Überarbeitung Mk/Verteidigung
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52050d4322
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2be4255a98
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p.card-text.konzentr-1.mb-0.bibeltextkonzentr
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| 2,1 Als er nach einigen Tagen wieder nach Kafarnaum hineinging, wurde bekannt, dass er im Hause war.
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| 2 Und es versammelten sich so viele Menschen, dass nich einmal mehr vor der Tür Platz war;
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| 2 Und es versammelten sich so viele Menschen, dass nicht einmal mehr vor der Tür Platz war;
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| und er verkündete ihnen das Wort.
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| sie priesen Gott uns sagten:
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q So etwas haben wir noch nie gesehen.
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div.konzentr-3.bibeltextkonzentr
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| 22 Die Schriftgelehrten, die von Jerusalem herabgekommen waren, sagten:
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q Er ist von Beelzebul besessen; mit Hilfe des Herrschers der Dämonen treibt er die Dämonen aus.
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q Er ist von Beelzebul besessen;
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q mit Hilfe des Herrschers der Dämonen treibt er die Dämonen aus.
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| 23 Da rief er sie zu sich und belehrte sie in Gleichnissen:
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| 26 Und wenn sich der Satan gegen sich selbst erhebt und gespalten ist, kann er keinen Bestand haben, sondern es ist um ihn geschehen.
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| 27 Es kann aber auch keiner in das Haus des Starken eindringen und ihm den Hausratrauben, wenn er nicht zuerst den Starken fesselt; erst dann kann er sein Haus plündern.
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| 27 Es kann aber auch keiner in das Haus des Starken eindringen und ihm den Hausrat rauben, wenn er nicht zuerst den Starken fesselt; erst dann kann er sein Haus plündern.
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p.card-text.konzentr-2.bibeltextkonzentr.abschnitt_intern
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q
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| 28 Amen, ich sage euch: Alle Vergehen und Lästerungen werden den Menschen vergeben werden, so viel sie auch lästern mögen;
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| 29 wer aber den Heiligen Geist lästert, der findet in Ewigkeit keine Vergebung, sondern seine Sünde wird ewig an ihm haften.
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| 30 Sie hatten nämlich gesagt:
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q Er hat einen unreinen Geist.
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h5.card-title Jesus von Beelzebul besessen? – Nein: er ist der „Stärkere“!
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h5.card-title
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q
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| Die Schriftgelehrten, die von Jerusalem herabgekommen waren, sagten:
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q
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| Er ist von Beelzebul besessen;
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| mit Hilfe des Herrschers der Dämonen treibt er die Dämonen aus.
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h6.card-subtitle.text-muted
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| Die Vorwürfe an Jesus, wo sie herkommen – und warum Jesus hier wieder durchsichtig auf Paulus wird
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| Erweiterte Bezüge durch die Mitte der konzentrischen Gliederung
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hr
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p.card-text
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| Nicht verrückt, sondern mit dem Herrscher der Dämonen im Bunde – das denkt man
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| in Jerusalem über Jesus. Jesus widerlegt das mit seiner Argumentation, aus der man seine
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| Überzeugung heraushören kann:
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| Schon in der Mitte der konzentrischen Gliederung sind das Gegenüber Jesu die Schriftgelehrten;
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| Satan („der Starke“) ist bereits besiegt; Jesus ist „der Stärkere“ (Mk 1,7);
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| dass Jesus Wunder und Dämonenaustreibungen wirken kann, das ist für
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| ihn ein eindeutiges Zeichen dafür. – Wenn man dem Satan nicht selbstzerstörerische Schizophrenie vorwerfen will.
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p.card-text
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| Fast nebenbei schiebt Markus Jesus eine Selbstinterpretation unter:
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| diesmal wird ausdrücklich hervorgehoben, dass sie aus Jerusalem kommen.
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br
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| Die „Kraft“, die hinter Jesus steht, ist Gottes Heiliger Geist, der in ihm und durch ihn wirkt.
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p.card-text
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| Diese Erzählung ist mit 1,2-13, also dem ersten Teil des Evangeliums, verknüpft durch die
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| Trias „‚Starker‘/‚Stärkerer‘ + Satan [Versuchung/Dämonenaustreibung] + Heiliger Geist“.
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| Sie kommen damit von außen, treten von außerhalb der Gemeinschaft um Jesus an diesen heran und belegen ihn mit Vorwürfen.
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br
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| Der Ausgang der Versuchungserzählung blieb auf Ebene des Textes offen;
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| hier wird sozusagen das das Resultat der Begegnung
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| zwischen Satan und Jesus (im Tod am Kreuz!) nachgeschoben: Jesus hat Satan ‚gefesselt‘!
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| Sie sind damit parallel zu den Verwandten Jesu in der vorgehenden Erzählung gezeichnet, die dann in der nachfolgenden Erzählung
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| bei Jesus eintreffen werden.
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li
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| Der Vorwurf an Jesus ist zweigliedrig; der erste Vorwurf mit seiner Widerlegung
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| ist dabei um den zweiten mit dessen Wiederlegung gelegt (siehe auch oben die grafische Darstellung):
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ul.card-text
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li
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q Er ist von Beelzebul besessen
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| Die Erzählung hier in 3,22-30 legt das nahe.
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p.card-text
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| Die Aussage vom Einbrechen ins Haus und Rauben des Hausrats wird in der Mitte der konzentrischen Gliederung
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| schön bebildert:
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| ist Vorwurf der Besessenheit;
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br
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| durch seinen Tod ist Jesus in das Totenreich – das Haus hier quasi als Grab – eingebrochen
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| und ermöglicht dort den in der Taufe mit ihm Gestorbenen (→ Gelähmter) eines neues Leben,
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| das sie nach Hause (→ in den Himmel) gehen lässt.
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h5.card-title Wo der Vorwurf an Jesus herkommt – Und warum Jesus hier wieder durchsichtig auf Paulus wird
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h6.card-subtitle.text-muted Erweiterte Bezüge durch die Mitte der konzentrischen Gliederung
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hr
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p.card-text
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| Der Vorwurf an Jesus ist einerseits allerhand, hat er sich doch eigentlich mit Dämonenaustreibungen und anderen Heilungen,
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| die – wie wir gesehen haben – letztlich auch die Qualität von Dämonenaustreibungen haben –
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| darauf antwortet Jesus in Mk 3,28-29, indem er den Heiligen Geist ins Spiel bringt, der ihn – was neben Jesus nur der Leser weiß – seit seiner Taufe erfüllt.
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| Indirekt wirft Jesus dabei den Schriftgelehrten vor, sie würden gegen den Heiligen Geist lästern – womit der Vorwurf der
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| Schriftgelehrten in der Mitte der konzentrischen Gliederung, Jesus lästere Gott, aufgegriffen und in die andere Richtung zurückgegeben wird.
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li
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i
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q Mit Hilfe des Herrschers der Dämonen treibt er die Dämonen aus
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br
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| ist Vorwurf eines Bündnisses mit dem Herrscher der Dämonen;
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br
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| darauf antwortet Jesus in Mk 3,23-27, indem er die rationale Abwegigkeit dieses Vorwurfes verdeutlicht.
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li.small
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| Jesus antwortet zunächst auf den zweiten Vorwurf („Mit Hilfe des Herrschers der Dämonen treibt er die Dämonen aus“ →
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| „Wie kann der Satan den Satan austreiben?“), den Besessenheitsvorwurf zunächst überspringend.
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br
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| „Amen, ich sage euch“ kann gut als Neuansatz verstanden werden, der mit dem Rückbezug auf den Besessenheitsvorwurf endet,
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| wodurch dieser ganze Block also als Antwort auf den ersten Vorwurf verstanden werden.
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br
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| Dabei bildet der erste Vorwurf den Hintergrund für den zweiten, ist der zweite vom ersten abhängig.
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li
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| Diese Vorwürfe an Jesus sind einerseits allerhand, hat er sich doch eigentlich mit Dämonenaustreibungen und anderen Heilungen,
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| die – wie wir gesehen haben – letztlich auch die Qualität von Dämonenaustreibungen haben,
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| frontal gegen Satan positioniert.
