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Peter Fischer 6dec9267b9 Tippfehler korrigiert 2022-09-08 17:22:25 +02:00
Peter Fischer 7dee09d218 Bearbeitung Mk/Zwölf 2022-09-08 16:09:42 +02:00
Peter Fischer 7a3b90343c Bearbeitung Mk/Andrang 2022-09-08 10:18:31 +02:00
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@ -197,3 +197,148 @@ block content
q Du bist der Sohn Gottes! q Du bist der Sohn Gottes!
br br
| 12 Er aber gebot ihnen, dass sie ihn nicht bekannt machen sollten. | 12 Er aber gebot ihnen, dass sie ihn nicht bekannt machen sollten.
.card.slide.border-primary.mb-3
.card-body
h5.card-title Anmerkungen zu dieser eigenwilligen konzentrischen Gliederung
h6.card-subtitle.text-muted Warum nicht mit der ganzen Erzählung von der Heilung des Aussätzigen verbinden?
hr
p.card-text.mb-0
| Es scheint auf den ersten Blick nahezuliegen, die vorliegende Erzählung vom Andrang der Menschen mit
| der ganzen Erzählung von der Heilung des Aussätzigen zu verbinden und nicht nur mit der oberen Hälfte:
ul.card-text
li
| Das Kommen der vielen Menschen aus den vielen Gegenden ließe sich verbinden mit dem Kommen der Leute
| „von überallher“ am Ende der Aussätzigenerzählung.
li
| Die vielen Menschen aus den vielen Gegenden kommen, weil sie gehört haben, was Jesus tut
| dies ließe sich verbinden mit der Verkündigungstätigkeit des ehedem Aussätzigen.
li
| Der (misslungene) Rückzug Jesu mit den Jüngern an den See kann in Beziehung gesetzt werden zum
| (durchbrochenen) Rückzug Jesu in „einsame Gegenden“.
p.card-text.mb-0
| Gleichzeitig muss allerdings gesehen werden, dass diese vollständige Verbindung schlicht nicht machbar ist:
ul.card-text
li
| Die nächste Mitte einer konzentrischen Gliederung wäre dann die Einleitung der Heilung des Gelähmten in Mk 2,1-2;
br
| doch diese <i>muss</i> mit der Episode „Jesus und seine Angehörigen“ in Mk 3,20-21 verbunden werden,
br
| weil die Formulierungen einfach sehr klar analog sind.
li
| Auch der weitere Fortschritt der fortschreitenden Konzentrik stützt dies.
li
| Dann aber ist die Erzählung von der Auswahl der Zwölf „zu viel“!
p.card-text
| Man könnte als Ausweg geneigt sein, die Auswahlerzählung mit dem hinteren Teil der Aussätzigenerzählung zu verknüpfen.
br
| Doch steht dem entgegen, dass die sinnvollere konzentrische Gliederung entsteht, wenn man den Anfang für sich
| nimmt und nicht das Ende , wie oben als Anmerkungen am Text durch die aufgezeigten Gegensätzlichkeiten
| deutlich wird:
br
| Der erste Teil der Aussätzigenerzählung <i>muss</i> quasi Mitte einer konzentrischen Gliederung sein.
p.card-text.mb-0
| Ferner lässt sich die Erzählung von der Auswahl der Zwölf sich mit der ganzen Aussätzigenerzählung recht gut verbinden:
ul.card-text
li
| Jesus beruft seine Apostel, damit er sie aussende „zu verkünden und mit Vollmacht Dämonen auszutreiben“.
br
| Verkündigen ist (am Ende) die Tätigkeit des ehedem Aussätzigen, und die Heilung des Aussätzigen davor kann als
| Dämonenaustreibung verstanden werden.
br
| Kurzum: Die Apostel sollen <i>beide</i> Dimensionen als Tätigkeit übernehmen, von denen in der Aussätzigenerzählung
| erzählt wird, nicht nur die Tätigkeit aus einer der beiden Hälften.
li
| Hinzu kommt, als Stütze:
br
| Die Aussätzigenerzählung bildete das Ende einer konzentrischen Gliederung, als die Berufung der ersten Jünger die Mitte bildete.
