480 lines
24 KiB
Plaintext
480 lines
24 KiB
Plaintext
extends ../layout
|
||
include ../mixins
|
||
|
||
block content
|
||
|
||
.card.slide.mb-3
|
||
.card-body
|
||
h5.card-title Das Zeitalter des Geistes – das <q>Gnadenjahr des Herrn</q>
|
||
.card-text
|
||
p
|
||
| Seit der Verheißung der Geburt Johannes des Täufers war immer wieder vom Geist Gottes die Rede gewesen:
|
||
blockquote.blockquote(style="font-size: 100%;").ml-5
|
||
p.mb-0
|
||
q
|
||
| ... schon von Mutterleib an wird er [= Johannes] vom Heiligen Geist erfüllt sein.
|
||
footer.blockquote-footer
|
||
cite Lk 1,15 – Verheißung; ab LK 1,39-59 vorausgesetzte Erfüllung
|
||
blockquote.blockquote(style="font-size: 100%;").ml-5
|
||
p.mb-0
|
||
q
|
||
b Der Heilige Geist wird über dich [= Maria] kommen und Kraft des Höchsten wird dich überschatten.
|
||
footer.blockquote-footer
|
||
cite Lk 1,35 – Verheißung; ab LK 1,39-59 vorausgesetzte Erfüllung
|
||
|
||
blockquote.blockquote(style="font-size: 100%;").ml-5
|
||
p.mb-0
|
||
q
|
||
| Und es geschah, als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib.
|
||
| Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt.
|
||
footer.blockquote-footer
|
||
cite Lk 1,41 – Erfüllung von Lk 1,15 und Lk 1,35!
|
||
blockquote.blockquote(style="font-size: 100%;").ml-5
|
||
p.mb-0
|
||
q
|
||
| Sein Vater Zacharias wurde vom Heiligen Geist erfüllt und begann prophetisch zu reden.
|
||
footer.blockquote-footer
|
||
cite Lk 1,67
|
||
blockquote.blockquote(style="font-size: 100%;").ml-5
|
||
p.mb-0
|
||
q
|
||
| Und siehe, in Jerusalem lebte ein Mann namens Simeon. Dieser Mann war gerecht und fromm
|
||
| und wartete auf den Trost Israels und der Heilige Geist ruhte auf ihm..
|
||
br
|
||
| Vom Heiligen Geist war ihm offenbart worden ...
|
||
br
|
||
| Er wurde vom Geist in den Tempel geführt ...
|
||
footer.blockquote-footer
|
||
cite Lk 2,25.26.27
|
||
blockquote.blockquote(style="font-size: 100%;").ml-5
|
||
p.mb-0
|
||
| Johannes über Jesus:
|
||
br
|
||
q
|
||
| Er wird euch mit Heiligen Geist und mit Feuer taufen.
|
||
br
|
||
| Bei der Taufe:
|
||
br
|
||
q
|
||
b ... und der Heilige Geist kam sichtbar in Gestalt einer Taube aufh ihn [= Jesus] herab.
|
||
footer.blockquote-footer
|
||
cite Lk 3,16.22
|
||
blockquote.blockquote(style="font-size: 100%;").ml-5
|
||
p.mb-0
|
||
q
|
||
| Erfüllt vom Heiligen Geist, kehrte Jesus vom Jorden zurück. Er wurde vom Geist in der Wüste umhergeführt.
|
||
footer.blockquote-footer
|
||
cite Lk 4,1
|
||
blockquote.blockquote(style="font-size: 100%;").ml-5
|
||
p.mb-0
|
||
q
|
||
| Jesus kehrte, erfüllt von der Kraft des Geistes, nach Galiläa zurück. ...
|
||
br
|
||
| Jesus liest:
|
||
br
|
||
q
|
||
b Der Geist des Herrn ruht auf mir.
