Verbesserungen Mk/Verrückt,Verteidigung,Familie

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Peter Fischer 2022-09-10 12:54:19 +02:00
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| Die Vier, die den Gelähmten tragen, scheuen keinen Aufwand, um ihm Heilung zuteil werden zu lassen; | Die Vier, die den Gelähmten tragen, scheuen keinen Aufwand, um ihm Heilung zuteil werden zu lassen;
| sie stellen sich in den Dienst einer Existenz am Rande (Gelähmter) bzw. eines Menschen, der der Umkehr(hilfe) bedürftig ist. | sie stellen sich in den Dienst einer Existenz am Rande (Gelähmter) bzw. eines Menschen, der der Umkehr(hilfe) bedürftig ist.
br
| Bei ihnen „sieht“ Jesus den „Glauben, der durch die Liebe wirkt“ (Gal 5,6), worauf er den Gelähmten „heilt“.
li li
| Jesus selbst ist auch zu nennen: er ermöglicht mit seinem Gekreuzigtwerden, Sterben, Begrabenwerden und Auferstehen | Jesus selbst ist auch zu nennen: er ermöglicht mit seinem Gekreuzigtwerden, Sterben, Begrabenwerden und Auferstehen
| die heilvolle Schicksalsgemeinschaft mit ihm (Mit-Gekreuzigtwerden, Mit-Sterben, Mit-Begrabenwerden, in der Neuheit des Lebens wandeln), | die heilvolle Schicksalsgemeinschaft mit ihm (Mit-Gekreuzigtwerden, Mit-Sterben, Mit-Begrabenwerden, in der Neuheit des Lebens wandeln),
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li li
| Schließlich ist auf den Gelähmten selbst zu blicken, der sich erhebt, um in der Neuheit des Lebens zu wandeln; | Schließlich ist auf den Gelähmten selbst zu blicken, der sich erhebt, um in der Neuheit des Lebens zu wandeln;
| dazu nimmt er seine Bahre mit, um künftig selber Menschen in einem ganz existentiellen (doppelten) Sinne aufzuhelfen. | dazu nimmt er seine Bahre mit, um künftig selber Menschen in einem ganz existentiellen (doppelten) Sinne aufzuhelfen.
p.card-text
| Das <i>Tun</i> des Willen Gottes verbindet sich anders als im Judentum bzw. bei judaisierenden Christen nicht mit
| dem jüdischen Gesetz, sondern mit dem „Glauben, der durch die Liebe wirkt“, wie ihn die Vier leben.
br
| Denn das Gesetz gehört nach christlich-paulinischer Sicht einer vorausgehenden Epoche an, die unter der Herrschaft der Sünde stand,
| wobei das Gesetz eine unrühmliche Rolle spielte. Mit Christus mit seinem Tod und seiner Auferstehung
| ist das Zeitalter des Glaubens angebrochen, wie Paulus in Gal 3,19-25 ausführt.
p.card-text
| Der Glaube an Tod und Auferstehung Jesu nimmt aber in die Pflicht, sein Leben entsprechend auszurichten;
br
| Glaube ist bei Markus wie Paulus ein tätiger Glaube, der die in Jesu Tod und Auferstehung
| ermöglichte und in der Taufe vollzogene Lebenswende
| mit der ganzen Existenz aneignet:
br
| Der „Glaube an den Sohn Gottes, der mich geliebt uns sich für mich hingegeben hat“ (Gal 2,20)
| zeigt sich als „Glaube, der durch die Liebe wirkt“ (Gal 5,6);
br
| er ist nie nur Bekenntnisglaube.
