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Peter Fischer
2019-12-01 20:11:26 +01:00
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span Aufbau
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h5.card-title Prolog
h6.card-subtitle.text-muted.mb-0
| Lk 1,1-4
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h5.card-title Vorgeschichte
h6.card-subtitle.text-muted.mb-2
| Lk 1,5-4,13
p.card-text.mb-0
| Kindheitserzählungen, Vorbereitung des öffentlichen Wirkens
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h5.card-title Wirken Jesu in Galiläa und Judäa
h6.card-subtitle.text-muted.mb-0
| Lk 4,14-9,50
.card.slide.mt-3.bg-light.border-info
.card-body
h5.card-title
q Reisebericht
| : Wallfahrt Jesu nach Jerusalem
h6.card-subtitle.text-muted.mb-0
| Lk 9,51-19,27
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h5.card-title Die letzten Tage Jesu in Jerusalem und die Passion
h6.card-subtitle.text-muted.mb-0
| Lk 19,28-23,56
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h5.card-title Schluss
h6.card-subtitle.text-muted.mb-2
| Lk 24,1-53
p.card-text.mb-0
| Auferweckung, Erscheinungen und Himmelfahrt jesu
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span Der Verfasser über sein Werk
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p
| Als einziger der vier Evangelisten eröffnet Lukas sein Werk mit einem Prolog, wie man ihn von
| literarischen Werken der Antike kennt, geschichtlichen wie wissenschaftlichen.
br
| Diese Prologe folgen alle einem bestimmten Schema, das auch bei Lukas bis in die Wortwahl hinein zu finden ist
| (einschließlich der gewissen Abwertung derer, der bereits ein Werk zum gleichen Thema geschrieben haben, der Widmung an eine konkrete Person
| und der Angabe des Zieles des Werkes).
p.mb
| Dieser Prolog seht offenbar im Dienst von zwei zusammenhängenden Zielen, die Lukas mit seinem Werk verfolgt:
.card.slide
.card-body
h5.card-title <i>Formal:</i> Anschluss der christlichen Verkündigung und Überlieferung an höhere Bildungsebenen.
.card-text
p
| Der volkstümliche Charakter, den die christliche Verkündigung einschließlich Mk und Q haben
| ist in höher stehenden Kreisen nicht wirklich salonfähig.
br
| Lukas will die christliche Verkündigung und Überlieferung aufwerten; sie ist nicht (nur) etwas
| für die <q>einfachen und dummen Massen</q>, sondern auch für die höheren, gebildeten Gesellschaftskreise.
.small
| Dazu passt, dass Lukas <i>seinen</i> Paulus in der Apostelgeschichte in Athen vor den Philosophen sprechen lässt auch wenn
| seine Verkünding dort nicht wirklich ankommt.
.card.slide.mt-3
.card-body
h5.card-title <i>Inhaltlich:</i> Klarheit über Jesus, seine Botschaft etc. und die christliche Verkündigung schaffen.
.card-text
p
| Schon seine eigenen schriftlichen Quellen Mk und Q weichen in ihrem Bild von Jesus voneinander ab und werten
| seinen Tod am Kreuz unterschiedlich. Solchen <q>Unstimmigkeiten</q> in der christlichen Verkündigung will Lukas offenbar
| genauso begegnen wie diversen Gerüchten, Halbwahrheiten und Falschinformationen, die zur jungen nachösterlichen Jesus-Bewegung die Runde machen.
| Beides kann jemanden verunsichern, der am Christentum interessiert ist.
br
| Darauf zielt die von Lukas im Prolog zugesicherte Zuverlässigkeit ab.
p.mb-0
| Lukas will sich dabei von den <q>vielen</q>, die vor ihm über die Ereignisse rund um Jesus und die nachösterliche Verkündigung geschrieben haben,
| abheben; dies ist in der deutschen Übersetzung leider kaschiert. Er will <i>alles</i> erzählen
| (inclusive der Vor/Kindheitsgeschichte und der Zeit nach Ostern; beides fehlt in Q und Mk) und er
| will zuverlässig(er) sein; denn er ist so schreibt er -
| allem sorgfältig (<i>akribisch</i>) <i>nachgegangen</i>. Ferner unterstreicht er seine Seriosität nicht zuletzt mit dem Vorwort selbst.