|
||
footer.blockquote-footer
|
||
cite Lk 4,14.18
|
||
|
||
.card.slide.mb-1
|
||
.card-body
|
||
h6.card-title Zeiten-Wende
|
||
.card-text
|
||
p
|
||
| Die Häufung der Erwähnung bzw. des Aktivwerdens des Heiligen Geistes ist sicher kein Zufall, sondern bewusste erzählerische
|
||
| Umsetzung eines wichtigen Glaubensinhaltes.
|
||
br
|
||
| Alle diese Erwähnungen hängen ja direkt oder indirekt mit Jesus zusammen.
|
||
br
|
||
| Im Hinblick auf Jesus selbst sind die Umstände seiner Empfängnis, dann die Taufe (<q>Messiassalbung</q>)
|
||
| und schließlich die Antrittspredigt, bei der Jesus quasi sein <q>Amt</q> als Messias übernimmt, zentrale Ereignisse.
|
||
|
||
p
|
||
| Lukas will deutlich machen:
|
||
br
|
||
i
|
||
| Das neue, in Jesus sich ereignende
|
||
| Heilshandeln Gottes wird wesentlich durch den Heiligen Geist geleitet und begleitet.
|
||
br
|
||
i
|
||
| Jesus ist der <q>Christus</q>, der (mit Gottes Geist) Gesalbte, mit dem eine Zeitenwende stattgefunden hat,
|
||
| und zwar die entscheidende (<q>eschatologische</q>) Wende zum Heil:
|
||
br
|
||
b In und mit Jesus hat das <q>Zeitalter des Heiligen Geistes</q> begonnen!
|
||
p.mb-0
|
||
| Mit Jesus hat die messianische Heilszeit begonnen, die die Propheten verkündet hatten; besonders deutlich hier
|
||
| durch das Aufgreifen des Jesaja-Zitates (übrigens ein Mischzitat aus Jes 61,1-2; 58,6 G) mit den Spitzen
|
||
| <q>Der Geist des Herrn ruht auf mir</q> und <q>Gnadenjahr des Herrn ausrufen</q>.
|
||
br
|
||
span.small Dabei ist <q>Jahr</q> nicht wörtlich zu nehmen, sondern auf den Beginn der neuen Zeit bezogen.
|
||
.card.slide
|
||
.card-body
|
||
h6.card-title <q>Seine Herrschaft wird kein Ende haben</q> (Lk 1,33)
|
||
.card-text
|
||
p
|
||
| Das Wirken des Geists wird seine Fortführung in der Apostelgeschichte finden:
|
||
br
|
||
| Wie am Anfang des Evangeliums der Geist besonders häufig
|
||
| erwähnt wird, Jesus durch Zeugung und Taufe <q>der Gesalbte</q> schlecht hin ist,
|
||
| dessen ganzen Wirken als Messias durch die Kraft des Geistes Gottes
|
||
| geschieht,
|
||
br
|
||
| so erhalten die Jünger am Anfang der Apostelgeschichte (Apg 2) die Gabe des Geites: es ereignet
|
||
| sich die durch Johannes angekündigte Feuertaufe.
|
||
br
|
||
| Und der Antrittspredigt Jesu im Evangelium entspricht formal die Pfingstpredigt des Petrus!
|
||
p.mb-0
|
||
| Dort – in der Pfingstpredigt – wird dann auch die Taufe als Sakrament des Christwerdens installiert:
|
||
| jeder erhält in der Taufe den gleichen Geist wie die Apostel an Pfingsten, den Geist, der schon Jesus erfüllte.
|
||
br
|
||
| So ist <q>das von damals</q> nicht abgeschlossen und vorbei, sondern im <q>Zeitalter des Geistes</q> bleibend gegenwärtig;
|
||
| auch wenn die Vollendung noch aussteht – sie geschieht am Ende der Tage –, zielt dieses neue Zeitalter doch darauf,
|
||
| im Heute seine Spuren zu hinterlassen.