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@ -271,27 +291,47 @@ block content
| Die vorliegende Erzählung führt auch die vorvorausgehende Erzählung weiter, bei der sich die biologische Familie | Die vorliegende Erzählung führt auch die vorvorausgehende Erzählung weiter, bei der sich die biologische Familie
| Jesu auf den Weg zu ihm gemacht hatte; | Jesu auf den Weg zu ihm gemacht hatte;
br br
| nun erhält sie eine klare Abfuhr von ihm, und wir eine neue Definition von Familie: | nun erhält sie eine klare Abfuhr von ihm, und wir erleben den Übergang von Familie zur Gemeinde
| mit Übernahme der typischen Familien-Begriffe Bruder und Schwester sowie hier auch Mutter:
p.card-text p.card-text
i i
| Wer zur Familie Jesu der Familie Gottes, der Gemeinde gehören will, | Wer zur Familie Jesu der Familie Gottes, der Gemeinde gehören will,
br
| Bruder, Schwester, Mutter Jesu sein will,
br
| der muss den Willen Gottes aktiv tun. | der muss den Willen Gottes aktiv tun.
br p.card-text
| Damit wird die übliche, biologische, über das Blut laufende Definition von Familie aufgebrochen, ja zurückgewiesen, | Damit werden im Hinblick auf die christliche Gemeinde biologische, über das Blut laufende
| Kategorien einer Gemeinschaft aufgebrochen, ja zurückgewiesen,
| und eine ethische Definition an deren Stelle gesetzt: | und eine ethische Definition an deren Stelle gesetzt:
br br
| Die christliche Familie im Sinne von Gemeinde definiert sich nicht durch biologische Abstammung, | Die christliche Familie im Sinne von Gemeinde definiert sich nicht durch biologische Abstammung wie das Volk Israel ,
| sondern durch das Tun des Willens Gottes, wozu sie durch Christus befreit wurde (→ Mitte der konzentrischen Gliederung) | sondern durch das Tun des Willens Gottes, wozu sie durch Christus befreit wurde (→ Mitte der konzentrischen Gliederung)
| und um den sie sich versammelt, | und um den sie sich versammelt,
| wie hier die Gemeinschaft, auf die Jesus verweist, um ihn sitzt. | wie hier die Gemeinschaft, auf die Jesus verweist, um ihn sitzt.
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| Insofern in der Mitte der konzentrischen Gliederung neben der Gesetzes- auch die Völkerthematik eine tragende Rolle spielt | Damit wird einerseits deutlich, dass biologische, über das Blut laufende Kategorien nicht ausreichen,
| (doppelte Dachöffnung!), bringt die hier vorgenommene ethische Umdefinition von Familie gleichzeitig eine Weitung | man Christ „nicht einfach ist“ aufgrund einer bestimmten Abstammung;
| in die Völkerwelt mit sich; die biologische Familie Jesu, die hier anklopft, wird damit durchsichtig auf das jüdische Volk.
br br
| Nicht nur eine biologisch-blutlinienmäßige, sondern auch eine völkisch-nationalistische Definition von Familie wird hier | es findet hier also eine Einschränkung statt, die das tatsächliche Tun des Willens Gottes zum Maßstab macht.
| zurückgewiesen mit der neuen, ethischen Definition von Familie, und damit gleichzeitig Platz geschaffen für eine p.card-text
| völkerverbindende Gemeinschaft als „Familie Gottes/Jesu“, die den Willen Gottes in der Nachfolge Jesu tut. | Gleichzeitig findet eine Weitung statt, die in der hier begegnenden Definition von Familie im Sinne von Gemeinde
| perspektivisch enthalten ist, durch
| die Mitte der konzentrischen Gliederung aber auch präsent wird:
br
| Denn insofern in der Mitte der konzentrischen Gliederung auch die Völkerthematik eine tragende Rolle spielt
| (doppelte Dachöffnung!), bringt die hier vorgenommene ethische Definition von Familie im Sinne von Gemeinde
| eine grundsätzliche Weitung in die Völkerwelt mit sich;
br
| die biologische Familie Jesu, die hier anklopft, wird in dieser Perspektive durchsichtig auf das jüdische Volk.
p.card-text
| Nicht nur eine biologisch-blutlinienmäßige, sondern auch eine völkisch-nationalistische Definition von Familie im Sinne von Gemeinde
| wird hier
| zurückgewiesen mit der neuen, ethischen Definition dieses sozialen Gebildes;
br
| damit wird gleichzeitig Platz geschaffen für eine
| völkerverbindende Gemeinschaft als „Familie Gottes/Jesu“, die den Willen Gottes in der Nachfolge Jesu tut
| im Sinne des „Glaubens, der durch die Liebe wirkt“.
