Überarbeitung Mk/Aufbruch
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71c98b4326
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li Zeitlich sind wir am Anfang des Tages: „In aller Frühe, als es noch dunkel war“.
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li
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| Inhaltlich wird in der zweiten Hälfte der Episode von einem neuen Aufbruch erzählt,
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| der sich vom bisherigen Umfeld Kafarnaum löst und sich nun auf „ganz Galiläa“ ausdehnt.
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| der sich vom bisherigen Umfeld Kafarnaum löst und nun „ganz Galiläa“ in Blick nimmt.
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| eilen Petrus und seine Begleiter Jesus nach.
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li
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| Damit wird klar Jesus als der vorausgehende göttliche Bote, der den Nachfolgenden den Weg bahnt (→ oberes Ende der konzentrischen Gliederung), inszeniert.
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li
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| Sein Gang in die „Einsamkeit“, sein Aufbruch zu Verkündigung und Dämonenaustreibung mit Weitung des Wirkkreises will und wird auch ihren weiteren Weg bestimmen (s. u.).
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q ... ging an einen einsamen Ort
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q ... und ging an einen einsamen Ort
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h6.card-subtitle.text-muted Wüste!
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| Im Griechischen ist der „einsame Ort“ nicht von der Wüste (wie in Mk 1,12: Auseinandersetzung mit Satan!) zu unterscheiden;
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| Im Griechischen schwingt bei „einsamer Ort“ die „Wüste“ mit;
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| die deutsche Übersetzung verdeckt dies.
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| Wie in der Versuchungserzählung ist damit ein Widerspruch inszeniert: Wüste als Ort nicht nur der menschlichen Einsamkeit,
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| sondern auch der Gottferne, doch gleichzeitig Gebet als Verbindung zu Gott.
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| Der Vorstoß in die „Wüste“, um darin eine „Insel des Lebens“ zu erschaffen, war der Weg Jesu während seines irdischen Wirkens,
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| daran weiterzubauen ist der Weg der Jünger als „Menschenfischer“ in der Nachfolge Jesu.
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| Für Jesus als Auferstandenen – als der er „tot ist für die Sünde“ und „für Gott lebt“ (→ Röm 6) – geht die
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| Auseinandersetzung mit Satan – auch wenn dieser letztlich schon besiegt ist – weiter: er steht seinen Jüngern bei;
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| Versteht man die „Einsamkeit“ als „Wüste“ – wie in der Versuchungserzählung – im übertragenen Sinne,
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| ergibt sich eine doppelte Widersprüchlichkeit der Szene – analog zur Versuchungserzählung –:
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| er geht ihnen – gerade als Auferstandener – immer wieder in die „Wüste“ voraus,
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| um so ihr „Menschenfischersein“ zu tragen.
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| „Wüste“ als Ort nicht nur der menschlichen Einsamkeit, sondern auch der Gottferne,
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| doch gleichzeitig Gebet als Verbindung zu Gott und zugleich Aufgesuchtwerden von Petrus und seinen Begleitern, indirekt von „allen“.
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| Angesichts der Präsenz von Ostern in der Erzählung ist Jesu Weg in die Einsamkeit bzw. in die „Wüste“ unerwartet;
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| man würde ihn eher in einer der Auferstehung entsprechenden Umgebung erwarten.
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| Doch kommt gerade in dieser Umbiegung der Erwartung zum Vorschein, worauf Markus Wert legt,
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| wie die weitere Betrachung noch zeigen wird.
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| Sicher „hinkt“ hier manches; doch ist dies dem Umstand geschuldet, dass Markus einerseits Jesu Auferstehung
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| durch klare Anspielungen gegenwärtig macht, andererseits Jesus aber noch auf dem Weg zu Tod und Auferstehung ist.
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| Mithin ist also das „Weiter“ auf zwei Ebenen zu verorten:
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li Jesu Wirken als Auferstandener – vom Himmel her in Unterstützung seiner Jünger.
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li Jesu Weg ans Kreuz.
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| Andererseits wirft der Umstand, dass in der vorhergehenden Erzählung bereits alle Kranken geheilt worden waren,
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| die Frage auf, was nun „alle“ von Jesus wollen, warum sie ihn suchen.
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| Festzuhalten ist jedenfalls, dass bevor diese „alle“ überhaupt nachkommen können, Jesus aufbricht zu einer erweiterten Wirksamkeit.
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| Festzuhalten ist jedenfalls, dass bevor diese „alle“ überhaupt nachkommen können, Jesus aufbricht zu einer erweiterten Wirksamkeit,
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| die er mit seiner Sendung begründet.
