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h1 Verortung
blockquote.blockquote.mb-3.ml-5
p.mb-0
| Jesus stieg mit seinen Jüngern den Berg hinab.
br
| In der Ebene blieb er mit einer großen Schar seiner Jünger stehen und viele Menschen aus ganz Judäa und Jerusalem
| und dem Küstengebiet von Tyrus und Sidon waren gekommen, um ihn zu hören.
footer.blockquote-footer
cite Lk 6,17.(18a)
.card.slide.mb-3
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h5.card-title Feldrede? Am Fuße des Berges!
.card-text
p.mb-0
| Die gängige Bezeichnung für diese Predigt Jesu <q>Feldrede</q> ist irreführend:
br
| Jesus predigt nicht auf einem freien Feld, sondern am Fuße eines Berges, wie durch die einleitende
| Szenerie mehr als deutlich wird:
br
| Jesus steigt zunächst auf einen Berg, um zu beten, dann beruft er auf dem Berg die Zwölf und
| steigt mit ihnen den Berg hinab, um dort seine Predigt zu halten.
.card.slide.mb-3
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h5.card-title
| Am Fuße des Berges
|
+symbol("arrow-right")
| Mose-Typologie
.card-text
p
| Diese Verortung der Predigt ist bedacht gewählt: sie lässt ganz bewusst zwar nonverbal,
| über für den <i>geschulten</i> Hörer/Leser unüberhörbar Mose lebendig werden.
p
| Von ihm wird nämlich im Buch Exodus (vgl. vor allem Ex 19) immer wieder erzählt, dass er auf den Berg steigt, um
| Gottes Weisung zu erhalten, dann den Berg wieder hinuntersteigt und dort also am Fuße des Berges
| dem Volk die Weisungen Gottes mitteilt.
p
| Dieses Schema ahmt Lukas nach: er erzählt vom Gebet Jesu auf dem Berg analog zum Weisungenempfangen des Mose
| und lässt Jesus dann heruntergehen, um dem Volk die Ordnung des Neuen Bundes zu verkünden.
p.mb-0
| Und der Umstand, dass Jesus seine Jünger auf den Berg ruft, um dort die 12 Apostel auszuwählen,
| hat ein Vor-Bild darin, dass Mose teils mit den 70 Ältesten aus dem Volk auf dem Berg war (Ex 24,1.9).
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h5.card-title Jesus, der neue Mose
.card-text
blockquote.blockquote(style="font-size: 100%;").ml-5
p.mb-0
| [Mose spricht zum Volk:]
br
q
| Einen Propheten wie mich wird dir der HERR, dein Gott, aus deiner Mitte, unter deinen Brüdern, erstehen lassen.
| Auf ihn sollt ihr hören.
footer.blockquote-footer
cite Dtn 18,15
p
| Diese Prophetie im Buch Deuteronomium war zur Zeit Jesu lebendig (wie auch die Erwartung der Wiederkunft des Elija [
+symbol("arrow-right")
| Johannes der Täufer]).
p.mb-0
| Bei der Verklärung Jesu (Lk 9,28-36) wird wie schon in der Vorlage Mk 9,2-8
| neben der Gestalt des Elija die des Mose ausdrücklich eingespielt und auf Dtn 18,15 angespielt:
blockquote.blockquote(style="font-size: 100%;").ml-5
p.mb-0
| Da erscholl eine Stimme aus der Wolke:
br
q
| Dieser ist mein geliebter Sohn, <i>auf ihn sollt ihr hören</i>.
footer.blockquote-footer
cite Lk 9,35
p.mb-0
i
| Jesus wird bei der Predigt am Fuße des Berges durch die Szenerie, bei der Verklärung ausdrückich
| als <u>neuer Mose</u> gezeichnet, der die Ordnung des Neuen Bundes verkündet
| und auf den es unbedingt zu hören gilt.
.slide
h1 Seligpreisungen und Weherufe
blockquote.blockquote.mb-3.ml-5
p.mb-0
| Er [= Jesus] richtete seine Augen auf seine Jünger und sagte:
br
q
| Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes.
br
| Selig, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet gesättigt werden.
br
| Selig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen.
br
| Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und wenn sie euch ausstoßen und schmähen und euren Namen in Verruf bringen
| um des Menschensohnes willen.
| Freut euch und jauchzt an jenem Tag; denn siehe, euer Lohn im Himmel wird groß sein. Denn ebenso haben es ihre Väter
| mit den Propheten gemacht.
br
| Doch weh euch, ihr Reichen; denn ihr habt euren Trost schon empfangen.
br
| Weh euch, die ihr jetzt satt seid; denn ihr werdet hungern.
br
| Weh euch, die ihr jetzt lacht; denn ihr werdet klagen und weinen.
br
| Weh euch, wenn euch alle Menschen loben. Denn ebenso haben es ihre Väter mit den falschen Propheten gemacht.
footer.blockquote-footer
cite Lk 6,20-26
.card.slide.mb-3
.card-body
h5.card-title Unterschiede zu Matthäus
.card.slide.mb-1
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h6.card-title Anzahl der Seligpreisungen; Weherufe
.card-text
p
| Lukas überliefert 3+1 Seligpreisungen, Matthäus dagegen 9.
br
| Diejenigen, die Lukas hat, hat auch Mätthäus, was auf eine gemeinsame Quelle schließen lässt (
+symbol("arrow-right")
| Logienquelle Q), die Matthäus ergänzt hat.
p.mb-0
| Korrespondierend zu den Seligpreisungen bietet Lukas Weherufe, die bei Matthäus fehlen.
br
| Sie verkomplettieren die Umwertung des Ist-Zustandes durch das Reich Gottes.
.card.slide.mb-1
.card-body
h6.card-title Keine Spiritualisierung des Seligpreisungen bei Lukas
.card-text
p
| Matthäus spiritualisiert die Seligpreisungen zum Teil:
br
| <q>Selig, die arm sind <i>vor Gott</i> ... Selig, die hungern und dürsten <i>nach der Gerechtigkeit</i></q>.
p.mb-0
i Lukas dagegen hat <q>echte</q> (= materiell) Arme, Hungernde und Weinende vor Augen.
.card.slide
.card-body
h6.card-title Anredeform vs. Aussageform
.card-text
p
| Lukas spricht die entsprechenden Gruppen in Heilszuspruch wie Unheilszuspruch direkt an,
| Matthäus dagegen nutzt die Aussageform: er benennt Personengruppen mit idealem Verhalten.
p.mb-0
| Matthäus stellt also mit seinen Seligpreisungen Personengruppen mit idealem Verhalten vor, ja mahnt dazu,
| so zu werden;
br
i
| Lukas dagegen versteht seine Seligpreisungen und Weherufe als eine Ansage
| aus der Zukunft des Reiches Gottes an die Angeredeten.
.card.slide.mb-3
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h5.card-title
q Selig [die] ihr [jetzt] ..., denn ...
h6.card-subtitle.text-muted.mb-2 Keine Verklärung der Not!
.card-text
p.mb-0
| Jesus preist nicht Arme als Arme, Hungernde als Hungernde, Weinende als Weinende und Verfolgte als Verfolgte selig
| das wäre Hohn und Spott ,
| sondern angesichts dessen, dass ihr Zustand sich zum Gegenteil wenden wird und zwar, wenn das Reich Gottes kommt:
br
q
| denn euch gehört das Reich Gottes, ihr werdet gesättigt werden, ihr werdet lachen.