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br
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| Andererseits hat sich Jesus auch verdächtig gemacht durch seine Gemeinschaft mit den „Zöllnern und Sündern“ (Mk 2,13-17)
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| und seinem Eintreten für „die Sünder“ (in Mk 2,18-22: Fastenfrage, sowie Mk 2,23-28: Sabbat);
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| ferner vertritt er eine „eigenwillige“ Auslegung des Sabbat-Gebotes (Mk 2,23-28, auch Mk 3,1-6),
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| steht mithin also nicht zu 100 % in der (sonst üblichen) Tradition des jüdischen Gesetzes.
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p.card-text
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| Schon in Mk 2,1-12 (Heilung des Gelähmten) war – wie hier – die Frage, wer durch Jesus eigentlich wirkt, präsent, nämlich
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| in der Anrede Jesu an den Gelähmten: „Mein Sohn“, womit angedeutet ist, dass durch Jesus Gott selbst wirkt,
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| was die Schriftgelehrten nicht realisieren und weswegen sie die Sündenvergebung durch Jesus ablehnen.
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li
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| Zentraler Schlüssel zum Verständnis aber ist die Mitte der konzentrischen Gliederung, die Heilung des Gelähmten (Mk 2,1-12):
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ul.card-text
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li
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| <i>Aufgrund des Glaubens</i> der Vier hatte Jesus ihm die Sünden vergeben.
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br
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| Ferner war in Mk 2,1-12 auch das Verhältnis zwischen Jesus – bzw. eigentlich
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| dem nachösterlichen christlichen Glauben (→ Glaube der Vier!) an Jesus als Christus –
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| einerseits und dem jüdischen Gesetz andererseits subtil
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| Thema gewesen, allein schon durch die Präsenz der Schriftgelehrten
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| und konkret in der Frage nach wirksamer Sündenvergebung;
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br
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| ganz subtil wurde dabei – wie schon in 1,21-28 (erste Dämonenaustreibung, Schriftgelehrte im Horizont genannt) –
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| die Insuffizienz des jüdischen Gesetzes, lebendig zu machen, angesprochen.
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| Dies hatte den Widerspruch der Schriftgelehrten provoziert, die auch in der aktuellen Erzählung das Gegenüber zu Jesus darstellen.
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| Sie vergegenwärtigen „die Schrift“ (= das jüdische Gesetz) als jüdischen Heilsweg (bzw. judaisierende Christen,
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| die an der Schrift als Heilsweg auch für Christen festhalten wollen), auch wenn sie in der Erzählung des Markus subtil – mit ihrem
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| die Schrift übergehenden Hinweis auf Sündenvergebung allein durch Gott –
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| deren Insuffizienz, lebendig zu machen, bestätigen und damit die Notwendigkeit eines anderen Heilsweges unterstreichen.
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br
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| Jesus dagegen hat – so zeigt es der Fortgang der Erzählung –
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| offensichtlich die Vollmacht zu echter, wirksamer Sündenvergebung, die zu einem neuen Leben ermöglicht (→ Gelähmter, der sich erhebt);
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br
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| dabei stand aber nicht der irdische, vorösterliche Jesus und seine Vollmacht im Fokus,
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||||
| dabei standen aber nicht der irdische, vorösterliche Jesus und seine Vollmacht im Fokus,
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||||
| sondern die Gültigkeit und Wirksamkeit der durch Tod und Auferstehung Jesu ermöglichten
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| Rechtfertigung allein aus Glauben (→ Glaube der Vier!), jenseits der
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| „Werke des (jüdischen) Gesetzes“, wie sie Paulus in seinen Briefen vertritt und verteidigen muss.
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br
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| Mk 2,1-12 bildet nun die Mitte der konzentrischen Gliederung.
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| Und das Gegenüber in der aktuellen Erzählung sind wieder die Schriftgelehrten.
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p.card-text
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| Mit Mk 2,1-12 steht auch die Tauftheologie des Paulus nach Röm 6
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| (Mitgekreuzigtsein, Mitgestorbensein, <i>Mitbegrabensein</i>) im Mittelpunkt;
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| Es ging also um die Frage nach der Rechtfertigung vor Gott, es ging um die Gültigkeit der paulinischen Rechtfertigungslehre
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| „allein aus Glauben“ in Absetzung von der zurückgewiesenen – weil nicht möglichen – Rechtfertigung „aus Werken des Gesetzes“.
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li
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| Schon die äußere Szenerie der Erzählung von der Heilung des Gelähmten als Mitte der aktuellen konzentrischen Gliederung
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| macht die Tauftheologie des Paulus in Röm 6 (Mitgekreuzigtsein, Mitgestorbensein, <i>Mitbegrabensein</i> mit Jesus)
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| gegenwärtig;
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br
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| und genau dort in Röm 6 setzt sich Paulus mit ganz ähnlichen
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| dort spricht Paulus unter anderem vom Freigewordensein von der Sünde („Wer gestorben ist, ist frei geworden von der Sünde“ [Röm 6,7];
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| „Ihr wurdet aus der Macht der Sünde befreit“ [Röm 6,18]), dem als Auftakt der Verteidigungsrede der Vorwurf des Besessenseins Jesu
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| von Beelzebul durch die Schriftgelehrten korrespondiert, und fordert dazu auf, nicht mehr Diener der Sünde, sondern Diener Gottes
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| zu sein – gut in Beziehung dazu zu setzen, dass Jesus hier ein Bündnis mit dem Herrscher der Dämonen vorgeworfen wird.
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br
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| Die inhaltlichen Bezüge der an „Jesus“ gerichteten Vorwürfe zu Röm 6 sind also offensichtlich.
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br
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| Und genau wie Jesus sich in Mk 3,22-30 gegen die Vorwürfe der Schriftgelehrten verteidigen muss,
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| setzt sich Paulus in Röm 6 mit ganz ähnlichen
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| Vorwürfen wie hier Jesus auseinander, wozu er von Kritikern seiner Rechtfertigungslehre offenbar genötigt wird:
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br
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q.bibeltext Was sollen wir nun sagen? Sollen wir an der Sünde festhalten, damit die Gnade umso mächtiger werde? Keineswegs!
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span.bibelstelle Röm 6,1
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br
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q.bibeltext Was heißt das nun? Sollen wir sündigen, weil wir nicht mehr unter dem Gesetz stehen, sondern unter der Gnade?
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q.bibeltext Was heißt das nun? Sollen wir sündigen, weil wir nicht mehr unter dem Gesetz stehen, sondern unter der Gnade? Keineswegs!
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span.bibelstelle Röm 6,15
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p.card-text
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li
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| Mit seiner Lehre von der Rechtfertigung allein aus Gnade, ohne der Notwendigkeit, sich auf das jüdische Gesetz zu verpflichten,
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| setzte sich Paulus dem Vorwurf aus, er würde effektiv der Sünde dienen, weil sie – ohne Verpflichtung auf das jüdische Gesetz –
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| doch frei und schadlos praktiziert werden könne; und wenn sich Gott doch in besonderer Weise den Sündern zuwende,
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| wäre es dann nicht gut, Sünder zu sein? Steht also hinter allem nicht doch eher die Sünde und nicht Gott?
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p.card-text
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li
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| Vom Blick auf Paulus und einer Verdrehung seiner Rechtfertigungslehre her macht der Vorwurf an Jesus Sinn!
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br
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| Jesus wird auch hier durchsichtig auf Paulus; es geht auch hier um eine nachösterliche Fragestellung.
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li
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| Das Kommen der Schriftgelehrten von Jerusalem – für den Kontext bei Markus von recht weit her –
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| passt sehr gut zu dieser Deutung, schreibt Paulus doch im Brief an die Galater, in der er auch seine Rechtfertigungslehre verteidigen muss,
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| davon, dass es zum sog. Antiochenischen Zwischenfalls kam, weil „einige von Jakobus eintrafen“
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| und Petrus zu einer Verhaltensänderung gegenüber den (zum Christentum konvertierten) Heiden brachten; Jakobus aber hat seinen „Sitz“ in Jerusalem.
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br
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| Als „Angehöriger Jesu“ und als Name in der Zwölferliste ist Jakobus im Horizont der Verteidigungsrede bei Markus präsent.
