das bei dir ist.
br
| Das ist zu schwer für dich; allein kannst du es nicht bewältigen.
br
| 19 Nun hör zu, ich will dir einen Rat geben und Gott wird mit dir sein.
br
| Vertritt du das Volk vor Gott! Bring ihre Angelegenheiten vor ihn,
| 20 unterrichte sie in den Gesetzen und Weisungen und mach sie mit dem Weg bekannt, auf dem sie gehen, und mit dem Tun, nach dem sie handeln sollen!
br
| 21 Du aber sieh dich im ganzen Volk nach tüchtigen, gottesfürchtigen und zuverlässigen Männern um, die Bestechung ablehnen.
br
| Gib dem Volk Vorsteher für je tausend, hundert, fünfzig und zehn!
br
| 22 Sie sollen dem Volk jederzeit als Richter zur Verfügung stehen.
br
| Alle wichtigen Fälle sollen sie vor dich bringen, die leichteren sollen sie selber entscheiden.
br
| Entlaste dich und lass sie mittragen!
br
| 23 Wenn du das tust, sofern Gott zustimmt, bleibst du der Aufgabe gewachsen und dieses ganze Volk kann in Frieden heimkehren.
br
| 24 Mose hörte auf seinen Schwiegervater und tat alles, was er vorschlug.
br
| 25 Mose wählte sich tüchtige Männer in ganz Israel aus und setzte sie als Hauptleute über das Volk ein,
br
| als Vorsteher für je tausend, hundert, fünfzig und zehn.
br
| 26 Sie standen dem Volk jederzeit als Richter zur Verfügung.
br
| Die schwierigen Fälle brachten sie vor Mose, alle leichteren entschieden sie selber.
br
| 27 Mose verabschiedete seinen Schwiegervater und dieser kehrte in sein Land zurück.
span.bibelstelle Ex 18,13-27
li
| Dass hier die Zahlen Hundert und Fünfzig neben anderen begegnen,
| die auch in der Brotvermehrungserzählung als Größen der Mahlgemeinschaften auf Wirken der Jünger hin genannt sind (s. o.)
| mag ein weiteres deutliches Indiz sein, dass Markus jene Erzählung aus dem Buch Exodus vergegenwärtigen und auf Jesus adaptieren will.
.card.slide.border-primary.mb-3
.card-body
h5.card-title
q ... damit er sie aussende
hr
ul.card-text
li
| Jesus ruft die Zwölf zu ihm hin, um sie von sich her auszusenden;
br
| eine Bewegung auf ihn hin und von ihm her.
li
| Die Zwölf bzw. insgesamt die „besonders Gerufenen“ sind nicht als abgeschlossener elitärer Kreis geschaffen,
| sondern als eine Gruppe von besonderen Nachfolgern, die nachdem sie bei Jesus in die Schule gegangen sind ,
| ausgesandt werden
i zum Dienst an den Vielen.
li
| Die Szenerie lässt Jesus oben auf dem Berg sein, die Jünger steigen wie Mose zu Gott zu Jesus hinauf;
br
| von der Begegnung mit ihm, dem „Auferstandenen“ her, werden sie dann ausgesandt.
li
| Sie sind Multiplikatoren für den Auferstandenen, sie wirken von ihm her und somit er durch sie.
li
| Der Bewegung der Vielen auf Jesus zu in der Mitte der konzentrischen Gliederung („von überallher“) wie in der vorausgehenden Erzählung
| entspricht als Gegenüber die Aussendung der Zwölf durch Jesus quasi „überallhin“.
.card.slide.border-primary.mb-3
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h5.card-title Die Zwölf Anteil an Jesu eigener Sendung
hr
ul.card-text
li
| Jesus beruft die Zwölf als Teilhaber an seiner eigenen Verkündigung und seiner eigenen
| Vollmacht über die Dämonen, um sie später auszusenden.
br
| Ihre Aufgabe ist es, mit Jesus mitzuwirken bzw. nach Ostern sein Werk fortzusetzen.
li
| Die Heilung des Aussätzigen in der Mitte der konzentrischen Gliederung zeigt Jesus (Heilung) bzw. den Aussätzigen (Verkündigung)
| als Vorbild.