.card.slide.mb-3
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h5.card-title Selig! Wehe!
h6.card-subtitle.text-muted.mb-2 Ansage der Umschichtung durch das kommende Gottesreich
.card-text
p.mb-0
| Die Gegensätze zwischen dem Jetzt-Zustand und dem Zustand im Reich Gottes einerseits,
| aber auch die Gegensätze zwischen den Personengruppen (Arme Reiche etc.) haben
| eine Analogie im Magnifikat:
blockquote.blockquote(style="font-size: 100%;").ml-5
p.mb-0
| Er [= Gott] stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.
br
| Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen.
footer.blockquote-footer
cite Lk 1,52-53
p.mb-0
| Im Magnifikat sowie in den Seligpreisungen und Weherufen kommt die Erwartung zum Ausdruck,
| dass mit dem Hereinbrechen des Reiches Gottes eine großartige Umschichtung kommen wird:
| die jetzt Benachteiligten werden gerettet in die Fülle;
| für die, die jetzt in der Fülle leben, kommt das vernichtende Gericht.
.card.slide.mb-3
.card-body
h5.card-title
q Er [= Jesus] richtete seine Augen auf seine Jünger
h6.card-subtitle.text-muted.mb-2 Richtungsweisende Worte Jesu für Verkündigung und Verhalten der Jünger
.card-text
p
| Jesus spricht mit den Seligpreisungen vor allem die Jünger an.
br
| Bei den Weherufen ist zwar mit <q>Weh <i>euch</i>, [die] ihr ...</q> eine Distanz zu den Seliggepriesenen mitzuhören,
| doch gibt es keinen Adressatenwechsel, der dem <q>Er [= Jesus] richtete seine Augen auf seine Jünger</q>
| entsprechen würde!
p
| Für diese Beobachtung findet man in der Literatur verschiedene Deutungen.
p
| Am ehesten wird man sagen können:
br
| Besonders die Jünger sind unter diese Trost wie Gericht zusprechende Ansage des Reiches Gottes gestellt.
br
| Und durch die Jünger soll diese Ansage (später) in die Welt dringen.
p
| Dies gilt nach Ostern in Wort und in Tat. Auch wenn Lukas diese Seligpreisungen und Weherufe zunächst
| als Ansage von Gott her versteht: wenn Gott das Vorbild im Handeln sein soll (siehe die Feindesliebe!),
| dann soll doch auch im Leben der Jünger ein besonderer Augenmerk auf die gelegt werden, die so gepriesen werden,
| und soll sich im eigenen Handeln distanziert werden von denen, die mit dem Wehe belegt werden; insofern es solche
| auch in der Gemeinde geben wird, sind das mahnende Worte an sie.
p
| Wichtig ist, den Unterschied zu Matthäus und seinen Seligpreisungen zu sehen:
| während man nach ihm so werden soll wie die von ihm Seliggepriesenen
| (arm vor Gott, sanftmütig, nach Gerechtigkeit hundernd und dürstend, barmherzig, im Herzen rein, Frieden stiftend),
| sind die lukanischen Seligpreisungen eine Ansage des Heils für die Seliggepriesenen.
br
| Dieses Verständnis bringt mit sich, dass Armut, Hunger und Weinen für Lukas
| <i>keine</i> Ideale sind, die man im eigenen Leben anstreben solle, sondern eine Not bezeichnen,
| der Abhilfe geschaffen werden soll; insofern das Reich Gottes mit Christus schon angebrochen ist,
| soll dies schon die Realität der Jüngergemeinde prägen: die von Lukas Seliggepriesenen werden sich nicht
| nur unter Jesu Jüngern zu finden, sie sollen auch Adressaten der Zuwendung durch die (vermögenderen) Jünger sein.
br
| Mit dem endgültigen Kommen des Reiches Gottes wird die Not dann tatsächlich <i>umfassend</i> überwunden sein!
br
| Dann erst dann! wird auch das Gericht über die Reichen und Satten etc. stattfinden.
| Bis dahin bleibt ihnen Zeit der Umkehr (
+symbol("arrow-right")
| Zachäus).
p
| In der Apostelgeschichte malt Lukas das Ideal der urkirchlichen Gemeinschaft nicht als materiell absolut arme, Hunger leidende Kirche
| natürlich auch nicht als reiche Kirche ,
| sondern als Gemeinschaft des Teilens bis hin zur Gütergemeinschaft.
p
| Lukas erzählt zwar im Evangelium vom Ruf Jesu, <i>alles</i> zu verlassen, und er erzählt, wie die Jünger genau dies getan haben;
| er verstärkt diesen Gedanken, den er schon in seinen Quellen fand, sogar noch.
br
| Doch Lukas sieht in diesem radikalen Anfang der Jesus-Bewegung nicht mehr ein Modell für seine Zeit, wie die Apostelgeschichte zeigt;
| vielmehr erzählt er davon aus einem spezifischen Grund.
br
| Wie die vielen Erzählungen und Gleichnisse zum Thema <q>arm reich</q> bzw. <q>Reiche Arme</q> bei Lukas zeigen,
| gibt es in seiner Gemeinde die Problematik des rechten Umgangs mit Reichtum, dessen Opfer die Armen in der Gemeinde sind.
br
| Gerade für die wohlhabenden Mitglieder der Gemeinde erzählt Lukas als Stachel im Fleisch vom radikalen Anfang.
| Gerade für sie sind die Seligpreisungen und Weherufe wichtig als Handlungsimpuls, mit ihrem Reichtum
| der Gemeinde und gerade den Armen darin zur Seite zu stehen.
p.mb-0
| Damit legt das Lukasevangelium indirekt Zeugnis dafür ab, was die Apostelgeschichte ausdrücklich sagt (Apg 17,4; 18,8):
| dass sich (mittlerweile) auch relativ wohlhabende
| Menschen der christlichen Gemeinschaft angeschlossen haben.
br
| Während diejenigen, die sich von Jesus haben ansprechen lassen, eher aus einfachen bis armen
| Gesellschaftsschichten entstammen, war die Gemeinde nach Ostern auch in diesem Punkt vielfältiger.
br
| Doch gilt vor wie nach Ostern: Reichtum ist eher ein Hinderungsgrund für echte Nachfolge.
.card.slide.mb-5
.card-body
h5.card-title
q Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen. Weh euch, wenn euch alle Menschen loben.
.card-text
p
| In der letzten Seligpreisung geht es nicht um materille Not oder Trauer,
| sondern um negative Folgen des eigenen Bekenntnisses zu Christus: <q>um des Menschensohnes willen</q>!
p
| Im Hintergrund steht die Erfahrung der Ablehnung Jesu bis hin zur Kreuzigung, aber auch der Jünger nach Ostern
| bis hin zum Synagogenschluss der Christen.
p
| Diese Seligpreisung will Mut machen im Bekenntnis; sie ruft zur Freude auf angesichts dessen,
| dass auch schon die Propheten des Alten Testamentes auf Ablehnung gestoßen sind.
p
| Gegenübergestellt und den <q>falschen Propheten</q> im Alten Testament gleichgestellt werden jene, deren Meinung allgemein
| anerkannt wird.
p.mb-0
| So sollten letzte Seligpreisung und letzter Weheruf der Kirche und ihren Gliedern eine Warnung sein,
| sich nicht einfach einer (gesellschaftlichen) <q>Mehrheits-</q> oder <q>Expertenmeinung</q> anzuschließen:
br
| Was zählt ist nicht, was die (gesellschaftliche) Mehrheit sagt oder was hochdotierte <q>Experten</q> sagen,
| sondern was das Evangelium sagt.