|
||
br
|
||
| Es bleibt – wie zur Zeit Jesu – die Spannung zwischen Schon-Jetzt und Noch-Nicht, aber klar muss doch auch sein:
|
||
| <q>Das damals</q> war ein Beginn, der eine Zeit eröffnet hat, die andauert und gerade jene in Pflicht
|
||
| nimmt, die durch Taufe (und Firmung) in besonderer Weise zum <q>Zeitalter des Geistes</q> gehören.
|
||
|
||
.card.slide.mb-3
|
||
.card-body
|
||
h5.card-title Erfüllung: Heute!
|
||
.card-text
|
||
p
|
||
| Das Wort <q>Heute</q> ist im Evangelium an Schlüsselstellen zu finden.
|
||
blockquote.blockquote(style="font-size: 100%;").ml-5
|
||
p.mb-0
|
||
q
|
||
| Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren.
|
||
footer.blockquote-footer
|
||
cite Lk 2,11
|
||
blockquote.blockquote(style="font-size: 100%;").ml-5
|
||
p.mb-0
|
||
q
|
||
| Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.
|
||
footer.blockquote-footer
|
||
cite Lk 4,21
|
||
blockquote.blockquote(style="font-size: 100%;").ml-5
|
||
p.mb-0
|
||
| Nach der Heilung eines Gelähmten:
|
||
br
|
||
q
|
||
| Heute haben wir Unglaubliches gesehen
|
||
footer.blockquote-footer
|
||
cite Lk 5,26
|
||
blockquote.blockquote(style="font-size: 100%;").ml-5
|
||
p.mb-0
|
||
q
|
||
| Als Jesus an die Stelle kam, [wo Zachäus auf dem Baum saß,] schaute er hinauf und sagte zu ihm:
|
||
| <q>Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus bleiben.</q>
|
||
br
|
||
| ...
|
||
br
|
||
q
|
||
| Da sagte Jesus zu ihm: <q>Heute ist diesem Haus Heil geschenkt worden ...</q>
|
||
footer.blockquote-footer
|
||
cite Lk 19,5.9 [in 19,5 auch das wichtige Wort <q>muss</q>]
|
||
blockquote.blockquote(style="font-size: 100%;").ml-5
|
||
p.mb-0
|
||
q
|
||
| Jesus antwortete ihm [= dem reuigen Verbrecher am Kreuz]:
|
||
| <q>Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.
|
||
footer.blockquote-footer
|
||
cite Lk 23,43
|
||
.card.slide.mb-1
|
||
.card-body
|
||
h6.card-title Heute – Begegnung mit Jesus schenkt Rettung und Heil, Zukunft und Leben
|
||
.card-text
|
||
p
|
||
| An diesen Stellen findet jeweils eine heilvolle Begegnung statt (oder wie in 4,14-30 zumindest die Einladung dazu),
|
||
| wobei jeweils klar ist, dass das Heil durch Jesus vermittelt ist:
|
||
br
|
||
| Das <q>Heute</q> ist in Absetzung von anderen <q>Heilsbringern</q> (wie dem Kaiser) zu lesen:
|
||
| <i>heute</i> = hier, nicht wo anders!
|
||
br
|
||
b
|
||
| Das <q>Heute</q> bindet Rettung und Heil, Zukunft und Leben an die Begegnung mit <i>Jesus</i>:
|
||
br
|
||
| <i>Jesus</i> und er allein ist Retter, Heil, Zukunft, Leben etc.
|
||
p
|
||
| In diesem <q>Heute</q> der Begegnung mit Jesus geschieht das von den Propheten angekündigte Heil Gottes,
|
||
| erfüllt sich die Heilsverheißung der Heiligen Schrift.
|
||
p.mb-0
|
||
| Dazu muss man Jesus <i>gläubig</i> begegnen (und nicht wie in Lk 4,14-30 ablehnend).
|
||
.card.slide.mb-1
|
||
.card-body
|
||
h6.card-title Heute – Begegnung mit Jesus will verändern
|
||
.card-text
|
||
p.mb-0
|
||
| Diese heilende und rettende Begegnung mit Jesus zielt auch auf adäquate Veränderung im eigenen Leben;
|
||
br
|
||
| bestes Beispiel dafür: Zachäus,
|
||
br
|
||
| aber auch der reuige Verbrecher, der am Kreuz quasi noch <q>die Kurve kriegt</q>.