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br
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| Insgesamt musste Paulus damit kämpfen, dass judaisierende christliche Gruppen – wohl durchaus mit einer gewissen Verbindung zu Jerusalem
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| bzw. dem Herrenbruder – in seine Gemeinden von außerhalb eindrangen
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| und die paulinischen, gesetzesfreien Gemeinden dazu bringen wollten,
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| das jüdische Gesetz als heilsnotwendig zu akzeptieren;
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br
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| ganz analog kommen hier die Schriftgelehrten von außerhalb der bestehenden Gemeinde zu Jesus.
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.card.slide.border-primary.mb-3
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.card-body
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h5.card-title Abwehr des Vorwurfs bei Paulus und Markus (bzw. dem markinischen Jesus)
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h5.card-title Abwehr der Vorwürfe an „Jesus“ durch Paulus und Markus (bzw. dem markinischen Jesus) – grundsätzliche Antwort
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hr
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p.card-text
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| Paulus weist in Röm 6, das nun – neben anderem – durch die Mitte der konzentrischen Gliederung vergegenwärtigt wird,
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| auf die grundlegende Lebenswende in der Taufe hin, auf das Mitgekreuzigtsein,
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| Mitgestorbensein, <i>Mitbegrabensein</i> – mit Jesus und die damit sich verbindenden Konsequenzen:
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p.card-text
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||||
| Die hier relevanten Aussagen seien nochmal kurz aufgeführt:
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ul.card-text
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li
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| Die oben gezeigte Verbindung zu Röm 6 und den Vorwürfen, mit denen Paulus umzugehen hat, legt nahe,
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| einen Teil der Antwort im vorliegenden Konfliktfall „Schriftgelehrte“ ↔ „Jesus“ dort zu finden.
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li
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| Insofern die Vorwürfe der Schriftgelehrten an Jesus gerichtet sind und seine Person und sein Handeln betreffen,
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| sind zunächst und vor allem die Aussagen zu Jesus als „Prototyp“ des „Neuen Menschen“ relevant:
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br
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q.bibeltext Wie können wir, die wir für die Sünde tot sind, noch in ihr leben?
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span.bibelstelle Röm 6,2
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| „Jesus“ verbindet sich mit „Christus“ – sein Gekreuzigt-, Gestorben-, Begrabensein, das das Mit-Gekreuzigt-, Mit-Gestorben-
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| und Mit-Begrabensein, von dem Paulus spricht, überhaupt erst ermöglicht, ist hier in den Fokus gerückt.
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p.small.mb-0
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||||
| Der (geheilte) Gelähmte ist dann in der nächsten Erzählung bei Markus in Mk 3,31-35 besonders im Fokus.
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li
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| Hier relevant ist sicher folgende Aussage:
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br
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q.bibeltext
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| Wir wissen doch: Unser alter Mensch wurde mitgekreuzigt, damit der von der Sünde beherrschte Leib
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| vernichtet werde, sodass wir nicht mehr Sklaven der Sünde sind.
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| 9 Wir wissen, dass Christus, von den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt; der Tod hat keine Macht mehr über ihn.
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br
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| Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde.
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span.bibelstelle Röm 6,6-7
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| 10
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i Denn durch sein Sterben ist er ein für alle Mal gestorben für die Sünde,
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br
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q.bibeltext
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| ... begreift auch ihr euch als Menschen, die für die Sünde tot sind, aber für Gott leben in Christus Jesus.
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i sein Leben aber lebt er für Gott
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span.bibelstelle Röm 6,9-10
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br
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| Daher soll die Sünde nicht mehr in eurem sterblichen Leib herrschen, sodass ihr seinen Begierden gehorcht.
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span.bibelstelle Röm 6,11
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p.card-text
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| Hier wird jeweils eine klare Trennlinie zwischen Gott und der Sünde (bzw. Satan) gezogen, zwischen neuer und alter Existenz, sowie
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| Geradlinigkeit gefordert, weil es eine Unvereinbarkeit der beiden Existenzen gibt.
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p.card-text
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| Hier ergeben sich erstaunlich direkte Antworten auf die Vorwürfe der Schriftgelehrten, auffälligerweise unter Wahrung der Zweigliedrigkeit:
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ul.card-text
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li
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i Von Beelzebul besessen?
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br
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b Nein, er ist ein für alle mal gestorben für die Sünde!
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li
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i Mit dem Herrscher der Dämonen im Bunde?
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br
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b Nein, er lebt sein Leben für Gott!
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| Damit sind die Vorwürfe der Schriftgelehrten gegen Jesus ad absurdum geführt.
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.card.slide.border-primary.mb-3
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.card-body
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||||
h5.card-title Abwehr des Vorwurfs des Bündnisses mit dem Herrscher der Dämonen bzw. der Sünde bei Paulus und Markus (bzw. dem markinischen Jesus)
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hr
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ul.card-text
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li
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||||
| Gegenargument ist zunächst aus Röm 6, dass Jesus sein Leben für Gott lebt (s. o.).
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br
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| Dass und wie Jesus dies tut, bebildert die Mitte der konzentrischen Gliederung:
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ul.card-text
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li
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| Jesus verkündet „das Wort“ = das Evangelium.
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li
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| Jesus heilt den „Gelähmten“, ermöglicht ihm ein neues Leben aufgrund einer echten Lebenswende.
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br
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| Dabei spricht Jesus ihn mit „Mein Sohn“ an: Jesus wird hier transparent auf Gott und dessen Wirken in und durch Jesus.
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li
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| Die Heilung des Gelähmten legt ausdrücklich Wert darauf, dass die von Jesus vermittelte Sündenvergebung
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||||
| nicht nur ein Zuspruch ist, sondern wirkliche und sichtbare Heilsvermittlung,
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br
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||||
| wie auch Paulus in Röm 6 eine klare Trennlinie zwischen Gott und der Sünde zieht, zwischen neuer und alter Existenz, und
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| Geradlinigkeit fordert, weil es eine Unvereinbarkeit der beiden Existenzen gibt.
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li
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| Auch im Galaterbrief muss Paulus seine Rechtfertigungslehre verteidigen, auch darauf gab es in Mk 2,1-12 Anspielungen,
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br
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| vor allem zeigen die Vier einen <i>Glauben, der durch die Liebe wirkt</i> (Gal 5,6):
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br
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||||
| Die Lebenswende, die der Glaube ermöglicht hat, muss sich im konkreten Handeln, in der ganzen Existenz des Christen
|
||||
| Die Lebenswende, die der Glaube – die Christus – ermöglicht hat, muss sich im konkreten Handeln, in der ganzen Existenz des Christen
|
||||
| zeigen. Ein Glaube, der beim Bekenntnis stehen bleibt, ist für Paulus und Markus kein „vollständiger“ Glaube;
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br
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||||
| besonders Markus problematisiert einen reinen Bekenntnisglauben (der nur die Auferstehung in Blick nimmt).
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p.card-text
|
||||
| Weil es bei der Taufe um eine echte Lebenswende weg von der Sünde hin zu Gott geht,
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li
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||||
| Diese erzählten/bebilderten Aussagen zur die ganze Existenz betreffenden Lebenswende müssen und dürfen in Relation gesetzt werden
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||||
| zum Vorwurf des Bündnisses „Jesu“ mit dem Herrscher der Dämonen.
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br
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||||
| „Jesus“ reagiert auf diesen Vorwurf mit der Aussage, dass der Satan sich gegen sich selbst erheben würde und in sich gespalten sei.
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br
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||||
| Diese Argumentation wird besonders schlagkräftig, wo – wie hier – Jesu tatsächliches Heilswirken, das sie Sünde überwindet,
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| in den Mittelpunkt gerückt wird:
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br
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| Weil es in der durch Tod und Auferstehung Jesus ermöglichten und in der Taufe vermittelten
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| Sündenvergebung („Dämonenaustreibung“) um eine echte Lebenswende weg von der Sünde hin zu Gott geht,
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| wie dies in der Mitte der konzentrischen Gliederung anhand des Gelähmten bebildert ist, der sich – in Analogie zur Auferstehung Jesu –
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| zu einem neuen Leben erhebt;
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br
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br
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| weil also das Tun des Christen nicht einer Beliebigkeit preisgegeben ist, die dem Sündigen Tür und Tor öffnen würde,
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br
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| kann der markinische Jesus angesichts des Vorwurfes, mit dem Anführer der Dämonen im Bunde zu stehen, argumentieren,
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||||
| dass es kein Dienst an Satan ist, wenn er in Dämonenaustreibungen von Satan bzw. den Dämonen befreit.
|
||||
p.card-text
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||||
| kann der markinische Jesus angesichts des Vorwurfes, mit dem Herrscher der Dämonen im Bunde zu stehen, argumentieren,
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||||
| dass es kein Dienst an Satan ist, wenn er in Dämonenaustreibungen von Satan bzw. den Dämonen befreit – es sei denn,
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||||
| dieser wäre „in sich gespalten“, aber dann wäre es ohnehin im ihn geschehen (→ Mk 3,26).