.slide
h1 Feindesliebe
blockquote.blockquote.mb-3.ml-5
p
| Euch aber, die ihr zuhört, sage ich:
p.card-text.small
b
i 1. Strophe: Aufruf zum unbedingten Gutsein gegenüber Mitmenschen: Lohn?
p
span.card-text.small
i Feindesliebe (27b-28)
br
| Liebt eure Feinde;
br
| tut denen Gutes, die euch hassen!
br
| Segnet die, die euch verfluchen;
br
| betet für die, die euch beschimpfen!
p
span.card-text.small
i Verzicht auf Widerstand (29-30)
br
| Dem, der dich auf die eine Wange schlägt, halt auch die andere hin
br
| und dem, der dir den Mantel wegnimmt, lass auch das Hemd!
br
| Gib jedem, der dich bittet;
br
| und wenn dir jemand das Deine wegnimt, verlang es nicht zurück!
p.ml-4
span.card-text.small
i Goldene Regel (31)
br
| Und wie ihr wollt, dass euch die Menschen tun sollen, das tut auch ihr ihnen!
p.card-text.small
b
i 2. Strophe: Nachahmung der Sünder oder Nachahmung Gottes? Kein Lohn vs. großer Lohn!
p
span.card-text.small
i Nachahmung der Sünder: Kein Lohn (32-34)
br
| Wenn ihr die liebt, die euch lieben, welchen Dank erwartet ihr dafür?
br
| &nbsp;&nbsp;Denn auch die Sünder lieben die, von denen sie geliebt werden.
br
| Und wenn ihr denen Gutes tut, die euch Gutes tun, welchen Dank erwartet ihr dafür?
br
| &nbsp;&nbsp;Das tun auch die Sünder.
br
| Und wenn ihr denen Geld leiht, von denen ihr es zurückzubegkomen hofft, welchen Dank erwartet ihr dafür?
br
| &nbsp;&nbsp;Auch die Sünder leihen Sündern, um das Gleiche zurückzubekommen.
p.ml-4
span.card-text.small
i Nachahmung Gottes: Großer Lohn (35)
br
| Doch ihr sollt eure Feinde lieben und Gutes tun und leihen, wo ihr nichts zurückerhoffen könnt.
br
| Dann wird euer Lohn groß sein und ihr werdet Söhne des Höchsten sein; denn auch er ist gütig gegen die
| Undankbaren und Bösen.
p.card-text.small
b
i 3. Strophe: Surfen auf der Welle der göttlichen Barmherzigkeit zum reichen Lohn im Gericht
p
span.card-text.small
i Aufruf zur Barmherzigkeit (36)
br
| Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!
p
span.card-text.small
i Nicht-Richten und Schuld vergeben um dem Gericht zu entgehen und Schuld erlassen zu bekommen (37)
br
| Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden!
br
| Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden!
br
| Erlasst einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen werden!
p
span.card-text.small
i Geben um zu empfangen (38)
br
| Gebt, dann wird auch euch gegeben werden!
br
| Ein gutes, volles, gehäuftes, überfließendes Maß wird man euch in den Schoß legen;
br
| denn nach dem Maß, mit dem ihr messt, wird auch euch zugemessen werden.
footer.blockquote-footer
cite Lk 6,27-38
.card.slide.mb-3
.card-body
h5.card-title Feindesliebe der <i>dritte</i> Weg
.card-text
p.mb-0
| Sieht man von der Kollaboration mit Feinden einmal ab, gibt es für den Umgang mit Feinden
| letztlich zwei Möglichkeiten:
ul
li Sie aktiv bekämpfen.
li
| Sich passiv den Feinden fügen;
br
span.small der klassische gewaltlose Widerstand gehört in diese Kategorie.
p.mb-0
| Feindes<i>liebe</i> ist dagegen ein aktives Dem-Feind-<i>Gutes</i>-Tun, wie die Beispiele
| in diesem Abschnitt zeigen; es geht nicht nur aber natürlich auch um einen provokanten (s. u.)
| passiven Widerstand, sondern um ein wirkliches <i>Aktiv</i>werden <i>zugunsten des Feindes</i>:
| Gutes tun, sie segnen, für sie beten etc.
.card.slide.mb-3
.card-body
h5.card-title Feindesliebe im Alten Testament und in der Umwelt
h6.card-subtitle.text-muted.mb-2 Was Jesus und sein Gebot unterscheidet
.card-text
p.mb-0
| Im Alten Testament begegnet vereinzelt ein Gebot zur Hilfe gegenüber dem Feind:
blockquote.blockquote(style="font-size: 100%;").ml-5
p.mb-0
| Hat dein Feind Hunger, gib ihm zu essen, hat er Durst, gib ihm zu trinken;
br
| so sammelst du glühende Kohlen auf sein Haupt und der HERR wird es dir vergelten.
footer.blockquote-footer
cite Spr 25,21
p
| Hunger und Durst des Feindes setzten aber eine Schwäche des Feindes voraus:
| der, der mit seinem Feind Erbarmen haben soll, kann offenbar aus einer Perspektive der Stärke handeln.
blockquote.blockquote(style="font-size: 100%;").ml-5
p.mb-0
| Wenn du dem verirrten Rind oder dem Esel deines Feindes begegnest, sollst du ihm das Tier zurückbringen.
| Wenn du siehst, wie der Esel deines Feindes unter seiner Last zusammenbricht, dann lass ihn nicht
| im Stich, sondern leiste ihm Hilfe.
footer.blockquote-footer
cite Ex 23,4-5
p
| Auch hier befindet sich der Feind jeweils in einer ungünstigen Situation, die man nicht ausnützen darf,
| über die man sich nicht belustigend erheben darf etc., sondern in der man helfen soll.
br
| Auch wenn das hier geforderte Verhalten der Feindesliebe nahe kommt, eine grundsätzliche und allgemein gültige
| Forderung der Feindesliebe findet sich im Alten Testament nicht.
p
| In der Umwelt Israels sieht es ähnlich aus wie in Israel selbst:
br
| Dem <i>schwachen</i> bzw. besiegten Feind gegenüber soll man sich nicht mit Strenge, sondern
| mit Erbarmen verhalten; blinde Rache wird abgelehnt.
br
| Wenn von einem positivem Verhalten einem stärkeren Feind gegenüber die Rede ist,
| dann schwingt mit, dass man sich durch dieses Verhalten davon Vorteile verspricht.
br
| Es gilt das Gesetz der zwischenmenschlichen Gegenseitigkeit.
p
| Den Sklaven und überhaupt allen Menschen, die wie sie in einem Abhängigkeitsverhältnis stehen,
| wird geraten, dass sie Unrecht besser nicht rächen sollen.
| Da sprechen Hilflosigkeit und Eigennutz, die zu passivem Erdulden führen.
br
| Mächtige sollen Milde statt Rache walten lassen und Gegner durch unerwartete Wohltaten positiv beeinflussen
| hier liegt entweder ein Machtgefälle vor, bei dem aus der Position des Starken agiert werden kann, oder
| eine Taktik im Umgang mit Feinden.
p.mb-0
| Jesus unterscheidet sich markant von allen diesen der Feindesliebe nahe kommenden Verhaltensweisen:
ul
li Es kann sich beim Feind auch um einen Stärkeren handeln: er schlägt auf die Wange; er kann etwas wegnehmen.
li
| Jesus durchbricht die zwischenmenschliche Gegenseitigkeit: man soll den Feind unabhängig von einer möglichen
| bzw. erwarteten Gegenleistung lieben.
