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| Inhaltsangabe/Überschrift
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br
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| Himmlischer Sendungsbeschluss
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h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 1,1-3
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h5.card-title Johannes der Täufer in der Wüste: Seine Taufe und seine Ankündigung des Kommenden
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h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 1,4-8
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h5.card-title Die Taufe Jesu: Tod und Auferstehung Jesu als Wendepunkt der Heilsgeschichte
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h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 1,9-11
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h5.card-title Jesus in der Wüste: Die Versuchung Jesu
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h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 1,12-13
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h5.card-title Johannes tritt ab, Jesus tritt auf: Eröffnungsruf des Wirkens Jesu: Das Reich Gottes ist zum Greifen nahe!
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h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 1,14-15
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hr
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p.card-text.mb-0.konzentr-3.bibeltextkonzentr
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| 1 Anfang des Evangeliums Jesu Christi, Sohn (eines) Gottes.
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br
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| 2 Wie geschrieben steht beim Propheten Jesaja:
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q Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der einen Weg bahnen wird.
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q 3 Stimme eines Rufers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn! Macht gerade seine Straßen!
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p.card-text.mb-0.konzentr-2.bibeltextkonzentr
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| 4 So trat Johannes der Täufer in der Wüste auf und verkündete eine Taufe der Umkehr zur Vergebung der Sünden.
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br
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| 5 Ganz Judäa und alle Einwohner Jerusalems zogen zu ihm hinaus;
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br
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| sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen.
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p.card-text.mb-0.konzentr-2.bibeltextkonzentr
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| 6 Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften
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br
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| und er lebte von wildem Honig.
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br
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| 7 Er verkündete:
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q
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| Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich;
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br
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| ich bin es nicht wert, mich zu bücken und ihm die Riemen der Sandalen zu lösen.
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br
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| 8 Ich habe euch mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.
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p.card-text.mb-0.konzentr-1.bibeltextkonzentr
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| 9 Und es geschah in jenen Tagen, da kam Jesus aus Nazareth in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen.
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br
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| 10 Und sogleich, als er aus dem Wasser stieg, sah er,
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br
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| dass der Himmel aufriss und der Geist wie eine Taube in ihn hineinkam.
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br
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| 11 Und eine Stimme aus dem Himmel sprach:
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q Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.
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p.card-text.mb-0.konzentr-2.bibeltextkonzentr
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| 12 Und sogleich trieb der Geist Jesus in die Wüste.
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br
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| 13 Jesus blieb vierzig Tage in der Wüste und wurde vom Satan in Versuchung geführt.
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br
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| Er lebte bei den wilden Tieren und die Engel dienten ihm.
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p.card-text.konzentr-3.bibeltextkonzentr
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| 14 Nachdem Johannes ausgeliefert worden war, ging Jesus nach Galiläa;
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br
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| er verkündete das Evangelium Gottes
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br
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| 15 und sprach:
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q
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| Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe.
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br
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| Kehrt um und glaubt an das Evangelium!
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h5.card-title
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q Anfang
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hr
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p.card-text.mb-0
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| Mit dieser kurzen Erzählung wird der <i>Anfang</i> des öffentlichen Wirkens Jesu markiert.
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br
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| Inhaltlich geht es dabei um den <i>Anbruch</i> des Gottesreiches.
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h5.card-title
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q Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg bahnen wird
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br
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| Johannes der Täufer:
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q ausgeliefert
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hr
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ul.card-text
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li Am Anfang der Erzählung findet sich die Notiz von der „Auslieferung“ Johannes des Täufers, des Vorläufers Jesu.
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li Damit wird auf das gewaltsame Ende des Täufers angespielt (vgl. Mk 6,17-29).
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li
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| Das „den Weg bahnen“ kann in diesem Sinne auch als „Weg vorzeichnen“ verstanden werden – geheimnisvoller Hinweis also darauf,
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| dass Johannes auch im Hinblick auf den gewaltsamen Tod durch die Mächtigen „Vorläufer Jesu“ ist.
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li
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| Die zugrunde liegende Verb ist jedenfalls innerhalb des Neuen Testamentes „terminus technicus“ für die Passion Jesu bis zum Tod am Kreuz (→ 1 Kor 11,23).
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p.small.card-text
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| Zunächst bezieht sich der Begriff auf den Verrat des Judas und die damit zusammenhängende Verhaftung Jesu (→ Mk 3,19; 14,17-21.41).
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| Da diese dann aber in seinen Tod am Kreuz mündet, schwingt bei „ausgeliefert“ die ganze Passion Jesu bis zum Tod am Kreuz insgesamt mit.
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li
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| Wie Mk 14,17-21 verdeutlicht, entspricht die „Auslieferung“ Jesu durch Judas dem Heilsplan Gottes.
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br
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| Dem entspricht, dass die Passivformulierung „ausgeliefert“/„überliefert“ nicht selten ohne Subjekt steht;
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| dies ist als „passivum divinum“ zu deuten: Gott ist als Subjekt zu ergänzen.
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br
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| So bringt der Ausdruck „ausgeliefert“ zum Ausdruck, dass Jesu Weg nicht einfach ein (dummes, zufälliges) „Schicksal“ ist,
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| sondern dem (Heils-)Plan Gottes entspricht.
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li
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| Insofern es hier in gleicher Weise für Johannes den Täufer gebraucht wird, wird auch sein Wirken bis hin
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| zu seinem gewaltsamen Lebensende als Sendung durch Gott verstanden.
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h5.card-title
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q ... ging Jesus nach Galiläa
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hr
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ul.card-text
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li Die Wirkorte von Johannes dem Täufer und Jesus haben sich grundlegend unterschieden:
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ul.card-text
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li Der eine lebte als Asket in der Wüste.
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li Der andere war eher in den Dörfern Galiläas unterwegs und lehnte das Fasten ab (→ Mk 2,18-20; vgl. auch Lk 7,34: „Fresser und Säufer“).
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li
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| Dahinter steckt sicher auch eine andere Überzeugung über das, was „jetzt“ von Gott her Gültigkeit hat.