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@ -307,6 +347,6 @@ block content
| Denn der <i>eine</i> Vater ist Gott selbst! | Denn der <i>eine</i> Vater ist Gott selbst!
p.card-text p.card-text
| Dies Vorstellung begegnet auch im Verlassen des (eigenen, biologischen) Vaters durch die Söhne des Zebedäus | Dies Vorstellung begegnet auch im Verlassen des (eigenen, biologischen) Vaters durch die Söhne des Zebedäus
| sowie dann später bei weiteren Aufzählungen von Familien-Gliedern ist. | sowie dann später bei weiteren Aufzählungen von Familien-Gliedern.
p.card-text p.card-text
| Darin liegt auch ein anti-hierarchischer Impuls (wie das Aufgreifen der Macht-Frage im Evangelium an anderen Stellen zeigt). | Darin liegt auch ein anti-hierarchischer Impuls (wie das Aufgreifen der Macht-Frage im Evangelium an anderen Stellen zeigt).

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@ -200,7 +200,7 @@ block content
| Das Urteil „von Sinnen“ der Familie über Jesus ist an sich mehrdeutig und schwierig zu interpretieren. | Das Urteil „von Sinnen“ der Familie über Jesus ist an sich mehrdeutig und schwierig zu interpretieren.
br br
| Dies umso mehr, als in der folgenden Erzählung, die von der Thematik „leibliche/geistliche Familie“ gerahmt wird, | Dies umso mehr, als in der folgenden Erzählung, die von der Thematik „leibliche/geistliche Familie“ gerahmt wird,
| eine Problematik hinsichtlich der paulinischen Rechtfertigungslehre thematisiert wird (Stichwort: „Diener der Sünde“). | eine <i>nachösterliche(!)</i> Problematik hinsichtlich der paulinischen Rechtfertigungslehre thematisiert wird (Stichwort: „Diener der Sünde“).
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@ -261,11 +261,12 @@ block content
br br
| Die Erzählung hier in 3,22-30 legt das nahe. | Die Erzählung hier in 3,22-30 legt das nahe.
p.card-text p.card-text
| Die Aussage vom Einbrechen ins Haus und Hausrat rauben wird in der Mitte der konzentrischen Gliederung | Die Aussage vom Einbrechen ins Haus und Rauben des Hausrats wird in der Mitte der konzentrischen Gliederung
| schön bebildert: | schön bebildert:
br br
| durch seinen Tod ist Jesus in das Totenreich das Haus hier quasi als Grab eingebrochen | durch seinen Tod ist Jesus in das Totenreich das Haus hier quasi als Grab eingebrochen
| und ermöglicht dort den Toten (→ Gelähmter) eines neues Leben, das sie nach Hause (→ in den Himmel) gehen lässt. | und ermöglicht dort den in der Taufe mit ihm Gestorbenen (→ Gelähmter) eines neues Leben,
| das sie nach Hause (→ in den Himmel) gehen lässt.