li
| Jesus ruft aus der Passivität: Er fordert ein <i>aktives</i> positives Verhalten dem Feind bzw. allgemein dem Mitmensch gegenüber.
p.small
| Interessant ist, dass Seneca (4 v. - 65 n. Chr.) ein Philosoph der Stoa
| in seinem Werk <q>De Beneficiis</q> (<q>Von den Wohltaten</q>)
| schreiben kann: <q><q>Wenn du die Götter</q> heißt es, <q>nachahmst, dann erweise auch undankbaren Menschen Wohltaten,
| denn auch Verbrechern geht die Sonne auf, auch Seeräubern steht die Meere offen.</q> ... Ein König (!) gibt
| Ehrungen Würdigen, Geschenke auch Unwürdigen; die öffentliche Getreidezuteilung nehmen so der Dieb
| wie der Meineidige und der Ehebrecher entgegen ...</q>
| (De benef. IV,26,1; 28,1 [bei Theißen/Merz: Der historische Jesus, 348.]).
br
| Wie bei Jesus begegnet der Gedanke der offenbar als sinnvoll erachteten Nachahmung der Götter und
| deren Verhalten zu den Undankbaren bis hin zu den Bösen. Doch ist dieses Vorbild den <i>Mächtigen</i> anempfohlen!
p.small
| Bei Epiktet (50 - 138 n. Chr.) findet sich folgende Forderung an jene, die der philosophischen Richtung der Kynker angehören:
| <q>Er muss sich treten lassen wie ein Hund und unter den Tritten eben die, welche ihn treten, auch noch liebhaben,
| wie ein Vater von allen, wie ein Bruder</q> (Diss III,22,54 [bei ebd.]).
br
| Derartige Forderungen, Unrecht nicht zu vergelten und demonstrativ Gutes zu tun gegenüber Unwürdigen und Feinden,
| finden sich bei bei zahlreichen Philosphen, schon bei Sokrates und Plato. Allerdings geht es hier eben
| um ein Verhalten, das <i>Philosophen</i> nahegelegt wird, nicht um eine Verhaltensweise für alle Menschen.
p.mb-0
i
| Auch wenn also in der Umwelt Jesu <i>ähnlich</i> gedacht wurde die jesuanische Radikalisierung zur Feindesliebe
| als <i><u>allgemeine</u> und <u>unbedingte</u> Forderung</i> bleibt ein Unikum.
br
| Sie verlangt gerade auch von einfachen Menschen ein Verhalten, wie es anderswo in der Oberschicht
| bei den Mächtigen und den Philosophen geübt wird bzw. werden sollte.
br
| Gerade diese einfachen Menschen steigen durch das Aneignen der von Jesus verlangten Feindesliebe
| quasi zu <q>Söhnen [und Töchtern] des Höchsten</q> auf (Lk 6,35).
.card.slide.mb-3
.card-body
h5.card-title Dreistrophiger Aufbau
.card.slide.mb-1
.card-body
h6.card-title 1. Strophe: Aufruf zum unbedingten Gutsein gegenüber Mitmenschen
h6.card-subtitle.text-muted.mb-2 Zwischenmenschliche Ebene an sich unbefriedigend
.card-text
p.mb-0
| Die erste Strophe stellt den Hörer in ein <i>doppeltes</i> Gegenüber:
ul
li
i Gut vs. Böse
br
| Man soll jenen, die einem feindschaftlich und böse begegnen, dies nicht <q>heimzahlen</q>
| sondern ihrer Feindschaft und Bosheit mit aktivem Gutsein begegnen.
li
i Reagieren vs. Agieren
br
| Man soll nicht nur mit Gutem reagieren (auch im Umgang mit Feinden und Bösen sowie gegenüber jenen, die einen bitten),
| sondern selber aktiv die Initative ergreifen und zuvorkommend Gutes tun.
p.mb-0
| Gerade weil hier die <q>Goldene Regel</q> aufgegriffen ist, stellt sich die Frage nach dem Lohn
| des Gutseins weiß man doch wohl aus eigenem Erleben, dass die Gültigkeit dieser <q>Regel</q>
| allzu oft ein Wunschtraum ist.
br
| Damit steht unausgesprochen die Frage im Raum, was ich selbst von einem solchen Verhalten tatsächlich haben soll,
| zumal das unbedingt geforderte aktive Gutsein zu Feinden und Bösen eine ungeheuerliche Herausforderung ist.
.card.slide.mb-1
.card-body
h6.card-title 2. Strophe: Nachahmung der Sünder oder Nachahmung Gottes?
h6.card-subtitle.text-muted.mb-2 Aufbrechen der zwischenmenschlichen Gegenseitigkeit durch Gottes Güte und <i>seinen</i> Lohn
.card-text
p
| Die zweite Strophe erscheint wie eine Antwort auf die unausgesprochene Frage der ersten.
br
| Dazu bringt sie Gott und seinen Lohn ins Spiel, zusammen mit Gottes Güte.
p
| Der Hörer wird in einen (einfachen) Gegensatz gestellt: den zwischen Gott und dem Sünder verbunden mit der Frage:
| wen will er nachahmen?
br
| Gekonnt ist der Hörer, der Aufruf an ihn und die Lohnesverheißung
| zwischen das Verhalten der Sünder und das Verhalten Gottes gesetzt, mit der Lohnesverheißung auf der Seite Gottes.
p
| Das Verhalten des Sünders wird als berechnendes, auf Gegenseitigkeit bedachtes Handeln beschrieben.
| Es ist davon geprägt, dass man quitt sein will: alles soll genau vergolten werden.
br
| Gerade weil aber alles vergolten ist, wird es keinen <q>Dank</q> mehr geben.
br
| Was mit diesem <q>Dank</q> gemeint ist, wird durch den zweiten Teil der Strophe deutlich:
| es geht um den (endzeitlich-jenseitigen) Lohn durch Gott. Und den gibt es nur für nicht schon
| auf Erden vergoltenes Gutsein.
p
| Das Verhalten Gottes dagegen ist von seiner großzügigen Güte geprägt, die auch den Undankbaren und Bösen
| gilt. Genauso soll sich auch der Hörer verhalten: Er soll in seinem Verhalten Gott nachahmen!
p
| Für diese <q>imitatio dei</q> winkt dann der (endzeitlich-jenseitige) <q>große Lohn</q>,
| ja die Verheißung <q>Söhne [und Töchter] des Höchsten</q> zu sein.
p.mb-0
| So erscheint das von Jesus geforderte Verhalten einerseits motiviert durch die Abgrenzung von den Sündern,
| andererseits durch den Blick auf Gott: Gottes Güte soll die Menschen prägen im Sinne der
| <q>imitatio dei</q>; und denen, die sich darauf einlassen, winkt der große endzeitlich-jenseitige Lohn.