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li
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| Der grundlegende, „alles verändernde“ Einschnitt dürfte für Jesus der Tod des Täufers gewesen sein –
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| insofern ist die Notiz in Mk 1,14a nicht nur zeitlich zu verstehen.
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li.small
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| Möglicherweise darf man so rekonstruieren:
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ul.card-text
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li Johannes der Täufer hatte das nahe Ende der Welt und das Kommen Gottes zum Gericht angekündigt.
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li Beides blieb auch nach seinem gewaltsamen Tod aus!
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li Das eröffnet zwei Denkmöglichkeiten:
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ol.card-text
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li Johannes hatte sich geirrt ...
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li Johannes hatte grundsätzlich Recht, aber Gott eröffnet eine Zeit der Gnade, die noch Umkehr ermöglicht, bevor er tatsächlich zum Gericht kommt.
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li
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| Eine Entscheidung Jesu für die zweite Denkmöglichkeit
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| würde die einladenden Predigten von Gottes Gnade und Barmherzigkeit schlüssig begründen.
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li
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| Auch für Jesus blieb das Kommen Gottes zum Gericht etwas sehr Nahes;
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br
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| aber er betonte eher den einladend-fordernden Gnadencharakter der Jetzt-Zeit und wandte sich aktiv den Sündern zu, um sie zur rettenden Umkehr zu bewegen –
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br
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| wenngleich auch bei ihm das Ende der Welt und das Kommen Gottes zum Gericht Horizont seiner Botschaft blieb.
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h5.card-title
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q Bereitet den Weg des Herrn
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br
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q Kehrt um und glaubt an das Evangelium!
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hr
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ul.card-text
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li
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| Wie schon in Mk 1,4 beim Auftreten Johannes des Täufers spiegelt sich der Ruf „Bereitet den Weg des Herrn!“ im Umkehrruf,
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| diesmal aus dem Munde Jesu:
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br
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| wer im Sinne Jesu umkehrt, steht im Dienst des Kommens Gottes zu den Menschen (wird „Wegbereiter des Herrn“).
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li
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| Ergänzt wird der Umkehrruf hier mit dem Aufruf zum „Glauben an das Evangelium“;
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br
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| „Glaube“ wird im weiteren Verlauf des Evangeliums eine wichtige Rolle spielen.
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li
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| Als derjenige, aus dessen Mund der Umkehrruf in Verbindung mit der Verkündigung des nahegekommenen Gottesreiches laut wird,
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| steht Jesus hier klar auch selbst im Dienst des Kommens Gottes zu den Menschen.
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h5.card-title
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q Evangelium (Gottes)
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h6.card-subtitle.text-muted Die „Taufe“ Jesu – Tod und Auferstehung Jesu – als „Mitte“ des Evangeliums.
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hr
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ul.card-text
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li Die Wendung „Evangelium Gottes“ erinnert wieder an Röm 1,1-4, von dem sich Markus für seinen Evangelienbeginn u. a. hat inspirieren lassen.
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li
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| Deutlich wird, dass das Evangelium von Gott ausgeht: <i>Gott</i> lässt diese Botschaft verkünden;
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br
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| und es ist eine <i>gute</i> Botschaft.
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li
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| Mit Mk 1,1 – „Evangelium Jesu Christi“ – entsteht eine Inklusion, die Mk 1,1-15 insgesamt einschließt.
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br
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| Wobei „Evangelium Jesu Christi“ und „Evangelium Gottes“ sachlich identisch ist (vgl. auch wieder die Reihung in Röm 1,1-4!):
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br
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| Jesus Christus setzt in Wort und Tat um, was Gottes Heilsplan für die Menschen ist.
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li
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| Inhaltlich bleibt „Evangelium“ geheimnisvoll unspezifiziert.
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li
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| In dieser Gliederung bildet aber die Taufe Jesu die konzentrische Mitte,
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| die Markus ganz im Blick auf Jesu Tod und Auferstehung erzählt, in der Erzählung von Jesu Taufe dieses Doppelereignis gegenwärtig macht.
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li
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i
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| So legt die Konzentrik nahe, dass „Evangelium“ vor allem das christologisch-soteriologische
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| Doppelereignis von Jesu Tod und Auferstehung bezeichnet.
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p.small.card-text Und nur indirekt eine Erzählung des „Lebens Jesu“. Damit steht Markus dem paulinischen Verständnis von „Evangelium“ äußerst nahe.
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li
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| Von daher wird vom Blick auf das Schicksal des Vorläufers – „ausgeliefert“ – auch das Schicksal Jesu in der Erzählung Mk 1,14-15 präsent;
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br
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| das „nachdem ... ausgeliefert“ ist dann auf die Auferstehung Jesu zu übertragen und den Neubeginn, den diese für ihn
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| und für die Verkündigung der Jünger bedeutet hat.
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li
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| In der Erzählung vom Beginn des öffentlichen Wirkens am unteren Ende der konzentrischen Gliederung sind also
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| wie in der Tauferzählung in der Mitte der konzentrischen Gliederung Tod und Auferstehung Jesu präsent:
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br
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| das „ausgeliefert“ bezieht sich analog dem Hineinsteigen in das Wasser auf den Tod Jesu,
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br
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| das „nachdem ... ausgeliefert“ und die Verkündigungstätigkeit analog dem Heraussteigen aus dem Wasser auf die Auferstehung Jesu;
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br
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| beides zusammen ist das „Evangelium Gottes“.
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h5.card-title
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q Die Zeit ist erfüllt!
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h6.card-subtitle.text-muted Vom Kairos des Evangeliums
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hr
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ul.card-text
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li Der Kairos ist die günstige, einmalige Gelegenheit, die es zu ergreifen gilt.
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li
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| Als Figur dargestellt, hat der „Kairos“ nur am Vorderkopf Haare:
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br
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| Man muss die günstige Gelegenheit erwischen,
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| ihn zu packen, es gibt ein „zu früh“ und ein „zu spät“ (wenn man dann hinten nur noch abrutscht ...).