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@ -273,7 +274,8 @@ block content
h6.card-subtitle.text-muted Erweiterte Bezüge durch die Mitte der konzentrischen Gliederung h6.card-subtitle.text-muted Erweiterte Bezüge durch die Mitte der konzentrischen Gliederung
hr hr
p.card-text p.card-text
| Der Vorwurf an Jesus ist einerseits allerhand, hat er sich doch eigentlich mit Dämonenaustreibungen und Heilungen | Der Vorwurf an Jesus ist einerseits allerhand, hat er sich doch eigentlich mit Dämonenaustreibungen und anderen Heilungen,
| die wie wir gesehen haben letztlich auch die Qualität von Dämonenaustreibungen haben
| frontal gegen Satan positioniert. | frontal gegen Satan positioniert.
br br
| Andererseits hat sich Jesus auch verdächtig gemacht durch seine Gemeinschaft mit den „Zöllnern und Sündern“ (Mk 2,13-17) | Andererseits hat sich Jesus auch verdächtig gemacht durch seine Gemeinschaft mit den „Zöllnern und Sündern“ (Mk 2,13-17)
@ -281,19 +283,34 @@ block content
| ferner vertritt er eine „eigenwillige“ Auslegung des Sabbat-Gebotes (Mk 2,23-28, auch Mk 3,1-6), | ferner vertritt er eine „eigenwillige“ Auslegung des Sabbat-Gebotes (Mk 2,23-28, auch Mk 3,1-6),
| steht mithin also nicht zu 100 % in der (sonst üblichen) Tradition des jüdischen Gesetzes. | steht mithin also nicht zu 100 % in der (sonst üblichen) Tradition des jüdischen Gesetzes.
p.card-text p.card-text
| Schon in Mk 2,1-12 (Heilung des Gelähmten) war das Verhältnis zwischen Jesus und dem jüdischen Gesetz subtil | Schon in Mk 2,1-12 (Heilung des Gelähmten) war wie hier die Frage, wer durch Jesus eigentlich wirkt, präsent, nämlich
| Thema gewesen, allein schon durch die Präsenz der Schriftgelehrten
| und konkret in der Frage nach wirksamer Sündenvergebung;
br
| es ging dabei neben anderem und wie schon in 1,21-28 (erste Dämonenaustreibung, Schriftgelehrte im Horizont genannt) um die Insuffizienz des Gesetzes, lebendig zu machen.
br
| Ferner war auch in Mk 2,1-12 wie hier die Frage, wer durch Jesus eigentlich wirkt, präsent, nämlich
| in der Anrede Jesu an den Gelähmten: „Mein Sohn“, womit angedeutet ist, dass durch Jesus Gott selbst wirkt, | in der Anrede Jesu an den Gelähmten: „Mein Sohn“, womit angedeutet ist, dass durch Jesus Gott selbst wirkt,
| was die Schriftgelehrten nicht realisieren und weswegen sie die Sündenvergebung durch Jesus ablehnen. | was die Schriftgelehrten nicht realisieren und weswegen sie die Sündenvergebung durch Jesus ablehnen.
br br
| Ferner war in Mk 2,1-12 auch das Verhältnis zwischen Jesus bzw. eigentlich
| dem nachösterlichen christlichen Glauben (→ Glaube der Vier!) an Jesus als Christus
| einerseits und dem jüdischen Gesetz andererseits subtil
| Thema gewesen, allein schon durch die Präsenz der Schriftgelehrten
| und konkret in der Frage nach wirksamer Sündenvergebung;
br
| ganz subtil wurde dabei wie schon in 1,21-28 (erste Dämonenaustreibung, Schriftgelehrte im Horizont genannt)
| die Insuffizienz des jüdischen Gesetzes, lebendig zu machen, angesprochen.
br
| Jesus dagegen hat so zeigt es der Fortgang der Erzählung
| offensichtlich die Vollmacht zu echter, wirksamer Sündenvergebung, die zu einem neuen Leben ermöglicht (→ Gelähmter, der sich erhebt);
br
| dabei stand aber nicht der irdische, vorösterliche Jesus und seine Vollmacht im Fokus,
| sondern die Gültigkeit und Wirksamkeit der durch Tod und Auferstehung Jesu ermöglichten
| Rechtfertigung allein aus Glauben (→ Glaube der Vier!), jenseits der
| „Werke des (jüdischen) Gesetzes“, wie sie Paulus in seinen Briefen vertritt und verteidigen muss.