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li
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| Ein Teil der Abwehr des Vorwurfes – ja im Grunde der <i>entscheidende</i> Teil – muss also bei Markus nicht in der eigentlichen Erzählung selbst,
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| sondern in der Mitte der konzentrischen Gliederung gesucht werden.
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.card-body
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h5.card-title Insuffizientes Gesetz: Der Spies umgedreht
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h5.card-title Insuffizientes Gesetz: Der Spieß umgedreht
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hr
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p.card-text
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| Der Vorwurf an Jesus, im Dienst von Beelzebul zu stehen,
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ul.card-text
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li
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| Der Vorwurf an Jesus, mit Hilfe des Herrschers der Dämonen die Dämonen auszutreiben,
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| ist mit der subtilen Aussage bezüglich der Insuffizienz des jüdischen Gesetzes hinsichtlich echter, wirksamer Sündenvergebung
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| in der Mitte der konzentrischen Gliederung zu verbinden.
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br
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li
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| Während Jesus zu einem neuen Leben verhelfen kann, können dies die Schriftgelehrten bzw. das jüdische Gesetz
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| aufgrund der eigenen Insuffizienz gerade nicht!
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p.card-text
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| Man muss den Spies der Schriftgelehrten gegen Jesus umdrehen:
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| aufgrund der eigenen Insuffizienz gerade nicht,
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br
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| Nicht Jesus steht im Dienst der Sünde, sondern das jüdische Gesetz,
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| wie in der Mitte der konzentrischen Gliederung subtil angedeutet:
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| ja mehr noch, es gibt eine unselige, für den Menschen tödliche Verbindung von Gesetz und Sünde, aus der Christus befreit:
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br
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q.bibeltext
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| Jetzt also gibt es keine Verurteilung mehr, für die, welche in Christus Jesus sind.
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@ -424,47 +512,362 @@ block content
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|||
| aber die Schrift hat <i>alles unter der Sünde eingeschlossen</i>, damit die Verheißung aus dem Glauben an Christus Jesus
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||||
| denen gegeben wird, die glauben.
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span.bibelstelle Gal 3,19.21-22
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p.card-text.small.mb-0
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||||
| Die Aussage, die Schrift habe „alles unter der Sünde eingeschlossen“ in Gal 3,22 spiegelt sich sogar indirekt in der
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| Antwort Jesu, wenn er vom Rauben des Hausrats spricht: was „unter der Sünde eingeschlossen“ war, wird von Jesus „geraubt“ und damit befreit.
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li
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| Man muss den Spieß der Schriftgelehrten gegen Jesus sogar umdrehen, wenn man
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span.bibelstelle Röm 7,11.13
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| bedenkt:
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br
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q.bibeltext
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| Paulus kann das jüdische Gesetz als „Gesetz der Sünde und des Todes“ bezeichnen, weil es – wie in Gal 3 (wie auch in Röm 5 und 7) dargelegt –
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||||
| eine unheilige Allianz mit der Sünde eingegangen ist, insofern es dem Sünder nur das Todesurteil zusprechen kann, weil ihm selber
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| die Kraft fehlt, lebendig zu machen (→ Gal 3,21!).
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p.card-text
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||||
| Ganz prägnant sind die Zusammenhänge in
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| 11 ... nachdem die Sünde die Gelegenheit ergriffen hatte, täuschte und tötete sie mich durch das Gebot.
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br
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| 13 ... die Sünde verursachte, damit sie als Sünde offenbar werde, mir durch das Gute [= das Gesetz] den Tod.
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p.small.mb-0
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||||
| Wichtig für das generelle Verständnis ist hier, das „ich“ in Röm 7 nicht als „individuelles Ich“ (etwa des Paulus) zu verstehen,
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| sondern als „gemeinschaftliches Ich“ (der Menschheit, der Menschen unter dem Gesetz); man beachte, wie Röm 7,11 auf den Sündenfall
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| im Paradies nach Gen 3 anspielt!
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| In
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span.bibelstelle 1 Kor 15,56-57
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| formuliert:
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| findet sich folgende zugespitzte Formulierung, die das gleiche aussagt:
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br
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q.bibeltext
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| Der Stachel des Todes aber ist die Sünde,
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br
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||||
| die Kraft der Sünde ist das Gesetz.
|
||||
i die Kraft der Sünde ist das Gesetz.
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||||
br
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||||
| Gott aber sei Dank, der uns den Sieg geschenkt hat durch unseren Herrn Jesus Christus.
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br
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||||
| Aufgrund dieser tödlichen „Partnerschaft“ zwischen jüdischem Gesetz und Sünde,
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||||
| beruhend auf der Täuschung durch die Sünde (→ Röm 7) und der Insuffizienz des jüdischen Gesetzes – des Mangels an Kraft, lebendig zu machen (→ Gal 3,21) –,
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||||
| durch die es „alles unter der Sünde zusammengeschlossen“ hat, kann Paulus das jüdische Gesetz als „Gesetz der Sünde und des Todes“
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| (→ Röm 8) bezeichnen.
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li
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||||
| Also:
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br
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||||
i
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||||
| Nicht Jesus treibt Mithilfe des Herrschers der Dämonen die Dämonen aus,
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br
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||||
| sondern die Sünde/Satan/der Herrscher der Dämonen tötet mit Hilfe des Gesetzes die Menschen.
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||||
br
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||||
| Dabei wird auch die Satzaussage von „austreiben“ = befreien zu „töten“ ins Gegenteil verkehrt.
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li
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||||
| Man kann sogar in der Verbindung Mitte – unteres Ende der konzentrischen Gliederung einen Hinweis auf dieses
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||||
| Umdrehen des Vorwurfs bzw. einen Impuls dazu entdecken:
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br
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||||
| Denn während bei der Heilung des Gelähmten die Schriftgelehrten Jesus vorwerfen, er lästere Gott,
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||||
| begegnet in der Verteidigungsrede der umgedrehte Vorwurf Jesus an die Schriftgelehrten, diese würden
|
||||
| gegen den Heiligen Geist, also auch effektiv gegen Gott, lästern.
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||||
li
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||||
| Im Brief des Paulus an die Römer führt Röm 7 das vorausgehende Kapitel Röm 6 thematisch weiter,
|
||||
| insofern zunächst Aussagen, die in Röm 6 in Bezug auf die Sünde gemacht wurden, in Röm 7 auf das Gesetz übertragen werden:
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||||
br
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||||
q.bibeltext
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||||
| 1 ... dass das <i>Gesetz für einen Menschen nur Geltung hat, solange er lebt?</i>
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||||
br
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||||
| 2 So ist die Ehefrau durch das Gesetz an ihren Mann gebunden, solange er lebt; <i>wenn ihr Mann aber stirbt,
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||||
| ist sie frei von dem Gesetz,</i> das die Frau an den Mann bindet.
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||||
br
|
||||
| 4 ... seid auch ihr, meine Brüder und Schwestern, <i>durch das Sterben Christi tot für das Gesetz</i>,
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||||
| so dass ihr einem anderen gehört, dem, der von den Toten auferweckt wurde, damit wir <i>Gott Frucht bringen</i>.
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||||
br
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||||
| 5 Denn als wir noch dem Fleisch verfallen waren, wirkten sich die <i>Leidenschaften der Sünde, die durch
|
||||
| das Gesetz hervorgerufen wurden</i>, so in unseren Gliedern aus, dass wir <i>dem Tod Frucht brachten</i>.
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||||
br
|
||||
| 6 Jetzt aber sind wir <i>frei geworden vom Gesetz, dem gestorben, woran wir gebunden waren</i>, sodass wir <i>in der neuen Wirklichkeit
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||||
| des Geistes dienen</i>, nicht mehr in der alten Wirklichkeit des Buchstabens.
