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Peter Fischer
2019-12-01 20:11:26 +01:00
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@@ -0,0 +1,92 @@
extends ../layout
include ../mixins
block content
h1 Einführung in das Evangelium nach Markus
ol.breadcrumb
li.breadcrumb-item Theologische Grundgedanken
li.breadcrumb-item.active Ende ist Anfang
span.footnote(data-toggle="tooltip", title="Vgl. Ebner, Einleitung 180-181.")
p.slide.nomarginbottom Das <b>Evanglium endet</b> - trotz Auferstehungsbotschaft - <b>in der Katastrophe</b>:
ul.nodisplay
li.slide Die Jünger sind geflohen.
li.slide Die Frauen richten die Auferstehungsbotschaft niemandem aus.
p.slide.nomarginbottom
b Wer also folgt der Verheißung des Jünglings im Grab, dass Jesus vorausgeht nach Galiläa und er sich dort sehen lässt?
p.slide
q
| Die beste Lösung des abrupten Schlusses eröffnet sind in rezeptionsästhetischer Sicht ...: Der Leser ist angesprochen.
| Er kann Jesus <q>sehen</q>, wenn er den Text des Evangeliums erneut liest, die sieben Wochen hinter Jesus her geht -
| und sich von ihm über die wahre Nachfolge <i>auf dem Weg</i> die Augen öffnen lässt.
span.footnote(data-toggle="tooltip", title="Ebner, Einleitung 164 (incl. Hervorhebung).")
p.slide.nomarginbottom So kann der <b>Schluss</b> des Markus-Evangeliums <b><i>in doppelter Hinsicht</i> Impuls an den Leser</b> sein und <b>zu einem Anfang werden</b>:
ul.nodisplay
li.slide <i>Das Evangelium noch einmal - immer wieder! - von vorne lesen</i>,
ul.nodisplay.nomarginbottom
li.slide um den Weg Jesu <i>immer besser und tiefer zu verstehen</i>,
li.slide ihn <i>für das eigene Leben anzueignen</i>
li.slide und aus ihm <i>Kraft schöpfen auf dem eigenen Weg der Nachfolge</i>.
li.slide <i>Das Evangelium von Jesus in Wort und Tat verkünden</i>
br
span.slide und so <i>in die Kommunikationslücke eintreten</i>, die durch die Flucht der Jünger und das Schweigen der Frauen entstanden ist.
p.slide.nomarginbottom Sicher kennen (auch) die (ersten) Leser des Markus-Evangeliums Erzählungen von Erscheinungen des Auferstandenen!
br
span.slide.small Nach 1 Kor 15 gehören sie ja auch zum Grundbetand der Glaubenstradition.
br
span.slide Gerade angesichts dessen ist das <b>Verschweigen der Erscheinungserzählungen</b> einerseits und der <b>Rückverweis auf Galiläa</b> andererseits <b>genial</b> und <i>passt ausgezeichnet zur gesamten Evangelienkomposition</i> des Markus:
ul.nodisplay
li.slide Die <i>nachösterliche Nachfolge</i> wird <i>rückgebunden an den vorösterlichen Ruf Jesu in die Nachfolge</i>, an das <q>hinter ihm her</q>, mit dem sein Wirken in Galiläa begann.
li.slide Dieses <i><q>hinter ihm her</q></i> wird dann <i>im Evangelium, der <q>fundierenden Geschichte</q></i> der Jesus-Nachfolge, vor allem <q>auf dem Weg</q> <i>näher expliziert</i>.
li.slide <i>In der ersten <q>Woche</q> in Galiläa wird der mit Jesu Auftreten verbundene Anbruch der Gottesherrschaft paradigmatisch durchgespielt:</i>
ul.nodisplay.nomarginbottom
li.slide <b>Jesus beginnt</b> eine <b>neue Sammlungsbewegung</b>
ul.nodisplay.nomarginbottom
li.slide Sie besteht aus Menschen, die <i><q>hinter ihm her</q></i> gehen.
br
span.slide Denn diese Nachfolge-Gemeinschaft <i>eignet sich die Lehre <q>auf dem Weg</q> an und praktiziert sie</i>.
li.slide Dabei ist <i>im Menschenfischerwort der nachösterliche Missionsauftrag enthalten</i>.
li.slide Die <b>Lehre, die die Dämonen bannt</b> und die zunächst nicht inhaltlich näher bestimmt wurde, <b>ist die Lehre <q>auf dem Weg</q></b>.
br
span.slide
| Sie besiegt - je neu - den Satan, der von Jesus schon <q>ein für alle Mal</q> besiegt ist (
span.oi.oi-arrow-right
|
| Versuchungsgeschichte; Kreuz).
li.slide Diese Lehre <b>richtet den Menschen auf zum Dienst aneinander</b>.
br
span.slide Das Aufrichten der Schwiegermutter des Petrus und ihr darauffolgender Dienst an Jesus und den Jüngern ist die <i>Mitte der ersten <q>Woche</q></i>!
p.slide.nomarginbottom
| Das fluchtartige Verlassen des Grabes durch die Frauen und ihr Schweigen sind für den Leser wie ein <q>Hier geht's nicht weiter!</q>
br
span.slide Und der Jüngling im Grab <q>beschildert</q> die Umleitung: <q>Nach Galiläa!</q>
.alert.alert-primary.slide
h4.alert-heading In Galiläa Jesus <q>sehen</q>
p.slide.nomarginbottom
b Nicht der Blick auf den Auferstandenen ist die Krönung des Evangeliums, sondern - gerade von der Auferstehung Jesu her - sein Ruf in die Nachfolge und damit verbunden das Gehen auf dem Weg <q>hinter Jesus her</q> - mit allem was dazugehört.
p.slide.nomarginbottom Damit wird deutlich eingeschärft, was Jesu programmatischer Ruf am Anfang seines Wirkens war und ist:
br
i Das Reich Gottes ist angebrochen, hier auf dieser Erde.
br
i Und das muss Konsequenzen haben, hier auf dieser Erde.
p.slide
| Wie bei der Erzählung von der Verklärung Jesu müssen die Leser vom vermeintlichen Höhepunkt <q>herabsteigen</q>,
| den Weg des Menschensohnes bedenken und zusehen, dass sie - anders als die Jünger vor Ostern -
| auf dem eigenen Weg der Nachfolge nicht versagen.
+bottom_theologische_grundgedanken("ende_anfang")
script.
push_slide_stack('.slide')
$(function () {
$('[data-toggle="tooltip"]').tooltip()
})

View File

@@ -0,0 +1,121 @@
extends ../layout
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block content
+headline("Theologische Grundgedanken")
q
| Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, eines Sohnes eines Gottes
span
|
| (Mk 1,1)
h2.slide
q Evangelium ... eines Sohnes eines Gottes
span.footnote(data-toggle="tooltip", title="Vgl. Ebner, Einleitung 176-177.")
p.nomarginbottom.slide
| Warum Markus - im Gegensatz zu Matthäus und Lukas - sein Werk <i>Evangelium</i> nennt,
| dafür gibt es mehrere Erklärungsversuche, die sich auch ergänzen mögen.
br
span.slide Interessant ist ein <b><i>zeitgeschichtlicher</i> Erklärungsversuch</b>:
ul.nodisplay
li.slide Mk 1,14-15 (<q>Das Reich Gottes ist [zum Greifen] nahe</q>) <span class="oi oi-arrow-right"></span> <i>Anbruch der Gottesherrschaft</i>.
li.slide Als Markus sein Evangelium schreibt, da ist im römischen Reich gerade die <i>Herrschaft eines neuen Kaisers angebrochen</i>.
ul.nodisplay
li.slide
| 68 n. Chr.: Tod Kaiser Neros
|
span.oi.oi-arrow-right
|
| bürgerkriegsartige Wirren im römischen Reich; ständig mobilisieren neue Kandidaten ihre Legionen, um Anspruch auf den Kaiserthron zu erheben.
li.slide 69 n. Chr.: <b>Evangelien</b> aus dem Osten treffen in Rom ein:
br
span.slide <b>General Vespasian</b> - gerade mit seinen Truppen in Palästina - ist von den Legionen in Ägypten, dann auch von jenen in Syrien <b>zum Kaiser ausgerufen</b> worden.