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li
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| Es geht hier also nicht nur um eine „Zeitansage“, sondern um den Aufruf, die Chance, die sich durch das Evangelium
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| – durch Jesu Tod und Auferstehung – ergibt, zu ergreifen, bevor es dafür zu spät ist.
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.card-body
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h5.card-title
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q Das Reich Gottes ist (zum Greifen) nahe!
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h6.card-subtitle.text-muted Ergreift das Reich Gottes, das in Tod und Auferstehung in diese Welt hereingebrochen ist!
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hr
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ul.card-text
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li
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| „basileia tou theou“ („Herrschaft Gottes“ bzw. „Reich Gottes“) ist ein für Jesus typischer Begriff.
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br
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| Von daher hat er Eingang in die christliche Verkündigung gefunden.
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li
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| Was in der deutschen Übersetzung nicht auffällt: „Reich Gottes“ ist Subjekt des Satzes!
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br
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| Das Reich Gottes ist also eine <i>aktive</i> Größe, analog zum Evangelium nach
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span.bibelstelle Röm 1,16
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br
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q.bibeltext
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| ... ich schäme mich des Evangeliums nicht: Es ist <i>eine Kraft Gottes</i> zur Rettung für jeden, der <i>glaubt</i>
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li
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| „ist (zum Greifen) nahe“ ist hier ein Verb im Perfekt.
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ul.card-text
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li Anders als das deutsche Perfekt bezeichnet das griechische Perfekt nicht die Vergangenheit, sondern ist eine Gegenwartsform!
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li Der Akzent liegt auf der in der Gegenwart andauernden Gültigkeit der Aussage; es geht um ein Ereignis, das die Gegenwart bestimmt.
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li
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| Das Reich Gottes ist in diesem Sinne also nicht nur (punktuell) gekommen,
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br
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| es ist bleibend nahe: im Evangelium bzw. dort, wo das Evangelium als Kraft wirksam wird und Wirklichkeit verändert.
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| Das Verb bezeichnet die <i>unmittelbare</i> Nähe („zum Greifen nahe“);
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br
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| und so ist die Aussage von der Nähe der Gottesherrschaft
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| schon in sich der Aufruf, sich entsprechend zu verhalten, was hier durch den Aufruf zu Umkehr und Glaube konkretisiert wird.
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li
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| Das Reich Gottes ist also eine Größe der Gegenwart, wenn auch klein und unscheinbar – eben auf „Wachstum“ angelegt (→ Mk 4,26-32: Wachstumsgleichnisse);
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br
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| aber es ist klar nicht mehr nur eine Größe der Zukunft: es bricht herein in diese Welt und will sie verwandeln.
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li
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| Vom Hereinbrechen der Wirklichkeit Gottes in diese Welt erzählt Markus in der Mitte der konzentrischen Gliederung:
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br
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i Tod und Auferstehung Jesu – die ja in der Tauferzählung bei Markus „gegenwärtig“ sind – bringen das Anbrechen der Gottesherrschaft mit sich, von dem Mk 1,14-15 spricht.
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br
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| Darin stimmt er mit Paulus überein, der kein Interesse am „historischen Jesus“ hatte und der seine ganze christliche Theologie aus der Auferstehung des Gekreuzigten entwickelt.
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li
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| Wenn der historische Jesus (auch) eine „präsentische Eschatologie“ im Sinne von Mk 1,14-15 vertreten haben sollte – darüber wird gestritten –,
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| war für ihn mit hoher Wahrscheinlichkeit der Tod des Täufers und das Ausbleiben des Kommens Gottes dafür Anlass (s. o.).
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br
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span.small Das ist insgesamt eine komplexe, letztlich nie ganz sicher beantwortbare Frage.
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.card-body
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h5.card-title
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| Johannes in der Wüste – Jesus in der Wüste
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h6.card-subtitle.text-muted Dem Satan davonlaufen ...
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hr
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ul.card-text
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li
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| In der konzentrischen Gliederung stehen einerseits Botschaft und Wirken Johannes des Täufers und andererseits die Erzählung von der Versuchung Jesu gegenüber.
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li
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| <i>Beides</i> wird in der Wüste verortet.
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li
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| In <i>beiden</i> Erzählungen spielt auch der Geist Gottes eine Rolle, wie auch in der konzentrsichen Mitte:
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ul.card-text
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li Johannes kündigt die Geisttaufe des „Stärkeren“ an.
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li In der Taufe wird Jesus mit dem Geist Gottes „ausgestattet“.
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li Jesus wird vom Geist in die Wüste getrieben.
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||
li
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| Wie schon in der vorherigen Etappe in der fortschreitenden Konzentrik begegnet das Gegenüber Jesus (= der Eine) ↔ die Vielen (<i>ganz</i> Judäa – <i>alle</i> Einwohner Jerusalems);
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br
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| das Wirken des Einen für die Vielen ist zu assoziieren:
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br
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| Jesus, der <i>Stärkere</i>, hat den Satan, den <i>Starken</i> (nach Mk 3,28), in der Versuchung besiegt – das ist hier vorauszusetzen – und hat
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| so – als der Eine <i>für</i> die Vielen – den Vielen in der Geisttaufe eine neue Wirklichkeit jenseits der Sünde ermöglicht:
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||
br
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||
i Jesus ist der „</i>neue<i> Adam“ einer „</i>neuen<i> Schöpfung“.
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||
li
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||
| Zusammengenommen zeigt sich ein schönes Bild:
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br
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| Nicht nur hat Jesus die Versuchung bestanden,
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||
br
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| auch die Vielen kehren um, wenden sich also vom Satan ab, und lassen sich taufen.