li
| Die Heilung ist dabei als Dämonenaustreibung zu interpretieren machbar aufgrund der Bezüge in vorausgehenden Erzählungen und Verbindungen ;
br
| gemeint ist mit den Dämonenaustreibungen also das „Reinmachen“ der Menschen in der Taufe, bei der sie den „Austausch“ Jesu mit den „Aussätzigen“ am Kreuz applizieren
| und zur Anwendung kommen lassen.
li
| Doch vor dem Aussenden steht das „mit ihm sein“, das Bei-Jesus-in-die-Lehre gehen, als Befähigung, wirklich dem Willen Jesu zu entsprechen
| im eigenen Tätigwerden.
li
| Die Verkündigungstätigkeit des Aussätzigen geschieht nach seinem „Austausch“ mit Jesus
| übertragen also nach dessen in der Erzählung angespielten Tod am Kreuz ;
br
| genauso werden die von Jesus Gesendeten dann vor allem nach Ostern ihre Aufgabe haben, während vorher alles auf Jesus fokusiert bleibt.
br
| Aber auch nach Ostern ist und bleibt Jesus die zentrale Figur, von der alles ausgeht und bei dem alles zusammenläuft,
| worauf die Menschen, die am Ende der Aussätzigenerzählung „von überallher“ <i>zu Jesus</i> kommen, hinweisen.
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h5.card-title Die Zwölf „Stammväter“ des erneuerten Gottesvolkes
hr
ul.card-text
li
| Da zum Zwölferkreis auch der spätere Verräter Judas zählt und dieser Kreis sehr bald nach Ostern
| keine Rolle mehr spielt (man hat zwar noch Matthias für Judas nachgewählt, doch die Spur der Apostel verliert sich dann in der Apostelgeschichte),
| wird man davon ausgehen können, dass Idee und Bestellung des Zwölferkreises auf Jesus selbst zurückgeht.
li
| In der Zwölfzahl wird deutlich, dass Jesus das Zwölfstämmevolk Israel durch sein Wirken erneuern wollte;
| seine Zwölf sollten die neuen Stammväter des erneuerten Gottesvolkes sein.
li
| Deutlich wird damit aber auch, dass der historische Jesus sehr wahrscheinlich eine rein innerisraelitische Perspektive
| bzw. ein innerjüdisches Sendungsbewusstsein hatte die Heiden kamen dann erst nach Ostern und erst „durch den Lauf der frühen Gemeinden-Geschichten“
| dazu, wiewohl Verhaltensweisen Jesu hier Andockmöglichkeiten boten, besonders dann aber der Tod Jesu am Kreuz in paulinisch(-markinischer) Interpretation.
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h5.card-title Die Zwölf eine bunte Mischung
hr
ul.card-text
li
| Die wenigsten Apostel spielen im Evangelium eine Rolle;
br
| als Markus sein Evangelium schreibt, ist der Kreis als solcher und sind die meisten seiner Glieder längst nur noch Erinnerung.
li
| Petrus und Andreas sowie Jakobus und Johannes sind uns als Fischer mittlerweile bekannt;
br
| auch die restlichen Apostel dürften eher aus dem „normalen“ bis „einfachen“ Volk stammen zu bedenken ist allerdings das
| zur Herkunft von Jakobus und Johannes Gesagte (→ Philipperhymnus).
li
| Auffällig ist, dass etwa auch eine „Simon Kananäus“ (=„Simon, der Zelot“) zum Apostelkreis,
| also zum engsten Kreis um Jesus zählte.
br
| Er gehörte so legt es sein Beiname nahe offensichtlich der Gruppe der Zeloten an, einer militanten Gruppe,
| die durchaus mit Gewalt einen Umsturz in Israel wollte.
br
| Inwieweit er seine Ansichten durch sein Jüngersein angepasst hat oder seine Hoffnungen als Angehöriger der militanten Zeloten auf
| den (in der Überlieferung eher friedliebenden) Jesus gesetzt hat (und dann vielleicht von ihm enttäuscht wurde),
| wissen wir nicht und dies gehört in den Bereich der Spekulation. Bemerkenswert ist seine Zugehörigkeit zu den Aposteln aber allemal.