p.card-text
| Als weiterer Hinweis auf die Richtigkeit der gewählten konzentrischen Gliederung kann gelten,
| dass die Andrangserzählung mit einem Schweigegebot endet,
br
| und die Aussätzigenerzählung am sinnvollsten da geteilt wird, wo das Schweigegebot ausgesprochen wurde,
| dieses selbst zum ersten Teil rechnend.
p.card-text
| Auffallen muss auch, dass die Andrangserzählung zu Beginn jene Menschen erwähnt, die Jesus aus Galiläa folgen;
br
| man kann die Mitte der konzentrischen Gliederung nach oben erweiternd (Mk 1,39) darin jene sehen,
| die Jesus bei seinem Ziehen durch ganz Galiläa quasi eingesammelt hat.
p.card-text
| Damit gibt es in der Andrangserzählung Bezüge nicht nur zur (ganzen) Aussätzigenerzählung, sondern auch zur Episode davor.
br
| Gleichzeitig macht das Gegenüber von Mk 1,39 und Mk 1,45 deutlich, dass diese beiden Episoden sich
| in der konzentrischen Gliederung gegenüber stehen wollen und nicht selber als (direkter) Teil der Mitte gedacht sind.
br
| Man wird von einer erweiterten Mitte sprechen müssen/dürfen (wie sie ähnlich auch schon zuvor begegnet ist).
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.card-body
h5.card-title
q ... an ihn herandrängten, um ihn zu berühren
h6.card-subtitle.text-muted Berühren als Besonderheit
hr
ul.card-text
li
| Dieser Erzählzug verbindet sich klar mit der heilenden Berührung des Aussätzigen durch Jesus.
br
| Was dort dazu geschrieben wurde, ist hier mitzubedenken.
li
| Deutlich soll also werden: Jesus bleibt das Leid der Menschen nicht fern,
br
| er berührt sie aber auch nicht einfach nur (symbolisch),
br
| vielmehr kommt es zu einem heilenden Austausch:
br
| Jesus lädt die Krankheit der Menschen auf sich und gibt ihnen dafür sein Leben.
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h5.card-title
q ... und aus der Gegend von Tyrus und Sidon
h6.card-subtitle.text-muted Andrang auch aus den heidnischen Gebieten
hr
ul.card-text
li
| Der Kreis der vielen Menschen, die zu Jesus kommen, weitet sich von deren Herkunft her;
br
| es sind „die Vielen“ in einem ganz umfassenden Sinn:
br
| was in der Mitte an <i>einem</i> erzählt wird, daran wollen (sollen) die (umfassenden) Vielen Anteil haben.
li
| Schon in vorherigen Erzählung ist die Heiden-Thematik präsent gewesen (Apostelnamen, doppeltes Dachöffnen; Gesetzesthematik);
br
| hier nun wird mit der Herkunft von Menschen aus Tyrus und Sidon also Städten, die mehrheitlich von Heiden bewohnt werden
| diese Thematik explizit aufgegriffen;
br
| auch die Heiden gehören zu den „Vielen“ dazu, die an der Erlösung in Christus Anteil haben.
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h5.card-title
q Da sagte er zu seinen Jüngern, sie sollten ein Boot für ihn bereithalten, damit er von der Menge nicht erdrückt werde.
h6.card-subtitle.text-muted Vorbereitung der Wahl der Zwölf
hr
ul.card-text
li
| Während die Aussätzigenerzählung den Willen Jesu zur Heilung des Aussätzigen und sein Mitleid unterstreicht,
| ergreift Jesus hier quasi die Flucht angesichts der unheimlichen Massen, die zu ihm kommen.
li
| Deutlich soll wohl werden: einer allein schafft das nicht;
br
| damit ist die Bestellung der Zwölf und ihrer perspektivischen Sendung in der nächsten Erzählung vorbereitet.
li
| Die Angst, im Dienst an den Vielen sein Leben zu lassen, muss aber auch tiefer verstanden werden;
br
| den Jesus wird ja tatsächlich dann am Kreuz sein Leben für die Vielen lassen;
br
| darauf soll hier sicher angespielt werden,
br
| nur ist es dafür jetzt noch nicht der Zeitpunkt.
li
| In diesem Sinne wird es dann den Dienst der in der nächten Erzählung bestellten Zwölf
| (und weiterer) nach Ostern dann auch <i>notwendig</i> brauchen.

