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q Weihnachten
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h5.card-title Augustus und das <q>Goldene Zeitalter</q>
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h6.card-subtitle.text-muted.mb-2 <q>Friedensbringer</q>, <q>Retter</q>, <q>göttliches Kind</q>
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h6.card-title <q>Friedensbringer</q>
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p
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i 44. v. Chr. Ermordung Caesars
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br
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| Folge: römische Bürgerkriege: politische Instabilität, existentielle Bedrohung
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| Sehnsucht nach Frieden und Stabilität und <q>den guten alten Zeiten</q> (der Republik).
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i Seit 31 bzw. 27. v Chr.: Prinzipat des Octavian Augustus
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br
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| Folge: <q>Zeitenwende</q> zum Besseren, sowohl in politischer, gesellschaftlicher als auch wirtschaftlicher Hinsicht:
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br
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| Frieden, Wohlstand, innere und äußere Sicherheit, Stabilität.
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p.mb-0
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i Rückgriff der Augustus-Propaganda auf die Vorstellung vom <q>Goldenen Zeitalter</q>
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br
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| Darunter versteht man eine heilvolle, praktisch paradiesische Zeit; diese längst <q>untergegangene</q> Zeit sei mit Augustus wiedergekehrt.
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br
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| Angesichts der realen positiven Umstände im Reich, die nun mit Augustus eingekehrt waren, dürfte diese Vorstellung viel Zuspruch gefunden haben.
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h6.card-title <q>Retter</q>
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p.mb-0
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| In der positiven Wendung mit Augustus erkannte man das heilvolle Wirken der römischen Götter;
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| das rechtfertigte einerseits die (Welt-)Herrschaft des Augustus, andererseits band es den Segen der Götter an diese Herrschaft.
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br
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| So kam es, dass Augustus <q>Retter</q> genannt wurde; hinter ihm und seiner Herrschaft steht der heilvolle Wille der Götter!
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h6.card-title <q>göttliches Kind</q>
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p.mb-0
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| Dass Augustus zu seiner besonderen Bedeutung <q>von Anfang an</q> ausersehen war, das versuchte man auch durch <q>Kindheitsgeschichten</q> herauszustellen:
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ul
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li Der Augustus-Biograph Sueton verbindet mit der Geburt des Augustus besondere Vorzeichen, Orakel und Träume.
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li
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| Vergil dichtet 40 v. Chr. seine Vierte Ekloge: Er spricht vom Beginn eines neuen Zeitalters und verbindet dies mit der Geburt eines Jungen.
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br
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| Das Kind ist <q>Juppiters Spross</q> und daher ein <q>göttliches Kindlein</q>: es besitzt göttliche Kraft und soll der Welt den Frieden bringen;
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| es brechen paradiesische Zeiten an – selbst die Natur ist überreicht gesegnet.
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br
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| Zumindest in späterer Zeit ist dieses Kind mit Augustus indentifiziert worden.
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p.mb-0 Auch anderweitig wurde die Wende zum Guten mit der Geburt des Augustus verknüpft:
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ul.mb-0
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li
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| Im Jahr 9 v. Chr. wurde in der Provinz Asia eine Kalenderreform durchgeführt. Dabei wurde der Jahresbeginn auf den Geburtstag des
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| Augustus (23. September) gelegt: der an Augustus geknüpfte Beginn der neuen Zeit wurde auf diese Weise jährlich mit dem Jahreswechsel erinnert.
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li
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| Der Zeiger einer riesigen Sonnenuhr in Rom wirft seinen Schatten genau am Geburtstag des Augustus, der auf den Tag
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| der Tag-/Nacht-Gleiche im Herbst fällt, durch die Mitte des <q>Altars der augusteischen Friedenskönigin</q> (9 v. Chr. errichtet):
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| In der Geburt des Augustus ist nach göttlicher Weltordnung der Beginn einer neuen Friedenszeit gegeben.
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p
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| Zu diesem ganzen Gedankengut rund um das <q>Goldene Zeitalter</q>, das man mit der Herrschaft/Geburt des Augustus angebrochen sah,
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| entstand eine ausgefeilte <q>Propaganda-Maschinerie</q>, die alle Menschen im römischen Reich damit vertraut machen wollte:
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| Dichtung und Literatur, Inschriften, entsprechend inszenierte Groß-Feiern, Abbildungen auf Münzen mit entsprechender Symbolik (Füllhorn).
