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Peter Fischer 2021-09-21 17:09:09 +02:00
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h5.card-title Johannes tritt ab, Jesus tritt auf: Eröffnungsruf des Wirkens Jesu: Das Reich Gottes ist zum Greifen nahe!
h6.bibelstelle.card-subtitle.text-muted Mk 1,14-15
.slide.mb-3
hr
p.card-text.mb-0.konzentr-3.bibeltextkonzentr
| 1 Anfang des Evangeliums Jesu Christi, Sohn (eines) Gottes.
br
| 2 Wie geschrieben steht beim Propheten Jesaja:
br
q Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der einen Weg bahnen wird.
br
q 3 Stimme eines Rufers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn! Macht gerade seine Straßen!
p.card-text.mb-0.konzentr-2.bibeltextkonzentr
| 4 So trat Johannes der Täufer in der Wüste auf und verkündete eine Taufe der Umkehr zu Vergebung der Sünden.
br
| 5 Ganz Judäa und alle Einwohner Jerusalems zogen zu ihm hinaus;
br
| sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen.
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| 6 Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften
br
| und er lebte von wildem Honig.
br
| 7 Er verkündete:
q
| Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich;
br
| ich bin es nicht wert, mich zu bücken und ihm die Riemen der Sandalen zu lösen.
br
| 8 Ich habe euch mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.
p.card-text.mb-0.konzentr-1.bibeltextkonzentr
| 9 Und es geschah in jenen Tagen, da kam Jesus aus Nazareth in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen.
br
| 10 Und sogleich, als er aus dem Wasser stieg, sah er,
br
| dass der Himmel aufriss und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam.
br
| 11 Und eine Stimme aus dem Himmel sprach:
q Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.
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| 12 Und sogleich trieb der Geist Jesus in die Wüste.
br
| 13 Jesus blieb vierzig Tage in der Wüste und wurde vom Saten in Versuchung geführt.
br
| Er lebte bei den wilden Tieren und die Engel dienten ihm.
p.card-text.konzentr-3.bibeltextkonzentr
| 14 Nachdem Johannes ausgeliefert worden war, ging Jesus nach Galiläa;
br
| er verkündete das Evangelium Gottes
br
| 15 und sprach:
q
| Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe.
br
| Kehrt um und glaubt an das Evangelium!
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h5.card-title
q Anfang
hr
p.card-text.mb-0
| Mit dieser kurzen Erzählung wird der <i>Anfang</i> des öffentlichen Wirkens Jesu markiert.
br
| Inhaltlich geht es dabei um den <i>Anbruch</i> des Gottesreiches.
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h5.card-title
q Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg bahnen wird
br
q ausgeliefert
hr
ul.card-text
li Am Anfang der Erzählung findet sich die Notiz von der „Auslieferung“ Johannes des Täufers, des Vorläufers Jesu.
li Damit wird auf das gewaltsame Ende des Täufers angespielt (vgl. Mk 6,17-29).
li
| Das „den Weg bahnen“ kann in diesem Sinne auch als „Weg vorzeichnen“ verstanden werden geheimnisvoller Hinweis also darauf,
| dass Johannes auch im Hinblick auf den gewaltsamen Tod durch die Mächtigen „Vorläufer Jesu“ ist.
li Die zugrunde liegende Verb ist jedenfalls innerhalb des Neuen Testamentes „terminus technicus“ für den Tod Jesu am Kreuz (→ Mk 3,19; 1 Kor 11,23).
li
| Er bringt zum Ausdruck, dass Jesu Weg nicht einfach ein (dummes, zufälliges) „Schicksal“ ist, sondern dem (Heils-)Plan Gottes entspricht.
br
| Dieser ist das ungenannte Subjekt hinter der Passivformulierung „ausgeliefert“/„überliefert“, die nicht selten ohne Täter steht.
li
| Insofern es hier in gleicher Weise für Johannes den Täufer gebraucht wird, wird auch sein Wirken bis hin
| zu seinem gewaltsamen Lebenswend als Sendung durch Gott verstanden.