|
||
.card.slide
|
||
.card-body
|
||
h6.card-title Heute – für uns?!
|
||
.card-text
|
||
p
|
||
| Es bleibt für uns nach Ostern und Himmelfahrt die Frage, wie wir Jesus begegnen können,
|
||
| wie es <q>Heute</q> für uns werden kann.
|
||
p.mb-0
|
||
| Lukas <q>beantwortet</q> diese Frage in der Emmauserzählung; für uns ist <q>Heute</q>
|
||
ul.mb-0
|
||
li in der Beschäftigung mit der Heiligen Schrift (<q>Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete ...</q> [Lk 24,32]);
|
||
li in der Feier der Eucharistie (<q>Da wurden ihre Augen aufgetan und sie erkannten ihn</q> [Lk 24,31]);
|
||
li
|
||
| in der Gemeinschaft der Glaubenden (als alle wieder in Jerusalem sind und den Glauben teilen, erscheint Jesus
|
||
| und schenkt den österlich-weihnachtlichen Frieden [Lk 24,36]).
|
||
|
||
|
||
.card.slide.mb-3
|
||
.card-body
|
||
h5.card-title Heil für Israel vs. Heil für die Völker
|
||
.card.slide.mb-1
|
||
.card-body
|
||
h6.card-title <q>Heimat</q> vs. <q>Ferne</q>
|
||
.card-text
|
||
p
|
||
q Ist das nicht der Sohn Josefs!?
|
||
p In diesem Satz steckt zunächst echtes Staunen, gewiss auch Stolz: <i>einer von uns</i> ist das, der so große Dinge tut!
|
||
p
|
||
| Die Antwort Jesu darauf kann man aber nur verstehen, wenn man in diesem Satz auch eine Erwartung hört,
|
||
| die Jesus ins Wort bringt:
|
||
br
|
||
q Wenn du in Kafarnaum so große Dinge getan hast, wie wir gehört haben, dann tu sie auch hier in deiner Heimat!
|
||
br
|
||
| So ist auch das Sprichwort, das Jesus den Menschen (für die Zukunft) in den Mund legt, zu verstehen:
|
||
br
|
||
q Arzt, heile dich selbst!
|
||
br
|
||
| Jesus soll sich mit seiner Vaterstadt indentifizieren und auch – und vor allem! – <i>hier</i> <q>große Dinge</q> tun!
|
||
p
|
||
| Damit spricht sich als Erwartung aus:
|
||
br
|
||
i
|
||
| Wenn Jesus ein <q>Gnadenjahr des Herrn</q> ausruft, dann doch bitteschön ganz konkret,
|
||
| nicht nur im Wort, sondern besonders in der Tat vor allem für seine Heimat!
|
||
br
|
||
| Und nicht nur für die Menschen in Kafarnaum und anderswo!
|
||
p
|
||
| So aber, wie Jesus die Erwartung der Menschen in Nazareth aufgreift, kommt es einer Ablehnung gleich:
|
||
| er weist von vorne herein ihr Ansinnen zurück.
|
||
p
|
||
| Damit ist die Spannung <q>Ferne: heilvolles Wirken</q> – <q>Heimat: unerfüllte Erwartung</q> aufgebaut,
|
||
| die auch den weiteren Fortgang der Erzählung prägt.
|
||
p.small
|
||
| Wunder in Kafarnaum, auf die hier Bezug genommen wird, waren eigentlich noch gar nicht erzählt;
|
||
| die folgen erst in Lk 4,31-41!