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p.mb-3
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| In diesem Kontext nicht unerwähnt bleiben darf, dass man Nachrichten aus dem Kaiserhaus – Geburt, militärische Siege, Regierungsantritt etc. –
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| als <q>Evangelien</q> (Mehrzahl) bezeichnete. Lukas nennt die Geburt Jesu <q>Evangelium</q>.
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.alert.alert-danger.slide.mb-0
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h4.alert-heading Augustus vs. Jesus
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hr
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p.mb-0
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| Dem göttlichen Weltenherrscher und <q>Retter</q> Augustus mit seinem <q>Goldenen Zeitalter</q> stellt Lukas den
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| in der Davidsstadt geborenen Jesus als
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| messianischen <q>Retter</q> gegenüber, mit dem das Reich Gottes seinen Anfang nahm.
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h5.card-title Quirinius, der Zensus und der Futtertrog (die <q>Krippe</q>)
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p.small.mb-0
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| <b>Problem 1:</b> Lukas und auch Matthäus setzen voraus, dass Jesus zur Zeit von König Herodes (dem Großen) geboren wurde;
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| der starb 4 v. Chr. Quirinius trat sein Amt aber erst 6 n. Chr. an und führte da tatsächlich einen Zensus durch.
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| Hat sich Lukas getäuscht? Gibt es andere Erklärungen
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| für diese Unstimmigkeit?
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br
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| Oder hat Lukas bewusst konstruiert?
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p.small.mb-0
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| <b>Problem 2:</b> Wie der Futtertrog zu deuten ist, das ist nicht wirklich klar!
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ul.small
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li Ist es einfach ein Kuriosum? – wie Mose im Binsenkörbchen.
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li
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| Soll er Armut oder Armseligkeit symbolisieren? – aber es heißt nicht <q>..., weil sie sich keine Herberge leisten konnten.</q>,
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| sondern <q>..., weil in der Herberge kein Platz für sie war.</q>
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p
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| Gehören vielleicht Zensus und Futtertrog als Gegensätze zusammen?
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br
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| Der <i>Zensus</i> steht für den Anspruch der Weltmacht Rom, die von ihren Provinzen Tribut fordert.
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| Der Kaiser erhebt einen finanziell-materiellen Anspruch gegenüber seinen Untertanen; sie haben ihm etwas zu geben.
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| Der Kaiser lässt sein Volk zählen, damit er weiß, was er <q>hat</q> und was er an Steuern erwarten kann.
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br
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| Was man in einen <i>Futtertrog</i> legt, ist dagegen Gabe, Gabe zum Leben, Nahrung!
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h4.alert-heading Zensus vs. Futtertrog
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hr
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p
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| Der Kaiser fordert von seinen Untertan finanziell-materielle Abgaben.
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br
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| Das Kind in der Krippe ist (tatsächlich-reale) Gabe Gottes an sein Volk, Geschenk der unverdienten Gnade (= <q>seines Wohlgefallens</q>).
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p.mb-0
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| Diese Gegenüberstellung und konkret der Futtertrog zeigen an, dass Jesus <i>anders</i> <q>Herrscher</q> ist
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| als die Mächtigen es sonst so sind; er gibt statt zu nehmen, ja er ist selbst Gabe Gottes.
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.slide
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p.small.mb-0 Dazu noch ein paar kleine Anmerkungen:
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ul.mb-0.small
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li
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| Lukas <q>verteufelt</q> weder Steuern noch die Staatsmacht Rom; seine weiteren Ausführungen im Evangelium und in der Apostelgeschichte
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| zeigen Jesus und die Jünger als treue Staatsbürger (schon aus Eigeninteresse).
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| Auch folgen Josef und Maria kommentarlos dem Erlass. Wenn man bedenkt, dass
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| z. B. die jüdische Gruppe der Zeloten es strikt abgelehnt hat,
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| an den Kaiser in Rom steuern zu zahlen, ist dies ein sehr bemerkenswerter Erzählzug.
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br
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| Worum es hier also geht, ist der Gegensatz <q>Abgaben fordern</q> – <q>Gabe geben</q>.
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li
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| Eigenwillig ist auch, dass für Lukas der Zensus Anlass ist, vom Wohnort in den Geburtsort zu ziehen; normalerweise
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| trägt man sich bei einem solchen Zensus am <i>Wohnort</i> ein.
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li
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| Die <q>Gabe</q> Jesus darf nicht gleich auf die Eucharistie enggeführt werden. Jesus als Person mit seiner Heilsbedeutung steht im Mittelpunkt,
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| sein ganzes Wirken, Reden und Tun, Leiden, Sterben und Auferstehn.