li.slide
| Nach dem <b>Sieg über die Gegner</b> in Rom und die <b>Anerkennung seiner Wahl</b> durch den Senat gehen diese <b>Evangelien</b> gleichsam wie ein Echo zurück in den Osten des Reiches.
p.nomarginbottom.slide Vor diesem zeitgeschichtlichen Hintergrund erscheinen auch andere <b>Erzählzüge im Evangelium in einem neuen Licht</b>:
ul.nodisplay
li.slide
| Wie es Markus von Jesus erzählt, <q>wirkte</q> Vespasian <i>zunächst in Galiläa</i> und zog <i>dann von Cäsarea Philippi aus Schritt für Schritt nach Jerusalem</i> - natürlich mit ganz anderer Absicht.
li.slide Markus gebraucht in seinem Evanglium zweimal die Wendung <q>Sohn eines Gottes</q> für Jesus:
ul.nodisplay
li.slide <i>Am Anfang seines Evangeliums</i>: <i><q>eines Sohnes eines Gottes</q></i>.
li.slide <i>Als Jesus stirbt</i>, spricht der römische (!) Hauptmann: <q>Wahrhaftig, dieser Mensch war <i>ein Sohn eines Gottes</i></q> (Mk 15,39).
p.slide.nomarginbottom
span Markus schreibt nicht <q>des Sohnes Gottes</q> und nicht <q>war Gottes Sohn</q>; er gebraucht jeweils die artikellose Form!
br
span.slide.small Die Übersetzungen - selbst die <q>wörtlichen</q> - sind hier in der Regel nicht korrekt!
p.slide.nomarginbottom <q>Sohn eines Gottes</q> aber ist <i>im römischen Reich Kaisertitulatur</i> zu Lebzeiten eines Kaisers.
br
span.slide.small Bei Vespasian - dessen Vater ja nicht schon Kaiser war und also nach seinem Tod nicht vergöttlicht worden war - war das zwar nicht auf Anhieb so, aber auch er hat diesen Titel <q>Sohn eines Gottes</q> für sich beansprucht.
p.nomarginbottom.slide
b Markus setzt also Person und Weg von Vespasian und Jesus zueinander in Beziehung.
br
span.slide Und mit dem Bekenntnis des römischen Hauptmannes unter der Kreuz geschieht eine gewaltige Umwertung:
p.slide
i Der Titel für den mächtigsten Mann, den <q>Ersten</q> - den Kaiser -, wird auf den übertragen, der nach göttlichem Ratschluss als Messias der <q>Letzte</q> von allen wurde und den schändlichen Kreuzestod starb.
p.slide So erklärt sich, dass Markus sein Evangelium schon mit diesem Titel des Ersten der damaligen Zeit beginnt:
.alert.alert-primary.slide
h4.alert-heading <q>Bei euch aber soll es anders sein ...</q> (Mk 10,43)
p.nomarginbottom
b
| Den
|
q <q>Evangelien</q> vom Herrschaftsantritt Vespasians als römischen Kaiser wird im MkEv das Evangelium vom Beginn der Gottesherrschaft, wie es von Jesus proklamiert wird, entgegengesetzt.
span.footnote(data-trigger="tooltip", title="Ebner, Einleitung 176.")
br
spans.slide Das <q><i>Du</i> bist gemein geliebter Sohn, an <i>dir</i> habe ich Wohlgefallen gefunden.</q> (Mk 1,11) und <q><i>Dieser</i> ist mein gelieber Sohn; auf <i>ihn</i> sollt ihr hören!</q> bekommt dadurch eine ganz eigene Note!
br
b.slide Denn: Jesus ist der <q>Erste</q>, der <q>Letzter</q> wurde.
br
span.slide Das ist das Evangelium, das Markus erzählt.
br
span.slide Das ist das Evangelium, auf das zu hören ist, das also - in der Nachfolge Jesu - im eigenen Leben Anwendung finden will.
h2.slide(style="margin-top: 50px;") <u>Anfang</u> des Evangeliums Jesu Christi
span.footnote(data-toggle="tooltip", title="Schenke, Markus 44.")
p.nomarginbottom.slide Markus beginnt sein Werk nicht mit <q>Evangelium Jesu Christi</q>, sondern stellt noch <q>Anfang</q> davor.
p.slide.small Dieses Wort bezieht sich wahrscheinlich auf das ganze Werk des Markus, nicht nur auf die ersten Verse, und damit auf das irdische Wirken Jesu insgesamt bis hin zu Tod und Auferstehung.
p.nomarginbottom.slide <b>Anfang</b> - bzw. das griechische Wort, das hier zugrunde liegt - <b>hat</b> einen <b>doppelten Sinn</b>!
ul.nodisplay
li.slide <b>Zeitlicher Anfang</b>
ul.nodisplay.nomarginbottom
li.slide In der <i>Verkündigung, im Leben, Sterben und Auferstehn Jesu</i> nimmt das Evangelium seinen <i>zeitlichen Anfang</i>.
li.slide <i>Es setzt sich fort in der nachösterlichen Verkündigung</i>, in der Zeit also, auf die das Evangelium schon blickt (Mk 13,10; 14,9), und die die Zeit ist, in der die Adressaten des Markusevangeliums leben.
br
span.slide Sie leben sozusagen in der <q>Fortsetzung</q> dessen, was mit Jesus seinen Anfang genommen hat.
li.slide <b>Grund und Ursprung</b>
p.slide.nomarginbottom Gerade für die Zeit, in der die Leser seines Werkes leben, erzählt Markus von <i>Grund und Ursprung</i> der Verkündigung und des Lebens in der Nachfolge Jesu:
ul.nodisplay.nomarginbottom
li.slide Markus erzählt den <i>normativen Anfang</i>, die <i>fundierende Geschichte</i>.
li.slide An ihm/ihr hat sich zu <i>messen, ob das, was als Evangelium Jesu gelebt bzw. verkündet wird, auch tatsächlich dieses Prädikat verdient!</i>
li.slide
| In diesem Sinne lässt Markus in seinem Evangelium Jesus auch sagen:
|
span.slide
q Wenn einer hinter mir her gehen will, dann ...
span
|
| (Mk 8,34)
br
span.slide <i>Wenn jemand Jesu Jünger sein will, muss er das beherzigen, was dieses Werk über Jesu Leben und seine Botschaft erzählt.</i>
.alert.alert-primary.slide
h4.alert-heading Mehr als ein Blick in die Vergangenheit
p.nomarginbottom
b Was Markus erzählt, hat für die Jünger Jesu zu allen Zeiten und an allen Orten grundlegende Bedeutung; es ist die <q>fundierende Geschichte</q> für alle, die Jesus nachfolgen wollen.
+bottom_theologische_grundgedanken("evangelium")
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@@ -0,0 +1,219 @@
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block content
+headline("Theologische Grundgedanken")
span Aufbruch zu den Heiden
+footnote("Vgl. Ebner, Einleitung 160-162.")
p.slide Im zweiten Teil des zweiten Hauptteils, dem <b>Galiläa-Teil</b> des Evangeliums, unternimmt Jesus immer wieder <b>Fahrten an das gegenüberliegende Ufer</b>.
p.slide.nomarginbottom Diese Fahrten zeichnen sich durch diverse Eigenheiten aus:
ul.nodisplay
li.slide Sie sind <i>nicht wirklich auf einer Landkarte nachzuvollziehen</i>:
ul.nodisplay
li.slide Gerasa - dorthin geht die erste Reise - liegt 50 km entfernt vom See.
li.slide Betsaida ist nur wenige Kilometer von Kafarnaum entfernt - da wäre die Reise zu Fuß die sinnvollere Variante.
li.slide Die <i>ersten beiden Hinfahrten machen deutliche Probleme</i>
br
span.slide die Rückfahrten dagegen gelingen ohne jegliche Schwierigkeiten.
br
span.slide Interessant sind die genannten <i>Gründe für die Probleme bei der Hinfahrt</i>;
br
span.slide die <q>Wetterphänomene</q> sind offenbar für Markus Symbole für realgeschichtliche Probleme bei der Heidenmission:
ul.nodisplay
li.slide Erste Überfahrt: <i>Seesturm</i>
br
span.slide
q In der mythischen Denkwelt der Antike können die widrigen Winde als dämonische Chaosmächte der heidnischen Götter verstanden werden, die die Ankunft des Jesusbootes in ihrem Gebiet verhindern wollen.