|
||
br
|
||
| Man kann sie im Summarium Lk 4,14-15 enthalten sehen. Aber auffällig ist auch die Formulierung
|
||
| <q>Sicher <q>werdet</q> ihr mir ... vorhalten.</q>. Die Sätze schillern hier zwischen Blick in die Vergangenheit
|
||
| (<q>so große Dinge <i>getan hast</i>, wie wir <i>gehört haben</i></q>) und dem Blick in die Zukunft
|
||
| (<q>ihr <i>werdet</i> mir <i>vorhalten</i></q> – offenbar noch nicht geschehen; Wunder in Kafarnaum noch nicht erzählt);
|
||
| damit ist vorbereitet, dass <q>Jesus</q> in den nächsten Sätzen (weit) in die Zukunft blicken wird.
|
||
p.small.mb-0
|
||
| In dieser Episode spiegelt sich die wohl historische Erinnerung,
|
||
| dass Jesu Wirkkreis sich jenseits seiner Heimatstadt entfaltete:
|
||
| Kafarnaum, nicht Nazareth.
|
||
|
||
.card.slide.mb-1
|
||
.card-body
|
||
h6.card-title Ablehnung Jesu in seiner <q>Heimat</q>
|
||
.card-text
|
||
p
|
||
q Amen ich sage euch: <q>Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt!</q>
|
||
p
|
||
| Dieser Ausspruch Jesu ist auf der Ebene der Erzählung sehr unmotiviert: eine echte Ablehnung Jesu hat es bis
|
||
| jetzt noch nicht gegeben, und auch von Unglauben ist nicht – wie in der Vorlage Mk 6,1-6 – die Rede!
|
||
br
|
||
| Die Ablehnung scheint fast eher von Jesus provoziert zu werden.
|
||
p
|
||
| Die Lösung:
|
||
br
|
||
| Das, wovon hier gesprochen wird, ist Prophetie und blickt einerseits vom Anfang des Wirkens Jesu in Nazareth
|
||
| auf das Ende seines Wirkens in Jerusalem: Karfreitag.
|
||
br
|
||
| Das Wort <q>Heimat</q> weitet sich von Nazareth und Galiläa auf das jüdische Volk insgesamt;
|
||
| die Ablehnung Jesu in <q>seinem</q> Volk ist angesprochen, die in den Karfreitag mündet,
|
||
| und die Lukas schon bei der Geburt Jesu andeutet: <q>weil im Wohnraum kein Platz für sie war</q> (Lk 2,7).
|
||
p
|
||
| Über den Karfreitag (und Ostern) hinaus ist andererseits auch schon die Ablehnung der nachösterlichen Verkündigung
|
||
| durch die Mehrheit der Juden im Blick.
|
||
p.mb-0
|
||
| So willkommen seine Botschaft zunächst war, so unwillkommen war Jesus schließlich als Messias.
|
||
br
|
||
| Im Griechischen liegt ein Wortspiel vor: <q>Gnadenjahr = <u>willkommen</u>es Jahr</q>; <q>Kein Prophet anerkannt = Kein Prophet <u>willkommen</u></q>.
|
||
.card.slide.mb-1
|
||
.card-body
|
||
h6.card-title Die Öffnung für die Heiden
|
||
.card-text
|
||
p
|
||
| Mit der Erwähnung der Propheten Elija und Elischa sowie der Witwe von Sarepta bei Sidon und des Syrers Na'aman
|
||
| schauen wir zunächst in die Vergangenheit:
|
||
br
|
||
| Schon früher konnten Heiden, die für den Gott Israels offen waren, dessen Heil erleben – gerade in Zeiten,
|
||
| in denen Israel selbst sich von seinem Gott abgewandt hatte.
|
||
p
|
||
| Für Lukas haben diese Begebenheiten offenbar prophetischen Charakter.
|
||
p
|
||
| Ihre Erfüllung hat diese Prophetie nach Lukas weniger im irdischen Leben Jesu
|
||
| als vielmehr in der nachösterlichen Verkündigung: Heiden sind offen für das Evangelium und stoßen in relativ großer Zahl
|
||
| zur Gemeinschaft der Glaubenden dazu.
|
||
br
|
||
| Lukas schaut also schon weit über den Anfang des Wirkens Jesu hinaus.