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@ -200,7 +200,7 @@ block content
span.bibelstelle Jes 53,11 span.bibelstelle Jes 53,11
hr hr
p.card-text.mb-0 p.card-text.mb-0
| Das Gegenüber von Johannespredgit und Taufe Jesu einerseits sowie Mahl mit den Zöllnern und Sündern samt | Das Gegenüber von Johannespredigt und Taufe Jesu einerseits sowie Mahl mit den Zöllnern und Sündern samt
| Streitgespräch andererseits vergegenwärtigt den zitierten Vers aus dem Vierten Gottesknechtslied des Jesaja: | Streitgespräch andererseits vergegenwärtigt den zitierten Vers aus dem Vierten Gottesknechtslied des Jesaja:
ul.card-text ul.card-text
li li

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@ -175,8 +175,8 @@ block content
| des Schöpfers am 7. Tag) und erinnert an die Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten. | des Schöpfers am 7. Tag) und erinnert an die Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten.
| Daher ist dieser Tag in besonderer Weise Gott geweiht. | Daher ist dieser Tag in besonderer Weise Gott geweiht.
p.card-text p.card-text
| Doch interessant ist, wozu Gott diesen Tag einsetzt. Bei einer Betrachtung des Sabbat- | Doch interessant ist, wozu Gott diesen Tag einsetzt. Bei einer Betrachtung des Sabbatgebotes
| gebotes fällt ja auf, dass an diesem Tag nicht nur jene ruhen sollen, die es sich leisten | fällt ja auf, dass an diesem Tag nicht nur jene ruhen sollen, die es sich leisten
| könnten weil andere für sie arbeiten , sondern dass auch Sklaven, Tiere und sogar | könnten weil andere für sie arbeiten , sondern dass auch Sklaven, Tiere und sogar
| Fremde ruhen sollen. Ein Tag umfassender Ruhe, an dem Gleichheit vor Gott und vor- | Fremde ruhen sollen. Ein Tag umfassender Ruhe, an dem Gleichheit vor Gott und vor-
| einander herrschen soll in der gemeinsamen, Regeneration fördernden Ruhe unabhängig von sozialem Stand | einander herrschen soll in der gemeinsamen, Regeneration fördernden Ruhe unabhängig von sozialem Stand
@ -309,10 +309,10 @@ block content
| Das Mahl mit den Zöllnern und Sündern das auffälligerweise in Mk 2,16-17 nochmal wiederholt erzählt wird (!) | Das Mahl mit den Zöllnern und Sündern das auffälligerweise in Mk 2,16-17 nochmal wiederholt erzählt wird (!)
| ist Vorwegnahme und schon Vollzug dessen, dass Jesus sich „unter die Abtrünnigen rechnen ließ“. | ist Vorwegnahme und schon Vollzug dessen, dass Jesus sich „unter die Abtrünnigen rechnen ließ“.
li li
| Bezüglich des Ährenraufens verteidgt Jesus seine Jünger wieder, wie schon in der Fastenfrage; | Bezüglich des Ährenraufens verteidigt Jesus seine Jünger wieder, wie schon in der Fastenfrage;
| doch er tut es auf andere Weise!: | doch er tut es auf andere Weise!:
br br
| Während er dort die Schuldfrage auf sich zieht, argumentiert er hier mit der Prozexistenz des Sabbats: | Während er dort die Schuldfrage auf sich zieht, argumentiert er hier mit der Proexistenz des Sabbats:
| der Sabbat ist für den Menschen da; selbst der hochsakrale Charakter des Tempels in Jerusalem wird menschlichem Bedürfnis untergeordnet; | der Sabbat ist für den Menschen da; selbst der hochsakrale Charakter des Tempels in Jerusalem wird menschlichem Bedürfnis untergeordnet;
| Jesus tritt also pointiert für seine Jünger ein. | Jesus tritt also pointiert für seine Jünger ein.
br br
@ -336,7 +336,7 @@ block content
| Der Menschensohn ist nicht gekommen, sich dienen zu lassen, | Der Menschensohn ist nicht gekommen, sich dienen zu lassen,
| sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele. | sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.