br
| Mk 2,1-12 bildet nun die Mitte der konzentrischen Gliederung. | Mk 2,1-12 bildet nun die Mitte der konzentrischen Gliederung.
| Und das Gegenüber in der aktuellen Erzählung sind wieder die Schriftgelehrten.
p.card-text p.card-text
| Mit Mk 2,1-12 steht aber in besonderer Weise auch Röm 6 im Mittelpunkt; und genau dort setzt sich Paulus mit ganz ähnlichen | Mit Mk 2,1-12 steht auch die Tauftheologie des Paulus nach Röm 6
| (Mitgekreuzigtsein, Mitgestorbensein, <i>Mitbegrabensein</i>) im Mittelpunkt;
br
| und genau dort in Röm 6 setzt sich Paulus mit ganz ähnlichen
| Vorwürfen wie hier Jesus auseinander, wozu er von Kritikern seiner Rechtfertigungslehre offenbar genötigt wird: | Vorwürfen wie hier Jesus auseinander, wozu er von Kritikern seiner Rechtfertigungslehre offenbar genötigt wird:
br br
q.bibeltext Was sollen wir nun sagen? Sollen wir an der Sünde festhalten, damit die Gnade umso mächtiger werde? Keineswegs! q.bibeltext Was sollen wir nun sagen? Sollen wir an der Sünde festhalten, damit die Gnade umso mächtiger werde? Keineswegs!
@ -304,23 +321,23 @@ block content
p.card-text p.card-text
| Mit seiner Lehre von der Rechtfertigung allein aus Gnade, ohne der Notwendigkeit, sich auf das jüdische Gesetz zu verpflichten, | Mit seiner Lehre von der Rechtfertigung allein aus Gnade, ohne der Notwendigkeit, sich auf das jüdische Gesetz zu verpflichten,
| setzte sich Paulus dem Vorwurf aus, er würde effektiv der Sünde dienen, weil sie ohne Verpflichtung auf das jüdische Gesetz | setzte sich Paulus dem Vorwurf aus, er würde effektiv der Sünde dienen, weil sie ohne Verpflichtung auf das jüdische Gesetz
| doch frei und schadlos praktiziert werden könne; und wenn sich Gott doch in besonderer Weise den Sündern zuwendet, | doch frei und schadlos praktiziert werden könne; und wenn sich Gott doch in besonderer Weise den Sündern zuwende,
| ist es dann nicht gut, Sünder zu sein? Steht also hinter allem nicht doch eher die Sünde und nicht Gott? | wäre es dann nicht gut, Sünder zu sein? Steht also hinter allem nicht doch eher die Sünde und nicht Gott?
p.card-text p.card-text
| Vom Blick auf Paulus und einer Verdrehung seiner Rechtfertigungslehre her macht der Vorwurf an Jesus Sinn! | Vom Blick auf Paulus und einer Verdrehung seiner Rechtfertigungslehre her macht der Vorwurf an Jesus Sinn!
br
| Jesus wird auch hier durchsichtig auf Paulus; es geht auch hier um eine nachösterliche Fragestellung.
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h5.card-title Abwehr des Vorwurfs bei Paulus und Markus (bzw. dem markinischen Jesus) h5.card-title Abwehr des Vorwurfs bei Paulus und Markus (bzw. dem markinischen Jesus)
hr hr
p.card-text p.card-text
| Paulus weist in Röm 6 auf die grundlegende Lebenswende in der Taufe hin, auf das Mitgekreuzigtsein, | Paulus weist in Röm 6, das nun neben anderem durch die Mitte der konzentrischen Gliederung vergegenwärtigt wird,
| Mitgestorbensein, Mitbegrabensein mit Jesus Letzteres bildet nun die Mitte der konzentrischen Gliederung! | auf die grundlegende Lebenswende in der Taufe hin, auf das Mitgekreuzigtsein,
br | Mitgestorbensein, <i>Mitbegrabensein</i> mit Jesus und die damit sich verbindenden Konsequenzen:
| Ein Teil der Abwehr des Vorwurfes muss also auch bei Markus nicht in der eigentlichen Erzählung selbst,
| sondern in der Mitte der konzentrischen Gliederung gesucht werden.