|
||
p
|
||
| Die Apostelgeschichte wird entfalten, wie Jesus als Messias und das Evangelium auf Ablehnung durch die Mehrheit der Juden stößt,
|
||
| andererseits aber Heiden zur Heilsgemeinde dazustoßen und die Kirche immer mehr zu einer heiden-/völkerchristlichen
|
||
| Kirche wird.
|
||
p
|
||
| Diesen Prozess legt Lukas <q>seinem</q> Jesus als prophetische Worte schon am Anfang seines Wirkens in den Mund.
|
||
p.mb-0
|
||
i
|
||
| Aus <u>nachösterlicher, heidenchristlicher Perspektive</u> ist Jesu Sendung
|
||
| eine Sendung besonders zugunsten der Heiden, auch wenn der historische Jesus selbst sich (wohl ausschließlich)
|
||
| zu seinem eigenen Volk, den Juden, gesandt verstand.
|
||
br
|
||
| Nicht zuletzt deswegen wurde der Umstand, dass der historische Jesus wohl nicht in seiner unmittlbaren Heimat Nazareth,
|
||
| sondern in Kafarnaum wirkte, festgehalten und für den größeren Kontext (Israel – Völker) fruchtbar gemacht
|
||
| als quasi prophetisches Zeichen.
|
||
br
|
||
span.small
|
||
| Schon im Evangelium nach Markus werden diese Gedanken durch die Gliederung durchdacht
|
||
| ins Bild gebracht: erster Aufbruch zu den Heiden (im weiteren, konzentrisch angeordneten Kontext) gerahmt durch
|
||
| die Ablehnung Jesu in seiner Familie und seiner Heimat Nazareth.
|
||
|
||
.card.slide
|
||
.card-body
|
||
h6.card-title Indirekt: Jesus lehnt ab, Messias (nur) Israels zu sein
|
||
.card-text
|
||
p
|
||
| Das Jesaja-Zitat ist ursprünglich in die Situation des Endes des Exils in Babylon und des durch Gott ermöglichten Neuanfangs
|
||
| im Lande Juda gesprochen (6. Jhdt. v. Chr.).
|
||
br
|
||
| Schon damals gab es den Traum,
|
||
| dass Israel als Nationalstaat unter dem Segen Gottes aufblüht. Viel Hoffnung
|
||
| wurde (zunächst) auf einen Herrscher aus dem Hause Davids gesetzt.
|
||
p
|
||
| Solche Erwartungen konnte bei der Zitation aus Jesaja durch Jesus aufleben.
|
||
br
|
||
| Es gab ja vor allem die Sehnsucht, dass der Messias – Gottes Gesalbter – von der Herrschaft durch die (heidnischen!) Römer
|
||
| befreien und das Volk Israel wieder zu einer Blüte führen würde (Stichwort <q>königlicher Messias</q>).
|
||
p
|
||
| Die Menschen in der Antrittsszene in Nazareth – so malt uns Lukas hintergründig vor Augen – sind genau darauf angesprungen:
|
||
| Hinter dem Verlangen, Jesus solle besonders in Nazareth <q>große Dinge</q> tun, kann man ein –
|
||
| auf die Ebene der Stadt heruntergebrochenes – nationalistisches Denken erkennen:
|
||
br
|
||
| <q>Nazareth first</q>, dem dann im globalen Kontet ein <q>Israel first</q> entspricht;
|
||
| erst wir, dann – wenn überhaupt – die anderen.
|
||
p
|
||
| Doch die Sendung Jesu sah schlicht anders aus: Es ging nicht darum, <q>das Reich für Israel wieder herzustellen</q> (Apg 1,6).