.card.slide.mb-1
.card-body
h6.card-title 3. Strophe: Surfen auf der Welle der göttlichen Barmherzigkeit zum reichen Lohn im Gericht
h6.card-subtitle.text-muted.mb-2 Gottes in die Welt drängende Barmherzigkeit
.card-text
p
| Auffällig ist, dass die dritte Strophe keinerlei Gegensätze mehr enthält:
| sie ist ganz von der von Gott ausgehenden, den Menschen in seinem Verhalten ergreifen wollende
| Barmherzigkeit geprägt, die dem von ihr ergriffenen Menschen dann im (endzeitlich-jenseitigen) Gericht Gottes
| den überreichen Lohn bringen wird.
p
| Konkret geht es als gelebte Barmherzigkeit in dieser Strophe darum, nicht über andere Menschen zu richten und sie
| nicht zu verurteilen; das wird gegebenenfalls Aufgabe Gottes im Gericht sein.
br
| Mehr noch, statt zu richten und zu verurteilen soll Schuld vergeben werden mit der Verheißung, selber
| Gericht und Verurteilung durch Gott zu entgehen und dass eigene Schuld von Gott vergeben werden wird.
p
| Der Aufruf zum barmherzigen Umgang mit Schuld die aus zwischenmenschichen Beziehungen durch Vergebung
| weggestrichen werden soll wird ergänzt durch den Aufruf, zu geben also Gutes in die zwischenmenschlichen
| Beziehungen einfließen zu lassen ; dieser Aufruf mündet schließlich in die Verheißung übergroßen Lohnes für derartiges Verhalten.
p
| Der letzte Satz (<q>Mit dem Maß, mit dem ihr zumesst, wird auch euch zugemessen werden</q>)
| hat eine gewisse Parallele zum letzten Satz der ersten Strophe
| (<q>Und wie ihr wollt, dass euch die Menschen tun sollen, das tut auch ihr ihnen!</q>):
| beide können als Aufruf gelesen werden, viel Gutes zu tun in der hoffenden Erwartung bzw. mit der Verheißung,
| viel Gutes zurückzubekommen. Dabei liegt in der ersten Strophe der Akzent auf dem Aufruf,
| in der dritten Strophe der Akzent auf dem verheißenen Lohn.
br
| Gerade der Gedanke des Lohnes ist jetzt aber im Vergleich zur ersten Strophe von Gottes Gericht her auf eine andere Ebene gehoben,
| und man kann den Schlusssatz des ersten Abschnittes umformulieren und mit dem Schlussatz des dritten ergänzen:
blockquote.blockquote(style="font-size: 100%;").ml-5
p.mb-0
i
| Wie ihr wollt, dass euch Gott einst im Gericht tun soll, das tut jetzt euren Mitmenschen!
br
| Und tatsächlich: mit diesem Maß, mit dem ihr euren Mitmenschen zumesst, wird auch euch von Gott zugemessen werden.
p
| Damit ist die in der ersten Strophe aufgeworfene Frage nach dem Lohn für das unbedingte Gutsein
| definitiv beantwortet.
p
| So begegnet hier die herausfordernde Einladung, sich von Gottes Güte und Barmherzigkeit anstecken zu lassen,
| in der Erwartung nicht von menschlicher Gegenleistung womit das getane Gute ja schon abgerechnet wäre ,
| sondern in der Erwartung, <i>von Gott</i> ein <q>gutes, volles, gehäuftes, überfließendes Maß</q> zu erhalten
| für das Überfließen dessen, was ich an Gutem meinen Mitmenschen gegenüber getan habe gerade den Bösen und Feinden und jenen,
| von denen ich nichts zurückerwarten kann.
p.mb-0
| In der Konsequenz dieser Gedanken liegt, dass die Grenzen abgeschlossener, auf Gegenseitigkeit beruhender
| Beziehungen und Gruppen aufgebrochen werden zu einer nach außen hin wirkenden und überfließenden Güte und Barmherzigkeit,
| zu einem neuen wahrhaft mitmenschlichen, alle nur denkbaren Grenzen durchbrechenden Miteinander
| nicht zuletzt auch mit den Armen, Hungernden und Weinenden der Seligpreisungen.
br
| Aber auch die mit dem Wehe belegten Personenkreise die man besonders aus der Perspektive
| der Seliggepriesenen als Feinde und Böse bezeichnen könnte sind integriert in die Forderung
| nach Güte und Barmherzigkeit: jetzt ist nicht Zeit des Gerichtes, sondern Zeit zur Vergebung.
| Das Gericht ist Sache Gottes und Sache der Zukunft des endgültigen Kommens des Reiches Gottes
| in seiner ganzen rettenden oder eben richtenden Fülle.
.card.slide.mb-3
.card-body
h5.card-title Die drei Bausteine der Forderung der Feindesliebe
.card.slide.mb-1
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h6.card-title Die Nachahmung Gottes
h6.card-subtitle.text-muted.mb-2 Aufbrechen der Beziehung zwischen Gott und Mensch auf den Mitmenschen hin
.card-text
p
| Grundlegend ist die Vorstellung, dass der Mensch nach Gen 1,26-28 <q>als Abbild Gottes</q> geschaffen ist.
| Das ist weniger statisch als vielmehr funktional gedacht: der Mensch als
| wandelnde und handelnde Götterstatue.
p
| Beim Sabbatgebot mit seiner doppelten Begründung ist die Nachahmung Gottes deutlich ausgedrückt:
| Wie Gott nach der Schöpfung am siebten Tag ruhte, soll auch der Mensch am siebten Tag ruhen (Ex 20,8-11);
| wie Gott sein Volk aus der Sklaverei in Ägypten befreit hat, so soll am Tag des Sabbat
| Befreiung von jeglicher Arbeit herrschen (Dtn 5,12-15).
br
| Bemerkenswert ist nun, dass dieser zentrale wöchentliche Feiertag nicht nur das Moment der dankbaren
| Erinnerung beinhaltet, sondern auch eine unübersehbar soziale Komponente hat: <i>auch dem Sklaven</i>
| soll am Sabbat Ruhe ermöglicht werden, ebenso <i>dem Fremden</i>;
| ja sogar das Tier ist in die umfassende Ruhe eingeschlossen.
br
| Damit wird das Geschehen der Befreiung aus Ägypten das in der <q>Überschrift</q> der Zehn Weisungen
| prominent angesprochen ist nicht nur erinnert, sondern vollzogen: <i>nachgeahmt</i>.
p.mb-0
| In diesem Kontext von besonderer Bedeutung ist das Nacheinander (bzw. Nebeneinander) der Psalmen 111 und 112:
blockquote.blockquote(style="font-size: 100%;").ml-5
p.mb-0
| <i>Der HERR ist gnädig und barmherzig.</i>
br
| Speise gab er denen, die ihn fürchten, seines Bundes gedenkt er auf ewig.
footer.blockquote-footer
cite Ps 111,4b-5
blockquote.blockquote(style="font-size: 100%;").ml-5
p.mb-0
| <i>Gnädig und barmherzig ist der Gerechte.</i>
br
| Glücklich ein Mann, der gnädig ist und leiht ohne Zinsen, der nach dem Recht das Seine ordnet.
footer.blockquote-footer
cite Ps 112,4b-5
p
| Es ist deutlich, dass <q>der Gerechte</q> in seinem Verhalten Gott selbst nachgebildet ist.
p.mb-0
| Gerade von der Verbindung dieser beiden Psalmen her ist es ein kurzer Weg zur Weisung Jesu:
blockquote.blockquote(style="font-size: 100%;").ml-5
p.mb-0
i Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!
footer.blockquote-footer
cite Lk 6,36
p.mb-0
| Insofern mit dem Erinnern an Gottes Heilstaten, seine Güte und Barmherzigkeit der Gedanke der Nachahmung Gottes
| verbundet ist,
| ist das <i>Verhältnis zwischen Gott und Mensch aufgebrochen auf den Mitmenschen hin:</i>
br
i
| Die adäquate Antwort auf erfahrens Heil durch Gott ist nicht nur der Dank gegenüber Gott (Loben, Preisen, Anbeten),
| sondern auch, dass man Gott im Verhalten zu den Mitmenschen nachahmt, sich verhält wie Gott.