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li
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| Während wir den Futtertrog uns meist aus Holz vorstellen, dürfte das bei den ersten Lesern des Lukas anders gewesen sein:
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| speziell in Palästina war Holz zu teuer; eher Stein und Lehm kommen hier infrage.
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h5.card-title Der <q>Erstgeborene</q>
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p
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| Diese Wendung ist ein Vorausverweis auf die Episode der <q>Darstellung im Tempel</q> (Lk 2,22-40).
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br
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| Jede männliche Erstgeburt – ob Mensch oder Tier – gehört nach jüdischer Tradition Gott (Ex 13,2.12-13).
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| Erstgeborene Tiere wurden geopfert, erstgeborene Menschen ausgelöst.
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p.mb-0
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| In Lk 2,22-40 fällt auf, dass Jesus gar nicht ausgelöst wird; er gehört während seines ganzen irdischen Lebens Gott,
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| in dessen Sendung und Auftrag er wirkt und dann am Kreuz stirbt.
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h5.card-title Windeln und Leinentuch – Futtertrog und Felsengrab: Retter, Messias und Herr
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//- .card.slide.mb-1
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//- .card-body
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//- h5.card-title Die Weisheit der Windeln
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//- .card-text
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//- blockquote.blockquote(style="font-size: 100%;").ml-5
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//- p.mb-0
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//- q
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//- | Auch ich bin ein sterblicher Mensch wie alle anderen, Nachkomme des ersten, aus Erde gebildeten Menschen. ...
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//- br
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//- | Geboren atmete auch ich die gemeinsame Luft, ich fiel auf die Erde, die Gleiches von allen erduldet,
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//- | und Weinen war mein erster Laut wie bei allen.
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//- br
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//- | <i>In Windeln und mit Sorgen wurde ich aufgezogen, kein König trat anders ins Dasein.</i>
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//- footer.blockquote-footer
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//- cite Weish 7,1-5
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//- p
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||
//- | Das Buch der Weisheit schreibt sich selbst König Salomo zu, dessen Weisheit sprichwörtlich geworden ist.
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//- | Entstanden ist dieses Buch aber als jüngstes des Alten Testamentes vielleicht erst im ersten Jahrhundert nach der Zeitenwende.
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//- p
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//- | Schon Johannes der Täufer wurde von Lukas als Weisheitslehrer gezeichnet – mit Jesus wird er es dann in Aufnahme von Traditionen aus Q genauso machen.
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//- p
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//- | Über das Stichwort Windeln hat Lukas vielleicht eine bewusste Beziehung zwischen Jesus und König Salomo und dessen Weisheit herstellen wollen;
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//- | jedenfalls wird die Weisheit Jesu (bzw. sein <q>Verständnis</q>) in der Erzählung vom zwölfjährigen Jesus im Tempel (Lk 2,41-52)
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//- | eigens hervorgehoben.
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//- p.mb-0
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||
//- | Gleichzeitig wird – wenn mit dem Stichwort <q>Windeln</q> Weish 7,1-5 vergegenwärtigt wird – die Kritik an der Überheblichkeit von so manchem
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//- | menschlichen <q>Königtum</q> deutlich:
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//- | Selbst ein König ist <q>nur</q> ein Mensch, wie Salomo in seiner Weisheit pointiert sagt und
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//- | damit beispielhaft für jeden König ist.
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//- br
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//- | Was ein Mensch darüber hinaus ist und bedeutet, das hängt an der Sendung und Berufung durch Gott;
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//- | und damit ist der Gott Israels gemeint und nicht einer der heidnischen Götter, auf die sich die Kaiser stützen.
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.card-text
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p
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| Wie Jesus nach seiner Geburt in Windeln gewickelt und in einen (aus Stein oder Lehm bestehende) Futtertrog gelegt wird,
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br
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| so wird Jesus nach seinem Tod am Kreuz in ein Leinentuch gehüllt und in ein Felsengrab gelegt (Lk 23,53).
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p
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| Nach der Geburt verkünden Engel den Hirten die Frohbotschaft; sie sprechen von <q>großer Freude</q> (Lk 2,10) und
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| vom <q>Frieden auf Erden</q> (Lk 2,14).
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br
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| Am Ostermorgen verkünden <q>zwei Männer in leuchtenden Gewändern</q> – also doch wohl Engel – die Auferstehungsbotschaft.