|
||
hr
|
||
p
|
||
| Schon mit seiner Hinwendung zu <q>Zöllnern und Sündern</q> durchbricht Jesus
|
||
| die gängigen Erwartungen an den Messias – was ihm deutliche Kritik einbringt –,
|
||
| auch an anderen Zügen von Jesu Verhalten stört man sich;
|
||
| Kreuz und Auferstehung schließlich passen überhaupt nicht ins Bild:
|
||
| ein <i>leidender</i>, ja gar <i>gekreuzigter</i> Messias, der auferstanden sein soll –
|
||
| das stand und steht zu allen Vorstellungen
|
||
| vom Messias im Judentum im Wiederspruch (
|
||
+symbol("arrow-right")
|
||
| Emmaus-Erzählung: Jesus ist genötigt, den beiden Jüngern zu erkären: <q>Musste nicht der Christus das
|
||
| erleiden und so in seine Herrlichkeit gelangen?</q> [Lk 24,26]!).
|
||
hr
|
||
p
|
||
| Im Rahmen der Entwicklung der frühchristlichen Mission wurde dann mehr und mehr erkannt,
|
||
| dass das, was sich in und mit Jesus ereignet hatte – das <q>Heilsereignis</q> seines Lebens und Wirkens,
|
||
| seines Kreuzes und seiner Auferstehung –,
|
||
| der ganzen Menschheit seit <q>Adam</q> gilt (
|
||
+symbol("arrow-right")
|
||
| Stammbaum!).
|
||
hr
|
||
p
|
||
i
|
||
| In diesem Sinne verweigert der lukanische Jesus von Anfang an,
|
||
| nationalistisch-königlicher Messias in seiner <q>Heimat</q> zu sein,
|
||
| spricht von der zukünftigen Ablehnung seines – den Erwartungen und Vorstellungen nicht entsprechenden – Messias-Seins,
|
||
| verweist auf eine Sendung zu den Völkern – und löst mit dieser dreifachen <q>Klatsche</q>
|
||
| die Ablehnung durch seine Zuhörer aus, wobei die Zuhöhrer ihrerseits den situativen
|
||
| Kontext der Erzählung räumlich und zeitlich übersteigen
|
||
| hin zu allen, die sich an Jesu Selbstverständnis und Verhalten sowie an der nachösterlich Entwicklung stören.
|
||
hr
|
||
p
|
||
| Gerade Karfreitag und Ostern – vorauf am Ende der Episode in Nazareth schon geblickt wird –
|
||
| machen deutlich, dass Jesu Sendung viel tiefgreifender und umfassender
|
||
| ist als alle irdisch-nationalistischen Vorstellungen vom Messias:
|
||
br
|
||
b
|
||
| Jesus ist als endzeitlicher Repräsentant Gottes der Heilsbringer schlechthin,
|
||
| und zwar in einem umfassenden, nationalistisches Denken und überhaupt
|
||
| diese irdisch-begrenzte Welt übersteigenden Sinn!
|
||
br
|
||
i
|
||
| In ihm steht das Paradies (wieder) offen (
|
||
+symbol("arrow-right")
|
||
| Kreuzigungsszene: <q><u>Heute</u> noch, wirst du mit mir im Paradies sein.</q>)!
|
||
p
|
||
| Bei Jesus als Messias geht es nicht um äußere – wenn auch bedrängende – Dinge wie hier die Herrschaft der Römer,
|
||
| es geht um eine innere Wandlung des Menschen, es geht um geheilte Beziehungen zwischen Gott und Mensch und der Menschen
|
||
| untereinander. Die <q>großen Dinge</q> – sprich: die Wunder –, die Jesus tut, sind Zeichen <i>dieser</i> neuen Wirklichkeit
|
||
| und nicht eines (irdisch-nationalistisch) aufblühenden (Staates) Israel:
|
||
p
|
||
i
|
||
| Das <q>Gnadenjahr des Herrn</q> ist keine irdisch-nationalistische Größe, sondern eine himmlische;
|
||
br
|
||
| aber auch keine rein jenseitige Wirklichkeit,
|
||
| sondern eine in diese Welt schon hereinbrechende und die Menschen ergreifen wollende.