br br
| Andererseits mit seinem Geschick, wie es der Philipperhymnus besingt; Entäußerung, Erniedriung und Gehorsam bis zum Tod am Kreuz als Proexistenz gedeutet. | Andererseits mit seinem Geschick, wie es der Philipperhymnus besingt; Entäußerung, Erniedrigung und Gehorsam bis zum Tod am Kreuz als Proexistenz gedeutet.
li.small li.small
| Interessanterweise ist auch das Wort zur Verteidigung der Tischgemeinschaft Jesu mit den Abtrünnigen analog formuliert: | Interessanterweise ist auch das Wort zur Verteidigung der Tischgemeinschaft Jesu mit den Abtrünnigen analog formuliert:
br br
@ -389,7 +389,7 @@ block content
| verbunden mit dem Fasten der Johannes-Jünger und dem künftigen Fasten der Jesus-Jünger; | verbunden mit dem Fasten der Johannes-Jünger und dem künftigen Fasten der Jesus-Jünger;
br br
| die Abwesenheit Jesu Anspielung auf seinen Tod assoziiert dabei die gewaltsam verfügte Abwesenheit des Täufers; | die Abwesenheit Jesu Anspielung auf seinen Tod assoziiert dabei die gewaltsam verfügte Abwesenheit des Täufers;
| auch im Gegenüber dieser beiden Erählungen ist also das mit der jeweiligen Sendung sich verbindende Schicksal angesprochen. | auch im Gegenüber dieser beiden Erzählungen ist also das mit der jeweiligen Sendung sich verbindende Schicksal angesprochen.
br br
span.small span.small
| Dass im unteren Rand der konzentrischen Gliederung in der Chiffre der Proexistenz des Sabbats die Proexistenz des Menschensohnes | Dass im unteren Rand der konzentrischen Gliederung in der Chiffre der Proexistenz des Sabbats die Proexistenz des Menschensohnes

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@ -218,7 +218,7 @@ block content
h6.card-subtitle.text-muted h6.card-subtitle.text-muted
| Das Markus-Evangelium als „Passionserzählung mit langer Einleitung“ | Das Markus-Evangelium als „Passionserzählung mit langer Einleitung“
br br
| Die bestimmende Thematk „Austausch“ | Die bestimmende Thematik „Austausch“
hr hr
p.card-text p.card-text
| Überraschend hart ist schon hier der Beschluss der Gegner gefällt, Jesus gewaltsam aus | Überraschend hart ist schon hier der Beschluss der Gegner gefällt, Jesus gewaltsam aus
@ -243,7 +243,7 @@ block content
| Somit ist der Abschnitt „Galiläa C“ durch den Gedanken des Austausches gerahmt: | Somit ist der Abschnitt „Galiläa C“ durch den Gedanken des Austausches gerahmt:
| er begegnet im Scharnier davor und er schließt „Galiläa C“ ab. | er begegnet im Scharnier davor und er schließt „Galiläa C“ ab.
br br
| Das bindet dies enthaltenen Erzälungen sehr stark an das vorausgehende Scharnier. | Das bindet dies enthaltenen Erzählungen sehr stark an das vorausgehende Scharnier.
p.card-text.mb-0 p.card-text.mb-0
| Im Horizont des Austausches Jesu mit dem Aussätzigen ergeben sich für den „ungeschulten Leser“ Fragen: | Im Horizont des Austausches Jesu mit dem Aussätzigen ergeben sich für den „ungeschulten Leser“ Fragen:
ul.card-text ul.card-text

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@ -162,7 +162,7 @@ block content
p.card-text.konzentr-1.mb-0.bibeltextkonzentr p.card-text.konzentr-1.mb-0.bibeltextkonzentr
| 2,1 Als er nach einigen Tagen wieder nach Kafarnaum hineinging, wurde bekannt, dass er im Hause war. | 2,1 Als er nach einigen Tagen wieder nach Kafarnaum hineinging, wurde bekannt, dass er im Hause war.
br br
| 2 Und es versammelten sich so viele Menschen, dass nich einmal mehr vor der Tür Platz war; | 2 Und es versammelten sich so viele Menschen, dass nicht einmal mehr vor der Tür Platz war;
br br
| und er verkündete ihnen das Wort. | und er verkündete ihnen das Wort.
p.card-text.konzentr-3.bibeltextkonzentr p.card-text.konzentr-3.bibeltextkonzentr
@ -171,3 +171,94 @@ block content
| 21 Als seine Angehörigen davon hörten, machten sie sich auf den Weg, um ihn mit Gewalt zurückzuholen; | 21 Als seine Angehörigen davon hörten, machten sie sich auf den Weg, um ihn mit Gewalt zurückzuholen;
br br
| denn sie sagten: Er ist von Sinnen. | denn sie sagten: Er ist von Sinnen.
