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Peter Fischer 2022-09-09 09:24:47 +02:00
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| 2,1 Als er nach einigen Tagen wieder nach Kafarnaum hineinging, wurde bekannt, dass er im Hause war.
br
| 2 Und es versammelten sich so viele Menschen, dass nich einmal mehr vor der Tür Platz war;
| 2 Und es versammelten sich so viele Menschen, dass nicht einmal mehr vor der Tür Platz war;
br
| und er verkündete ihnen das Wort.
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| 21 Als seine Angehörigen davon hörten, machten sie sich auf den Weg, um ihn mit Gewalt zurückzuholen;
br
| denn sie sagten: Er ist von Sinnen.
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h5.card-title Jesus und seine Familie offenbar ein spannungsreiches Verhältnis
hr
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| Hier hat sich wahrscheinlich die Erinnerung erhalten, dass es eine Spannung gab zwischen Jesus und seiner leiblichen Familie
| während Jesu irdischen Wirkens.
br
| Im ganzen Evangelium des Markus wird nie positiv von einem Familienangehörigen Jesu gesprochen,
| auch fehlt besonders auffällig die Familie etwa in der Apostelliste oder überhaupt „irgendwo“ in der Nachfolgeschar;
| kein Bruder Jesu ist dort genannt, auch keine Schwester erwähnt.
br
| Stattdessen ist immer wieder vom Verlassen der Familie und der Heimat die Rede das ist einerseits im Hinblick
| auf den Philipper-Hymnus zu verstehen (siehe auch die Söhne des Zebedäus), kann andererseits aber kaum Thema sein,
| wenn nicht auch der historische Jesus seine Heimat und Familie verlassen hat, um als Wanderprediger durch die Lande zu ziehen.
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| Bemerkenswert ist auch, dass Matthäus und Lukas trotz Kindheitserzählungen (die an sich unhistorisch sind)
| das Bild von der Familie Jesu, das sie von Markus weitgehend übernommen haben, nicht korrigieren,
| ja die Radikalität Jesu auch was die Scheidung von der eigenen Familie anbelangt durch die umfangreichere
| Wortüberlieferung noch gesteigert haben.
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| Was genau den historischen Jesus dazu gebracht hat, seine Familie zu verlassen, wird nirgendwo thematisiert;
| es erscheint im Rahmen seiner Sendung quasi als göttliche Notwendigkeit ohne weiteres Hinterfragen akzeptiert zu sein.
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| Das Urteil „von Sinnen“ der Familie über Jesus ist an sich mehrdeutig und schwierig zu interpretieren.
br
| Dies umso mehr, als in der folgenden Erzählung, die von der Thematik „leibliche/geistliche Familie“ gerahmt wird,
| eine Problematik hinsichtlich der paulinischen Rechtfertigungslehre thematisiert wird (Stichwort: „Diener der Sünde“).
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h5.card-title Jesus und seine Familie nach Ostern auf einmal präsent
h6.card-subtitle.text-muted Ein Blick in die früheste Kirchengeschichte
hr
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| So selbstverständlich, wie die Familie Jesu während seines irdischen Wirkens keine (positive) Rolle spielt,
br
| so selbstverständlich ist in der Apostelgeschichte nach Ostern die Familie Jesu (zumindest für eine gewisse Zeit) präsent.
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| Auch wenn hier vielleicht manches in Anlehnung an die Kindheitserzählungen geschönt ist:
br
| dass der Herrenbruder Jakobus eine führende Rolle in der Urgemeinde in Jerusalem eingenommen hat,
| das belegt auch Paulus in seinem Brief an die Gemeinden in Galatien.
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| Es scheint sogar so zu sein, dass Jakobus effektiv Petrus, der ganz selbstverständlich alle Apostellisten anführt,
| vertrieben hat.
br
| Jakobus und Paulus scheinen sich theologisch recht scharf gegenübergestanden zu haben; Petrus dagegen hat wohl versucht,
| eher eine ausgleichende Position einzunehmen, auch dort, wo das eigentlich nicht geht;
br
| jedenfalls hatte Jakobus eine so dominante Rolle eingenommen, dass Petrus dann in Antiochien sein Verhalten
| gegenüber den Heidenchristen ändert, als Leute aus dem Jakobus-Kreis dorthin kommen, was Paulus scharf kritisiert
| (→ Antiochenischer Zwischenfall).
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| Jakobus stand für ein eher jüdische Traditionen bewahrendes Christentum („judaisierende Christen“) mit klarer
| Bejahung des jüdischen Gesetzes als Identity-Marker (→ Beschneidung);
br
| er gehört damit zu jenen, für die das Kreuz ein „Ärgernis“ ist die es also im Gegensatz zu Paulus relativieren
| und mit dem jüdischen Gesetz versöhnen , wie sie uns als Gegenüber
| zum auf Paulus durchsichtigen markinischen Jesus bereits begegnet sind (und auch in der nachfolgenden Erzählung begegnen werden).
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| Es wird wohl so sein, dass Jakobus tatsächlich etwas näher am irdischen Jesus steht als Paulus,
br
| andererseits hat Paulus nachvollziehbare klare Konsequenzen aus dem Tod Jesu am Kreuz gezogen, der alles
| nochmal verändert hat.
br
| Jakobus & Co haben in den Augen des Paulus da harmonisiert, wo eigentlich nicht zu harmonisieren ist.
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| Klar ist jedenfalls, dass die Variante des Christentums um den Herrenbruder Jakobus eine innerjüdische Sekte geblieben ist und
| mit ihm das Christentum insgesamt geblieben wäre; es wäre wohl längst untergegangen,
| wie es heute (leider) effektiv keine Judenchristen mehr gibt.
br
| Dass das Christentum zu einer weltweiten Bewegung werden konnte, ist nicht zuletzt Paulus zu verdanken
| mit seiner gesetzesfreien Heidenmission und seiner damit zusammenhängenden
| biblisch (gerade alttestamentlich) begründeten Rechtfertigungslehre.
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| Dabei muss man ergänzen, dass es schon vor Paulus eine Öffnung zu den Heiden gab, vornehmlich wohl in Antiochien,
| verbunden mit einer Relativierung des jüdischen Gesetzes gerade was Speise- und Reinheitsvorschriften sowie die Beschneidung anbelangt,
| wozu man sich offenbar durch Jesu eigenes Verhalten, seine Predigt, seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung, berechtigt sah.
br
| Dieses in dieser Hinsicht „Judentum light“ war für die sogenannten „Gottesfürchtigen“ attraktiv, also jenen Heiden, die mit dem
| Judentum, vor allem dem Glauben an den einen Gott, geliebäugelt haben, den formellen Übertritt aber gescheut haben,
| weil er mit der Übernahme von Speise- und Reinheitsvorschriften des Judentums eine Veränderung der sozialen Bezüge mit sich gebracht hätte,
| was für viele abschreckend war.
br
| Es war aber vor allem Paulus, der dann zu dem Protagonisten dieser „gesetzesfreien Heidenmission“ schlechthin geworden ist
| und der dies auch biblisch-theologisch begründet hat.