li
| Ob der Beiname „Iskariot“ des Judas als Herkunftsbezeichnung zu interpretieren ist (→ „Isch Qerijot“ = Mann aus Kariot)
| oder doch Judas als „Sikarier“ (= „Dolchträger“ im Sinne von „Meuchelmörder“) ausweist, einer Untergruppe
| der Zeloten, kann auch nicht abschließend geklärt werden, beides erscheint möglich.
br
| Im Hinblick auf „Simon Kananäus“ ist aber gerade die letztere Interpretation nicht die unwahrscheinlichste,
| weil sie auch eine gewisse Erklärung geben könnte, warum ausgerechnet Judas zum Verräter wurde.
li
| Festzuhalten bleibt, dass Jesus offenbar ganz unterschiedliche Personen mit unterschiedlichen Hoffnungen anziehen konnte;
br
| sicher hat er gerade als Messias <i>durch seinen Tod am Kreuz</i> nicht alle Hoffnungen erfüllen können,
| wie das Kreuz unter einigen Jesus-Jüngern ja auch nachösterlich zum „Ärgernis“ geworden ist (→ Mk 1,34-49).
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h5.card-title
q ... und Judas Iskariot, der ihn dann ausgeliefert hat.
h6.card-subtitle.text-muted
| Judas und der ehedem Aussätzige ähnlich und doch ganz anders
hr
ul.card-text
li
| In der Mitte der konzentrischen Gliederung ist es der Aussätzige, der trotz Verbot verkündet allerdings
| mit dem positiven Aspekt, dass Jesus, wiewohl mittlerweile durch die Berührung des „Aussätzigen“ selbst „Aussätziger“,
| von Leuten „von überallher“ aufgesucht wird.
br
| Man bedenke: als der ehedem Aussätzige seine Verkündigung beginnt, hat der „Austausch“ schon stattgefunden, ist Jesus „schon tot“.
li
| Judas dagegen wird wiewohl autorisierter Apostel zum Verräter, der zu Jesu Tod aktiv beiträgt.
li
| Der eine wird zum Verkünder der Frohen Botschaft von Jesu Tod zum Heil der Menschen („Austausch“),
br
| der andere hat das (die Menschen erlösende) Unheil, das über Jesus hereinbricht, mit verursacht
| und dabei eine ganz eigenwillige Rolle gespielt (vgl. Mk 14,17-22);
br
| in diesem Sinne ist auch das „ausgeliefert“ zu verstehen, zwar terminus technicus für die Passion Jesu letztlich die erlösende Preisgabe des Sohnes durch Gott selbst ,
| diesmal aber gerade nicht passivum divinum.
| (Lukas verändert vielleicht an dieser Stelle bewusst zum „Verräter“, s. u.)
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h5.card-title Die Zwölf als wirkmächtige Multiplikatoren Jesu ↔ „zeig dich dem Priester“
hr
ul.card-text
li
| Den Zwölf wird perspektivisch eine aktive Rolle zugewiesen,
| nicht zuletzt auch die Vollmacht, Dämonen auszutreiben.
li
| Im Gegensatz dazu erhält der Priester in der Mitte der konzentrischen Gliederung
| nur eine bestätigende Funktion; beim eigentlichen Heilsgeschehen ist er zum Zuschauer degradiert.
li
| Mk 1,44 spielt auf Gal 4,4-6 an: die Heilung des „Aussätzigen“ „erzählt“ den Freikauf vom Fluch des jüdischen Gesetzes,
| das ohnmächtig darin war, Heil zu vermitteln, vielmehr alle mit einem tödlichen Fluch belegt hatte;
br
| der Freikauf vom Fluch des Gesetzes aber impliziert so die paulinisch(-markinische) Interpretation das Ende des Zeitalters des jüdischen Gesetzes insgesamt.
li
| Diese Ohnmacht des jüdischen Gesetzes ist so liegt es im Gegenüber zur durch Jesus an die Zwölf verliehenen Vollmacht nahe auszudehnen
| auf die anderen jüdischen Institutionen der Heilsvermittlung: die Priester, die Opfer, den Tempel.
br
| Auch sie sind an ihr Ende gekommen.