.card.slide.mb-1
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h6.card-title Der (endzeitlich-jenseitige) Lohn Gottes
h6.card-subtitle.text-muted.mb-2 Aufbrechen der Beziehung zwischen Mensch und Mensch von Gott her und auf Gott hin
.card-text
p
| Unübersehbar ist, dass Jesus zwar eine unbedingte Liebe zum Mitmensch fordert, die unabhängig ist von dem,
| was man durch das Gegenüber erlebt hat oder von ihm erwarten kann,
| aber dass Jesus doch auch vom Lohn für ein solches Verhalten spricht aber es ist der Lohn Gottes,
| der hier in Aussicht gestellt wird.
p
| Schon lange vor Jesus hatte man sich Gedanken darüber gemacht, dass der sogenannte <q>Tun-Ergehen-Zusammenhang</q>
| im Laufe eines irdischen Lebens nicht immer aufgeht: Menschen tun Gutes aber leiden; Menschen tun Böses
| aber es geht ihnen gut und sie scheinen ungestraft davonzukommen.
br
| Dieses Erleben führte neben anderen Dingen zur <q>Geburt des Jüngsten Gerichtes</q>: Gott wird für einen Ausgleich
| sorgen! Er wird im Nachhinein das Leben eines guten Menschen <q>entlohnen</q> und den Bösen bestrafen.
p
| Bereits mit diesem Gedanken ist die unmittelbare Gegenseitigkeit menschlicher Interaktionen aufgebrochen
| von Gott her bzw. auf Gott hin: durch seinen endzeitlich-jenseitigen Lohn ist der, der seinen Mitmenschen
| gütig, barmherzig etc. begegnet, nicht der Dumme auch wenn er es in den Augen der Welt sein mag,
| weil er im irdischen Dasein nichts davon hat.
p
| Was ursprünglich als Trost gedacht war für im irdischen Leben zu kurz gekommene Gerechte,
| das wendet Jesus zu einer Grundlage seiner Forderung: Wenn es letztlich darauf ankommt,
| was von Gott her in seinem Gericht gilt, was ich <i>dann</i> von meinem Verhalten als Lohn habe,
| dann kann ich absolut vernachlässigen, was ich <i>jetzt</i> durch mein Verhalten an Gutem zurückbekomme:
| ich kann einfach gut sein.
p
| Mehr aber noch, denn Jesus spitzt sogar noch zu:
br
| Wenn man im zwischenmenschlichen Bereich quitt ist, dann ist kein Dank im Sinne des endzeitlich-jenseitigen Lohnes
| durch Gott mehr zu erwarten! Das entspricht ganz der ursprünglichen
| Vorstellung des Lohnes durch Gott: Ausgleich für das, was auf Erden nicht schon ausgeglichen wurde.
br
| Es gilt also, einen <i>Überschuss</i> an Gutem zu produzieren, der noch nicht <q>abgerechnet</q> ist durch
| innerweltliche Gegenseitigkeiten!
p
| Zusammengefasst lässt sich sagen:
br
i
| Ich bin <u>gar nicht darauf angewiesen</u>, vom Mitmenschen etwas zurückzubekommen,
| weil ich alles von Gott erwarten kann.
br
| Ja weil ich von Gott ein <q>gutes, volles, gehäuftes, überfließendes Maß</q> erwarten kann,
| bin ich eingeladen, dies auch das Maß an Gutem gegenüber meinen Mitmenschen sein zu lassen:
br
| Nicht nur quitt sein, sondern einen noch nicht abgerechneten <i>Überschuss</i> haben!
br
span.small
q Denn nach dem Maß, mit dem ihr messt, wird auch euch zugemessen werden.
p.mb-0
| In letzter Konsequenz führt dies dazu, dass der Gedanke der zwischenmenschlichen Gegenseitigkeit
| sowohl in Form von erwartetem Lohn, als auch in Form von (negativer) Vergeltung
| als Triebfeder für das eigene Handeln komplett aufgehoben und zurückgewiesen wird;
| ich darf bzw. soll alles dem endzeitlichen Gericht Gottes überlassen und selber nach
| dem in Aussicht gestellten Maß handeln: über die Maßen gut sein.
.card.slide.mb-1
.card-body
h6.card-title Die Feindesliebe Gottes
h6.card-subtitle.text-muted.mb-2 Gottes zuvorkommend-großzügige Güte und Barmherzigkeit
.card-text
p
| Das alttestamentlich Gottesbild ist vielfältig. Natürlich ist es auch Gottes Aufgabe,
| zu strafen und zu richten: seine Feinde bzw. jene, die sein erwähltes Volk bedrohen.
br
| Gott wird von seinem Volk als Ganzem wie von Einzelnen um Hilfe vor Feinden angerufen und es
| ist auch von Feinden Gottes die Rede.
br
| Kurzum: Es lassen sich viele Stellen finden, die offensichtlich das Gegenteil von <q>Feindesliebe Gottes</q> bezeugen.
p
| Und doch, fragt man das Alte Testament nach den <q>Weseneigenschaften</q> Gottes, erhält man dies als Antwort:
blockquote.blockquote(style="font-size: 100%;").ml-5
p.mb-0
| Der Herr ging vor seinem [= des Mose] Angesicht vorüber und rief:
br
q
| Der HERR ist der HERR, ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig und reich an Huld und Treue:
| Er bewahrt tausend Generationen Huld, nimmt Schuld, Frevel und Sünde weg,
br
| aber er spricht nicht einfach frei, er sucht die Schuld der Väter bei den Söhnen und Enkeln heim,
| bis zur dritten und vierten Generation.
footer.blockquote-footer
cite Ex 34,6-8
p
| Voraus geht die Erzählung vom Goldenen Kalb also der Bundesbruch durch das Volk , Kontext ist die Erneuerung
| des Bundes zwischen Gott und seinem Volk.
br
i Hier wird überdeutlich, dass das Volk Gottes aus dem überfließenden Reichtum von Gottes Gnade und Barmherzigkeit lebt.
p
| Freilich ist ebenso von Vergeltung durch Gott die Rede, aber auch bei Jesus ist der Gedanke des Gerichtes
| präsent (
+symbol("arrow-right")
| Weherufe!). Und die Strophen zwei und drei leben vom künftigen Gericht Gottes. So ist bei Jesus das
| Gericht Gottes nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben.
p.mb-0
| Von besonderer Wichtigkeit im Hinblick auf die <q>Wesenseigentschaften</q> Gottes
| ist die theologische Aufarbeitung des Exils in Babylon (6. Jhdt. v. Chr.):
br
| Das Exil wurde als Folge der Treulosigkeit des Volkes gegenüber Gott gewertet, als Strafe Gottes,
| der seinen Zorn über sein Volk ausgießt.
br
| Dass das Exil zu einem Ende kam und Israel wieder heim durfte, das wurde dem gnadenhaften Wirken Gottes
| zugeschrieben, der seine Abneigung gegenüber Israel überwindet aufgrund seines Erbarmens
| (und des Versprechens gegenüber den Urahnen Israels bzw. der Treue zu seinem Namen):
blockquote.blockquote(style="font-size: 100%;").ml-5
p.mb-0
| Jakob, du hast mich nicht gerufen, Israel du hat dir mit mir keine Mühe gemacht.
br
| Nein, du hat mich mit deinen Sünden geknechtet, mir Mühe gemacht mit deinen Vergehen.
br
| Ich, ich bin es, der deine Vergehen wegwischt um meinetwillen, deiner Sünden gedanke ich nicht mehr.