p.card-text p.card-text
| Die hier relevanten Aussagen seine nochmal kurz aufgeführt: | Die hier relevanten Aussagen seien nochmal kurz aufgeführt:
br br
q.bibeltext Wie können wir, die wir für die Sünde tot sind, noch in ihr leben? q.bibeltext Wie können wir, die wir für die Sünde tot sind, noch in ihr leben?
span.bibelstelle Röm 6,2 span.bibelstelle Röm 6,2
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p.card-text p.card-text
| Hier wird jeweils eine klare Trennlinie zwischen Gott und der Sünde (bzw. Satan) gezogen, zwischen neuer und alter Existenz, sowie | Hier wird jeweils eine klare Trennlinie zwischen Gott und der Sünde (bzw. Satan) gezogen, zwischen neuer und alter Existenz, sowie
| Geradlinigkeit gefordert, weil es eine Unvereinbarkeit der beiden Existenzen gibt. | Geradlinigkeit gefordert, weil es eine Unvereinbarkeit der beiden Existenzen gibt.
br
| Analog dazu argumentiert der markinische Jesus angesichts des Vorwurfes, mit dem Anführer der Dämonen im Bunde zu stehen,
| dass es kein Dienst an Satan ist, wenn er in Dämonenaustreibungen von Satan bzw. den Dämonen befreit,
| geht es dabei doch siehe die Mitte der konzentrischen Gliederung um eine Befreiung, die wirklich eine Lebenswende weg von der Sünde ist,
| wie dies anhand des Gelähmten bebildert ist, der sich in Analogie zur Auferstehung Jesu
| zu einem neuen Leben erhebt. Einem neuen Leben, zu dem ihm die Schriftgelehrten bzw. das jüdische Gesetz
| aufgrund der eigenen Insuffizienz gerade nicht verhelfen konnten und können.
p.card-text p.card-text
| Man muss den Spies vielmehr umdrehen: Nicht Jesus steht im Dienst der Sünde, sondern das jüdische Gesetz, | Auch im Galaterbrief muss Paulus seine Rechtfertigungslehre verteidigen, auch darauf gab es in Mk 2,1-12 Anspielungen,
br
| vor allem zeigen die Vier einen <i>Glauben, der durch die Liebe wirkt</i> (Gal 5,6):
br
| Die Lebenswende, die der Glaube ermöglicht hat, muss sich im konkreten Handeln, in der ganzen Existenz des Christen
| zeigen. Ein Glaube, der beim Bekenntnis stehen bleibt, ist für Paulus und Markus kein „vollständiger“ Glaube;
br
| besonders Markus problematisiert einen reinen Bekenntnisglauben (der nur die Auferstehung in Blick nimmt).
p.card-text
| Weil es bei der Taufe um eine echte Lebenswende weg von der Sünde hin zu Gott geht,
| wie dies in der Mitte der konzentrischen Gliederung anhand des Gelähmten bebildert ist, der sich in Analogie zur Auferstehung Jesu
| zu einem neuen Leben erhebt;
br
| weil der Glaube nur dann „vollständiger“ Glaube ist, wenn er durch die Liebe wirkt,
| wie dies in der Mitte der konzentrischen Gliederung anhand der Vier gezeigt wird, deren Glauben durch ihr Tun „gesehen“ werden kann;
br
| weil also das Tun des Christen nicht einer Beliebigkeit preisgegeben ist, die dem Sündigen Tür und Tor öffnen würde,
br
| kann der markinische Jesus angesichts des Vorwurfes, mit dem Anführer der Dämonen im Bunde zu stehen, argumentieren,
| dass es kein Dienst an Satan ist, wenn er in Dämonenaustreibungen von Satan bzw. den Dämonen befreit.
p.card-text
| Ein Teil der Abwehr des Vorwurfes ja im Grunde der <i>entscheidende</i> Teil muss also bei Markus nicht in der eigentlichen Erzählung selbst,
| sondern in der Mitte der konzentrischen Gliederung gesucht werden.