.card.slide.border-primary.mb-3
.card-body
h5.card-title Jesus und seine Familie offenbar ein spannungsreiches Verhältnis
hr
p.card-text
| Hier hat sich wahrscheinlich die Erinnerung erhalten, dass es eine Spannung gab zwischen Jesus und seiner leiblichen Familie
| während Jesu irdischen Wirkens.
br
| Im ganzen Evangelium des Markus wird nie positiv von einem Familienangehörigen Jesu gesprochen,
| auch fehlt besonders auffällig die Familie etwa in der Apostelliste oder überhaupt „irgendwo“ in der Nachfolgeschar;
| kein Bruder Jesu ist dort genannt, auch keine Schwester erwähnt.
br
| Stattdessen ist immer wieder vom Verlassen der Familie und der Heimat die Rede das ist einerseits im Hinblick
| auf den Philipper-Hymnus zu verstehen (siehe auch die Söhne des Zebedäus), kann andererseits aber kaum Thema sein,
| wenn nicht auch der historische Jesus seine Heimat und Familie verlassen hat, um als Wanderprediger durch die Lande zu ziehen.
p.card-text
| Bemerkenswert ist auch, dass Matthäus und Lukas trotz Kindheitserzählungen (die an sich unhistorisch sind)
| das Bild von der Familie Jesu, das sie von Markus weitgehend übernommen haben, nicht korrigieren,
| ja die Radikalität Jesu auch was die Scheidung von der eigenen Familie anbelangt durch die umfangreichere
| Wortüberlieferung noch gesteigert haben.
p.card-text
| Was genau den historischen Jesus dazu gebracht hat, seine Familie zu verlassen, wird nirgendwo thematisiert;
| es erscheint im Rahmen seiner Sendung quasi als göttliche Notwendigkeit ohne weiteres Hinterfragen akzeptiert zu sein.
p.card-text
| Das Urteil „von Sinnen“ der Familie über Jesus ist an sich mehrdeutig und schwierig zu interpretieren.
br
| Dies umso mehr, als in der folgenden Erzählung, die von der Thematik „leibliche/geistliche Familie“ gerahmt wird,
| eine Problematik hinsichtlich der paulinischen Rechtfertigungslehre thematisiert wird (Stichwort: „Diener der Sünde“).
.card.slide.border-primary.mb-3
.card-body
h5.card-title Jesus und seine Familie nach Ostern auf einmal präsent
h6.card-subtitle.text-muted Ein Blick in die früheste Kirchengeschichte
hr
p.card-text
| So selbstverständlich, wie die Familie Jesu während seines irdischen Wirkens keine (positive) Rolle spielt,
br
| so selbstverständlich ist in der Apostelgeschichte nach Ostern die Familie Jesu (zumindest für eine gewisse Zeit) präsent.
p.card-text
| Auch wenn hier vielleicht manches in Anlehnung an die Kindheitserzählungen geschönt ist:
br
| dass der Herrenbruder Jakobus eine führende Rolle in der Urgemeinde in Jerusalem eingenommen hat,
| das belegt auch Paulus in seinem Brief an die Gemeinden in Galatien.
p.card-text
| Es scheint sogar so zu sein, dass Jakobus effektiv Petrus, der ganz selbstverständlich alle Apostellisten anführt,
| vertrieben hat.
br
| Jakobus und Paulus scheinen sich theologisch recht scharf gegenübergestanden zu haben; Petrus dagegen hat wohl versucht,
| eher eine ausgleichende Position einzunehmen, auch dort, wo das eigentlich nicht geht;
br
| jedenfalls hatte Jakobus eine so dominante Rolle eingenommen, dass Petrus dann in Antiochien sein Verhalten
| gegenüber den Heidenchristen ändert, als Leute aus dem Jakobus-Kreis dorthin kommen, was Paulus scharf kritisiert
| (→ Antiochenischer Zwischenfall).