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||
li
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||
| Insofern in der Erzählung von der Wüstensendung Jesu dessen Gehorsam (gegenüber dem Geist – mit dem er später taufen wird: Umkehrung der Verhältnisse → Erniedrigung)
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||
| in einem soteriologischen Sinne
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||
| gemäß Phil 2,8 („erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz“) vergegenwärtigt wird,
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||
| ist im Hinblick auf die Vielen, die in der Taufe ein neues Leben beginnen,
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||
| besonders an
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span.bibelstelle Röm 5,12-21
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||
| zu denken (→ Adam-Christus-Parallele):
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||
br
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q.bibeltext.card-text
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||
| 12 Wie durch <i>einen einzigen Menschen</i> die Sünde in die Welt kam und durch die Sünde der Tod und auf diese Weise der Tod zu <i>allen Menschen</i> gelangte, weil <i>alle sündigten</i> –
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br
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||
| 14 ... gesündigt hatten wie Adam, der ein Urbild des Kommenden ist.
|
||
br
|
||
| 15 Doch anders als mit der Übertretung verhält es sich mit der Gnade;
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||
br
|
||
| sind durch die Übertretung des einen die vielen dem Tod anheimgefallen,
|
||
br
|
||
| so ist erst recht die Gnade Gottes und die Gabe, die durch die Gnadentat des einen Menschen Jesus Christus bewirkt worden ist, den vielen reichlich zuteilgeworden.
|
||
br
|
||
| 16 Und anders als mit dem, was durch den einen Sünder verursacht wurde, verhält es sich mit dieser Gabe:
|
||
br
|
||
| Denn das Gericht führt wegen eines Einzigen zur Verurteilung, die Gnade führt aus vielen Übertretungen zur Gerechtsprechung.
|
||
br
|
||
| 17 Denn ist durch die Übertretung des einen der Tod zur Herrschaft gekommen, durch diesen einen,
|
||
br
|
||
| so werden erst recht diejenigen, denen die Gnade und die Gabe der Gerechtigkeit reichlich zuteilwurde, im Leben herrschen durch den einen, Jesus Christus.
|
||
br
|
||
| 18 Wie es also durch die Übertretung <i>eines Einzigen für alle Menschen</i> zur Verurteilung kam,
|
||
br
|
||
| so kommt es auch durch die gerechte <i>Tat eines Einzigen für alle Menschen</i> zur Gerechtsprechung, die Leben schenkt.
|
||
br
|
||
| 19 Denn wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die vielen zu Sündern gemacht worden sind,
|
||
br
|
||
| so werden auch <b><i>durch den Gehorsam des einen die vielen zu Gerechten gemacht</i></b> werden.
|
||
|
||
li
|
||
| Wie aber im Erzählzusammenhang Jesus <i>nach</i> seiner Taufe versucht wurde,
|
||
br
|
||
| bleibt auch der Getaufte der Versuchung ausgesetzt.
|
||
br
|
||
| Es ist – wie bei Jesus – der in der Geisttaufe vermittelte Geist Gottes, der auch den Christen hilft, ihre Versuchungen zu bestehen.
|
||
li
|
||
| Die Hoheit Jesu, von der Johannes der Täufer spricht („... nicht wert, mich zu bücken und ihm die Riemen der Sandalen zu lösen“)
|
||
| und die ihm in der Auferstehung (→ Mitte der konzentrischen Gliederung) zuteil wurde,
|
||
| spiegelt sich im Dienst der Engel,
|
||
br
|
||
| erzählerisch im Sinne von Phil 2,8-10 stimmig <i>nach</i> Erniedrigung/Gehorsam (Bestehen der Versuchung) erzählt.
|
||
|
||
|
||
.card.slide.border-primary.mb-3
|
||
.card-body
|
||
h5.card-title
|
||
| Das Evangelium vom Herrschaftsantritt
|
||
h6.card-subtitle.text-muted Gott/Jesus vs. Vespasian
|
||
hr
|
||
ul.card-text
|
||
li Markus lässt Jesus das nahegekommene, bereits angebrochene Gottesreich ausrufen und das Evangelium Gottes verkünden.
|
||
li
|
||
| Der zeitliche Kontext des Markus-Evangeliums ist der Herrschaftsantritt Kaiser Vespasians in Rom –
|
||
| eine Botschaft, die zu den „Evangelien“ aus dem Kaiserhaus gehörte.
|
||
li
|
||
| Damit ist ein Gegenüber hergestellt, das Markus noch an zentralen Stellen aufgreifen wird.
|
||
li
|
||
| Mithin ist also das Gottesreich zu König- und Kaiserreichen,
|
||
br
|
||
| die Herrschaft Gottes zu menschlichen Herrschaftsformen
|
||
br
|
||
| in ein spannungsreiches Verhältnis bis hin zum absoluten Gegenüber gesetzt – Markus wird dies an anderer Stelle eigens thematisieren.
|
||
|
||
.card.slide.border-primary.mb-3
|
||
.card-body
|
||
h5.card-title
|
||
q.bibeltext Dein Gott ist König
|
||
span.bibelstelle Jes 52,7
|
||
h6.card-subtitle.text-muted Eine alttestamentlich Vorlage für Mk 1,14-15
|
||
hr
|
||
p.card-text
|
||
q.bibeltext
|
||
| Wie willkommen sind auf den Bergen die Schritte des Freundenboten, der Frieden ankündigt, der eine frohe Botschaft bringt
|
||
| und Heil verheißt, der zu Zion sagt:
|
||
br
|
||
q
|
||
| Dein Gott ist König!
|
||
span.bibelstelle Jes 52,7
|
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ul.card-text
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li
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| Die Bezüge zu Mk 1,14-15 sind nicht zu übersehen:
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| die Stichworte „Freundenbote“ und „frohe Botschaft“ verbinden sich unmittelbar mit „Evangelium“,
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li
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| da wie dort ist das Angekommensein von Gottes Königsherrschaft Thema.
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li
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| Es ist also sehr wahrscheinlich, dass Markus Jes 52,7 im Hinterkopf hatte, als er Mk 1,14-15 formulierte.
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li
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| Dies gilt umso mehr, als Verse im Kontext von Jes 52,7 (nämlich Jes 52,3.10) im Zusammenhang mit Mk 1,14-15
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| Bedeutung haben, wie sich noch zeigen wird.
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| Zeitgeschichtlicher Kontext ist das Ende des Exils in Babylon, aus dem Gott sein Volk „loskauft“.