.slide.mt-5
h5 Einzelbeobachtungen am Prolog
.card.slide
.card-body
h6.card-title
q Erzählung über die Ereignisse ..., die sich unter uns erfüllt haben
.card-text
p
| Lukas versteht sich als Geschichtsschreiber, der einerseits in der Tradition der griechisch-hellenistischen
| Geschichtsschreibung steht, andererseits in der Tradition der Septuaginta, der griechischen Übersetzung
| des Alten Testamentes, besonders deren Geschichtsbücher; ihren Erzählstil ahmt er nach.
br
| Und er qualifiziert den Inhalt seines Werkes, mit dem er sich von anderen <q>Geschichtsbüchern</q> seiner Zeit abhebt:
| Es geht nicht nur um (geschichtliche) Ereignisse,
| sondern um die
i
| Erfüllung von Gottes Verheißungen
| (aus dem Alten Testament) im Leben, Wirken, Sterben und Auferstehen Jesu
| und im Leben der Kirche nach Ostern (
+symbol("arrow-right")
| Apostelgeschichte).
br
| Es geht um
i Heils-
| Geschichte.
p.mb-0
| Man könnte gleichsam sagen: Lukas schreibt die Geschichtsbücher der Septuaginta weiter
| und erzählt dabei die Erfüllung der Verheißungen des Alten Testamentes.
.card.slide.mt-2
.card-body
h6.card-title
q von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes waren
.card-text
p
| Lukas gesteht ein, dass er selbst kein Augenzeuge war und dass er von Informationen anderer abhängig ist;
| er gehört der zweiten oder dritten christlichen Generation an. Er ist sich auch der zeitlichen Distanz
| zu den Ereignissen, über die er schreibt, bewusst.
br
| Doch über Augenzeugen die Apostel und andere ist Lukas am Ursprung der Überlieferung dran;
| damit unterstreicht er die Zuverlässigkeit der von ihm verarbeiten Traditionen.
p
| Dabei geht es ihm nicht nur um Augenzeigen der Auferstehung, sondern gerade auch des Wirkens des irdischen Jesus
| (<q>von Anfang an</q>; aus diesem Grund versagt Lukas dem Paulus den Aposteltitel).
p.mb-0
| Mit der Wendung <q>Diener des Wortes</q> zeigt Lukas sein (ideales) Bild von Tradition (= <q>Überlieferung</q>),
| aber auch sein eigenes Selbstverständnis an:
br
| Gerade als Verkündiger sind sie dem Wort dem Wort Gottes wie auch der erzählten Heilsgeschichte untertan;
| sie sind gebunden an den Ursprung, der nicht einfach nach Gutdünken verändert werden kann.
.card.slide.mt-2
.card-body
h6.card-title Theophilus
p.card-text
| Dabei handelt es sich höchstwahrscheinlich um eine reale Person (wie in anderen Vorworten der damaligen Zeit auch).
| Theophilus ist ein bekannter Eigenname, der zwar aus dem griechischen Bereich stammt, aber auch von Juden übernommen wurde.
.alert.alert-success.slide.mt-5
h4.alert-heading Impulse zum Weiterdenken (und für die Predigt) ...
ul.mb-0
li
| Mit welchem Blick schauen wir auf biblische Erzählungen: sind sie einfach <q>fromme Erzählungen</q>?,
| was für Kinder etc.?
| oder erachte ich sie für mein Leben als relevant? gerade als Erwachsener und mündiges Glied der Gesellschaft!
li
| Glaube ich wirklich, dass sich mit Jesus und der Kirche <i>Heilsgeschicht</i> ereignet hat und ereignet? Was bedeutet das für mein Leben?
li
| Wie <i>akribisch</i> beschäfige ich mich mit der eigenen Glaubenstradition, vor allem der Heiligen Schrift?
li
| Wie stehe ich zum <q>Alten Testament</q>, das für Lukas und das gesamte <q>Neue Testament</q> die Basis ist,
| der Bezugspunkt der christlichen Botschaft (
+symbol("arrow-right")
| Emmaus: <q>was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht</q>; damit ist das AT gemeint!).
li
| Wie <i>akribisch</i> beschäftige ich mit meiner eigenen, persönlichen Glaubensgeschichte? Warum ich was glaube? oder was ich warum nicht glaube?
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+bottom_einfuehrung("prolog")
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+headline_item_einfuehrung
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span Quellen
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p
| Gemäß der sog.
|
q Zwei-Quellen-Theorie
|
| konnte Lukas auf das Markus-Evangelum, die Spruchquelle (
q Q
| ) sowie auf umfangreiches schriftliches und mündliches Sondergut zurückgreifen.
.card.slide
.card-body
h5.card-title Markus-Evangelium
h6.card-subtitle.text-muted.mb-2
| Entstanden kurz nach 70 n. Chr. (
+symbol("arrow-right")
| Tempelzerstörung in Jerusalem)
br
| Bildet ein gutes Drittel des Lukasevangeliums.