p.card-text
| Jakobus stand für ein eher jüdische Traditionen bewahrendes Christentum („judaisierende Christen“) mit klarer
| Bejahung des jüdischen Gesetzes als Identity-Marker (→ Beschneidung);
br
| er gehört damit zu jenen, für die das Kreuz ein „Ärgernis“ ist die es also im Gegensatz zu Paulus relativieren
| und mit dem jüdischen Gesetz versöhnen , wie sie uns als Gegenüber
| zum auf Paulus durchsichtigen markinischen Jesus bereits begegnet sind (und auch in der nachfolgenden Erzählung begegnen werden).
p.card-text
| Es wird wohl so sein, dass Jakobus tatsächlich etwas näher am irdischen Jesus steht als Paulus,
br
| andererseits hat Paulus nachvollziehbare klare Konsequenzen aus dem Tod Jesu am Kreuz gezogen, der alles
| nochmal verändert hat.
br
| Jakobus &amp; Co haben in den Augen des Paulus da harmonisiert, wo eigentlich nicht zu harmonisieren ist.
p.card-text
| Klar ist jedenfalls, dass die Variante des Christentums um den Herrenbruder Jakobus eine innerjüdische Sekte geblieben ist und
| mit ihm das Christentum insgesamt geblieben wäre; es wäre wohl längst untergegangen,
| wie es heute (leider) effektiv keine Judenchristen mehr gibt.
br
| Dass das Christentum zu einer weltweiten Bewegung werden konnte, ist nicht zuletzt Paulus zu verdanken
| mit seiner gesetzesfreien Heidenmission und seiner damit zusammenhängenden
| biblisch (gerade alttestamentlich) begründeten Rechtfertigungslehre.
p.card-text
| Dabei muss man ergänzen, dass es schon vor Paulus eine Öffnung zu den Heiden gab, vornehmlich wohl in Antiochien,
| verbunden mit einer Relativierung des jüdischen Gesetzes gerade was Speise- und Reinheitsvorschriften sowie die Beschneidung anbelangt,
| wozu man sich offenbar durch Jesu eigenes Verhalten, seine Predigt, seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung, berechtigt sah.
br
| Dieses in dieser Hinsicht „Judentum light“ war für die sogenannten „Gottesfürchtigen“ attraktiv, also jenen Heiden, die mit dem
| Judentum, vor allem dem Glauben an den einen Gott, geliebäugelt haben, den formellen Übertritt aber gescheut haben,
| weil er mit der Übernahme von Speise- und Reinheitsvorschriften des Judentums eine Veränderung der sozialen Bezüge mit sich gebracht hätte,
| was für viele abschreckend war.
br
| Es war aber vor allem Paulus, der dann zu dem Protagonisten dieser „gesetzesfreien Heidenmission“ schlechthin geworden ist
| und der dies auch biblisch-theologisch begründet hat.

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@ -182,7 +182,110 @@ block content
.card.slide.border-primary.mb-3 .card.slide.border-primary.mb-3
.card-body .card-body
h5.card-title Apostelisten h5.card-title Die Zwölf Anteil an Jesu eigener Sendung
hr
p.card-text
| Jesus beruft die Zwölf als Teilhaber an seiner eigenen Verkündigung und seiner eigenen
| Vollmacht über die Dämonen, um sie später auszusenden.
br
| Ihre Aufgabe ist es, mit Jesus mitzuwirken bzw. nach Ostern sein Werk fortzusetzen.
p.card-text
| Die Heilung des Aussätzigen in der Mitte der konzentrischen Gliederung zeigt Jesus (Heilung) bzw. den Aussätzigen (Verkündigung)
| als Vorbild.
p.card-text
| Die Heilung ist dabei als Dämonenaustreibung zu interpretieren machbar aufgrund der Bezüge in vorausgehenden Erzählungen und Verbindungen ;
| gemeint ist mit den Dämonenaustreibungen also das „Reinmachen“ der Menschen in der Taufe, bei der sie den „Austausch“ Jesu mit den „Aussätzigen“ am Kreuz applizieren
| und zur Anwendung kommen lassen.
p.card-text
| Die Verkündigungstätigkeit des Aussätzigen geschieht nach seinem „Austausch“ mit Jesus
| übertragen also nach dessen in der Erzählung angespielten Tod am Kreuz ;
br
| genauso werden die von Jesus Gesendeten dann vor allem nach Ostern ihre Aufgabe haben, während vorher alles auf Jesus fokusiert bleibt.
br
| Aber auch nach Ostern ist und bleibt Jesus die zentrale Figur, von der alles ausgeht und bei dem alles zusammenläuft,
| worauf die Menschen, die am Ende der Aussätzigenerzählung „von überallher“ <i>zu Jesus</i> kommen, hinweisen.