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| Nicht unerheblich sind auch Bezüge zwischen Jes 52,1-15 und Jes 40,1-5.9-11 (→ Mk 1,3),
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br
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| was der Inklusion von Mk 1,1-15 durch das Stichwort „Evangelium“ in Mk 1,1 und Mk 1,14-15 entspricht:
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h5.card-title Jes 40,1-5.9-11
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q.bibeltext.card-text
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| 1 Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott.
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| 2 Redet Jerusalem zu Herzen und ruft ihr zu,
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| dass sie vollendet hat ihren Frondienst, dass gesühnt ist ihre Schuld,
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| dass sie empfangen hat aus der hand des HERRN Doppeltes für alle ihre Sünden.
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| 3 Eine Stimme ruft: In der Wüste bahnt den Weg des HERRN,
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br
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| ebnet in der Steppe eine Straße für unseren Gott!
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| 4 Jedes Tal soll sich heben, jeder Berg und Hügel sich senken.
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br
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| Was krumm ist, soll gerade werden, und was hüglig ist, werde eben.
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br
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| 5 Dann offenbart sich die Herrlichkeit des HERRN,
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br
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| alles Fleisch wird sie sehen.
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br
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| Ja, der Mund des Herrn hat gesprochen.
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br
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| 9 Steig auf einen hohen Berg, Zion, du Botin der Freude!
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br
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| Erheb deine Stimme mit Macht, Jerusalem, du Botin der Freude!
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br
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| Erheb deine Stimme, fürchte dich nicht!
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br
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| Sag den Städten in Juda: Siehe, da ist euer Gott.
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br
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| 10 Siehe, Gott, der Herr, kommt mit Macht, er herrscht mit starkem Arm.
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br
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| Siehe, sein Lohn ist mit ihm und sein Ertrag geht vor ihm her.
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br
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| 11 Wie ein Hirt weidet er seine Herde, auf seinem Arm sammelt er die Lämmer,
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br
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| an seiner Brust trägt er sie, die Mutterschafe führt er behutsam.
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h5.card-title Jes 52,1-15
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q.bibeltext.card-text
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| 1 Wach auf, wach auf, bekleide dich mit deiner Macht, Zion!
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br
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| Bekleide dich mit deinen Prunkgewändern, Jerusalem, du heilige Stadt!
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br
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| Denn Unbeschnittene und Unreine werden dich nicht mehr betreten.
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br
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| 2 Schütte den Staub von dir ab, steh auf, setze dich, Jerusalem!
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br
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| Löse die Fesseln von deinem Hals, du gefangene Tochter Zion!
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br
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| 3 Denn so spricht der HERR:
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br
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| Umsonst wurdet ihr verkauft und ihr sollt nicht mit Geld losgekauft werden.
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br
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| 4 Denn so spricht GOTTT, der Herr:
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br
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| Nach Ägypten zog mein Volk einst hinab, um dort in der Fremde zu leben.
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br
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| Auch Assur hat es ohne Grund unterdrückt.
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br
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| 5 Aber was erlebe ich jetzt – Spruch des HERRN –?
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br
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| Man nahm mein Volk, ohne zu bezahlen.
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br
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| und nun prahlen seine Beherrscher – Spruch des HERRN –;
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br
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| ständig, jeden Tag wird mein Name gelästert.
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br
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| 6 Darum woll mein Volk an jenem Tag meinen Namen erkennen
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br
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| und wissen, dass ich es bin, der sagt: Ich bin da.
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br
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| 7 Wie willkommen sind auf den Bergen die Schritte des Freudenboten,
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br
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| der Frieden ankündigt,
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br
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| der eine frohe Botschaft bringt und Heil verheißt,
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br
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| der zu Zion sagt:
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q Dein Gott ist König.
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br
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| 8 Horch, deine Wächter erheben die Stimme, sie beginnen zu jubeln.
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br
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| Denn sie sehen mit eigenen Augen, wie der HERR nach Zion zurückkehrt.
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br
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| 9 Brecht in Jubel aus, jauchzt zusammen, ihr Trümmer Jerusalems!
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br
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||
| Denn der HERR hat sein Volk getröstet, er hat Jerusalem erlöst.
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br
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| 10 Der HERR hat seinen heiligen Arm vor den Augen aller Nationen entblößt,
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br
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| und alle Enden der Erde werden das Heil unseres Gottes sehen.
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br
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| 11 Fort, fort! Zieht aus von dort! Fasst nichts unreines an!
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br
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| Zieht aus ihrer Mitte! Haltet euch rein, die ihr die Geräte des HERRN tragt!
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||
br
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| 12 Doch zieht nicht aus in Hast, geht nicht fort in Eile;
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br
|
||
| denn der HERR geht vor euch her und er , Israels Gott, ist eure Nachhut!
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br
|
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| 13 Siehe, mein Knecht wird Erfolg haben,
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||
br
|
||
| er wird sich erheben und erhaben und sehr hoch sein.
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br
|
||
| 14 Wie sich viele über dich entsetzt haben – so entstellt sah er aus,
|
||
| nicht mehr wie ein Mensch, seine Gestalt war nicht mehr die eines Menschen –,
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br
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| 15 so wird er viele Nationen entsühnen, Könige schließen vor ihm ihren Mund.
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br
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||
| Denn was man ihnen noch nie erzählt hat, das sehen sie nun;
|
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br
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||
| was sie niemals hörten, das erfahren sie jetzt.
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ul.card-text
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li
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||
| In beiden Texten wird von einem Freudenboten gesprochen: es geht um Evangelien-Verkündigung!
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li
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| In beiden Texten geht es zunächst um Heil und Erlösung für Israel; es verbinden die Stichworte „Freude“ und „Trost“
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| in Bezug auf „Zion“/„Jerusalem“.
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li
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||
| Es verbindet auch die Thematik Rückkehr: die Gottes wie die des Volkes.