li
| Heilsvermittlung geschieht vollmächtig von Jesus seinem Tod und seiner Auferstehung her künftig (allein) durch die von
| Jesus beauftragten Apostel (in einem weiteren Sinn, s. o.), die aufgrund dieser Vollmacht im Gegensatz zum jüdischen Gesetz
| und den anderen jüdischen „Heils“-Institutionen tatsächlich Dämonen austreiben können,
| weil Christus in seinem Fluchtod am Kreuz vom tödlichen Fluch des jüdischen Gesetzes befreit hat.
li
| Perspektivisch ist mit der Aussendung der Jünger als Gegenüber zum Kommen der Leute „von überallher“
| die Aussendung „nach überallhin“ im Blick, gerade auch zu den Heiden im Sinne einer gesetzesfreien Heidenmission.
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h5.card-title „Austausch“
hr
ul.card-text
li In der Erzählung von der Heilung des „Aussätzigen“ ist der „Austausch“ zwischen Jesus und dem „Aussätzigen“ ein zentrales Element.
li
| Damit verbindet sich zum einen die Beinamensgebung vor allem bei Petrus, wird dieser doch ab „jetzt“ so genannt statt dem bisherigen Simon.
li
| Damit verbindet sich zum anderen auch der „Austausch“ des „Kommens“ der Zwölf zu Jesus auf den Berg und des Mit-Jesus-Seins
| mit dem perspektivischen Ausgesendetwerden der Zwölf.
br
| In Verbindung mit der Mitte der konzentrischen Gliederung wird dies ergänzt um den „Austausch“ des Kommens der Leute „von überallher“
| zu Jesus mit dem perspektivischen Ausgesendetwerden der Zwölf nach „überallhin“.
li
| Ferner ist ein perspektivischer personeller „Austausch“ zu nennen: nach Tod und Auferstehung Jesu führen die Zwölf sein Wirken fort.
br
| Dieser ist hier in Verbindung mit der Mitte der konzentrischen Gliederung abgebildet,
br
| insofern dort Jesus heilt, während künftig die Apostel Dämonen austreiben sollen,
br
| und ferner dort der Geheilte der mit Jesus den „Platz getauscht“ hat verkündet, was künftig auch die Zwölf tun sollen.
br
| Diesem perspektivischen personellen „Austausch“ entspricht, dass sich der Wille Jesu in der Mitte der konzentrischen Gliederung
| auf die Heilung des „Aussätzigen“ bezieht sein eigenes Tätigwerden zum Heil der Menschen ,
| am unteren Ende der konzentrischen Gliederung dagegen auf jene, die er zu sich ruft,
| um sie dann perspektivisch u. a. zur Dämonenaustreibung auszusenden.
li
| Schließlich ist in der Verbindung Mitte und unteres Ende der konzentrischen Gliederung
| noch zu nennen, dass der Geheilte mit seiner eigentlich untersagten Verkündigung
| (nach dem im Tod am Kreuz vollzogenen „Austausch“) dafür sorgt, dass Menschen
| im positiven Sinne zu Jesus kommen,
br
| während der eigentlich direkt von Jesus ausgewählte Judas Iskariot dafür sorgen wird,
| dass Menschen zu Jesus kommen, die ihn verhaften (→ „der ihn dann ausgeliefert hat“) und dann dessen Tötung am Kreuz betreiben.
br
| Dabei gibt es einen weiteren „Austausch“: Während in der Erzählung von der Heilung des „Aussätzigen“ der Wille Jesu
| hervorgehoben wird, den „Aussätzigen“ zu heilen effektiv also am Kreuz für ihn zu sterben ,
| wird bei der Erwählung des Judas Iskariot dessen Schuld am Tod Jesu herausgestellt.