span.footnote(data-toggle="tooltip", title="Ebner, Einleitung 160-161.")
br
span.slide
| Real-Geschichtlicher Hintergrund: Widerstände gegen die Heidenmission von heidnischer Seite;
br
span.slide konkret vor allem wohl die Verfolgung unter Kaiser Nero mit vielen Toten.
li.slide Zweite Überfahrt: <i>Gegenwind</i>
br
span.slide Der führt dazu, dass die Überfahrt ganz scheitert und der Landweg angetreten werden muss: Jesus <q>umgeht</q> den See Gennesaret.
br
span.slide
| Im weiteren Verlauf des Evangeliums wird das Thema <q>Rein und Unrein</q> vor allem im Hinblick auf die jüdischen Speisevorschriften thematisiert.
| Ein zentrales Thema in der Frage nach Zulassung von Heiden zur Glaubensgemeinschaft der Christen.
br
span.slide
| Ist das der realgeschichtliche Hintergrund des erzählten <q>Gegenwindes</q>?:
| Die Haltung strenger Judenchristen, die die Heiden zur
| Befolung der Speisevorschriften verpflichten wollen - was allerdings einer wirklichen
| <i>Heiden</i>mission im Weg steht.
br
span.slide.small Schon bei der ersten Überfahrt war dieses Thema angeschnitten worden, wird die Heilung nach der
| Überfahrt doch sehr eigenwillig gestaltet:
ul.nodisplay.small
li.slide <b>In Gerasa</b> angekommen, <b>steigt nur Jesus aus</b> und später wieder ein (Mk 5,2.15) - die Jünger betreten das Heidenland nicht!
li.slide Die <b>Dämonen</b> werden <b>in</b> eine <b>Schweineherge verbannt</b>.
li.slide Diese <b>stürtz dann mit den Dämonen ins Meer</b> - in den Untergang.
li.slide <i>Hintergrund</i>: Schweine waren/sind die von den Juden am meisten verhassten Tiere.
li.slide
i
b Die Austreibung der Dämonen kann also als (Versuch der) Reinigung des Heidenlandes durch Jesus verstanden werden.
li.slide Doch <i>so</i> kann Jesus keinen Fuß fassen: Jesus wird wieder weggeschickt.
ul.nodisplay
li.slide <i>Vordergründig</i>: Wirtschaftlicher Schaden durch die Vernichtung der Schweineherde.
li.slide <i>Hintergründig</i>: Die jüdischen Speise- und Reinheitsvorschriften, die den Heiden fremd sind, stehen der Heidenmission im Weg.
li.slide Die ganze Sache mit den Überfahrten wird verständlicher, wenn man begriffen hat:
br
span.slide <i>die Reisenotizen sind im Sinne einer <b>religiösen Landschaftskarte</b> zu interpretieren</i>:
ul.nodisplay
li.slide <i>Westliches Ufer</i>: hier leben <i>Juden</i>.
li.slide <i>Östliches Ufer</i>: hier leben <i>Heiden</i>.
.alert.alert-primary.slide
h4.alert-heading Der See Gennesaret symbolisiert die Trennlinie zwischen Juden und Heiden
p.nomarginbottom
b
| Ihre unverrückbare Basis ist der jüdische Monotheismus, der Glaube an den einen einzigen Gott Israels,
| der das Judentum vom Heidentum unterscheidet.
br
| Im konkreten Alltag manifestiert sich diese Trennlinie besonders in den jüdischen Speise- und Reinheitsvorschriften.
br
| In diesem Abschnitt des Evangeliums setzt sich Markus mit den Problemen und Fragen auseinander,
| die die Überquerung dieser Trennline in der Verkündigung des Evangelums mit sich bringt.
br
i Konkret:
ul.nomarginbottom
li Ist die Heidenmission im Sinne Jesu?
li Gehen wir dabei nicht unter? (angesichts von Verfolgungen und den Auseinandersetzungen unter Christen, die es dabei gibt!)
li Reicht das Bekenntnis zu Jesus als Christus und zum einen und einzigen Gott Israels (Monotheismus) aus, oder müssen Heiden auch auf andere Dinge - wie vor allem das jüdische Gesetz - verpflichtet werden?
p.slide.nomarginbottom
b Aussagen der Erzählungen (insgesamt in diesem Teil des Evangeliums)
ul.nodisplay
li.slide Erste Überfahrt
ul.nodisplay
li.slide
.alert.alert-primary
h4.alert-heading In Jesus sind die dämonischen Chaosmächte besiegt
p.nomarginbottom.slide
i
| Die trotz des Aufbäumens der dämonischen Chaosmächte der heidnischen Götter gelungene Überfahrt
| zeigt Jesus als Besieger der heidnischen Götter.
br
span.slide
| Jesus als Sieger über die heidnischen Chaosmächte/Gotter wird die Kirche vor dem Untergang bewahren
| - sein passives Verhalten, das die Angst vor dem Untergang verstärken kann, ist keine Schwäche sondern
| <q>nur</q> Duldung.
li.slide
.alert.alert-primary
h4.alert-heading Die Heidenmission geht auf Jesus selbst zurück und entspricht seinem Auftrag.
ul.nodisplay.nomarginbottom
li.slide
| Auch wenn er das Land nach der ersten Überfahrt und der Heilung dort gleich wieder verlassen muss
| wird doch der erste Heidenmissionar berufen (noch vor der Aussendung der Zwölf!).
li.slide
i
q Geh nach Hause und berichte deiner Familie alles, was der Herr für dich getan und wie er Erbarmen mit dir gehabt hat.
|
| (Mk 5,19)
li.slide <b>Diese Sendung</b> ist dem Evangelisten Markus <b>besonders wichtig</b>:
ul.nodisplay.nomarginbottom
li.slide Der ganze Block <q>erste Überfahrt ins Heidengebiet</q> ist der <b>Mittelteil der dritten <q>Woche</q></b>!
li.slide Das bedeutet auch: Die <b>Aussendung des geheilten Heiden</b> erfolgt <b>genau zwischen</b> der Erzählung von der <b>Wahl der Zwölf</b> einerseits <b>und ihrer Aussendung</b> andererseits.
li.slide Zweite Überfahrt
ul.nodisplay
li.slide
.alert.alert-primary
h4.alert-heading Freiheit vom jüdischen Gesetz
p.slide.nomarginbottom
i Die Heidenmission ist nicht an die Vorschriften des jüdischen Gesetzes gebunden, was Speise- und Reinheitsvorschriften anbelangt.
br
span.slide Das <q>Umgehen</q> des Sees auf dem Landweg in die Dekapolis hat vor diesem Hintergrund einen tieferen Sinn:
br
span.slide
i Jesus <q>umgeht</q> die jüdischen Speise- und Reinheitsvorschriften.
ul.nodisplay.nomarginbottom
li.slide
| <i>Hintergrund:</i>
| Vor allem in den ersten Jahrzehnten nach Ostern gab es heftige Auseinandersetzungen
| zwischen Judenchristen, die für die gesetzesfreie Heidenmission offen waren, und besonders Thora-treuen Judenchristen,
| die die zum christlichen Glauben gekommenen Heiden auf das jüdische Gesetz mit seinen Reinheits- und Speisevorschriften verpflichten wollten.
li.slide Mit dem Landweg, über den Jesus dann nach der gescheiterten Fahrt doch im Heidenland ankommt - dem Ziel der Überfahrt -, <b>umgeht Jesus die durch den See Gennesaret gezogene Linie zwischen Juden und Heiden</b> ganz anschaulich!
li.slide Wie Jesus den See Gennesaret umgeht, so darf man <b>in seiner Nachfolge die jüdischen Speise- und Reinheitsvorschriften umgehen</b>.
li.slide <b>Brücke zu den Heiden</b> sind seine <b>theologischen Ausführungen zu Rein und Unrein</b>.
li.slide Es ist sicher auch kein Zufall, dass diese Ausführungen genau zwischen den beiden Speisungen - im Juden- und dann im Heidengebiet - angesiedelt sind!