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||||
span.bibelstelle Röm 7,1-2.4-6
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||||
br
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||||
| Vergleiche dazu Aussagen in Röm 6:
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||||
br
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||||
q.bibeltext
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||||
| 4 Wir wurden ja mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod, damit auch wir, so wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters
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||||
| von den Toten auferweckt wurde, <i>in der Wirklichkeit des neuen Lebens wandeln</i>
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||||
br
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||||
| 7 ... <i>wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde.</i>
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||||
br
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||||
| 11 ... begreift auch ihr euch als Menschen, die <i>für die Sünde tot</i> sind, aber <i>für Gott leben</i> in Christus Jesus.
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||||
br
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||||
| 20 ... als ihr Sklaven der Sünde wart, ... 21 Welche <i>Frucht</i> hattet ihr damals? Es waren Dinge, deren ihr euch jetzt
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||||
| schämt; denn <i>sie brachten den Tod.</i>
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||||
br
|
||||
| 22 Jetzt aber, da ihr aus der Macht der Sünde befreit und zu Sklaven Gottes geworden seid, habt ihr eine <i>Frucht</i>,
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||||
| die zu eurer Heilung führt und <i>das ewige Leben</i> bringt.
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||||
span.bibelstelle Röm 6,4.7.11.20-22
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||||
br
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||||
| Auffällig ist, wie in Röm 6 der Geist als tragendes Fundament christlichen Lebens vermisst wurde,
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||||
| dieser nun aber in Verbindung mit dem Gesetz in die Argumentation des Paulus einfließt:
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||||
| die „Wirklichkeit des neuen Lebens“ in Röm 6,4 entspricht der „neuen Wirklichkeit des Geistes“.
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||||
br
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||||
| Die weiteren Ausführungen von Röm 7 beschäftigen sich dann näher mit der Verbindung Gesetz –/↔ Sünde, s. u.
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||||
br
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||||
| Im Blick auf das Evangelium nach Markus lässt sich sagen: Der Fortführung von Röm 6 in Röm 7 entspricht,
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| dass Markus in Mk 3,22-30 (Verteidigungsrede) mit Röm 7 im Hintergrund Mk 2,1-12 (Heilung des Gelähmten) mit Röm 6
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||||
| im Hintergrund weiterführt, wobei Röm 6 auch in Mk 3,22-30 hineinspielt (gemäß den Gesetzen der fortschreitenden Konzentrik).
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.card.slide.border-primary.mb-3
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.card-body
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h5.card-title Das jüdische Gesetz, Satan/Beelzebul/Herrscher der Dämonen und der Heilige Geist
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h6.card-subtitle.text-muted Röm 7 und das vom Geist bestimmte Gesetz, das von der Sünde missbraucht wurde
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hr
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ul.card-text
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li
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| Die Umdrehung des Spießes beim zweiten Vorwurf gegen Jesus lässt auch beim ersten Vorwurf – dem der Besessenheit –
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||||
| den Vorwurf an das Gesetz gerichtet sein;
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br
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||||
| es ist daher in Beziehung zu setzen zu Sünde/Beelzebul/Herrscher der Dämonen einerseits
|
||||
| und dem Heiligen Geist andererseits.
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||||
li
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||||
| Die Frage kann dann nur sein, ob das Gesetz von Beelzebul – bzw. der Sünde – „besessen“ ist – umgekehrt wäre es völlig abwegig (Sünde vom Gesetz besessen).
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||||
br
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||||
| Auf diese Frage nach der Besessenheit des Gesetzes durch die Sünde
|
||||
| gibt schon der Aufbau der Erzählung bei Markus eine Antwort, die sich mit der des Paulus in Röm 7 deckt,
|
||||
| der dort u. a. der Frage
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q.bibeltext
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||||
| Ist das Gesetz Sünde?
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span.bibelstelle (Röm 7,7)
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||||
| nachgeht (und gleich ein „Keineswegs!“ als Antwort gibt).
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li
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| In der Erzählung bei Markus fällt auf, dass der Vorwurf der Schriftgelehrten, Jesus sei von einem unreinen Geist gesessen,
|
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| am Ende der Erzählung wiederholt wird.
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br
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||||
| Würde diese Wiederholung des Vorwurfes fehlen, würde sich zwischen oberem und unterem Teil der Erzählung – bei denen es um den Vorwurf der Besessenheit geht –
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| folgende Struktur ergeben:
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table.table.table-sm.mt-3.mb-3
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tbody
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tr
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td(style="column-span: all; text-align: center;")
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||||
| Schriftgelehrte (Judaisten; „die Schrift“)
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||||
br
|
||||
| Vorwurf der Besessenheit mit Beelzebul
|
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tr
|
||||
td(style="text-align: center;")
|
||||
| ↓
|
||||
td(style="text-align: center;")
|
||||
| ↑
|
||||
tr
|
||||
td(style="column-span: all; text-align: center;")
|
||||
| Jesus
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||||
br
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||||
| Vorwurf des Lästerns gegen den Heiligen Geist
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||||
| Die Übertragung der Spießumkehr vom zweiten auf den ersten Vorwurf – den der Besessenheit –
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||||
| würde hier fast nur verstärken, was eigentlich schon durch die Anordnung offensichtlich ist,
|
||||
| nämlich dass Sünde und Gesetz auf einer Seite gemeinsam gegen den Heiligen Geist (und Jesus) auf der anderen Seite stehen.
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||||
br
|
||||
| Angesichts von Aussagen wie „Gesetz der Sünde und des Todes“ bei Paulus (siehe oben), auf die Markus schon in
|
||||
| seinem Evangelium angespielt hat, wäre dies durchaus eine vorstellbare Position.
|
||||
li
|
||||
| Doch durch die Wiederholung des Vorwurfes am Ende der Erzählung ergibt sich ein völlig anderer Aufbau und damit auch eine nachhaltige Veränderung im Gegenüber:
|
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table.table.table-sm.mt-3.mb-3
|
||||
tbody
|
||||
tr
|
||||
td
|
||||
| Vorwurf der Besessenheit mit Beelzebul
|
||||
td(style="text-align: center;")
|
||||
| → |
|
||||
td
|
||||
| Jesus bzw. Gesetz
|
||||
tr
|
||||
td(style="text-align: center;")
|
||||
| ||
|
||||
td
|
||||
td(style="text-align: center;")
|
||||
| ||
|
||||
tr
|
||||
td
|
||||
| Vorwurf der Besessenheit mit einem unreinen Geist
|
||||
td(style="text-align: center;")
|
||||
| → |
|
||||
td
|
||||
| Vorwurf der Lästerung gegen den Heiligen Geist
|
||||
| Egal, was im Gegenüber zum Vorwurf der Besessenheit eingetragen wird – Jesus im Text bzw. das Gesetz bei der Spießumkehrung –:
|
||||
| es gibt immer eine Parallele zum Heiligen Geist und ein Gegenüber zu Beelzebul bzw. dem unreinen Geist und damit zur Sünde.
|
||||
li
|
||||
| Dass das Gesetz auf der Seite des Heiligen Geistes steht, erscheint – angesichts der oben auch festgestellten Indienstnahme durch
|
||||
| die Sünde gegen die Menschheit – unerwartet, deckt sich aber mit Aussagen des Paulus in Röm 7:
|
||||
br
|
||||
q.bibeltext
|
||||
| 12 ... ist das Gesetz heilig und das Gebot ist heilig, gerecht und gut.
