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Peter Fischer 2022-09-08 17:22:25 +02:00
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| Die Aussätzigenerzählung bildete das Ende einer konzentrischen Gliederung, als die Berufung der ersten Jünger die Mitte bildete.
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| Als weiterer Hinweis auf die Richtigkeit der gewählten konzentrischen Gliederung kann gelten,
| dass die Andrangerzählung mit einem Schweigegebot endet,
| dass die Andrangserzählung mit einem Schweigegebot endet,
br
| und die Aussätzigenerzählung am sinnvollsten da geteilt wird, wo das Schweigegebot ausgesprochen wurde,
| dieses selbst zum ersten Teil rechnend.
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| Auffallen muss auch, dass die Andrangerzählung zu Beginn jene Menschen erwähnt, die Jesus aus Galiläa folgen;
| Auffallen muss auch, dass die Andrangserzählung zu Beginn jene Menschen erwähnt, die Jesus aus Galiläa folgen;
br
| man kann die Mitte der konzentrischen Gliederung nach oben erweiternd (Mk 1,39) darin jene sehen,
| die Jesus bei seinem Ziehen durch ganz Galiläa quasi eingesammelt hat.
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| Damit gibt es in der Andrangerzählung Bezüge nicht nur zur (ganzen) Aussätzigenerzählung, sondern auch zur Episode davor.
| Damit gibt es in der Andrangserzählung Bezüge nicht nur zur (ganzen) Aussätzigenerzählung, sondern auch zur Episode davor.
br
| Gleichzeitig macht das Gegenüber von Mk 1,39 und Mk 1,45 deutlich, dass diese beiden Episoden sich
| in der konzentrischen Gliederung gegenüber stehen wollen und nicht selber als (direkter) Teil der Mitte gedacht sind.
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br
| er berührt sie aber auch nicht einfach nur (symbolisch),
br
| vielmehr kommt es zu einem heildenden Austausch:
| vielmehr kommt es zu einem heilenden Austausch:
br
| Jesus lädt die Krankheit der Menschen auf sich und gibt ihnen dafür sein Leben.
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br
| was in der Mitte an <i>einem</i> erzählt wird, daran wollen (sollen) die (umfassenden) Vielen Anteil haben.
li
| Schon in vorherigen Erzählung ist die Heiden-Themaik präsent gewesen (Apostelnamen, doppeltes Dachöffnen; Gesetzesthematik);
| Schon in vorherigen Erzählung ist die Heiden-Thematik präsent gewesen (Apostelnamen, doppeltes Dachöffnen; Gesetzesthematik);
br
| hier nun wird mit der Herkunft von Menschen aus Tyrus und Sidon also Städten, die mehrheitlich von Heiden bewohnt werden
| diese Thematik explizit aufgegrifen;
| diese Thematik explizit aufgegriffen;
br
| auch die Heiden gehören zu den „Vielen“ dazu, die an der Erlösung in Christus Anteil haben.

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span.bibelstelle Jes 53,11
hr
p.card-text.mb-0
| Das Gegenüber von Johannespredgit und Taufe Jesu einerseits sowie Mahl mit den Zöllnern und Sündern samt
| Das Gegenüber von Johannespredigt und Taufe Jesu einerseits sowie Mahl mit den Zöllnern und Sündern samt
| Streitgespräch andererseits vergegenwärtigt den zitierten Vers aus dem Vierten Gottesknechtslied des Jesaja:
ul.card-text
li

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@ -175,8 +175,8 @@ block content
| des Schöpfers am 7. Tag) und erinnert an die Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten.
| Daher ist dieser Tag in besonderer Weise Gott geweiht.
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| Doch interessant ist, wozu Gott diesen Tag einsetzt. Bei einer Betrachtung des Sabbat-
| gebotes fällt ja auf, dass an diesem Tag nicht nur jene ruhen sollen, die es sich leisten
| Doch interessant ist, wozu Gott diesen Tag einsetzt. Bei einer Betrachtung des Sabbatgebotes
| fällt ja auf, dass an diesem Tag nicht nur jene ruhen sollen, die es sich leisten
| könnten weil andere für sie arbeiten , sondern dass auch Sklaven, Tiere und sogar
| Fremde ruhen sollen. Ein Tag umfassender Ruhe, an dem Gleichheit vor Gott und vor-
| einander herrschen soll in der gemeinsamen, Regeneration fördernden Ruhe unabhängig von sozialem Stand
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| Das Mahl mit den Zöllnern und Sündern das auffälligerweise in Mk 2,16-17 nochmal wiederholt erzählt wird (!)
| ist Vorwegnahme und schon Vollzug dessen, dass Jesus sich „unter die Abtrünnigen rechnen ließ“.
li
| Bezüglich des Ährenraufens verteidgt Jesus seine Jünger wieder, wie schon in der Fastenfrage;
| Bezüglich des Ährenraufens verteidigt Jesus seine Jünger wieder, wie schon in der Fastenfrage;
| doch er tut es auf andere Weise!:
br
| Während er dort die Schuldfrage auf sich zieht, argumentiert er hier mit der Prozexistenz des Sabbats:
| Während er dort die Schuldfrage auf sich zieht, argumentiert er hier mit der Proexistenz des Sabbats:
| der Sabbat ist für den Menschen da; selbst der hochsakrale Charakter des Tempels in Jerusalem wird menschlichem Bedürfnis untergeordnet;
| Jesus tritt also pointiert für seine Jünger ein.