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li
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||
| In beiden Texten ist eine universalistische Perspektive gegeben (Jes 40,5; 52,10);
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||
br
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||
| zumindest im paulinisch-markinischen Christentum wurde dies inklusiv als allgemeine Heilsansage
|
||
| gedeutet (→ Jes 52,15!).
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li
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||
| Jes 52 mündet in des Vierte Lied vom Gottesknecht (Jes 52,13-53,12); es ist dieser Gottesknecht
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||
| – so kann man interpretieren –, der mit seiner Lebenshingabe den Loskauf „nicht mit Geld“ (Jes 52,3) vollzieht.
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||
li
|
||
| Die Widersacher Israels, die hier konkrete Völker in Geschichte und Gegenwart sind,
|
||
| sind im Sinne des Markus (und Paulus) auf Satan (bzw. die Sünde) zu übertragen;
|
||
| dann „beißt“ sich das auch nicht mit der universalistischen Heilsperspektive.
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|
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.card.slide.border-primary.mb-3
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.card-body
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h5.card-title
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||
q.bibeltext Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn ...
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span.bibelstelle Gal 4,4
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h6.card-subtitle.text-muted Befreiung aus der Knechtschaft der Sünde
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||
hr
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p.card-text.mb-0
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||
| Mit den beiden Jesja-Texten im Hintergrund muss nochmal auf das Gegenüber von Mk 1,4-9 und Mk 1,12-13 geblickt werden:
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ul.card-text
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li
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||
| In Mk 1,4-9 zieht Jerusalem (→ „Zion“) zu Johannes dem Täufer, um sich taufen zulassen;
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br
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| dies kann auf den befreienden Herrschaftswechsel Mk 1,14-15 bzw. Jes 52,7 bezogen werden: weg von der Herrschaft der Sünde (s. o.).
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li
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||
| In Mk 1,12-13 ist der Gottesknecht (→ Jes 52,13-53,20) aktiv (angedeutet in der Sendung durch den Geist und die Versuchung durch Satan).
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||
li
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||
| Angeleitet dadurch und besonders durch den sprachlichen Anklang wird
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span.bibelstelle Gal 4,4-6
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||
| gegenwärtig:
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||
br
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||
q.bibeltext
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||
| 4 Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt,
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||
br
|
||
| 5 damit er die freikaufe, die unter dem Gesetz stehen
|
||
br
|
||
| und damit wir die Sohnschaft erlangen.
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||
br
|
||
| 6 Weil ihr aber Söhne seid, sandte Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen, den Geist, der ruft: Abba, Vater.
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||
br
|
||
| Gal 4,6 wird – mit Jesu „Taufe“ als Urtyp der christlichen Taufe – in der Mitte der konzentrischen Gliederung bebildert.
|
||
li
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||
| Allerdings ist Gal 4,4-5a umzuformulieren, damit es zu dem passt, was Markus tatsächlich erzählt:
|
||
br
|
||
i
|
||
| Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, ... dem Geist unterstellt,
|
||
br
|
||
| damit der die freikaufe, die unter der Sünde stehen.
|
||
li
|
||
| Dies steht aber nicht gegen den Bezug zu Gal 4,4-6, sondern macht vielmehr eine Stelle aus dem Römerbrief,
|
||
| nämlich
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span.bibelstelle Röm 8,2
|
||
| gegenwärtig:
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||
br
|
||
q.bibeltext
|
||
| ... das Gesetz des Geistes und des Lebens in Christus Jesus hat dich frei gemacht vom Gesetz der Sünde und des Todes.
|
||
li
|
||
| Gal 4,4-5a ist also zu kombinieren mit Röm 8,2, so dass effektiv zu lesen ist:
|
||
br
|
||
q.bibeltext
|
||
| Als aber die Zeit erfüllt war, sandte seinen Sohn, ... dem Gesetzt des Geistes unterstellt,
|
||
br
|
||
| damit er die freikaufe, die unter dem Gesetz der Sünde und des Todes stehen.
|
||
li
|
||
| Das „Freikaufen“ (Gal 4,5) von Unterdrückung ist auch in Jes 52,3 thematisiert;
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||
br
|
||
| dies unterstreicht die Beziehung von Jes 52,7 (mitsamt seines Kontextes) mit Mk 1,14-15.
|
||
li
|
||
| In Mk 1,8 kündigt Johannes der Täufer die Geisttaufe des Stärkeren an;
|
||
br
|
||
| dies kann von Gal 4,6 her verstanden werden,
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||
br
|
||
| aber auch – als parallele, inhaltlich effektiv identische Aussage – von
|
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span.bibelstelle Gal 3,13-14*
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||
| her (wörtlich übersetzt – EÜ ungenau!):
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||
br
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q.bibeltext
|
||
| Christus hat uns losgekauft ...., damit wir die Verheißung des Geistes empfingen durch den Glauben.
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||
br
|
||
| Gemeint ist hier das „Empfangen des verheißenen Geistes“, nicht nur die Verheißung als solche;
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||
br
|
||
| „Verheißung“/„verheißen“ verbindet sich mit der Ankündigung der Geisttaufe durch Johannes besser als Gal 4,6.
|
||
br
|
||
| Jedenfalls ist angedeutet, dass jene, die die Geisttaufe empfangen haben, nun – wie Jesus –
|
||
| dem befreienden „Gesetz des Geistes“ (Röm 8,2) unterstehen.
|
||
//-
|
||
HINWEIS
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||
Die Bezüge sind in der nächsten konzentrischen Gliederung – wenn Mk 1,14-15 dann Mk 1,4-8 gegenübersteht –
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||
vielleicht klarer (Glaube – Verheißung des Geistes), aber Mk 1,14-15 hat als unteres Ende der konzentrischen Gliederung
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macht als „dominierende Erzählung“ (mit Mitte und oberem Ende der konz. Gl.) den Bezug möglich.
|
||
Letztlich ist es nicht entscheidend, aber es ist doch sinnvoll, auf den Bezug schon hier hinzuweisen,
|
||
zumal sowohl in der aktuellen als auch in der folgenden konzentrischen Gliederung der Geist an Jesus vermittelt wird.
