Mk/Mir nach: Ergänzung Verübergang des Herrn

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Peter Fischer 2022-02-02 17:36:07 +01:00
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| So ist theoretisch (→ Theologie/„Erlösungslehre“) wie praktisch (→ Ethik) die Herrschaft der Sünde bzw. Satans nicht
| gebrochen bzw. neu aufgerichtet, wo das Gesetz neu aufgerichtet wird.
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| Der Vorübergang des Herrn, der in die Freiheit führt
h6.card-subtitle.text-muted Ein Motiv aus dem Buch Exodus (Befreiung aus Ägypten)
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| Was die Einheitsübersetzung mit
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q.bibeltext
| Als Jesus am See von Galiläa entlangging ...
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| übersetzt, heißt wörtlich:
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q.bibeltext
| Und vorübergehend, vorüber am See von Galiläa ...
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| Entlanggehen und Vorübergehen sind hier sachlich identisch: das Vorübergehen am See von Galiläa ist das Entlanggehen an demselben.
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| Die Formulierung scheint aber mit „vorübergehend, vorüber am“ (gr. „paragwn para“) unbeholfen zu sein; mal stolpert darüber.
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| Dies könnte Absicht sein.
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| Markus verwendet das Wort „parago“ („vorübergehen“) an genau drei Stellen im Evangelium.
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| An allen drei Stellen geht ein Mann vorüber, zweimal ist dies Jesus.
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| In allen drei Erzählungen wird ein Sohn oder werden zwei Söhne mit dem Vater namentlich genannt dies ist nur in den drei
| Erzählungen mit „parago“ so, was diese Stellen auch auf diese Weise miteinander verbindet:
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li Mk 1,16-20: Jakobus und Johannes mit ihrem Vater Zebedäus.
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| Mk 2,13-14: Levi mit seinem Vater Alphaios.
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q.bibeltext
| Und vorübergehend sah er Levi, den (Sohn) des Alphaios, sitzend am Zollgebäude.
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| Mk 15,21: Simon von Kyrene mit seinen Söhnen Alexander und Rufus.
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q.bibeltext
| Und sie zwingen einen vorübergehenden gewissen Simon, einen Kyrener, kommend vom Feld, den Vater des Alexander und Rufus, dass er aufnahm sein Kreuz.
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| In allen drei Erzählungen ist „Befreiung“ gegenwärtig:
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| Dass Simon und Andreas die Netze auswerfen, Jakubus und Johannes ihre Netze reparieren, sind zunächt unverfängliche Tätigkeiten im Alltag von Fischern.
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| Insofern aber auf einer anderen Ebene das Netz auf das „Gesetz der Sünde und des Todes“ zu beziehen ist, erscheint ihr Handeln in einem anderen Licht:
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| das zerrissene Netz deutet die Befreiung von diesem „Gesetz der Sünde und des Todes“ durch Jesus an, dessen Sendung in den Tod zu eben diesem Zweck
| in der Mitte der konzentrischen Gliederung steht.
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| Das Weggerufenwerden der Vier durch Jesus vom „Netz“ und ihr Eintreten in die Nachfolge lässt die Befreiung für sie konkret werden.
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| Levi sitzt gerade am Zoll, als er berufen wird; er ist damit auf gewisse Weise „Diener der Sünde“ (Macht, Reichtum; siehe dort).
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| Sein Aufstehen ist in Analogie zur Auferstehung Jesu nach Röm 6 zu verstehen, sein Eintreten in die Nachfolge eine Lebenswende
| mit nachfolgendem „Wandel in der Neuheit des Lebens“.
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| Dies wird auch dadurch deutlich, dass mit der Berufung Levi als unterem Ende der konzentrischen Gliederung die Aufrichtung der Schwiegermutter
| des Petrus in der Mitte steht, die aus Fieber erlöst wird.
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| Deutlich wird also: Levi wird befreit aus den Fängen der Sünde und des Todes zu einem neuen Leben in der Nachfolge Jesu.
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| Das Wort Jesu, sein Ruf in die Nachfolge, ist schöpferisches Wort, das für Levi eine neue, gute Wirklichkeit schafft.
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| Als Jesus hinausgeführt wird zur Kreuzigug kommt gerade Simon von Kyrene vorbei, dem das Kreuz aufgeladen wird.
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| Hier ist es Jesus, der immerhin bis zur Kreuzigung selbst von der Last des Kreuzes befreit wird.
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| Dies ist im Sinne der Kreuzes-Nachfolge zu verstehen (siehe dort).
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| In allen drei Erzählungen geht es also um ein Vorübergehen, das sich mit einer bestimmten Befreiung verbindet;
| zweimal klar aus den Händen der Sünde und des Todes.
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| Dies lässt an die Pessach-Nacht der Israeliten in Ägypten denken:
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| in der Nacht, in der Gott die Erstgeborenen der Ägypter tötet als „ultima ratio“, weil der Pharao die Israeliten nicht gehen lassen wollte
| geht Gott verschonend an den Häusern der Israeliten vorüber, an deren Häusern das Blut der geschlachteten Lämmer angebracht war.
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| Dieser „Vorübergang des Herrn“ ist, weil dadurch tatsächlich die Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten folgte,
| zu einem Inbegriff dieser Befreiung geworden.
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| Dass zwei der relevanten Erzählungen am Wasser (See von Galiläa) spielen, assoziert dann auch das Schilfmeer, an dem Gott sein
| Volk nochmal aus der Hand der Ägypter gerettet hat der Durchzug durch das Schilfmeer als Sinnbild der Taufe (→ Osternacht, Taufwasserweihegebet).