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| Der Menschensohn ist nicht gekommen, sich dienen zu lassen,
| sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.
br
| Andererseits mit seinem Geschick, wie es der Philipperhymnus besingt; Entäußerung, Erniedriung und Gehorsam bis zum Tod am Kreuz als Proexistenz gedeutet.
| Andererseits mit seinem Geschick, wie es der Philipperhymnus besingt; Entäußerung, Erniedrigung und Gehorsam bis zum Tod am Kreuz als Proexistenz gedeutet.
li.small
| Interessanterweise ist auch das Wort zur Verteidigung der Tischgemeinschaft Jesu mit den Abtrünnigen analog formuliert:
br
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| verbunden mit dem Fasten der Johannes-Jünger und dem künftigen Fasten der Jesus-Jünger;
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| die Abwesenheit Jesu Anspielung auf seinen Tod assoziiert dabei die gewaltsam verfügte Abwesenheit des Täufers;
| auch im Gegenüber dieser beiden Erählungen ist also das mit der jeweiligen Sendung sich verbindende Schicksal angesprochen.
| auch im Gegenüber dieser beiden Erzählungen ist also das mit der jeweiligen Sendung sich verbindende Schicksal angesprochen.
br
span.small
| Dass im unteren Rand der konzentrischen Gliederung in der Chiffre der Proexistenz des Sabbats die Proexistenz des Menschensohnes

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@ -218,7 +218,7 @@ block content
h6.card-subtitle.text-muted
| Das Markus-Evangelium als „Passionserzählung mit langer Einleitung“
br
| Die bestimmende Thematk „Austausch“
| Die bestimmende Thematik „Austausch“
hr
p.card-text
| Überraschend hart ist schon hier der Beschluss der Gegner gefällt, Jesus gewaltsam aus
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| Somit ist der Abschnitt „Galiläa C“ durch den Gedanken des Austausches gerahmt:
| er begegnet im Scharnier davor und er schließt „Galiläa C“ ab.
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| Das bindet dies enthaltenen Erzälungen sehr stark an das vorausgehende Scharnier.
| Das bindet dies enthaltenen Erzählungen sehr stark an das vorausgehende Scharnier.
p.card-text.mb-0
| Im Horizont des Austausches Jesu mit dem Aussätzigen ergeben sich für den „ungeschulten Leser“ Fragen:
ul.card-text

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@ -162,7 +162,7 @@ block content
p.card-text.konzentr-1.mb-0.bibeltextkonzentr
| 2,1 Als er nach einigen Tagen wieder nach Kafarnaum hineinging, wurde bekannt, dass er im Hause war.
br
| 2 Und es versammelten sich so viele Menschen, dass nich einmal mehr vor der Tür Platz war;
| 2 Und es versammelten sich so viele Menschen, dass nicht einmal mehr vor der Tür Platz war;
br
| und er verkündete ihnen das Wort.
p.card-text.konzentr-3.bibeltextkonzentr
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br
| 21 Als seine Angehörigen davon hörten, machten sie sich auf den Weg, um ihn mit Gewalt zurückzuholen;
br
| denn sie sagten: Er ist von Sinnen.
| denn sie sagten: Er ist von Sinnen.
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.card-body
h5.card-title Jesus und seine Familie offenbar ein spannungsreiches Verhältnis
hr
p.card-text
| Hier hat sich wahrscheinlich die Erinnerung erhalten, dass es eine Spannung gab zwischen Jesus und seiner leiblichen Familie
| während Jesu irdischen Wirkens.
br
| Im ganzen Evangelium des Markus wird nie positiv von einem Familienangehörigen Jesu gesprochen,
| auch fehlt besonders auffällig die Familie etwa in der Apostelliste oder überhaupt „irgendwo“ in der Nachfolgeschar;
| kein Bruder Jesu ist dort genannt, auch keine Schwester erwähnt.
br
| Stattdessen ist immer wieder vom Verlassen der Familie und der Heimat die Rede das ist einerseits im Hinblick
| auf den Philipper-Hymnus zu verstehen (siehe auch die Söhne des Zebedäus), kann andererseits aber kaum Thema sein,
| wenn nicht auch der historische Jesus seine Heimat und Familie verlassen hat, um als Wanderprediger durch die Lande zu ziehen.
p.card-text
| Bemerkenswert ist auch, dass Matthäus und Lukas trotz Kindheitserzählungen (die an sich unhistorisch sind)
| das Bild von der Familie Jesu, das sie von Markus weitgehend übernommen haben, nicht korrigieren,
| ja die Radikalität Jesu auch was die Scheidung von der eigenen Familie anbelangt durch die umfangreichere
| Wortüberlieferung noch gesteigert haben.
p.card-text
| Was genau den historischen Jesus dazu gebracht hat, seine Familie zu verlassen, wird nirgendwo thematisiert;
| es erscheint im Rahmen seiner Sendung quasi als göttliche Notwendigkeit ohne weiteres Hinterfragen akzeptiert zu sein.
p.card-text
| Das Urteil „von Sinnen“ der Familie über Jesus ist an sich mehrdeutig und schwierig zu interpretieren.
br
| Dies umso mehr, als in der folgenden Erzählung, die von der Thematik „leibliche/geistliche Familie“ gerahmt wird,
| eine Problematik hinsichtlich der paulinischen Rechtfertigungslehre thematisiert wird (Stichwort: „Diener der Sünde“).
