Mk/Vorläufer
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| Er wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.
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| Er wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.
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h5.card-header Johannes der Täufer – historisch-kritisch betrachtet
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h5.card-title Zeit der Bedrängnis – Zeit der Erwartung
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p.card-text Johannes der Täufer startete in den 20er Jahren des 1. Jhdt. n. Chr. eine jüdische Umkehrbewegung.
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| Es war eine Zeit großer Erwartungen.
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| Viele Juden fühlten sich politisch und religiös bedrängt – einerseits durch die Römer,
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| die die Herren im Land waren und an die Steuern zu zahlen waren, andererseits durch die damalige
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| griechisch-hellenistische Kultur.
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| Es war daher eine Zeit, in der man sich das göttliche Eingreifen ersehnte –
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| durch Gott selbst oder einen von ihm gesandten Retter (<q>Messias</q>).
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| Vor diesem Hintergrund ist das Wirken Johannes des Täufers – wie auch das Jesu – zu verstehen:
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| Johannes glaubte an das unmittelbar bevorstehende Ende dieser Weltzeit und das Kommen Gottes
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| zu Gericht und Rettung.
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h5.card-title Zeit der Umkehr – Zeit der Taufe
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| Johannes erinnerte mit seiner Predigt die Juden daran,
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| dass auch sie oft nicht dem Willen Gottes gemäß leben.
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| Er rief daher zur Umkehr, zur Erneuerung des ganzen Menschen auf.
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p.card-text
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| Weil aber die Zeit knapp und also keine Zeit für viele gute Taten mehr war,
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| die Umkehr und Reue zeigen und damit Vergebung von Gott erbitten sollten, bot er eine Taufe an,
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| die die Umkehr besiegelte, Sündenvergebung zusprach und zu einem erneuerten Lebenswandel nach den Geboten Gottes verpflichtete.
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h5.card-title ‚Gegenveranstaltung‘ zum Tempel
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| Gleichzeitig war die Taufe, die Johannes angeboten hat, eine ‚Gegenveranstaltung‘ zum Tempel in Jerusalem,
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| denn das war eigentlich der Ort für die Sündenvergebung.
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| Doch der Tempel war offenbar in den Augen des Johannes und seiner Anhänger nicht mehr in der Lage,
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| seinen Zweck zu erfüllen: die Begegnung mit Gott ermöglichen, Gottes Segen vermitteln, das gläubige Volk stetig
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| durch die Begegnung mit Gott erneuern und stärken.
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| Der Character der ‚Gegenveranstaltung‘ wird noch deutlicher, wenn der Evangelist Lukas mit seiner Erwähnung der priesterlichen Herkunft
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| Johannes recht haben sollte: eigentlich wäre es sein Weg gewesen, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten
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| und also selbst Priester am Tempel zu werden.
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| Mit seiner Kritik am Tempel war Johannes damals nicht allein; sie wurde nicht nur nach ihm
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| von Jesus übernommen (Tempelreinigung), sondern findet sich auch schon vor ihm in den Schriften von Qumran.
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| Ähnlich wie für Johannes spielte auch für die Gemeinde hinter diesen Schriften wohl Jes 40,3 eine Rolle (<q>Wüste</q>).
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h5.card-title Johannes <i>der Täufer</i>
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| Der Beiname <q>der Täufer</q> weist darauf hin, dass das, was Johannes tat, etwas Neues war:
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| es gab zwar Reinigungsbäder und -riten, aber dort <q>taufte</q> man sich selbst; dass man von jemand anderem
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| <q><i>ge</i>tauft <i>wird</i></q>, das war neu und zeigt wohl ein ausgeprägtes Sendungsbewusstsein des Täufers (und
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| auch einen gravierenden Unterschied zu den Reinigungsbädern in Qumran).
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h5.card-title Johannes – der <q>wiedergekommene Elija</q>
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| Sicher nicht erst die Christen haben Johannes den Täufer mit Elija in Verbindung gebracht, und wohl auch nicht
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| erst die Jünger des Johannes; vielmehr verstand er sich wohl schon selbst so, worauf auch seine Kleidung
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| gemäß 2 Kön 1,8 schließen lässt (dort ist <q>Mantel aus Ziegenhaaren</q> und <q>lederner Gürtel um die Hüften</q>
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| quasi Erkennungszeichen für Elija; vgl. Mk 1,6).
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h5.card-title Johannes – Opfer der Mächtigen
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| Johannes fand ein gewaltsames Ende; Grund dafür war seine Kritik an den Mächtigen.
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p.card-text.mb-0.konzentr-2.bibeltextkonzentr
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| 1 Anfang des Evangeliums Jesu Christi, Sohn (eines) Gottes.
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| 2 Wie geschrieben steht beim Propheten Jesaja:
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q Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der einen Weg bahnen wird.
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q 3 Stimme eines Rufers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn! Macht gerade seine Straßen!
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p.card-text.mb-0.konzentr-1.bibeltextkonzentr
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| 4 So trat Johannes der Täufer in der Wüste auf und verkündete eine Taufe der Umkehr zu Vergebung der Sünden.
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| 5 Ganz Judäa und alle Einwohner Jerusalems zogen zu ihm hinaus;
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| sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen.
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p.card-text.konzentr-2.bibeltextkonzentr
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| 6 Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften
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| und er lebte von wildem Honig.
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| 7 Er verkündete:
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| Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich;
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| ich bin es nicht wert, mich zu bücken und ihm die Riemen der Sandalen zu lösen.