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| So lässt sich mit großer Wahrscheinlichkeit festhalten:
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| Das Motiv des „Vorübergangs des Herrn“, das sich mit der Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten verbindet,
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| wird von Markus auf die Befreiung aus der Sklaverei der Sünde und des Todes übertragen.
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| Mk 1,16-20 und Mk 2,13-14 sind Berufungserzählungen.
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| Im Kontext der Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten wird die Berufung des Mose gegenwärtig.
ul.card-text
li
| Auffällig ist, dass Markus in Mk 1,16-20 zwar einerseits die Berufung des Elischa durch Elija adaptiert,
| andererseits aber nicht das „treffen“ („Elija traf Elischa“) übernimmt, sondern von einem Sehen spricht:
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q.bibeltext
| ... sah er Simon und Andreas ...
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| ... sah er Jakobus ... und Johannes ...
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| Ebenso dann bei Levi in Mk 2,14:
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q.bibeltext
| ... sah er Levi ...
br
| Bei der Berufung des Mose am brennenden Dornbusch ist ein zweifaches Sehen Gottes erzählt:
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q.bibeltext
| 4 Als der HERR <i>sah</i>, dass Mose näher kam, um sich das anzusehen, rief Gott ihm mitten aus dem Dornbusch zu ...
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| 7 Der HERR sprach:
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q
| Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten <i>gesehen</i> und ihre laute Klage über ihre Antreiber habe ich gehört.
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| Ich kenne sein Leid.
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| 8 Ich bin herabgestiegen, um es der Hand der Ägypter zu entreißen und aus jenem Land hinaufzuführen
| in ein schönes, weites Land, in ein Land, in dem Milch und Honig fließen ...
span.bibelstelle Ex 3,4.7-8
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| Gott sieht Mose, Gott sieht die Not seines Volkes.
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| Auch Jesus sieht nicht nur Simon und Andreas, Jakobus und Johannes sowie Levi,
| sondern die Situation, in der sie gerade sind und die sie ob nun das „Netz“ auswerfend, es reparierend oder am Zoll sitzend
| als Sklaven der Sünde ausweist.
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| Daraus befreit er sie.
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| Dabei ist auch das Motiv des Herabsteigens zur Befreiung im Evangelium präsent:
ul.card-text
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| Mit der Berufung der ersten Vier als unterem Ende der konzentrischen Gliederung stehen
| Taufe und Wüstensendung in der Mitte, die zusammen mit der Berufung der Zebedäussöhne
| Entäußerung, Erniedrigung und Gehorsam des Gottessohnes nach dem Philipperhymnus vergegenwärtigen.
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| Mit der Berufung des Levi als unterem Ende der konzentrischen Gliederung steht die Aufrichtung der Schwiegermutter des Petrus
| in der Mitte, bei der Jesus seinen Jüngern, die um die Heilung der Kranken bitten, „gehorsam“ ist wieder eine Anspielung
| auf Entäußerung, Erniedrigung und Gehorsam des Gottessohnes nach dem Philipperhymnus, die die Aufrichtung der Kranken zur Folge hat.
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| Wie Mose Gottes menschliches Werkzeug zur Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten, werden
| auch die Berufenen zur Befreiung in Dienst genommen:
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| Simon und Andreas werden unmittelbar in diesem Sinne als Menschenfischer berufen.
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| Auch das Indienstnehmen von Jakobus und Johannes ist dort wenn auch teils mit eigenen Akzenten einzuordnen.
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| Levi wird in die Nachfolge berufen; es wird erzählt, dass er daraufhin aufsteht und nachfolgt.
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| Dies verbindet sich einerseits mit dem Dienst der Schwiegermutter des Petrus an Jesus und seinen Begleitern nach deren Aufrichtung,
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| andererseits als direkt auf Jesus bezogene Nachfolge mit der Aufrichtung der Schwiegermutter durch Jesus selbst.
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| Auch Levi ist wie die vier Erstberufenen von Jesus für seine eigene Sendung in Dienst genommen:
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| Menschen aus der Gewalt der Sünde und des Todes zu befreien.
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| Mk 15,21 erzählt nicht von einer Berufung, und doch von befreiender Kreuzes-Nachfolge.
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| Der Vers weist dabei eine Reihe von Vertauschungen gegenüber den anderen beiden Stellen auf,
| die sicher nicht Zufall sind, sondern bewusst gesetzt wurden weil die Vertauschungen ein Gesamtbild ergeben:
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| Im Gegensatzu zu den anderen beiden Erzählungen wird nicht der Sohn über den Vater, sondern der Vater über die Söhne identifiziert.
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| Nicht Jesus geht vorüber,
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| sondern Simon von Kyrene geht vorüber.
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| Folglich wird auch im Vers selber nicht Jesu befreiend tätig,
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| sondern Simon von Kyrene trägt <i>für</i> Jesus das Kreuz im Sinne der Kreuzes-Nachfolge.
| Die bewussten Vertauschungen stehen einerseits im Dienste der Kreuzes-Nachfolge,
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| andererseits verdeutlichen sie in der Umkehrung , dass Jesus unser Kreuz trägt (→ Viertes Gottesknechtslied des Jesaja:
q.bibeltext Er hat unsere Krankheit getragen.
span.bibelstelle Jes 53,4
| ), um uns der Sklaverei der Sünde und des Todes zu entreißen.
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h6 Unwahrscheinliche Gliederungsvariante