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li
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| Vom Gesamt des Evangeliums her legt es sich nahe, dass Markus Jesus sich hier einer Verehrung durch die Menschen
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| Vom Gesamt des Evangeliums her legt es sich nahe, dass Markus Jesus sich hier einer Verehrung durch die Menschen
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| aufgrund der Heilungen und Dämonenaustreibungen entziehen lässt (– das wäre in gewisser Weise eine Analogie zu den Schweigegeboten –)
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| und mittels dem „dazu bin ich gekommen“ auf die aktive Umsetzung seiner Sendung verweist: Wirken zum Heil der Menschen.
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| Ein Signal für die Zeit nach Ostern:
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| das Ziel des Wirkens Jesu ist nicht seine eigene Verehrung (als Auferstandener in der Herrlichkeit des Himmels),
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| sondern die Nachfolge im Dienst des Evangleliums zum Heil der Menschen;
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| sondern die Umkehr und die Nachfolge der Jünger im Dienst des Evangeliums zum Heil der Menschen (→ Mitte der konzentrischen Gliederung);
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| es geht Jesus um die Menschen, nicht um seine eigene Verehrung!
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| Hier ist die „Wüste“ auch ein Kontrast zu all den „schönen Orten“ von Verehrung;
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| sie ist der Wirkort Jesu,
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| in den die Jünger immer neu nachfolgen müssen.
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| So biegt gerade das ambivalente Stichwort „Einsamkeit“/„Wüste“ eine Anbetungs- und Verherrlichungschristologie um
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| zu einer Sendungschristologie:
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ul.card-text
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| Der Vorstoß in die „Wüste“, um darin eine „Insel des Lebens“ zu erschaffen, war der Weg Jesu während seines irdischen Wirkens.
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| Der Blick auf den Auferstandenen, der in der Herrlichkeit des Himmels thront,
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| wird von der Erzählung umgebogen auf die „Wüste“ als Wirkort Jesu vor Tod und Auferstehung.
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| Aus dem Bezug zur Berufung der Söhne des Zebedäus (→ Mitte der konzentrischen Gliederung) wird der Philipperhymnus präsent:
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q.bibeltext
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| 6 Er war Gott gleich, hielt es aber nicht als einen Raub fest, Gott gleich zu sein,
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| 7 sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich.
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| Sein Leben war das eines Menschen;
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| 8 er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.
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| 9 Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen,
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| 10 damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu
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| 11 und jeder Mund bekennt: Jesus Christus ist der Herr zur Ehre Gottes, des Vaters.
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span.bibelstelle Phil 2,6-11
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| Besonders in der Zeit nach Ostern ist <i>diese</i> Erinnerung an den Gottessohn wichtig,
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| der gerade nicht in der himmlischen Herrlichkeit geblieben ist, sondern den Weg des Dienens bis an Kreuz gegangen ist:
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| der Blick auf den Auferstanden in seiner Herrlichkeit muss immer wieder auf seinen Weg dorthin führen – um Sendung und Weg des nun Auferstandenen nicht zu vergessen
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| und sich auch der eigenen Sendung immer neu bewusst zu werden.
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| In der Erzählung folgen Petrus und seine Begleiter in die „Wüste“ nach;
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| dies ist der Ort, an den auch die Jünger (besonderes nach Ostern) gesandt sind:
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| Als „Menschenfischer“ in der Nachfolge Jesu sollen sie Menschen auf die „Insel des Lebens mitten in der Wüste der Gottferne“ hinüberretten
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| (→ Mitte der konzentrischen Gliederung).
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| Dass Jesus – wie es diese Erzählung bebildert – nach seiner Auferstehung den Jüngern gerade in die „Wüste“ vorausgeht,
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| um sie hinter sich herzuziehen, ist Auftrag und Verheißung zugleich:
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ul.card-text
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li Jesu Sendung in die „Wüste“ muss in den Jüngern weitergehen.
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| Jesus trägt das „Menschenfischersein“ der Jünger – sie sind nicht auf sich allein gestellt, sondern bekommen „himmlischen Beistand“.
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| So geht auch für Jesus als Auferstandenen – als der er „tot ist für die Sünde“ und „für Gott lebt“ (→ Röm 6) – die
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| Auseinandersetzung mit Satan – auch wenn dieser letztlich schon besiegt ist – weiter,
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| bleibt die „Wüste“ weiterhin sein Wirkort.
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| Zusammenfassend lässt sich sagen:
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| Den Blick zum Auferstandenen lenkt Markus in die „Wüste“ als Ort der Sendung Jesu und der Sendung der Jünger um –
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| dorthin müssen die Jünger Jesus immer neu nachfolgen, und nicht zuletzt im Gebet werden sie seinen Beistand erfahren.