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| Später erscheint der Auferstandene selbst seinen Jüngern mit dem Gruß: <q>Friede sei mit euch!</q> (Lk 24,36)
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| und es ist von der Freude die Rede (Lk 24,41), ja von <q>großer Freude</q> (Lk 24,52).
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br
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span.small Die Apostelgeschichte wir dann erzählen, dass und wie diese Freude <q>dem ganzen Volk zuteilwerden soll</q> (Lk 2,10).
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p
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| Formal hat Lukas damit eine Inclusio geschaffen: eine Rahmung um das irdische Leben Jesu; doch noch wichtiger sind
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| die Inhalte, die beide Erzählungen verbindet, wobei die Grablegung nicht nur als solche von Belang ist, sondern der weitere Kontext
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| von Tod und Auferstehung Jesu, ist doch das Grab quasi der Berührungspunkt von Tod am Kreuz (ins Grab wird der Tote gebracht)
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| und Auferstehung (dort wird der Tote <q>vermisst</q>; dort wird die Auferstehungsbotschaft verkündet).
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.card.slide.mb-1
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h6.card-title Jesus – echter Mensch
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p.card-text
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| Die Windeln unterstreichen, dass Jesus ein echter, als Kleinkind in die Windeln machender Menschen ist.
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br
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| Die Leinentücher und die Grablegung unterstreichen seinen echten Tod am Kreuz.
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.card.slide.mb-1
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.card-body
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h6.card-title
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q Weil im Wohnraum kein Platz für sie war
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.card-text
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p.small
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| Was gerne mit <q>Herberge</q> übersetzt wird, meint eigentlich einen Wohnraum, vielleicht einen
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| extra Gästeraum. Herbergen gab es damals in Israel nicht, statt dessen die Verpflichtung zur Aufnahme von
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| Durchreisenden (<q>heilige Pflicht der Gastfreundschaft</q>).
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p
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| Ist der Bezug vom Futtertrog zum Grab klar, ist auch deutlich, dass der nicht vorhandene Platz in einem Wohnraum
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| übertragen zu deuten ist:
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br
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| Jesus hat mit seinem Wirken keinen Platz in seinem Volk gefunden; er wurde verurteilt und gekreuzigt.
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p.small.mb-0
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| Der Evangelist Johannes wird einen analogen Gedanken in seinem Prolog schreiben: <q>Er kam in sein Eigentum,
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| aber die seinen nahmen ihn nicht auf.</q> (Joh 1,11)
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.card.slide.mb-1
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.card-body
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h6.card-title Tod und Auferstehung lösen ein, was bei der Geburt verheißen wurde
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.card-text
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||
p
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| Im Evangelium selbst – zwischen dem In-Windeln-Wickeln und dem In-Leinentücher-Hüllen – erleben
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| Menschen durch Jesus schon anfanghaft Freude und Friede.
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p
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| In seinem Tod wird Jesus dann tatsächlich Gabe Gottes zum Heil der Welt (
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+symbol("arrow-right")
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| Futtertrog, <q>Retter</q>), seine Auferstehung bringt Friede und Freude in einem diese Welt übersteigenden Horizont,
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||
| der dem Horizont der Engel bei der Geburt entspricht.
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p.mb-0
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||
| Jesus ist damit anders Messias, als das erwartet wurde;
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||
br
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||
| und er ist anders <q>Retter</q> und <q>Herr</q> wie der Kaiser und sonstige Fürsten:
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||
br
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| seine Rettung zielt nicht auf die Befreiung von <q>äußeren Feinden</q> (wie die Römer) ab,
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||
| sondern auf eine Erneuerung des zwischenmenschlichen Lebens: auf Solidarität und Barmherzigkeit
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||
| (wie der weitere Verlauf des Evangeliums noch verdeutlichen wird).
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.card.slide
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.card-body
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h6.card-title Geheimnis des Glaubens
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.card-text
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||
p Ein Tod am Kreuz; ein Kind in Windeln in einem Futtertrog.
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p Da jeweils ein Heilsgeschehen zu sehen, dazu braucht es einen äußeren Hinweis.
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p
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| Bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass die Herrlichkeit des Herrn nicht vom Futtertrog her mit dem Kind in Windeln
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| darin aufleuchtet, sondern erst mit dem Auftreten des Engels erscheint.
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| Und erst von dessen Botschaft her fällt ein Licht auf die Bedeutung des Kindes in Windeln im Futtertrog.
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p
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| Weder kann man sagen <q>Glanz strahlt von der Krippe auf</q> (GL 227), noch leuchtet das Grab an sich;
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| vielmehr sind es die Engel bzw. die Begegnung mit dem Auferstandenen, die Licht in die Sache bringen.
