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h5.card-title
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| Inhaltsangabe/Überschrift
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| Himmlischer Sendungsbeschluss
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h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 1,1-3
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h5.card-title Johannes der Täufer in der Wüste I: Johannes und seine Umkehrpredigt und Taufe; die Scharen kommen
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h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 1,4-5
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h5.card-title Johannes der Täufer in der Wüste II: Johannes, der wiedergekommene Elija, der auf den Kommenden und dessen Geisttaufe hinweist
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h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted.mb-1 Mk 1,6-8
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p.card-text
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| Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich.
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br
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| Er wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.
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h5.card-header Johannes der Täufer – historisch-kritisch betrachtet
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h5.card-title Zeit der Bedrängnis – Zeit der Erwartung
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p.card-text Johannes der Täufer startete in den 20er Jahren des 1. Jhdt. n. Chr. eine Umkehrbewegung innerhalb des jüdischen Volkes.
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| Es war eine Zeit großer Erwartungen.
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| Viele Juden fühlten sich politisch und religiös bedrängt – einerseits durch die Römer,
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| die die Herren im Land waren und an die Steuern zu zahlen waren, andererseits durch die damalige
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| griechisch-hellenistische Kultur.
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p.card-text
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| Es war daher eine Zeit, in der man sich das göttliche Eingreifen ersehnte –
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| durch Gott selbst oder einen von ihm gesandten Retter (<q>Messias</q>).
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p.card-text
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| Vor diesem Hintergrund ist das Wirken Johannes des Täufers – wie auch das Jesu – zu verstehen:
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| Johannes glaubte an das unmittelbar bevorstehende Ende dieser Weltzeit und das Kommen Gottes
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| zu Gericht und Rettung.
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h5.card-title Zeit der Umkehr – Zeit der Taufe
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| Johannes erinnerte mit seiner Predigt die Juden daran,
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| dass auch sie oft nicht dem Willen Gottes gemäß leben.
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p.card-text
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| Er rief daher zur Umkehr, zur Erneuerung des ganzen Menschen auf.
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p.card-text
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| Weil aber die Zeit knapp und also keine Zeit für viele gute Taten mehr war,
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| die Umkehr und Reue zeigen und damit Vergebung von Gott erbitten sollten, bot er eine Taufe an,
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| die die Umkehr besiegelte, Sündenvergebung zusprach und zu einem erneuerten Lebenswandel nach den Geboten Gottes verpflichtete.
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h5.card-title ‚Gegenveranstaltung‘ zum Tempel
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| Gleichzeitig war die Taufe, die Johannes angeboten hat, eine ‚Gegenveranstaltung‘ zum Tempel in Jerusalem,
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| denn das war eigentlich der Ort für die Sündenvergebung.
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| Doch der Tempel war offenbar in den Augen des Johannes und seiner Anhänger nicht mehr in der Lage,
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| seinen Zweck zu erfüllen: die Begegnung mit Gott ermöglichen, Gottes Segen vermitteln, das gläubige Volk stetig
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| durch die Begegnung mit Gott erneuern und stärken.
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p.small.card-text
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| Der Character der ‚Gegenveranstaltung‘ wird noch deutlicher, wenn der Evangelist Lukas mit seiner Erwähnung der priesterlichen Herkunft
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| Johannes recht haben sollte: eigentlich wäre es sein Weg gewesen, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten
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| und also selbst Priester am Tempel zu werden.
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p.card-text
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| Mit seiner Kritik am Tempel war Johannes damals nicht allein; sie wurde nicht nur nach ihm
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| von Jesus übernommen (Tempelreinigung), sondern findet sich auch schon vor ihm in den Schriften von Qumran.
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| Ähnlich wie für Johannes spielte auch für die Gemeinde hinter diesen Schriften wohl Jes 40,3 eine Rolle (<q>Wüste</q>).
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h5.card-title Johannes <i>der Täufer</i>
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p.card-text
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| Der Beiname <q>der Täufer</q> weist darauf hin, dass das, was Johannes tat, etwas Neues war:
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br
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| es gab zwar Reinigungsbäder und -riten, aber dort <q>taufte</q> man sich selbst; dass man von jemand anderem
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| <q><i>ge</i>tauft <i>wird</i></q>, das war neu und zeigt wohl ein ausgeprägtes Sendungsbewusstsein des Täufers (und
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| auch einen gravierenden Unterschied zu den Reinigungsbädern in Qumran).
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h5.card-title Johannes – der <q>wiedergekommene Elija</q>
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p.card-text
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| Sicher nicht erst die Christen haben Johannes den Täufer mit Elija in Verbindung gebracht, und wohl auch nicht
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| erst die Jünger des Johannes; vielmehr verstand er sich wohl schon selbst so, worauf auch seine Kleidung
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| gemäß 2 Kön 1,8 schließen lässt (dort ist <q>Mantel aus Ziegenhaaren</q> und <q>lederner Gürtel um die Hüften</q>
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| quasi Erkennungszeichen für Elija; vgl. Mk 1,6).