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.card-body
h5.card-title Jesus und seine Familie nach Ostern auf einmal präsent
h6.card-subtitle.text-muted Ein Blick in die früheste Kirchengeschichte
hr
p.card-text
| So selbstverständlich, wie die Familie Jesu während seines irdischen Wirkens keine (positive) Rolle spielt,
br
| so selbstverständlich ist in der Apostelgeschichte nach Ostern die Familie Jesu (zumindest für eine gewisse Zeit) präsent.
p.card-text
| Auch wenn hier vielleicht manches in Anlehnung an die Kindheitserzählungen geschönt ist:
br
| dass der Herrenbruder Jakobus eine führende Rolle in der Urgemeinde in Jerusalem eingenommen hat,
| das belegt auch Paulus in seinem Brief an die Gemeinden in Galatien.
p.card-text
| Es scheint sogar so zu sein, dass Jakobus effektiv Petrus, der ganz selbstverständlich alle Apostellisten anführt,
| vertrieben hat.
br
| Jakobus und Paulus scheinen sich theologisch recht scharf gegenübergestanden zu haben; Petrus dagegen hat wohl versucht,
| eher eine ausgleichende Position einzunehmen, auch dort, wo das eigentlich nicht geht;
br
| jedenfalls hatte Jakobus eine so dominante Rolle eingenommen, dass Petrus dann in Antiochien sein Verhalten
| gegenüber den Heidenchristen ändert, als Leute aus dem Jakobus-Kreis dorthin kommen, was Paulus scharf kritisiert
| (→ Antiochenischer Zwischenfall).
p.card-text
| Jakobus stand für ein eher jüdische Traditionen bewahrendes Christentum („judaisierende Christen“) mit klarer
| Bejahung des jüdischen Gesetzes als Identity-Marker (→ Beschneidung);
br
| er gehört damit zu jenen, für die das Kreuz ein „Ärgernis“ ist die es also im Gegensatz zu Paulus relativieren
| und mit dem jüdischen Gesetz versöhnen , wie sie uns als Gegenüber
| zum auf Paulus durchsichtigen markinischen Jesus bereits begegnet sind (und auch in der nachfolgenden Erzählung begegnen werden).
p.card-text
| Es wird wohl so sein, dass Jakobus tatsächlich etwas näher am irdischen Jesus steht als Paulus,
br
| andererseits hat Paulus nachvollziehbare klare Konsequenzen aus dem Tod Jesu am Kreuz gezogen, der alles
| nochmal verändert hat.
br
| Jakobus &amp; Co haben in den Augen des Paulus da harmonisiert, wo eigentlich nicht zu harmonisieren ist.
p.card-text
| Klar ist jedenfalls, dass die Variante des Christentums um den Herrenbruder Jakobus eine innerjüdische Sekte geblieben ist und
| mit ihm das Christentum insgesamt geblieben wäre; es wäre wohl längst untergegangen,
| wie es heute (leider) effektiv keine Judenchristen mehr gibt.
br
| Dass das Christentum zu einer weltweiten Bewegung werden konnte, ist nicht zuletzt Paulus zu verdanken
| mit seiner gesetzesfreien Heidenmission und seiner damit zusammenhängenden
| biblisch (gerade alttestamentlich) begründeten Rechtfertigungslehre.
p.card-text
| Dabei muss man ergänzen, dass es schon vor Paulus eine Öffnung zu den Heiden gab, vornehmlich wohl in Antiochien,
| verbunden mit einer Relativierung des jüdischen Gesetzes gerade was Speise- und Reinheitsvorschriften sowie die Beschneidung anbelangt,
| wozu man sich offenbar durch Jesu eigenes Verhalten, seine Predigt, seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung, berechtigt sah.
br
| Dieses in dieser Hinsicht „Judentum light“ war für die sogenannten „Gottesfürchtigen“ attraktiv, also jenen Heiden, die mit dem
| Judentum, vor allem dem Glauben an den einen Gott, geliebäugelt haben, den formellen Übertritt aber gescheut haben,
| weil er mit der Übernahme von Speise- und Reinheitsvorschriften des Judentums eine Veränderung der sozialen Bezüge mit sich gebracht hätte,
| was für viele abschreckend war.
br
| Es war aber vor allem Paulus, der dann zu dem Protagonisten dieser „gesetzesfreien Heidenmission“ schlechthin geworden ist
| und der dies auch biblisch-theologisch begründet hat.