br
| Lade mich vor, gehen wir miteinander ins Gericht; zähl auf, du, damit du Recht bekommst!
| Schon dein Urahn hat gesündigt; deine Anführer haben sich gegen mich aufgelehnt.
footer.blockquote-footer
cite Jes 43,22.24a-27
p.mb-0
| Gepriesen wird gerade das <i>zuvorkommende</i> Heilshandeln Gottes, das Umkehr nach sich ziehen soll:
blockquote.blockquote(style="font-size: 100%;").ml-5
p.mb-0
| Ich habe weggewischt deine Vergehen wie ein Wolke
| und deine Sünden wie Nebel. <i>Kehr um zu mir; denn ich habe dich erlöst.</i>
footer.blockquote-footer
cite Jes 43,22.24a-27
p.mb-0
| Auch wird generell die Güte Gottes gegenüber dem (umkehrenden) Sünder gepriesen bzw. erbeten:
blockquote.blockquote(style="font-size: 100%;").ml-5
p.mb-0
| Gedenke nicht meiner Jugendsünden und meiner Frevel! Nach deiner Huld gedenke meiner, HERR, denn du bist gütig!
br
| Der HERR ist gut und redlich, darum weist er Sünder auf den rechten Weg. ...
br
| Um deines Namens willen, HERR, vergib meine Schuld, denn sie ist groß!
footer.blockquote-footer
cite Ps 25,7-8.11; vgl. auch Ps 32, Ps 51.
blockquote.blockquote(style="font-size: 100%;").ml-5
p.mb-0
| Würdest du, HERR, die Sünden beachten, mein Herr, wer könnte bestehen?
br
| Doch bei dir ist Vergebung, damit man in Ehrfurcht dir dient. ...
br
| Ja, er wird Israel erlösen von all seinen Sünden.
footer.blockquote-footer
cite Ps 130,3-4.8
//- .small
//- p.mb-0
//- | Im Hinblick gerade auf die Psalmen muss man unterscheiden:
//- ul.mb-0
//- li
//- | Da gibt es die Frevler/Böse/Feinde,
//- | die in ihrer Bosheit/Sünde/Feindschaft
//- | verharren sie werden als Gegenüber auch Gottes gezeichnet mit der Bitte an Gott, vor ihnen bewahrt und beschützt zu werden
//- | bis hin zu deren Vernichtung.
//- li
//- | Und dann gibt es jene, die zwar sündigen, zum Teil sogar große Schuld auf sich geladen haben,
//- | sich aber nicht zuletzt dann durch die Vergebung Gottes doch im Bund mit Gott wissen. Gottes gnädiges handeln an ihnen
//- | wird als Auswirkung sowohl von Gottes Bundestreue als auch des grundsätzlichen Willen zum Guten beim betreffenden Menschen
//- | betrachtet.
//- p
//- | Versteht man den Sünder als Feind Gottes, gibt es also quasi Feinde verschiedenen Grades;
//- | eine <i>umfassende</i> Feindesliebe gibt es aber nicht, weder bei Gott, noch als Forderung an den Menschen.
p.mb-0
| Jesus kann sich also auf die breite Bezeugung des Alten Testamentes stützen,
| wenn er Gottes Barmherzigkeit und Gnade/Güte als die grundlegenden <q>Wesenseigenschaften</q>
| Gottes herausstellt, die es nachzuahmen gilt:
blockquote.blockquote(style="font-size: 100%;").ml-5
p.mb-0
| Ihr sollt eure Feinde lieben und Gutes tun und leihen, wo ihr nichts zurückerhoffen könnt. ...
br
| Denn auch er [= <u>Gott</u>] <u>ist <b>gütig</b> gegen die Undankbaren und Bösen</u>.
br
| Seid barmherzig, wie auch euer <u>Vater <b>barmherzig</b></u> ist!
footer.blockquote-footer
cite Lk 6,35-36
p.mb-0
| Dass Jesus hier wahrscheinlich weisheitlich-schöpfungstheologisch gedacht haben wird,
| das zeigt die Parallele im Matthäus-Evangelium:
blockquote.blockquote(style="font-size: 100%;").ml-5
p.mb-0
| Er [= Gott] lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten
br
| und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.
footer.blockquote-footer
cite Mt 5,45
p
| Grundsätzlicher kann man nicht mehr denken und die Feindesliebe Gottes als allgemeines Prinzip
| des Handelns Gottes ausdrücken:
br
i Die Feindesliebe Gottes ist täglich neu verifizierbar!
br
span.small
| Ein Gedanke, der allerdings nicht nur bei Jesus begegnet, sondern bereits vor und neben ihm;
| siehe oben Seneca.
p
| Die Ausführungen Jesu machen klar:
br
| Jesus trennt wie schon bei den Seligpreisungen und Weherufen
| <i>Jetzt</i> [= irdisches Leben] und <i>Dann</i> [= Gericht bzw. endgültiges Kommen des Reiches Gottes]:
br
| Jesus verschiebt den Gedanken des richterlichen strafenden und belohnenden Eingreifens Gottes
| ganz in die Zukunft auf das endzeitliche Gericht Gottes
| und sieht die <i>jetzige Zeit radikal</i> als <i>Zeit der Barmherzigkeit Gottes und seiner Umkehr ermöglichenden Feindesliebe</i>.
p.mb-0
| Auf dieser Basis fordert Jesus seine Hörer auf, sich von diesem Verhalten Gottes anstecken zu lassen.
br
| Auch wenn Gott also unabhängig von einer positiven Antwort des Menschen gnädig und barmherzig ist,
| so hat sein Handeln doch ein konkretes Ziel: dass es die Menschen ihm gleich tun!
br
| Gerade in diesem Nachvollziehen der Feindesliebe und Güte Gottes werden sie zu
| <q>Söhnen [und Töchtern] des Höchsten</q>.
.card.slide.mb-3
.card-body
h5.card-title Feindesliebe: logische Konsequenz aus dem Gottesbild Jesu
.card-text
p.mb-0
| Nimmt man die drei Bausteine der Forderung der Feindesliebe zusammen, erscheint diese Forderung als logische Konsequenz.
br
| Sie ist es aber nur, wenn man die Radikalisierung Jesu im Gottesbild und auch das Denken auf den zwei Ebenen
| (jetzt/irdische Welt; dann/Gericht Gottes an der Schwelle zum endgültigen Kommen des Reiches Gottes) mitvollzieht.
p
| Auf der Grundlage der drei Bausteine bricht Jesus die berechnende zwischenmenschliche Gegenseitigkeit auf
| und stellt den Menschen ins Angesichts des barmherzigen und gütigen Gottes und seines endzeitlich-jenseitigen Lohnes.
p
| Von Gott geht auch die Initative aus: Seine täglich erlebbare! Feindesliebe
| soll zur eigenen Feindesliebe ermutigen, ja fordert dazu auf.
p
| In diesem Sinne ist auch die <q>Goldene Regel</q> zu verstehen: Der Akzent liegt nicht auf der (zwischenmenschlichen)
| Gegenseitigkeit, sondern darauf, die Initiative zu ergreifen, von sich aus Gutes zu tun. Und in Verbindung mit der
| dritten Strophe ist sie modifiziert.
p
| Gottes Verhalten soll als Impuls und Auftrag verstanden werden, selber so wie Gott eben: zuvorkommend-großzügig barmherzig
| und gütig am Mitmenschen zu handeln, ja sogar und gerade am Feind und an dem, von dem ich nichts erwarten kann.