.card.slide.border-primary.mb-3
.card-body
h5.card-title Die Zwölf „Stammväter“ des erneuerten Gottesvolkes
hr
p.card-text
| Da zum Zwölferkreis auch der spätere Verräter Judas zählt und dieser Kreis sehr bald nach Ostern
| keine Rolle mehr spielt (man hat zwar noch Matthias für Judas nachgewählt, doch die Spur der Apostel verliert sich dann in der Apostelgeschichte),
| wird man davon ausgehen können, dass Idee und Bestellung des Zwölferkreises auf Jesus selbst zurückgeht.
p.card-text
| In der Zwölfzahl wird deutlich, dass Jesus das Zwölfstämmevolk Israel durch sein Wirken erneuern wollte;
| seine Zwölf sollten die neuen Stammväter des erneuerten Gottesvolkes sein.
p.card-text
| Deutlich wird damit aber auch, dass der historische Jesus sehr wahrscheinlich eine rein innerisraelitische Perspektive
| bzw. ein innerjüdisches Sendungsbewusstsein hatte die Heiden kamen dann erst nach Ostern und erst „durch den Lauf der frühen Gemeinden-Geschichten“
| dazu, wiewohl Verhaltensweisen Jesu hier Andockmöglichkeiten boten, besonders dann aber der Tod Jesu am Kreuz in paulinisch(-markinischer) Interpretation.
.card.slide.border-primary.mb-3
.card-body
h5.card-title Die Zwölf eine bunte Mischung
hr
p.card-text
| Die wenigsten Apostel spielen im Evangelium eine Rolle;
br
| als Markus sein Evangelium schreibt, ist der Kreis als solcher und sind die meisten seiner Glieder längst nur noch Erinnerung.
p.card-text
| Petrus und Andreas sowie Jakubus und Johannes sind uns als Fischer mittlerweile bekannt;
br
| auch die restlichen Apostel dürften eher aus dem „normalen“ bis „einfachen“ Volk stammen zu bedenken ist allerdings das
| zur Herkunft von Jakobus und Johannes Gesagte (→ Philipperhymnus).
p.card-text
| Auffällig ist, dass etwa auch eine „Simon Kanaanäus“ (=„Simon, der Zelot“) zum Apostelkreis,
| also zum engsten Kreis um Jesus zählte.
br
| Er gehörte damit offensichtlich der Gruppe der Zeloten an, einer militanten Gruppe,
| die durchaus mit Gewalt einen Umsturz in Israel wollte.
br
| Inwieweit er seine Ansichten durch sein Jüngersein angepasst hat oder seine Hoffnungen als Angehöriger der militanten Zeloten auf
| den (in der Überlieferung eher friedliebenden) Jesus gesetzt hat (und dann vielleicht von ihm enttäsucht wurde),
| wissen wir nicht und gehört in den Bereich der Spekulation. Bemerkenswert ist seine Zugehörigkeit zu den Aposteln aber allemal.
p.card-text
| Ob der Beiname „Iskario“ des Judas als Herkunftsbezeichnung zu interpretieren ist (→ „Isch Qerijot“ = Mann aus Kariot)
| oder doch Judas als „Sikarier“ (= „Dolchträger“ im Sinne von „Meuchelmörder“) ausweist, einer Untergruppe
| der Zeloten, kann auch ncht abschließend geklärt werden, beides erscheint möglich.
br
| Im Hinblich auf „Simon Kanaanäus“ ist aber gerade die letztere Interpretation nicht die unwahrscheinlichste,
| weil sie auch eine gewisse Erklärung geben könnte, warum ausgerechnet Judas zum Verräter wurde.
p.card-text
| Festzuhalten bleibt, dass Jesus offenbar ganz unterschiedliche Personen mit unterschiedlichen Hoffnungen anziehen konnte;
br
| sicher hat er gerade als Messias <i>durch seinen Tod am Kreuz</i> nicht alle Hoffnungen erfüllen können,
| wie das Kreuz unter einigen Jesus-Jüngern ja auch nachösterlich zum „Ärgernis“ geworden ist (→ Mk 1,34-49).