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||||
br
|
||||
| 13 Ist dann etwa das Gute mir zum Tod geworden? Keineswegs! Sondern die Sünde verursachte, damit sie als Sünde offenbar werde,
|
||||
| mir durch das Gute den Tod, denn durch das Gebot sollte die Sünde sich in ihrem ganzen Ausmaß als Sünde erweisen.
|
||||
br
|
||||
| 14
|
||||
i Wir wissen nämlich, dass das Gesetz selbst vom Geist bestimmt ist;
|
||||
br
|
||||
| ich aber bin fleischlich, das heißt: verkauft unter die Sünde.
|
||||
span.bibelstelle Röm 7,12
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||||
br
|
||||
| Wie sich Paulus hier dagegen wehrt, das Gesetz als solches zu etwas schlechtem, bösem – zu Sünde – werden zu lassen,
|
||||
| und herausstellt, dass es an sich „vom Geist bestimmt ist“, so verwehrt der Aufbau der Erzählung bei Markus,
|
||||
| dass von einer Besessenheit des Gesetzes von den Mächten des Bösen gesprochen werden kann,
|
||||
| und stellt es auf die Seite des Heiligen Geistes.
|
||||
li
|
||||
| Dass in Mk 3,22-30 unter anderem Röm 7 im Hintergrund steht, legt eine weitere Beobachtung nahe:
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||||
br
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||||
| Denn wie Markus im mittleren Teil seiner Erzählung vom Gespaltensein von Reichen und Familien spricht, die dadurch keinen Bestand haben können,
|
||||
br
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||||
| bringt Paulus in Röm 7 das Gespaltensein des Menschen zwischen (gutem) Gesetz und Sünde,
|
||||
| die das Todesverfallensein des Menschen bedeuten,
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||||
| mit drastischen Worten zum Ausdruck:
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||||
br
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||||
q.bibeltext
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| 14 Wir wissen nämlich, dass das Gesetz selbst vom Geist bestimmt ist;
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||||
| ich aber bin fleischlich, das heißt: verkauft unter die Sünde.
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||||
br
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||||
| 15 Denn was ich bewirke, begreife ich nicht: Ich tue nicht das, was ich will, sondern das, was ich hasse.
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||||
br
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||||
| 16 Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, erkenn ich an, dass das Gesetz gut ist.
|
||||
br
|
||||
| 17 Dann aber bin nicht mehr ich es, der dies bewirkt, sondern die in mir wohnende Sünde.
|
||||
br
|
||||
| 18 Ich weiß nämlich, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt:
|
||||
br
|
||||
| Das Wollen ist bei mir vorhanden, aber ich vermag das Gute nicht zu verwirklichen.
|
||||
br
|
||||
| 19 Denn ich tue nicht das Gute, das ich will, sondern das Böse, das ich nicht will, das vollbringe ich.
|
||||
br
|
||||
| 20 Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, dann bin nicht mehr ich es, der es bewirkt, sondern die in mir wohnende Sünde.
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||||
br
|
||||
| 21 Ich stoße also auf das Gesetz, dass in mir das Böse vorhanden ist, obwohl ich das Gute tun will.
|
||||
br
|
||||
| 22 Denn in meinem Inneren freue ich mich am Gesetz Gottes,
|
||||
br
|
||||
| 23 ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das mit dem Gesetz meiner Vernunft im Streit liegt
|
||||
| und mich gefangen hält im Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern herrscht.
|
||||
br
|
||||
| 24 Ich elender Mensch! Wer wird mich aus diesem dem Tod verfallenen Leib erretten?
|
||||
span.bibelstelle Röm 7,14-24
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||||
p.small.mb-0
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||||
| Wichtig zu sehen ist, dass hier die unerlöste, vorchristliche Existenz des „kollektiven Menschen“ beschrieben wird,
|
||||
| nicht ein (aktueller) Konflikt in Paulus.
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||||
li
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||||
| Schillernd und nicht einfach aufzulösen – und daher für unsere Zwecke nicht weiter zu vertiefen – ist in Röm 7 die Verwendung des Begriffes „Gesetz“.
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||||
br
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||||
| Gerade dies passt aber auch wieder zur Thematik Gespaltensein bei Markus.
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||||
br
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||||
| Vor allem in den Versen Röm 7,7-14 ist das „Gespaltensein“ des Gesetzes zwischen Absicht Gottes
|
||||
| und Resultat nach Missbrauch durch die Sünde deutlich: einerseits Gottes heiliges, gerechtes, gutes und vom Geist bestimmtes Gesetz,
|
||||
| andererseits – gleichzeitig! – das Gesetz, das dem Menschen – im Sinne der Menschheit – den Tod gebracht hat.
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||||
br
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||||
| Der Hinweis des markinischen Jesus, dass das Gespaltene keinen Bestand hat und haben kann, ist im Sinne des Markus
|
||||
| sicher auch auf das jüdische Gesetz zu beziehen, womit dessen Ende – als „Heilsweg“ – angedeutet ist;
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||||
br
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||||
| bei Paulus schließen sich – sehr analog – an Röm 7 mit Röm 8 Aussagen zum Freigewordensein vom „Gesetz der Sünde und des Todes“
|
||||
| durch die Sendung des Gottessohnes an, auf die Markus schon (auch) an anderen Stellen angespielt hat.
|
||||
li
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||||
| Zur Thematik „Gespaltensein“ passt auch gut ein weiterer Erzählzug bei Markus:
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||||
br
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||||
| Während die Schriftgelehrten sich den indirekten Vorwurf anhören müssen, gegen den Heiligen Geist zu lästern,
|
||||
| ist das Gesetz an sich vom Geist bestimmt.
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||||
br
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||||
| Dies bringt die ganze Misere rund um das Gesetz und die das Gespaltensein zwischen dem vom Geist bestimmten Gesetz
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||||
| und dem der Sünde verfallenen Menschen unter dem Gesetz nach Röm 7 prägnant zum Ausdruck.
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||||
li
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||||
| Zur Frage „Welche Stellung hat das Gesetz in der Unheilsgeschichte des Menschen?“ mag auch eine kleine Spitzfindigkeit
|
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| in der markinischen Erzählung und der Spießumkehr besonderes auffallen:
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br
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| Bei der Spießumkehr des zweiten Vorwurfes an Jesus muss eine Satzumstellung vorgenommen werden,
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| denn bei einem direkten Tausch würde es ja heißen:
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br
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| „Mit Hilfe des Herrschers der Dämonen tötet das Gesetz die Menschen“.
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br
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||||
| Das aber ist völlig unsinnig; vielmehr kann es nur heißen:
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br
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||||
| „Mit Hilfe des Gesetzes tötet der Herrschers der Dämonen die Menschen“.
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br
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||||
| Das Gesetz ist hier „Werkzeug“, nicht Subjekt: Der Vorwurf trifft die Sünde, sich das Gesetz entsprechend zunutze gemacht zu haben,
|
||||
| nicht das Gesetz selber.
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li.small
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| Es sei darauf hingewiesen, dass der Vorwurf an Jesus bei Markus zweigliedrig ist, während er bei Matthäus und Lukas
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| eingliedrig ist:
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br
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q.bibeltext
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| Mit Hilfe von Beelzebul, dem Herrscher der Dämonen, treibt er die Dämonen aus.
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span.bibelstelle Lk 11,15
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br
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||||
q.bibeltext
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| Nur mit Hilfe von Beelzebul, dem Herrscher der Dämonen, treibt er die Dämonen aus.
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||||
span.bibelstelle Mt 12,24
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br
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||||
q.bibeltext
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||||
| Er ist von Beelzebul besessen; mit Hilfe des Herrschers der Dämonen treibt er die Dämonen aus.
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||||
span.bibelstelle Mk 3,22
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br
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||||
| Entweder haben Matthäus und Lukas den zweigliedrigen Vorwurf jeweils eigenständig zu einem eingliedrigen umformuliert,
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||||
| oder – wahrscheinlicher – Markus hat einen zweigliedrigen Vorwurf aus einem in seiner Tradition vorgefundenen eingliedrigen gemacht.
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||||
br
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||||
| Nur Markus spricht den bei Mt und Lk nicht erwähnten Vorwurf der Besessenheit aus, den man aber hineinlesen kann.
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||||
br
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||||
| Die Zweigliedrigkeit gibt Markus die Möglichkeit, in seinen Bezügen differenziert zum Gesetz Stellung zu nehmen – die Schaffung der Zweigliedrigkeit
|
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| ist also nicht um Jesu willen, sondern um des Gesetzes willen geschehen.
|
||||
|
||||
.card.slide.border-primary.mb-3
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.card-body
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h5.card-title „Er ist von Beelzebul besessen“ und „Er hat einen unreinen Geist“ ↔ Heiliger Geist
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hr
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p.card-text
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| Mit dem Heiligen Geist, der fast beiläufig erwähnt wird, wird das in und durch Jesus wirkende
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||||
| Gegenüber zu Beelzebul bzw. den unreinen Geistern genannt.