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h5.card-title Insuffizientes Gesetz: Der Spies umgedreht
hr
p.card-text
| Der Vorwurf an Jesus, im Dienst von Beelzebul zu stehen,
| ist mit der subtilen Aussage bezüglich der Insuffizienz des jüdischen Gesetzes hinsichtlich echter, wirksamer Sündenvergebung
| in der Mitte der konzentrischen Gliederung zu verbinden.
br
| Während Jesus zu einem neuen Leben verhelfen kann, können dies die Schriftgelehrten bzw. das jüdische Gesetz
| aufgrund der eigenen Insuffizienz gerade nicht!
p.card-text
| Man muss den Spies der Schriftgelehrten gegen Jesus umdrehen:
br
| Nicht Jesus steht im Dienst der Sünde, sondern das jüdische Gesetz,
| wie in der Mitte der konzentrischen Gliederung subtil angedeutet: | wie in der Mitte der konzentrischen Gliederung subtil angedeutet:
br br
q.bibeltext q.bibeltext
@ -375,10 +425,21 @@ block content
| denen gegeben wird, die glauben. | denen gegeben wird, die glauben.
span.bibelstelle Gal 3,19.21-22 span.bibelstelle Gal 3,19.21-22
br br
| Paulus kann das jüdische Gesetz als „Gesetz der Sünde und des Todes“ bezeichnen, weil es wie in Gal 3 (wie auch in Röm 5 und 7) dargelegt q.bibeltext
| eine unheilige Allianz mit der Sünde eingegangen ist, insofern es dem Sünder nur das Todesurteil zusprechen kann, weil ihm selber | Paulus kann das jüdische Gesetz als „Gesetz der Sünde und des Todes“ bezeichnen, weil es wie in Gal 3 (wie auch in Röm 5 und 7) dargelegt
| die Kraft fehlt, lebendig zu machen (→ Gal 3,21!). | eine unheilige Allianz mit der Sünde eingegangen ist, insofern es dem Sünder nur das Todesurteil zusprechen kann, weil ihm selber
| die Kraft fehlt, lebendig zu machen (→ Gal 3,21!).
p.card-text
| Ganz prägnant sind die Zusammenhänge in
span.bibelstelle 1 Kor 15,56-57
| formuliert:
br
q.bibeltext
| Der Stachel des Todes aber ist die Sünde,
br
| die Kraft der Sünde ist das Gesetz.
br
| Gott aber sei Dank, der uns den Sieg geschenkt hat durch unseren Herrn Jesus Christus.
.card.slide.border-primary.mb-3 .card.slide.border-primary.mb-3
@ -445,3 +506,70 @@ block content
| in seinem Dienst oder Auftrag, obwohl aufgrund der oben erinnerten Zusammenhänge das Befreitwerden von Beelzebul | in seinem Dienst oder Auftrag, obwohl aufgrund der oben erinnerten Zusammenhänge das Befreitwerden von Beelzebul
| bzw. von der Sünde mit dem Befreitwerden vom jüdischen Gesetz (als göttlich verordnetem Weg zum (Un-)Heil) in eins geht. | bzw. von der Sünde mit dem Befreitwerden vom jüdischen Gesetz (als göttlich verordnetem Weg zum (Un-)Heil) in eins geht.