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h5.card-title Apostellisten im Neuen Testament
hr
p.card-text
| Im Neuen Testament gibt es 4 Apostellisten bei den Synoptikern (und eine ganz aus der Reihe fallende im Johannes-Evangelium).
table.table.table-sm.mt-3
thead
tr
th.card-text(style="width: 25%;")
| Mt 10,2-4
th.card-text(style="width: 25%;")
| Mk 3,16-19
th.card-text(style="width: 25%;")
| Lk 6,14-16
th.card-text
| Apg 1,13
tbody
tr
td.card-text
| 2 Die Namen der zwölf Apostel sind:
td.card-text
| 16 Die Zwölf, die er einsetzte, waren:
td.card-text
| ... und wählte aus ihnen zwölf aus; sie nannte er auch Apostel:
td.card-text
tr
td.card-text
| an erster Stelle Simon, genannt Petrus,
td.card-text
| Petrus - diesen Beinamen gab er dem Simon -,
td.card-text
| 14 Simon, den er auch Petrus nannte,
td.card-text
| Petrus
tr
td.card-text
| und sein Bruder Andreas,
td.card-text
|
td.card-text
| und dessen Bruder Andreas,
td.card-text
|
tr
td.card-text
| dann Jakobus, der Sohn des Zebedäus,
br
| und sein Bruder Johannes,
td.card-text
| 17 Jakobus, der Sohn des Zebedäus, und Johannes, der Bruder des Jakobus - ihnen gab er den Beinamen Boanerges, das heißt Donnersöhne -,
td.card-text
| Jakobus, Johannes,
td.card-text
| und Johannes,
br
| Jakobus
tr
td.card-text
|
td.card-text
| 18 dazu Andreas,
td.card-text
|
td.card-text
| und Andreas,
tr
td.card-text
| 3 Philippus und Bartholomäus,
td.card-text
| Philippus, Bartholomäus,
td.card-text
| Philippus, Bartholomäus,
td.card-text
| Philippus und Thomas,
tr
td.card-text
| Thomas und Matthäus, der Zöllner,
td.card-text
| Matthäus, Thomas,
td.card-text
| 15 Matthäus, Thomas,
td.card-text
| Bartholomäus und Matthäus,
tr
td.card-text
| Jakobus, der Sohn des Alphäus,
td.card-text
| Jakobus, der Sohn des Alphäus,
td.card-text
| Jakobus, den Sohn des Alphäus,
td.card-text
| Jakobus, der Sohn des Alphäus,
tr
td.card-text
| und Thaddäus,
td.card-text
| Thaddäus,
td.card-text
td.card-text
tr
td.card-text
| 4 Simon Kananäus
td.card-text
| Simon Kananäus
td.card-text
| Simon, genannt der Zelot,
td.card-text
| und Simon, der Zelot,
tr
td.card-text
td.card-text
td.card-text
| 16 Judas, den Sohn des Jakobus,
td.card-text
| sowie Judas, der Sohn des Jakobus.
tr
td.card-text
| und Judas Iskariot, der ihn ausgeliefert hat.
td.card-text
| 19 und Judas Iskariot, der ihn dann ausgeliefert hat.
td.card-text
| und Judas Iskariot, der zum Verräter wurde.
td.card-text.small
| [Judas Iskariot fehlt hier aus verständlichen Gründen]
p.card-text.mb-0
b Unterschiede in den Zwölferlisten bei Namen und Beinamen
ul.card-text
li Bei Lukas findet sich statt Thaddäus ein „Judas, Sohn des Jakobus“.
li
| „Simon der Kananäer“ wird bei Lukas als „Simon, der Zelot“ bezeichnet;
br
| das ist die korrekte griechische Übersetzung des aramäischen Wortes „qan'an“, das „Eiferer“ bedeutet.
li
| Nur bei Markus findet sich die Angabe, Jakobus und Johannes, die beiden Söhne des Zebedäus,
| hätten den Beinamen „Boanerges“ („Donnersöhne“) erhalten.
li
| Bei Matthäus wird der Apostel Matthäus als "Zöllner" ausgewiesen.
br
p.card-text.small
| Zu beachten ist, dass bei ihm der Zöllner Levi in Matthäus umbenannt wird.
p.card-text.mb-0
b Unterschiede in der Reihenfolge
ul.card-text
li Petrus steht immer auf dem ersten Platz und Judas Iskariot immer auf dem letzten Platz.
li
| Andreas steht in Mk an der vierten Position, bei Mt und Lk rückt er auf die zweite Position vor.
br
| So stehen hier zwei Brüderpaare nebeneinander: Simon Petrus und sein Bruder Andreas, Jakobus neben seinem Bruder Johannes.
li
| In der Apostelgeschichte wird diese „familiäre“ Anordnung wieder aufgelöst und die Brüder erscheinen
| als „gemischtes Doppel“, wie auch die anderen Namen in neuen Paarungen erscheinen.