li.slide
b Abschließend zu <q>rein und unrein</q>
ul.nodisplay.nomarginbottom
li.slide Die aus dem Kult stammende Unterscheidung von Rein und Unrein im Hinblick auf Nahrung, Reinigung bestimmter Gegenstände, bestimmten Krankheiten etc. wird zwar zurückgewiesen.
br
span.slide Damit ist der Weg zu den Heiden geöffnet.
li.slide Dennoch wird auch weiterhin zwischen Rein und Unrein unterschieden, doch diese Unterscheidung wird <i>ethisch qualifiziert</i>:
br
span.slide
i Mk 7,14-16:
br
q
| Nichts, was von außen in den Menschen hineinkommt, kann ihn unrein machen, sondern was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein.
| Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Verleumdung, Hochmut und Unvernunft. All dieses Böse kommt von innen und macht den Menschen unrein.
li.slide
.alert.alert-primary
h4.alert-heading Heilsgeschichtlicher Vorrang der Juden
p.slide.nomarginbottom Das ist der Ertrag des eigenwilligen Dialoges zwischen Jesus und der heidnischen Frau, die um Heilung ihrer Tochter bittet.
li.slide
.alert.alert-primary
h4.alert-heading Jesus öffnet den Heiden Ohren und Mund für den Glauben an den einen einzigen Gott Israels
ul.nodisplay.nomarginbottom
li.slide Rein äußerlich: Jesus heilt nicht anders als die heidnischen Wunderheiler.
li.slide Tiefer geschaut: Heilung des Taubstummen <i>im Heidenland</i>:
br
span.slide <i>Das Wort des Gottes Israels hören und den Glauben an ihn bekennen</i>, dazu öffnet Jesus dem Heiden Ohren und Mund.
li.slide Dieses Heilungwunder Jesu hat <i>grundsätzliche Bedeutung</i>:
ul.nomarginbottom.nodisplay
li.slide
| Die umstehenden Menschen - wohl als Heiden vorzustellen! - stimmen in das Lob des Gottes Israels mit biblischen Worten ein:
|
q Er [= Jesus] hat alles gut gemacht; er macht, dass die Tauben hören und die Stummen sprechen.
|
| (Mk 7,37)
br
span.slide
| Damit wird einerseits Gen 1,31 aufgegriffen (<q>Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut.</q>),
| andererseits Jes 35,5-6 (Kontext: Verheißung des messiansichen Heils; <q>die Ohren der Tauben sind wieder offen, ... die Zunge des Stummen jauchzt auf</q>).
li.slide
| Mehr aber noch: Vom Anklang an die Schöpfungserzählung her bekommt das beschriebene Heilungshandeln Jesu einen bemerkenswerten Akzent:
| In der zweiten Schöpfungserzählung wird der Mensch aus Erde/Ton vom Ackerboden geform. Nun stelle man sich einen Töpfer vor,
| der bei der Durchsicht seiner Figuren feststellt, dass bei einem Exemplar die Ohren und der Mund nicht <q>passen</q>: Er
| macht seinen Finger feucht und drückt nochmal hin ... - nichts anderes tut Jesus.
br
span.slide Auch begegnet das Schema <q>Wort <span class="oi oi-arrow-right"></span> Geschehen</q>: <q>Effata</q> <span class="oi oi-arrow-right"></span> sofortiges Öffnen von Mund und Ohren
li.slide
i Die Erzählung bringt damit insgesamt zum Ausdruck:
br
span.slide
b
i Jesus ist nicht nur der Messias Israels, sondern auch der Heiden!
br
span.slide
b
i In Jesus handelt der Schöpfer neu-schöpferisch an den Heiden: er öffnet ihnen, die bisher für ihn verschlossen waren, die Ohren für das Evangelium und den Mund zum Bekenntnis an ihn.
li.slide
.alert.alert-primary
h4.alert-heading Heidenchristen sind zur Tischgemeinschaft mit Jesus zugelassen
p.nomarginbottom.slide
i Jesus hat Tischgemeinschaft mit den Heiden - also darf es auch nach Ostern Tischgemeinschaft mit ihnen geben.
ul.nodisplay.nomarginbottom
li.slide Diese Tischgemeinschaft ist die Krönung des Wirkens Jesu unter den Heiden.
li.slide Analog zu seinem Wirken unter den Juden in Galiläa - auch dort ist die Speisung (hier der 5000) der Höhepunkt.
li.slide
i Durch diese vorösterliche Tischgemeinschaft Jesu mit den Heiden ist für die Zeit nach Ostern der Weg zur Tischgemeinschaft zwischen Judenchristen und Heidenchristen frei.
+bottom_theologische_grundgedanken("heidenmission")
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@@ -0,0 +1,338 @@
extends ../layout
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block content
+headline("Theologische Grundgedanken")
span <q>Auf dem Weg</q> lernen, was Jesus-Nachfolge heißt
p.slide.nomarginbottom Der Teil <q><b>Auf dem Weg</b></q> wird <b>durch die Gliederung besonders hervorgehoben</b>:
ul.nodisplay
li.slide <b>Mittelteil</b> des Evangeliums
li.slide(data-slideslave=".gliederung-blindenheilungen") <b>Blindenheilungen</b> davor und am Ende
li.slide(data-slideslave=".gliederung-petrusbekenntnis") Erste Erzählung: <b>Petrusbekenntnis</b>
li.slide(data-slideslave=".gliederung-programmatisch") <b>Programmatischer Schlusssatz</b> (vor Blindenheilung)
p.slide(data-slideslave=".gliederung-leidensank") Besonders stechen <q>Auf dem Weg</q> die <b>drei Leidensankündigungen</b> (Mk 8,31; 9,31; 10,33-34) hervor. Ihnen folgt jeweils ein <i>Schülerunverständnis</i> und eine darauf aufbauende <i>Schülerbelehrung</i> Jesu.
.viewbox.gliederung-blindenheilungen.nodisplay
p.nomarginbottom
b Blindenheilung
.viewbox.gliederung-blindenheilungen.nodisplay(style="background-color: bisque;")
p.nomarginbottom
b Mittelteil des Evangeliums: <q>Auf dem Weg</q>
.viewbox.gliederung-petrusbekenntnis.nodisplay.konzentrisch-2
p.nomarginbottom
b Petrusbekenntnis: Jesus ist der Messias
.viewbox.gliederung-leidensank.nodisplay.konzentrisch-3
p.nomarginbottom
b Drei Leidensankündigungen, jeweils gefolgt von Jüngerunverständnis und darauf aufbauender Schülerbelehrung durch Jesus
.viewbox.gliederung-programmatisch.nodisplay.konzentrisch-2
p.nomarginbottom
b Programmatischer Satz
span
|
q Auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.
|
| Mk (10,45).
.viewbox.gliederung-blindenheilungen.nodisplay
p.nomarginbottom
b Blindenheilung
h2.slide(style="margin-top: 50px;") Das Messias-Bekenntnis des Petrus und die erste Leidensankündigung
span.footnote(data-toggle="tooltip", title="Vgl. Ebner, Einleitung 159.")
p.slide.nomarginbottom
b Messias-Bekenntnis des Petrus
ul.nodisplay
li.slide <i>Eröffnung und Überschrift des Mittelteils</i>: <b>Jesus ist der Messias</b>
li.slide <i>Von Jesus nicht direkt zurückgewiesen!</i>
p.slide.nomarginbottom
b Indirekter Widerspruch durch Jesus
ul.nodisplay
li.slide <i>Jesus verbietet</i>, mit irgendjemand <i>über ihn</i> - also dieses Bekenntnis - <i>zu sprechen</i>.
li.slide <i>Erste Leidensankündigung</i>: <q>der Menschensohn müsse vieles erleiden und ... verworfen werden; er werde getötet, aber nach drei Tagen werde er auferstehen.</q> (Mk 8,31)
li.slide
| <i>Kontrast zu der üblichen Messiasvorstellung</i>:
|
q Der Titel <q>Messias</q> setzt auf dem Hintergrund jüdischer Traditionen die Erwartung eines könglichen Herrschers frei, der seine Feinde vertreibt und demonstrativ in seine Königsstadt einzieht.
span.footnote(data-toggle="tooltip", title="Ebner, Einleitung 159.")
li.slide <i>Umbiegung des Messias-Titels auf Jesus</i>: <b>Korrektur der üblichen Messiasvorstellung</b>
ul.nodisplay.nomarginbottom
li.slide Jesus <i>ist</i> der Messias - das wird auch die Verklärung bestätigen!
li.slide Jesus ist <i>anders</i> Messias als erwartet: Sein Weg führt nicht auf den Königsthron in Jerusalm - nachdem er seine Gegner und vor allem die Römer besiegt hätte -, sondern durch Leiden und Tod zur Auferstehung.
li.slide Dieses andere Messias-Sein Jesu sollen die Jünger <i>auf dem Weg verinnerlichen</i> - zusammen mit den Folgen, die dies für die Jesus-Nachfolge haben muss.
p.slide.nomarginbottom Dieses andere Messias-Bild löst - fast logischerweise! - Widerspruch aus:
p.slide.nomarginbottom
b Widerspruch des Petrus (<q>Jüngerunverständnis</q>)
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li.slide Petrus denkt von der üblichen Messiasvorstellung her.
li.slide Er kann den angekündigten Weg Jesu mit seiner Vorstellung - seiner Hoffnung! - vom Messias nicht vereinbaren.