.card.slide.border-primary.mb-3
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h5.card-title „Wenn eine Familie in sich gespalten ist, kann sie keinen Bestand haben.“
hr
p.card-text
| Diese Aussage ist mit dem Kontext der Verteidigungsrede zu verbinden,
| geht es doch davor um die leibliche Familie Jesu, die Jesus für „von Sinnen“ hält,
| und im Anschluss um die „wahre Familie“ Jesu, die sich über das Tun des Willens Gottes konstituiert.
p.card-text
| Insofern die in der Verteidigungsrede verhandelte Frage eine nachösterliche ist,
| legt sich nahe, dass auch diese Aussage auf die nachösterliche Situation der Kirche zu beziehen ist.
p.card-text
| Dabei ist zunächst zu bedenken, dass Jesus hier durchsichtig wird auf Paulus.
br
| Ferner ist zu bedenken, dass die Aussage innerhalb der Verteidigungsrede fällt, der Kontext
| also die nachösterliche Frage danach ist, in wessen Diensten Jesus bzw. eigentlich Paulus steht,
| die Frage nach der Rechtfertigungslehre.
br
| Und zwischen Paulus und dem Herrenbruder gab es in den genannten Fragen tatsächlich Spannungen bis hin zur Spaltung,
| wie Paulus im Brief an die Galater erzählt.
p.card-text
| Für Markus ist klar, dass die paulinische Interpretation von Tod und Auferstehung Jesu gültig ist,
| Paulus und Jesus also auf eine Seite gehören.
br
| Daher kann man sich durchaus vorstellen, dass Markus die Spannung,
| die es in der frühen Kirche zwischen Paulus und dem Herrenbruder Jakobus gab,
| als Spannung innerhalb der Familie Jesu also zwischen Jesus und seiner Familie erzählt,
| weil das anders in seinem Evangelium gar nicht möglich ist.
p.card-text
| „Familie“ wäre dann weil es nachösterlich um einen Konflikt nicht innerhalb der leiblichen Familie Jesu geht sondern
| zwischen Paulus und dem Herrenbruder Jakobus auf das Judenchristentum zu beziehen, das in der Frage
| der Rechtfertigung gespalten ist und so das ist die Mahnung nicht Bestand haben kann;
br
| vielmehr sollten sich alle der Überzeugung des Paulus anschließen.
br
span.small
| Diese geweitete Deutung von „Familie“ ist durchaus möglich, weil in der nachfolgenden Erzählung
| auch „Familie“ als Summe der einzelnen dort genannten Familienmitglider
| die christliche Gemeinde (letztlich die ganze Kirche) bezeichnen kann.
p.card-text.small
| Vielleicht ist die Aussage bei Markus auch auf das Verhältnis zwischen Jesus und den ihn ablehnenden Teil
| des Judentums zu beziehen; das ist weil es hier um eine innerchristliche Fragestellung geht aber eher unwahrscheinlich.
p.card-text
| Vielleicht hat Markus auch konkret die Situation in Galatien vor Augen, wo sich die Gemeinde in der Fragestellung der Rechtfertigung
| nicht spalten soll, sondern sich in ihrer Gänze weder er paulinischen Überzeugung anschließen soll.
br
| Dann könnte
span.bibelstelle Gal 5,13-15
| im Hintergrund stehen; diese Stelle passt auch zum Kontext des Vorwurfes zügelloser Freiheit, die der Sünde Tür und Tor öffnen würde:
br
q.bibeltext
| Denn ihr seid zur Freiheit berufen, Brüder und Schwestern.
br
| Nur nehmt die Freiheit nicht zum Vorwand für das Fleisch, sondern dient einander in Liebe!
br
| Denn das ganze Gesetz ist in dem einen Wort erfüllt: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
br
| Wenn irh aber einander beißt und fresst, dann gebt Acht, dass ihr nicht einer vom anderen verschlungen werdet!
p.card-text
| Allgemein wird man sagen können, dass die Aussage des Markus zu Frieden und Zusammenhalt in der christlichen Gemeinde
| aufrufen will, wie dies Markus etwa auch in
span.bibelstelle Mk 9,50
| tut:
br
q.bibeltext
| Habt Salz in euch und haltet Frieden untereinander!