.card-text
ul.mb-0
li Erzählt vom Wirken Johannes des Täufers bzw. der Taufe Jesu bis hin zur Auferstehung.
li
| In Jesu Tod (und Auferstehung) schließt Gott einen (neuen) Bund mit den Menschen (
+symbol("arrow-right")
q Blut des Bundes
|
| in der Erzählung vom Letzten Abendmahl).
li
| Jesus ist Messias durch seinen Tod Kreuz, den er als <q>Lösegeld für viele</q> stirbt:
br
| Er tauscht mit den Ausgestoßenen den Sündern, den Toten, den Heiden den Platz;
| er macht sich zum <q>Letzten der Letzten</q> und wird gerade dadurch zum <q>Ersten von allen</q>.
li Dieser Weg Jesu, der Weg des Dienens gerade gegenüber gesellschaftlichen Randexistenzen, muss auch der Weg aller sein, die ihm nachfolgen.
blockquote.blockquote.mb-0
.small
p.mb-0
i
q
| Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein.
footer.blockquote-footer
cite Mk 9,35
blockquote.blockquote.mb-0
.small
p.mb-0
i
q
| Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen,
| sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.
footer.blockquote-footer
cite Mk 10,45
.card.slide.mt-3
.card-body
h5.card-title Spruchquelle (<q>Q</q>)
h6.card-subtitle.text-muted.mb-2
| Entstanden in mehreren Schüben bis kurz vor 70 n. Chr.
br
| Bildet ein knappes Drittel des Lukasevangeliums.
.card-text
ul
li Erzählt von der Gerichtspredigt Johannes des Täufers über das Wirken Jesu bis hin zu dessen Ankündigung des Weltgerichts.
li Jesus ist prophetischer Weisheitslehrer, der als Richter wiederkommen wird: deswegen soll man sich an <i>seiner</i> Ethik orientieren.
li Passion und Auferstehung Jesu fehlen!
li
| Jesus hat vielmehr wie schon Johannes der Täufer das Schicksal der Propheten und Gerechten getroffen (
+symbol("arrow-right")
| Altes Testament); dem Tod Jesu wird keine Heilsbedeutung zugemessen.
p.mb-0 Beispiel: <q>Rede am Fuße des Berges</q>/Bergpredigt
.card.slide.mt-3
.card-body
h5.card-title Sondergut
h6.card-subtitle.text-muted.mb-2
| Bildet ein knappes Drittel des Lukasevangeliums.
.card-text
p.mb-0 Beispiel: Gleichnis vom Barmherzigen Vater/von den zwei Söhnen.
.slide.mt-5
h5 Wie Lukas seine Quellen verarbeitet
ul
li
| Er übernimmt den Aufbau des Markus-Evangelium, baut aber die sog. Kindheitserzählungen davor und hängt explizite Ostererzählungen an (
+symbol("arrow-right")
| Erscheinungen, Emmaus, Himmelfahrt).
li Etwa ein Drittel des Markus-Evangeliums übernimmt Lukas nicht (Mk 6,45-8,26), manches stellt und gestaltet er etwas um.
li Lukas bildet in den Aufriss des Markus-Evangeliums zwei Einschübe, in denen er Stoffe aus Q und aus seinem Sondergut verarbeitet:
ul.mb-0
li Kleine Einschaltung 6,20-8,3
li Große Einschaltung 9,51-18,14
li
| Lukas <q>kopiert</q> aber nicht einfach Stücke aus seinen Quellen in sein Werk;
| einerseits kürzt und erweitert er bzw. passt die Tradition seiner theologischen Intention ein,
| andererseits verbessert er den sprachlichen Stil.
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+bottom_einfuehrung("quellen")
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+headline
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+headline_item_einfuehrung
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span Verfasser
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p
| Der <i>wirkliche</i> Name des Verfassers ist unbekannt.
br
| Seit dem 2. Jahrhundert wird er <i>Lukas</i> genannt.
br
span.small
| Die Verbindung zu einem Begleiter des Paulus mit gleichem Namen ist aus historisch-kritischer Perspektive nicht haltbar.
br
| Diese <q>Konstrukion</q> sollte aber die Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit des Autors und seines Werkes untermauern.
p
| Die Muttersprache des Verfassers war sicher Griechisch, und er verfügte offenbar über eine recht gute Bildung.
p
| Er ist geprägt einerseits durch die griechisch-hellenistische Kultur des antiken Mittelmeerraumes,
br
| andererseits durch die jüdische Tradition: er ist mit dem Alten Testament vertraut sowie mit dem Frühjudentum in Jerusalem, Palästina und der hellenistischen Welt.
p
| Ob Lukas ein gebürtiger Jude war oder nicht, das ist nicht sicher zu ermitteln.
br
| Sollte letzteres stimmen, dann gehörte er mit hoher Wahrscheinlichkeit zu den sogenannten <i>Gottesfürchtigen</i>; das waren Nicht-Juden (<q>Heiden</q>),
| die sich zum Judentum hingezogen fühlten, die aber den Übertritt zum Judentum scheuten.
p
| Entstanden ist das Evangelum 80 - 90 n. Chr.; sicher nach dem Markus-Evangelium (
+symbol("arrow-right")
| Quellen).
br
| Wo bzw. für welche konkrete Gemeinde Lukas sein Werk verfasste, ist unklar.
p
| Vom gleichen Autor stammt auch die Apostelgeschichte, wie die beiden Vorworte sowie Sprache, Stil und Theologie verraten.
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