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||
Es ist auch zu beachten, dass die Verheißung der Geistgabe der Führung durch den Geist in der aktuellen Gliederung
|
||
gegenüberstehen!
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.card.slide.border-primary.mb-3
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.card-body
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||
h5.card-title
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||
| Gesetz der Sünde und des Todes?
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||
h6.card-subtitle.text-muted Von einer unheilvollen Verbindung, die durch das Zeitalter des Glaubens abelöst wird
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hr
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||
ul.card-text
|
||
li
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||
| Die Aussagen zum jüdischen Gesetz, die sich bei Paulus finden und die Markus nun beginnt aufzunehmen,
|
||
| müssen im größeren Kontext der Rechtfertigungslehre verstanden werden;
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||
br
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||
| knapp gesagt geht es um die Frage, worauf der Bund zwischen Gott den Menschen gründet:
|
||
| auf dem Glauben an Jesus Christus (der durch seinen Tod am Kreuz zum Gottesknecht nach Jes 52,13-53-12 geworden ist) oder auf der Verpflichtung
|
||
| auf das jüdische Gesetz und damit einhergehend das Tun aller darin enthaltenen Vorschriften.
|
||
li
|
||
| Dass sich beide Möglichkeiten ausschließen und warum sie dies tun, ist ein Spezifikum der paulinischen Sichtweise der Kreuzigung Jesu.
|
||
br
|
||
| Grundlegend äußert sich Paulus in
|
||
span.bibelstelle Gal 3,10-14
|
||
| dazu; durch das Sichtwort „freikaufen“ ist diese Stelle mit Gal 4,4-5 verbunden – Gal 3,10-14 ist notwendig zu assoziieren,
|
||
| zumal in Mk 1,12-13 („Wüstensendung“), wo der Freikauf erzählt wird, das Kreuz angespielt wird („gehorsam bis zum Tod am Kreuz“):
|
||
br
|
||
q.bibeltext
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||
| 10 Diejenigen aber, die aus den Werken des Gesetzes leben, stehen unter einem Fluch.
|
||
br
|
||
| Denn geschrieben steht:
|
||
q Verflucht ist jeder, der sich nicht an alles hält, was das Buch des Gesetzes zu tun vorschreibt.
|
||
|
|
||
| (Dtn 27,26).
|
||
br
|
||
| 11 Dass aber durch das Gesetz niemand vor Gott gerecht gemacht wird, ist offenkundig, denn:
|
||
q Der aus Glauben Gerechte wird leben.
|
||
|
|
||
| (Hab 2,4)
|
||
br
|
||
| 12 Für das Gesetz aber gilt nicht: aus Glauben, sondern es gilt:
|
||
q Wer die Gebote erfüllt, wird durch sie leben.
|
||
|
|
||
| (Lev 18,5)
|
||
br
|
||
| 13
|
||
i Christus hat uns vom Fluch des Gesetzes freigekauft, indem er für uns zum Fluch geworden ist;
|
||
br
|
||
| denn es steht geschrieben:
|
||
q
|
||
i Verflucht ist jeder, der am Holz hängt.
|
||
|
|
||
| (Dtn 21,23 – Zur Zeit Jesu auch auf die Kreuzigung bezogen)
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||
br
|
||
| Jesus Christus hat uns freigekauft, damit den Völkern durch ihn der Segen Abrahams zuteilwird,
|
||
br
|
||
| damit wir die Verheißung des Geistes empfingen durch den Glauben.
|
||
li
|
||
| Die Zurückweisung des jüdischen Gesetzes durch Paulus machte es notwendig, eine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des jüdischen Gesetzes zu geben;
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br
|
||
| dies tut Paulus unter anderem mit folgenden Ausführungen:
|
||
br
|
||
q.bibeltext
|
||
| Warum gibt es dann das Gesetz?
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||
br
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||
| Wegen der Übertretungen wurde es hinzugefügt, bis der Nachkomme (Abrahmas; gemeint ist Jesus) käme,
|
||
| dem die Verheißung (des Segens für alle Völker) gilt. ...
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br
|
||
| Wäre ein Gesetz gegeben worden, das die Kraft hat, lebendig zu machen, dann käme in der Tat die Gerechtigkeit aus dem Gesetz;
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||
br
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| <i>aber die Schrift hat alles unter der Sünde eingeschlossen</i>, damit die Verheißung aus dem Glauben an Jesus Christus
|
||
| denen gegeben wird, die glauben.
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br
|
||
| Ehe der Glaube kam, waren wir vom Gesetz behütet, verwahrt, bis der Glaube offenbar werden sollte.
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||
br
|
||
| So ist das Gesetz unser Erzieher auf Christus hin geworden, damit wir aus dem Glauben gerecht gemacht werden.
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||
br
|
||
| Nachdem aber der Glaube gekommen ist, stehen wir nicht mehr unter dem Erzieher
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span.bibelstelle Gal 4,19-25*
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||
li
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||
| Das Gesetz hat also nicht „die Kraft, lebendig zu machen“: es kann – das ist gemeint – nicht aus der Gefangenschaft der Sünde befreien,
|
||
| die seit Adam gilt (vgl. die Deutung Jesu als „neuer Adam“ in Tauf- und Versuchungserzählung!).
|
||
br
|
||
| Daher ist zu konstatieren: „Die Schrit hat alles unter der Sünde eingeschlossen“.
|
||
li
|
||
| Mit Jesu Tod und Auferstehung ist nun aber das „Zeitalter des Glaubens“ gekommen:
|
||
br
|
||
| Jesu Tod am Kreuz hat – anders als das Gesetz – „die Kraft, lebendig zu machen“;
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||
br
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||
| durch den Glauben an Jesu erlösenden Tod und seine Auferstehung und sinnenfällig vollzogen in der Taufe
|
||
| wird dem Christen die Befreiung aus der Knechtschaft der Sünde zuteil.