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b Reaktion Jesu auf den Widerspruch des Petrus I
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li.slide Jesus <q>herrscht Petrus an</q> - so begegnet Jesus normalerweise nur Dämonen.
li.slide Jesus weist Petrus scharf zurecht: <q>Hinter mich, Satan!</q>
br
span.small
| <i>Wichtig</i>: Es heißt hier <i>nicht</i>: <q>Weg mit dir, Satan!</q>, wie etwa auch in der alten Einheitsübersetzung!
| Es geht hier nicht um die Verstoßung des Petrus durch Jesus, sondern darum, dass Petrus mit seiner Ablehnung des angekündigten Weges Jesu aus der Nachfolge
| herausgefallen ist; und Jesus fordert ihn auf, wieder in diese Nachfolge einzutreten, hinter Jesus herzugehen auf seinem Weg -
| mit praktisch der gleichen Wendung, mit der Jesus den Petrus einst berufen hatte!
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b Reaktion Jesu auf den Widerspruch des Petrus II (<q>Jüngerbelehrung</q>)
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li.slide
| Belehrung der Jünger und der Volksmenge:
|
i
q Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten.
|
| (Mk 8,34-35)
li.slide Bedeutung innerhalb der Evangelienerzählung: Für <b>Petrus</b> hätte das bedeutet, dann, als es kritisch wurde im Hof des Hohepriesters während der Verhandlung Jesu, <i>nicht Jesus, sondern sich selbst</i> zu <i>verleugnen</i>, sich also zu Jesus zu bekennen und die Folgen zu tragen.
li.slide Generelle Bedeutung in der Zeit der Verkündigung des Evangeliums (<q>um des Evangeliums willen</q>!) - gerade angesichts von Verfolgung und Nachteilen im Leben, bis hin zur letzten Konsequenz.
.alert.alert-primary.slide
h4.alert-heading Zweifache Ergänzung des Messias-Bekenntnisses mit fundamentaler Wichtigkeit
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li.slide
b Jesu <q>Königsweg</q> ist ein Weg, der durch Leiden und Kreuz führt und gerade so zur Auferstehung.
li.slide
b Jesu Weg muss sich auswirken auf das Verhalten all derer, die ihm nachfolgen: Glaubenslehre (Messias, sein Leiden, Sterben, Auferstehn) und Glaubenspraxis in der Jesus-Nachfolge werden unlösbar miteinander verbunden.
p.slide Gerade um Letzteres zu lernen, wiederholen sich Leidensankündigung, Jüngerunverständnis und Jüngerbelehrung noch zweimal mit konkreter Anwendung.
h2.slide(style="margin-top: 50px;") Die Verklärung Jesu
p.nomarginbottom.slide Vor ausgewählten Zeugen erscheint Jesus in strahlend-weißem Licht. <i><q>Da kam eine Wolke und überschattete sie und es erscholl eine Stimme aus der Wolke [= Stimme Gottes]: <q>Dieser ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören.</q></q></i> (Mk 9,7)
p.nomarginbottom.slide Die Verkärung Jesu kann verstanden werden als:
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li.slide
i Himmlische/Göttliche Bestätigung des Messiasbekenntnisses des Petrus: Ja, Jesus ist Gottes Sohn und damit der Messias.
li.slide
i Himmlische/Göttliche Legitimation dessen, was Jesus seine Jünger lehrt, besonders in diesem Mittelteil des Evangeliums bezüglich seines Weges und des Nachfolge-Weges des Jünger.
p.nomarginbottom.slide Dabei spielen Mose und Elija eine Rolle:
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li.slide <b>Mose</b>
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li.slide Dtn 18,15: <q>Einen Propheten wie mich [= Mose] wird dir der Herr, dein Gott, aus deiner Mitte, unter deinen Brüdern, erstehen lassen. <i>Auf ihn sollt ihr hören</i>.</q>
li.slide Jesus wird als <q><b>neuer Mose</b></q> gezeichnet, der den Willen Gottes gültig verkündet und auf den es zu hören gilt.
li.slide Dies gilt vor allem auch für die <q>auf dem Weg</q> erteilte Lehre Jesu für seine Nachfolger, die damit göttlich legitimiert wird.
li.slide <b>Elija</b>
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li.slide Elija gilt nach 1 Kön als in den Himmel entrückt.
li.slide Es gab (und gibt im Judentum noch heute!) die Erwartung, dass Elija vor dem großen Endgericht Gottes bzw. als Vorläufer des Messias kommen würde.
li.slide Wenn aber Jesus der Messias ist, wo ist dann Elija? Hätte der nicht schon da sein müssen?
li.slide Mehr noch: Wenn der wiedergekommene Elija mit seinem Auftrag gemäß Mal 3,23-24 - nämlich das Volk Israel auf das Gericht Gottes vorzubereiten, sodass es bestehen kann - erfolgreich sein würde - und das ist doch biblische Verheißung! - wie kann dann der Messias leiden müssen?
li.slide Diesen Gedanken spielt Markus geschickt ein und gibt dann im Munde Jesu die Erklärung:
ul.nodisplay
li.slide
| <q>Elija</q>
| wird mit Johannes dem Täufer identifiziert, der bereits gewaltsam aus der Welt geschafft wurde
| - ein Schicksal, wie es Jesus als dem Messias und Menschensohn noch blühen würde.
li.slide Damit wird die Vorstellung, Elija stelle alles wieder her, würde also erfolgreich sein mit seinem Auftrag, korrigiert.
li.slide
| Diese Korrektur geschieht im Blick auf das reale Geschick Johannes des Täufers und Jesu, wie es aus christlicher Sicht in der Bibel Israels vorgezeichnet ist
| (
span.oi.oi-arrow-right
|
| Prophetenschicksale, Gottesknecht, leidender Gerechter [Weish 2]).
h2.slide(style="margin-top: 50px;") Die zweite und dritte Leidensankündigung Jesu und die Konsequenzen für die Nachfolge
span.footnote(data-toggle="tooltip", title="Vgl. Ebner, Einleitung 159-160.")
p.slide Mit den zwei weiteren Leidensankündigungen wird ein direktes, beispielhaftes Fehlverhalten der Jünger verbunden; darauf geht Jesus jeweils ein und lehrt Konsequenzen seines Passionsweges für das Verhalten der Jünger in seiner Nachfolge.
p.slide.nomarginbottom
b
| Zweite Leidensankündigung
|
span.oi.oi-arrow-right
|
| Rangstreit der Jünger (<q>Größter sein</q>)
ul.nodisplay
li.slide Jesus reagiert in lehrender Pose: er setzt sich.
li.slide
i
q Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein.
|
| (Mk 9,35)
li.slide <i>Veranschaulichung</i>: Jesus stellt ein Kind in die Mitte und spricht von der Aufnahme von (Waisen-)Kindern.