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ul.card-text
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||||
li
|
||||
| Schon in der Mitte der konzentrischen Gliederung – der Heilung des Gelähmten in Mk 2,1-12 – war – wie hier –
|
||||
| die Frage, auf welcher Seite Jesus steht bzw.
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| wer durch Jesus eigentlich wirkt, präsent,
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br
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| Er ist es, der – siehe die Taufe Jesu als „Prototyp“ der christlichen Taufe – in der Taufe im Menschen Wohnung nimmt,
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| nämlich
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||||
| einerseits im Vorwurf der Gotteslästerung der Schriftgelehrten gegenüber Jesus, andererseits
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| in der Anrede Jesu an den Gelähmten: „Mein Sohn“, womit angedeutet ist, dass durch Jesus Gott selbst wirkt,
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| was die Schriftgelehrten nicht realisieren und weswegen sie die Sündenvergebung durch Jesus ablehnen.
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||||
li
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| Es ist bezeichnend, dass Jesu Antwort auf den Vorwurf der Besessenheit mit Beelzebul durch die Schriftgelehrten
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| deren Vorwurf der Gotteslästerung durch Jesus in der Mitte der konzentrischen Gliederung angesichts der Sündenvergebung aufgreift
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| und mit dem indirekten Vorwurf der Lästerung des Heiligen Geistes kontert, womit er den Vorwurf der Gotteslästerung zurückgibt.
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br
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| Weiterhin ist bezeichnend, dass Jesus in seiner Antwort die Sündenvergebung, die in Mk 2,1-12 die Schriftgelehrten auf den Plan gerufen hatte,
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| aufgreift:
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br
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q.bibeltext
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| Amen, ich sage euch: Alle Vergehen und Lästerungen werden den Menschen vergeben werden, so viel sie auch lästern mögen;
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| wer aber den Heiligen Geist lästert, der findet in Ewigkeit keine Vergebung, sondern seine Sünde wird ewig an ihm haften.
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span.bibelstelle Mk 3,28-29
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li
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| Die Aussage ist in der Zusammenschau also:
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ul.card-text
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li
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| Nicht Jesus lästert Gott, indem er (wirksam) Sünden vergibt (und damit zu einem neuen Leben verhilft jenseits der Sünde und des Todes),
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li
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| sondern die Schriftgelehrten, indem sie diese Sündenvergebung(svollmacht) durch Jesus ablehnen
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br
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| und Jesus Besessenheit mit Beelzebul vorwerfen, statt durch Jesus hindurch Gott selbst handelnd zu sehen bzw.
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| den Heiligen Geist als Jesus – seit der Taufe – erfüllende Kraft
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| (→ Röm 1,4: „Dem Geist der Heiligkeit nach eingesetzt als Sohn Gottes in Macht seit der Auferstehung von den Toten").
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li
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| Wer sich gegen die Sündenvergebung(svollmacht) Jesu bzw. gegen die Rechtfertigungslehre des Paulus stellt,
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| lästert Gott und kann keine Sündenvergebung erfahren.
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br
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| Nur wer das Handeln Gottes durch Christus (in der paulinisch-markinischen Interpretation) „sieht“,
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| kann Sündenvergebung erlangen.
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li
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| Der Heilige Geist wird in der Antwort Jesu fast nebenbei erwähnt, und doch liegt auf ihm das tragende Gewicht
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| im Gegenüber zu Beelzebul bzw. den unreinen Geistern und als Kraft, die hinter Jesus steckt bzw. durch Jesus wirkt.
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br
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| Wenn deutlich ist, dass Jesus nicht von Beelzebul besessen ist, sondern Gottes Heiliger Geist in ihm wohnt und durch ihn wirkt,
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| dann ist auch klar – auch wenn das selbst nicht direkt ausgesprochen wird –, dass Jesus nicht mit Hilfe des Herrschers der Dämonen,
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| sondern mit Hilfe des Heiligen Geistes die Dämonen austreibt,
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| ist doch der zweite Vorwurf vom ersten abhängig.
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li
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| Der Heilige Geist ist es auch, der – siehe die Taufe Jesu als „Prototyp“ der christlichen Taufe – in der Taufe im Menschen Wohnung nimmt,
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| <i>anstatt</i> der Sünde bzw. Beelzebul bzw. den unreinen Dämonen (→ „zur Vergebung der Sünden“ in einem wirklich befreienden Sinn).
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p.card-text
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| Die Anspielung auf das Wirken des Geistes Gottes in und durch Jesus im Gegenüber zu Beelzubul bzw. den unreinen Geistern
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| bei Markus deckt sich mit dem,
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| dass Paulus immer wieder das Gegenüber zwischen Sünde (bzw. dem von der Sünde beherrschten Fleisch) und dem Geist Gottes herausstellt,
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| z. B. indem er – wie oben zitiert – das „Gesetz des Geistes (und des Lebens)“ dem „Gesetz der Sünde (und des Todes)“
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| gegenüberstellt.
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p.card-text
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li
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| Mit der „Taufe“ des „Gelähmten“ in der Mitte der konzentrischen Gliederung ergeben sich damit noch weitergehende Bezüge,
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| die die obigen Ausführungen zur Taufe als Lebenswende ergänzen.
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ul.card-text
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li
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| Wie Röm 6,15-23 darlegt, geht es bei der Christwerdung um einen Herrschaftswechsel;
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br
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| diesen kann man – verschiedene Stellen bei Paulus aufgreifend – auch so formulieren:
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br
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i Satan bzw. die Sünde zieht aus – Gottes Geist zieht ein.
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p.card-text
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li
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| In
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span.bibelstelle Röm 6,18
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| kann Paulus schreiben:
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q.bibeltext das Gesetz des Geistes ... hat dich befreit aus dem Gesetz der Sünde
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br
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| Dies ist in Röm 6 quasi nachzutragen.
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p.card-text
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li
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| Festzuhalten ist – nicht zuletzt auch als Antwort auf das Gegenüber Jesu in der aktuellen Erzählung bei Markus –, dass es
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| in der christlichen Theologie – in der Schule des Paulus – kein absolutes Freisein gibt und geben kann,
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| das die Sünde erlauben und damit im Dienst der Sünde stehen würde, dann man ist
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br
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| entweder Diener der Sünde oder Diener Gottes,
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| entweder Diener der Sünde <i>oder</i> Diener Gottes,
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br
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| entweder der einen oder dem anderen sich selbst verpflichtet,
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| entweder der einen <i>oder</i> dem anderen sich selbst verpflichtet,
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br
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| entweder von der Sünde beherrscht („besessen“) oder vom Heiligen Geist.
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| entweder von der Sünde beherrscht („besessen“) <i>oder</i> vom Heiligen Geist.
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br
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| „Frei sein“, „Befreitsein“ ist daher ausschließlich als Befreitwordensein von Sünde und Tod
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| zu verstehen; ihm korrespondiert <i>notwendig</i> ein „Sklave sein“ gegenüber Gott bzw. dem einwohnenden Heiligen Geist.
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|||
| Insofern sind die Dämonenaustreibungen Jesu wirklich <i>gegen</i> Beelzebul gerichtet und geschehen nicht
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| in seinem Dienst oder Auftrag, obwohl – aufgrund der oben erinnerten Zusammenhänge – das Befreitwerden von Beelzebul
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| bzw. von der Sünde mit dem Befreitwerden vom jüdischen Gesetz (als göttlich verordnetem Weg zum (Un-)Heil) in eins geht.
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li
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| Wie Markus dem Vorwurf der Besessenheit Jesu mit Beelzebul das Beseeltsein Jesu mit dem Heiligen Geist entgegenstellt,
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| so gibt es auch bei Paulus immer wieder das Gegenüber zwischen Sünde (bzw. dem von der Sünde beherrschten Fleisch)
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| und dem Geist Gottes;
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br
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| und wie der Heilige Geist für Jesus die Kraft ist, Dämonen auszutreiben,
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| so ist es dieser im Christen einwohnende Heilige Geist,
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| der für den Christen die Kraft ist,
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| der Sünde zu wiederstehen,
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| wie Paulus in
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span.bibelstelle Gal 5,16-18
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| ausführt:
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q.bibeltext
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| 16 Ich sage aber: Wandelt im Geist, dann werdet ihr das Begehren des Fleisches nicht erfüllen!