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h5.card-title
q ... ging Jesus nach Galiläa
hr
ul.card-text
li Die Wirkorte von Johannes dem Täufer und Jesus haben sich grundlegend unterschieden.
ul.card-text
li Der eine lebte als Asket in der Wüste.
li Der andere war eher in den Dörfern Galiläas unterwegs und lehnte das Fasten ab (→ Mk 2,18-20; vgl. auch Lk 7,34: „Fresser und Säufer“).
li
| Dahinter steckt sicher auch eine andere Überzeugung über das, was „jetzt“ von Gott her Gültigkeit hat.
li
| Der grundlegende, „alles verändernde“ Einschnitt dürfte für Jesus der Tod des Täufers gewesen sein
| insofern ist die Notiz in Mk 1,14a nicht nur zeitlich zu verstehen.
li.small
| Möglicherweise darf man so rekonstruieren:
ul.card-text
li Johannes der Täufer hatte das nahe Ende der Welt und das Kommen Gottes zum Gericht angekündigt.
li Beides blieb auch nach seinem gewaltsamen Tod aus!
li Das eröffnet zwei Denkmöglichkeiten:
ol.card-text
li Johannes hatte sich geirrt ...
li Johannes hatte grundsätzlich Recht, aber Gott eröffnet eine Zeit der Gnade, die noch Umkehr ermöglicht, bevor er tatsächlich zum Gericht kommt.
li
| Eine Entscheidung Jesu für die zweite Denkmöglichkeit
| würde die einladenden Predigten von Gottes Gnade und Barmherzigkeit schlüssig begründen.
li
| Auch für Jesus blieb das Kommen Gottes zum Gericht etwas sehr Nahes;
br
| aber er betonte eher den einladend-fordernden Gnadencharakter der Jetzt-Zeit und wandte sich aktiv den Sündern zu, um sie zur rettenden Umkehr zu bewegen
br
| wenngleich auch bei ihm das Ende der Welt und das Kommen Gottes zum Gericht Horizont seiner Botschaft blieb.
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h5.card-title
q Bereitet den Weg des Herrn
br
q Kehrt um und glaubt an das Evangelium!
hr
ul.card-text
li
| Wie schon in Mk 1,4 beim Auftreten Johannes des Täufers spiegelt sich der Ruf „Bereitet den Weg des Herrn!“ im Umkehrruf,
| diesmal aus dem Munde Jesu.
li
| Ergänzt wird er hier mit dem Aufruf zum „Glauben an das Evangelium“;
br
| „Glaube“ wird im weiteren Verlauf des Evangeliums eine wichtige Rolle spielen.
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h5.card-title
q Evangelium (Gottes)
h6.card-subtitle.text-muted Die „Taufe“ Jesu Tod und Auferstehung Jesu als „Mitte“ des Evangeliums.
hr
ul.card-text
li Die Wendung „Evangelium Gottes“ erinnert wieder an Röm 1,1-4, von dem sich Markus für seinen Evangelienbeginn u. a. hat inspirieren lassen.
li
| Deutlich wird, dass das Evangelium von Gott ausgeht: <i>Gott</i> lässt diese Botschaft verkünden;
br
| und es ist eine <i>gute</i> Botschaft.
li
| Mit Mk 1,1 „Evangelium Jesu Christi“ entsteht eine Inklusion, die Mk 1,1-15 insgesamt einschließt.
br
| Wobei „Evangelium Jesu Christi“ und „Evangelium Gottes“ sachlich identisch ist (vgl. auch wieder die Reihung in Röm 1,1-4!):
br
| Jesus Christus setzt in Wort und Tat um, was Gottes Heilsplan für die Menschen ist.
li
| Inhaltlich bleibt „Evangelium“ geheimnisvoll unspezifiziert.
li
| In dieser Gliederung bildet aber die Taufe Jesu die konzentrische Mitte,
| die Markus ganz im Blick auf Jesu Tod und Auferstehung erzählt, ja dieses Doppelereignis gegenwärtig macht.
li
i
| So legt die Konzentrik nahe, dass „Evangelium“ vor allem das christologisch-soteriologische
| Doppelereignis von Jesu Tod und Auferstehung bezeichnet.
br
span.small Und nur indirekt eine Erzählung des „Lebens Jesu“. Damit steht Markus dem paulinischen Verständnis von „Evangelium“ äußerst nahe.