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li.slide Es geht um den Dienst an den nicht nur im körperlichen Sinne Kleinen und Bedürftigen.
li.slide Mit ihnen solidarisiert sich Jesus: <q>Wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf ...</q> (Mk 9,37)
li.slide <i>Test der Transferleistung der Jünger</i> - die fallen durch:
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li.slide Als man Kinder zu Jesus bringt, damit er sie segnet, weisen die Jünger die Leute mit ihren Kindern schroff ab.
li.slide Jesus kritisiert dies scharf und macht wieder grundsätzliche Aussagen: <q>Wer das Reich Gottes nicht so annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.</q> (Mk 10,15)
br
span.slide
i
q Wie die Kinder werden
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li.slide Kinder haben (noch) nichts:
br
i Verzicht auf materielle Sicherheiten.
li.slide Kinder werden - da <q>Kleinste</q> - gerne als Diener eingesetzt:
br
i Diener der <q>Kleinsten</q> und <q>Letzten</q> der Gesellschaft werden.
.alert.alert-primary.slide(style="margin-bottom: 0px;")
b Den (nicht nur im körperlichen Sinne) Kleinen, den Bedürftigen, den Letzten gehört das Reich Gottes.
br
b
i Wer nicht bereit ist, mit ihnen den Platz zu tauschen und ihr Diener zu werden, dem ist der Weg in das Reich Gottes versperrt.
span.slide.small Eine <i>beispielhafte Bebilderung</i> dazu findet sich in der <i>Erzählung von der Aussendung der Zwölf</i>
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li.slide
| Die Jünger sollen <i>auf alle materiellen Sicherheiten verzichten</i>.
|
span.small Dass dies nicht bedeutet, ins materielle Nichts zu fallen, stellt Jesus auf die Anfrage des Petrus in Mk 10,28-31 klar: man findet Halt in der Solidarität der Schwestern und Brüder, die untereinander teilen.
li.slide Jesus gibt den Jüngern die Vollmacht über die unreinen Geister, also die <i>Vollmacht, alle Unterdrückten und Beladenen von ihrer Last zu befreien</i>.
li.slide Und genau dies tun die Jünger nach Mk 6,13: <q>Sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie</q>, das heißt, sie wandten sich den Kleinen und Geringen und Außenseitern, den <q>Letzten</q> der Gesellschaft zu.
p.slide.nomarginbottom
b
| Dritte Leidensankündigung
|
span.oi.oi-arrow-right
|
| Plätze ganz oben haben (links und rechts von Jesus) (<q>Herrschen</q>) [Zebedäus-Söhne]
ul.nodisplay
li.slide Wer diese Plätze bekommt, das entscheidet Gott.
br
span.small.slide Und hat nicht die Verklärung gezeigt, wer diese Plätze bekommt/schon hat?
li.slide Grundsätzliche Lehre zum Thema Dienen und Herrschen (Vertiefung der bisherigen Aussagen nach dem Rangstreit der Jünger):
br
span.slide
i Nicht Herrschen und Unterdrücken - wie es die Mächtigen so tun - sondern Dienen und Sklave sein soll die Nachfolger Jesu prägen.
p.nomarginbottom.slide <b>Begründung</b> letztlich der ganzen Lehre <q>auf dem Weg</q><b>:</b>
br
q
b Denn auch der Menschensohn | ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen | und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.
|
| (Mk 10,45).
ul.nodisplay
li.slide Als letzter Satz vor der den Mittelteil abschließenden Blindenheilung besonders gewichtig.
li.slide Das Wirken Jesu insgesamt und besonders sein Weg ans Kreuz werden <i>verallgemeinert</i> zum <i>Weg des Dienens</i>, des dienenden Daseins für andere.
li.slide
i Dieser Weg des Dienens, den Jesus beschritten hat, der muss auch der Nachfolge-Weg <u>aller</u> Jünger sein! Auch sie sollen ihren Mitmenschen, besonders den <q>Kleinen</q> und <q>Geringen</q>, den <q>Letzten</q> in einer Gesellschaft, dienen.
.alert.alert-primary.slide
h4.alert-heading Wer der Erlösung teilhaftig werden will, der ist auf den Weg des Dienens gestellt
p.nomarginbottom
b
| Erlösungslehre und Mahnung, den Weg Jesu als Weg des Dienens nachzugehen, sind aufs Engste miteinander verknüpft.
p.slide.nomarginbottom
b Blindenheilung - ein erneuter Test, bei dem die Jünger aber erneut versagen
ul.nodisplay
li.slide Analog zur Episode mit den Kindern, die von den Jüngern abgewiesen wurden.
br
span.small.slide
| Die Parallelität wird noch deutlicher, wenn man bemerkt, dass von Markus im Griechischen für das
| Zurückweisen der Leute mit ihren Kindern das gleiche Wort benutzt ist, wie für den Versuch der Vielen,
| Bartimäus zum Schweigen zu bringen.
br
span.small.slide Und dieses Wörtchen ist <q>epitimao</q>: <q>tadeln, schelten</q>. Die Grundform <q>timao</q> dagegen bedeutet <q>schätzen, ehren</q>.
br
span Die Anklänge an den Namen <q>Bartimäus</q> dürften im Griechischen nicht überhörbar sein;
br
span zumal angegeben wird, was dieser Name bedeutet: <q>Sohn des Timäus</q> (<q>Bar</q> = <q>Sohn</q> <span class="oi oi-arrow-right"></span> Kind)
br
span
i Bartimäus ist <u>Inbegriff</u> der Kleinen, die eigentlich geehrt werden sollen, die aber allzuoft getadelt und gescholten, spricht: unterdrückt werden.
li.slide <q>Viele</q> wollen den blinden Bartimäus zum Schweigen bringen - wohl auch die Jünger!
li.slide Nicht die Jünger schreiten im Sinne Jesu ein, sondern Jesus muss selbst handeln!
li.slide Bartimäus ist der <q>Kleine</q> und Bedürftige und <q>Letzte</q>, den es nicht gilt zurückzuweisen und zu unterdrücken - dem Thema gerade eben! -, sondern ihn als Adressaten der heilenden Gegenwart Jesu und des Reiches Gottes zu begreifen!
p.slide Wann werden es die Jünger - die Leser! - endich verstehen?
h2.slide(style="margin-top: 50px;") Zusammenfassung
span.footnote(data-toggle="tooltip", title="Vgl. Ebner, Einleitung 160.")
.alert.alert-primary.slide
h4.alert-heading Der Weg Jesu muss auch der Weg der Jünger sein
p.nomarginbottom
b
| Markus ist der Überzeugung, dass jeder, der sich zu Jesus bekennt, zu seinem Tod am Kreuz und zu seiner Auferstehung <i>für</i> die Seinen,
| selber den Weg Jesusgehen muss.
br
| Nicht für jeden geht es dabei um Kreuzes-Nachfolge im engeren Sinn - also darum, für seinen Glauben oder für andere Menschen zu sterben.
br
| Für <i>alle</i> geht es aber darum, <i>allgemein</i> und <i>grundsätzlich</i> den <i>Weg des dienenden Daseins für andere</i> zu gehen - in vielfältigen Ausgestaltungsformen.
br
| Die Lehre von Tod und Auferstehung Jesu übertragt Markus also in sozial-ethische Kategorien; es geht grundsätzlich um das Zusammenleben der Christen und der Menschen insgesamt.
br
| Prüfstein ist letztlich der Umgang mit jenen, die am Rande der Gesellschaft stehen, die - wie Markus sagt - <q>Letzte</q> sind.
p.slide
| Und weil das ein Lernprozess ist und auch verschiedene Facetten hat, wird es dreimal durchgespielt.
p.slide
| Nicht umsonst rahmt Markus den wichtigen Mittelteil mit zwei Blindenheilungen: <q>Augen auf</q>, rufen sie uns zu!
br
| Und von Bartimäus heißt es abschließend - die Stichworte <q>Nachfolge</q> und <q>auf dem Weg</q> aufgreifend und verbindend -:
|
q er folgte ihm [= Jesus] auf seinem Weg
| ; wie dem Bartimäus sollen auch den Lesern die Augen aufgehend in einem tieferen Sinn: nämlich dafür, was echte Jesus-Nachfolge ist.
p.small.slide
| Bemerkenswert ist auch: Jesus stellt den Söhnen des Zebedäus und dem blinden Bartimäus die gleiche Frage:
| <q>Was soll ich euch/dir tun?</q> (Mk 10,36.51) - Die einen wollen neben Jesus thronen, Bartimäus dagegen will sehen - also das, was den Jüngern fehlt!