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h5.card-title Johannes – Opfer der Mächtigen
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p.card-text
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| Johannes fand ein gewaltsames Ende; Grund dafür war seine Kritik an den Mächtigen.
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p.card-text.mb-0.konzentr-2.bibeltextkonzentr
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| 1 Anfang des Evangeliums Jesu Christi, Sohn (eines) Gottes.
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| 2 Wie geschrieben steht beim Propheten Jesaja:
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q Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der einen Weg bahnen wird.
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br
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q 3 Stimme eines Rufers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn! Macht gerade seine Straßen!
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p.card-text.mb-0.konzentr-1.bibeltextkonzentr
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| 4 So trat Johannes der Täufer in der Wüste auf und verkündete eine Taufe der Umkehr zu Vergebung der Sünden.
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br
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| 5 Ganz Judäa und alle Einwohner Jerusalems zogen zu ihm hinaus;
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br
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| sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen.
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p.card-text.konzentr-2.bibeltextkonzentr
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| 6 Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften
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| und er lebte von wildem Honig.
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| 7 Er verkündete:
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q
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| Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich;
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| ich bin es nicht wert, mich zu bücken und ihm die Riemen der Sandalen zu lösen.
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| 8 Ich habe euch mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.
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h5.card-title
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q Anfang
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ul.card-text
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li
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| In allen Evangelien und auch in der Apostelgeschichte wird vorausgesetzt, dass das Wirken Jesu nicht „aus dem Nichts“ begann,
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| sondern dass „davor“ Johannes der Täufer aufgetreten war.
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li
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| Historisch dürfte es so gewesen sein, dass Jesus sich nicht nur (quasi punktuell) von Johannes dem dem Täufer hat taufen lassen,
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| sondern auch eine Zeit lang sein Schüler war; er hat vom ihm Tempelkritik und Umkehrruf übernommen, aber auch eigene Akzente gesetzt.
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h5.card-title
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q Bereitet den Weg des Herrn
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h6.card-subtitle.text-muted Johannes als „Stimme eines Rufers in der Wüste“
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hr
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p.card-text.mb-0 Die Parallelität von V 3 und V 4 macht deutlich:
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ul.card-text
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li Johannes der Täufer ist die „Stimme eines Rufes in der Wüste“.
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li
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| Seine Verkündigung der Umkehr(taufe) entspricht der Aufforderung „Bereitet den Weg des Herrn“;
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br
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| der ethische Akzent von Jes 40,3 wird unterstrichen.
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li
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| Indem man diesem Ruf zu Taufe und Umkehr folgt, folgt man dem Ruf „Bereitet den Weg des Herrn“;
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br
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| durch Umkehr und Taufe stellt man sich also in den Dienst des Kommens des Herrn (wird „Wegbereiter des Herrn”).
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li
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| Als „Stimme eines Rufers in der Wüste“ nach Jes 40,3, verbunden mit seinem Hinweis auf den nach ihm kommenden Stärkeren,
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| steht Johannes selbst im Dienst des Kommens Gottes zu den Menschen.
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//- li
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| Johannes der Täufer ist selber „Wegbereiter des Herrn“:
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ol.card-text
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li Indem er die „Stimme eines Rufes in der Wüste“ nach Jes 40,3 ist und also auffordert, sich in den Dienst des Kommens Gottes/Jesu zu den Menschen zu stellen (V 4).
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li Indem er auf den Stärkeren und sein Kommen hinweist (VV 7.8).
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br
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span.small Wer damit gemeint ist bleibt in der Erzählung selber offen: Gott? ein Messias?
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h5.card-title
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q Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg bahnen wird
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hr
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ul.card-text
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li
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| Wie die – zumindest in den Evangelien (hier: Mk 1,6) überlieferte – Kleidung Johannes des Täufers zeigt,
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| verstand dieser sich als wiedergekommener Elija nach Mal 3,1.23.
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li
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| Johannes der Täufer hatte wohl unmittelbar Gottes Kommen und Eingreifen erwartet.
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br
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span.small
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| Auffällig ist jedenfalls, dass Johannes nicht direkt auf Jesus hinweist, sondern geheimnisvoll von einem „Stärkeren“ spricht,
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| was eine Offenheit für den Kommenden mit sich bringt;
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br
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| und dies, obwohl für den Evangelisten klar ist, dass der nach Johannes kommende Stärkere Jesus ist.
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br
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| Die wahrscheinlichste Erklärung ist, dass man diesen Teil der Botschaft Johannes des Täufers schlechterdings übernehmen musste,
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| wenn man sich nicht klaren Widerspruch durch die Johannes-Jünger einhandeln wollte.