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| Die „Wüste“ ist auch ein Kontrast zu all den „schönen Orten“ von Verehrung.
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| Die Dämonenaustreibungen, die in Mk 1,39 erwähnt werden, geschehen im Kontext der Umkehr und des Glaubens an das Evangelium (Mk 1,14-15);
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| sie können – wie in Mk 1,21-28 – als Auswirkung der Lehre Jesu – also seiner Verkündigung – gelesen werden:
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| sie können – wie in Mk 1,21-28 – als Auswirkung der Lehre Jesu – also seiner Verkündigung – gelesen und als Bestätigung für den Anbruch des Gottesreiches verstanden werden:
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| Menschen hören auf, Diener Satans zu sein, und werden Diener Gottes.
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| Das Wirken Johannes des Täufers und die die Massenheilungen und –dämonenaustreibungen als gegenüberliegende Erzählungen
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| Das Wirken Johannes des Täufers und die Massenheilungen und –dämonenaustreibungen als gegenüberliegende Erzählungen
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h6.card-subtitle.text-muted
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| Jesus, der Stärkere, in Aktion
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| Die Parallele zwischen der Auferstehung Jesu – „als er aus dem Wasser stieg“ – und der Aufrichtung der Schwiegermutter des Petrus wird deutlich:
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| beide entsteigen dem Tod: Jesus im realen, die Schwiegermutter im übertragenen Sinne.
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| wie Jesus in der Auferweckung durch Gott „aufgerichtet“ wurde, so „richtet“ Jesus nun die Schwiegermutter des Petrus „auf“;
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| beide entsteigen dem Tod: Jesus im realen, die Schwiegermutter des Petrus im übertragenen Sinn.
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| Die Taufe erscheint als Ort der <i>Schicksalsgemeinschaft</i> mit Jesus.
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| Die Taufe erscheint als Ort der rettenden <i>Schicksalsgemeinschaft</i> mit Jesus.
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| Wie Jesus sich in Mk 1,35-39 der Verehrung entzieht (→ unteres Ende der konzentrischen Gliederung),
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| so endet die Heilung der Schwiegermutter des Petrus nicht in Lobeshymnen auf Jesus, sondern im ganz
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| handgreiflichen Dienst der Schwiegermutter des Petrus an Jesus und seinen Begleitern:
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| dies ist die adäquate Reaktion auf die Teilhabe an Tod und Auferstehung Jesu.
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| dies ist die adäquate Umsetzung der Teilhabe an Tod und Auferstehung Jesu.
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| Dieser Dienst – im Sinne des „tot für die Sünde – leben für Gott“ – in der Nachfolge Jesu
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| bedeutet <i>Handlungsgemeinschaft</i> mit Jesus.
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| Dieser Dienst aneinander – im Sinne des „tot für die Sünde – leben für Gott“ – in der Nachfolge Jesu
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| ist <i>Handlungsgemeinschaft</i> mit Jesus: wie Jesus Menschen aufrichtet, so richtet dieser Dienst einander auf.
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| Die Versuchung Jesu und die neue, Dämonen austreibende Lehre in der Synagoge als gegenüberliegende Erzählungen
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| Die Versuchung Jesu und die neue, Dämonen austreibende Lehre in der Synagoge als gegenüberliegende Erzählungen
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h6.card-subtitle.text-muted
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| Jesus ist gekommen, um Satan ins Verderben zu stürzen
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@ -479,8 +547,14 @@ block content
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| das dazu Gesagte ist hier zu vergegenwärtigen.
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| Während die Versuchung inhaltlich und vom Ergebnis her offen bleibt,
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| macht die Episode in der Synagoge klar, dass Jesus gekommen ist, die Dämonen mitsammt ihrem Anführer – Satan – ins Verderben zu stürzen;
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| macht die Episode in der Synagoge klar, dass Jesus nicht nur gekommen ist, um die Dämonen mitsammt ihrem Anführer – Satan – ins Verderben zu stürzen,
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| sondern dies auch tatsächlich tut;
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| dazu geht Jesus ihnen ins Verderben „voraus“.
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| „Wüste“ im Sinne der Gottferne und „Verderben“ verbinden sich inhaltlich – beides sind „Orte“, an die Jesus geht:
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| Durch Jesu Gang ins Verderben entsteht die „Insel des Lebens“ mitten in der „Wüste der Gottferne“,
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| ist die Gottferne auf der Erde aufgebrochen.
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