| Mit dem Wegwerfen des Mantels verlässt Bartimäus seine alte Existenz (wie die Jünger: Mk 1,18.20; 2,14; 10,28).
span.footnote(data-toggle="tooltip", title="Vgl. Opielka, Birgit: Zwei Außenseiter als Vorbild der Jünger. In: Bibel und Kirche 2/2011, 90-93.")
h2.slide(style="margin-top: 50px;") Konkretisierung angesichts des zeitgeschichtlichen Kontextes
span.footnote(data-toggle="tooltip", title="Vgl. Ebner, Einleitung 178-179.")
p.slide.nomarginbottom <b>Vespasians Aufstieg zum Kaiser zog Kreise</b>
ul.nodisplay
li.slide Er erhob Anhänger aus dem Ritterstand - dem er selbst entstammte - in den römischen Senat.
li.slide Mit Vespasians Aufstieg verband sich der Aufstieg vieler anderer.
li.slide Der Traum vom eigenen Aufstieg griff um sich: Man will - so gut und soweit es geht - groß sein, vorne mit dabei sein.
li.slide Die Chancen stehen naturgemäß bei denen besonders gut, die dem Kaiser nahe stehen bzw. ihm ergeben sind: Des Kaisers Weg nach oben kann auch ihr Weg nach oben sein!
p.slide.nomarginbottom Markus adaptiert und <q>pervertiert</q> das: <b>Jesu Weg ans Kreuz muss Kreise ziehen</b>
ul.nodisplay
li.slide Jesu Weg nach unten muss auch der Weg seiner Nachfolger nach unten sein.
li.slide Es darf nicht - wie bei den Gefolgsleuten des Kaisers - darum gehen, wer der Größte (nach dem Kaiser) ist bzw. wie man dorthin kommt.
br
span.slide Es gilt vielmehr, Letzter und Deiner zu sein - angesichts dessen, dass Jesus sich zum Diener aller gemacht hat.
li.slide Und es darf auch nicht darum gehen, die Plätze ganz oben innezuhaben und wie die Mächtigen zu herrschen und zu unterdrücken.
br
span.slide Sondern es muss darum gehen, die Plätze ganz unten zu haben und wie Jesus zu dienen.
.alert.alert-primary.slide
h4.alert-heading Von der <i>Herrschaftspyramide</i> von oben nach unten zur <i>Dienstpyramide</i> von unten nach oben
p.nomarginbottom
| In einer Zeit, in der der Aufstieg Vespasians vom Ritter zum Kaiser in aller Munde ist - vor allem sicher in Rom -
| schreibt Markus sein
br
b Gegen-Evangelium vom Abstieg des Messias und Menschensohnes Jesus bis ans Kreuz.
p.nomarginbottom
b
| Markus dreht die - nicht nur - römische Herrschaftspyramide mit dem Kaiser ganz oben und der Herrschaft von oben nach unten
| um zur Dienstpyramide von unten nach oben mit Jesus ganz unten.
p.slide.small
| Auch im Evangelium geschieht Übertragung von <q>Vollmacht</q>.
| Aber diese Übertragung an die Jünger (konkret: die Zwölf) bei ihrer Aussendung geschieht nicht,
| um sie als Herrscher über die Menschen einzusetzen, sondern um die Menschen von der Herrschaft alles Dämonischen
| - in einem umfassenden Sinn - zu befreien.
+bottom_theologische_grundgedanken("nachfolge")
script.
push_slide_stack('.slide')
$(function () {
$('[data-toggle="tooltip"]').tooltip()
})

View File

@@ -0,0 +1,103 @@
extends ../layout
include ../mixins
block content
+headline("Theologische Grundgedanken")
span Die Schweigegebote
+footnote("Vgl. Ebner, Einleitung 177-178; Gnilka, Markus I 167-170 [Exkurs Messiasgeheimnis].")
p.slide.nomarginbottom Im Evangelium nach Markus fallen <b>Schweigegebote</b> auf; Jesus richtet sie
ul.nodisplay
li.slide an Dämonen,
li.slide an Geheilte bzw. Zeugen der Wunder,
li.slide an die Jünger.
p.slide.nomarginbottom <b>Inhalt</b>
p.slide
i Man soll ihn, seine Person (<span class="oi oi-arrow-right"></span> Titel z. B. in Mk 1,24; 3,11-12!) und sein Wunderwirken nicht bekannt machen.
p.slide.nomarginbottom <b>Erträge der Forschung</b>
ul.nodisplay
li.slide Die Schweigegebote gehen nicht auf den historischen Jesus zurück, sondern sind eine <i><q>Erfindung</q> des Markus</i>.
br
span.slide Es ist daher nicht zu fragen, was Jesus damit bezwecken wollte, sondern Markus.
br
span.slide
i Die Schweigegebote richten sich nicht an die Zeugen des historischen Jesus, sondern haben in der Kommunikation Erzähler - Leser ihren Ort.
li.slide Die Schweigegebote finden sich <i>nicht immer nach Heilungen</i>.
br
span.slide
i Sie entfallen vor allem dann, wenn im Kontext das Leiden Jesu Thema ist oder von der Nachfolge die Rede ist.
br
span.slide.small Beispiel Wunder: Das Entfallen des Schweigegebotes in Mk 2,1-10; 3,1-6 lässt sich durch den Streitgesprächcharakter bzw. den Tötungsbeschluss in Mk 3,6 erkären.
br
span.slide.small Nachfolge: Sie wird <q>auf dem Weg</q> von den Leidensankündigugen her in einem spezifischen Sinn verstanden: als Dienst und Bereitschaft, das Kreuz zu tragen.
li.slide Die Schweigegebote werden <i>zeitlich eingeschränkt</i>.
ul.nomarginbottom.nodisplay
li.slide In Mk 9,9 findet sich die Aussage: <q>... bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.</q>
li.slide Insofern es sich hier um das letzte Schweigegebot im Evangelium handelt, wird man dies auf alle Schweigegebote beziehen können.
li.slide So ergibt sich von hier aus der Sinn der Schweigegebote:
.alert.alert-primary.slide
h4.alert-heading Das Bekenntnis zu Jesus muss das Bekenntnis zu seinem Weg einschließen
p.nomarginbottom
b Wenn von Jesus als Messias, Wunderheiler, Heiligem Gottes und Sohn Gottes erzählt wird, dann muss auch sein Weg Thema sein.
h2.slide(style="margin-top: 50px;") Konkretisierung angesichts des zeitgeschichtlichen Kontextes
p.slide.nomarginbottom
b Legitimation Kaiser Vespasians
ul.nodisplay.nomarginbottom
li.slide Ihm fehlte eigentlich die Legitimation, römischer Kaiser zu werden: er stammte nicht aus dem Hochadel und hatte keinen bereits vergöttlichten Vater.
li.slide Seine Propagandisten halfen nach:
ul.nodisplay
li.slide Es wird auf göttliche Zeichen und Orakel verwiesen, die verdeutlichen sollen, dass hinter dem Aufstieg Vespasians die Götter stehen.
br
span.slide So kann Vespasian dann trotz seiner defizitären Abstammung den Titel <q>Sohn eines Gottes</q> tragen.
li.slide Wundergeschichten werden in Umlauf gebracht.
br
span.slide Beispiele: Heilung eines Blinden und eines Lahmen durch Berührung in Alexandrien.
p.slide
i Es ging bei Vespasian also um (inszenierte) Schau-Wunder, die Vespasian als Kaiser göttlich legitimieren sollten. Und deswegen sollte von den Wundern natürlich überall erzählt werden.
p.slide.nomarginbottom
b Jesus wird hier als Gegenpol gezeichnet
ul.nodisplay
li.slide Er <i>setzt</i> die <i>Zeugen seines Wirken nicht</i> als <i>Propagandisten ein</i>, sie werden es aus freien Stücken - gegen Jesu ausdrücklichen Wunsch.
li.slide Jesu Wunder sind <i>keine Schau-Wunder</i> und die </i>Geheilten keine Objekte einer Demonstration</i>.
br
span.slide Vielmehr sind Jesu Wunder <i>Auswirkungen der angebrochenen Gottesherrschaft</i>.