p
| Da, wo in der 3. Strophe von Gegenseitigkeit die Rede ist, ist die zwischenmenschliche Ebene der Jetzt-Zeit
| mit der (endzeitlichen) Ebene Gott Mensch verbunden:
| Der, der zurückgeben bzw. zurückvergeben wird, ist nicht ein Mensch, sondern Gott, und zwar im Gericht.
p
| So ergibt sich als Schema:
br
| Gott ist zuvorkommend-großzügig barmherzig und gütig auch gegenüber Undankbaren und Bösen (<q>Feinden</q>)
br
| &nbsp;&nbsp;&nbsp;
+symbol("arrow-right")
| Der Mensch soll zuvorkommend-großzügig barmherzig und gütig sein auch gegenüber seinen Feinden und zu jenen, von denen er nichts erwarten kann, genau wie es Gott ist
br
| &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;
+symbol("arrow-right")
| <i>Gott</i> wird das an ihm selbst Maß nehmende Verhalten übergütlich <q>vergelten</q> man <i>braucht</i> also
| gar nichts vom Mitmenschen erwarten/erhoffen!
p.mb-0
| Die Feindesliebe, wie Jesus sie vorstellt, ist ganz von Gott her gedacht, aber auch auf Gott hin:
| er gibt mit seinem eigenen Verhalten den Anstoß; bei ihm in <i>Gottes</i> <q>Zurückmessen</q>
| bekommt das menschliche Verhalten seinen <q>Lohn</q>.
br
| Dadurch wird das Vergeltungs- und Lohndenken im zwischenmenschlichen Bereich letztlich komplett ausgeschaltet;
| was dagegen bleibt, ist das Angestiftetsein zum Guten durch Gott bzw. durch Mitmenschen.
.card.slide.mb-3
.card-body
h5.card-title Jesu Feindesliebe am Kreuz: Beispiel für seine Jünger
.card-text
p
| Am Kreuz so erzählt Lukas praktiziert Jesus selbst die Feindesliebe: Er betet für seine Feinde!
p.mb-0
| Das Gleiche wird Stephanus, der erste Märtyrer der Christenheit, bei seiner Steinigung tun (Apg 7,54-8,1a [7,60!]).
.card.slide.mb-3
.card-body
h5.card-title Gottes Feindesliebe im Kreuz Jesu
.card-text
p.mb-0
| Wiewohl die Feindesliebe als Forderung Jesu sicher
| auf den historischen Jesus zurückgeht, bekommt sie durch das Kreuz Jesu eine besondere Note.
br
| Paulus kann in Röm 5,1-11 schreiben:
blockquote.blockquote(style="font-size: 100%;").ml-5
p.mb-0
| Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin,
| dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. ...
br
| Da wir mit Gott versöhnt wurden
| durch den Tod seines Sohnes, als wir noch <i>Gottes Feinde</i> waren, ...
footer.blockquote-footer
cite Röm 5,8.10
p
| Dieser Abschnitt wird mit Recht unter dem Titel <q>Rechtfertigung des Gottlosen</q> geführt.
p
| Das Kreuz kann als Inbegriff der Feindesliebe Gottes gelten, die
| allem menschlichen Tun zuvorkommt.
p.mb-0
| Dadurch ist auch das alte Do-ut-des-Denken überholt.
br
| Nicht: der Mensch gibt (<q>Opfer</q>), damit Gott gibt;
| sondern: Gott hat gegeben, damit der Mensch gibt aber nicht (nur) ihm (Gott), sondern seinen Mitmenschen!
.card.slide.mb-3
.card-body
h5.card-title Verzicht auf Widerstand mit Hintergedanke
.card-text
p
| Schon in Spr 25,21-22 begegnet der Gedanke, dass das gütige Verhalten dem Feind gegenüber <q>glühende Kohlen</q>
| auf dessen Haupt legt: Es kann Ärgernis oder gar Grund zum Umdenken sein, so dass die Feindschaft endet
| und vielleicht sogar Freundschaft entsteht.
p.mb-0
| Auch der von Jesus geforderte Verzicht auf Wiederstand (29-30) ist nicht ein passives Hinnehmen, sondern
| ein aktives auf den Feind Einwirken, ja ein ihn Provozieren. Das soll dem Feind die Augen öffnen für das,
| was er an Unrecht tut, und ihn zu einem Nachdenken bringen.
.card.slide
.card-body
h5.card-title Feindesliebe wirklich lebbar?
.card-text
p
| Über die Feindesliebe und ihre tatsächliche Lebbarkeit wurde viel geschrieben.
p
| Klar sind die theologischen Prämissen, die Jesus von seinem Gottesbild ausgehend diese Forderung haben
| formulieren lassen.
p
| Klar ist auch, dass Jesus in einer Zeit relativen Friedens gelebt hat: die Römer waren zwar als Besatzungsmacht
| im Lande, was vielen nicht passte, aber es herrschte kein Krieg.
br
| Auch als Lukas sein Evangelium schreibt, herrscht im Großen und Ganzen Friede.
p
| Aber die Zeit Jesu war auch geprägt von den Aufständen der Zeloten gegen die römische Besatzungsmacht,
| und Lukas schaut auf den nicht zuletzt dadurch entstandenen jüdisch-römischen Krieg zurück.
br
| Jesu Programm der Feindesliebe ist ein theologisch begründetes! Gegenprogramm zu den militanten
| Aufständen der Zeloten, die ihrerseits ihr Handeln theologisch begründeten.
| Allen, die die <q>Feinde</q> nicht passiv ertragen, sich nicht einfach geschlagen geben wollten, bot
| Jesus eine friedliche Lösung an, aktiv zu werden. Darin liegt die Stärke der Feindesliebe.
p
| In der Theologiegeschichte sind immer wieder auch die Grenzen der Feindesliebe deutlich geworden.
| Sie offenbaren sich, sobald der zwischenmenschliche Bereich verlassen wird und staatlich-völkische Dimensionen
| in Spiel kommen: wenn es nicht nur um das persönliche Verhalten von Nicht-Soldaten geht, sondern um
| den Umgang mit ganze Menschengruppen bedrohenden Situationen (Krieg).
p
| Jesu verpflichtendes Gebot der Feindesliebe ist und bleibt gerade als christliches Spezifikum
| Stachel im Fleisch aller, die als Christen über rechte Reaktionen auf Bedrohungen und Feindschaften aller Art nachdenken.
br
| Auch wenn sie nicht immer und überall gelebt werden kann, sie muss doch Grund sein,
| darüber nachzudenken, wie dem Kreislauf der Gewalt entkommen werden kann.
p.mb-0
| Nicht zu vergessen ist aber, dass die Aussagen, die Jesus im Kontext der Feindesliebe macht,
| auch ohne Zuspitzung auf die <i>Feindes</i>liebe ihren Wert und ihre Bedeutung haben.
br
| Gerade das Aufbrechen der zwischenmenschlichen Gegenseitigkeit durch Lohn und Strafe durch Gott
| kann ein Impuls sein, im zwischenmenschlichen Bereich nicht alles aufzurechnen,
| ein Engagement nicht danach zu bewerten, was <i>für mich</i> <q>herausspringt</q>, sondern was es <i>für den anderen bedeutet</i>.
br
| Da ist als Beispiel das Ehrenamt mit seinen vielen Facetten zu nennen,
| aber auch die Sorge für und um Menschen, die selber gar nichts oder wenig geben können: Menschen mit körperlichen und
| geistigen Einschränkungen, alte Menschen, Arme etc.