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||
li
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||
| So erklärt sich auch, warum Markus in Mk 1,14-15 – mit der Taufe als Mitte der konzentrischen Gliederung –
|
||
| zum <i>Glauben an das Evangelium</i> (von Jesu Tod und Auferstehung) aufruft.
|
||
|
||
.card.slide.border-primary.mb-3
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||
.card-body
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||
h5.card-title
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||
| Mk 1,14-15 und seine Rolle im Markus-Evangelium
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||
h6.card-subtitle.text-muted Beginn des Zeitalters des Glaubens – Ende des Zeitalters des Gesetzes – Trigger für den Freikauf
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hr
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ul.card-text
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li Mk 1,14-15 markiert den Beginn eines neuen Zeitalters: „die Zeit ist erfüllt“.
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||
li Dies ist wird in Mk 1,14-15 mit dem Nahegekommensein der Königsherrschaft Gottes inhaltlich näher bestimmt.
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li
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| Aber auch der Aufruf zum Glauben spielt aufgrund der Bezüge zum Galaterbrief wesenhaft eine Rolle (mehr als sonst angenommen):
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br
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||
i
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| Mk 1,14-15 markiert – vor dem Hintergrund der Ausführungen des Paulus zur Rechtfertigung (vor allem) im Galaterbrief –
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| den <i>Beginn des Zeitalters des Glaubens</i>.
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br
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||
| Dies bedeutet – nach Gal notwendig – gleichzeitig das <i>Ende des Zeitalters des Gesetzes</i>.
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li
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| Insofern triggert Mk 1,14-15 rückwärtig in der Erzählung von der Wüstensendung Jesu (Mk 1,12-13)
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||
| den Freikauf vom jüdischen Gesetz bzw. vom Fluch des Gesetzes nach Gal 4,4-5(-6); 3,13(-14) im Kreuzestod Jesu,
|
||
br
|
||
| was dann auch das Gegenüber von Mk 1,12-13 inhaltlich bestimmt, sowie alle Erzählungen
|
||
| am unteren Ende der jeweiligen konzentrischen Gliederung, bei denen Mk 1,12-13 bzw. Mk 1,14-15 (Teil der) Mitte der konzentrischen Gliederung ist.
|
||
li
|
||
| Ist Mk 1,14-15 (allein) Mitte der konzentrischen Gliederung, ist Mk 1,12-13 die eine Flanke, Mk 1,16-20 – die Berufung der ersten Jünger –
|
||
| die andere Flanke; dass in Mk 1,12-13 der Freikauf getrigggert ist, ist in Mk 1,16-20 zu berücksichtigen.
|
||
li
|
||
| Weiterhin wird der Freikauf vom Gesetz in allen Erzählungen getriggert – sofern inhaltich möglich (Kreuz!) –,
|
||
| die Mk 1,14-15 in einer konzentrischen Gliederung gegenüber stehen.
|
||
|
||
.card.slide.border-primary.mb-0
|
||
.card-body
|
||
h5.card-title
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||
q.bibeltext Wandelt im Geist, dann werdet ihr das Begehren des Fleisches nicht erfüllen!
|
||
span.bibelstelle Gal 5,16
|
||
h6.card-subtitle.text-muted Der in der Taufe geschenkte Geist und die Versuchung
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||
hr
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p.card-text.mb-0
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||
| Die entdeckten Bezüge zum Galaterbrief machen sehr wahrscheinlich, dass bei der Kombination „Versuchung Jesu“
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||
| und „Empfang/Verheißung des Geistes“, wie sie hier mit Mk 1,4-8 und Mk 1,12-13 als Gegenüber in der
|
||
| konzentrischen Gliederung gegeben ist,
|
||
span.bibelstelle Gal 5,16-18.25
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||
| zu assoziieren ist:
|
||
br
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||
q.bibeltext
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| 16 Ich sage aber: Wandelt im Geist, dann werdet ihr das Begehren des Fleiches nicht erfüllen!
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br
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| 17 Denn das Fleisch begehrt gegen den Geist, der Geist gegen das Fleisch,
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br
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| denn diese sind einander entgegengesetzt,
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br
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| damit ihr nicht tut, was ihr wollt.
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br
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| 18 Wenn ihr euch aber vom Geist führen lasst, dann steht ihr nicht unter dem Gesetz.
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||
br
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| 25 Wenn wir im Geist leben, lasst uns auch im Geist wandeln.
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ul.card-text.mt-3
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||
li
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||
| Die Gabe des Geistes erscheint als Bedingung der Möglichkeit, der Versuchung zu widerstehen.
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||
li
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| „Fleisch“ meint hier nicht(!) „sexuelle Begierden“ – das ist ein Missverständnis, das eine lange und fatale Wirkungsgeschichte hat.
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li
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| Es geht vielmehr um die Anfälligkeit des Menschen – auch das erlösten Menschen – für die Sünde;
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br
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| sachgerecht meint also „Begehren des Fleiches“ das „Versuchtwerden durch Satan/die Sünde“ in einem allgemeinen und umfassenden Sinn.
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||
li
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||
| Man kann sich Gal 5,17 sehr gut wie in Zeichentrickfilmen dargestellt vorstellen:
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br
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| auf der einen Schulter sitzt der „gute Engel“ – der Geist Gottes – und will zum Guten führen,
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||
| auf der anderen Schulter sitzt der „böse Engel“ – Satan, die Sünde – und will zum Bösen führen.
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||
li
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| Der Christ ist – wie es Christus vorgelebt hat – gerufen, dem Geist zu folgen.
|
||
li
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||
| Die Aussage „Wenn ihr euch aber vom Geist führen lasst, dann steht ihr nicht unter dem Gesetz“
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| passt gut zum Gegenüber Mk 1,4-8 und Mk 1,12-13 und ist wie folgt aufzuschlüsseln:
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br
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| „Wenn ihr euch dem Gesetz des Geistes unterwerft – wie Jesus in Mk 1,12-13 – steht
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||
| ihr nicht unter dem Gesetz der Sünde und des Todes, seid befreit wie die Menschen in Mk 1,4-8,
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||
| die die Taufe zur Vergebung der Sünden empfangen.“
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