li
| Im Matthäusevangelium werden weiters die Positionen von Matthäus und Thomas vertauscht.
p.card-text.mb-0
b Zur Namensliste bei Markus
ul.card-text
li
| Die Umstellung der Söhne des Zebedäus zwischen Petrus und Andreas die als Brüder unschön getrennt werden
| geht wohl auf Markus zurück,
| da Petrus, Jakobus und Johannes auch an anderen Stellen im Evangelium eine besondere Rolle spielen:
br
| sie und nur sie von den Aposteln nämlich sind dabei bei der Auferweckung der Tochter des Jairus, bei der Verklärung und in Getsemani.
li
| Der Betonung dieser Dreiergruppe dient auch die Erwähnung der besonderen (Bei-)Namensgebung nur bei diesen dreien.
li
| Sehr wahrscheinlich liegt hier eine Reminiszenz an die „Säulen der Gemeinde“ in Gal 2,9 vor,
| zu denen Kephas = Petrus, Johannes und Jakobus zählen, wobei allerdings jener Jakobus nicht der Bruder des Johannes ist,
| sondern der Herrenbruder. Aber die Namensgleichheit ist sehr auffällig, zumal Markus ja unter anderem den Galaterbrief für sein
| Evangelium benutzt.
li
| Ab Mk 3,16 wird Petrus konsequent bei diesem Namen genannt, bis dahin konsequent mit dem Namen Simon.
br
| Vielleicht ein Hinweis darauf, dass auch Petrus erst von Ostern her seine wirkliche Funktion hat;
br
| dafür sprechen auch das Versagen Petri bei der Passion und der Neuansatz mit Mk 16,7, der auf die Berufung in Mk 1,16-20 verweist.
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h5.card-title Paulus, der „Aussätzige“
h6.card-subtitle.text-muted Eine besondere Deutung des „Aussätzigen“ in der aktuellen konzentrischen Gliederung
hr
ul.card-text
li
| Schon bei der Betrachtung der Betonung des ausdrücklichen Willens Jesu bei der Berufung der Zwölf kam Paulus
| und kamen seine Ausführungen hinsichtlich seiner Berufung in seinem Brief an die Galater in den Blick.
li
| Dabei betont er auch siehe das Zitat oben , dass er „nicht sogleich nach Jerusalem hinauf zu denen, die vor mir Apostel waren“, ging (Gal 1,17).
br
| Der „Aussätzige“ geht nach seiner Heilung entgegen der Weisung Jesu nicht zum Priester, sondern beginnt eine eigene Verkündigungstätigkeit.
br
| Insofern der Priester den Tempel und der Tempel wiederum Jerusalem assoziiert, könnte das wieder einmal sehr subtil eine Anspielung
| auf jene Aussage des Paulus sein gerade auch vor dem Hintergrund, dass in der Liste der Zwölf die drei „Säulen“ in Jerusalem nach Gal 2,9
| (wenn auch mit dem „falschen“ Jakobus) prominent am Anfang genannt und durch die Beinamensgebung besonders hervorgehoben sind.
br
| Indem Paulus betont, dass er nicht nach Jerusalem gegangen sei, wehrt er sich offenbar dagegen,
| dass seine Verkündigungstätigkeit als abhängig von den „Säulen“ in Jerusalem hingestellt wird und diese
| den Inhalt seiner Verkündigung bestätigen müssten:
br
| er weist ihre „Bestätigungsfunktion“ genauso zurück, wie der geheilte „Aussätzige“ die „Bestätigungsfunktion“
| des Priesters ignoriert.
li
| Dies alles bemerkt, kann in der Gegenüberstellung der Zwölf mit dem „Aussätzigen“ recht gut der „Aussätzige“ auf Paulus durchsichtig werden,
| wenn man das erweiterte Ur-Bekenntnis des Christentums nach 1 Kor 15 heranzieht:
br
q.bibeltext
| 3 ... vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe:
br
| Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift, 4 und ist begraben worden. /
br
| Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift, 5 und <i>erschien dem Kephas [= Petrus], dann den Zwölf.</i>
br
| 6 Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich; die meisten von ihnen sind noch am Leben, einige sind entschlafen.