|
||
br
|
||
| Das Evangelium spricht davon dann auch in den Gleichnissen (vom Verlorenen)
|
||
| und erzählt davon in den heilvollen Umkehr-Begegnungen mit Jesus;
|
||
| die Apostelgeschichte wird das Hereinbrechen des <q>Zeitalter des Heiligen Geists</q> dann am Leben der
|
||
| Urgemeinde in Jerusalem beispielhaft und idealisiert illustrieren
|
||
| (z. B. Solidarität, Barmherzigkeit, Eintracht).
|
||
p.small.mb-0
|
||
| Aus historischer Perspektive ist wichtig und spielt her eine Rolle,
|
||
| dass Jesus sich nicht als militärischer Aufrührer verstand –
|
||
| wie es sie damals auch gab –, sondern – ähnlich wie Johannes der Täufer – das Volk durch innere Umkehr erneuern wollte.
|
||
|
||
.card.slide.mb-5
|
||
.card-body
|
||
h5.card-title <q>... damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt</q> (Lk 4,11)
|
||
.card-text
|
||
p
|
||
| Im Vorgriff auf den Karfreitag – Golgota liegt außerhalb von Jerusalem! –, aber auch im Vorgriff auf das Schicksal
|
||
| der Boten Jesu nach Ostern – Stephanus: nach Apg 7,58 zur Steinigung zur Stadt hinaus getrieben – wird Jesus aus der Stadt getrieben
|
||
| und sollte hinabgestürzt werden: die Ablehnung Jesu durch seine <q>Heimat</q> materialisiert sich (schon).
|
||
br
|
||
| <q>Geheimnisvoll</q> entgeht er diesem Lynchversuch und geht weg.
|
||
p
|
||
| Man wird hier – analog zum Karfreitag – an Ostern denken dürfen, das sich hier andeutet (nicht nur im Hinblick auf Jesus,
|
||
| sondern ebenso für seine Boten).
|
||
p.mb-0
|
||
| Es gibt auch einen Bezug zur abschließenden Versuchung durch Satan in Lk 4,1-13: Jesus soll sich vom Tempel
|
||
| hinabstürzen, weil er doch Gottes Sohn ist und erwarten darf, dass Gott – nach Ps 91,11-12 –
|
||
| rettend eingreifen wird.
|
||
br
|
||
| Die mutwillige Herausforderung dieses Schutzes ist zwar nach Lk 4,9-12 nicht statthafte Provokation Gottes und Versuchung durch Satan,
|
||
| doch ist die Verheißung des Psalmes für Jesus (und seine Jünger) tatsächlich gültig, wie hier im Vorgriff auf Ostern deutlich wird.
|
||
|
||
.alert.alert-success.slide
|
||
h4.alert-heading
|
||
| Programmatische Antrittsrede Jesu:
|
||
br
|
||
| Kurzzusammenfassung der Heilsgeschichte aus nachösterlicher, völkerchristlicher Perspektive
|
||
br
|
||
span.small bewusst am Anfang des Wirkens Jesu
|
||
hr
|
||
p.mb-0
|
||
| Die Propheten haben das Heil angekündigt und auch bei ihnen gab es schon erste Momente der Öffnung für Heiden.
|
||
br
|
||
| Dieses Heil ist in Jesus umfassend – und die Erwartung der Propheten übersteigend und modifizierend – Wirklichkeit geworden
|
||
| im <q>Gnadenjahr des Herrn</q>, das das <q>Zeitalter des Heiligen Geistes</q> mit sich gebracht hat im Sinne
|
||
| der entscheidenden (<q>eschatologischen</q>) Zeitenwende zum Heil;
|
||
| dieses Zeitalter dauert seit dem an und zielt auf alle Menschen.
|
||
br
|
||
| Doch Jesus stößt auf Ablehnung, wird am Karfreitag gekreuzigt; Gott aber erweckt ihn von den Toten.
|
||
br
|
||
| Jesu Botschaft und er selbst werden (trotzdem) von den meisten Juden auch nach Ostern abgelehnt;
|
||
br
|
||
| dafür stoßen Heiden in relativ großer Zahl zur Gemeinschaft der Glaubenden dazu.
|