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br
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| 17 Denn das Fleisch begehrt gegen den Geist, der Geist gegen das Fleisch, denn diese sind einander entgegengesetzt,
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| damit iht nicht tut, was ihr wollt.
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br
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| 18 Wenn ihr euch aber vom Geist führen lasst, dann steht ihr nicht unter dem (Todesurteil des) Gesetz(es).
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br
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| Das „Fleisch“ ist hier – vgl. auch Röm 7 – als Einfallstor der Sünde zu verstehen, dem Paulus die Kraft des Geistes entgegenstellt.
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br
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| Die Formulierungen sind ganz ähnlich wie jene in Röm 7, und doch ganz anders: Während Röm 7 die verzweifelte Existenz
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| unter dem Gesetz beschreibt, auf die der Tod wartet,
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| ermöglicht es hier der in den Christen einwohnende Geist, der Sünde zu widerstehen – auch wenn das eine Herausforderung bleibt.
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h5.card-title
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q ... in das Haus des Starken einbrechen und ihm den Hausrat rauben, wenn er nicht zuerst den Starken gefesselt hat.
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hr
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ul.card-text
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li
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| Die Aussage vom Einbrechen ins Haus und Rauben des Hausrats wird in der Mitte der konzentrischen Gliederung
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| schön bebildert – in beiden Erzählungen spielt ein Haus ein Rolle! –:
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br
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| durch seinen Tod ist Jesus in das Totenreich – das Haus hier quasi als Grab – eingebrochen
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| und ermöglicht dort den in der Taufe mit ihm Gestorbenen (→ Gelähmter) ein neues Leben,
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| das sie nach Hause (→ in den Himmel) gehen lässt.
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li
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| Eine gewisse Nähe gibt es zur Ausdrucksweise des Paulus in
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span.bibelstelle Gal 3,22:
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q.bibeltext
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| ... die Schrift hat alles unter der Sünde eingeschlossen
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br
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| Jetzt ist – dank Jesu Tod und Auferstehung, appliziert in der Taufe – der „Hausrat“, der „unter der Sünde einschlossen“ war,
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| frei und dafür die Sünde selbst gefesselt.
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.card-body
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h5.card-title
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q ... den Starken gefesselt hat
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h6.card-subtitle.text-muted Jesus von Beelzebul besessen? – Nein: er ist der „Stärkere“!
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hr
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ul.card-text
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li
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| Von besonderer Bedeutung ist der Umstand, dass Satan hier mit „der Starke“ bezeichnet wird (in dessen „Haus“ Jesus eingedrungen ist);
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| denn so ist diese Erzählung durch die Trias „‚Starker‘/‚Stärkerer‘ + Satan [Versuchung/Dämonenaustreibung] + Heiliger Geist“
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| mit Mk 1,2-13, also dem ersten Teil des Evangeliums, verknüpft.
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li
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| Der Ausgang der Versuchungserzählung blieb auf Ebene des Textes offen;
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| hier wird sozusagen das Resultat der Begegnung
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| zwischen Satan und Jesus (im Tod am Kreuz!) nachgeschoben: Jesus hat Satan „gefesselt“!
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br
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| Die Erzählung hier in 3,22-30 legt das nahe.
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li
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| Somit wird hier die Überzeugung ausgedrückt, dass Satan („der Starke“) bereits besiegt ist;
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br
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| Jesus ist „der Stärkere“ (Mk 1,7);
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br
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| dass Jesus Wunder und Dämonenaustreibungen wirken kann, das ist für
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| ihn ein eindeutiges Zeichen dafür. – Wenn man dem Satan nicht selbstzerstörerische Schizophrenie vorwerfen will.
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.card.slide.border-primary.mb-3
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.card-body
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h5.card-title „Wenn eine Familie in sich gespalten ist, kann sie keinen Bestand haben.“
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hr
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p.card-text
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ul.card-text
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li
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| Diese Aussage ist mit dem Kontext der Verteidigungsrede zu verbinden,
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| geht es doch davor um die leibliche Familie Jesu, die Jesus für „von Sinnen“ hält,
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| und im Anschluss um die „wahre Familie“ Jesu, die sich über das Tun des Willens Gottes konstituiert.
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p.card-text
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li
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| Insofern die in der Verteidigungsrede verhandelte Frage eine nachösterliche ist,
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| legt sich nahe, dass auch diese Aussage auf die nachösterliche Situation der Kirche zu beziehen ist.
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p.card-text
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li
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| Dabei ist zunächst zu bedenken, dass Jesus hier durchsichtig wird auf Paulus.
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br
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| Ferner ist zu bedenken, dass die Aussage innerhalb der Verteidigungsrede fällt, der Kontext
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@ -527,7 +1004,7 @@ block content
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br
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| Und zwischen Paulus und dem Herrenbruder gab es in den genannten Fragen tatsächlich Spannungen bis hin zur Spaltung,
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| wie Paulus im Brief an die Galater erzählt.
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p.card-text
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li
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| Für Markus ist klar, dass die paulinische Interpretation von Tod und Auferstehung Jesu gültig ist,
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| Paulus und Jesus also auf eine Seite gehören.
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br
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@ -535,25 +1012,24 @@ block content
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| die es in der frühen Kirche zwischen Paulus und dem Herrenbruder Jakobus gab,
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| als Spannung innerhalb der Familie Jesu – also zwischen Jesus und seiner Familie – erzählt,
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| weil das anders in seinem Evangelium gar nicht möglich ist.
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p.card-text
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li
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| „Familie“ wäre dann – weil es nachösterlich um einen Konflikt nicht innerhalb der leiblichen Familie Jesu geht sondern
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| zwischen Paulus und dem Herrenbruder Jakobus – auf das Judenchristentum zu beziehen, das in der Frage
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| zwischen Paulus und dem Herrenbruder Jakobus – auf das Judenchristentum (oder gar das Christentum insgesamt) zu beziehen, das in der Frage
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| der Rechtfertigung gespalten ist und so – das ist die Mahnung – nicht Bestand haben kann;
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br
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| vielmehr sollten sich alle der Überzeugung des Paulus anschließen.
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br
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span.small
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p.small.mb-0
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| Diese geweitete Deutung von „Familie“ ist durchaus möglich, weil in der nachfolgenden Erzählung
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| auch „Familie“ – als Summe der einzelnen dort genannten Familienmitglider –
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| auch „Familie“ – als Summe der einzelnen dort genannten Familienmitglieder –
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| die christliche Gemeinde (letztlich die ganze Kirche) bezeichnen kann.
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p.card-text.small
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li.small
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| Vielleicht ist die Aussage bei Markus auch auf das Verhältnis zwischen Jesus und den ihn ablehnenden Teil
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| des Judentums zu beziehen; das ist – weil es hier um eine innerchristliche Fragestellung geht – aber eher unwahrscheinlich.
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p.card-text
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li
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| Vielleicht hat Markus auch konkret die Situation in Galatien vor Augen, wo sich die Gemeinde in der Fragestellung der Rechtfertigung
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| nicht spalten soll, sondern sich in ihrer Gänze weder er paulinischen Überzeugung anschließen soll.
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| nicht spalten soll, sondern sich in ihrer Gänze wieder der paulinischen Überzeugung anschließen soll.
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br
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| Dann könnte
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| Dann könnte auch
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span.bibelstelle Gal 5,13-15
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| im Hintergrund stehen; diese Stelle passt auch zum Kontext des Vorwurfes zügelloser Freiheit, die der Sünde Tür und Tor öffnen würde:
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br
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@ -564,8 +1040,8 @@ block content
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br
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| Denn das ganze Gesetz ist in dem einen Wort erfüllt: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
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br
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| Wenn irh aber einander beißt und fresst, dann gebt Acht, dass ihr nicht einer vom anderen verschlungen werdet!
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p.card-text
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| Wenn ihr aber einander beißt und fresst, dann gebt Acht, dass ihr nicht einer vom anderen verschlungen werdet!
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li
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| Allgemein wird man sagen können, dass die Aussage des Markus zu Frieden und Zusammenhalt in der christlichen Gemeinde
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| aufrufen will, wie dies Markus etwa auch in
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span.bibelstelle Mk 9,50
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