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||
p.mb-0
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||
| Erst das deutende Wort ermöglicht, hinter diesen unscheinbaren, eigenwilligen bis abstoßenden Ereignissen
|
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| ein Heilsereignis zu erkennen –
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| und angesichts des Inhaltes braucht es einiges an Glauben, dass man nicht an einen <q>schlechten Witz</q> denkt.
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.card.slide.mb-3
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.card-body
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||
h5.card-title Hirten, Betlehem, David und der Messias
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.card-text
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p.small
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| Teils werden die Hirten als besonders einfache Menschen betrachtet, ja sogar eher ärmliche –
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| und dann sieht man in der Erstverkündigung an die Hirten die Zuwendung Jesu zu den Menschen am Rande der Gesellschaft vorab dargestellt.
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br
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||
| Doch diese Sichtweise ist problematisch.
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.card.slide.mb-1
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||
.card-body
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||
h6.card-title Hirte – Bild für Gott, Idealbild jeder Herrschaft
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.card-text
|
||
p
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||
| Der Hirte ist im Alten Testament ein Bild für Gott selbst bzw. seine Sorge für sein Volk (
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+symbol("arrow-right")
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||
| Ps 23).
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||
br
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||
| Auch der König bzw. die Führer des Volkes können als Hirten bezeichnet werden; teils auch mit kritischem
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| Unterton, wenn sie ihrer Hirtensorge nicht nachkommen.
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p.mb-0
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||
| Nicht zu vergessen ist, dass der große König David Hirte war, bevor er zum König gesalbt wurde.
|
||
| Er stammte der Überlieferung nach aus Betlehem und wurde quasi vom Hirtenfeld weg zum König gesalbt.
|
||
.card.slide.mb-1
|
||
.card-body
|
||
h6.card-title Erwartung eines (idealen, messianischen) Hirten (wie) David
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||
.card-text
|
||
p.mb-0
|
||
| Der Prophet Ezechiel erwartet Gottes Eingreifen als Hirte und einen an den <q>idealen</q> König David anknüpfenden Hirten
|
||
| als Werkzeug Gottes. Hintergrund ist, dass die <q>Hirten</q> des Gottesvolkes zur Zeit des Ezechiel ihrer Hirtensorge nicht
|
||
| bzw. nicht im Sinne Gottes nachkommen:
|
||
blockquote.blockquote(style="font-size: 100%;").ml-5
|
||
p.mb-0 So spricht GOTT, der Herr:
|
||
p.mb-0
|
||
q
|
||
| Siehe, ich selbst bin es, ich sorge für Recht zwischen fettem Schaf und magerem Schaf.
|
||
| Weil ihr all diese Schwachen mit Seite und Schulter zur Seite drängt und mit euren Hörnern wegstoßt,
|
||
| bis ihr sie nach draußen zerstreut habt, werde ich meinen Schafen zu Hilfe kommen.
|
||
| Sie sollen nicht länger zum Raub werden und ich werde für Recht sorgen zwischen Schaf und Schaf.
|
||
br
|
||
| Ich werde über sie einen einzigen Hirten einsetzen, der sie weiden wird, meinen Knecht David.
|
||
| Er ist es, der sie weiden wird. Er ist es, der für sie Hirt sein wird.
|
||
| Ich selbst, der HERR, werde für sie Gott sein und mein Knecht David wird Fürst sein in ihrer Mitte.
|
||
| Ich, der HERR, ich habe gesprochen. Ich werde mit ihnen einen Friedensbund schließen ...
|
||
footer.blockquote-footer
|
||
cite Ez 34,20-25
|
||
p
|
||
| Es schließt sich eine Beschreibung der messianischen Zeit an.
|
||
p.mb-0
|
||
| Der Prophet Micha erwartet die Geburt eines Messias in Betlehem und nennt ihn dabei Hirten:
|
||
blockquote.blockquote(style="font-size: 100%;").ml-5
|
||
p.mb-0
|
||
q
|
||
| Aber du, <i>Betlehem</i>-Efrata, bist zwar klein unter den Sippen Judas, aber aus dir wird mit einer hervorgehen,
|
||
| der über Israel herrschen soll.
|
||
br
|
||
| Seine Ursprünge liegen in ferner Vorzeit, in längst vergangenen Tagen. ...
|
||
br
|
||
| Er wird auftreten und ihr <i>Hirt</i> sein in der Kraft des HERRN, in der Hoheit des Namens des HERRN, seines Gottes.