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br
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| Doch es kam anders, als von Johannes erwartet:
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br
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| nicht Gott kam zum großen Gerichtstag, sondern Jesus kam, um Gottes Reich zu verkünden und in Tod und Auferstehung zu erschließen
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| – so zumindest die christliche Perspektive.
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li
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| So wurde in der christlichen Tradition Johannes der Täufer zum Vorläufer Jesu –
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br
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| und die Taufe des Johannes hat man als eigenes Initiationssakrament übernommen.
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br
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span.small
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| Die christliche Taufe lässt sich letztlich nur von der Johannes-Taufe her schlüssig ableiten.
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br
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| In gewisser Weise hat die Jesus-Bewegung die Johannes-Bewegung zumindest zum Teil personell und ideell „beerbt“.
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li
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| Johannes der Täufer und Jesus verbindet auch das gemeinsame Schicksal des gewaltsamen Todes durch die Mächtigen.
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li
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| Das Verhältnis Jesu zu Johannes war offenbar ein Reiztehema.
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br
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| Wer ist von beiden der Wichtigere, Größere? – Virulent wurde diese Fragestellung vor allem im Austausch mit Täuferjüngern (die es auch nach dem Tod des Täufers gab).
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br
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| Gerade, wenn bewusst war, dass Jesus einst ein Schüler des Johannes war und dieser sich von jenem hat taufen lassen, hatte Johannes einige Argumente für sich.
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br
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| Zumal ja nur die Christen selber an die Auferstehung Jesu glauben.
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br
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span.small
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| Hier muss man auch ergänzen, dass nicht in allen Strömungen des frühen Christentums Jesu Tod und Auferstehung jenes Gewicht haben wie in der paulinisch-markinischen Tradititon
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| und in der späteren „offiziellen“ christlichen Theologie;
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br
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| etwa in der sog. Logienquelle – die Mt und Lk neben Mk und Sondergut benutzt haben (→ Zweiquellentheorie) – spielen Jesu Tod und Auferstehung zumindest im soteriologischen Sinne (→ „Erlöst durch Jesu Tod“) keine Rolle.
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br
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| Mit dieser Frage nach dem Verhältnis von Jesus und Johannes dem Täufer befassen sich <i>alle</i> Evangelien auf ihre Weise, was auf die Virulenz dieser Frage damals hinweist.
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br
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| In diesen Kontext sind die VV 7.8 einzuordnen:
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ul.card-text
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li
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| Der Stärkere, den Johannes verkündet und dem gegenüber er nicht einmal würdig ist, den niedrigsten Dienst – das Lösen der Riemen an den Sandalen – auszuüben, ist nach Ausweis des Evangeliums insgesamt eindeutig Jesus (siehe auch unten);
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br
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| damit wird Johannes im Vergleich zu Jesus zum eindeutig Schwächeren, ja fast Nichtigen.
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li
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| Der Evangelist – bzw. die christliche Tradition – legt Johannes eine Abwertung seiner eigenen Taufe in den Mund:
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br
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| die Wassertaufe wird durch die Geisttaufe getoppt werden.
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.card.slide.border-primary.mb-3
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.card-body
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h5.card-title
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q ... der stärker ist als ich; ... er wird euch mit dem Heiligen Geist taufen
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h6.card-subtitle.text-muted Johannes als Verkünder des Evangeliums
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hr
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p.card-text
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| Aus der konzentrischen Gliederung geht eindeutig hervor, wer mit dem kommenden Stärkeren gemeint ist:
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br
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| Jesus Christus, Sohn eines Gottes.
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br
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| Aufgrund des Attributes „Sohn (eines) Gottes“ ist auch klar, warum dieser im Vergleich zu Johannes dem Täufer „stärker“ ist.
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p.card-text
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i
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| Johannes der Täufer verkündet als das „Evangelium Jesu Christi, Sohn (eines) Gottes“
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| das Kommen des Stärkeren, nämlich das Kommen Jesu, und seine Geisttaufe.
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.card.slide.border-primary
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.card-body
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h5.card-title
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||
q Ganz Judäa und alle Einwohner Jerusalems zogen zu ihm hinaus
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ul.card-text
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li Das ist unzweifelhaft eine Übertreibung.
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li.small Markus wird das „ganz“/„alle“ im Rahmen der „fortschreitenden Konzentrik“ noch mehrfach hintersinnig aufgreifen; dafür braucht er es.
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li
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| Unbestreitbar aber ist, dass Johannes der Täufer sehr viele Menschen anzog und er einen weiten Wirkradius hatte;
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| der Evangelist Lukas kann in Apg 19,1-7 davon erzählen, dass Paulus in Ephesus auf Johannesjünger getroffen ist!
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