li.slide Die Wunder Jesu sind <i>nicht dazu da, um Jesus zu legitimieren und die Menschen von ihm zu überzeugen</i>.
br
span.slide Sie <i>setzen</i> vielmehr bereits einen <i>gewissen Glauben voraus</i> bzw. beim Wissen der Dämonen um Jesu Person an.
br
span.slide Und da, wo Jesus Unglauben vorfindet, da kann er auch keine Machttaten tun (Mk 6,1-6a)!
p.slide.nomarginbottom
b Ergebnis: Die Schweigegebote relativieren bestimmte Elemente der Jesustradition
ul.nodisplay
li.slide
i Wunder
br
span Sie sind keine legitimierenden Schau-Wunder und dürfen nicht als solche verstanden werden.
li.slide
i Bekenntnis zu Jesus in Form von Hoheitstiteln
.alert.alert-primary.slide
h4.alert-primary Die Schweigegebote stehen im Dienste der (später erteilten) Lehre <q>auf dem Weg</q>
p.nomarginbottom
| Nur der bekennt sich vollgültig zu Jesus, der sich nicht einseitig an den Wundern Jesu oder an (Bekenntnis-)Titeln festmacht, sondern an seinem Weg und diesem in seinem eigenen Verhalten entspricht.
br
b Christsein hängt nicht nur vom rechten (Lippen-)Bekenntnis zu Jesus ab, sondern ganz essentiell von der gelebten Bereitschaft, seinen Weg zu gehen.
p.small.slide Diese Sichtweise wird dadurch unterstrichen, dass die Schweigegebote mit der Lehre auf dem Weg <q>verknotet</q> sind: Das letzte Schweigegebot findet sich nach der ersten Leidensankündigung mit entsprechender Unterweisung zum Kreuz-Tragen!
+bottom_theologische_grundgedanken("schweigegebote")
script.
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$(function () {
$('[data-toggle="tooltip"]').tooltip()
})

View File

@@ -0,0 +1,100 @@
extends ../layout
include ../mixins
block content
+headline("Theologische Grundgedanken")
span Von <q>Versagern</q> und <q>Helden</q>
span.footnote(data-toggle="tooltip", title="Vgl. Ebner, Einleitung 163-165.")
p.slide.nomarginbottom Auffällig ist im Markus-Evangelium <b>das eigenwillige Jüngerbild</b>:
ul.nodisplay
li.slide Jesus gibt sich alle Mühe, seine Jünger in alles einzuführen -
br
span.slide aber <i>sie verstehen nicht</i>.
li.slide Auch die Jünger werden - wie die Gegner Jesu - <i>als verstockt gezeichnet</i> (Mk 6,52; 8,17).
li.slide.small Dagegen kann es in Jerusalem sogar von einem Schriftgelehrten heißen, dass er nicht fern vom Reich Gottes ist (Mk 12,28-34).
p.slide.nomarginbottom Zunächst hatte alles <b>gut angefangen in Galiläa</b>:
ul.nodisplay
li.slide Jesus <i>beruft</i> die Jünger, und sie <i>folgen sofort</i>.
li.slide Jesus will sie <i>zu Menschenfischern machen</i>.
li.slide Jesus beruft die Zwölf, die <i>bei ihm in die Lehre gehen</i> sollen.
li.slide Sie <i>sendet</i> Jesus <i>mit Vollmacht</i> - also als echte Teilhaber seiner eigenen Sendung - <i>aus</i>: sie sollen - wie er - heilen und lehren.
p.slide.nomarginbottom Doch dann kommt der <b>Weg nach Jerusalem mit Schwierigkeiten</b>:
ul.nodisplay
li.slide <i>Petrus</i> rutscht mit seiner Ablehnung des Weges Jesu wenigstens kurzzeitig auf die <i>Seite der dämonischen Gegner Jesu</i>.
li.slide Die Unterweisungen Jesu <i>öffnen die Augen der Jünger nicht wirklich</i>.
p.slide.nomarginbottom <b>Totales Fiasko</b> dann <b>in Jerusalem</b>:
ul.nodisplay
li.slide Judas <i>verrät</i>.
li.slide Petrus <i>verleugnet</i>.
li.slide <i>Alle fliehen</i> angesichts von Prozess und Kreuzigung Jesu.
li.slide <b><i>Jerusalem ist damit der Ort des (vorläufigen) Endes der Jüngerschaft!</i></b>
li.slide Nur kurzzeitig springen die <i>Frauen, die auch von Galiläa aus Jesus nachgefolgt waren</i>, in die Bresche:
br
span.slide vom Grab - wo sie gerade eben die Osterbotschaft empfangen haben - <i>fliehen</i> sie und <i>führen ihren Auftrag nicht aus</i>.
.alert.alert-primary.slide
h4.alert-heading Die Jünger - und Jüngerinnen - sind höchst zweifelhafte Identifikationsfiguren
ul.nomarginbottom
li.slide
b Einerseits Empfänger von Offenbarung
br
span.slide In ihnen ist der Leser z. B. mit auf dem Berg der Verklärung und bei der Auferweckung der Tochter des Jairus dabei.
br
span.slide Er hört mit ihnen die besonderen Belehrungen Jesu an seine Jünger.
li.slide
b Andererseits in ihrem Verhalten eher Anti-Helden, Anti-Identifikationsfiguren
br
span.slide Dies gilt besonders <q>auf dem Weg</q> und in Jerusalem.
p.slide Angesichts des eigenwilligen Schlusses des Evangeliums in Mk 16,8 ergibt sich die Frage: <b>wer trägt die Botschaft überhaupt weiter?</b>
p.slide.small
| Ein Vergleich mit den anderen Evangelien zeigt: die wollten das Jüngerbild des Markus-Evangeliums nicht so stehen lassen.
| Besonders bei Matthäus, für den die Jünger die spätere Kirche repräsentieren, kommen die Jünger wesentlich besser weg!
p.slide.nomarginbottom Doch kennt das Markus-Evangelium auch <b>echte <q>Helden</q>, echte Identifikationsfigure</b>, aber es sind eher die <i>kleinen Figuren am Rande</i>:
ul.nodisplay
li.slide
b Der geheilte Gerasener
ul.nodisplay.nomarginbottom
li.slide Er will <q>mit Jesus sein</q> - wie die Zwölf berufen wurden, um <q>mit Jesus zu sein</q>.
li.slide
| Er folgt trotz der Ablehnung Jesu in der Dekapolis dem Auftrag Jesu und verkündet nicht nur in seiner Familie,
| sondern <q>in der ganzen Dekapolis</q> das, was an und mit ihm geschehen ist und wie Gott mit ihm Erbarmen hatte (Mk 5,1-20).
li.slide So hat er offenbar dazu beigetragen, dass Jesu zweiter Besuch in der Dekapolis anderes verlief:
br
span.slide
| Die Heilung des Taubstummen erzählt, dass das Wort Gottes in der Dekapolis auf fruchtbaren Boden fällt und die Heiden in das Lob des Gottes Israels einstimmen (Mk 7,31-37).
li.slide
b Die Syrophonizierin
br
span.slide Sie versteht das Gleichnis Jesu und antwortet geschickt darauf (Mk 7,24-30).
li.slide
b Der blinde Bartimäus
br
span.slide Er foglt nach seiner Heilung <q>Jesus auf seinem Weg</q> - als Kontrast zu allen, die vor dem Weg Jesu zurückschrecken (Mk 10,46-52).
li.slide
b Der römische Hauptmann unter dem Kreuz
br
span.slide
| Er spricht das Gottessohn-Bekenntnis.
br
| Auch wenn dieses aus christlicher Perspektive defizitär ist (<q>Dieser Mensch <i>war ein</i> Sohn <i>eines</i> Gottes.</q>), bringt er die Umwertung <q>Erster</q> - <q>Letzer</q> im Sinne des Markus gültig zum Ausdruck.
.alert.alert-primary.slide
h4.alert-heading <q>Helden</q> im Markus-Evangelium sind eher die kleinen Figuren am Rande
p.nomarginbottom Interessanterweise sind die meisten dieser kleinen Helden Heiden. Ausgerechnet sie verstehen und praktizieren die Lehre Jesu.
+bottom_theologische_grundgedanken("versager_helden")
script.
push_slide_stack('.slide')
$(function () {
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