|
||
br
|
||
| Sie werden in Sicherheit wohnen; denn nun wird er groß sein bis an die Grenzen der Erde. Und er wird der Friede sein.
|
||
footer.blockquote-footer
|
||
cite Mi 5,1.3-4a
|
||
p.mb-0
|
||
| Auch wenn David hier nicht ausdrücklich genannt wird, steht die Figur des David, des Königs, der aus Betlehem stammt und dort Hirte war,
|
||
| im Hintergrund.
|
||
.card.slide.mb-1
|
||
.card-body
|
||
h6.card-title
|
||
q Zu Betlehem geboren ...
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.card-text
|
||
p.mb-0
|
||
| Vor dem beschriebenen Hintergrund,
|
||
| der sich noch weiter bebildern ließe, wird verständlich, warum betont wird, dass Josef aus dem <q>Haus und Geschlecht Davids</q> (Lk 2,4) stammt.
|
||
br
|
||
| Und warum Jesus in Betlehem geboren sein <i>muss</i>, auch wenn er wahrscheinlich in Nazaret das Licht der Welt erblickte.
|
||
.card.slide.mb-1
|
||
.card-body
|
||
h6.card-title Jesus, der <q>Gute Hirte</q> – Erfüllung der Verheißung
|
||
.card-text
|
||
p
|
||
| Mit der Einspielung der positiv geschilderten Hirten – sie wachen in der Nacht zur Sicherheit ihrer Herde! –
|
||
| wird schon etwas vom <q>Guten Hirten</q> deutlich, wie er dann in den Gleichnissen vom Verlorenen (Lk 15)
|
||
| vor Augen treten wird.
|
||
p.mb-0
|
||
| So also wird Jesus <q>den Thron seines Vaters David</q> (Lk 1,32) besteigen: indem er der <q>Gute Hirte</q> sein wird.
|
||
.card.slide
|
||
.card-body
|
||
h6.card-title Jesus, der <q>Gute Hirte</q> – Vorbild und Kontrastbild
|
||
.card-text
|
||
p.mb-0
|
||
| Das Bild des fürsorglichen, behütenden und schützenden Hirten, das Jesus selbst verkörpert,
|
||
| ist das Idealbild von <q>Herrschaft</q> im Alten wie im Neuen Testament,
|
||
| durchaus im Kontrast zu sonstigen Herrschervorstellungen, etwa der des Kaisers mit seiner militärischen Macht.
|
||
|
||
.card.slide.mb-3
|
||
.card-body
|
||
h5.card-title
|
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q <i>Heute</i> ist <i>euch</i> in der Stadt Davids der Retter geboren!
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.card-text
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| Dieses <q>Heute</q> setzt den Retter Jesus von den sonst verkündeten <q>Rettern</q> und ihren Geburtstagen ab;
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| vor allem vom Kaiser (s. o.).
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br
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| Dabei werden die große Stadt Rom als Sitz des Kaisers und das beschaulich-unscheinbare Betlehem,
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| aus dem doch der große König David hervorgegangen ist, einander gegenübergestellt,
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| heidnische Religion mit ihren <q>Göttern</q> und <q>Rettern</q> einerseits und der Gott Israels mit
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| seinem Wirken andererseits.
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p.mb-0
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| Im <q>Euch</q> ist das Dasein dieses Retters für die Seinen angedeutet, das <q>für euch</q>, das Heilsbedeutung hat
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| (<q>für euch hingegeben</q>, <q>für euch vergossen</q> [Lk 22,19-20]; [
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+symbol("arrow-right")
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| Futtertrog]).
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.card.slide.mb-3
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h5.card-title
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q Maria bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen.
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| Maria erscheint hier als Vorbild für alle Glaubenden.
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p.mb-0
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| Wie sie sollen wir die Ereignisse von damals nicht nur als Vergangenheit in Erinnerung behalten,
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| sondern für die Gegenwart bewahren und in uns wirken lassen.
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.card.slide
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.card-body
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h5.card-title
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q So wie es ihnen gesagt worden war.
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p In diesem Nebensatz steckt sehr viel: die Hirten erlebten die Treue Gottes zu seinen Verheißungen.
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| Und doch ist das, was sie erlebt haben, nur eine <i>erste</i> Erfüllung; dass und wie Jesus <q>der Retter</q> ist,
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| das muss erst noch erzählt werden.
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p.mb-0 So lädt diese Notiz auch zum Weiterlesen ein.
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