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| 8 Ich habe euch mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.
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q Anfang
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| In allen Evangelien und auch in der Apostelgeschichte wird vorausgesetzt, dass das Wirken Jesu nicht „aus dem Nichts“ begann,
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| sondern dass „davor“ Johannes der Täufer aufgetreten war.
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| Historisch dürfte es so gewesen sein, dass Jesus sich nicht nur (quasi punktuell) von Johannes dem dem Täufer hat taufen lassen,
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| sondern auch eine Zeit lang sein Schüler war; er hat vom ihm Tempelkritik und Umkehrruf übernommen, aber auch eigene Akzente gesetzt.
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q Bereitet den Weg des Herrn
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h6.card-subtitle.text-muted Johannes als „Stimme eines Rufers in der Wüste“
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li Die Parallelität von V 3 und V 4 macht deutlich:
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li Johannes der Täufer ist die „Stimme eines Rufes in der Wüste“.
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| Seine Verkündigung der Umkehr(taufe) entspricht der Aufforderung „Bereitet den Weg des Herrn“;
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| der ethische Akzent von Jes 40,3 wird unterstrichen.
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li
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| Indem man diesem Ruf zu Taufe und Umkehr folgt, stellt man sich selber in den Dienst des Kommens des Herrn (wird „Wegbereiter des Herrn”), da man dem Aufruf „Bereitet den Weg des Herrn“ folgt.
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//- wird man selber zum Wegbereiter des Herrn
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li
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| Johannes der Täufer ist selber „Wegbereiter des Herrn“
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ol.card-text
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li Indem er die „Stimme eines Rufes in der Wüste“ nach Jes 40,3 ist und also auffordert, sich in den Dienst des Kommens Gottes/Jesu zu den Menschen zu stellen (V 4).
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li Indem er auf den Starken und sein Kommen hinweist (VV 7.8).
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span.small Wer damit gemeint ist, bleibt zunächst offen: Gott? ein Messias?
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q Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg bahnen wird
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| Wie die – zumindest in den Evangelien (hier: Mk 1,6) überlieferte – Kleidung Johannes des Täufers zeigt,
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| verstand dieser sich als wiedergekommener Elija nach Mal 3,1.23.
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| Johannes der Täufer hatte wohl unmittelbar Gottes Kommen und Eingreifen erwartet – doch es kam anders:
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| nicht Gott kam zum großen Gerichtstag, sondern Jesus kam, um Gottes Reich zu verkünden und in Tod und Auferstehung zu erschließen;
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| in gewisser Weise hat die Jesus-Bewegung die Johannes-Bewegung „beerbt“.
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| Johannes der Täufer und Jesus verbindet auch das gemeinsame Schicksal des gewaltsamen Todes durch die Mächtigen.
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| So wurde in der christlichen Tradition Johannes der Täufer zum Vorläufer Jesu –
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| und die Taufe des Johannes hat man als eigenes Initiationssakrament übernommen.
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| Die christliche Taufe lässt sich letztlich nur von der Johannes-Taufe her schlüssig ableiten.
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| Das Verhältnis Jesu zu Johannes war offenbar ein Reiztehema.
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| Wer ist von beiden der Wichtigere, Größere?
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| Gerade, wenn bewusst war, dass Jesus einst Schüler von Johannes war und dieser sich von jenem hat taufen lassen, hatte Johannes einige Argumente für sich.
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| Hier muss man ergänzen, dass nicht in allen Strömungen des frühen Christentums Jesu Tod und Auferstehung jenes Gewicht haben wie in der paulinisch-markinischen Tradititon
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| und in der späteren „offiziellen“ christlichen Lehre;
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| etwa in der sog. Logienquelle – die Mt und Lk neben Mk und Sondergut benutzt haben (→ Zweiquellentheorie) – spielen Jesu Tod und Auferstehung zumindest im soteriologischen Sinne (→ „Erlöst durch Jesu Tod“) keine Rolle.
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| Mit dieser Frage nach dem Verhältnis von Jesus und Johannes dem Täufer befassen sich <i>alle</i> Evangelien auf ihre Weise, was auf die Virulenz dieser Frage damals hinweist.
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| In diesen Kontext sind die VV 7.8 einzuordnen:
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| Der Stärkere, den Johannes verkündet und dem gegenüber er nicht mal würdig ist, den niedrigsten Dienst – das Lösen der Riemen an den Sandalen – auszuüben, ist nach Ausweis des Evangeliums insgesamt eindeutig Jesus;
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| damit wird Johannes im Vergleich zu Jesus zum eindeutig Schwächeren, ja fast Nichtigen.
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| Der Evangelist – bzw. die christliche Tradition – legt Johannes eine Abwertung seiner eigenen Taufe in den Mund:
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| die Wassertaufe wird durch die Geisttaufe getoppt werden.
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q Ganz Judäa und alle Einwohner Jerusalems zogen zu ihm hinaus
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li Das ist unzweifelhaft eine Übertreibung.
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li.small Markus wird das „ganz“/„alle“ im Rahmen der „fortschreitenden Konzentrik“ noch mehrfach hintersinnig aufgreifen; dafür braucht er es.
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| Unbestreitbar aber ist, dass Johannes der Täufer sehr viele Menschen anzog und er einen weiten Wirkradius hatte;
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| der Evangelist Lukas kann in Apg 19,1-7 davon erzählen, dass Paulus in Ephesus auf Johannesjünger getroffen ist!
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