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h5.card-title
q Die Zeit ist erfüllt!
h6.card-subtitle.text-muted Vom Kairos des Evangeliums
hr
ul.card-text
li Der Kairos ist die günstige, einmalige Gelegenheit, die es zu ergreifen gilt.
li
| Als Figur dargestellt, hat der „Kairos“ nur am Vorderkopf Haare:
br
| Man muss die günstige Gelegenheit erwischen,
| ihn zu packen, es gibt ein „zu früh“ und ein „zu spät“ (wenn man dann hinten nur noch abrutscht ...).
li
| Es geht hier also nicht nur um eine „Zeitansage“, sondern um den Aufruf, die Chance, die sich durch das Evangelium
| durch Jesu Tod und Auferstehung ergibt, zu ergreifen, bevor es dafür zu spät ist.
p
| Der Kommende [= Jesus] als der Stärkere, der im Kampf mit Satan [= der Starke] siegt.
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h5.card-title
q Das Reich Gottes ist (zum Greifen) nahe!
h6.card-subtitle.text-muted Ergreift das Reich Gottes, das in Tod und Auferstehung in diese Welt hereingebrochen ist!
hr
ul.card-text
li
| „basileia tou theou“ („Herrschaft Gottes“ bzw. „Reich Gottes“) ist ein für Jesus typischer Begriff.
br
| Von daher hat er Eingang in die christliche Verkündigung gefunden.
li
| Was in der deutschen Übersetzung nicht auffällt: „Reich Gottes“ ist Subjekt des Satzes!
br
| Das Reich Gottes ist also eine <i>aktive</i> Größe, analog zum Evangelium nach
span.bibelstelle Röm 1,16
br
q.bibeltext
| ... ich schäme mich des Evangeliums nicht: Es ist <i>eine Kraft Gottes</i> zur Rettung für jeden, der <i>glaubt</i>
li
| „ist (zum Greifen) nahe“ ist hier ein Verb im Perfekt.
ul.card-text
li Anders als das deutsche Perfekt bezeichnet das griechische Perfekt nicht die Vergangenheit, sondern ist eine Gegenwartsform!
li Der Akzent liegt auf der in der Gegenwart andauernden Gültigkeit der Aussage; es geht um ein Ereignis, das die Gegenwart bestimmt.
li
| Das Reich Gottes ist in diesem Sinne also nicht nur (punktuell) gekommen,
br
| es ist bleibend nahe: im Evangelium bzw. dort, wo das Evangelium als Kraft wirksam wird und Wirklichkeit verändert.
| Das Verb bezeichnet die <i>unmittelbare</i> Nähe („zum Greifen nahe“);
br
| und so ist die Aussage von der Nähe der Gottesherrschaft
| schon in sich der Aufruf, sich entsprechend zu verhalten, was hier durch den Aufruf zu Umkehr und Glaube konkretisiert wird.
li
| Das Reich Gottes ist also eine Größe der Gegenwart, wenn auch klein und unscheinbar eben auf „Wachstum“ angelegt (→ Mk 4,26-32: Wachstumsgleichnisse);
br
| aber ist ist klar nicht mehr nur eine Größe der Zukunft: es bricht herein in diese Welt und will sie verwandeln.