.card.slide.border-primary.mb-3
.card-body
h5.card-title
q ... und Judas Iskariot, der ihn dann ausgeliefert hat.
h6.card-subtitle.text-muted
| Judas und der ehedem Aussätzige ähnlich und doch ganz anders
hr
p.card-text
| In der Mitte der konzentrischen Gliederung ist es der Aussätzige, der trotz Verbot verkündet allerdings
| mit dem positiven Aspekt, dass Jesus, wiewohl mittlerweile durch die Berührung des „Aussätzigen“ selbst „Aussätziger“,
| von Leuten „von überallher“ aufgesucht wird.
br
| Man bedenke: als der ehedem Aussätzige seine Verkündigung beginnt, hat der „Austausch“ schon stattgefunden, ist Jesus „schon tot“.
p.card-text
| Judas dagegen wird wiewohl autorisierter Apostel zum Verräter, der zu Jesu Tod aktiv beiträgt.
p.card-text
| Der eine wird zum Verkünder der Frohen Botschaft von Jesu Tod zum Heil der Menschen („Austausch“),
br
| der andere hat das (die Menschen erlösende) Unheil, das über Jesus hereinbricht, mit verursacht
| und dabei eine ganz eigenwillige Rolle gespielt (vgl. Mk 14,17-22);
br
| in diesem Sinne ist auch das „ausgeliefert“ zu verstehen, zwar terminus technicus für die Passion Jesu letztlich die erlösende Preisgabe des Sohnes durch Gott ,
| diesmal aber gerade nicht passivum divinum.
| (Lukas verändert vielleicht an dieser Stelle bewusst zum „Verräter“, s. u.)
.card.slide.border-primary.mb-3
.card-body
h5.card-title Apostellisten im Neuen Testament
hr hr
p.card-text p.card-text
| Im Neuen Testament gibt es 4 Apostellisten bei den Synoptikern (und eine ganz aus der Reihe fallende im Johannes-Evangelium). | Im Neuen Testament gibt es 4 Apostellisten bei den Synoptikern (und eine ganz aus der Reihe fallende im Johannes-Evangelium).
@ -324,7 +427,7 @@ block content
| Zu beachten ist, dass bei ihm der Zöllner Levi in Matthäus umbenannt wird. | Zu beachten ist, dass bei ihm der Zöllner Levi in Matthäus umbenannt wird.
p.card-text.mb-0 p.card-text.mb-0
b Unterschiede in den Zwölferlisten bei Namen und Beinamen b Unterschiede in der Reihenfolge
ul.card-text ul.card-text
li Petrus steht immer auf dem ersten Platz und Judas Iskariot immer auf dem letzten Platz. li Petrus steht immer auf dem ersten Platz und Judas Iskariot immer auf dem letzten Platz.
li li
@ -332,7 +435,7 @@ block content
br br
| So stehen hier zwei Brüderpaare nebeneinander: Simon Petrus und sein Bruder Andreas, Jakobus neben seinem Bruder Johannes. | So stehen hier zwei Brüderpaare nebeneinander: Simon Petrus und sein Bruder Andreas, Jakobus neben seinem Bruder Johannes.
li li
| In der Apostelgeschichte wird diese „familiäre“ Anordnung wieder aufgelöst und erscheinen | In der Apostelgeschichte wird diese „familiäre“ Anordnung wieder aufgelöst und die Brüder erscheinen
| als „gemischtes Doppel“, wie auch die anderen Namen in neuen Paarungen erscheinen. | als „gemischtes Doppel“, wie auch die anderen Namen in neuen Paarungen erscheinen.
li li
| Im Matthäusevangelium werden weiters die Positionen von Matthäus und Thomas vertauscht. | Im Matthäusevangelium werden weiters die Positionen von Matthäus und Thomas vertauscht.