br
| 7 Danach erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln.
br
| 8 <i>Zuletzt erschien er auch mir, gleichsam der Missgeburt.</i>
br
| 9 Denn ich bin der Geringste von den Aposteln; ich bin nicht wert, Apostel genannt zu werden, weil ich die Kirche Gottes verfolgt habe.
| 10 Doch durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin, und sein gnädiges Handeln an mir ist nicht ohne Wirkung geblieben.
| Mehr als sie alle habe ich mich abgemüht nicht ich, sondern die Gnade Gottes zusammen mit mir.
br
| 11 Ob nun ich verkünde oder die anderen: Das ist unsere Botschaft und das ist der Glaube, den ihr angenommen habt.
span.bibelstelle 1 Kor 15,3-11
br
| Paulus bezeichnet sich hier selbst „gleichsam“ als „Missgeburt“ das lässt sich sehr gut mit dem „Aussätzigen“ verbinden.
br
| Ferner ist der Berg, der bei Markus die Kulisse bietet, klassischer Ort für Erscheinungen: Mk 3,13-19 kann sehr gut mit 1 Kor 15,5 verbunden werden.
li
| Störend in dieser Deutung des „Aussätzigen“ auf Paulus wirkt allerdings zunächst das Schweigegebot Jesu, das ganz im Sinne der Gegner des Paulus
| im Brief an die Galater wäre.
br
| Doch dies ist auch ein Schlüssel zum Verständnis:
br
| Denn es spricht hier der „Sohn Gottes, ... dem Gesetz unterstellt“, daher ist das Schweigegebot hier zu relativieren.
br
| Hier spricht nicht eigentlich Jesus, sondern sprechen die „Säulen“ in Jerusalem, auf die die Namen Petrus, Jakobus und Johannes
| zu Beginn der Zwölferliste hinweisen (siehe oben) ein „Austausch“ ganz eigener Art, der perfekt in das Motiv „Austausch“
| rund um den „Aussätzigen“ passt.
br
| Diese „Säulen“ in Jerusalem wollen Paulus angeblich, teils auch realiter
| an der gesetzesfreien Heidenmission hindern, an das Gesetz binden, wie der „Aussätzige“ hier an das Gesetz gebunden wird.
br
| Wie Paulus sich dem widersetzt und erfolgreich! gesetzesfreie Heidenmission betreibt, so geschieht auch
| das erfolgreiche Verkündigungshandeln des ehedem „Aussätzigen“ im Widerspruch zur Bindung an das Gesetz.
br
| Zu bedenken ist ja auch, dass es sich hier um das <i>einzige</i> Schweigegebot im ganzen Evangelium handelt, das gebrochen wird,
| und der Bruch auf das Ganze gesehen eher positiv als negativ zu sehen ist;
| die hier beschriebenen Zusammenhänge geben eine sehr plausible Erklärung dafür.
li
| Mit dem „Aussätzigen“ auf Paulus gedeutet bekommt auch die jeweilige Hervorhebung des Willens Jesu
| eine eigene Bedeutung: so, wie er die 12 ausdrücklich will, will er auch ausdrücklich die Heilung des „Aussätzigen“;
| damit wird dieser ganz im Sinne des Paulus im Galaterbrief jenen gleichgestellt.
li
| Ein weiteres Element passt gut in diese Deutung:
br
| Es ist ja in besonderer Weise Paulus, der das Kreuz Christi betont, das ein „Ärgernis“ ist für judaisierende Christen,
| die Kreuzestod und jüdisches Gesetz harmonisieren wollen, was nach Paulus nicht geht.
br
| So verkündet er in besonderer Weise, dass Jesus ein „Aussätziger“ geworden ist, um der Menschheit das Heil zu bringen.
br
| Ja mehr noch, während Paulus in seiner vorchristlichen Zeit ein glühender Anhänger des jüdischen Gesetzes war „rein“ aus
| der Sicht des Gesetzes , ist er zu einem Feind des jüdischen Gesetzes geworden, was dessen Heilsbedeutung anbelangt;
| damit ist er aus Sicht der judaisierenden Christen selber zu einem „Aussätzigen“ geworden, während er es vorher
| nicht war. Wieder ein „Austausch“ ganz eigener Art, analog zu Jesus.