li
| Vom Hereinbrechen der Wirklichkeit Gottes in diese Welt erzählt Markus in der Mitte der konzentrischen Gliederung:
br
i Tod und Auferstehung Jesu die ja in der Tauferzählung bei Markus „gegenwärtig“ sind bringen das Anbrechen der Gottesherrschaft mit sich, von dem Mk 1,14-15 spricht.
br
| Darin stimmt er mit Paulus überein, der kein Interesse am „historischen Jesus“ hatte und der seine ganze christliche Theologie aus der Auferstehung des Gekreuzigten entwickelt.
li
| Wenn Jesus (auch) eine „präsentische Eschatologie“ im Sinne von Mk 1,14-15 vertreten haben sollte darüber wird gestritten ,
| war für ihn mit hoher Wahrscheinlichkeit der Tod des Täufers und das Ausbleiben des Kommens Gottes dafür Anlass (s. o.).
br
span.small Das ist insgesamt eine komplexe, letztlich nie ganz sicher beantwortbare Frage.
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h5.card-title
| Johannes in der Wüste Jesus in der Wüste
h6.card-subtitle.text-muted Dem Satan davonlaufen ...
hr
ul.card-text
li
| In der konzentrischen Gliederung stehen einerseits Botschaft und Wirken Johannes des Täufers und andererseits die Erzählung von der Versuchung Jesu gegenüber.
li
| <i>Beides</i> wird in der Wüste verortet.
li
| In <i>beiden</i> Erzählungen spielt auch der Geist Gottes eine Rolle, wie auch in der konzentrsichen Mitte:
ul.card-text
li Johannes kündigt die Geisttaufe des „Stärkeren“ an.
li In der Taufe wird Jesus mit dem Geist Gottes „ausgestattet“.
li Jesus wird vom Geist in die Wüste getrieben.
li
| Wie schon in der vorherigen Etappe in der fortschritenden Konzentrik begegnet das Gegenüber Jesus die Vielen (<i>ganz</i> Judäa <i>alle</i> Einwohner Jerusalems);
br
| das Wirken des Einen für die Vielen ist zu assoziieren:
br
| Jesus, der <i>Stärkere</i>, hat den Satan, den <i>Starken</i> (nach Mk 3,28) in der Versuchung besiegt das ist hier vorauszusetzen und hat
| so als der Eine <i>für</i> die Vielen den Vielen in der Geisttaufe eine neue Wirklichkeit jenseits der Sünde ermöglicht.
li
| Zusammengenommen zeigt sich ein schönes Bild:
br
| Nicht nur hat Jesus die Versuchung bestanden,
br
| auch die Vielen kehren um, wenden sich also vom Satan ab, und lassen sich taufen.
li
| Wie aber im Erzählzusammenhang Jesus <i>nach</i> seiner Taufe versucht wurde,
br
| bleibt auch der Getaufte der Versuchung ausgesetzt.
br
| Es ist wie bei Jesus der in der Geittaufe vermittelte Geist Gottes, der auch den Christen hilft, ihre Versuchungen zu bestehen.
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.card-body
h5.card-title
| Das Evangelium vom Herrschaftsantritt
h6.card-subtitle.text-muted Gott/Jesus vs. Vespasian
hr
ul.card-text
li Markus lässt Jesus das nahegekommene, bereits angebrochene Gottesreich ausrufen und das Evangelium Gottes verkünden.
li
| Der zeitliche Kontext des Markus-Evangeliums ist der Herrschaftsantritt Kaiser Vespasians in Rom
| eine Botschaft, die zu den „Evangelien“ aus dem Kaiserhaus gehörte.
li
| Damit ist ein Gegenüber hergestellt, das Markus noch an zentralen Stellen aufgreifen wird.
li
| Mithin ist das Gottesreich also als Gegenüber zu König- und Kaiserreichen,
br
| die Herrschaft Gottes zu menschlichen Herrschaftsformen
br
| in ein spannungsreiches Verhältnis bis hin zum absoluten Gegenüber gesetzt Markus wird dies an anderer Stelle eigens thematisieren.