br
| In der eigenen rückblickenden Einschätzung des Paulus ist es aber so, dass er im Blick auf Gott von einem „Aussätzigen“
| zu einem „Reinen“ wurde, wie der „Aussätzige“ in der Erzählung.
br
| Als Hintergrund mag hier aus
span.bibelstelle Phil 3,5-14
| zitiert sein, in Ergänzung zu 1 Kor 15, 9 (siehe oben):
br
q.bibeltext
| 5 Ich wurde am achten Tag beschnitten, bin aus Israels Geschlecht, vom Stamm Benjamin, ein Hebräer von Hebräern, nach dem Gesetz ein Pharisäer;
br
| 6 ich verfolgte voll Eifer die Kirche
br
| und war untadelig gemessen an der Gerechtigkeit, die im Gesetz gefordert ist.
br
| 7 Doch was mir ein Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Verlust gehalten.
br
| 8 Ja noch mehr: Ich halte dafür, dass alles Verlust ist, weil die Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, alles überragt.
br
| Seinetwegen habe ich alles aufgegeben und halte es für Unrat, um Christus zu gewinnen 9 und in ihm erfunden zu werden.
br
| Nicht meine Gerechtigkeit will ich haben, die aus dem Gesetz hervorgeht, sondern jene, die durch den Glauben an Christus kommt, die Gerechtigkeit, die Gott schenkt aufgrund des Glaubens.
br
| 10 Christus will ich erkennen und die Macht seiner Auferstehung und die Gemeinschaft mit seinen Leiden, indem ich seinem Tod gleich gestaltet werde.
br
| 11 So hoffe ich, auch zur Auferstehung von den Toten zu gelangen.
br
| 12 Nicht dass ich es schon erreicht hätte oder dass ich schon vollendet wäre.
br
| Aber ich strebe danach, es zu ergreifen, weil auch ich von Christus Jesus ergriffen worden bin.
br
| 13 Brüder und Schwestern, ich bilde mir nicht ein, dass ich es schon ergriffen hätte.
br
| Eines aber tue ich: Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist.
br
| 14 Das Ziel vor Augen, jage ich nach dem Siegespreis: der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.
li
| Ein weiterer Erzählzug beginnt neu zu schillern, wenn man den „Aussätzigen“ mit Paulus identifiziert,
| und zwar die Beinamensgebung an Simon, der den Beinamen Petrus erhält.
br
| Denn „Paulus“ ist der griechische Beiname jenes Mannes, der im jüdischen Kontext mit eigentlichem Namen „Saul“ heißt.
br
| Damals war es üblich, dass Juden vor allem jene, die im Auslands-Kontext tätig waren, neben einem typisch jüdischen Namen
| auch einen griechischen tragen, der recht ähnlich klingt.
br
| In seinen Briefen verwendet Paulus nur diesen Namen; aus der Apostelgeschichte wissen wir aber, dass Paulus als jüdischen Namen
| Saul(us) trägt; sicher ist dies „allgemeine Tradition“ im frühen Christentum.
br
| Nur hat Paulus offenbar seinen jüdischen Namen im Kontext seines Wirkens als christlicher Verkünder „zurückgelassen“,
| in diesem Sinne ist aus Saulus Paulus geworden, wie hier aus Simon Petrus wird.
br
| Bemerkenswert ist dabei, dass die Anfangsbuchstaben jeweils übereinstimmen:
ul.card-text
li <b>S</b>imon → <b>P</b>etrus
li <b>S</b>aul(us) → <b>P</b>aulus
| Wahrscheinlich will Markus diesen Namenswechsel des Petrus im „Aussätzigen“ als Saulus/Paulus eingetragen wissen,
| bzw. unterstreicht dies die Deutung des „Aussätzigen“ auf Paulus.
li
| Wieder wird deutlich, dass die Erzählungen im Markus-Evangelium schillern und subtile Anspielungen bieten,
| je auch nach aktueller konzentrischer Gliederung,
| wie etwa das Netz bei der Berufung der ersten vier Apostel klar das Fischernetz ist, durch andere Verbindungen aber
| das jüdische Gesetz meint.